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Wirklich… zu viel Zeit.

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Seit sehr Langem musste ich gerade erstmals wieder an den absurden Zufall denken, dass die Person, deren Internetpräsenz mich damals dazu bewogen hat, mir einen blog.de-Blog zuzulegen, sich Jahre später als jemand herausstellen sollte, mit dem der Ukumensch über dieselbe Plattform einen regen Kontakt pflegte.

Vielleicht komme ich darauf, weil ich soeben spontan (aber nicht wirklich; ich habe neulich im Bus hierher schon einen ganz winzigen Versuch unternommen) der nicht minder absurden Tätigkeit nachging, den Ukumenschen erfolglos in den Weiten des Internets zu stalken. Das passiert, wenn du zu gut verdrängst. Weder erinnere ich mich an den Namen seines damaligen Blogs (wohingegen mir das dazugehörige gewollt-möchtegern-Hipsterfoto mit der Mütze bei mehr oder minder angestrengtem Nachdenken tatsächlich wieder ins Gedächtnis kam) noch an den fancy englisch-französisch-verwirrten Alter-Ego-Fakenamen (Henry.. etwas), den er auf Onlineplattformen so anzunehmen pflegte. Was bitter ist, weil ich damals tatsächlich sein Facebookprofil mal gefunden hatte, ich weiß es genau.

Ich weiß aber auch, dass mir der Name auf der Zunge liegt, dass blog.de (sag bloß) seit Jahren nicht mehr besteht, dass ich so oder so keine Ahnung habe, ob der Blog (oder der Mensch) danach mal umgezogen ist, und dass – wenn alle Stricke reißen – durchaus auch die Möglichkeit bestünde, ihm einfach bei Skype zu schreiben, wäre denn die Absicht hinter den Ganzen überhaupt, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Aber das war es gar nicht, viel lieber umgeb ich mich mit undefinierten Schatten und dem typischen solche Momente begleitenden Chaos aus bodenloser Nostalgie, altem Selbstmitleid und neuem Selbstrespekt, Selbsterkenntnis und dem Mangel daran, Zweifeln und Gewissheit und einer Prise aus dem unerschöpflichen Vorrat des ebenso schwammigen wie intensiven Wunsches, irgendwie in der Vergangenheit Dinge anders gemacht zu haben. Das ist das, was mich umtreibt. Konkret kann ja jeder. Gegenwart, wie lahm.

Meine Gegenwart gestaltet sich aktuell so: Ich befinde mich in der Wohnung meiner Eltern, welche sich wiederum im Urlaub befinden. Ich bin demzufolge alleine und dafür zuständig, dass die Balkonbepflanzung überlebt. Zu diesem Zwecke bin ich vorgestern also hierher gereist und habe nun Sehr. Viel. Zeit. – und Sehr. Wenig. zu Tun. Bisher habe ich gearbeitet, Musik gemacht, gegessen und gegammelt. Was soll man in einer fremden Wohnung auch sonst machen.

R derweil hat sich eine potenzielle Ausbildungsstelle an Land gezogen, bei der er heute zum Vorstellungsgespräch geladen war. Sein derzeitiger Chef war von der Aussicht, ihn ein Jahr früher als geplant zu verlieren, so überaus entsetzt, dass er ihm den Himmel auf Erden im Betrieb versprochen hat, falls er es sich anders überlegt. Das sieht also in jedem Fall gut aus.

So. Nun bin ich einfach mal froh, dass ich den Fluch brechen konnte, der sich vor mein Schreiben geschoben hat, seitdem ich mit der Pflanzenbestimmung nicht mehr hinterherkam (du hast keine fünf Pflanzen fertig? Dann denk gar nicht erst dran.) – jetzt bin ich eindeutig nicht mehr in Reichweite meines Balkons und somit jeglicher selbstauferlegter Pflanzenbestimmungspflicht fürs Erste enthoben.

Und was alles Andere an selbstauferlegten Komplikationen meines Daseins angeht – um die kümmern wir uns irgendwann auch noch. Aber nicht mehr heute.

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Kein Peil (und trotzdem am Leben)

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Das war mal wieder ein Wochenende der besonderen Sorte, nicht unwesentlich aufgemischt durch meine bodenlose Verpeiltheit. Aber letztendlich hat alles so funktioniert, wie es sollte – wenn auch anders als geplant.

Samstag war das (durch mich lethargiebedingt bis zur letzten Sekunde verdrängte) Eintagesfestival in Wiesbaden, zu dem Beccis Mutter Karten gewonnen hatte und dann nicht hinwollte, während Becci mit der Arbeit auf Freizeit war, sodass das Vergnügen mir und Cornelia zuteil wurde. Es wurde ein toller Tag mit einem wunderbaren (wenn auch mit 70 Minuten eindeutig zu kurzen) Frank-Turner-Konzert als Abschluss. Der Mensch hat eine der beeindruckendsten Ausstrahlungen, die mir je untergekommen sind, und wird noch dazu gefühlt von Tag zu Tag schöner. Das ist absolut nicht normal. (Cornelia, die in solchen Dingen immer hervorragend informiert ist, eröffnete mir, dass er wohl mittlerweile verlobt ist, was mir zugegebenermaßen so ein bisschen meinen Plan B für mein Leben zerstörte.)

