Schlagwort-Archive: Euskera

Self Revival

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Seit einiger Zeit steht das Keyboard wieder im Wohnzimmer. Das kam so, weil Jana mal zum Musikmachen hier war, und obwohl wir festgestellt haben (big surprise), dass wir keine gemeinsame Basis an uns gut bekannten Liedern haben, hatte ihr Besuch diesen Effekt, dass alles an Instrumenten herausgekramt und darauf herumgeklimpert wurde, zumindest von meiner Seite.

Ich kann das Keyboard nicht ausstehen und sehne mir das Klavier von R’s Eltern herbei, welches irgendwann, in ferner Zukunft, wenn die Murat-Sache durch ist, mal unseres sein wird. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, es wieder zu benutzen. Ich habe eben drangesessen und mir den Anfang eines Grieg-Stückes, Solveigs Lied, beigebracht und bin darüber hocherfreut, denn seitdem ich keinen Unterricht mehr nehme, habe ich beachtliche 0 klassische Stücke erlernt, obwohl ich zigtausend Noten im Schrank stehen habe. Was für eine Leistung.

Mein Chinesisch – selbst zu seiner Blütezeit vor rund 13 Jahren nicht gerade von robuster Statur – ist auch vollkommen hinüber und gehört aufgebaut. Chinesisch kann man doch bestimmt im Internet gut lernen. Auch wenn es damals mit Hóng vermutlich lustiger war.

Und mein Euskera – Schande über mich, Schande und Verderben, ich vergesse mein Euskera – was hat dieses Dasein nur mit mir gemacht.

Praktikum kann ich im Februar machen, ich habe eben die Zusagemail bekommen.

Es wird. Ich bin ein komisches Boot, ein unfertiges und formloses, aber ich bekomm‘ es gewendet, wenn’s sein muss.

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Music, once again I am humbled by your omnipotence.

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Ich bin noch immer wach und Denak ez du balio erscheint mir wie das größte Wunder aller Zeiten. Ich sitze herum und kann es nicht glauben, lache gestört vor mich hin und labe mich an der schieren Unwahrscheinlichkeit der mühsam, aber so liebevoll geformten baskischen Wörter aus dem Mund eines Chicagoer Musikers von Weltruhm und Weltklasse, im perfekten Einklang mit der bei aller Eindrücklichkeit so unnachahmlich beiläufig artikulierten Erststimme von Gorka, dem Muttersprachler; diese kaum zu begreifende Konstellation, diese so unvergleichlich wertvolle Geste, die Tatsache, dass Verbindungen, die das ermöglichen, durch Musik entstehen können, das ist doch ein Wunder. Eins von der Sorte, die ich absurderweise gleich mehrfach im Leben selbst genau so erleben durfte.

Geroa eta iragana ezabatuak izan dira. So komm ich mir vor gerade, genau so.

Oh, was war das überfällig, ich habe die Droge so lange nicht zu spüren bekommen. Das hat man davon, sich irgendwann im Leben mal gerafft zu haben und immer pünktlich ins Bett zu gehen. Was für eine Verschwendung von Momenten auf Droge. Und natürlich, es ist Herbst. Herbstschlaflos.

Hunger.

Simon’s Cats

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Hallo zusammen. Ich darf mit nicht ungeringen Mengen an Perplexion und unangebrachter Gleichgültigkeit (also im Grunde völlig gleichgültig, wenn auch in dem Wissen, dass ich eigentlich perplex sein oder mich gar freuen sollte) über den gestrigen Einzug des Internets in meinem Haushalt und endlich auch auf meinem Computer berichten.

Nachdem ich also nach diesen skurrilen ~5 Monaten ohne eigenen Internetzugang nun wieder zur privilegierten Minderheit der Weltbevölkerung gehöre, kann ich so lustige Dinge tun wie auf dem Sofa sitzen, bloggen und dabei meiner frisch von der Sterilisation heimgekehrten zweiten Katze dabei zusehen, wie sie, mit sich und der Welt überfordert, im Wohnzimmer umherstreift, während das angeblich beruhigende Katzenpheromon, das wir soeben geliefert bekamen, aus dem Zerstäuber strömt und beide Tiere gleichermaßen verwirrt.

Waltraud und Lucy sind sich gegenseitig noch nicht geheuer. Wir haben unter Schwerstanstrengung die beiden ausgehängten Türen von Küche und Wohnzimmer wieder aus dem Keller hochgehievt, um die beiden nachts räumlich trennen und somit die Gefahr eines ultimativen Catfights ausschließen zu können. Umso amüsanter war es eben zu beobachten, wie sie sich schnüffelnd zusammen um die mit besagtem Zerstäuber versehene Steckdose scharten. Lucy – die Folgen der Narkose noch nicht vollständig überwunden – mit dem Kopf halb im Futterteller hängend, Waltraud – welche sich im nahen Umkreis der gerne einmal Präventivschläge austeilenden Zweitkatze nur ungern aufhält – dicht dahinter, Kopf wippend, Nase nach oben streckend, nichts mehr verstehend. Die Welt riecht so komisch nach Entspannung auf einmal, und die Kleine attackiert sie nicht? Merkwürdiges Leben.

Morgen bekomme ich Besuch von einer anderen Katzenbesitzerin, die ich auf Free your Stuff! kennengelernt habe, als ich ihr eine Mikrowelle geschenkt habe. Sie wollte mir schon vor meinem Finnland-Urlaub eigentlich ein bisschen Nelkenöl vorbeibringen, damit Waltraud endlich aufhört, meinen geliebten Sessel zu zerfetzen. Mittlerweile ist das vollkommen überflüssig geworden – sie hat nach monatelangem Verschmähen tatsächlich noch den Kratzbaum für sich entdeckt, nicht zuletzt vermutlich dank der unfreiwilligen Vorbildfunktion der Kleinen (welche sich von Anfang an begeistert darauf gestürzt hatte).

