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Mystery Food und ganz viele freie Tage

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Jetzt regnet es ja schon wieder. Ich sitze an der einzigen überdachten Bushaltestelle des ganzen Berges und warte auf das Fahrzeug, das mich nach Hause bringt. Trotz Überdachung ist es nicht ganz einfach, wirklich trocken zu bleiben; der leichte Wind macht seine Arbeit gut.

Ich habe meine letzte Arbeitssession für die nächste Zeit hinter mir. Sophi hat nach ihrer Englisch-Kommunikationsprüfung zwei wohlverdiente Wochen Ferien und braucht seit Langem nichts mehr für die Schule machen – es ist so gut wie überstanden. Wir sind uns beide einig, dass sich die zwei Wochen sehr, sehr lang anfühlen werden.

Vor meinen Stunden bei Sophi war ich in meinem neuen Foodsharing-Betrieb Essen holen. Es ist die Kantinenküche einer Privatschule mit Internat (lustigerweise genau diejenige, die Sophi besucht); alles hat reibungslos geklappt, obwohl ich meiner Natur gemäß vor der Abholung die fürchterlichste Panik verspürt hatte, und ich befinde mich nunmehr im Besitz eines halben 5-l-Eimers voll qualitativ hochwertigem Essen. Ich weiß nur immer noch nicht, um was es sich dabei genau handelt, weil ich, wie gesagt, von der Abholung direkt zur Arbeit musste.

Nun sollte gleich aber auch mal der Bus kommen. Ich sterbe vor Hunger und kann es nicht erwarten, zu Hause mit Malte den Mystery-Eimer zu öffnen.

Essen. Leben. Zukunft.

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Ich bin gerade heilfroh, hier zu sein. Ich hätte auch mit R auf die WG-Einweihungsparty seines Bekannten gehen können oder zu den Nachbarn rüber, die mit ihren Freunden auf der Terrasse grillen. Aber bei Marco im Haus wird geraucht und die Nachbarn amüsieren sich da, soweit ich das überblicke, ganz gut alleine.

Also habe ich mich stattdessen mit Wein auf dem Sofa eingerichtet und mir gerade noch schnell aus dem übrigen Reis von vorgestern, Pilzen und Lauch sowie etwas Blumenkohl ein Abendessen zusammengezimmert, das mich glücklich macht, nicht nur weil ich einen irrsinnigen Hunger habe, sondern einfach durch den Umgang mit den ganzen geretteten Zutaten. Ich mache das mittlerweile seit fünf Jahren, das Essenretten, aber es hört nicht auf, mich zu begeistern. For today’s dinner I used the following ingredients (bold print marks store- or otherwise purchased): Rice, tap water, leek, mushrooms, cauliflour, newborns‘ formula, herbal salt, paprika powder, ground white pepper / caraway / coriander mix, garlic powder, dried oregano, turmeric powder. Das wäre ohne Verwendung der nicht gekauften Zutaten ein ziemlich dulles Dinner geworden. Und das liebe ich so sehr, mir das immer wieder vor Augen zu führen.

Ich hatte heute frei, unerwartet, weil Sophi fast vergessen hätte, dass sie heute keine Zeit hat. Dafür sehe ich sie morgen und Montag und lerne mit ihr für ihre letzte Klausur, Bio, am Dienstag. Ich überlege, die Abi-Vorbereitung zu meinem Hauptstandbein zu machen. Ich mag Abiturstoff. Und ich kann mir keine angenehmeren Schüler vorstellen als Abiturienten. Und die Therapeutin hat Mittwoch gesagt, ich könne so leben, wie ich möchte. (Das fand ich abstrus und ich habe angefangen zu heulen, was mit im Laufe dieser inzwischen ja auch schon wieder halbjährigen Therapie insgesamt genau zweimal passiert ist.) Und sie hat gesagt, ich könnte vermutlich problemlos von Ohrhängern leben, würde ich mich nicht selbst blockieren. Ich muss das nächste Sitzung nochmal abklären, weil ich mich wirklich frage, ob sie als wohlverdienende Eigenheimsbesitzerin (zumindest gehe ich stark davon aus) sich eine Vorstellung von der Situation macht, die Menschen des Bildungspräkariats, die es trotz vorhandener – sogar bescheinigter – Qualifikation nicht gebacken kriegen, einfach arbeiten zu gehen, irgendwann im Alter erwartet. Ich muss sie wirklich mal fragen.

