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Es fängt schonmal nicht übel an. Der DHL-Mensch hat mich unsanft aus einem anstrengenden Containertraum geklingelt, in dem Recycling-Klopapier, Malte und eine paranoide Becci involviert waren, und mir dadurch neben meinem neulich bei Malte vergessenen Headset die Gelegenheit gebracht, zu einer halbwegs vernünftigen Zeit aufzustehen.

Ich habe diese genutzt, mir das neueste Disturbed-Album angemacht und sogleich mit dem Ordnen meiner im Zuge des Handytaschenprojekts überall verstreuten Nähsachen begonnen. Damit fertig, ging ich zum Ausräumen der Spülmaschine über, machte der Katze ihr Frühstück fertig und mir selbst das meine, und hier bin ich nun. Die Streuselschnecke ist verzehrt, der Kaffee noch nicht, und die Katze muss auch noch anderthalb Stunden warten, bis ihr Essen auftaut. In der Zeit jagt sie den mannigfaltig in der Wohnung befindlichen Wespen nach. Ich habe meine früher stark ausgeprägte Wespenphobie mittlerweile abgelegt und sehe den Viechern gelassen entgegen. Und solange R nicht da ist, lasse ich auch die Katze in Ruhe jagen. R ist der Paranoide von uns; ich lasse sie machen. Zum Tierarzt am Berg sind es im allergrößten Notfall auch ohne Akku im Fahrrad bloß fünf Minuten.

Ach, das war sowieso lustig gestern. Nachdem R am Montag nach seiner Katzenfutterfahrt mit dem Kommentar zurückkam, er hätte den Fahrradakku bis an seine Grenze ausgereizt, war ich irgendwie davon ausgegangen, er hätte das Ding mal geladen. Er lädt den Akku immer, immer, selbst wenn er nur eine halbe Stunde damit gefahren ist.

Leider war dies nicht der Fall, sodass ich wirklich auf dem aller-, allerletzten Prozent gestern den Berg zur Therapeutin hochasten durfte und mehr als verblüfft war, dass mich der Motor selbst auf dem Rückweg meinen eigenen Berg hoch nicht in Gänze im Stich gelassen hat. Wobei es schon bezeichnend war, dass mich R zwischendurch anrief und ich in aller Ruhe den Anruf entgegennehmen und einhändig weitertuckern konnte, weil es eh nur noch gerade so eben irgendwie vorwärts ging.

Der Fairness halber muss ich nun erwähnen, dass R vor seinem Abgang auf Familienbesuch nicht nur gefailt, sondern auch großartige Taten vollbracht hat. Als ich nämlich am Mittwoch um fünf Uhr morgens – zwei Stunden bevor R in seinem FlixTrain sitzen musste – völlig zerstört vom Containern mit Yannick nach Hause kam und mich die höllischen Rückenschmerzen (wir waren containern. Und es war Sperrmüll. Sperrmüll. Ich hatte Tausende Waren verladen, mich millionenmal gebückt, den verhassten Zaun vom Rewe-Verschlag zwei Mal überklettert, zwei Eimer Wandfarbe geschleppt, mehr als hundert Flaschen Teegetränk aus einem Riesencontainer gesammelt (in den es nicht unbedingt einfach war hineinzuklettern) und eine Kommode in den dritten Stock getragen, bevor ich zu Hause aufschlug) schlichtweg davon abhielten, irgendetwas der angeschleppten Kostbarkeiten noch aus der Garage mit hochzunehmen und zu verstauen, ging für mich die Sonne in dem Moment auf, als ich ein paar Stunden später den Kühlschrank öffnete und mir Ladungen über Ladungen meiner dem Verderb ausgeliefert geglaubten Fleischpackungen entgegenblickten: da hatte sich R sage und schreibe um sechs Uhr morgens die Zeit genommen, das Zeug für mich zu verladen. Das, meine Guten, das nenne ich mal einen Liebesbeweis.

Ich habe den Mittwoch dann dementsprechend auch damit zugebracht, R’s beispiellosem Verhalten nacheifernd, genauso mit den ‚zig anderen Kartons zu verfahren, die in der Garage genächtigt hatten. Käse, Sahne, Sauerrahm, Tortelloni, Fetacreme, Joghurt, alles wollte in den Kühlschränken ein Plätzchen finden. Ich habe so lange weitergemacht, bis jede letzte Ecke von Kühl- und Gefrierschränken mit Essen befüllt war. Nebenbei wurden immer mal wieder ein paar Sixpacks Teegetränk mit runtergenommen, aber ein Teil davon (ein großer) steht immer noch in der Garage. Das muss heute noch weg, damit Papa morgen dort parken kann, wenn er mich auf der Durchreise in den Norden besucht.

Was noch ziemlich schön war am Mittwoch: ich habe nachmittags nach getaner Stopfarbeit noch ein Tütchen mit Zeug befüllt und Undine gebracht, welche sich gefreut und mich zu sich reingeholt hat. Dann saß ich eine ganze Weile bei ihr drüben, wir haben uns unterhalten und Tee getrunken, und sowas mag ich. Sie hat mich ein bisschen über Pflanzenpflege ausgefragt und ich habe ihr gezeigt, wie sie ihre Blümchen so abschneiden kann, dass sie vielleicht nochmal blühen oder zumindest buschiger wachsen. Sie denkt, ich wüsste viel über Pflanzen… oh je. Dabei habe ich doch selbst keine Ahnung. Aber ich bin immer glücklich, wenn ich mit so Kleinigkeiten dazu beitragen kann, dass jemand zumindest meinen kargen Wissensstand erreicht.