Uni sollte Montag anfangen. Ich verdränge das vorerst, in erster Linie, weil mir die Tatsache, dass ich mich bis übermorgen eingeschrieben haben muss und die Exmatrikulationsbescheinigung der Uni Konstanz noch nicht eingetroffen ist, latente bis ganz üble Panik bereitet. Das heißt dann wohl, dass ich morgen im Konstanzer SSZ anrufe und eine der dortigen Arbeitskräfte irgendwie davon überzeuge, mir den Wisch per Mail zu schicken. Argh.

Ich bin wahnsinnig verdummt; es wird allerhöchste Zeit, meinen Kopf wieder zum Leben zu erwecken. Becci (welche sich laut eigener Aussage ins Euskera verliebt hat – I know!) bat mich neulich, ihr das komplette Album Argiak zu übersetzen (I know!!!), und natürlich widmete ich mich dieser Aufgabe mit Begeisterung – meine erste bewusste Übersetzungsarbeit seit bestimmt einem Jahr. Allerdings auch der erste Anlass seit Langem, mir ein Mal mehr bewusst zu machen, was für eine Heidenarbeit so eine Übersetzung eigentlich darstellt. Okay, ich habe mich bekanntlich nicht für Übersetzung Baskisch – Englisch eingeschrieben (wo es dazu die Möglichkeit gibt, wüsste ich gerne, wenn auch nicht so gerne, dass ich mich überwinden könnte zu googlen). Demzufolge wird mich das Masterstudium – falls ich es denn noch schaffe, mich bis übermorgen dafür einzuschreiben – nicht so hart mitnehmen wie diese abstruse Arbeit um drei Ecken, die Argiak letztendlich war. Trotzdem ist – gerade für das elendig verdummte Hirn – der Frustrationsfaktor beim Übersetzen immens. Aber die Feinabstimmung heute war wieder wesentlich erträglicher – immerhin hatte ich, anders als beim Erstellen der Erstfassung vor zwei Tagen – das Internet zu meiner Verfügung.

Hach, es ist doch zu absurd. Internet.

It’s just those 180 degrees.

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Aaah, Hilfe. Wie kann sich eine Gemütslage an einem einzigen Tag so furchtbar schnell ändern?

Ich sollte mich nicht beschweren, solang sich die Änderung in die Richtung vollzieht, die meine Stimmung heute genommen hat. 14th September all over again. Die körperlose Stimme sitzt mit ihrem Bier und Popcorn da und kommentiert: „Mal schauen, wie lang das jetzt so bleibt.“ Mir aber reicht fürs Erste die wiedergewonnene Gewissheit, dass die eigene Perspektive der alles entscheidende Faktor in der Wahrnehmung und Verarbeitung zwischenmenschlicher wie eben auch aller anderen Geschehnisse ist.

Davon ab: Unglaublich, aber wahr – ein echter, leibhaftiger Euskaldun hat meinen ersten und bislang einzigen Versuch eines baskischen Liedes kommentiert, mehrfach gleich, und das mit einer durchweg positiven Resonanz! Eine kurze Rücksprache mit Kepa erschloss mir noch die Bedeutung des letzten (wohl dialektbedingt merkwürdigen) Hilfsverbs, und schon konnte ich mich Wort für Wort über dieses Wunder freuen. Der Baske sagte mir nämlich nicht nur, das Lied wäre sehr schön, die Zeile „Badakizu: Izkututa ezin da bizi bizitza“ genial und ich hätte eine schöne Stimme, sondern noch dazu, dass es ihm in einem der schwierigen Momente, die er momentan durchlebt, geholfen hätte, das Lied zu hören. (Kepas Reaktion: „Deine Lieder helfen Basken. You should be proud and happy“.) Kein Hinweis auf Fehler, gar nichts! Das hört sich schon weitaus besser an als Kepas Behauptung damals, es würde sich stellenweise nicht wirklich wie Baskisch anhören. Ha! Trauma überwunden. Eskerrik asko, random Baske.

Und jetzt? Mir ist kalt, ich muss um 8.15 Uhr beim Blutabnehmen sein und es wollen noch containerte Schätze versorgt werden, die ich entgegen meiner Beteuerungen, die geliebte Tätigkeit aus Platzmangel bis zum Umzug erstmal einzustellen, vorhin noch an Land gezogen habe. Es ist aber nunmal so, dass meine Hauptquelle gerade brutal am Versiegen ist (klar, da hat sich ein Mal ein Unternehmen angesiedelt, das wirklich noch vergleichsweise nett ist, und nach ein paar Monaten meldet es Insolvenz an. Ja, nee, ist schon fast wieder logisch. Als Unternehmen nett zu sein ist wohl nicht gerade die Strategie, mit der man heutzutage so durchkommt), dementsprechend sah meine Foodsharing-Ausbeute heute mickerig aus und ich brauchte eh einfach ganz dringend Grundnahrungsmittel. Mission erfolgreich: Ich habe Nudeln containert (erstes Mal seit ungefähr einem Dreivierteljahr; eine Packung bloß, aber hey, wer wird sich noch beschweren) und eine ganze Menge wunderschöner Kartoffeln. Und Chips. Und Eier. Eier! Ich kann Pfannkuchen machen! Mit Quark! Oh, wie herrlich ist dieses Leben.

Wäre da nicht das kleine Problemchen, dass ich jetzt viel zu lange wach war und noch länger sein werde, um nachher aus dem Bett zu kommen, wenn ich muss. Ich habe in weiser Voraussicht mein Fahrrad schon so nah wie möglich am Hauseingang abgestellt, statt es in die Garage zu bringen; das schenkt mir morgen ein paar Sekunden. Und jetzt kann ich nur noch dafür sorgen, das zu Erledigende in möglichst überschaubarer Zeit geschafft zu bekommen.

