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Halt mal kurz (meine Verantwortung)

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Oh, es ist gar nicht so einfach, bei Verstand zu bleiben. Ich halte Malte nicht mehr aus. Ich halte mich selbst nicht aus, wie ich gerade bin. Eigentlich halte ich niemanden über längere Zeit aus (und mich selbst in ihrer Gegenwart), außer R und Becci.

Ich habe gestern Abend schon gedacht, dass es zu lange war, und wäre vielleicht sogar schon gefahren, hätten wir nicht das The-Used-Konzert morgen, das überhaupt der Grund für mein Hiersein ist.

Ich brauche einfach nur Ruhe, ganz viel davon. Aber ich bekomme sie nicht; Mike hat mich schon wieder für Donnerstag eingespannt und will sich mit mir am Fluss treffen und nachmittags ist dieses komische Wieholeichmirmeinestudienkostenvomstaatzurückseminar, zu dem ich mich angemeldet habe. Nebenher hänge ich jeden Tag entnervt und gestresst am Handy und bemühe mich verzweifelt darum, Abholer für die Bäckerei zu organisieren, deren Foodsharing-Betriebsverantwortung ich vertretungs- und irrsinnigerweise für diesen Monat übernommen habe. Und ich muss, wie es aussieht, meinen ersten Therapietermin nach der dreiwöchigen Abwesenheit der Therapeutin absagen, weil ich zugesagt habe, R auf seinem Familienbesuch zu begleiten.

Ich will nicht mehr. Kopf unters Kissen und gar nichts mitbekommen, wie schön es nur wäre.

Mystery Food und ganz viele freie Tage

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Jetzt regnet es ja schon wieder. Ich sitze an der einzigen überdachten Bushaltestelle des ganzen Berges und warte auf das Fahrzeug, das mich nach Hause bringt. Trotz Überdachung ist es nicht ganz einfach, wirklich trocken zu bleiben; der leichte Wind macht seine Arbeit gut.

Ich habe meine letzte Arbeitssession für die nächste Zeit hinter mir. Sophi hat nach ihrer Englisch-Kommunikationsprüfung zwei wohlverdiente Wochen Ferien und braucht seit Langem nichts mehr für die Schule machen – es ist so gut wie überstanden. Wir sind uns beide einig, dass sich die zwei Wochen sehr, sehr lang anfühlen werden.

Vor meinen Stunden bei Sophi war ich in meinem neuen Foodsharing-Betrieb Essen holen. Es ist die Kantinenküche einer Privatschule mit Internat (lustigerweise genau diejenige, die Sophi besucht); alles hat reibungslos geklappt, obwohl ich meiner Natur gemäß vor der Abholung die fürchterlichste Panik verspürt hatte, und ich befinde mich nunmehr im Besitz eines halben 5-l-Eimers voll qualitativ hochwertigem Essen. Ich weiß nur immer noch nicht, um was es sich dabei genau handelt, weil ich, wie gesagt, von der Abholung direkt zur Arbeit musste.

Nun sollte gleich aber auch mal der Bus kommen. Ich sterbe vor Hunger und kann es nicht erwarten, zu Hause mit Malte den Mystery-Eimer zu öffnen.

Being Myself

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Heute war ich, um nicht den ganzen Tag zu verzocken, kurz draußen. Freiwillig. Ich habe geduscht und mich in den Bus gesetzt, bin den Berg runter gefahren und habe geschaut, ob schon Kastanien gefallen sind, die man zu Waschmittel verarbeiten könnte. Waren sie nicht, es wäre ja auch etwas sehr früh gewesen, aber bei Facebook hatte jemand behauptet, die ersten würden schon unten liegen.