So. Kaffee ist fast leer, ich sollte weiter die Liste abarbeiten.

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Motorisierung

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Erfolgreichen Abend gehabt. Ich bin in der Schweiz, habe auf der Vernissage des Aquarellkurses meiner Mutter Musik gemacht, 200 Franken plus 20€ Tips verdient und unentwegt von einem unfassbar aufmerksamen Menschen Rotwein nachgeschenkt bekommen, während ich da vor mich hinklimperte. Es war großartig.

Wenn ich morgen nach Hause fahre, werde ich mich so schnell wie möglich darum kümmern, dass ich mein Fahrrad motorisiert bekomme: Billiger als ein Auto, aber für meine Zwecke trotzdem erstmal ausreichend. Meine Großeltern riefen heute bei meiner Mutter an und überfielen mich, als sie erfuhren, dass ich mich gerade hier aufhalte, aus dem Nichts mit den innigen Wunsch, mir „außer der Reihe“ etwas Gutes zu tun. Ich war überfordert und stimmte einfach zu, sie meinen Motor übernehmen zu lassen. Ich bin dankbar. Und etwas beschwipst. Gute Nacht.

Uni: Another new beginning.

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Es ist der übliche Wahnsinn, oder sollte ich einfach „Leben“ sagen. Die ersten zwei Wochen Uni liegen hinter mir, und ich muss ehrlich gestehen, dass ich sowohl die Höhen als auch die Tiefen des Unilebens vollkommen verdrängt hatte in meinem langen halben Jahr Nichtstun / Umziehen / Umziehen / Nichtstun.

Zu den Höhen zählt sicherlich in erster Linie mein halbwegs wiedergewonnener Tag-Nacht-Rhythmus; Uni um 10 (in Kombination mit R, dessen Rausschmeißkünsten ich mindestens die Hälfte meiner morgendlichen Anwesenheit verdanke) verhindert zuverlässig das zuvor zur katastrophalen Gewohnheit gewordene Hängenbleiben im Bett bis zum späten Mittag. Und wie wir alle wissen: Es ist das Rausgehen, welches die meiste Überwindung kostet. Da gibt es nichts Besseres als Termine, die mich aus meiner Höhle treiben.

Es ist aber auch abgesehen vom Rausgehen an sich eine Freude, wieder an der Uni zu sein. Ich war ziemlich eindeutig noch nicht fertig mit diesem Abschnitt des Lebens. Der Uni-Alltag, er hat mir gefehlt. So anders als jede andere Form des Daseins. Du quälst dich Tag für Tag aus dem Bett (oder wirst herausgequält, wenn du Glück hast wie ich), um dir Kurse zu geben wie „Fachliche Kompetenz“ (morgen, halb neun) oder „Translations- und Kulturwissenschaft (B-Sprache)“ oder „Übersetzungsrelevante Sprachkompetenz“ oder allgemein eben Dinge, die eigentlich niemanden interessieren außer gerade diese hochspezifische Zielgruppe fehlgeleiteter Deppen, die sich in den Kopf gesetzt haben, ihr Leben mit der brotlosen Kunst des Übersetzens zu verbringen. Im Gespräch mit deinen Kommilitonen wunderst du dich immer wieder aufs Neue, dass sie augenscheinlich nicht weniger planlos sind als du selbst, trotz deines Quereinsteigertums inmitten einer Horde Übersetzungswissenschafts-BA-Absolventen.

Sehr schnell erinnerte ich mich dann auch wieder daran, wie eklig Prokrastination eigentlich sein kann. Gerade jetzt wäre eigentlich ein vorzüglicher Zeitpunkt, mir meinen Studi-Ausweis zu schnappen, auf dem meine Uni-ID steht, und mich mit nunmehr zwei Wochen Verspätung auch mal im LSF anzumelden, jetzt, wo ich herausgefunden habe, dass das fehlende Aktivierungs-Kennwort nicht wie gedacht in einem separaten Brief kommt, sondern die ganze Zeit im gleichen Umschlag auf seinen Moment gewartet hat wie der gesammelte Rest an mir zugesanrten Unterlagen.