Ketten ölen

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Langsam geht es dem Ende zu. Ich habe nichts mehr zu tun, aber doch genug, um erst recht nichts tuend herumzuhängen und mich innerlich zu beklagen, wie leer mein Leben doch geworden ist. Dass ich mich im Moment sehr schwer damit tue, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, dürfte ein entscheidender Faktor sein. Aber auch Geschichten wie mein verlagerter Haushalt (nein, ich habe nicht den Elan, jedes Mal zu Basti in die Wohnung zu fahren, wenn mir danach ist, mal wieder eine Gitarre in die Hand zu nehmen), sich nicht meldende Exkommilitoninnen (von Lisa habe ich seit dem Tag, an dem ich ihr zufällig mit diesem merkwürdigen Couchsurfer, Hesham, in der Stadt über den Weg lief, nichts mehr gehört) und eine heftige Lethargieattacke (ich könnte arbeiten gehen – meine Stelle habe ich nach wie vor, nur keinen Nerv, sie in Anspruch zu nehmen, weil ich schon so aufs Weggehen eingestellt bin. Ganz zu schweigen vom letzte Woche wieder begonnenen Semester; eine weniger gelähmte Version von mir würde mich erwürgen dafür, dass ich Euskera in vollem Bewusstsein bereits ein Mal habe ausfallen lassen, nur weil ich nicht in der Lage bin, kurz meine Uni-Mails zu checken, um zu erfahren, wann es stattfindet) spielen ihre Rollen in vortrefflicher Perfektion.

Da ich aber natürlich nicht so weitermachen will, nehme ich mir für morgen Folgendes vor:

  1. Zum Kaufland gehen, um Guthaben af mein Handy zu laden.
  2. Zur Tafel gehen und dort Essen retten.
  3. Im Taborweg den Keller fegen, wenn ich Waltraud die Essenslieferung bringe.
  4. Zu Vodafone gehen, um den Taborweg-Vertrag zu kündigen (oder auf Eis zu legen, bis ich sicher weiß, dass die neue Wohnung in trockenen Tüchern ist, um ihn dort wieder aufzunehmen).
  5. Zur Commerzbank gehen und die verdammte TAN-Geschichte endlich klären. (Frag nicht. Es nervt.)
  6. Zu Foodo gehen und dort Essen retten.

Nach Euskera schaue ich jetzt schonmal. Wobei ich sagen muss, dass es frustrierend ist, sich nicht mehr mit seiner Studentenkennung im System anmelden zu können. Mit einiger Erleichterung habe ich nun auch herausgefunden, dass weder Ort noch Zeit des Euskera-Kurses bisher dort eingetragen sind und ich auch keine Mail von Esti in der Inbox hatte, die über meinen Verbleib hätte inquirieren wollen. Dann aber nächste Woche – ich hab‘ ihr geschrieben, sie möge mir doch mitteilen, wann ich wo sein soll, um zwischen die Ketten meines rostigen Euskera, in dem auch die Nachricht verfasst war, wieder etwas Öl zu bekommen.

Noizbait ulertua sentitu zugatik

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Habe ich mal erwähnt, dass dieses Lied… zutrifft?

Ja, habe ich. Ich weiß.

Baina ikasi dut heziz-hezi
Ezinetan itotzen naizela.

(Google Translate – ich mache mir immer mal wieder den Spaß, meine fremdsprachlichen Ergüsse dort einzugeben, einfach um zu sehen, was passieren würde, täte dies irgendeiner meiner aufmerksamen Leser mir gleich – sagt dazu übrigens: „Aber ich lernte erzogen erzogen: Ich kann nicht ertrinken.“ Und verunglimpflicht so die tatsächliche Nachricht der beiden Zeilen – „Aber mit Unmengen an Disziplin habe ich gelernt, dass ich in Unmöglichkeiten ertrinke“ – bis hin zur völligen Unkenntlichkeit. Wie man das von Gogle Translate eben nicht anders gewohnt ist.)

Kepa warf heute, inspiriert durch Heinrich Bölls Irisches Tagebuch, die Frage auf, mit was für Vehikeln der Mensch wohl so vom Dock der Geburt bis in die Schiffsbrüchigkeit über die Weltmeere zockelt. Bevor wir letztendlich beschlossen, dass ich auf dieser Müllfilterkonstruktion wohnen würde, die demnächst gebaut werden soll, wo ich als Müllmonster jeden verschlinge, der mich nicht mit Alkohol oder anderen Rauschmitteln besticht, visualisierte ich mein Fortbewegungsmittel auf seine Frage hin wie folgt.

Unfertig, bunt zusammengeflickt aus allen möglichen kleinen Gegenständen, beständig erweiterbar, notdürftig gestopft an den Stellen, an denen ich mir meine Manie nicht leisten kann, mit dem Reparieren zu warten, bis das perfekte Stück Plunder angetrieben kommt, wie ich es sonst so halte. Steuerlos und mit vielfarbigen Segeln an so windschiefen Masten, dass jeder Andere Angst hätte, sich drunterzustellen, ich aber nicht, weil sie schon immer so waren und trotzdem funktionieren.
Das war schonmal ein guter Anfang. Ich müsste mir nochmal Gedanken machen, um mir mein Traumschiff zu Ende zu konstruieren. Die Frage ist eigentlich echt nicht übel, obwohl er mich in einem der raren Momente erwischt hat, in denen ich zu tiefgründigen Überlegungen eigentlich gar nicht aufgelegt war. Ich gebe weiter: „Wie sieht dein Schiff/floating Gegenstand aus?“ Seriously, give it some thought.