Sonntag war Bürgerentscheid bei mir zu Hause, und da ich die Briefwahl zwar beantragt, aber dann leider die Unterlagen nicht aus dem Briefkasten geholt hatte, durfte ich Samstag Nacht entgegen des Plans wieder heimzockeln, um zur Wahl präsent zu sein.

Ich hatte mir – unwahrscheinlich motiviert, wie ich zur Zeit wundersamerweise bin – bereits ein Busticket gekauft, um im Anschluss wieder nach Hessen zu fahren und an Cornelias Geburtstagsfeier teilzunehmen. Leider war ich zu dumm, den richtigen Bus zu identifizieren, und wartete eine halbe Stunde lang auf den falschen (während der richtige vor meinen Augen ein- und wieder abfuhr). Das veranlasste mich dazu, erneut den Plan zu ändern und wieder nach Hause zu fahren, wo ich den mir unverhofft geschenkten Tag dazu nutzte, um die Wohnung in Ordnung zu bringen und insbesondere das Bett im kleinen Zimmer freizuräumen, damit Becci, mit der ich eigentlich ja dann von Cornelia aus hierher fahren wollte, darin würde schlafen können.

Becci kam dann auch tatsächlich, aber in einem fürchterlichen Zustand, da sie sich auf dem Weg mit ihrem relativ frisch gebackenen Sowas-wie-Freund zerstritten hatte, der eigentlich kurz mit reinkommen wollte, sodass ich ihn hätte kennenlernen können, bevor er mit Bus und Zug weiter nach Karlsruhe fuhr, dann aber stattdessen beleidigt draußen an der Bushaltestelle stand, während Becci todesfertig allein in die Wohnung kam.

Ich habe uns dann, ohne lang zu fackeln, eine Flasche Brombeerlikör vor die Nase gesetzt und mich daran gemacht, die Situation zu durchdringen. Ergebnis (abgesehen davon, dass ihr Spezialfall augenscheinlich hinsichtlich seiner Bipolarität Jekyll und Hyde in nichts nachsteht) ist, dass Becci nun verkatert neben mir auf dem Sofa hängt. Ich dagegen habe mich von dem (nicht unbeachtlichen) Betrunkenheitslevel erfolgreich durch Schlafen kurieren können und heute bereits produktiv in der Wohnung gewirkt, Wäsche gemacht, Altglas weggebracht, Kaffee gemacht, Frühstück gegessen, Pflanzen bezubbelt, Pflanzen fotografiert, Pflanzen bestimmt.

A propos. Das regnerische Intermezzo der vergangenen Woche ist lang vorüber; es ist wieder sommerlich heiß und die Sonne lässt es zu, dass ich mit der Dokumentation meiner zahlreichen Spezies fortfahre. Tue ich dies doch.

46 – 50

Garten-Senfrauke (Eruca sativa – Brassicaceae)
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Türkischer Drachenkopf (Dracocephalum moldavica – Lamiaceae)
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Löwenmäulchen (Antirrhinum majus – Plantaginaceae)
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Topinambur (Helianthus tuberosus – Asteraceae)

Himbeere (Rubus idaeus – Rosaceae)
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Superglue (I Did It.)

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Okay. For the record: es hat unter eine Minute gedauert, meine Flipflops zu reparieren. So kann’s gehen… muss aber nicht.

Spulen wir zurück an den einen Mittwochnachmittag in Cochabamba, an dem ich dieses Unterfangen zum ersten Mal gestartet habe. Es war Markt im Barrio, aber die Schuhe reparierende Frau war nicht da. Das erfuhr ich sogar ohne selbst suchen zu müssen, denn Tyler, ein anderer Quechua-Schüler, hatte ebenfalls kaputte Sandalen und kam von seinem Erkundungsgang mit ebendieser traurigen Nachricht zurück: Sie ist nicht da.

Ein paar Stunden später: während ich mit Kepa – bereits auf dem Nachhauseweg und mit Plastiktüten voll Obst von der Cancha behangen – durchs Zentrum tingelte, kamen wir an einem der allgegenwärtigen Straßenstände mit Krimskrams vorbei und mir leuchteten tatsächlich Tuben mit Superglue entgegen. Ich also hin, den Preis einer Tube erfragt. 5 Bolivianos, kann man mal machen. Kepa brauchte Taschentücher und kaufte sich welche. Ich zahlte und nahm mir eine Tube vom Hänger, zeigte sie nochmal der Verkäuferin und steckte sie ein. Wir machten uns wieder auf den Weg. Keine drei Schritte waren wir gekommen, da rief uns die Verkäuferin hinterher, sie hätte uns schon eine Tube Kleber gegeben. Wir verdutzt zurück; niemand von uns konnte sich entsinnen, Kleber entgegengenommen zu haben. Ich fing an, meinen Beutel Teil („mío…“) für Teil („…mío…“ für Teil („…mío…“) auszuleeren und Kepa das ganze Zeug in die Hand zu drücken. Der indes durchsuchte wiederum seine Taschen und fand, erstaunlicherweise, eine Tube Superglue. Ups.

