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Baina guztiok batean, saiatu hura botatzean.

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Langsam scheint es soweit zu sein: ich entwickle so etwas wie ein Selbstwertgefühl und noch dazu einen Sinn für meine eigene Lebensrealität ohne Nostalgiefilter.

Woran zeigt sich das? Ganz einfach, ich bin stinksauer. Zum Einen (eigentlich zum Zweiten, aber da es sich kürzer abhandeln lässt, kommt es zuerst dran) auf Becci, die meint, mit entscheidenden Ereignissen ihres Lebens nicht rausrücken zu müssen, weil sie keine „ruhige Minute“ dafür findet.

Zum Anderen auf Kepa, aus so vielfältigen wie zahlreichen Gründen, die vermutlich zum größten Teil darauf basieren, dass wir in Gemeinschaftsarbeit (auch wenn er davon nichts mitbekommt) während der vergangenen zehn Tage an seinem Sockel gezerrt und gerüttelt haben, sodass immense Teile davon sich selbst ohne mein Zutun in Nichts aufgelöst und somit ein abstrus anmutendes Doppelbild erschaffen haben und mein ganzes Innenleben empört schreit: Fehler in der Matrix, Fehler in der Matrix, does not compute. Auch nichts Neues bezüglich meiner Reaktionen auf unerwartetes Verhalten seinerseits, diesmal allerdings weitaus desillusionierter.

Aber das passiert, wenn man Menschen unverdient auf Sockel stellt. Ich hätte es vor fünf Jahren wissen können; ich hätte es vor fünf Jahren wissen sollen. Aber wie soll man wissen, bevor man gelernt hat.

Ikusiko dek, nola nola, laister eroriko dan.

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Making Fingers

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Ach, es tut schon verdammt gut. Die Wohnung ist gesaugt, gelüftet und relativ aufgeräumt. Im Bad riecht es nach Pflegeprodukten, an mir selbst ebenso. Ich bin frisch geduscht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist es mir schließlich gelungen, meinen Pony zu föhnen. (Hey, man kommt mit dem Wissen, wie man einen Pony föhnt, nicht auf die Welt – und ich habe meinen noch nicht mal zwei Wochen.) Der Trockner und die Spülmaschine laufen. Ich habe noch anderthalb Stunden Zeit, bis mein Schüler kommt.

Würde nicht die Katze auf mir sitzen, könnte ich noch Wäsche zusammenfalten. So dagegen kann ich stattdessen etwas von dem Auftrag abarbeiten, den ich morgen abgeben muss, und zuvor der Welt davon berichten, was ich heute schon alles geschafft habe.

Und auch andere Dinge sind berichtenswert. Berichtenswert, ja, aber schwierig in Worte zu fassen. Ich habe es gerade versucht und war überhaupt nicht glücklich damit.

Aber ich versuche es noch einmal. Vielleicht kann ich es von hinten aufrollen. Ich hatte einen dazu passenden Gedanken vorhin beim Staubsaugen, und zwar den, dass es möglich ist, sich Fingerhandschuhe aus Fäustlingen zu machen. Gerade habe ich darüber noch einmal nachgedacht und festgestellt, dass ich genau der Mensch bin, der genau das tun würde, angenommen, ich wollte Fingerhandschuhe und das Leben präsentierte mir Fäustlinge. Umständlich? Ja. Fragwürdiger optischer Eindruck des Endprodukts? Vermutlich. Funktionstüchtig? Definitiv. Und ein Projekt, auf das man stolz sein kann, denn es steckt harte Arbeit drin und, noch besser, die Individualitätsstufe ist schwer zu übertreffen.

Natürlich macht das nur Sinn, wenn ich dazusage, dass mir das Lied ‚Mittens‘ von Frank Turner immer ein beklemmendes Gefühl vermittelt hat. Because I definitely need to fit like gloves. And I never quite felt like we did.