Wäre er nicht angewachsen…

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Ich wachte in der Minute auf, in der R geplant hatte aufzustehen. Verzögerte sein Aufstehen wie üblich um einige Minuten, weil ich es nicht einsah, gerade in der kalten Realität angekommen zu sein und direkt meiner wichtigsten Wärme- und Geborgenheitsquelle beraubt zu werden. Schlief wieder ein, nachdem er weg war, drückte ein paarmal auf den Wecker, supposedly um diesen dazu zu bringen, ein bisschen später erst zu klingeln, und wachte schließlich um halb elf Uhr ein zweites Mal auf. Ohne Wecker – ich kann von Glück sagen, dass mein Unbewusstes sich neun Minuten, nachdem der (von mir zuvor unwissentlich ausgeschaltete) Wecker seiner Pflicht hätte nachgehen sollen, dazu entschlossen hat, dessen Aufgabe für heute zu übernehmen.

Lag eine Weile herum und überlegte mir, welchen Bus ich nun nehmen sollte, um rechtzeitig in der Uni zu sein. Was genau „rechtzeitig“ eigentlich sein sollte, war mir selbst nicht ganz klar; ich war gestern beim Plank in der Sprechstunde und habe endlich die Unterschrift für den Antrag auf Titeländerung der BA-Thesis von ihm bekommen, sodass ich heute Früh diesen noch beim Prüfungsamt einreichen wollte. Das schließt nämlich um 12, und da ich um 11.45 Euskera hatte, musste das Abgeben definitiv vorher geschehen.

Ich kam zu keinem konkreten Schluss, war aber tendenziell überraschend unlethargisch und konnte ohne Schwierigkeiten recht bald aufstehen. Holte mir ein Medi aus der Schublade, stellte fest, dass kein Wasser im Zimmer war, und legte es auf die Fensterbank, während ich mich anzog. Nahm die Akkus des AGs aus dem Ladegerät und steckte das AG zusammen mit dem Handy in die Tasche; nach Euskera ist mein Redebedürfnis immer noch um ein so Vielfaches höher als sonst schon, da war das AG unerlässlich. Sogar an eine Speicherkarte dachte ich. Zur Abwechslung mal wieder.

In der Küche setzte ich mir Kaffeewasser auf und ging ins Bad, während es sich erwärmte. Wieder zurück, begegnete ich Trudi, welche mich mit erstaunlicher Gesprächigkeit und guter Lane begrüßte, die ich nur zu gern erwiderte. Die Momente, in denen Trudi und ich uns gut gelaunt unterhalten, kann man mittlerweile an einer Hand abzählen, vor allem weil meine Laune üblicherweise schon durch Hannes‘ Anwesenheit in den Keller verscheucht wird. Ich schnorrte mir einen Schluck Reismilch von Trudi und kippte diesen zusammen mit zu wenig Zucker und um Längen zu viel löslichem Kaffee in meine Thermoskanne. Nachdem diese in meiner Tasche verstaut war, schnappte ich mir noch schnell eine Banane und verschwand in Richtung der Haustür. Hätte dort um ein Haar vergessen, die Ladung aus unendlichen Tüten Brötchen und Salat mitzunehmen, die ich mir im Flur für genau diesen Moment bereitgestellt hatte. Setzte also die Tasche wieder ab und den Riesenrucksack, nunmehr mit Brötchen angefüllt, auf, drapierte die diversen Tüten links und rechts an meinen Armen, griff nach der Banane und verschwand, Trudi „Bis daahann!“ zurufend, durch die Tür. Kam rückwärts wieder herein, um meinen Schlüssel vom Haken zu nehmen (zu Trudi: „Scheiße, Schlüssel! Jetzt aber, bis daahann!“), und stapfte schwer beladen, aber zufrieden zur Bushaltestelle. Erwischte die 2, ohne großartig rennen zu müssen, obwohl ich nichtmal auf die Uhrzeit geachtet hatte.

Langsam fielen mir die Arme ab – man sollte kaum meinen, dass Salat so schwer sein kann, aber glaub mir, in diesen Mengen ist er es. Die eine Brötchentüte rutschte mir durch die befäustlingten Finger und ich hatte keine Gelegenheit, sie anders zu positionieren, weshalb ich ziemlich froh war, als die erste Busfahrt vorbeiwar und ich das Ganze kurz auf einer Bank absetzen konnte. Ich hatte keine Ahnung, wann der nächste Bus zur Uni kommen würde, wagte es also, meine Banane hervorzuholen (wie sich das einfach nur falsch anhört!), und hatte mich gerade meiner Fäustlinge entledigt, als der Bus, den ich brauchte, in meinem Augenwinkel erschien. Also alles wieder einpacken, Banane ungegessen in eine der Tüten stopfen und ab in den Bus. Dort bekam ich einen Sitzplatz mit zwei leeren Sitzen gegenüber, auf denen ich meine ganze Fracht richtig bequem ablegen konnte. Herrlich. Endlich war Zeit zu frühstücken. Während ich mich mit der Banane vergnügte (okay, dieses Mal war’s drauf angelegt), unterhielten sich hinter mir zwei Menschen über irgendetwas so Sterbenslangweiliges, dass ich mich jetzt schon nicht mehr dran erinnere.