Fast forward noch ein paar Stunden. Ich sitze im Zimmer, Flipflops auf den Beinen, Tube in der Hand. Öffne die Tube. Leider beschließt diese, dass es ihr wohl den Tag über auf der Straße zu warm war, und speit Superglue über alle möglichen Teile meines Körpers (Finger) und meiner Bekleidung (Hose), welche daraufhin – brav, genau so war das geplant – natürlich seemingly irremovabel an allem festklebten, mit dem sie in Berührung kamen. Im Falle meiner Hose war dies mein Oberschenkel, im Falle meiner Finger waren es… andere Finger. Da half nur Fluchen und Ziehen.

Ich hatte noch nie so einen glatten Fleck auf dem Oberschenkel. Dafür war der faustgroße Klebefleck in die Hose eingewachsen und hatte sich in Sekundenschnelle erhärtet. (Fun fact: nachdem am Tag danach ersichtlich war, dass das durch nichts in der Welt wieder rauszubekommen ist, und ich wirklich keine Lust auf diesen nach außen vermutlich ominös wirkenden weißen Fleck auf meiner Hose hatte, habe ich ihn kurzerhand rausgeschnitten. Zum Glück ist es eine Schlabberhose, genauer gesagt: meine geliebte türkische Schlabberhose, welche schon diverse Operationen hinter sich hat, unter Anderem eine Kürzung auf Drei Viertel, nachdem der Wohnheimstrockner ihr übel mitgespielt hatte und ein Bein bedeutend kürzer wieder herauskam als das andere. Sie wird also auch dies überleben… und die Narben machen ein Kleidungsstück doch erst interessant.)

Die Sohle des einen Flipflops, an dem ich hatte ansetzen wollen, war ebenfalls vollgeklebt. Ich drückte die letzten verbleibenden Tropfen aus der Tube an die eine Stelle, die von der Explosion verschont geblieben war und welche ich eigentlich hatte erreichen wollen, aber die Flüssigkeit ging darin unter, als hätte ich eine Handvoll Wasser in eine Sanddüne geschüttet. Fazit: Kleber überall, nur meine Flipflops waren nach wie vor unbrauchbar und blieben es auch während der restlichen Reise.

Dann lagen die (übrigens in einer haarsträubenden Last-Minute-Aktion extra für diese Reise bestellten) guten Stücke erstmal ein paar Wochen am gleichen Fleck hier in der Wohnung, weil ich – vielleicht trauma-, vielleicht lethargiebedingt – mich nicht überwinden konnte, diese Aufgabe erneut zu konfrontieren. (Ich glaube, ein großer Teil dieses Unwillens rührte daher, dass ich nicht genau wusste, wo der Sekundenkleber ist. Taurig, aber wahr – sowas kann durchaus mal dazu führen, dass ich Aufgaben ein paar Jahrhunderte lang unangetastet lasse.)

Bis jetzt. Todesmutig habe ich mich der Herausforderung gestellt und an ganzen zwei verschiedenen Orten in der Wohnung nach dem Superglue gesucht, ihn am zweiten der besagten Orte dann gefunden (es war, wie du siehst, nicht sehr schwierig), Flipflops aufgeklappt, Kleber rein, Flipflops zugeklappt, reingeschlüpft, draufgetreten, festgedrückt. Fertig.

It is finished.

Blaue Katzen

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Himmels Willen, was ist denn hier passiert? Da ist man ein paar Wöchelchen nicht da und sie ändern im Backend einfach die Farben. Hat fast was von SchülerVZ, dieses Weiß-Rosa.

Nun gut, damit kann ich leben. Noch besser lebe ich allerdings, weil ich heute zum ersten Mal dieses Jahr, zwecks Therapeutentermin, das Haus verlassen habe und mir das gutgetan hat. Rauskommen ist generell immer ganz super, nur es bis dahin zu schaffen stellt eine enorme Hürde dar, der ich mich aktuell ganz gut entziehe. Aber ich hoffe, dass es bald wieder besser wird. Kann eigentlich nur.

Irgendeinen magischen Einfluss scheinen allerdings meine Therapiesitzungen auf das Finanzamt zu haben. Als ich heute wiederkam und den Briefkasten aufmachte, befand sich darin, man höre und staune – meine Umsatzsteueridentifikationsnummer. Genau wie das Schreiben mit der Aufforderung, mich beim Elster-Portal anzumelden, letztes Jahr auch an einem Donnerstag ins Haus geflattert kam, als ich schon ganz und gar überzeugt war, mich nochmal selbst beim Finanzamt melden zu müssen.