Macht ja nichts, ich hatte es eh mehr darauf abgesehen, mal wieder die Wohnung zu verlassen, und begab mich kurzerhand auf einen ganz kleinen Ausflug den nahgelegenen Hügel hoch, auf dem ein Kloster steht. Das Kloster interessierte mich nicht sonderlich; ich wollte nachsehen, ob man dort irgendwie in den Wald rein oder zumindest auf eine Wiese kommt, um nach Pilzen zu gucken. Ich war neulich schon bei besten Voraussetzungen im Wald und habe praktisch nichts als Kartoffelboviste vorgefunden. Nach Hause brachte ich letztendlich ein höchst überschaubares Sammelsurium aus drei Grüngefelderten Täublingen von beachtlicher Größe, einem niedlichen Violetten Rötelritterling, einer hübschen Krausen Glucke und drei winzigen klassischen Röhrlingen, die ich auf dem Rückweg noch fand und bei denen ich mich nicht wirklich entscheiden konnte, was sie genau waren. Immerhin hatte ich die ganze Ausbeute für mich allein, da weder R noch Patrick meinen Pilzbestimmungsfähigkeiten solcherart vertrauten, dass sie sich an der Mahlzeit mitessenderweise beteiligen wollten. Die äußere Erscheinung von Täublingen und die lilane Färbung des Ritterlings haben sie abgeschreckt. Schade für sie, gut für mich – ich habe sie angebraten und auf Brote gelegt und es war köstlich.

Jedenfalls – große Überraschung – war ich heute nicht erfolgreicher als letztens, ganz im Gegenteil. Ich kam zwar auf eine Wiese, aber es wuchsen überhaupt keine Pilze dort. Und in den Wald schien der Weg nicht zu führen, sodass ich wieder umkehrte. Es war auch ziemlich warm und es ging bergauf. Ohne Aussicht auf Erfolg musste ich mir das nicht antun.

Den Rest des Tages habe ich natürlich doch verzockt. Einzige gute und sinnvolle Tat heute war es, der TV-Frau zu schreiben, dass ich bei ihrer Sendung nicht mitmachen werde. Was ich Montag durchgemacht habe, war die reinste Selbstverleugnung. Für kein Geld der Welt würde ich riskieren, dass meine Foodsharing-Kollegen oder irgendjemand sonst mich behaupten hören, ich würde Essen retten, um Geld zu sparen. Absurder geht es nicht. Das Geldsparen ist der willkommene Nebeneffekt eines nachhaltigen Lebensstils, und ich rede gern jederzeit darüber – aber um Himmels Willen werde ich es nicht über mich bringen, meine Prioritäten und Überzeugungen in aller Öffentlichkeit mit Füßen zu treten. Pfui Deiwel.

R ist auch froh drum; er war in etwa so begeistert wie ich davon, wie das am Montag ablief, und sagte mir heute Früh: „Du bist halt mit so’nem Weltverbesserergedanken da rangegangen. Wie an alles.“ Wo er wohl Recht hat, weshalb es mir wesentlich besser damit geht, das Projekt noch rechtzeitig als das Himmelfahrtskommando abzublasen, das es nunmal geworden wäre.

Wenn jetzt noch unsere Druckerpatronen kämen und ich mich endlich um das Praktikum kümmern könnte. Goddamnit, da muss man einmal im Leben was ausdrucken.

Hear whatever you want to hear…

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Das funktionierte ja mal wieder blendend.

Ich versuchte, wie ich das in Abständen so tue, aus meiner Mutter herauszuquetschen, was eigentlich mein Vater so verdient. Meine Eltern haben sich von jeher geweigert, mit mir über ihre Finanzen zu sprechen; ich finde es affig und zu einem gewissen Grad, vor allem rückblickend betrachtet, auch schädigend und war einmal mehr dabei, meiner Mutter dies zu erklären. Wir hatten es durch die „Frag zehn deiner Freunde, ob die wissen, was ihre Eltern verdienen“-Phase geschafft, die „Weiß R, was sein Vater verdient?“-Frage war auch geklärt („natürlich, soll ich ihn fragen?“), das typische „Über Geld spricht man nicht“-Argument war entkräftet (Mama, das ist in deinem Kopf so, Himmelherrgowai nochmal, du hast in den USA gelebt, es muss dir doch begreiflich gemacht werden können, dass das keine universell gültige Norm ist, es ist nur in deinem Kopf so) und erst, als die „Was hast du überhaupt von dem Wissen“-Phase erreicht war, sind die Dinge unverhofft zu einem Gespräch der Sorte Gefühlt jedes zweite Gespräch zwischen mir und meiner Mutter eskaliert.