An einer Haltestelle wollte noch jemand zusteigen, als der Busfahrer schon auf Weiterfahren gepolt war; der Mensch, der am dichtesten neben der Tür stand, hielt heldenhaft seine Hand in den sich rapide verkleinernden Zwischenraum, um die Tür daran zu hindern, sich komplett zu schließen. Schade nur, dass die Tür andere Pläne hatte: Der einsteigen Wollende stand verblüfft vor der geschlossenen Bustür, während wir Drinnensitzenden uns vor Lachen kaum kriegten, als die Hand des armen Helden zwischen den Gummidichtungen steckenblieb und bis zur nächsten (zum Glück nicht sehr weit entfernten) Haltestelle den um die null Grad frostigen Temperaturen außerhalb des Verkehrsmittels ausgesetzt war und die Wartenden nach Art eines aus der Limousine winkenden Weltstars begrüßte. Er musste selbst lachen, wenn auch ein wenig verzweifelt, als die Türen sich wieder öffneten und er die Hand – durchgefroren, aber unbeschädigt – ordentlich durchschütteln und mit dem Rest seines Körpers wiedervereinen konnte.

Ungefähr zur selben Zeit wurde mir bewusst, dass ich meine Tasche zu Hause vergessen hatte, als ich die Fäustlinge in selbiger verstauen wollte. Dieser Einsicht mit einem unwillkürlichen lauten „NEIN!“ Ausdruck verleihend, bekam ich erst allmählich einen Überblick über die Ausmaße meines Fails. Nein, mein Hauptproblem war nicht, dass ich keinen Ort mehr hatte, an dem meine Fäustlinge untergebracht werden konnten. Ich war auch ohne Busticket unterwegs, ohne Euskera-Mappe, ohne – ein zweites lautes NEIN!, diesmal länger gezogen, den so ewig schon auf seinen Moment wartenden Antrag fürs Prüfungsamt, ohne Stift und ohne Kaffee. Und ich war zu früh.

Nuja. Ich machte das Beste draus und ließ mir Zeit beim Einsortieren der Lebensmittel ins FairTeiler-Regal. Es kamen wie meistens schon Leute an, mit denen ich – meinem Fail sei Dank – ein bisschen plaudern konnte, während ich die Tüten ausräumte. Dann auf zum Euskera-Raum – ich war immer noch zu früh. Jemand kam mir hinterher und hielt einen meiner Fäustlinge in der Hand. Ich bedankte mich überschwänglich und steckte ihn zurück in die Jackentasche. Mir fiel auf, dass auch der andere Handschuh fehlte. Eine Kehrtwendung und ein paar Schritte später hatte ich ihn wieder; er lag direkt neben der Person, die mir den ersten hinterhergetragen hatte. Sie bemerkte mich und entschuldigte sich – sie habe den zweiten gar nicht gesehen. Ich entgegnete, ich wäre ihr schon für den ersten dankbar genug gewesen, sonst hätte ich ja nichtmal bemerkt, dass der zweite nicht da war, wo er sein sollte. Und wieder umdrehen und wieder ein Blick auf die Uhr, immer noch zu früh, natürlich – ein paar Schritte dem Euskera-Raum entgegen, bis mir das Gewicht auf meinem Rücken die Erkenntnis brachte, dass ich vergessen hatte, die Brötchen aus dem Rucksack im Regal abzuladen. Eine erneute Kehrtwendung und zurück zum Regal. Die eine, mit der ich beim Regal geredet hatte, stand immer noch da und hielt nun ihrerseits ein Pläuschchen mit einem anderen Menschen. „Die Hälfte vergessen…“ sagte ich zu ihr und fing an, die Brötchen auf dem zweitobersten Regalbrett zu stapeln.

Irgendwann war ich tatsächlich fertig und begab mich, Shakiras „Estoy aquí“ vor mich hinträllernd, wirklich mal in den Euskera-Raum, wo ich entgegen aller Gewohnheit als Erste ankam. Fand ein paar leere Blätter auf einem der Tische und war schon froh, dass ich mir zumindest kein Notizapier von den Kommilitoninnen würde ausleihen müssen. Verpflanzte mich vom Tisch auf den Stuhl, als Esti hereinkam, und war einen Moment lang überglücklich, als sie mir die beiden Ken-Zazpi-CDs hinhielt, die sie mir versprochen hatte aus dem Baskenland mitzubringen. Genau so lange, bis mir wieder einfiel, dass ich das Geld dafür mangels Tasche natürlich nicht dabeihatte. Genausowenig wie die durch einen genialen Zufall vor ein paar Wochen containerte „Kleines Dankeschön“-Milka-Schokoladenpackung, die ich ihr dazugeben wollte. Aber weil Esti eine unglaublich liebe Person ist, sagte sie nur, ich solle mir keine Sorgen machen und sie hätte eh den Bon vergessen, wir würden es einfach nächstes Mal regeln. Esti = Engel.

[Genau in diesem Moment höre ich Itsasoa gara, welches auf einem der Alben ist, die sie mir gebracht hat, und bin überwältigt, weil Itsasoa gara das Lied ist, das ich mir nie erlaubt hatte Wort für Wort zu übersetzen. Itsasoa gara habe ich drei Millionen Mal bei Youtube angehört, aber nie die Version mit spanischen Untertiteln genommen, nicht ein Mal; ich habe mir immer gesagt, „wenn du weiter Euskera lernst, wirst du dieses Lied irgendwann einfach so verstehen; es wird so sein, dass du das Lied hörst und es einfach verstehst, ohne irgendetwas dafür zu tun, und dieses Lied wird das erste sein, bei dem es dir so geht.“ Nun ist es tatsächlich der Fall. Ich bin verblüfft und hochgradig dankbar, diesen Moment zu erleben.]