Und daran habe ich über die Jahre gearbeitet und tue es nach wie vor, und ich habe zwar den Eindruck, dass ich einen monströsen Teil dieser Arbeit unbemerkt und allein verrichte, aber es wird immer besser. Es wird beständig besser und es wurde vor ein paar Tagen besser, als R mich erstmals bat, ihm von meinem vergangenen Beziehungsleben zu erzählen. Ich bin der Bitte nachgekommen und habe in drei-vier Sätzen erläutert, dass ich zuvor nicht die Gelegenheit hatte, mit den Menschen, die ich mir ausgewählt hatte, eine Beziehung zu führen. Dass ich eher so der Mensch war, dem man sagt, was für eine unglaubliche Verbindung man mit ihm doch habe, von dem man jedoch in romantischer Hinsicht nichts wissen will. Dass man da irgendwann einfach nicht mehr weiß, was man überhaupt noch fühlen darf. Dass ich schon einen ziemlich großen Knacks weg hatte, als wir uns getroffen haben. Dass ich sehr dankbar bin, dass der Knacks geheilt ist. Eine richtig schöne kleine Rede. Er hat alles zur Kenntnis genommen und am Ende gesagt, sie wären selbst schuld gewesen. Details wollte er keine wissen. Aber es war immerhin eine Frage. Für meinen Handschuh mindestens ein Finger mehr.

Blaue Katzen

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Himmels Willen, was ist denn hier passiert? Da ist man ein paar Wöchelchen nicht da und sie ändern im Backend einfach die Farben. Hat fast was von SchülerVZ, dieses Weiß-Rosa.

Nun gut, damit kann ich leben. Noch besser lebe ich allerdings, weil ich heute zum ersten Mal dieses Jahr, zwecks Therapeutentermin, das Haus verlassen habe und mir das gutgetan hat. Rauskommen ist generell immer ganz super, nur es bis dahin zu schaffen stellt eine enorme Hürde dar, der ich mich aktuell ganz gut entziehe. Aber ich hoffe, dass es bald wieder besser wird. Kann eigentlich nur.

Irgendeinen magischen Einfluss scheinen allerdings meine Therapiesitzungen auf das Finanzamt zu haben. Als ich heute wiederkam und den Briefkasten aufmachte, befand sich darin, man höre und staune – meine Umsatzsteueridentifikationsnummer. Genau wie das Schreiben mit der Aufforderung, mich beim Elster-Portal anzumelden, letztes Jahr auch an einem Donnerstag ins Haus geflattert kam, als ich schon ganz und gar überzeugt war, mich nochmal selbst beim Finanzamt melden zu müssen.

Somit kann ich nun also, vorausgesetzt, sie behalten mich bei Scribbr, das Geld, das ich mir dort erarbeite, auch tatsächlich ausgezahlt bekommen.

Mein Kalender kam auch heute an. Dies wird mein drittes Jahr als bekennende Paperblankssüchtige. Ein Glück fliegen diese kleinen Buchkalender bei Ebay nach Weihnachten überall herum. Ich habe dieses Mal einen mit blauen Katzen abgestaubt und würde mich nun daran freuen, wären denn meine Emotionen momentan für mich erreichbar.

Ich habe die Medis zurück auf 10 mg herunterdosiert, nachdem der erhoffte Motivationsschub auch auf der höheren Dosis ausblieb und mir dafür der klägliche Rest meiner Gefühlswelt auch noch abhandenkam. Dann doch lieber wieder nichts gebacken bekommen und dabei wenigstens ein schlechtes Gewissen haben, statt einfach nur stumpf vor mich hinzuexistieren und dabei, wenn überhaupt, höchstens noch weniger zu schaffen.

Gleich wird jedenfalls erstmal mit Caro geredet. R kommt spät wegen Solid. Donnerstags sollte die Pflege sozialer Kontakte zur Außenwelt ins Pflichtprogramm gehören – wenn ich denn eines hätte.