Die erste Woche habe ich sowieso unentwegt zitternd verlebt, da besagter Umschlag mit Unterlagen mich noch nicht erreicht und ich somit keine Ahnung hatte, ob ich nun überhaupt eingeschrieben werden konnte oder nicht. Bei meinem Geschick hätte es mich wirklich nur latent verwundert, wenn überhaupt, wären mir meine am letzten möglichen Tag eingereichten Immatrikulationspapiere wegen Unvollständigkeit o. Ä. zurückgeschickt worden. Da ich entgegen jeder Logik – immerhin ist mir die relative Verantwortungslosigkeit meines Letzte-Minute-Stils durchaus bewusst – doch im Grunde einen extrem hohen Wert darauf lege, dass die Dinge so funktionieren, wie ich das brauche, war diese erste Woche der Ungewissheit also keine sonderlich angenehme. Gleich Dienstag Abend (erster Tag Uni) erlitt dieses Nervenbündel daher eine Panikattacke zuvor ungekannter Ausmaße und allererste nach außen wahrnehmbare im Beisein anderer Menschen (aka R, der überfordert war und sich daher aussuchte, am besten einfach gar nichts zu tun. Immerhin aber fragte er mich während des ersten Teils der Attacke, ob er etwas tun könnte, und stellte sich bereitwillig meinem embryonal zusammengekrümmten Körper als diesen festhaltende Verbindung zur Außenwelt zur Verfügung).

Auch hier allerdings war zu beobachten, dass Panik immer nur dann auf- bzw. in den Vordergrund trat, wenn ich zu Hause war. Draußen, wenn ich unterwegs bin und Dinge erledige, kommt die Panik nicht durch. Die Uni an sich hat mir von Anfang an nur gutgetan. Der Studiengang ist sehr klein und man kennt sich sehr schnell gegenseitig; ich habe gleich im ersten Kurs zwei der nettesten Kommilitoninnen kennengelernt und bin tags darauf mit ihnen noch Kaffee trinken gegangen, als einer unserer Kurse ausfiel (es ist hier an der Uni genau so unorganisiert wie an jeder anderen Uni der Welt. Herrlich), und war einfach nur begeistert, einen Studiengang voller Menschen vorgefunden zu haben, mit denen man wirklich gut klarkommen kann. So etwas kannte ich aus Konstanz nicht; wir waren so viele in der Linguistik und das familiäre Gefühl, welches hier vorherrscht, kam ausschließlich durch Euskera zustande. So habe ich dann ja auch meine einzigen Uni-Freunde in Euskera gewonnen.

Ich beobachte nach zwei Wochen bereits eine Verbesserung meines Zustands auf körperlicher Ebene. Das Fahrradfahren jeden Tag hilft ungemein, auch wenn es schon übertrieben kalt ist mittlerweile. Gerade den Drei-Kilometer-Berg runter morgens. W-w-w-w-w-w-w-wgh. Aber es ist gut, das Fahrrad zu nehmen. Man ist so frei und beweglich. Ich kann Sachen machen in der Stadt, nachdem ich aus der Uni komme. Katzenfutter beim Metzger holen – die Verkäuferin sieht mich nur zur Tür reinkommen und holt schon die Putenreste aus dem Tiefkühler, ich muss nicht einmal mehr etwas sagen. Paradiesisch.

Also halten wir fest, ich brauche die Uni zum Leben. Gleichzeitig prokrastiniere ich jetzt schon wieder wie ein Weltmeister und hasse etliche meiner Kurse, aber das ist völlig egal, denn das gehört dazu. Werde ich später mal Übersetzer? Ich hoffe nicht. Aber es ist immer noch der einzige Masterstudiengang weltweit, den ich mir vorstellen könnte zu machen. Und siehe da, hier bin ich.

Selten so geordnet zu einem Thema geschrieben hier. Ich bin verblüfft.

Misshandele Victoria nicht.

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Ich war letzte Nacht noch ganz schön erfolgreich. Nicht nur habe ich endlich für ein Lied eine letzte Zeile gefunden, die seit dem neunten Oktober des Jahres 2012 auf sich warten ließ (und dabei habe ich den Rest des Songs schon so geliebt und es hat mich nicht wenig gewurmt, es so unvollendet vor sich hinexistieren zu sehen, gerade seitdem der Rest fertigwar), sondern dazu noch einen der neueren, fertigen Texte – aus Vitoria war der schon – ganz spontan mit Musik versehen. Gitarrentechnisch ist nichts wirklich Originelles dabei herausgekommen, aber mir gefällt es trotzdem sehr und vor allem mag ich die Melodie.

Somit hätte ich wieder ein Songgerüst fertig. Schade nur, dass mir noch kein Titel einfällt, sonst könnte ich ihn schon abtippen und zu den fertigen Projekten heften.

Dafür kann ich Hey There jetzt abtippen! Endlich. Wow. Endlich. Die zweite Strophe ist ja auch noch gar nicht so alt, ein paar Wochen höchstens, ach, ich freue mich, dass es fertig ist.

Außerdem habe ich letzte Nacht mal wieder mit Caro geredet, dabei interessante Dinge über ihr Leben und (wie nicht) über Şahin erfahren und war angemessen entsetzt über die neuen Informationen. Das war wieder mal höchst aufschlussreich fürs Gesamtbild.