Mama: „Was hast du überhaupt von dem Wissen? Was bringt dir das?“

Ich: „Was bringt mir das? Was bringt es mir, zu wissen, was für ein Wetter bei euch ist; was bringt es mir, zu wissen, welche Scheißpflanzen auf deinem Balkon wachsen – es bringt mir gar nichts, es interessiert mich, ganz einfach!“

Mama: „…Okay, das wurde gerade abgespeichert unter „In Zukunft keine Informationen mehr geben.“

Ich: „Weil du bis zu „es interessiert mich“ nicht gekommen bist, sondern schon vorher entschieden hast, dich beleidigt in die Ecke zu verziehen. Ich habe gesagt…“

Mama: „Du hast Scheißpflanzen gesagt, das reicht mir schon.“

Ich: „Ich habe gesagt, was bringt es mir, zu wissen, welche Scheißpflanzen…“

Mama: „Du hast gesagt…“

Ich: „Hör mir doch einfach ZU! Ich habe gesagt: „Es bringt mir nichts, zu wissen, welche Scheißpflanzen…“

Mama: „Ich hör dir gerne zu, wenn du…“

Ich (Nachbarschaft durch die offene Balkontür zusammenschreiend): „VERDAMMT NOCHMAL, HALT DIE KLAPPE! ICH HABE GESAGT…“

Handy: *Auflegegeräusch*

Weder habe ich erfahren, was mein Vater so verdient – solange er denn den Job noch hat, das sieht ja eh ganz hervorragend aus momentan bei ihm – , noch kam ich dazu, meiner Mutter mitzuteilen, dass ich R’s Oma zugesagt habe, auf ihrem Geburtstag zu erscheinen, was mich vor das Problem stellt, dass ich ihr nicht auf dem Konstanzer Flohmarkt helfen kommen kann. Der ist nämlich nicht, wie bis vor sehr Kurzem angenommen, am 28., sondern am 24. Juni, also genau am Tag nach dem Geburtstag von R’s Oma. Also kann ich mir aussuchen, ob ich mir einen riesigen, absurden Stress mache und von Sachsen nach Konstanz an einem Wochenende tingele, meine Mutter ein weiteres Mal dazu bringe, mich in Grund und Boden zu beleidigen, oder R’s Mutter es tatsächlich antue, die Essensbestellung für die Feier nochmal umorganisieren zu müssen, und R’s Oma absage. Dabei habe ich eigentlich Lust auf ein Waldheim-Wochenende. Es gibt Alkohol, das Wetter wird wunderbar sein und wir können mit den lustigen Nachbarn und deren Krüppelhund Dapsi im Garten sitzen. Dagegen spricht nur, dass ich meiner Mutter mein Wort gegeben hatte, ihr beim stressigsten Wochenende des Jahres etwas Arbeit abzunehmen, um nicht zu sagen, einen ganzen Haufen Arbeit. Statt dass ich dies mit ihr nun hätte diskutieren können, musste sie natürlich ihre Kunst, mich absichtlich falsch zu verstehen, wieder zur Perfektion ausüben und ich bin nicht schlauer als vorher und noch dazu etwas geknickt. Denn trotz allem hatten Gespräche zwischen uns in letzter Zeit seltener ein Ende dieser Art gefunden und ich hatte mich leider Gowais an den trügerischen Frieden gewöhnt.

Whatever. Ich habe das eklige Gefühl aktiv bekämpft und so lange für morgen an dem neuen Text herumübersetzt, bis es fast verflogen war. Ich bin nämlich jetzt diszipliniert und mache Dinge. Sogar mit dem Terminologieprojekt bin ich auf dem neuesten Stand und habe Juan vorhin alle drei meiner fertigen Einträge geschickt. Das ist ein verdammt gutes Gefühl.

Und in einer Stunde gehe ich zum zweiten Mal beim Riesen-Rewe Essen abholen und freue mich extrem darauf. Diesmal werde ich nicht zwanzig Minuten lang in brütender Hitze um den Häuserblock hecheln und den verdammten Lieferanteneingang suchen und fast verzweifeln, oh nein, diesmal weiß ich bescheid. Herrlich.

