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Glasscheiben verdienen

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Ich hab‘ von Şahin geträumt, aber ich weiß nicht mehr, was. Nur, dass wir uns nicht ignoriert haben wie sonst meistens. So skurril, dass das immer noch vorkommt. Man sollte meinen, die Realität und die Lichtjahre an persönlicher Entwicklung, die ich dem Menschen aus meiner Erinnerung heute den Eindruck habe vorauszusein, hätten ihr Übriges dazu getan, mich davon abzukapseln. But alas, das menschliche Gehirn ist merkwürdig und tut nicht unbedingt immer das, was man von ihm erwartet.

Ich muss heute schon um halb drei Uhr bei Marthe sein, und der nassgraue Horror da draußen lässt vermuten, dass ich dafür den Bus nehme. Klassischer Fail von mir, aus den drei warmen Tagen vor ein paar Wochen zu schließen, es würde jetzt Frühling werden.

Beccis und mein Urlaub wird in der Form nicht stattfinden, worüber ich froh bin. Stattdessen kommt sie zu mir und wir gehen mit R auf das Fanny-van-Dannen-Konzert und besuchen Kepa, sofern der nicht beschließt, an den entsprechenden Tagen spontan irgendwo anders in eine Felsspalte zu klettern.

Ich müsste arbeiten, aber ich habe. Keine. Lust. Der Auftrag muss morgen Früh um 9 fertig sein; es ist ein interessantes Thema – zur Abwechslung mal wieder, ich kann kein Social-Media-Gedöns mehr sehen – aber es wird anstrengend zu korrigieren, das wird schon aus den ersten Sätzen ersichtlich. But alas, again, was soll man machen. Wenn ich ein Gewächshaus haben will, muss ich dafür erstmal in eine Situation kommen, in der es mir theoretisch möglich wäre, meinen Eltern Miete zu zahlen.

Das ist diesen Monat definitiv der Fall; ich habe noch nie so viel hintereinander gearbeitet. Und nachdem ich den Batzen Geld von R zurückbekommen habe, fällt nichtmal der Flug nach Bolivien groß ins Gewicht, den ich neulich gebucht habe. Oh, es ist eine Erleichterung, liquide zu sein. Wie ich zu R bereits sagte – jetzt kann ich mir schon die Eingangstür zu meinem Gewächshaus kaufen.

An die Arbeit, an die Arbeit, dann kommt bald noch eine Glasscheibe dazu oder eine Stunde Besprechung mit einem Architekten.

So much to do, so little time

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Mein Leben lang habe ich mich gefragt, wozu es gut sein soll, Modellflugzeuge oder Drohnen umherfliegen zu lassen. Heute habe ich es endlich verstanden.

Es ist viertel nach zwei; von meiner To-Do-Liste sind genau ein ganzer und zwei halbe Punkte erledigt und es ist absolut nicht abzusehen, wie ich den Rest noch geschafft bekommen soll. Ist ja nicht weiter schlimm, einerseits, denn es gibt ja immer noch morgen. Ist schon ein bisschen schlimm, andererseits, weil ich mindestens 5 Stunden unbabeln wollte, nach zweieinhalb trotz Klaviermusik vom 24-Stunden-Youtube-Stream schon keinen Nerv mehr drauf hatte und diesen Monat bislang ganze 325 Euro verdient habe – 60 davon durch Flohmarktassistenz bei meiner Mutter.

Zudem habe ich einen Punkt auf meiner Liste für heute vergessen: Sperrmüll. Und während ich darüber nachdachte, fiel mir auf, wie episch es wäre, jetzt so ein Drohnending mit Kamera den Berg runter- und wieder hochfliegen zu lassen und es mir so zu ersparen, selbst fahren zu müssen, um festzustellen, ob es etwas zu holen gibt. Das also ist der Daseinszweck dieser komischen Kameraden!

Da ich mich bedauernswerterweise nicht im Besitz einer Flugzeugdrohne befinde, sollte ich mich eventuell damit abfinden, den Oktober als, naja, einkommensschwächlichen Monat abzuschreiben, mich anziehen und die Erkundung selbst in die Hand nehmen. Und dann ein paar der längst überfälligen Haushaltsgeschichten erledigen. Wer hat schon Lust auf Staubsaugen, während er mit Lebensmittelvergiftung im vollgekotzten Bett hockt – so jedenfalls ist es mir am Sonntag ergangen (danke auch, in diesem Fall wortwörtlich toxischer Optimismus in Verbindung mit drei Tage altem, unzulänglich gekühltem Chili con Carne) – und gestern hatte ich alle Hände voll damit zu tun, mich erstmal in einer Welt ohne Höllenkotzerei wieder zurechtzufinden. Plus, den Teil des Tages, den ich gestern nicht mit Schlafen verbracht habe, brachte ich beim Gespräch mit dem Finanzcoach von MLP zu, das ich wider sonntagnachmittäglichem Erwarten tatsächlich in der Lage war wahrzunehmen. Auch wenn mein Körper sich gestern Früh wirklich noch nicht ganz sicher war.

Silberne Linierung!