Müde. Wir haben lange geredet. Und heute um kurz nach zehn riefen mich meine Großeltern an, weil wir ja eigentlich einen Ausflug machen wollten, aber das Wetter ist immer noch so eklig, dass wir es doch gelassen haben. Ich habe mich dann mit Trudis Freund über mein geklautes Fahrrad unterhalten. Ich scheine da am Ostersonntag um vier Uhr früh ja wirklich in meiner betrunkenen Weltuntergangsstimmung einen ziemlichen Fang gemacht zu haben. „Das schaltet sauberer als meins, und das will was heißen“, sagte er, nachdem ich es ihm ausgeliehen hatte, damit er kurz was einkaufen fahren konnte. „Pflege dieses Fahrrad. Ich mein‘ es todernst. Lass das nicht verkommen. Misshandele Victoria nicht.“

Victoria ist das Fahrrad. Ich sagte ihm dann erstmal, dass ich vorhabe, Victoria demnächst anzusprayen, um sie unkenntlich zu machen. Ihr Wiedererkennungswert ist nämlich schon nicht unerheblich. Und ein Bügelschloss soll ich mir kaufen, sagt er, ein richtig gutes. Da bin ich auch für. Und ich werde es benutzen. Nicht wie Victorias Vorbesitzer/in, der/die tatsächlich nichts Besseres zu tun hatte, als sie unabgeschlossen irgendwo an einer Hauswand stehen zu lassen, direkt an der Straße, wo es nur eine Frage der Zeit war, bis ich, vollkommen dicht und am Rande eines Nervenzusammenbruchs, vorbeikommen und – nachdem ich mich einen Kilometer bereits durchs Industriegebiet geschleppt hatte und mir eigentlich nichts sehnlicher wünschte, als einfach auf der Stelle zusammenklappen zu können – ohne auch nur nachzudenken dieses Prachtstück illegal entwenden würde. Wenn nicht ich, dann der nächste Mensch in ähnlichem Zustand. Ich weiß ja, wie es hier läuft; mir sind ja selbst in den zwei Jahren hier zwei Fahrräder abhandengekommen. Eine Schande sowas. Aber gut, das war dann wohl ausgleichende Ge(-un-)rechtigkeit.

Von Dummheit getrübt – Macken des Unbewussten.

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„Ich hab‘ den ganzen Nachmittag baskische Volksmusik gehört“, sagte ich gestern Abend zu Sarah.
Und einer der Gründe, aus denen ich sie so liebe, ist, dass sie wohl der einzige Mensch weit und breit in meiner Bekanntschaft ist, der darauf ganz begeistert antwortet, „ich auch!

Ich werde nur immer wieder von dem Gefühl heimgesucht, dass es schöner wäre, wenn sie es einfach aus natürlichem Interesse heraus tun würde und weniger, weil es ihr ein temporäres Geflashtsein durch einen Euskadi-Fanatiker so künstlich auferlegt. Wie bescheuert kann man eigentlich sein; eigentlich sollte ich über diese Nuance hinwegsehen können, aber wahrscheinlich ist mein kleines, selten dämliches Unbewusstes tatsächlich eifersüchtig auf den armen Kepa. Es scheint fast sauer zu sein, dass meine Interessen allein nicht auf sie abfärben würden, dadurch aber, dass es zufällig auch seine sind.. Möp.

-Was?! Okay, das aufgeschrieben zu sehen ist nochmal eine ganze Ecke creepiger. Ich mag das Territorium nicht, in dem ich mich hier bewege. Ich weiß ganz genau, dass jeder Mensch so seine Abgründe hat, dass niemand frei von Verfehlungen ist und dass die Hauptsache ist, sich immer im Klaren über Richtig und Falsch zu sein, sich nicht davon kontrollieren zu lassen, aber andererseits.. ich meine, wtf. Komm mal klar. Und außer mir scheint niemand darüber zu reden, was einen dann irgendwo doch zu der (vermutlich) unzutreffenden Annahme verleitet, man wäre irgendwie gestörter als Andere. Ich merke ja, was für eine Überwindung es kostet, es überhaupt nur sich selbst einzugestehen.

Meine abartige eifersüchtige Ader ist ja nun aber nichts Neues. Wahrscheinlich wurde ich einfach fürs Leben traumatisiert, als Nicole und Marieke sich damals in der Mittelstufe mal einen Nachmittag ohne mich getroffen haben, um ins Kino zu gehen – sie haben mir gesagt, sie würden 8 Mile ansehen, und sind in Wirklichkeit ins Fliegende Klassenzimmer gegangen. Oh Tragödie meines Lebens. Meine einzigen Freundinnen damals, wie konnten sie mich nur so brutal hintergehen.

Wie stinksauer ich war. Da hätte man schon merken müssen, was für ein kranker Mensch ich mal werde, meine Güte aber auch. Wie ich vier Jahre Rumgekrebse mit Caro und Şahin überlebt hab, man sollte es kaum für möglich halten. Und statt es langsam mal gut sein zu lassen, fühle ich mich jedes Mal komisch, wenn Sarah wieder irgendein euskarisches Wort von mir wissen will. Irgendwie, als wäre ich nur Mittel zum Zweck.

Meiner Begeisterung darüber, die Faszination des Euskera und die wenigen Teile davon, die sich mir bisher erschließen, mit ihr teilen zu können, tut das keinen Abbruch. Dafür ist es ein zu wunderbares Gefühl, zu sehen, jemand interessiert sich für etwas, das du liebst. Es ist halt nur irgendwie getrübt. Von Dummheit. Was ein nach all der Arbeit immer noch herrschender gravierender Mangel an Selbstwertgefühl alles mit einem anstellt.