Leben! Ja! (Happy holidays.)

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Ich habe das Gefühl, ich wache auf. Ich merke es an allen möglichen Ecken und Enden, vor allem daran, dass ich den Dingen wieder ins Auge sehen kann.

Ich möchte mein Aufwachen gar nicht so sehr zelebrieren, wie ich es tue, denn natürlich weiß ich nicht, wie lange es diesmal anhält. Aber wenn es nun einmal das erhebendste Gefühl der Welt ist…Yes, meine Gefühle sind wieder da!

Ich habe eine Hunderterpackung Escitalopramtabletten in meiner Tasche. Neunundneunzig sind noch drin. Dieser riesige Stein, der mir damit vom Herzen fällt. Dazu bekam ich von der überaus freundlichen Psychiaterin auf meine Nachfrage hin zwei Empfehlungen für Psychotherapeuten, bzw. -innen, deren Art der Interaktion mit dem Patienten sich (ich habe mich vergewissert) grundlegend von der meiner damaligen Therapeutin unterscheidet, und eine entsprechende Überweisung noch dazu, und eine neue Diagnose: Ich habe mich dieser zufolge von mittelschwerer zu leichter Depression hochgearbeitet, oder besser gesagt: wurde von den Medis dorthin hochgeschaukelt. Jetzt kann ich mir überlegen, ob (und ich hätte fast Lust darauf) ich an den verbleibenden meiner Mängel nochmals im Zuge einer Therapie versuchen möchte zu arbeiten. Auch wenn es mir, wie ich heute der Psychiaterin auch sagte, im Vergleich zu Prä-Medi-Zeiten ja wirklich um solche Welten besser geht, dass ich kaum wage, mich zu beschweren.

Ich habe eine feste Verabredung mit R, heute Abend Regale anzubringen. Das wird mir guttun, denn jedes wieder angebrachte Regal bedeutet natürlich den Einzug von einem Funken mehr Ordnung auf unsere Baustelle. R ist unheimlich genervt von meinen einrichterischen Unternehmungen (Marke Hochbett und damit verbundene Umräumaktionen). Ich habe versucht, ihm begreiflich zu machen, dass es mir damit kaum besser geht, was zwar paradox erscheinen mag bei der Häufigkeit, mit der diese bei mir auftreten, doch (wie ich hoffe) verständlicher, wenn ich Caros einstige Feststellung anbringe, ich würde einfach sehr viel auf mich nehmen, um ein gewisses Resultat zu erzielen (damals ging es um die Mengen an Essen, mit denen ich mich foodsharerischerweise abgeschleppt habe, vor denen Andere vermutlich kapituliert hätten).

Ich habe mich, wo ich schon beim Thema bin, auch zum ersten Mal im Leben auf foodsharing.de selbst in ein Abholteam eingetragen. Wir haben in Konstanz nie wirklich mit der Website gearbeitet und alles über Facebook und Google organisiert, sodass ich selbst als Betriebsverantwortliche bisher mit der Seite nichts zu tun hatte. Ich mochte die Organisation in Konstanz wesentlich lieber, aber ich schätze, es macht schon Sinn, die Seite zu nutzen, wenn man in einer Stadt von doppelt so großer Bevölkerung agiert. Irgendwann kann man eben nicht mehr alles zentral organisieren. Was ich extrem schade finde, aber okay.

Ich habe meine Katze auf dem Bauch liegen, zwischen mir und dem Computer, und höre sie ganz leise schnurren. Sie ist eine komische Katze, deren Schnurren man kaum je zu hören bekommt, obwohl die Vibrationen häufig zu spüren sind, wenn man sie streichelt. Und ab und an, wenn sich ihr Schnurren doch einmal auf eine für menschliche Ohren wahrnehmbare Lautstärke heraufschraubt, alle Jubeljahre mal, ertönt eine Art verstopftes Geräusch, das mich immer denken lässt, dass ihre Schnurrkanäle Aktivität dieser Klasse kaum gewohnt sind und zwischendurch einrosten.