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So – heute Abend geht es auf zu einer weiteren Woche bei Becci. Gestrichen ist ja bereits; nun wird umgezogen. Und nachdem wir hoffentlich ein-zwei Tage Zeit haben, in der neuen Wohnung auf dem Sofa zu kollabieren, sind wir Samstag im Hambacher Forst und tun Sinnvolles. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich Becci dazu motivieren konnte, diese Aktivität mit mir zu unternehmen; hätte sie nicht eingewilligt, wäre ich selbst auch nicht gefahren, und mir liegt diese Sache wirklich am Herzen.

Bevor ich losfahre, gibt es hier noch eine überwältigende Menge Dinge, die ich erledigen könnte. Dazu zählt:

  • Pfand wegbringen und Spülmaschinenpulver besorgen
  • Küche aufräumen
  • staubsaugen
  • Wohnung aufräumen
  • Wäsche waschen
  • duschen und mich selbst in einen ansehnlicheren Zustand versetzen
  • packen und dafür sorgen, dass alles, was sich für Becci hier angesammelt hat, auch dabei ist
  • Wintersachen aus dem Schrank holen (es ist Zeit)
  • Rest des Samstag Abend mit Wolfgang containerten Zeugs aus der Garage holen
  • Keller in Ordnung bringen

…wenn ich die Hälfte davon noch schaffe, bin ich gut und habe wirklich schonmal einiges gebacken bekommen.

Zu erwähnen wäre noch kurz:

  • Murat hat seinen elenden Prozess gegen R endgültig verloren. Zwei Jahre Warten und Ungewissheit haben ein Ende.
  • Mein Unbabel-Projekt ist nun ausgelaufen, also muss ich nicht mehr um 7 Uhr aufstehen. YES.
  • Ich habe im vergangenen Monat zum ersten Mal über 1000 Dollar verdient.
  • Eventuell gehe ich, wenn ich von Becci wiederkomme, Wohngeld beantragen, was um die 237 zusätzliche Euro pro Monat bedeuten würde. Ich lasse nur Malte vorher bei seinem Vater nachfragen, der beim Finanzamt arbeitet und wissen dürfte, wie das in meiner spezifischen Situation aussieht und ob es ratsam ist.
  • Ich habe mich bei einer dritten Plattform beworben, diesmal für Lektorat. Den ersten Teil des Bewerbungsprozesses habe ich schon erfolgreich abgeschlossen, nun muss ich warten, dass sie mir Testaufgaben zukommen lassen.
  • All meine nicht winterharten Pflanzen stehen mittlerweile drinnen. Es kann losgehen. Die Physalis blüht. (Ich sollte sie gleich noch bestäuben.)
  • Nachdem Murat nun nicht mehr dafür sorgt, dass R täglich befürchten muss, ihm würden seine Besitztümer zwecks Begleichung horrender Gerichtskosten gepfändet, können wir demnächst endlich das Klavier von R’s Eltern bekommen. Ich habe schon eine ganze Weile wieder regelmäßig auf dem Keyboard gespielt und diverse Stücke wieder gelernt, sodass die Ohren der Nachbarn in genau diesem Fall nicht allzusehr strapaziert werden.
  • Ereignis des Jahrhunderts: R schlug gestern von sich aus vor, nach draußen zu gehen. Wir sind dann ein kleines Stück den Berg rauf gewandert und haben uns dort auf einer Bank niedergelassen und es war wunderschön. Herbstsonne und eine urtümliche Idylle da oben, das glaubt man gar nicht.
  • Der Grundzustand ist also allgemein wirklich mal ziemlich positiv.

Damit aber jetzt von der oben aufgeführten Liste an Erledigungen noch zumindest ein paar auch tatsächlich erledigt werden, fange ich am besten jetzt an, daran zu arbeiten.

Like vampires from a thousand burning suns

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17.11. Jahrestag meines dritten Billy-Talent-Konzerts. Aber ich bekomme das Jahr nicht mehr zusammen. 09? 10? War es im gleichen Jahr wie die erste Green-Day-Welle? Oder eben doch das Jahr drauf? Ich komm nicht mehr drauf, das macht mir Angst. Alles verschwimmt, ich bin alt geworden.

Ich bin mir nicht sicher. Die von R so betitelte Mid-Twenties-Krise hat dieses Jahr zugeschlagen, und ich bin dafür relativ dankbar, denn immerhin kann ich mich so schonmal darauf vorbereiten, was mich in der Mitte des Lebens wahrscheinlich erneut überfällt. Wobei ich in dem Sinne auch glücklich sein kann, dass Krisen für mich kein völliges Neuland sind. Ich glaube, wenn man mit psychischer Instabilität zu tun hat, verbringt man das Leben in einem nicht endenden Zyklus aus Hochphasen, Krisen und Aufräumaktionen. Permanentes Hinterfragen bestehender Beziehungen, die Suche nach dem Sinn und, noch wichtiger, der eigenen Identität und das immer wieder aufwallende Bedürfnis nach Veränderung in der Hoffnung auf Selbsterfüllung sind doch alles zentrale Themen der Midlife-Crisis, wenn ich das richtig durchblicke.

Einig können wir uns jedenfalls darüber sein, dass die Zeit fliegt. Ich habe mir meinen kleinen Acht-Wochenstunden-Arbeitsalltag zurechtgefriemelt und mich darin häuslich eingerichtet, was kein Dauerzustand sein soll und auch keiner sein kann, da mir meine erste Schülerin bereits im Januar wieder abhanden kommt und meine zweite im Mai, wenn sie ihr Abi macht. Und, wie ich neulich schon zynisch feststellte, wohl auch, wenn sie es nicht schafft.