Dann kam Rui und wir saßen zu zweit in Euskera; Vera kam nicht, kannst du dir das Privileg vorstellen, an der Uni zu sitzen und mit einer einzigen Kommilitonin Euskera zu lernen? Ich habe mir einen Stift von Esti ausgeliehen. Rui musste irgendwann zum International Office, also machte ich die letzten 20 Minuten mit Esti Privatunterricht. Sie ließ mich indirekte Rede üben und war beschämend begeistert von der Qualität meiner Arbeit. Es wäre unglaublich, wie korrekt meine Sätze seien. Sie konnte es gar nicht glauben. Ich war so glücklich. Am Ende habe ich sie, meiner selbst ohne Kaffee aufgedrehten Euskera-Natur gemäß, über meine Bachelorarbeit zugelabert und sie wäre bald an die Decke gegangen, als ich ihr sagte, dass ich über den Allokutiv geschrieben habe. Wie sie mich angeguckt hat. Darauf habe ich gewartet. Jetzt mag sie mich, habe ich mir gedacht, als sie sich strahlend verabschiedet hat und mir das Versprechen abgenommen hat, ihr bescheidzusagen, wann ich meine Thesis verteidige. Tengo amigas que hablan en hika! Si se lo cuento… van a flipar!

Mit einer ganz neuen Motivation erfüllt, habe ich mich zu Hause daran gemacht, mit der Präsentation für die Verteidigung zu beginnen. Mir das Medi eingeworfen, das ich natürlich in der Früh auf der Fensterbank hatte liegenlassen. Mir Argiak in den CD-Player geschmissen und mich mit Frühstück versorgt, die Sonnenlichtlampe ins Bett gestellt und angefangen zu arbeiten, bis mir auffiel, dass es eventuell sinnvoller wäre, erstmal ein paar der Präsentationen der Anderen anzusehen, bevor ich meine eigene erstelle. Dieses Projekt also richtig guten Gewissens auf nächste Woche vertagt und stattdessen diesen Monstereintrag geschrieben, einfach um einmal festzuhalten, wie dieser im Grunde so alltägliche Vormittag doch irgendwie voll war mit wunderbaren Kleinigkeiten.

Und wie ich wieder einmal gelernt habe, dass meine Art zu failen gar nicht so schlimm ist, weil man doch immer wieder durchkommt: Esti bekommt ihr Geld und ihre Schokolade nächste Woche. Niemand hat mich im Bus kontrolliert. Den Antrag gebe ich morgen ab; dafür muss ich zwar nochmal extra in die Uni, aber das ist gar nicht so schlimm, denn ich habe noch einen Karton Salat hier herumstehen, den ich heute Früh beim besten Willen nicht mehr untergekriegt habe. Der kommt dann morgen mit. Und ich habe meinen finalen Termin für die Präsentation eingetragen und ganz viel Motivation, es gut zu machen, weil Esti mir zuhören wird und weil ich den Plank mag. Spät, aber doch kam mir diese Erkenntnis. Ich habe gestern eine halbe Stunde mit ihm geredet und einen armen Menschen draußen vor seinem Büro warten lassen, obwohl ich eigentlich nur die Unterschrift von ihm brauchte. Und es ist nicht schlimm, dass ich die beiden Quellen aus der einen Fußnote in der Bibliographie vergessen habe aufzunehmen; ich hab’s ihm gestern gesagt und er meinte nur, er würde eh einfach mal kurz schauen, „ob sich das ungefähr deckt“ – oh mein Gowai. Das sind diese Geschichten, die ich mich nichtmal hier im Blog traue zu erwähnen, weil ich so viel Angst vor den Konsequenzen habe, dass ich sie vollkommen verdränge, wo es nur geht, und dann auf einmal kommt raus, es ist nicht schlimm. Ich schätze mal, das ist der Schock, den Laura bei mir vergeblich erwartet, wenn sie mir ihre dunklen Geheimnisse anvertraut. Den ich auch andauernd erwarte und der einfach ausbleibt, weil die Sachen bei einem im Kopf so viel dramatischer aussehen, als sie für den Rest der Welt sind. Ich liebe die Welt. Ich liebe meinen widerwärtigen, zu starken und zu zuckerarmen Kaffee. Ich liebe Ken Zazpi und ich liebe es, hier zu sitzen und mit den Fingern nicht hinterherzukommen, weil ich endlich, endlich mal wieder Motivation habe, mir die Seele aus dem Leib zu schreiben. Ich liebe es, wach zu sein. Ich bin so unfassbar glücklich gerade.

Euskera macht mich glücklich, Euskera macht mich froh

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…doch ich wage zu behaupten, Andere nicht wirklich so. Ich drehe so durch in Euskera, ich werde so unbeschreiblich hyperaktiv und sprudelig und strahle nur so vor mich hin, dass all meine vereinten Kräfte nicht ausreichen, um mich so zusammenzunehmen, wie ich es gerne hätte. Arme Vera. (Ich habe es gar nicht erzählt, aber sie hat tatsächlich nach einem halben Jahr Privatunterricht mit Daniel noch nicht aufgegeben, kommt jetzt zu Euskera III und verdient allein dafür meinen höchsten Respekt. Eigentlich Grund genug, um dieser nervigsten all meiner verschrobenen Persönlichkeiten während des Unterrichts nicht zu viel Raum zu gewähren. Ich gebe mir wirklich Mühe, es einzuschränken.

Ansonsten… kommen meine Eltern gleich kurz vorbei, um etwas abzuholen, das sich Mama bestellt und zu mir hatte liefern lassen, und danach werde ich mit Basti und Schmitty eine in der Auflösung begriffene WG stürmen, wie immer auf der Suche nach umsonst abstaubbaren Haushaltsgegenständen, Dekorativem, Skurrilem oder Essbarem.

R ist arbeiten und kommt um elf Uhr abends wieder. Nachdem er nun beschlossen hat, sich diese Katastrophe nicht mehr weiter anzutun und sich im Dezember arbeitslos zu melden, ist es heute der siebtletzte Arbeitstag in seinem Job und somit hoffentlich der siebtletzte Tag, an dem er vom Moment seines Wachwerdens an praktisch nur noch mit ins Leere starrenden Augen vor sich hindümpeln musste, obwohl die Arbeit um zwei erst anfing.