Ein anderer Punkt, an dem ich dringendst arbeiten sollte, ist meine Neigung dazu, Leuten, sobald ich dann doch mal das Gefühl habe, mir ihrer Zuneigung relativ sicher sein zu können, am liebsten ihr halbes Leben vorschreiben zu wollen. Ich habe es gemerkt, als ich weg von Zuhause war, selbst als Besuch bei Anderen hätte ich am liebsten alles Mögliche bestimmt, allem voran das Konsumverhalten meiner diversen Gastgeber. Hier zu Hause geht der Zwang nahtlos auf meine Mitbewohner über. Es kann nicht angehen, dass ich sauer werde, wenn jemand Brot kauft, nur weil ich vor Wochen mal zu dumm war, die fünf Laibe, die ich übrighatte, zum Fair-Teiler zu bringen, und immer noch welche davon bei uns im Gefrierfach residieren. Meine Mitbewohner haben das Recht, sich selbst Brot zu kaufen, so viel sie lustig sind. Es ist einfach so. Ich kann nichts dagegen tun. Ich will nichtmal etwas dagegen tun; mir wäre es auch lieber, nicht jedes Mal innerlich am Rad zu drehen, wenn jemand mit einer Tüte gekauftem Salat nach Hause kommt, obwohl ich sie fast schon anflehe, den zu essen, den ich noch im Kühlschrank habe. Ich kann sie nicht zwingen. Ich kann ihre Gedanken nicht umstrukturieren. Ich kann sie nicht zu verwertungsbesessenen, nachhaltigkeitsfanatischen, funktionalistischen Klonen von mir machen, die nicht in der Lage sind, ein Stück Papier wegzuschmeißen, solange noch ein Funken weißer Platz darauf übrig ist, auf dem man ja noch einen Stift nach längerem Rumliegen wieder zum Schreiben bringen könnte. Ich will es nicht, ich kann es nicht, ich darf es nicht; ich würde mir nur wünschen, das Bedürfnis dazu auch einfach nicht mehr zu haben.

Welche Fehler ich wohl mache, die Andere zur Weißglut treiben? Sarah hätte mich bestimmt gern ein wenig pünktlicher (auch wenn wir vorhin noch festgestellt haben, dass ich so gut wie nie einen Bus verpasse, was in der Tat fast an ein Wunder grenzt) und organisierter. Lena würde sich ganz sicher freuen, wenn ich nicht so ein Sportmuffel wäre. Sebi wäre mir vermutlich dankbar, wenn mir seine musikalische Unfähigkeit weniger zu schaffen machen würde. Trudi hätte wahrscheinlich lieber ihr eigenes Brot im Kühlschrank. Den lieben Foodsavern wäre ich eine größere Hilfe, wäre ich nicht so krankhaft schüchtern und hätte mehr organisatorisches Talent, um auch mal bei anderen Bereichen als nur dem Abholen von Lebensmitteln einen signifikanten Beitrag leisten zu können, in der Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel, oder beim Ansprechen neuer potenzieller Kooperateure. Laura bin ich zu idealistisch (und habe noch dazu keinerlei Allgemeinbildung noch irgendeinen Hang zu politischem Interesse und größtenteils nicht den blassesten Schimmer vom aktuellen Weltgeschehen, dafür einen fragwürdigen Geschmack in Unterhaltungsmedien), obsessiv bin ich auch noch, und als wäre das nicht genug, nehme ich auch noch ihre Trust Issues zu persönlich. Robert findet mich kompliziert (wobei er noch derjenige von all meinen Freunden ist, von dem ich mit der größten Sicherheit behaupten kann, dass er mich kaum, falls überhaupt, je negativ bewertet). Susmita sagt, ich sähe aus wie Bob Marley. Janine gehe ich ständig damit auf die Nerven, dass sie endlich anfangen soll, ihr Buch zu schreiben. Es hört gar nicht mehr auf. Und ich habe keine Ahnung mehr, was dem ganzen Absatz eigentlich vorausging, was aber wahrscheinlich auch besser ist.

So spät schon wieder? Ach herrje.

Trudis Fahrrad, das ich bekommen habe, scheint zu funktionieren. Ich habe mir vorhin von Sarah eine Luftpumpe ausgeliehen (und da wir beide keine Idee hatten, was Luftpumpe auf Spanisch heißt, haben wir bei ihr zu Hause nachgeguckt und siehe da, es heißt „bomba de aire“, wen auch immer das jetzt noch so interessiert) und vorhin die platten Reifen wieder in Form gebracht; mal sehen, ob die heute Morgen noch so ist, wie ich sie zurückgelassen habe, oder ob mir ein weiterer Besuch beim Fahrradladen bevorsteht.

Es gäbe da auch noch die wundervolle Anekdote, wie ich dafür gesorgt habe, dass meiner Pflegeratte gestern Nachmittag ein paar Zentimeter ihres Schwanzes amputiert wurden, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. (Wenn du darauf bestehst; mir persönlich wäre Verdrängen fast lieber.)

Eine Katze auf meinem Schreibtisch.