Aber ich laufe trotzdem Gefahr, mich auf diesen leicht verdienten Lorbeeren auszuruhen. Solange ich eingeschrieben bin, reichen mir die 750€ im Monat zum Leben, mehr als genug ist das, wenn man bedenkt, dass ich meinen Eltern noch immer keine Miete zahlen muss. Ich habe mich für dieses Fernseminar angemeldet, um eine Qualifikation als Lerntherapeutin zu erlangen, aber erhalte meine Materialien erst, wenn ich das Geld überweise. Und dann dauert es noch ein Jahr. Dann bin ich fertig und es sollte wirklich mal losgehen.

R kam nach einem knappen Monat des Dialogens frustriert ohne Ende nach Hause, statt die geplanten drei Monate durchzuziehen. Ich hatte die ersten drei Wochen gebraucht, um auf seine Abwesenheit (beziehungsweise mein damit verbundenes Alleinesein) irgendwie klarzukommen, und mir, als ich soweit war, dass ich wieder handeln konnte, alles Mögliche an Besuch eingeladen – Becci und JO waren hier, dann kam Barbara aus Bielefeld zurück zum Semesteranfang und musste hier wohnen, bis sie ihre frisch renovierte Wohnung vom gröbsten Chaos befreit hatte, und Becci kam gleich nochmal, weil wir noch einmal dieses Jahr einen Flohmarktstand machen wollten. Und im Zuge dieser letzten Fuhren an Besuch, am Tag nach Beccis und meinem Flohmarkt, kam dann R wieder. Ich war fast ein bisschen enttäuscht, dass mir die Chance, mein eigenes Leben neu zu erlernen, auf diese Weise verwehrt blieb. Und wie R so ist, brachte er nicht gerade die reine Freude mit ins Haus, sondern verpestete alles mit seiner Grottenlaune. Es war anstrengend.

Aber es wurde auch sehr schnell wieder besser. Er hat sich dann erstmal beim Amt gemeldet, aber gleich nach neuen Jobs gesucht und jetzt auch direkt wieder etwas bekommen. Nun fährt er jeden Tag eine Stunde mit dem Rad zur Arbeit und wieder zurück, teilweise zu den abstrusesten Zeiten. Schichtarbeit halt. Seine restliche Zeit verbringt er mit der Vorbereitung auf das in der Ferne hoffnungverbreitend schimmernde Informatikstudium. Und selbstredend beschäftigt ihn das alles so sehr, dass sich weiterhin die Welt um ihn drehen muss. Aber ich hole ihn da raus. Ganz graduell, ich bin schon unfassbar weit gekommen bisher, und es wird der Zeitpunkt kommen, an dem er aus eigenem Antrieb seine Aufmerksamkeit auf Details richtet, die mir wichtig sind und ihn nicht direkt betreffen. Dauert noch eine Weile, aber ich werde das schaffen. Die Therapeutin, zu der ich jetzt gehe, wird mir auch dabei helfen. Sie hatt genau anderthalb Sitzungen zu der Erkenntnis gebraucht, dass ich zwar das Bedürfnis, nicht jedoch die Fähigkeit dazu habe, mich auch mal in den Vordergrund zu stellen.

So arbeitet man also an sich. In einer Stunde fahre ich los zu Sophi, auf meinem frisch motorisierten Fahrrad, mit dem ich selbst die schlimmsten Berge (aka Sophis Berg und den Weg zur Therapeutin) ohne größere Probleme hochkomme.

Der Große Krieg

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Es macht schon, habe ich mir gestern so überlegt, einen ganz unheimlich gewaltigen Unterschied, ob man gerade funktioniert oder nicht. Ich habe das mit dem Funktionieren in der letzten Zeit eher nicht so hinbekommen, zum Beispiel, und das hat sich radikal auf mein Dasein ausgewirkt, unmittelbar sogar.

Wenn ich nicht funktioniere, verändere ich mich nicht nur selbst, sondern es verändert sich mein Umfeld. Davon kann jeder ein Lied singen, der dazu neigt, ab und an kaputtzugehen. Da werden Aufgaben zu lauernden Monstern, Alltäglichkeiten zu Dramen, Konfrontation von Problemen (oder auch nur potenziellen Unannehmlichkeiten) ein Fremdwort und Kommunikation mit der Außenwelt zu einem Ding der Unmöglichkeit.

Das ist natürlich alles nichts Neues. Trotzdem. Es verblüfft mich immer wieder.

Ich nehme mal an, dass das unter Depressiven allgemein so üblich und nicht weiter verwunderlich ist, aber am allerschlimmsten scheint mir immer noch dieser absurde Kreislauf aus Dingen, die getan werden müssen, der eigenen Unfähigkeit, diese in Angriff zu nehmen, und der sich daraus ergebenden inneren Misere, die es einem selbstredend noch unmöglicher macht, auch nur einen Finger zu rühren. Komm da mal aus eigenem Antrieb (falls du dich in dem Zustand tatsächlich noch erinnern kannst, was das ist) wieder raus.