Somit kann ich nun also, vorausgesetzt, sie behalten mich bei Scribbr, das Geld, das ich mir dort erarbeite, auch tatsächlich ausgezahlt bekommen.

Mein Kalender kam auch heute an. Dies wird mein drittes Jahr als bekennende Paperblankssüchtige. Ein Glück fliegen diese kleinen Buchkalender bei Ebay nach Weihnachten überall herum. Ich habe dieses Mal einen mit blauen Katzen abgestaubt und würde mich nun daran freuen, wären denn meine Emotionen momentan für mich erreichbar.

Ich habe die Medis zurück auf 10 mg herunterdosiert, nachdem der erhoffte Motivationsschub auch auf der höheren Dosis ausblieb und mir dafür der klägliche Rest meiner Gefühlswelt auch noch abhandenkam. Dann doch lieber wieder nichts gebacken bekommen und dabei wenigstens ein schlechtes Gewissen haben, statt einfach nur stumpf vor mich hinzuexistieren und dabei, wenn überhaupt, höchstens noch weniger zu schaffen.

Gleich wird jedenfalls erstmal mit Caro geredet. R kommt spät wegen Solid. Donnerstags sollte die Pflege sozialer Kontakte zur Außenwelt ins Pflichtprogramm gehören – wenn ich denn eines hätte.

Year of the Finger

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Ach, ich Riesendepp. Ein Glück habe ich nochmal in meinen Kalender geguckt, bevor ich rausgehen wollte. So habe ich gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass ich nicht heute um drei bei Marthe sein muss, sondern nur morgen. Dodged a bullet there.

Das heißt also, dass ich umsonst zwei Schlucke Ouzo getrunken habe (Konversationsunterricht macht man – wobei ich ausdrücklich über mich selbst spreche und das kein allgemeiner Ratschlag sein soll – am besten ganz minimal alkoholisiert, zumindest mit denjenigen Schülern, mit denen es einem schwerfällt, auf andere Art einen Gesprächs-Flow zu entwickeln) und auch meine Bemühungen, mich öffentlichkeitsfähig zu gestalten (Lippenstift, dezentes Augenmakeup) nun eben meinem Computerbildschirm zugutekommen.

Das heißt dann wohl auch, dass ich weiter fleißig sein muss. Ich habe mir vorhin wieder mal ein Kapitel der Lerntherapieunterlagen vorgeknöpft, das ich dann jetzt zu Ende lesen kann. Neunzehn Unbabel-Tasks warten auch noch auf mich (beziehungsweise ich auf sie; vorhin war sehr zum Leidwesen des disziplinierten Teils meiner Persönlichkeit nur ein einziger Auftrag verfügbar), und eventuell ruft mich Malte später noch an, der gerade wohl ein paar Schicksalsschläge mittelschweren Ausmaßes erlitten hat und ganz mitgenommen mir heute Früh mitteilte, er hätte jetzt erstmal genug von Menschen.

Insgesamt werde ich heute also unfassbar produktiv gewesen sein. Die erste Hälfte des Tages konnte sich nämlich auch schon sehen lassen, da ich um neun bei der Therapeutin war, um halb elf (diesmal wirklich) aus der Kirche ausgetreten und um kurz vor schon wieder daheim – und zwischendrin noch schnell einen weiteren Eimer Altglas weggefahren habe.

Ich bin nämlich heute von der Therapeutin darauf gebracht worden, wie ich vielleicht der Lähmung entkommen kann. Daraufhin kam ich unsagbar motiviert da raus und habe mir auf dem Nachhauseweg Gedanken darüber gemacht, ob und wie das umzusetzen ist. Die Idee ist folgende:

Gelähmt werde ich durch eine Art Zwang, der mir vorschreibt, wie die Dinge zu tun sind und in welcher Reihenfolge. Tue ich eins der Dinge nicht und der Zwang (verbildlicht durch einen erhobenen Zeigefinger, der unter Anderem auch für das schlechte Gewissen, den Perfektionsanspruch, die Selbstkritik etc. zuständig ist) stuft es als besonders wichtig ein, blockiert dies alle dahinter wartenden anderen Dinge, die auch erledigt werden wollen. Ich komme nicht an der Blockade vorbei, renne gegen Wände, tue schließlich gar nichts und fühle mich als Verliererin gegen den Zeigefinger, welcher das wiederum fröhlich aufgreift. Ich soll nun daran arbeiten, den Zeigefinger nicht unbedingt bekämpfen zu wollen. Wenn ich nicht gegen ihn arbeite, nur weil seine Methoden mir nicht gefallen, sondern ihn als Teil meiner selbst ernst nehme und auch mal kompromissbereit auf ihn zugehe, fühlt er sich vielleicht akzeptiert und hört seinerseits auf, mich so zu drangsalieren. Ich soll also begreifen, dass wir uns auch gut tun könnten gegenseitig, der Finger und ich. Wie sagte die Therapeutin so zutreffend: „Es ist überhaupt nicht schlimm. An Zwanghaftigkeit ist noch keiner gestorben.“

Und da das eine Einstellungssache ist, an der man tatsächlich ganz einfach selbst arbeiten kann, halte ich es für umsetzbar und habe das nächste Jahr probehalber zum Jahr des Zeigefingers erklärt. Wenn er mich so nervt, wird er schon seine Gründe haben. Solange er nicht wieder anfängt, mir das Laufen auf der Rolltreppe verbieten zu wollen, oder ähnlichen Humbug anstellt, kann es vielleicht gar nicht schaden, dieser Seite von mir einfach mal Beachtung zu schenken.