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Meine Güte, ich bekomm‘ aber auch ganz schön Besuch in letzter Zeit.. Das hier ist mein heutiger Gast, in der einen Sekunde, die seine Aufmerksamkeit nicht zu hundert Prozent meinen Pflegeratten gewidmet war. Wie gut, dass sie erst ankam, nachdem ich Chilly, die mir ausgebüchst war, wieder zurück in den Käfig befördert hatte.

Besuch

Gleich gehe ich mit Trudi zu ihrer alten Wohnung, helfe ihr, noch ein paar ihrer Sachen hierherzuverschleppen, und bekomme, wenn alles gut geht, von ihr ein Fahrrad. Nachdem mein letztes Wochenende gefundenes offenbar ebenfalls nicht unter 150€ reparabel gewesen wäre, ist dieses nun meine letzte Hoffnung. Ich wäre ihr auf ewig dankbar.

Und wo wir schon dabeisind – die frohe Botschaft wollte ich vor Tagen schon verkünden, es kam nur immer was dazwischen: Sie hat Ja gesagt!

Ich kam mir wirklich fast vor, als wollte ich Trudi einen Antrag machen, als ich Freitag die Mail von der Wohnheimsverwaltung bekam, die mich auf das baldige Auslaufen meines Vertrages aufmerksam machte, und daraufhin bei ihr anklopfte, um nochmal ganz offiziell bestätigt zu bekommen, dass wir uns zusammen etwas Neues suchen. Ich habe praktisch meine eigene Mitbewohnerin gefragt, ob wir zusammenziehen wollen. Nicht unabsurd, aber immerhin, sie war davon eh schon ausgegangen und hat mich damit sehr froh gemacht. Sobald sich etwas auftut, sind wir hier weg vom Fenster. (Sprich, der Wohnraumknappheit dieser Stadt nach zu urteilen kann ich froh sein, wenn ich in dem halben Jahr, das mir hier verbleibt, etwas finde. Eigentlich müsste ich auf der Stelle anfangen zu suchen.)

Gestern habe ich, der mangelnden Schlafversorgung zum Trotz, sehr produktiv an Zweitstimmen für Sarahs Songs gearbeitet, die wir Freitag Nacht aufgenommen hatten. Eins der Experimente habe ich ihr schon geschickt; sie schien ziemlich enthusiastisch. Genau so sollten wir es machen, meinte sie. Außerdem habe ich ein paar Ohrhänger gefertigt, unter Anderem welche aus Guinness-Bierdeckeln. Sie sind so wunderschön geworden, dass ich mich schon wieder kaum dazu durchringen kann, sie überhaupt nur zum Verkauf zur Verfügung zu stellen. Aber oh well, was soll man machen. Wenn wir demnächst unseren Dawanda-Shop befüllen, muss ja leider Gowais auch irgendetwas zur Auswahl stehen.

Laulenzen – Faulenzen

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Ich werde jetzt (aller Voraussicht nach) etwas tun, das ich seit ewigen Zeiten nicht mehr getan habe. Und zwar sitze ich am hellichten Tag im Bett, mit dem Computer auf den Schenkeln, und werde einen Film gucken. Und wie ich mich darauf freue! Ich habe mir eine halbe Box Eis aus dem Gefrierfach geklaut, von dem ich keine Ahnung habe, wem sie gehört, aber das wird sich bestimmt herausstellen. Wenn ich demnächst mein Geld wiederhabe, kann ich derjenigen dann eins nachkaufen. Wenn schon keine Chips dasind.. Am liebsten hätte ich Chips.

Was ist das herrlich. Ich mach‘ mir eine Gammelwoche, habe ich gerade beschlossen. Mein Fahrrad zu reparieren hätte mich über 100€ gekostet, das habe ich gleich zum Verschrotten dagelassen. Bei Gelegenheit ist das Reichenauer dran, vielleicht habe ich damit ja mehr Glück. Bis dahin aber bin ich anhängertransport- und somit abholunfähig und übertrage meine Termine lieber anderen Foodsharern.

Wunderbare Bärlauch-Kräuterbutter habe ich heute übrigens gemacht. Und das Salz ist fertig und sieht unglaublich edel aus und ich habe es nochmal gesiebt, sodass ich ein paar Behälter mit feiner und ein paar mit gröberer Körnung gewonnen habe.

Jetzt aber ran ans Werk, namely „The Science of Sleep“.

Gehiago entzuten, aukeratzen…

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Ein bisschen schneller und unstrukturiert heute; ich muss „früh“ aufstehen und möchte nicht riskieren, wieder ohne es auch nur zu bemerken meinen Wecker um halb zehn Uhr einfach auszuschalten. Was für ein Luxusproblem.

Mein Wochenende war ausgezeichnet. Freitag Abend der Foodsharing-Kennenlernabend – nicht ganz so toll wie letztes Mal, aber immerhin eine Gelegenheit zu lernen, und ich hatte so oder so ein paar interessante Gespräche. Samstag ein Ausflug zum Flohmarkt auf die Reichenau mit Sarah, wo ich nicht nur ein paar schöne und praktische Kleinigkeiten gefunden habe, sondern, sehr unplanmäßig, an der Straße im Gebüsch auch noch ein Fahrrad. Somit bin ich aktuell stolze und glückliche Besitzerin zweier fahruntüchtiger Fahrräder.