Es sind natürlich auch ein paar Sachen vorgefallen und ich weiß diesmal ziemlich genau, welchen Umständen ich diese Horrorepisode zu verdanken hatte, aber nichtsdestotrotz würde ich mir wünschen, mit all diesen kein bisschen lebensbedrohlichen Dingen anders umgehen zu können. Ich werde es wohl wirklich nochmal mit einer Therapie versuchen. Mit einer Überweisung bin ich ja sogar bereits ausgestattet.

Ansonsten – August, hm? Furchtbar. Ich habe Semesterferien und prokrastiniere schon fleißig allerlei Unizeug, darunter Sachen, die ich noch während der Vorlesungszeit hätte einreichen sollen. Becci geht es noch weitaus grottiger als mir – zumindest hält es bei ihr schon länger an – und ich bin froh, verkünden zu können, dass sie erste Versuche, sich mal behandeln zu lassen, bereits unternommen hat. (Es musste natürlich daran scheitern, dass ihr Hausarzt im Urlaub ist, aber immerhin hat sie es auf dem Schirm, dann in zehn Tagen nochmal hinzugehen.) Ich dagegen zeige wieder Anzeichen von Funktionalität, seit ein paar Tagen schon, und sollte jetzt als Erstes daran arbeiten, wieder weniger zu schlafen, weniger zu zocken und überhaupt mal wieder mehr zu machen. Aber ich bin ganz gut dabei. R ist wegen seines stressinduzierten chronischen Tinnitus krankgeschrieben (bevor ich ihn zurück ins Callcenter lasse, muss er über meine Leiche gehen) und ich bin am Überlegen, ob ich mich unten im Edeka auf den 450-€-Job als Regalsklave bewerben soll – gebrauchen könnte ich das Geld jedenfalls. Den Muskelkater dagegen nicht. Hm, schwierig.

Meinem Vater haben sie nun gekündigt, eine ziemlich miese Nummer, aber wen wundert’s. Meine Mutter ist natürlich hellauf begeistert und wähnt sich schon innerhalb von zwei Jahren an der Armutsgrenze (wer vererbte mir wohl diese Veranlagung zum Durchdrehen?). Ich warte auf das Wochenende, dann kommt er bei mir vorbei und wir können uns hoffentlich ein bisschen unterhalten.

Hear whatever you want to hear…

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Das funktionierte ja mal wieder blendend.

Ich versuchte, wie ich das in Abständen so tue, aus meiner Mutter herauszuquetschen, was eigentlich mein Vater so verdient. Meine Eltern haben sich von jeher geweigert, mit mir über ihre Finanzen zu sprechen; ich finde es affig und zu einem gewissen Grad, vor allem rückblickend betrachtet, auch schädigend und war einmal mehr dabei, meiner Mutter dies zu erklären. Wir hatten es durch die „Frag zehn deiner Freunde, ob die wissen, was ihre Eltern verdienen“-Phase geschafft, die „Weiß R, was sein Vater verdient?“-Frage war auch geklärt („natürlich, soll ich ihn fragen?“), das typische „Über Geld spricht man nicht“-Argument war entkräftet (Mama, das ist in deinem Kopf so, Himmelherrgowai nochmal, du hast in den USA gelebt, es muss dir doch begreiflich gemacht werden können, dass das keine universell gültige Norm ist, es ist nur in deinem Kopf so) und erst, als die „Was hast du überhaupt von dem Wissen“-Phase erreicht war, sind die Dinge unverhofft zu einem Gespräch der Sorte Gefühlt jedes zweite Gespräch zwischen mir und meiner Mutter eskaliert.

Mama: „Was hast du überhaupt von dem Wissen? Was bringt dir das?“

Ich: „Was bringt mir das? Was bringt es mir, zu wissen, was für ein Wetter bei euch ist; was bringt es mir, zu wissen, welche Scheißpflanzen auf deinem Balkon wachsen – es bringt mir gar nichts, es interessiert mich, ganz einfach!“

Mama: „…Okay, das wurde gerade abgespeichert unter „In Zukunft keine Informationen mehr geben.“

Ich: „Weil du bis zu „es interessiert mich“ nicht gekommen bist, sondern schon vorher entschieden hast, dich beleidigt in die Ecke zu verziehen. Ich habe gesagt…“

Mama: „Du hast Scheißpflanzen gesagt, das reicht mir schon.“

Ich: „Ich habe gesagt, was bringt es mir, zu wissen, welche Scheißpflanzen…“

Mama: „Du hast gesagt…“

Ich: „Hör mir doch einfach ZU! Ich habe gesagt: „Es bringt mir nichts, zu wissen, welche Scheißpflanzen…“

Mama: „Ich hör dir gerne zu, wenn du…“

Ich (Nachbarschaft durch die offene Balkontür zusammenschreiend): „VERDAMMT NOCHMAL, HALT DIE KLAPPE! ICH HABE GESAGT…“