Könnte schlimmer, könnte besser.

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Letztendlich ist es heute wirklich Auslegungssache.

Also, was mir heute so alles passiert ist:

+ Habe es geschafft, um zwanzig vor zehn aufzustehen, mir Kaffee und Berliner aufzutischen und um zehn an einem Webinar über passives Investment als Altersvorsorge teilzunehmen.

– Das Webinar war 1) aufgezeichnet, nicht live, was den Sinn des Pünktlichdaseins so leicht untergraben hat, und 2) natürlich darauf ausgerichtet, dass Leute am Ende einen monströs teuren Onlinekurs zum Thema kaufen sollten.

+ Es war trotzdem informativ genug, dass es mir nicht wie verschwendete Zeit vorkam, vor allem für so komplett Planlose wie mich.

+ Habe es geschafft, den Wisch für den Kirchenaustritt auszudrucken, den ich gestern verfasst hatte, und den grandiosen Plan erdacht, mit Pfand in die Stadt zu fahren, auf dem Rückweg beim Standesamt vorbeizuschauen, um tatsächlich mal aus der Kirche auszutreten (bevor ich demnächst mit Steuernzahlen anfange, das wäre ja noch schöner), und bei der Gelegenheit in der Stadt meine Medis zu holen.

+ Habe Pfand weggebracht, wobei alles nach Plan lief. Kam wieder raus mit einer Packung Klopapier und einer Kleinigkeit für R – Rotkohl für unsere nächste Gans. (Wie falsch sich das anhört. Ich habe das dringende Bedürfnis, mich zu rechtfertigen: Um Himmels Willen, du weißt doch, dass ich neulich mit Yannick fünf „kleine“ tiefgefrorene Gänsebrüste gefunden habe, von denen R und ich nun vier Stück nach und nach dekadent verspeisen. „Klein“ im Vergleich zu der ganzen Gans, die mit Sicherheit zehn Kilo auf die Waage brachte. Und was den Rotkohl betrifft, so wurde dieser ebenfalls illegal entwendet. Du weißt doch, dass ich Supermärkten erst dann Geld in den Rachen schmeiße, wenn die Mülltonnen dahinter nicht mehr Abend für Abend die halbe Welt ernähren könnten.) (Wieder einmal stelle ich fest, dass mein Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden vermutlich mit dem einiger anderer Menschen kollidieren dürfte, wenn ich schon so panisch bemüht bin, den Verdacht entrüstet von mir zu weisen, ich könne mir Nahrungsmittel oder gar ein totes Tier gekauft haben.)

+ Wichtiger Punkt, den ich bislang vernachlässigt habe: Die Sonne schien.

+ Habe Standesamt gefunden (1. Stock des Rathausgebäudes).

– Standesamt mittwochs nur bis 12 geöffnet. Ich war um halb eins da.

+ Habe Apotheke direkt neben dem Marktplatz gefunden und festgestellt, dass das zeitlich genau hinkommen könnte, um den nächsten Bus nach Hause zu erwischen.

– Meine Medis gab es dort allerdings nicht vorrätig. Den Bus konnte ich somit knicken und brauchte immer noch meine Medis. Also lief ich die Fußgängerzone entlang (Gegenrichtung meines Busses), um eine andere Apotheke zu finden.

– Mir war heiß von dem ganzen Laufen, zumindest an den Stellen, die von meiner Winterjacke bedeckt waren.

+ Natürlich hatte ich die Jacke offen und in die Lücken wehte frischer Wind.

– Ich hatte Durst.

+ Es gab auf halber Strecke noch eine Apotheke.

– Auch diese hatte meine Medis nicht da.

– Meine Stiefel sind mir etwas zu groß und daher zu langem Laufen nicht ganz so gut geeignet, sodass meine Füße anfingen zu schmerzen.

+ Die dritte Apotheke kam in Sicht und ich bekam dort, man glaubt es kaum, endlich mein Escitalopram.

+ Bus nach Hause knapp erwischt.

– Er war gerammelt voll.

– Größtenteils mit Schulkindern.

– Beim Aussteigen nach Ölsardinenfahrt durfte ich feststellen, dass hinter uns ein weiterer Bus hielt. Niemand außer einem Fahrer war darin zu sehen.

+ Beim Reinkommen Briefkasten gecheckt und TADA, Brief vom Finanzamt erhalten. Wenn sich je ein Mensch über Post vom Finanzamt gefreut hat, war ich das in diesem Moment.