Ich werde von Kommilitoninnen gefragt, ob ich mit in die Mensa komme, mehrmals, und eingeladen, sie nach der Uni zu begleiten – wie heute -, um eine weitere Kommilitonin vom Probearbeiten im um die Ecke gelegenen Café abzuholen und bei der Gelegenheit selbst noch einen Kaffee zu trinken. Das hört sich so unheimlich selbstverständlich an, aber auf der Radfahrt bis zur Bushaltestelle wurde mir wieder einmal klar, wie undenkbar es noch vor wenigen Jahren gewesen wäre, diese Art Leben zu führen. Und so bin ich wieder dankbar, obwohl es grau draußen ist, und kann, wenn mich jemand fragt, wie lange ich denn schon lebe, so wie es Kepa neulich tat, ohne Zweifel und mit gutem Gewissen antworten, dass es schon vier ganze Jahre sind.

upworthy.com

Peanut Butter und Schokolade

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Ich bin zufrieden. Soeben hat die letzte von vier Scheiben köstlich bestrichenen Brotes den Weg zwischen meine Kauinstrumente gefunden; somit habe ich heute zwar nichts Warmes gegessen, aber dafür köstlich bestrichenes Brot und den Rest des mir zustehenden Teils von R’s Geburtstagskuchen, welchen ich ihm an Stelle eines länger haltenden Geschenks habe angedeihen lassen. Er wollte ja eigentlich, dass ich ihm eine Karte für diese alternative Halloween-Party schenke, wo wir Montag Abend hinwollten (bzw. wo er hinwollte – mein Enthusiasmus gegenüber dem abendlichen Rausgehen war ja von jeher nie sonderlich ausgeprägt und hat sich mittlerweile vollkommen verflüchtigt), bloß war die Veranstaltung dann zu schnell ausverkauft, als dass wir da noch irgendetwas hätten reißen können. Sogar die Frau, von der wir Sonntag mit Arne unser Hochbett geholt haben, konnte daran nichts mehr ändern, obwohl sie dort wohl etliche Finger im Spiel hat und mir versprochen hatte, es noch zu versuchen. Hat sie auch, es hat nur nicht funktioniert. Ein Segen, ich hätte ja eh keine Lust gehabt. Und R war letzten Endes auch nicht so enttäuscht, also habe ich ihm stattdessen besagten Kuchen gebacken, er hat einen Kumpel herzitiert und wir haben zu dritt in seinen Geburtstag hineingechillt. Die Meute war von dem Kuchen sehr angetan, allen voran Waltraud, welche wir unentwegt davon abhalten mussten, sich das gute Stück komplett einzuverleiben.

Ja. Das Brot aber war auch super jetzt. R hat es gekauft, sodass ich nicht schon wieder welches selbst backen musste. „Musste“ – ich habe meine Vorliebe für Zwiebelbrot neu entdeckt und uns letzte Woche gleich zweimal mit welchem verköstigt. Dazu hatte ich noch ein kleines Glas Olivenpaste. Es war ein Traum, ich sag’s dir. Ein Glück mag R keine Oliven und ich hatte das ganze Glas für mich allein.

Demnächst werde ich, wenn alles gut geht, wieder häufiger Brot haben – ich bin endlich dazu gekommen, mich für eine Einführungsrunde Foodsharing anzumelden. So läuft das hier – du hast deine ein-zwei Einführungsabholungen, bevor du dich dann selbstständig aufmachen kannst, das Essen der Welt zu erretten. Da ich das Foodsharing mit jeder Faser meines Körpers vermisst habe, bin ich mehr als glücklich, das nun endlich in die Wege geleitet zu haben. Sonntag, 13.11. ist es soweit. Dann habe ich ein halbes Jahr ohne Essenretten gelebt und bin mir schon jetzt nicht mehr sicher, wie ich das eigentlich überstanden habe. Ich träume regelmäßig vom Containern, es ist bald nicht mehr auszuhalten. Wenn ich nun noch Containerspots auftreibe, bin ich endlich angekommen und wieder ein vollständiger Mensch. Drück mir die Daumen.