My Chem und Pfannkuchen

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Oh, was für ein Leben. Ich sitze zwischen Computerboxen mit grandiosem Sound und höre das erste My-Chem-Album. Malte hat Pfannkuchen und Kaffee gebracht – wenn man erstmal lernt, mit seiner sehr ausgeprägten Gastfreundschaft umzugehen, kann man das wirklich genießen.

Mir geht es gut hier. Ich fühle mich weniger leer, und das Gewissen, welches mich zu Hause jede Sekunde in Bezug auf meine Arbeitssituation (oder den Mangel dieser) malträtiert, schiebt eine etwas ruhigere Kugel. After all, wie will ich mich mit Arbeit und Zukunft auseinandersetzen, während mir jemand Pfannkuchen ans Bett bringt.

Gestern Abend hat die Hausgemeinschaft hier ihre neue Bierzeltgarnitur eingeweiht und ich durfte feststellen, dass wirklich eine außergewöhnlich hohe Quote vernünftiger Menschen in diesem Haus angesiedelt ist, mit denen ich wunderbar klarkam. Je später der Abend, desto besser wurde es, und ich bin ein wenig traurig, dass Malte demnächst hier auszieht und ich vermutlich keine Gelegenheit haben werde, dieses Zusammentreffen zu wiederholen. Ich habe, glaube ich, am wenigsten von allen getrunken und war bis zum Ende völlig zurechnungsfähig, worüber ich sehr zufrieden bin. Und zwischendurch waren wir beim nahegelegenen Supermarkt containern, haben Eier und Zwiebeln und Paprika erbeutet und Malte somit für seine verbleibende Zeit hier zumindest noch mit einem Spot versorgt.

Jetzt muss ich Bananenpfannkuchen essen.

Was lange währt

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Etwas Unglaubliches ist geschehen. Eigentlich ja schon am Anfang des Monats, aber gerade hat es nochmal besonders gut funktioniert: Ich kann Eva Cassidys Version von Kathy’s Song spielen.

Das hat nun ein halbes Jahr gedauert, was einiges über die Anzahl und Dauer meiner Motivationsschübe diesbezüglich aussagen dürfte, aber jetzt ist es soweit. Es hat unendlich Geduld gebraucht, bis ich das ganze Gezupfe so weit auswendig konnte und richtig verinnerlicht hatte, dass ich auch nur daran denken konnte, dazu mit Text zu singen. Aber ich bin glücklich: es ist vollbracht.

Überhaupt bin ich zufrieden mit mir. Ich habe gestern an diesem langen, grauen freien Tag nicht nur weitere 30 Dollar bei Unbabel verdient (wo ich Anfang der Woche nach langer Überwidungszeit angefangen habe, aktiv zu werden), sondern auch, statt zu versacken, ganz viel aufgeräumt, gesaugt und sogar die Fensterscheiben in der Wohnzimmer-/Terrassentür geputzt und später, während ich mit Malte telefoniert habe, ein paar Löcher in diversen Kleidungsstücken zugenäht und mein Haarbänder-Band repariert, welches mir die Tage auseinandergefallen war (wie es das alle Jubeljahre mal tut, weil der Druckknopf irgendwann vom Band abreißt).

Und heute habe ich mich in der Therapiesitzung ganz gut angestellt, glaube ich, und auch das macht mich froh. Ich musste (bzw, ich wollte) mich in das letzte Drama mit meiner Mutter hineinversetzen und die Therapeutin hat eine Art Rollenspiel mit mir veranstalten wollen, in dem ich meine Mutter darstellen sollte. Das Problem (und das Frustrierende) war dann, dass ich beim besten Willen das Gespräch nicht mehr zusammenbekommen habe, und selbst das, woran ich mich erinnert habe, nur sehr oberflächlich wiedergeben konnte. Sie meinte, ich würde es gut machen, aber ich wusste ja (da ich leider auch Zeugin des Original-Ereignisses war), dass da so einiges auf der Strecke blieb und ich nicht gerade eine schauspielerische Glanzleistung vollbrachte. Erst als ich zu dem Punkt mit der Weinflasche kam, habe ich Zugriff auf (zumindest mal) meine eigenen Emotionen bekommen. Sie machte mir erneut Komplimente für meine Verdrängungsskills und ließ mich die Situation von außen analysieren. Das konnte ich besser. Wer hätte es gedacht.