Völler-Ei.

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Selten, äußerst selten kommt es vor, dass ich mich wirklich, wirklich heftig überfresse. Heute ist es passiert: Es war Eiersalat. Ich hatte unendlich Hunger und unendlich Eier. Da passiert so etwas. Ich habe den köstlichsten Eiersalat aller Zeiten gemacht, mit zwei riesigen Knoblauchzehen und so viel Mayo, dass man darin hätte ertrinken können.

Jetzt plagen mich Bauchschmerzen und Schweißausbrüche und die Gewissheit, dass ich in Ohnmacht falle, wenn ich heute noch ein Mal Knoblauch rieche.

Abgesehen davon habe ich keine nennenswerten Probleme, nein.

Im Gegenteil. Morgen und übermorgen werde ich nicht zu Sophi gehen und habe somit seit Ende März erstmals wieder freie Tage. Wirklich, ich habe jeden einzelnen Tag seit Beginn der Osterferien gearbeitet. Zwei Stunden Arbeiten am Tag lässt sich extrem gut aushalten, auch ohne freies Wochenende.

Es hat sich gelohnt; jede der drei Abiklausuren, für die ich verantwortlich war, hat sie mit einem guten Gefühl hinter sich gebracht. Deutsch, Englisch, Spanisch, ich hätte ihr Abi am liebsten selbst mitgeschrieben. Bloß die Matheklausur darf sie übermorgen gern selbst machen.

Ich hätte nicht anfangen sollen zu schreiben in diesem Zustand. Ich kann mich nicht konzentrieren, solange mein ganzes Inneres aus Eiersalat besteht.

Ich versuche es demnächst nochmal.

Wie es also auch sein kann:

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Ich hatte ein ganz wunderbares Weihnachten. Meine Eltern sind doch zu Hause geblieben, weil ich offenbar letzte Woche meinen Vater mit meiner Erkältung infiziert habe. Somit waren R und ich ganz allein und haben einfach die freie Zeit, insbesondere die seine, in vollen Zügen ausgekostet. Es gab Unmengen Boggle, Carcassonne, Filme, Kaffee, Plätzchen und warmes Licht durch die ganzen Kerzen. Ich habe an Heiligabend kurzerhand die Leitung über die Bescherung übernommen, den Vikus ins Wohnzimmer verschleppt und mit der wenigen Weihnachtsdeko versehen, die ich besitze, R’s Geschenke daruntergelegt und ihn mit dem einzigen Glöckchen aus dem rosa Zimmer geklingelt, das ich auftreiben konnte. Es war eins von diesen winzigen Schokohasenglöckchen, wie man sie zu Ostern bekommt, und machte kaum hörbare Geräusche, aber hey. Immerhin.

Gestern kamen nacheinander eine Freundin und ein Kumpel von R vorbei, sodass wir im Prinzip den ganzen Tag auf dem Sofa verbrachten. Zugegebenermaßen habe ich dann irgendwann abgeschaltet, als Lars da war, denn – du wirst mir sicher zustimmen – der normalsterbliche Mensch erträgt halt nur eine bestimmte Dosis Informatiknerd am Tag.

Soeben habe ich R die Haare geschnitten, ein lang geplantes Unterfangen. Er sagte danach, schön, dann könne er jetzt ja in seine Boyband zurück, aber ich bin mit meinem Werk sehr zufrieden. Es war immerhin das erste Mal, dass mich jemand ganz freiwillig seine Haare hat schneiden lassen. (Das erste Mal, dass R dieses Vergnügen zuteilwurde, war bekanntlich die Folge eines alkoholinduzierten Zopfabschneidens meinerseits und alles Andere als einvernehmlich beschlossen.)