– Es war natürlich keine Steuernummer, die mir wundersamerweise ins Haus geflattert kam.

+ Aber immerhin ein Schreiben, welches sich auf die Mail bezog, die ich vor fünf Tagen geschrieben hatte, wenn auch nicht so freundlich, wie es hätte sein können.

+ Somit weiß ich nun wenigstens, was zu tun ist, habe mich bei dem Portal registriert und warte nun auf den Aktivierungscode.

Okay, lass mich mal zählen. 14 Pros gegen 11 Cons, das bestätigt mich in meinem Eindruck, dass es doch alles in allem nicht schlecht gelaufen ist. Und immerhin kann ich heute von mir behaupten, ein paar Herausforderungen zumindest mal ins Gesicht geschaut zu haben.

Mehr Medis

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Okay, okay, ich hab’s ja verstanden. Scribbr-Aufträge sofort annehmen, sonst verschwinden sie einfach. Auch wenn man einfach nur warten wollte, bis man wieder am Computer sitzt, um direkt damit anzufangen, nachdem man sie angenommen hat.

Oah. Das wirft meinen ganzen Tag durcheinander. Ich war nicht darauf vorbereitet, heute noch irgendetwas Anderes tun zu müssen. Natürlich will ich auch eigentlich nichts tun. Aber da ich nun keinen Scribbr-Auftrag mehr zu bearbeiten habe, fällt dafür die Legitimation weg.

Immerhin, es ist sehr sonnig heute. Ich sollte es also hinbekommen, mich im Bad fertig zu machen und zumindest kurz den Berg runter zur Apotheke zu fahren, um meinen Medi-Nachschub zu organisieren. Der mir dann nur noch zwei Monate hält, weil ich die Dosis auf anderthalb Tabletten à 10 mg am Tag erhöhe.

Ich bin ein bisschen skeptisch, was das betrifft. Einerseits fühle ich mich schon jetzt durch die Medis größtenteils zu abgekapselt von allen Emotionen, andererseits erhoffe ich mir von der höheren Dosis einen gehörigen Schub Motivation, den ich tatsächlich gut gebrauchen könnte. Ich schätze mal, wenn das Ergebnis nicht gut ausfällt, kann ich immer noch auf die ursprüngliche Dosierung zurückstufen.

Gut, dann nehme ich das mal in Angriff.

Long Live Big Brother

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Die Partei, die Partei, die hat immer Recht
Ja, Genossen, es bleibt dabei
Denn wer für das Recht kämpft, hat immer Recht
Gegen Lügen und Ausbeuterei.

Wer das Leben beleidigt, ist dumm oder schlecht
Wer die Menschheit verteidigt, hat immer Recht
Denn aus Lenin’schem Geist wächst von Stalin geschweißt
Die Partei, die Partei, die Partei!

Ich habe einen Ohrwurm.

Der Ohrwurm kommt daher, dass ich seit Montag mit Sophi an ihrer Präsentation für das mündiche Abi arbeite, mit der Leitfrage „Die DDR – ein totalitärer Staat?“ Und da ich seit einiger Zeit, was SED-Propaganda betrifft, für meinen eigenen Geschmack zu gebildet bin, konnte ich Sophi zur wohl passendsten Einleitung aller Zeiten verhelfen. (Sie sollen „kreativ“ sein bei der Einleitung. Nicht: „Ich halte heute mein mündliches Abi über…“ – sondern: „Ich werde einen Ausschnitt aus dem „Lied der Partei“ nutzen, um meine Präsentation einzuleiten.“ … „Den vollständigen Text finden Sie auf meinem Handout.“ Und, unter Einblenden der Titelfolie: „Ich habe mich mit der Frage beschäftigt, ob die DDR ein totalitärer Staat ist.“ Und so weiter.)

Im Lied der Partei kann man natürlich hervorragend schon die Hälfte dessen erkennen, was danach in der Präsentation ausgeführt wird. Zu Göttern erhobene Herrschende, quasi-religiöse Zustände. Führerkult und -idealisierung. Absolute Unkritisierbarkeit des Regimes. Aufgebauschte Feindbilder. Schwarz-Weiß-Denken. Vorgegebene Meinungen. Indoktrination. Ach, ich bin glücklich, dass ich ihr das Lied zeigen konnte. Und ich bin hochzufrieden mit der Präsentation und würde sie am liebsten selbst halten. Mal wieder. Warum kann man nicht das Abi zu einem Zeitpunkt im Leben machen, an dem man auch versteht, was man da labert. An dem man schon ein bisschen gelebt hat und irgendwie Vergleichswerte da sind für das, was einem in der Schule erzählt wird.

Aber nein, lieber stecken sie einen in die Uni, wo man auf die Stufe der Planlosigkeit erneut zurückgeworfen wird und sich fragt, was die Wissenschaftler mit ihrem Pseudointellekt bitte von einem wollen. Or maybe that’s just me. I guess it is. There are people out there that actually enjoy university. I guess.