Allgemein bin ich unsagbar erleichtert, nun endlich im Besitz eines gültigen Semestertickets zu sein. Der Wisch hat mich zwar 160€ gekostet, deckt aber ja immerhin auch ein paar Meter mehr Bahn- und Busnetz ab als das Konstanzer Gegenstück, welches für um die 50€ erworben werden kann. Jetzt ist Ausnutzen die Devise. Das habe ich natürlich schon den halben Oktober lang getan – den Berg hier mit dem Rad hochzufahren entspricht nicht meinen körperlichen Fähigkeiten, oder zumindest nicht dem, was ich an Verausgabung noch für tolerabel halte -, jetzt aber endlich auch ohne Angst, kontrolliert zu werden. Ich bin mobil! Endlich! Endlich!

Waltraud macht sich neben mir auf der Sofalehne lang. Seitdem wir Lucy vorübergehend zu den Nachbarn gegeben haben, ist sie aus ihrer vollkommenen Verstörung zurück unter die Lebenden gekommen. R ist überglücklich, seine Monsterkatze wiederzuhaben. Ich bin glücklich darüber, wie R sich freut, und auch selbst nicht ganz unerfreut über Waltrauds unmittelbares Wiederaufleben nach Lucys Umzug, allerdings hätte ich meine Teddykatze schon gern wieder hier. Wir werden nach ein paar Wochen die Andere wieder zu uns holen und Waltraud nach drüben geben; ich bin gespannt, ob das genau so reibungslos abläuft wie die erste Übergabe jetzt mit Lucy.

So, genug geramblet, jetzt wird gezockt.

It’s just those 180 degrees.

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Aaah, Hilfe. Wie kann sich eine Gemütslage an einem einzigen Tag so furchtbar schnell ändern?

Ich sollte mich nicht beschweren, solang sich die Änderung in die Richtung vollzieht, die meine Stimmung heute genommen hat. 14th September all over again. Die körperlose Stimme sitzt mit ihrem Bier und Popcorn da und kommentiert: „Mal schauen, wie lang das jetzt so bleibt.“ Mir aber reicht fürs Erste die wiedergewonnene Gewissheit, dass die eigene Perspektive der alles entscheidende Faktor in der Wahrnehmung und Verarbeitung zwischenmenschlicher wie eben auch aller anderen Geschehnisse ist.

Davon ab: Unglaublich, aber wahr – ein echter, leibhaftiger Euskaldun hat meinen ersten und bislang einzigen Versuch eines baskischen Liedes kommentiert, mehrfach gleich, und das mit einer durchweg positiven Resonanz! Eine kurze Rücksprache mit Kepa erschloss mir noch die Bedeutung des letzten (wohl dialektbedingt merkwürdigen) Hilfsverbs, und schon konnte ich mich Wort für Wort über dieses Wunder freuen. Der Baske sagte mir nämlich nicht nur, das Lied wäre sehr schön, die Zeile „Badakizu: Izkututa ezin da bizi bizitza“ genial und ich hätte eine schöne Stimme, sondern noch dazu, dass es ihm in einem der schwierigen Momente, die er momentan durchlebt, geholfen hätte, das Lied zu hören. (Kepas Reaktion: „Deine Lieder helfen Basken. You should be proud and happy“.) Kein Hinweis auf Fehler, gar nichts! Das hört sich schon weitaus besser an als Kepas Behauptung damals, es würde sich stellenweise nicht wirklich wie Baskisch anhören. Ha! Trauma überwunden. Eskerrik asko, random Baske.

Und jetzt? Mir ist kalt, ich muss um 8.15 Uhr beim Blutabnehmen sein und es wollen noch containerte Schätze versorgt werden, die ich entgegen meiner Beteuerungen, die geliebte Tätigkeit aus Platzmangel bis zum Umzug erstmal einzustellen, vorhin noch an Land gezogen habe. Es ist aber nunmal so, dass meine Hauptquelle gerade brutal am Versiegen ist (klar, da hat sich ein Mal ein Unternehmen angesiedelt, das wirklich noch vergleichsweise nett ist, und nach ein paar Monaten meldet es Insolvenz an. Ja, nee, ist schon fast wieder logisch. Als Unternehmen nett zu sein ist wohl nicht gerade die Strategie, mit der man heutzutage so durchkommt), dementsprechend sah meine Foodsharing-Ausbeute heute mickerig aus und ich brauchte eh einfach ganz dringend Grundnahrungsmittel. Mission erfolgreich: Ich habe Nudeln containert (erstes Mal seit ungefähr einem Dreivierteljahr; eine Packung bloß, aber hey, wer wird sich noch beschweren) und eine ganze Menge wunderschöner Kartoffeln. Und Chips. Und Eier. Eier! Ich kann Pfannkuchen machen! Mit Quark! Oh, wie herrlich ist dieses Leben.