Nun wird dieser Tag am Ende den hoffentlich zumindest halbwegs wieder energiebetankten R in eine kurze Arbeitswoche mit drei Nachtschichten entlassen, bevor wir am Freitag zu Becci fahren. Ich muss ihr eigentlich mal schreiben und schauen, ob sie trotz anwesender Familie die Feiertage irgendwie überstanden hat.

Eigentlich Ohne Inhalt

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Morgen habe ich schon wieder frei. Was für ein Leben. Ich habe mir vorgenommen, ins Second-Hand-Kaufhaus zu gehen und mich umzusehen, ob ich ein hübsches Regalbrett für die Küche finde, wo ich dringend ein zusätzliches benötige. Auch hier im Wohnzimmer könnte etwas ganz Kleines neben dem Sofa nicht schaden, damit mein Computer nicht ständig den Platz blockiert, den eigentlich Leute zum Sitzen verwenden sollten. Und der ganze Kabelsalat sollte irgendwie sortiert werden. Das ist doch kein Zustand so.

Und das O klemmt ganz fürchterlich und alle drei O’s muss ich die Taste mehrmals drücken, bis sie erscheinen. Dann kommen zumeist ein paar hintereinander, was ja auch wieder nicht zielführend ist. Ach, es würde mal Zeit für einen eigenen, neuen Computer. Würde. Aber wird nichts, dieses Jahr nicht und vermutlich auch nicht das nächste. Da sind mir andere Dinge dann doch wichtiger. Außer natürlich, ich starte so richtig durch. Ich wage es zu bezweifeln.

Habe ich erwähnt? Meine Zugangsdaten für das Seminar kamen an; ich muss mich nur noch dransetzen und mir die Materialien zu Gemüte führen. Damit kann ich auch morgen anfangen, denn der Ausflug zum Bahnhof (wohinter das Second-Hand-Kaufhaus gelegen ist) wird kaum den ganzen Tag in Anspruch nehmen, selbst wenn ich wieder die Hälfte davon verschlafe. Und abends muss ich um sechs Uhr Brötchen retten gehen, was bescheuert ist – wie mir gerade auffällt – , weil R morgen und übermorgen nicht da ist und um Himmels Willen, was mache ich alleine mit so vielen Brötchen. Aber es wird sich schon was ergeben.

Gestern habe ich ein Kunststück vollbracht, das mir zuvor noch nie gelungen war (nicht dass ich es schonmal versucht hätte), nämlich mich selbst auszusperren, weil ich im Hinausgehen den falschen Schlüsselbund gegrabscht habe. Ich wollte nur mit Barbara, die mich besucht hatte, in Richtung Großhandel fahren (sie wohnt ganz in der Nähe) und dort containern. Stattdessen kam ich mit absolut leeren Taschen zurück – es gab nichts, so rein gar nichts, außer Unmengen Salat, ein paar Khakis, die es sich nicht lohnte dazwischen herauszubuddeln, weil sich zu Hause eh die Fruchtfliegen draufgestürzt hätten, und untransportablen Dingen wie Rieseneimern mit Eiern – und machte mich daran, drei Stunden lang den Keller aufzuräumen. R sollte um Mitternacht von der Arbeit heimkommen (er fährt mit dem Rad etwa eine Stunde). Ich hatte mir durch entsprechendes Platzieren von Türkeilen bzw. Hochdrücken des kleinen Hebels im Haustürschloss vorsorglich zumindest den Zugang zum Treppenhaus gesichert und konnte im Endeffekt die paar Stunden wirklich gut gebrauchen. R hatte neulich schonmal angemerkt, dass dem Keller ein bisschen Ordnung mal wieder ganz gut zu Gesicht stünde.

Dankenswerterweise kam R gestern eine ganze Stunde eher als erwartet heim und ermöglichte mir die Rückkehr aus meinem Exil, und ich hege die leise Hoffnung, es könnte heute genauso sein. Dann würde er gleich schon hereinschneien. Aber heute kann es meinetwegen auch dauern. Ich habe es schließlich warm und bequem.

Neu in der Favoritenliste: Goldenes Klopapier.