Nun soll ich es irgendwie hinbekommen, Dinge, die ich verdränge, ans Tageslicht zu befördern. Ich würde das sehr gerne tun. Es ist halt nur nicht so einfach, wenn du nicht weißt, wie du drankommen sollst. Aber da ich es wirklich schon ein paarmal geschafft habe mittlerweile, sogar während der Sitzungen manchmal in Tränen auszubrechen (was, so idiotisch sich das anhört, für mich ein gutes Zeichen ist), hege ich die Hoffnung, das in Zusammenarbeit mit der Therapeutin hinzubekommen. Und eine Möglichkeit zu erarbeiten, mit dem, was sich dann zeigt, gescheit umzugehen.

Nächstes Thema: Ominöse Nachricht von Basti, die ich heute erhalten habe. Ich könne ihn nicht besuchen diesen Monat, aber er würde gern zu mir kommen. Das sei nicht möglich, solange er noch bei Vivi in der WG wohne. Er sei in eine doofe Lage geraten. Er hätte vielleicht einfach auf Niklas und mich hören sollen.

Wenn Basti sich von Vivi trennt, mache ich drei Kreuze im Kalender. Sie hat zwar einerseits auf ihn einen ausgezeichneten Einfluss – er ist inzwischen Veganer, hat sich Dreads machen lassen, denkt über Umwelt und Nachhaltigkeit nach, tobt sich in der WG mit Bauprojekten aus, raucht weniger Tabak, hängt weniger bis gar nicht mehr im Contrast. Aber die andere Seite ist gruselig: Die WG ist von militanten Veganern bevölkert, die kein nicht-veganes Essen in den Kühlschrank lassen – ob gerettet oder nicht. Vivi stellt ihre Depression offen zur Schau und scheint sich kein bisschen Mühe zu geben, ihn damit nicht zu belasten. (Okay, dieser Punkt ist meinerseits der blanke Neid. Wie gerne hätte ich dieses Leben. Mir geht’s nicht gut und die ganze Welt dreht sich sofort um mich. Ich geb‘ es ja zu. Ich will das auch. Stattdessen bin ich mit R und meiner Mutter gesegnet und nichtmal in der Lage, vernünftig bescheidzusagen, wenn ich gleich abkratze.) Sie wird zickig, wenn sie kein Gras mehr hat. Aber noch schlimmer: Sie ist der eifersüchtigste Mensch unter der Sonne und macht Basti ein schlechtes Gewissen, wenn er mit weiblichen Menschen rumhängt. Nichtsdestotrotz war sie es, die direkt am Anfang der Beziehung vor seinen Augen im Contrast mit einem anderen Typen rummacht. YAY, ich sag’s dir. Und natürlich, ihre Eltern sind stinkreich. Ja, natürlich, auch hier schlägt der Neid durch. Aber pass auf. Während sie also zu Hause den Hippie raushängen lässt, hat sie kein Problem damit, sich von ihren Eltern ein Auto finanzieren und Urlaube bezahlen zu lassen (sagt diejenige, die mietfrei in der Wohnung ihrer Eltern wohnt und deren Großeltern ihr die Elektrifizierung ihres Fahrrads ermöglicht haben, I know) und, jetzt kommt’s, sich regelmäßig mit ihrer Mutter in einem Zürcher 5-Sterne-Hotel einzuquartieren und erstmal ein Wochenende shoppen zu gehen. Ehrlich gesagt ist das für mich fast von allen Punkten der schlimmste. Shoppen in der Schweiz. Whoa. Die Schaumkrone der Dekadenz. Weil man als vermeintlich nachhaltig orientierter Mensch sonst nichts mit seinem Geld anfangen kann.