Ich habe mir wirklich mal wieder Mühe gegeben, meine BA-Arbeit in Angriff zu nehmen, und mich heute um ein Bibliographierprohgramm gekümmert – eigentlich wollte ich mir Citavi beschaffen, bis ich herausfand, dass das unter Linux gar nicht läuft. Also landete ich bei Bibus und harre gespannt der Hilfe, die es mir hoffentlich bietet.

Schrieb’s und wurde vom Klingeln ihrer Eltern und dem gleichzeitigen Eintreffen von Schmitty und Basti davon abgehalten, den Eintrag zu vervollständigen. Aber jetzt. Gnom.

Ähh, fast vergessen, ich bin ja Studentin.

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So schreibe ich also meinen allerzweiten Eintrag in WordPress. Wie ich so gerne sage: Intereshting.

Zunächst nochmal zur Verdeutlichung: I’m not particularly happy to be here. Ich meine, ich habe nicht so viel dagegen, wie es hier aussieht und was man alles machen kann und so weiter und so bla, aber einerseits meine Gewohnheitsliebe und andererseits auch gewisse Vorzüge meiner sterbenden Altplattform blog.de lassen mich eben doch Letzterer recht bekümmert hinterhertrauern. (Ich hätte mit dem Trauern zwar ja eigentlich noch bis Dezember Zeit, aber du kennst mich ja (vielleicht). Mit Trauern wird schon angefangen, bevor es überhaupt vorbei ist. Ist so’n Nostalgikerding.) Aber gut, da müssen wir wohl durch.

Mir ist ein Monsterfail unterlaufen. Und zwar stellte ich heute, gerade in der Arbeit angekommen, mit einigem Entsetzen und ein paar Tagen Verspätung den dieswöchigen Beginn des neuen Semesters fest – super, ich hätte auch gar nicht gestern zum BA-Kolloquium gemusst oder so. Nein, stattdessen trieb ich mich in der Zeit ein paar Meter entfernt im zentralen Prüfungsamt rum und versuchte, an meine Unterlagen für eben diejenige Thesis zu kommen, für die ich unwissentlich dabeiwar das Kolloquium zu verpassen. Hm. Suboptimal.

Aber gut, das kann ich verschmerzen. Ich war ja letztes Semester eh schon bei ein paar Kolloquiumsterminen, wenn auch nicht sonderlich vielen, bevor mich die Lebenskraft wieder verließ. Ich habe dann dem Dozenten eine Mail geschrieben und kam mir unglaublich produktiv deswegen vor.

Wo ich schonmal dabeiwar, habe ich – den Wegfall des Nicht-Anfangen-Könnens ausnutzend, das zu Hause chronisch auf mir hängt – gleich noch das Vorlesungsverzeichnis nach Euskera-Kursen durchsucht, um zu merken: Oh, okay. Mittwochs. Wann? Ach so, halb zwei. Wie spät haben wir’s? Ah, 13.12 — „NEEEEEEINNNN!“

Ich bin aus der Arbeit geflüchtet und ab in die Uni wie nichts Gutes. Da ich keinen Stift dabeihatte, legte ich einen (sehr) kurzen Zwischenstopp zu Hause ein (es reichte für einen Wortwechsel zwischen R und mir, der genau aus „Ich bin nicht hier. Ich bin kein bisschen hier.“ – „Uni?“ – „JA. ALLERDINGS.“ bestand) und stopfte bei der Gelegenheit auch noch die Euskera-Mappe und das Wörterbuch in meinem Fahrradkorb. Wenn ich schon zu spät kommen würde, dann wenigstens mit Materialien.

Aber es hat sich gelohnt. Und wie es sich gelohnt hat. Es hat sich selten so gelohnt, mir die überstürzte Fahrt zur Uni in einem mörderischen Tempo anzutun – soweit der Uniberg meiner nicht gerade hochtrainierten physischen Erscheinung ein Tempo über Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Ich sage dir, it was bliss. Ich hatte keine Ahnung, wie mir Euskera gefehlt hat, keine. Mal ganz davon abgesehen, dass ich, glaube ich, meiner alten Zwischenmieterin aus dem Wohnheim im Kurs begegnet bin, die ich nie zu Gesicht bekommen hatte, weil ich in Euskadi war. Alderleherr. Zufälle gibt’s. Und die neue Dozentin ist wunderbar. Absolut wunderbar.

So. Nun sollte ich mich ans Versorgen meiner soeben containerten Schätzchen machen, duschen und hier aufräumen. Meine Kochaktion hat irgendwie die Hälfte der Küche in Anspruch genommen. (Aber auch die hat sich gelohnt; die Nudeln sind köstlich geworden. Mit Broccoli, Zwiebeln, Sellerie, Chilikernen, ganz viel Kräutersalz und Pfeffer, Raspelkäse und dem Rest Flüssigkeit, in die Trudis Krautwickel eingelegt waren. Genial. Und das Allerbeste ist, dass, wenn ich mein geliebtes „Was bliebe übrig ohne gerettete Zutaten?“-Spielchen mache, genau eine Prise Himalayasalz, ein Hauch Paprikapulver und ein Liter Wasser dabei herauskommt. Meine Dankbarkeit ist unermesslich.)