Wäre da nicht das kleine Problemchen, dass ich jetzt viel zu lange wach war und noch länger sein werde, um nachher aus dem Bett zu kommen, wenn ich muss. Ich habe in weiser Voraussicht mein Fahrrad schon so nah wie möglich am Hauseingang abgestellt, statt es in die Garage zu bringen; das schenkt mir morgen ein paar Sekunden. Und jetzt kann ich nur noch dafür sorgen, das zu Erledigende in möglichst überschaubarer Zeit geschafft zu bekommen.

Kampf mit dem Krampf

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Gut, es hat zu schneien aufgehört. Ein Faktor weniger, der mir die Fahrt zur Tafel (und vor allem von dort zurück) zur äußerst nervigen Angelegenheit machen könnte. Blieben noch die mit vollem Karacho einsetzenden Regelschmerzen, der halbplatte Anhänger und die Tatsache, dass beide Kolleginnen heute verhindert sind. Garniert vom auszugsbedingten Wegfall meines Vorgarten-FairTeilers.

Dafür war das Wochenende ziemlich schön. Abgesehen davon, dass ich noch nicht vollständig damit fertig bin, R’s Verkündung zu verdauen, aber das wird schon noch. Ich habe mich entschlossen, statt Konfrontation wieder direkt die Verdrängung zu wählen; kommunizieren kann ich, wenn der nächst Anlass kommt, und seine auf völligem Unverständnis basierende Reaktion, hätte ich ihn nun nochmal drauf angesprochen, hätte ich mir ohnehin ausmalen können. Das hätte nur wieder fatal im Heuldrama geendet.

Also nutzte ich Bastis Auftauchen am Samstagvormittag, um meine Laune zielstrebig in Richtung Obergeschoss zu scheuchen, und brachte R dazu, am späten Nachmittag mit uns durch den strömenden Regen zu Bastis Wohnung zu fahren und dort Schränke ab- und aufzubauen. (Basti überlässt mir nämlich seinen größeren gegen meinen kleineren Kleiderschrank, was unserem jeweiligen Platzbedürfnis mehr als entgegenkommt.) R, der vorhatte, am darauffolgenden Tag einer Landesvorstandssitzung beizuwohnen, wurde abends benachrichtigt, dass seine Anwesenheit dort nicht vonnöten war. Das verschaffte uns einen Sonntag von unvergleichlicher Gemütlichkeit und sorgte vor allem dafür, dass ich ihn ein ganzes Wochenende am Stück im echten Leben bei mir hatte. R so lange außerhalb seines Tunnels zu erleben ist eine Seltenheit.

So. Ich schlürfe meinen soeben von R gebrachten Himbeerblättertee und hoffe auf eine baldige Linderung der Regelschmerzen. (Tippte es und stellte fest: Sie setzt ein. Das Zeug wirkt Wunder.) Somit wäre der nächste Schritt getan, um den Ausflug zur Tafel gleich noch erträglicher zu gestalten.

Edit: R präsentierte mir inzwischen seinen Mitbewohner Leo, der mir montags schon immer die Foodo-Fahrt mit dem Auto luxuriös erleichtert, als rettenden Engel, der heute beide Fahrten mit mir übernimmt. Jetzt bin ich also nicht nur froh, dass R an mich gedacht und Leo gefragt hat, sondern habe zudem auch noch das riesige Transportproblem gelöst. Dafür aber wieder furchtbare Schmerzen. Der Rückgang war von kurzer Dauer. Ich glaub, ich pfeif‘ mir einfach ne Tablette rein.