Handy: *Auflegegeräusch*

Weder habe ich erfahren, was mein Vater so verdient – solange er denn den Job noch hat, das sieht ja eh ganz hervorragend aus momentan bei ihm – , noch kam ich dazu, meiner Mutter mitzuteilen, dass ich R’s Oma zugesagt habe, auf ihrem Geburtstag zu erscheinen, was mich vor das Problem stellt, dass ich ihr nicht auf dem Konstanzer Flohmarkt helfen kommen kann. Der ist nämlich nicht, wie bis vor sehr Kurzem angenommen, am 28., sondern am 24. Juni, also genau am Tag nach dem Geburtstag von R’s Oma. Also kann ich mir aussuchen, ob ich mir einen riesigen, absurden Stress mache und von Sachsen nach Konstanz an einem Wochenende tingele, meine Mutter ein weiteres Mal dazu bringe, mich in Grund und Boden zu beleidigen, oder R’s Mutter es tatsächlich antue, die Essensbestellung für die Feier nochmal umorganisieren zu müssen, und R’s Oma absage. Dabei habe ich eigentlich Lust auf ein Waldheim-Wochenende. Es gibt Alkohol, das Wetter wird wunderbar sein und wir können mit den lustigen Nachbarn und deren Krüppelhund Dapsi im Garten sitzen. Dagegen spricht nur, dass ich meiner Mutter mein Wort gegeben hatte, ihr beim stressigsten Wochenende des Jahres etwas Arbeit abzunehmen, um nicht zu sagen, einen ganzen Haufen Arbeit. Statt dass ich dies mit ihr nun hätte diskutieren können, musste sie natürlich ihre Kunst, mich absichtlich falsch zu verstehen, wieder zur Perfektion ausüben und ich bin nicht schlauer als vorher und noch dazu etwas geknickt. Denn trotz allem hatten Gespräche zwischen uns in letzter Zeit seltener ein Ende dieser Art gefunden und ich hatte mich leider Gowais an den trügerischen Frieden gewöhnt.

Whatever. Ich habe das eklige Gefühl aktiv bekämpft und so lange für morgen an dem neuen Text herumübersetzt, bis es fast verflogen war. Ich bin nämlich jetzt diszipliniert und mache Dinge. Sogar mit dem Terminologieprojekt bin ich auf dem neuesten Stand und habe Juan vorhin alle drei meiner fertigen Einträge geschickt. Das ist ein verdammt gutes Gefühl.

Und in einer Stunde gehe ich zum zweiten Mal beim Riesen-Rewe Essen abholen und freue mich extrem darauf. Diesmal werde ich nicht zwanzig Minuten lang in brütender Hitze um den Häuserblock hecheln und den verdammten Lieferanteneingang suchen und fast verzweifeln, oh nein, diesmal weiß ich bescheid. Herrlich.

Anti-Sucht und Sommerpläne: wer nicht schlafen kann, nutzt die Nacht eben so.

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Ich habe soeben beschlossen, meine Zocksucht zu bekämpfen, indem ich unter der Woche kein AOE mehr spiele. Außerdem werde ich den Rest der Woche bis 18.00 keine Handyspiele mehr spielen, sodass zumindest eine realistische Chance besteht, dass ich vor dem Urlaub noch irgendetwas für meine bislang nicht existente Hausarbeit geschafft bekomme.

Diese Maßnahme ist aber auch wirklich überfällig. Was ich vom Tag nicht verschlafe momentan, das verzocke ich, und es widert mich so dermaßen an. Einen suchtanfälligeren Menschen als mich hat die Welt noch nicht erlebt – wenigstens aber habe ich die Fähigkeit der Selbstreflektion und kann intervenieren, wie damals mit meinem Radikalausstieg aus Facebookspielen eindrucksvoll bewiesen (was nicht heißt, ganz im Gegenteil, dass mich heute noch gelegentlich die Sehnsucht danach packt, wieder Treasure Isle spielen zu können).

Nun hänge ich hier also neben dem schlafenden R im Bett und bin wach. Es war nicht anders zu erwarten, nachdem ich mir am Nachmittag gleich zwei Dosen Energy hintereinander einverleibt habe. Musste aber sein, ich brauchte dringend Instant Gratification. Um nämlich ein wenig Geld von meinen nicht enden wollenden Bestell-Eskapaden wieder reinzuholen, habe ich mich endlich mal getraut, bei dieser Plattform My little Job einen Auftrag anzunehmen, und so einige Stunden meiner Zeit heute für Produktrecherche im Bereich Fahrradzubehör geopfert. Wenn alles gut geht, wird mir das am Ende 22 Euro eingebracht haben. Somit könnte ich immerhin den Kauf der in Bälde eintreffenden grünen Swarovski-Perlen vor mir selbst rechtfertigen. Oder den der blauen. Sie haben beide 20€ gekostet. Sollte das heute also funktioniert haben, lasse ich demnächst für einen weiteren Auftrag dieser Art nochmal einen Nachmittag draufgehen. Solange es nichts mit der Hausarbeit zu tun hat, lässt mich das Alien in meinem Kopf immerhin Recherchearbeit verrichten.

Schöne Dinge: Wie es aussieht, fahre ich im Sommer mit Basti nach zum polnischen Woodstock-Festival und zuvor für einige Tage nach Luxemburg. Es scheint ihm wichtig zu sein, mir die ganzen Orte seiner Vergangenheit zu zeigen, über die er momentan eh unheimlich viel nachdenkt. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn er hat einiges davon: so viel hat dieser Mensch schon getan und erlebt, dass ihn Becci letzten Sommer fragte, ob er sich sicher sei, erst 25 und noch keine 40 Jahre lang auf der Welt zu sein.