Ich habe so sehr gefailt heute wie schon lang nicht mehr, und es war alles eine Sache von einer Stunde. Eigentlich fanden Teile des Fails gestern statt, als ich mir den Wecker auf nach neun statt nach acht stellte, was dazu führte, dass ich heute um nach neun Uhr seelenruhig aufstand und mich fertigmachte und sogar noch ein paar Bissen von dem Amerikaner frühstückte, der gestern bei den geretteten Brötchen dabei war, und mich sogar noch auf der Terrasse herumtrieb und die Pflanzen begutachtete und mich wunderte, warum ich eigentlich so wach war. Bis ich auf mein Handy guckte und den entgangenen Anruf der Therapeutin sah, von kurz nach neun.

Es war 9.47 Uhr; ich sah mich gezwungen, die Therapeutin anzurufen und ihr völlig schockiert unter tausend Entschuldigungen zu erklären, dass ich, ohne es auch nur zu bemerken, mich um eine Stunde verrechnet und sie ganz bestimmt nicht mit Absicht versetzt hatte. Sie versuchte mich zu beruhigen (mit mittelmäßigem Erfolg) und sagte, sie hätte sich Sorgen gemacht, ob mir vielleicht etwas passiert sei oder es mit der letzten Stunde zu tun hätte. Nein, natürlich nicht, sagte ich voller Inbrunst, ich habe einfach nur geschlafen. Das ist mir ja noch nie passiert, sowas – zumindest habe ich es sehr gut verdrängt, falls doch.

Also war ich genau pünktlich, um zu Sophi zu fahren. Dort war es schön, wie immer, und danach kam ich nach Hause und machte Spanisch mit Malte. (Er schafft es mittlerweile meistens, die Adjektive ihren Substantiven anzugleichen und die Artikel ebenso, und er hat seit Neuestem eine Technik entwickelt, eine Art gerolltes R hinzubekommen. Ein richtiges [r] ist es jetzt noch nicht, aber es könnte mal eins werden.) Wir haben das aufgenommen, nachdem er sich entschieden hat, demnächst auf Teneriffa Urlaub zu machen. Du kennst mich ja. Wenn ich jemandem Sprachen beibringen kann, ist die Welt in Ordnung. Malte fehlt zwar die natürliche Begabung, aber das kompensiert er durch Begeisterung und Motivation. Also arbeiten wir momentan fast täglich an seiner Teneriffatauglichkeit.

Manchmal kommt R nach Hause und gibt seinen Senf dazu. Er weigert sich zwar, mich sein Spanisch auffrischen zu lassen (immerhin war er mal für Spanisch Lehramt eingeschrieben – aber andererseits, wofür war R nicht irgendwann mal eingeschrieben), trotzdem – unter Beweis stellen, dass seines immer noch besser als das von Malte ist, muss er dann doch und ruft „tengo ojos verdes“ dazwischen, während ich noch dabei bin, Malte zu erinnern, dass „ocho“ und „ojo“ unterschiedliche Wörter mit unterschiedlichen Bedeutungen und unterschiedlicher Aussprache sind. Das freut mich aber mehr, als es mich nervt, denn würde ich R direkt damit konfrontieren, würde ich nur Widerwillen ernten.

Jetzt aber zurück zu Unbabel; vielleicht sind ja wieder Aufgaben verfügbar. Wenn nicht, nenne ich es einen Tag und gehe Richtung Bett. Dort könnte ich Huckleberry Finn zu Ende lesen; ich müsste bald damit durch sein. Ein schöner Plan. Gute Nacht.

Ausflug nach Hause

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Ach, ich freue mich auf Hamburg. Auch wenn es sich offenbar bei mir so eingebürgert hat, dass ich bloß einmal im Jahr auf eine Eintagesvisite vorbeischneie (siehe Kepas Umzug von Hamburg nach Kempten letztes Jahr, wobei das mit einem knappen halben Tag wohl ungeschlagen der kürzeste Besuch sein wird, den ich meiner alten Heimat je abgestattet habe).

Simone wird in einem relativ kleinen Café feiern; dort war ich auch schonmal und habe es geliebt, direkt an der Elbe, man sieht die riesigen Frachter vorbeifahren und es hat einfach Flair. Nebenan gibt es eine Art Empfangspunkt für Schiffe, wo ein Mensch in einer Kabine sitzt und die Nationalhymnen der ankommenden Mannschaften abspielt. Das letzte Mal war ich mit meinen Eltern und Großeltern dort, als uns diese in Oldesloe besuchten. Mein Opa ist sehr gesprächig und quatscht unheimlich gerne mit Menschen, die ihm über den Weg laufen, und so erzählte ihm der Kabinenmensch die Anekdote (welche mir, wie man merkt, bis heute im Gedächtnis blieb), dass einmal, als ein südkoreanisches Schiff vorbeifuhr, er versehentlich die nordkoreanische Hymne abgespielt habe. Die Menschen an Bord des südkoreanischen Frachters haben es wohl mit Humor genommen.