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Hallelujah. Ich hab’s gestern noch richtig weit gebracht. Nicht nur konnte ich mich dazu bewegen, die Mail der Gemüsekistenfrau zu beantworten, in der sie sich erkundigte, ob die Lieferung gestern wie besprochen die letzte sein sollte, sondern ich habe auch der Frau vom Institut geantwortet, die mir vor Wochen schon die Zahlungserinnerung geschickt hatte, und die dazu passende Überweisung getätigt. Die Lerntherapeutenausbildung kann beginnen.

Ich habe außerdem erledigt, was ich seit Tagen tun wollte: Papas Weihnachtsgeschenk bestellt. Es ist eine Rolle Luxus-Klopapier – schwarz mit Blattgoldaufdruck. Das hat zum Hintergrund, dass mein Vater – no pun intended – ein unreflektierter Riesenarsch ist, was seinen Klopapierkonsum betrifft. Er sieht weder ein, dass sein Hintern auch von drei Lagen sauber wird statt von vier, noch lässt er sich zum Kauf von Recyclingpapier überreden. Oh nein, er braucht natürlich das nie zuvor prozessierte, extra für ihn abgeholzte  jungfräuliche Zeug. Wir haben uns vor ein paar Monaten, als ich meine Eltern besuchte, im Supermarkt darüber in die Haare bekommen (Avocados waren auch noch ein Thema, aber ich schweife ab) und ich habe nun eben die Entscheidung getroffen, mit dieser leidigen Tatsache humorvoll umzugehen. Ebenso wie damit, dass seither in meiner Browser-Schnellwahl der Vorschlag „goldenes Klopapier“ angezeigt wird, was ein bisschen den Eindruck erweckt, als würde ich alle drei Minuten sowas googlen.

R ist wieder arbeiten; ich habe das ganze Wochenende frei – seit wasweißichwievielen Wochen konnte ich alle meine Stunden mit Sophi unter der Woche abhalten und muss somit diese Woche nicht mehr ran. Wenn mein Handy fertig geladen ist, überlege ich mir, ob ich noch containern fahre. Ich habe Barbara infiziert, die mich nun regelmäßig zum Großmarkt begleitet – weit hat sie’s ja nicht – und Mittwoch mit ihr und Karina den ultimativen Monstersupergau erlebt. Noch nie, ich schwöre, habe ich so viel gefunden. Es war der reinste Segen, dass ich mit Karina und deren Auto dawar. Der kurze Transportweg von der Ladezone zum Auto hat schon ausgereicht, dass meinem treuen Platzwunderrucksack ein Träger abriss von dem enormen Gewicht seines Inhaltes.

Aber heute vielleicht wieder, allein schon, weil ich dann mit Barbara zu mir zurückfahren und Carcassonne spielen könnte, statt noch einen Nachmittag sinnlos mit Friends-gucken zu verdaddeln. Ich mache es davon abhängig, was sie sagt.

Embracing solitude (but reading weird stuff about how some people need other people to be).

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Nun bin ich allein. Such bliss. Sie kommen Silvester wieder, aber bis dahin werde ich mich erholen und dann einfach nur hoffen, dass die Kombination von meiner Mutter und Pfirsichbowle nicht im ultimativen Disaster endet. (Aber ich habe schon den Plan aufgestellt, mir einfach selbst so viel davon einzuverleiben, das mir ihr mit jedem Schluck mehr von ihrer rohen Verzweiflung zum Vorschein kommen lassender Zustand nicht mehr als unerträglich auffällt. Wobei das in die Hose gehen könnte, da ja bekanntlich meine eigene Reaktion auf Alkohol ähnlich aussieht. Ich wäre ja dafür, es einfach allgemein bei einer schönen Flasche Sekt zu belassen, dann käme man ganz ungeschoren davon, aber dazu müsste man ihr erstmal zu verstehen geben, dass alles Andere übel enden könnte, dazu wiederum müsste sie verstehen, dass sie keinen Alkohol mehr verträgt, dazu wiederum müsste sie sich ihrer mentalen Instabilität in ihrem vollen Ausmaße bewusst sein und dazu braucht es ein Weltwunder.)