Und mit Becci möchte ich nach England trampen. Nachdem es bisher mit unseren Tramp-Plänen nie was wurde und „bevor man da irgendwann ein Visum braucht“, wie Becci feststellte. Wir waren beide noch nie dort, und das sollte sich ändern.

Und als wäre das noch nicht genug, kommt danach der August: Ich gehe Caro besuchen und nehme mit… wen, weiß ich noch nicht so genau, aber R kommt mit, wenn es mit seinen verbleibenden Urlaubstagen hinkommt, und Basti, wenn es mit seinem verbleibenden Geld hinkommt. Wobei das weniger ein Problem sein sollte, da er bei mir sowieso so hoch verschuldet ist, dass ich es nicht einsehe, was es für einen Unterschied es machen sollte, ihm die paar hundert Euro nicht auch noch zu leihen.

Nunja, so ist das alles. Ich hätte weitaus mehr noch zu berichten, aber es ist unsagbar unbequem hier, so unbewegt auf einen Arm gestützt – meine Schulter läuft gleich Amok. Und ich sollte mal versuchen zu schlafen.

Where I Want To Be

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Soho! Wie mir eben auffällt, ist es Billies Geburtstag, mal wieder – furchtbar, wie alle immer älter werden. Der Gute müsste dann jetzt… 45 Jahre auf dem Buckel haben, das ist doch krank, das kann doch nicht wahr sein. Anyways, solang’s ihm gut geht – mir geht’s definitiv gut, und das ist doch auch schonmal was Feines.

Ich hatte das schönste Geburtstagsnachfeierwochenende aller Zeiten, an dem sich (welch Überraschung) Becci mal wieder als Engel, Basti als rettender DJ, R als wunderbarster Kater der Welt und der Rest der Mannschaft als grandiose restliche Truppe herausgestellt hat. Barbara bekam Henna-Haare von Becci, Becci und ich waren mit dem Auto containern, ich konnte (dementsprechend) meine Gäste mit einer übertriebenen Auswahl an Salaten sowie einer Unmenge Rührei verpflegen, jeder brachte Alkohol mit, ich habe Barbaras Freund kennengelernt und mich hervorragend mit ihm verstanden (wir waren gestern alle zusammen im Irish Pub, wo ich auch Manu wiedertraf, der mir dann sagte, Barbara würde sich Sorgen machen, weil wir uns so gut verstehen – kann ich aber nachvollziehen, ich bin ja auch eher vom unsicher -> eifersüchtigen Schlag, auch wenn ich mir alle Mühe gebe, es nicht zu sein), Wolfgang und Sarah waren da und Jana kam mit Malika zusammen. Die beiden brachten Heidelberger Melonenschnaps mit, Wolfgang hatte diese absurd riesige Pappdose Chips, Becci und Janine und Basti halfen mir, das Tuch von Becci an die Wand zu nageln (es ist ein wunderschönes, riesiges Tuch mit Goa-Elfen-Charakter und Pilzen drauf!), Sarah hatte auf die letzte Minute bei sich daheim ein Sammelsurium aus Duschgel und Body-Lotion zusammengestellt und noch einen Salmiaklolli dazugepackt, kurzum, ich wurde reich beschenkt und es war alles wunderschön.

Janine und Basti und Becci waren natürlich eh zum Übernachten eingeplant, außerdem blieben auch Barbara und Manu, was mich besonders freute; die beiden sind halt doch eher scheue Charaktere, die sich auch wirklich verflüchtigen, wenn sie sich irgendwo nicht wohl fühlen. Barbara hatte wohl in der Nacht noch ein Kotzdrama veranstaltet, davon hatte ich aber dank meines Zustandes nichts mitbekommen – ich glaube, ich war da gerade auf dem Weg ins Bett. Aber dafür war ich am nächsten Tag so verkatert wie nie zuvor in meinem Leben. Hilfe, man wird wirklich alt.

Diese Woche habe ich eigentlich ausschließlich gegammelt. Erste Woche der Semesterferien – was soll man da auch sonst machen. Außerdem hatte R Urlaub, bzw. hat ihn immer noch, bloß ist er gestern nach Konstanz runtergefahren, um sich dort mal wieder blicken zu lassen, sodass ich mich freue, in der Zeit mit den Kommilitoninnen was unternehmen zu können. Heut Abend gehen wir essen im Hans im Gück, oh, was freue ich mich darauf – das wird nicht nur köstlich, sondern dazu in einer Geräuschkulisse stattfinden, die (unlike yesterday’s pub quiz) auch Gespräche in normalem Tonfall zulässt.

Mein Bus geht in einer halben Stunde; derweil sitze ich in meinem wunderbaren, aufgeräumten Wohnzimmer, umhüllt vom warmen Licht der marokkanischen Lampen, und trinke meinen Irish Coffee mit Beccis Zimt-Whiskey und der von ihr containerten Sprühsahne.

Oh, es ist doch alles ein Segen. Mein Leben scheint wirklich zu funktionieren.