Gerade bedrückt es mich unheimlich, dass meine Großeltern nicht mehr so mobil sind. Gerade meinen Opa bedauere ich, denn er ist seinem Alter zum Trotz wirklich nicht gebrechlich und könnte gut und gerne noch durch die Weltgeschichte ziehen. Meiner Oma geht es nicht ganz so gut, sie hat Probleme mit dem Rücken und ist nicht mehr bereit, die Strapazen einer längeren Bahnfahrt auf sich zu nehmen. Mein Opa war sein Leben lang unfassbar wissbegierig, was fremde Orte anging. Er hat wenige weite Reisen unternommen, das haben seine Lebensumstände nicht erlaubt – mit Ausnahme des Besuchs bei meinen Eltern in New York und dem damit verbundenen Karibikurlaub, bevor ich geboren wurde, sind sie, glaube ich, beide nie aus Europa hinausgekommen. Aber ich schwöre dir, du kannst dir eine Deutschlandkarte nehmen und auf ein x-beliebiges Drei-Leute-Kaff blind mit dem Finger tippen, und er wird dir alles an Geschichte runterrattern, das dieses Nest je erlebt hat, und die der umliegenden Gegenden gleich dazu. Er ist wahnsinnig gebildet, obwohl er sein Leben lang ein einfacher Arbeiter war.

Aber ich schweife ab. Ich war ja gerade noch in Hamburg, und zwar bei dem Moment, in dem wir in den ZOB einfahren und ich, vor Müdigkeit wahrscheinlich komplett überdreht, mich wieder zu Hause fühlen werde an einem Ort, mit dem ich nichts mehr zu tun habe, den ich eigentlich nie auch nur angefangen habe zu durchdringen, und den ich kaum je wieder sehen werde.

Mir ist sogar eine wunderbare Lösung für das Makeup-Problem eingefallen (namely, wie schafft man es, nach achteinhalbstündiger Busfahrt und fünf Stunden Stadt für eine Hochzeit präsentabel auszusehen?), nämlich der Rossmann im Hauptbahnhof, von wo sowieso mehr als die Hälfte meiner Kosmetiksammlung stammt. (Da ich ja im normalen Leben nicht unbedingt übermäßig davon verwende, wird mir dieser Vorrat noch bis an mein Lebensende erhalten bleiben. Aber ich war früher süchtig danach, Lipgloss und Lidschatten zu kaufen, einfach wegen der Farben.) Dort kann ich dann doch problemlos bei den Testern einmal die Runde machen und tada, ich spare mir sogar noch die Mühe, mein eigenes Zeug mitzunehmen. Dann hoffe ich nur noch, dass das Wetter gut ist, weil ich wirklich nicht weiß, was ich über mein buntes Kleid für eine Jacke ziehen sollte. Oh, diese Probleme. Man könnte wirklich meinen, ich hätte keine.

Mea Maxima Pulpa

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Gestern war, wie jedes Jahr, der Geburtstag meiner Oma. Allerdings wurde mir das erst gegen elf Uhr abends wieder bewusst, als ich die Foodsharing-Abholung, für die ich mich gerade eingetragen hatte, in meinem Kalender notieren wollte.

Ich war einfach den größten Teil des Tages damit beschäftigt, R’s feiertagsbedingte Anwesenheit mir zu Nutze machend, mit ihm zusammen den Inhalt einer der drei neulich containerten Packungen à zehn Liter Tomatenpulpe in kleinen Gläsern einzukochen und nebenbei mit dem Rest des Zehn-Liter-Eimers Champignons, den ich zu diesem Anlass geöffnet hatte und der aber weit mehr Champignons hergab, als ich mit der Pulpe vermischen konnte, genauso zu verfahren. Es passiert ja nicht gerade häufig, dass sich R an meinen Konservierungsaktionen beteiligt, und umso mehr habe ich es genossen, dieses Mal nicht alleine dazustehen. Ich hätte gar nicht erst die Motivation dazu gehabt, das alleine durchzuziehen.

Jedenfalls fiel mir dann um viertel vor zwölf Uhr abends siedend heiß ein, dass meine Oma nicht nur Geburtstag hatte, sondern sich auch mit meinem Opa im Urlaub befand. Und dass ich ihre Handynummer nicht kannte. Demzufolge habe ich sie heute, nachdem dieser Missstand behoben war, mit Anrufversuchen terrorisiert, bis sie dann endlich mal abnahm. Sie war nicht sonderlich verwundert. Sie kennt mich. Ich hoffe bloß, dass meine Mutter das nie zu hören bekommt; sie würde mir diese Geschichte länger nachtragen, als meine Oma noch lebt.

Also. Trust me to forget my own grandma’s 80th birthday over a massive tomato pulp and mushroom canning activity. Die Ergebnisse unserer gestrigen Plackerei können sich sehen lassen. Was ich mit den restlichen zwanzig Litern mache, ist mir allerdings schleierhaft – mir sind die Gläser ausgegangen.