Das Fahrrad von der Reichenau zu Sarah zu bekommen war nicht unbedingt das müheloseste Unterfangen, da es eine Acht im Vorderreifen hatte und über weite Teile der Strecke nichtmal möglich war, es zu schieben. Aber irgendwann ein paar Kilometer weiter war es geschafft. Ich blieb so lange bei Sarah, bis ich losmusste, um mein eigentliches Fahrrad abzuholen. Ein Kumpel von Serj machte mir den Keller auf; das Rad war noch da, wenn auch korblos, auf beiden Reifen platt und im gleichen erbärmlichen Zustand wie vor einem halben Jahr, nur ein bisschen verstaubter. Immerhin konnte ich mich (anders als zu früheren Zeiten) problemlos an die Kombi des Zahlenschlosses erinnern und es mit nach draußen nehmen. Dieses Exemplar war sogar schiebefähig. Ich brachte es zur Wohnung der Person, zu der ich nachher gehen werde, um mich ihr als Versuchskaninchen zur Verfügung zu stellen; sie macht seit Neuestem eine Ausbildung zur Auraheilerin und sucht Übungsob(- oder eher -sub)jekte. Ich habe zwar keine Ahnung, was sie genau mit mir anzustellen gedenkt, aber es klingt interessant, und ich mag interessante Dinge. Und Auren mag ich auch, zumindest die Vorstellung davon. Vielleicht finde ich nun endlich heraus, ob es wohl wirklich welche gibt. Und vielleicht kann ich ihr meine Theorie erzählen, dass die Auren je nach Situation schrumpfen oder wachsen.

Dann jedenfalls waren Sarah und ich im Irish Pub, wo es Livemusik gab, und hatten mit pitcherweise Cider und Kilkenny’s und Nachos und guter Laune einen herrlichen Abend. Hach, was war das schön. Auch wenn ich um ein Haar meine geliebte Häkelnadel in einer Ritze der Bank verloren hätte. Aber weil ich mich einfach geweigert habe, die Bergungsarbeit aufzugeben, hatte ich sie irgendwann wieder.
Es war gerade Zeit für den letzten Bus, als wir rauskamen. Weil wir aber noch containern wollten, ließen wir uns Zeit und wanderten durch die halbe Stadt zu Sarahs neu entdecktem Spot, einer reinsten Goldgrube. (Im Fall von gestern Nacht eher Chiligrube. Aber es gab auch schier unendliche Mengen an Tomaten und Auberginen, und ein paar Äpfel und einen Granatapfel haben wir auch noch gerettet.) Ich habe dann bei Sarah geschlafen und wir haben den gestrigen Tag mit Essen, Musikmachen und Sonnetanken verbracht. Ein Traum, ich sag’s dir.. Wobei natürlich meine Träume um einiges konfuser und weniger angenehm zu durchleben sind; ich hab‘ da ja schon wieder einen Müll geträumt, es ist gar nicht zu glauben.

Vorhin war dann reguläres Sonntags-Foodsharing-Treffen und hinterher war ich noch Bärlauch pflücken an der Fahrradbrücke. Eine Premiere; ich habe noch nie zuvor etwas mit Bärlauch gemacht, nicht ein Mal im Leben. Aber man lernt ja nie aus; ich hab‘ mich gerade eben noch in die Küche gestellt und ein wunderbares Bärlauch-Oliven-Salz hergestellt, das nun im Ofen vor sich hintrocknet. Und es riecht so umwerfend, das Zeug.

Und jetzt wird es wirklich mal Zeit zu schlafen.

Ach Shit, ich glaub‘, ich hab‘ gerade Schwachsinn geschrieben. Ich wollte eigentlich Pedro mitteilen, dass ich ständig nur draußen bin, und habe.. was denn, „etxeraz“ geschrieben, wenn es eigentlich „etxeaz“ heißen müsste? Oder ist es etwa keins von beidem und ich leite mir wieder mal nichtexistente Formen aus Berri Txarrak-Texten ab?
Etxeren kanpo“ dann vielleicht? Aaaaah, ich habe keine Ahnung.
Jedenfalls bin ich der einzige Mensch in meiner Bekanntschaft, der dermaßen durchdreht, wenn er glaubt, sich irreversibel vertippt zu haben. Der allereinzigste.

Pozten naiz.

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Sie haben mein Portemoinnaie gefunden; es wird mir wohl demnächst aus Köln zugeschickt (wie auch immer es dort hinkam). Ich freue mich.

Ich war vorhin bei der Tafel, abholen – eben kam schon jemand zu mir und hat sich über die geretteten Kartoffeln und einen Laib Brot gefreut. Einen weiteren Sack Kartoffeln und ein Brot habe ich schon für Susmita an die Seite gelegt, die es morgen abholen kommt. Ich freue mich.

Wenn alles gutgeht, bekomme ich am Wochenende von Serj mein Fahrrad endlich wieder, kann es reparieren lassen und bin somit nicht mehr fahrradlos – auch darüber freue ich mich.