On a side note: Ich hatte ewig nichts mehr von Laura gehört und wollte ihr vorhin auf Facebook schreiben, wie es ihr geht (und dass ich neulich geträumt hatte, wir hätten uns schon wieder verkracht), da wurde ich mir gewahr, dass sie mich offenbar gelöscht hat. WTF… Das war’s dann wohl, apparently. Aber okay, was soll’s; wir konnten eh schon ewig nichts mehr miteinander anfangen. Nach dem, was sie letztes Jahr so alles vom Stapel gelassen hat, bin ich nicht böse drum.

Und wo ich dabei bin: Nachdem ich mich – ganz nach bester Trudi-Manier – ein halbes Jahr lang nicht getraut hatte, nachzusehen, ob ich noch Geld auf meinem alten Konto habe, konnte ich mich Anfang der Woche dazu durchringen und machte dabei faszinierende Entdeckungen: 1) Ich war zu dumm, den Vodafone-Vertrag aus dem Taborweg richtig zu kündigen – sie haben weiterhin jeden Monat brav 37,90 Euro von meinem Konto abzegozen (das kam dann heraus, als R für mich dort anrief), 2) ich zahle jeden Monat einen weiteren Internetvertrag, den ich nie in Anspruch genommen habe, weil ich (ebenfalls eine Aktion oder eher unterlassene Aktion à la Trudi) zu unfähig war, mich um den Widerruf zu kümmern. Daraufhin bekam ich 1) einen Herzinfarkt und 2) die Befürchtung, vor dem finanziellen Ruin zu stehen, bis mir 3) bewusst wurde, dass sich auf meinem alten Konto doch tatsächlich noch Geld befindet – und zwar doppelt so viel wie auf meinem neuen. Das heißt, ich kann vorerst weiterhin beruhigt Taugenichts spielen und muss mich nicht händeringend um Jobs kümmern, sollte dies dennoch irgendwann wirklich mal in Erwägung ziehen. Ich mag es nicht, wie das Geld einfach immer weniger wird statt mehr. Ich bin ein Hamstermensch; ich fühle mich nicht sicher, solange es weniger wird. Im letzten Jahr ist es aber beständig weniger geworden; es ist tatsächlich genau ein Jahr her, dass ich aufgehört habe zu arbeiten. Komisch… wie die Zeit fliegt.

Hobbies: Retten.

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Alda lan. Was ich gestern alles gerettet habe, ist schon nicht mehr normal. Ich war von mittags bis in den späten Nachmittag hinein nur mit Retten beschäftigt. Essen von der Tafel. Der Toaster vom über „Such’s“ gefundenen Spender. Essen vom Stamm-Spot. Essen vom neu eröffneten Spot daneben. So viel, dass ich zwei Mal fahren musste. Senfsauce, Ketchup (und somit die dritte Sorte in meinem Ketchupsortiment), Senf, Sour Cream, Tortilla-Wraps. Tomaten, Salat, Vanille-Sirup. (Drei Flaschen. Große Flaschen.) Und daneben diese monströse Mauer aus enormen Eimern Sauerkraut.

Zwei meiner Containerbekanntschaften – Badnerinnen mittleren Alters, die es wissen müssen – haben noch versucht, mich zur Mitnahme eines dieser gigantischen Behältnisse zu bewegen [sag mal, ich schreibe schon ziemlich alliterativ heute, kann das sein? Was soll’s. Alliterationen sind nunmal super], indem sie mir in einer Livedemonstration die astreine Qualität des dort entsorgten Produktes beteuerten. Ich musste dann zu meiner Schande belehrt werden, dass Krautsalat (den ich liebe) aus genau diesem Sauerkraut hergestellt wird (das ich kaum freiwillig in Kontakt mit meinen Geschmacksnerven bringen würde), und versuchte, meinen Kopf mit der hier unten meistens sehr effektiven „Ich komm‘ aus Hamburg, ich hab‘ keine Ahnung“-Ausrede aus der Schlinge zu ziehen. Mitgenommen habe ich die 10 Kilo Sauerkraut dann aber doch nicht.

Zwischendrin habe ich noch in Bastis nunmehr leerer Wohnung  vorbeigeschaut und seine Perishables, die er mir eigentlich am Vorabend hatte mitbringen wollen, vor dem sicheren Verderben gerettet (und dabei noch ein bisschen abgespült und aufgeräumt; die Küche war ein Chaos und ich konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass er wiederkommt und sie in diesem Zustand vorfindet. Offenbar war er spät dran am Morgen; selbst das Brötchen, das er sich offenbar aufgewärmt hatte, lag noch unberührt im Mini-Ofen. As is, wie mir soeben einfiel, die Tasse Kaffee, die ebenfalls da herumstand und die ich mir dann in die Mikrowelle gestellt hatte, um sie anschließend dortdrin zu vergessen. Oh well, so be it).

Gleich geht der ganze Spuk von vorne los; zumindest mache ich mich um kurz vor zwei auf zur Tafel und harre der Berge an Essen, die ich heute mangels Begleitung allein durch die Gegend schleppen darf. Meine neue Dienstagskollegin ist super, aber kann leider nicht jede Woche da sein. Oh je, das wird wieder lustig.