Eigentlich hatte ich gar keine Lust zu kochen. Umso glücklicher bin ich, es doch getan zu haben. Ich kann mir nicht erlauben, sobald ich alleine bin in Lethargie zu versinken. Ich habe schon völlig vergessen, was für eine Tatkraft ich irgendwann mal hatte, als ich allein gelebt habe. Ich sollte mein Allermöglichstes tun, um die wieder hervorzuholen. Das ist ein Punkt, in dem mir R’s Anwesenheit wirklich nicht guttut, so ehrlich sollte ich zu mir schon sein. Es wird alles so viel schwieriger, wenn du dein Leben mit jemandem teilst, dessen aktives Dasein sich zu überdimensional großen Teilen aus Politik, Kneipe und seinem Laptop zusammensetzt. Man sollte meinen, dass das schlichte Dasitzen eines R’s mit Laptop kein großes Hindernis darstellt, um trotzdem Dinge zu erledigen, aber sei dir gewahr, dass dem nicht so ist. Er bremst mich einfach kolossal aus. Ich bin jemand, der vom Ding her schon eher mitgerissen werden muss. In den meisten Lebenslagen komme ich ohne Mitgerissenwerden gar nicht klar. Das heißt wohl, dass ich diesen Sachverhalt wieder mal als Herausforderung sehen sollte, genau daran bei mir zu arbeiten. Mehr Antrieb aus mir selbst heraus, sollte die Devise lauten. Dinge für mich selbst schaffen, ohne dabei auf die Motivation oder Anerkennung Anderer angewiesen zu sein.

Ist ja gut. Challenge accepted.

Handik gutxira, gaur.

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Also. Ich hocke in Daniels Büro und warte, bis er damit fertig ist, Basti und seiner neuen Euskera-Kollegin Vera ihren wöchentlichen Privatunterricht zu erteilen.

Das lief mal wieder anders als geplant. Zum Tutorium hat es nicht mehr gereicht – ich bin einzig und allein deswegen um 15.08 aufgewacht, weil Lisa sich diesen Moment ausgesucht hatte, mir eine SMS zu schreiben. Danke Gowai, dass mein Handy nicht auf lautlos war, sonst würde ich am Ende jetzt noch schlafen.

Dann machte ich mich ohne Umwege auf in die Uni, weil Lisa gesagt hatte, dass sie mit mir reden wollte. Ich habe bis jetzt genau eine Banane gegessen, und das auch nur widerwillig, weil sie Daniel gehörte und mir in ihrer festen, knallgelben Erscheinung fast schon unnatürlich unreif erschien. Alles untrügliche Indizien dafür, dass er sie ganz bestimmt nicht aus dem Container gefischt hat. Mal ganz davon abgesehen, dass Daniel vermutlich wenig ferner läge, als sein Essen durch Rettungsmaßnahmen im Stil meiner eigenen Lebensweise zu besorgen. Nunja, ich habe trotzdem eine gegessen. Wenn ich mich zuvor schon erfolgreich davon abgehalten hatte, mir hier in der „Arche“, dem in der Uni befindlichen Asien-Restaurant, eine riesige Box Frühlingsrollen zu holen.

Nachdem ich mit Lisa geredet hatte, wollte ich eigentlich mit Daniel meinen Text durchgehen, nur war er leider noch nicht im Büro. Dann machte ich mich auf die Suche nach dem Seezeit-Shop, um eine Geburtstagskarte für Oma zu kaufen (nachdem ich von Zuhause zu hektisch aufgebrochen war, um in den unergründlichen Tiefen meiner Regale noch eine aufzutun), musste aber feststellen, dass der, wohl im Zuge der gerade hier stattfindenden Umbaumaßnahmen, in mir unbekannte Räumlichkeiten umgesiedelt wurde. Okay, zumindest Briefmarken wollte ich mir aber schonmal holen, also ging ich mit Handy am Ohr (wenn ich schon noch eine Viertelstunde Zeit hatte, bis Daniel um 5 ganz sicher im Büro wäre, wollte ich die Zeit noch sinnvoll nutzen und mal nachhören, ob R noch lebt) in Richtung des Automaten. Der Automat war außer Betrieb – ich war nie eine Freundin von Murphys Hypothesen, aber manchmal gerät meine Überzeugung ins Schwanken – also ging ich mit R nach draußen und ließ mich auf der Bank an der Bushaltestelle von ihm über die neuesten Murat-Geschehnisse in Kenntnis setzen. Wer hat schon das Glück, in einer eigenen, privaten Miethai-Soap zu wohnen? Ach ja, R’s WG hat es. Und ich selbst komme mir vor wie der gebannte Zuschauer vor dem Fernseher, mit dem Hörer am Ohr – es ist eine interaktive Sendung.

Es ist schon eine Herausforderung, sich nicht permanent einzumischen, während direkt neben einem ein unfassbares Deutsch-Euskera-Gestümpere stattfindet, das zu beobachten irgendwas zwischen Verzweiflung, Glück und Belustigung hervorruft. Zehn Minuten noch, dann sind sie fertig, laut Daniel. Dann gehe ich nachher mit Basti nach Hause und habe natürlich genau NICHTS von alldem gemacht, was für heute auf meiner To-Do-Liste steht. Yaaay, so gehört sich das. Aber ich werde schon noch diszipliniert werden, irgendwann am Wochenende. Oder so.

So viel Zeit habe ich ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr tagsüber am Computer verbracht. Was ist nur aus meinem Leben geworden; mittlerweile braucht es wirklich den Umstand, dass ich zwei Stunden an der Uni festsitze, um mich an den Computer zu treiben. Mein Leben tut mir gut. Selbst jetzt, wo ich dann doch wieder am Computer sitze, tue ich es in Daniels Büro, nicht zu Hause im Bett. Skurril.

Wenn ich nach Hause komme, muss ich meine Ohrhänger suchen, die mir aus der Tasche geflogen sein müssen, während ich zum Bus gerannt bin. So ein Scheiß, das waren welche von meinen allerliebsten selbstgemachten Ohrhängern. Sie dürfen nicht wegsein, das geht einfach nicht. Und sie hätten so grandios zu meinen Sachen gepasst heute, unfassbar grandios.

Jetzt sind sie gleich fertig! Wunderbar, ich bin dann mal weg.