Genug gerantet. Erstmal abwarten, was los ist.

Heute, oder Getting Our Shit Together

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Geht doch. Ich kann mich gerade nicht mehr daran erinnern, was im letzten Beitrag gestanden haben mag, aber gut kann es nicht gewesen sein.

Heute war gut. Becci ist mit Migräne aufgewacht, aber die konnte mit Novalgin im Schach gehalten werden. Es gab sonnige Momente und wir waren draußen, sind ein paar Kilometer zur Küste gewandert, saßen an den Klippen, schauten auf das Meer – dahinter kommt erstmal nichts mehr, gar nichts, bis zur Antarktis, wie Becci feststellte – und trotzten Platzregen und orkanartigem Wind ebenso wie dem offenkundigen Nichtvorhandensein der in der Karte eingezeichneten Straße in der Realität dieser Azoreninsel. Was auch immer sich die Karte dabei dachte.

Heute geht es uns besser. Mir in erster Linie, weil es Becci besser geht. Das hilft ungemein. Ich bin unheimlich abhängig von meinem Gegenüber in meinen Stimmungen.

Und falls der Regen uns noch Striche durch unsere Rechnungen machen sollte, gibt es immer noch Lissabon und Caro. Hauptsache, wir nehmen uns zusammen.

Es wird.

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Also. Der Stand der Dinge:

  • Es gibt wieder etwas Sonne. Ich tue wieder Dinge. Manchmal.
  • Ich hatte Geburtstag. Es war herrlich. Becci war hier. R hat mir unter Mitwirken unzähliger Verrückter einen riesigen Kühl- und Gefrierschrank in den Keller geschafft. Ich habe mich hardcore geliebt gefühlt.
  • Die Woche vor meinem Geburtstag war Barbara hier. Das hat einen Grund, nämlich folgenden:
  • Barbara weilt nicht mehr unter den geistig Gesunden. Sie hasst das Kind ihres Freundes, verlangt, er solle den Kleinen weggeben und zu ihr ziehen, und droht seit Wochen mit Selbstmord. Chris und sein bester Kumpel haben mich in ihrer Verzweiflung gebeten, Barbara unter einem Vorwand zu mir zu holen, damit Chris ihr verkünden könnte, dass er ihrem Wunsch nicht nachkommen wird. Gesagt, getan. Am nächsten Tag reden die beiden wie normal miteinander, verabschieden sich mit „ich hab dich lieb“ und Knutschgeräuschen. Fast forward zum gerade vergangenen Wochenende: Chris will mit Barbara Schluss machen und in psychologische Notbetreuung einweisen. Zieht es nicht durch. Wochenende umsonst zu viert mit Malte und Jacqueline plottender- und unterstützenderweise um die Ohren geschlagen. Die beiden haben nach wie vor Kontakt. Niemand hat mehr großartig Bock, sich mit dem kranken Wahnsinn weiter auseinanderzusetzen.
  • Ich habe innerhalb der paar Tage einen Mini-Crush auf Malte entwickelt, weil er der einzig Vernünftige in diesem ganzen Haufen Irrer zu sein scheint und sich während des Dramas gerne mit mir unterhalten hat, besonders nachdem Chris dann von Barbara zurückkam und ihm eins in die Tasche lügen wollte, von wegen, er hätte jetzt keinen Kontakt mehr zu ihr und das pausenlose Vibrieren seines Handys wären Whatsapp-Nachrichten aus einer Gruppe. Natürlich kenne ich den Typ nicht und hatte bis vor zwei Wochen noch nie mit ihm gesprochen. Aber er ist super. Gesprächig, megalieb, intelligent, reflektiert, hat Barbara und seinem gestörten Kumpel Chris emotional so ungefähr die Welt voraus, hasst das ganze Drama genau so sehr wie ich und telefoniert gerne. Ich werd mit ihm natürlich nur noch zu tun haben, wenn das Drama neue Wellen schlägt. Trotzdem kann ich Barbara dankbar sein, dass ihre Gestörtheit zumindest dafür gesorgt hat, dass ich mich mit Malte und Jacqueline intensiv und gut unterhalten habe.
  • Murats Klage wurde abgewiesen. Wir sind den Quälgeist los (fürs Erste).
  • R hat einen neuen Job angetreten. Diesmal einen um einiges vielversprechenderen und besser bezahlten. Es wird.
  • Becci arbeitet wieder. Ich hoffe so sehr, dass es gut klappt und sie wieder gut reinkommt. Sie war seit November krankgeschrieben, und eigentlich geht es ihr auch jetzt noch nicht sonderlich gut, aber ich glaube, dass es für sie besser ist, nicht noch länger zu Hause dahinzuvegetieren. Einen Therapieplatz hat sie immer noch nicht gefunden. Ich habe mich angeboten, ihr damit zu helfen, aber sie tut sich schwer damit, mir die Liste mit potenziellen Kandidaten zukommen zu lassen. Ich kann es ihr nicht verdenken. So ähnlich geht es mir ja selbst.
  • Der Großhandel droht als Containerspot zu versiegen. Aber ich habe mit Becci gleich Abhilfe geschaffen und einen neuen Spot aufgetan, den ich mit der Bahn zwar kaum erreiche, aber dafür hat R mich so halb gezwungen, die Nachbarn um Kollaboration zu bitten. Ich war also letztes Wochenende erstmalig mit Undine und Lukas containern und es hat tadellos funktioniert. Auch wenn mir die Geräusche, die Undines Auto so von sich gibt, sowie die pochenden Herzschläge eines undefinierten Bestandteiles im Unterbau des Fahrzeugs zugegebenermaßen schon Respekt einflößen. Aber ich habe die Regel beispielhaft befolgt, die da lautet, die Geräusche des Autos werden nicht kommentiert (wie Undine mir gleich nach dem Einsteigen einbläute).
  • Ich bin größtenteils noch nicht motiviert genug für Blogeinträge oder solche Spirenzchen (wie man gemerkt haben dürfte), aber ich vertraue auf die heilende Kraft der Sonne und harre der Wochen, die da kommen, voller Zuversicht.
  • Ich habe ein Verstärkerprogramm ausgearbeitet, das mich zum Lesen meiner Lerntherapieseminarunterlagen bewegen soll. Es involviert R’s Mithilfe. Ich glaube, es wird klappen. Es wird.

They Come And Go

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Man lästert über Basti in der Konstanzer Veganen Hochschulgruppe, wie R mir gestern eröffnete. Offenbar redet Basti nämlich schlecht über R (was diesem natürlich durch den hervorragend ausgebauten Inter-City-Buschfunk zu Ohren kommt) und nennt ihn einen Poly-Missionar. R sieht sich selbst nicht als Poly-Missionar und ich kann dem nur beipflichten; egal, wie man es dreht und wendet, missionieren will er nicht. Er blickt (soweit ich das durchschaue, da wir aus Gründen über das Thema nur höchst selten reden) auf Mono-Menschen mit der gleichen Verachtung herab wie ich auf religiöse, und genau wie ich in meiner Sparte, so bemüht auch er sich in der seinen im seltensten Fall um dieser Unwürdigen Seelenheil. Er lässt sie einfach machen und hasst sie im stillen Kämmerlein. Ab und an erfolgt ein kleiner bis mittelschwerer Ausbruch, aber in der Regel eben nicht. Ich glaube, das ist der Punkt, der einzige Punkt, der mir in unserer nunmehr dreijährigen Beziehung nach wie vor schrecklichste Sorgen bereitet. Wenn ich denn mal darüber nachdenke. Wir verdrängen gemeinsam.