Danach geht’s ab zu Elli, welcher ich mit Spanisch unter die Arme greifen werde – das einzige Fach, in dem ich sie nicht während meiner BA-Thesis-Bearbeitungszeit an R abtreten kann. Ich hoffe nur, ich bekomme sie überzeugt, dass sie Bio-Nachhilfe braucht, während ich verhindert bin. R kann’s wirklich gebrauchen. Er hat mir heute unerwarteterweise ein knappes Sechstel seiner Schulden in die Hand gedrückt, aber ich fürchte fast, da kommt noch Einiges auf uns zu. (So viel, actually, dass ich meine eigenen Regeln brechen und mein Sparkonto dafür bemühen werden muss; ein Glück für ihn, dass er so ziemlich genau der einzige Mensch ist, für den ich das bereit bin zu tun.)

Fuck, ich muss noch Basti seine Internatskaution überweisen, die ich ihm versprochen hatte auszulegen. Aaaah, ich hoffe, er ist noch nicht deshalb in Schwierigkeiten geraten. Gut, dann habe ich jetzt etwas zu tun, bis ich zur Tafel muss. Und dann ist der Tag schon vorbei: Wenn ich von Elli komme, ist R schon wieder weg und meine Eltern hier, um den Rest des Equipments für Sarahs und meinen Auftritt zu holen.

Und zu allem Überfluss riefen sie mich gerade von der Tafel an, dass es heute viel ist und ich doch bitte mit Anhänger kommen soll, was übersetzt bedeutet, dass ich ein Mal quer durch die Stadt und den halben Weg wieder zurück fahren darf, um den verdammten Salat bequem transportieren zu können. Ach Läden, warum lernt ihr es nicht endlich – IHR KAUFT ZU VIEL SALAT.

Kapital fürs Geldlos-Leben (oder: So schonmal nicht.)

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Ich war gerade dabei, mit mir selbst zu reden. Also, eigentlich war ich dabei, mir eine Unterlage aus der Schublade zu holen, auf die ich die Lernzettel-to-be für Neurolinguistik legen kann, aber dabei redete ich mit mir selbst und es äußerte sich spontan ein erschreckender Gedanke zum Nach-Hinten-Verschieben meiner Selbstversorgerpläne und der Recherche, die ich dafür betreiben muss. (Das Beratungsgespräch mit meinen Eltern am Wochenende war unerwartet konstruktiv und angenehm distanziert und führte uns zu der Einsicht, dass wir Idioten sind, wenn wir annehmen, es innerhalb von fünf Jahren so weit zu bringen, dass wir unser Projekt finanzieren können.)

„Umso mehr Zeit habe ich. Ich muss nur trotzdem jetzt anfangen, jetzt anfangen, jetzt anfangen, jetzt anfangen. Ich kann nicht mehr einfach die ganze Zeit nichts tun. Momentan bin ich von Beruf Tochter.“

Das ist ja nun wirklich widerlich. Meine Mutter würde dazu jetzt wieder sagen, das wäre meiner momentanen Lebensphase auch vollkommen angemessen. Ich bin allerdings der Meinung, dass, wenn ich schon Geld scheffeln muss, um am Ende meine Vision zu realisieren, ich genausogut schonmal damit anfangen kann. Ich werde also mehr arbeiten. Mindestens die 450€ im Monat bei Travelcoup ausschöpfen, allermindestens. R informierte mich neulich, dass ich zweimal im Jahr sogar auf das Doppelte kommen darf, das war mir zum Beispiel überhaupt nicht bekannt.

Meine Ausbildung muss ich dann jetzt auch zum ersten Mal im Leben danach ausrichten, dass sie mich für einen Beruf qualifiziert, der mir Geld einbringt. Literarische Übersetzerin sollte ich demnach zu werden nicht anstreben, wenn ich mein Grundstück noch in diesem Leben erwerben möchte.

Schrieb’s und driftete erstmal eine halbe Stunde in die Tiefen des Internets ab, um sich über so abschreckende Dinge wie Translatologie in Leipzig oder Fachübersetzen und mehrsprachige Kommunikation in Würzburg zu informieren. Es ist doch zu absurd, was sich da schon wieder für eine Fülle an Möglichkeiten auftut. Aber mir gefällt schon wieder beides. Leipzig wegen der Stadt – ich war bisher genau ein Mal da, für eine halbe Stunde in etwa, aber es hat einen wunderbaren Eindruck auf mich gemacht. R wäre begeistert und würde mir vermutlich den Hals umdrehen, aber was kann ich dafür, dass seine Eltern einen Steinwurf weit von Leipzig weg wohnen und er am liebsten seine sächsische Herkunft für immer verdrängen würde. Und in Würzburg lernt man nicht nur eine dritte Fremdsprache während des Masterstudiums, sondern hat zusätzlich Seminare zur Fremdsprachendidaktik, was meinen Neigungen sehr entgegenkommt.

Eieieieiei, was für ein furchtbares Dasein. Da werde ich auch nicht wirklich das Monstervermögen anhäufen, da kann ich mir die Seele aus dem Leib übersetzen und werde trotzdem nicht genug verdienen. Verdammt, ich bin einfach nicht der richtige Mensch zum Geldanhäufen. Wenn erstmal welches reinkäme, hätte ich kein Problem mehr. (Wenn ich nur alles so gut könnte wie sparen.) Aber das ist es nicht, ich bekomme erst gar keins. Scheiße, wieso braucht man denn aber auch so verdammt viel Geld, um am Ende geldlos zu leben.