Nun zu meinem Werk des Tages. Und zwar habe ich diesen wunderbaren Artikel über wünschenswerte Qualitäten eines Lebenspartners gefunden, den eine Freundin bei Facebook geteilt hat – zumindest dachte ich, er wäre wunderbar, bis ich mich daran gemacht habe, ihn zu übersetzen. (Ein Semester lang nichts mehr bewusst in meine Muttersprache übersetzt; es wurde Zeit.) Dann stellte sich heraus, der Inhalt ist nach wie vor gut, aber der Text ist eigentlich ziemlich entsetzlich geschrieben. Sogar so furchtbar, dass ich nach Punkt sieben schlicht und ergreifend keinen Nerv hatte, damit weiter zu arbeiten, und das freiwillige Übersetzeramt für heute niedergelegt habe. Was für eine sinnfreie Aktion.

Hier und da und hin und weg, vor allem aber weg.

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Und eine schöne letzte Nacht des Jahres hatte ich heute mit Charlie und Saskia.
Also eigentlich (Syntax ist eben doch wichtig) eine schöne letzte Nacht des Jahres mit den beiden. Alles Andere wäre ja doch ein wenig voreilig.

Es gab ein Gratiskonzert im Kubik – wo auch das Berri Txarrak-Konzert damals war – von einer Band, die größtenteils Cover gespielt hat. Als wir dazukamen, waren sie mit dem Set schon halb durch, bedauerlicherweise; sie waren richtig gut. Ihr Sänger war so niedlich und hatte dabei so eine angenehme Ausstrahlung, dass ich unentwegt das Bedürfnis hatte, ihn zu knuddeln. (Saskia hat mich dafür ausgelacht; offenbar ist „ich will ihn knuddeln“ nicht das, was einem beim Anblick so eines Menschen eigentlich als Erstes in den Sinn kommt. Aber er war so.. schön.. und dabei niedlich.. und hat uns so fröhlich angegrinst zwischendurch.)

Irgendwo in der Mitte des Teils vom Set, den wir mitbekommen haben, musste natürlich erstmal etwas kommen, das sich einfach so fucking sehr nach Ukumensch anhörte – irgendwann wurde mir dann auch klar, wieso. Natürlich, what are the odds. Hach je.

Die Coverband

(Didn’t I? ..S’ppose so.)

Charlie hat sich dann äußerst stilvoll und, wie für Engländer angemessen, höflich von uns verabschiedet, indem er uns nach der kaum vermeidbaren Abschiedsumarmungszeremonie noch „qué putas sois“ hinterherrief – was uns zumindest endgültig dazu befähigen würde, ihn im Falle eines unvorhergesehenen Ereignisses, das unser Wiedersehen im Januar verhindert, für immer authentisch in Erinnerung zu behalten. Saskia sehe ich heute oder morgen nochmal, bevor sie sich auch über Weihnachten aus dem Staub macht.

Und meine Eltern kommen heute Nacht schon. Ich werde einiges an Haushaltsarbeiten zu tun haben nachher; immerhin habe ich heute schon einen Großeinkauf mittelschweren Kalibers erledigt und das Bananenbrot gebacken. (Wovon aber in 24 Stunden nicht mehr viel übrigsein wird, fürchte ich, sodass ich vielleicht lieber, bevor sie kommen, noch etwas backe.)

Ich habe Williams Gitarre aus seinem Zimmer gekidnappt und freue mich über die seltene Gelegenheit, nachts Lärm machen zu können (er ist schon auf dem Weg nach Seattle, wo er über die Ferien seine Familie und Freunde besucht, und dementsprechend meinen nächtlichen Telefonaten/Selbstgesprächen/Songfindungsprozessen ausnahmsweise nicht ausgesetzt. Nachdem er letztens, während Caro und ich geredet haben, mich zum zweiten Mal in zwei Wochen um nach ein Uhr zur Ruhe klopfen musste, ist diese Erholung für ihn, glaube ich, ganz angenehm). Und ich freue mich allgemein, Ferien zu haben. Auch wenn nicht wirklich viele Menschen direkt hier sind, um sie zusammen zu verbringen. Aber ich war ja schon immer in der Hinsicht genügsam und solange ich Skype habe, steht einer erfüllenden und entspannenden, nicht-einsamen Zeit nichts im Wege. Danke dafür, an wen oder was auch immer, danke.