Ich würde ihn – Basti jetzt – unter normalen Umständen drauf ansprechen, wie ich es immer getan habe, wenn wieder jemand über ihn herzog aufgrund irgendeiner unbedachten Aussage. „Das ist unreflektiert.“ „Pass auf, was du sagst, wem du es sagst, wie du es sagst.“ Und sei es nur, ihm den Tipp zu geben, nicht in Konstanzer linksgerichteten Gruppierungen über R zu lästern – das kann nur uns Auge gehen.

Aber natürlich tue ich das nicht, da ich ja seit mehreren Wochen nichts von ihm gehört habe. In den meisten Momenten macht mir das nichts aus, denn er hat es wirklich gründlich vermasselt. Manchmal bin ich allerdings traurig. Vorhin fiel mir ein, dass während unseres letzten Telefonates am Mittwochnachmittag er jemandem in der Stadt über den Weg lief, der ihn fragte, mit wem er reden würde, und entgegnete: Mit meiner besten Freundin.

Und ward nie mehr gesehn. Vielleicht macht mein Kopf auch ein größeres Ding daraus, als es eigentlich ist. Darin ist er nicht gerade unbegabt. Andererseits hat er bereits Bekanntschaft mit unerwarteten menschlichen Abgründen gemacht und würde sich vermutlich weniger wundern als der Rest von mir, sollten die von ihm angenommenen Ausmaße der Geschichte tatsächlich der Realität entsprechen.

Aber man ist ja nicht mehr so kaputtbar wie ehemals. Ein bisschen Fatalismus habe ich jedenfalls mittlerweile dazugelernt.

Weihnachtslied

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Wozu das Elend nicht alles gut ist. Ich habe mir sehr spontan gerade ein ewig altes Lied namens Christmas vorgeknöpft, das beinahe noch aus der letzten Dekade stammt und es zwischen diesem einen lange vergangenen Heiligabend und dem heutigen Tage nie zu mehr als einem kritzeligen, stellenweise von Wassertropfen unkenntlich gemachten lilanen Stabilotext auf einem knitterigen Papier, das mal in Costa Rica war, und einem groben Melodiekonzept in meinem Kopf gebracht hat. Hatte, denn ich habe soeben die allerersten zwei Materialisierungsversuche getätigt, und obschon ich mir darüber im Klaren bin, dass

  • ich irgendwas mit den tiefen Tönen anstellen muss,
  • mein treues altes AG wirklich bessere Tage gesehen oder gehört hat und schonmal nebengeräuschfreier daherkam,
  • es am Ende wahrscheinlich eher ein Klavierlied wird,
  • ich auf Lebenszeit dazu verdammt bin, ein unheilbarer Emo zu sein,
  • in die Pause vor dem verdoppelten Chorus noch unbedingt ein Solo reinkommen wird, dafür ist sie ja da,
  • und ich allerdringendst dafür sorgen sollte, dass die geisterhafte Replika des Ukumenschen aus meinem Kopf verscheucht wird, die mit mehr oder weniger konstruktiver Kritik jeden Schritt meines musikalischen Wirkens verfolgt, …

… YAY, ICH SCHREIBE WIEDER!

Somit habe ich ganze drei „neue“ „Werke“ im Jahre 2017 geschaffen, oder sollte ich sagen, geschafft.