Darüber sowie über die liebe, stimmungserhellende Großzügigkeit des Menschen am Kiosk vorhin, bei dem ich mit meinen letzten 48€ ein Studi-Ticket kaufen wollte, nur um zu erfahren, dass es 49,70 kostet – der es mir aber einfach für 48 überlassen hat.

Heute Abend ist schon wieder Foodsharing-Kennenlerntreffen, in wieder einem anderen Café, wo ich noch nie war – ich werde eine neue Location und neue Menschen kennenlernen und dazu alle Anderen wiedersehen und von Elisa zwei Blumentöpfchen mitgebracht bekommen, die sie verschenkt – wie ich mich darauf freue.

Meine Morning Glory-Samen keimen schon – ich fasse es gar nicht und freue mich ganz doll. Und in meinem Samenkompost keimt und sprießt schon alles Mögliche, wo ich nichtmal ansatzweise hinterherkomme, was das nun alles sein könnte. Mystery plants – ich ziehe sie einfach auf und warte, bis sie wachsen und mir ihre Identität zu erkennen geben. Der Frühling ist da – es ist warm – alles wächst – ich bin glücklich!

Eventuell nehme ich dieses Wochenende für ein paar Wochen vier Ratten in Pflege – das wäre doch wunderbar, endlich mal wieder ein bisschen tierische Gesellschaft – auch darüber würde ich mich freuen. (JA! Sie hat mir gerade nochmal geschrieben, wie viel ich fürs Betreuen haben wollen würde. Und wie lange ich sie nehmen könnte. Ich habe ihr zurückgeschrieben, dass ich sie nehme, so lange sie will, und keine Ahnung habe, was ich dafür verlangen soll. Sie schreibt mir dann nachher; offenbar muss sie vorher noch etwas abklären.)

Was noch? Ich habe meine Organisation hier im Zimmer ein bisschen umstrukturiert und auf einmal viel mehr Platz im Schrank. Wie schön das war, vorhin ein bisschen Ordnung in das Chaos zu bringen.

Schön. Schön, schön, schön.

Ich habe die Nacht damit verbracht, in meinem eigenen Blog zu lesen. Ob das nun erbärmlich ist oder nicht, sei dahingestellt; für mich ist es gut. Ich kann rückblickend so viel mehr verstehen. Und ich kann mit dem Gefühl, so unendlich viel noch zu bewältigen zu haben, viel besser umgehen, nachdem mir wieder bewusst geworden ist, dass auf jeden Fall auch schon ein beträchtliches Stück der Arbeit geschafft ist. Und auch darüber freue ich mich.

Pechphoenix

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Glück muss man haben.. mir wurde irgendwann zwischen vorvorgestern und gestern Abend mein Leihfahrrad vor der Haustür weggeklaut. Somit bin ich jetzt geld-, busticket- und fahrradlos. Hoffentlich nicht für lange; Serj hat mir geschrieben, dass ich meins am Wochenende bei seiner alten Wohnung abholen kann. Na wollen wir’s hoffen.

Was ist das für ein entsetzlicher Font hier auf einmal, es ist alles so.. anders. Ih. Ich mag es nicht, wenn sich Sachen so ändern. Und dann noch grundlos.

Es gibt zu viele Sachen, die ich tun muss. Meine Bankkarte ist zwar gesperrt, aber ich habe die Bank noch nicht informiert. Meinen Perso und die Versichertenkarte muss ich als verloren melden und jeweils neue beantragen. Einen neuen Studenten-, Foodsharing- und sogar einen verfickten neuen Organspendeausweis brauche ich. Bei der Gelegenheit könnte man dann gleich auch mal seinen 2011 abgelaufenen Reisepass erneuern – schaden kann’s ja nie, denke ich mir einfach mal so. Einen Psychiatertermin muss ich machen. Und ich war seit Jahren nicht mehr beim Zahnarzt; ich sollte Mama bitten, mir das Bonusheftchen runterzuschicken, und mir endlich mal hier einen suchen. Langsam kann ich nicht mal mehr vor mir selbst mein Nichthingehen mit einem vorgeschobenen Mangel an Belastbarkeit rechtfertigen.

Vorhin habe ich mit meiner costarricanischen Familie geredet; es war sehr, sehr lange her und es war Zeit.. und schön war es, so schön, und vor allem kann ich ganz anders mit ihnen reden seit diesem letzten Jahr. Da ist es mir fast schon egal, ob ich mal einen Fehler mache. Und überhaupt, was ich sage. Nicht wie damals, als ich dawar. Bis hin zum Schluss habe ich es einfach nicht gelernt, das angstlose Reden, und mehr noch, das angstlose Sein. Ein umso größeres Wunder ist es daher für mich, dass sie mich immer noch genauso lieben wie ich sie. Sich an alles erinnern und mir mit jedem Wort das Gefühl geben, nach wie vor Teil der Familie zu sein. Selbst wenn ich mich nur im Halbjahrestakt dazu überwinden kann, mit ihnen zu reden. Wieso auch immer. Ich bin merkwürdig und habe ein paar ganz dämliche Probleme, ich weiß schon.

Aber trotzdem. Sollte ich auch manchmal merkwürdig sein, vergiss einfach nicht, du redest mit einer Einjährigen. Dafür mache ich mich doch eigentlich schon ganz ordentlich.