Einmal

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Ich hab‘ Once so ewig nicht mehr gesehen. Aber jetzt wieder. Ich wollte doch eigentlich nur Kepa den Link schicken.

Dann habe ich mich bei ihm beschwert, dass ich jetzt selbst da hängengeblieben bin. Er sagte, nachdem ich hinzugefügt hatte, dass Once immer mega die Vergangenheitsbewältigung sei, dann würde er ja in zwei Stunden meine Vergangenheit kennen; mal sehen, ob sie ihn überwältigen würde.

Ich schreibe jetzt nichts mehr zurück, weil ich will, dass er sich auf den Film konzentriert. Es kann doch nicht sein; immer diese Leute, die während des Filmeguckens mit Menschen schreiben.

Allerdings schlug er auch vor, ich solle mir ein Bier holen. Das ist ein Vorschlag, den man durchaus annehmen kann.

Im Übrigen habe ich heute meine Bachelorarbeit verteidigt und gerade noch dem Plank meine soeben auf dem Windows-PC fertiggestellte Seminararbeit geschickt, die ich ihm von letzten Semester noch schuldete. Bei der neuen Quelle abholen war ich, und am Abend noch bei der Wegwarte; dort habe ich eine neue Wegwartenkollegin angelernt, was super ist, denn damit versorgen wir die Wegwarte jetzt schon zu dritt und können uns die Woche noch viel schöner aufteilen.

Während also Once bei mir gerade in HD lädt und ich schon wieder Schwierigkeiten habe, angesichts meiner extremen PMS mir den Film jetzt wirklich zu geben (frag nicht; ich hatte gestern schon einen halben Meltdown, der dann zum Glück gerade noch abwendbar war)… gehe ich mir am besten jetzt das besagte Bier holen. Radler, um genau zu sein; reines Bier ist keins mehr hier.

Auch wenn’s so klingt, nein, das hier ist keine Hornbach-Schleichwerbung.

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Wow. Es wird zwar jeden Tag schwieriger, mir die obligatorischen 500 Wörter aus der Nase zu ziehen, aber ich habe es für heute geschafft und liege bei 7582 insgesamt. Leider, wie mir heute bewusst wurde, inklusive Inhaltsverzeichnis – das darf natürlich nicht sein. Aber jetzt das Inhaltsverzeichnis aus der Wörterzahl zu streichen wäre seelische Grausamkeit. Motivieren wir uns also lieber gegen Ende nochmal zu ein paar zusätzlichen Wörtern und lassen es fürs Erste bestehen.

Unter meinem Weihnachtsbaum liegen zwei Geschenke für mich, eins von Basti und eins von Sarah, was ziemlich wunderbar ist, wenn man bedenkt, dass ich ursprünglich mit keinem von beiden gerechnet hätte. Meine Weihnachtskarten liegen nach wie vor unverschickt in meinem Zimmer herum, aber ich habe es für morgen fest auf dem Plan. Vielleicht finde ich ja noch irgendwo Briefmarken und nehme die beiden nachher noch mit, wenn ich zur Wegwarte fahre.

Basti und R sind auf der Linksjugend-Weihnachtsfeier; ich bin wie erwähnt mit meinem Tageswörterpensum durch und werde mir nun erstmal eine Liste erstellen, was mit dem Rest des Tages anzufangen ist. Dazu wird zählen:

  • Epilieren
  • Wegwarte
  • Essen von der Wegwarte versorgen
  • Abendessen zubereiten
  • Küche aufräumen
  • staubsaugen
  • nochmal bei Facebook unter meinem Foodsharing-Post kommentieren, dass die Leute doch bitte herkommen und sich Bananen holen sollen, damit dieser gelb-bräunlichen Flut aus tropischen Früchten, die momentan meine Wohnung belagert, aktiv entgegengewirkt wird
  • Wäsche aus dem Keller holen

…und wenn mir dann noch danach ist, kann ich ja nochmal ein Blickchen oder zwei auf meine Thesis werfen (oder das, was es in nicht allzu ferner Zukunft werden soll). Yuppieh ja-ja, yuppieh-yuppieh yaay. Es gibt immer was zu tun.