Das war mal wieder eins der Sorte „Fluppt“. Dies hier ist die allerzweite Aufnahme – da konnte ich dann auch das AG zumindest so weit beruhigen, dass seine eigenen aufgeregten Klappergeräusche nicht den eigentlichen Inhalt der Aufnahme übertönten. Nachdem ich mich mittendrin spontan zu diesem bereits erwähnten Verdoppeln des Chorus mit dazwischenliegendem potenziellen Solo entschlossen hatte, beliebte das darauf folgende hübsche Outro gleich mit aus dem Nichts zu erscheinen und machte mich damit sehr glücklich. Ich glaube, es tut mir gut, dass ich so viel Sarah Lesch höre in letzter Zeit. Ich öffne mich wieder kreativen Prozessen. Und ich erlaube mir, genau das zu machen, wonach mir der Sinn steht. Vielleicht hat das Lied darauf so lange gewartet – dass ich mich endlich nicht mehr darum schere, wer mich auf dieser Welt nun für einen unheilbaren Emo hält und wer nicht.

Bleibt nur noch die Feststellung, dass der Zeitpunkt dieser Aufnahme unter Berücksichtigung des Arbeitstitels wirklich ziemlich unschlagbar ist.

Neu in der Favoritenliste: Goldenes Klopapier.

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Hallelujah. Ich hab’s gestern noch richtig weit gebracht. Nicht nur konnte ich mich dazu bewegen, die Mail der Gemüsekistenfrau zu beantworten, in der sie sich erkundigte, ob die Lieferung gestern wie besprochen die letzte sein sollte, sondern ich habe auch der Frau vom Institut geantwortet, die mir vor Wochen schon die Zahlungserinnerung geschickt hatte, und die dazu passende Überweisung getätigt. Die Lerntherapeutenausbildung kann beginnen.

Ich habe außerdem erledigt, was ich seit Tagen tun wollte: Papas Weihnachtsgeschenk bestellt. Es ist eine Rolle Luxus-Klopapier – schwarz mit Blattgoldaufdruck. Das hat zum Hintergrund, dass mein Vater – no pun intended – ein unreflektierter Riesenarsch ist, was seinen Klopapierkonsum betrifft. Er sieht weder ein, dass sein Hintern auch von drei Lagen sauber wird statt von vier, noch lässt er sich zum Kauf von Recyclingpapier überreden. Oh nein, er braucht natürlich das nie zuvor prozessierte, extra für ihn abgeholzte  jungfräuliche Zeug. Wir haben uns vor ein paar Monaten, als ich meine Eltern besuchte, im Supermarkt darüber in die Haare bekommen (Avocados waren auch noch ein Thema, aber ich schweife ab) und ich habe nun eben die Entscheidung getroffen, mit dieser leidigen Tatsache humorvoll umzugehen. Ebenso wie damit, dass seither in meiner Browser-Schnellwahl der Vorschlag „goldenes Klopapier“ angezeigt wird, was ein bisschen den Eindruck erweckt, als würde ich alle drei Minuten sowas googlen.

R ist wieder arbeiten; ich habe das ganze Wochenende frei – seit wasweißichwievielen Wochen konnte ich alle meine Stunden mit Sophi unter der Woche abhalten und muss somit diese Woche nicht mehr ran. Wenn mein Handy fertig geladen ist, überlege ich mir, ob ich noch containern fahre. Ich habe Barbara infiziert, die mich nun regelmäßig zum Großmarkt begleitet – weit hat sie’s ja nicht – und Mittwoch mit ihr und Karina den ultimativen Monstersupergau erlebt. Noch nie, ich schwöre, habe ich so viel gefunden. Es war der reinste Segen, dass ich mit Karina und deren Auto dawar. Der kurze Transportweg von der Ladezone zum Auto hat schon ausgereicht, dass meinem treuen Platzwunderrucksack ein Träger abriss von dem enormen Gewicht seines Inhaltes.

Aber heute vielleicht wieder, allein schon, weil ich dann mit Barbara zu mir zurückfahren und Carcassonne spielen könnte, statt noch einen Nachmittag sinnlos mit Friends-gucken zu verdaddeln. Ich mache es davon abhängig, was sie sagt.