Sentsurik gabe

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„Sentitzen dut, baina ez dut sentsurik.“

Welche Weisheiten der gute Kepatto, mein zwar nicht ganz euskadischer, dafür aber hochenthusiastischer Euskara irakaslea, der keiner ist, heute wieder von sich gibt.

Ich glaube irgendwie, er hat sich vertippt und wollte eigentlich sagen, dass ich keinen Sinn mache (beziehungsweise das, was ich gerade gesagt hatte), nicht dass er keinen macht, aber im Endeffekt ist das auch egal, weil wir eh 99% der Zeit beide keinen machen und somit uns gegenseitig sinnfrei ergänzen.

Bevor ich anfing, meiner Natur gemäß mal wieder keinen Sinn zu machen, habe ich den Großteil des freien Freitags verschlafen. Man kann ja nicht jeden Tag – wie ich gestern – nach fünf Stunden Schlaf von alleine aufwachen und, unglaublicher noch, aufstehen, zu einer Uhrzeit, die man für gewöhnlich nicht mit wachen Augen erlebt, und daraufhin einen produktiveren Morgen verbringen, als es normalerweise seine gesamten Tage sind.

Und ich hatte die weirdesten Träume. Wie in letzter Zeit allgemein üblich – und so viel davon, dass ich mir komplett abgewöhnt habe, irgendetwas davon zu dokumentieren; dabei würde der Rest des Tages auch noch draufgehen. Abgesehen davon, dass der Ort, an dem ich mit ein paar Freunden Urlaub gemacht habe, zerbombt wurde und bösartige Soldaten sich in der Stadt eingenistet haben, ich von einer unglaublich lieben Händlerin zwei kleine Instrumente aus aneinanderklackenden Holzwürfeln geschenkt bekam, weil ich ein Didgeridoo auf dem Rücken hatte und sie sich darüber gefreut hat, und durchs Meer gelaufen bin, obwohl Feuerquallen drinwaren.. und Tausende Geschichten mehr.. waren da wieder so abstruse Fragmente, dass man sich wirklich fragt, wie das alles dem eigenen Kopf in den Sinn kommt. Aber wahrscheinlich ist es genau das; durch meine generelle Sinnfreiheit ist mein Kopf den Schranken des Sinns völlig entbunden und tut und lässt einfach, was er will.

Es ist ja auch interessant zu beobachten.

Vorhaben

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Es ist Wochenende! Ich werde mich der Produktion von Ingwerkeksen, Lebkuchen und hoffentlich ein paar Vocals widmen. Außerdem würde es eigentlich mal Zeit, den Text für Euskera abzutippen und hochzuladen; tarea que tengo pendiente desde la semana pasada.

Neben mir liegt Jane Eyre, beziehungsweise der so betitelte Roman, welchen ich nach monatelangem Vormirherschieben (weniger aus Prokrastinationszwang als aus Unwillen, mich der mir vom Hörensagen bekannten in ihm vorherrschenden Grundstimmung auszusetzen) doch tatsächlich mal angefangen habe und der nun darauf wartet, wieder aufgenommen zu werden und mich wieder einzusaugen in eine Welt, in der die Wörter noch Bedeutung haben – sie schreibt so umwerfend schön, dass ich mich zusammenreißen muss, nicht alle zwei Zeilen innezuhalten, um mir den gerade gelesenen Satz auf einem der für diese Zwecke in der Schublade aufbewahrten Carrefour-Schokoladenumwickelungspapiere zu notieren. Es würde doch den Lesefluss ein bisschen beeinträchtigen. (Und ich hätte am Ende eine zweite Kopie von Jane Eyre auf Schokoladenpapieren in meiner Schublade liegen.)
Jedenfalls sieht die Planung bisher entspannt genug aus, dass ich hoffentlich ein bisschen zum Lesen komme.

Nachdem mir letztens bewusst wurde, dass wir im Januar, abgesehen von den jeweiligen Examen, überhaupt keine Uni mehr haben, und ich nicht mehr von der Arbeit an Vitoria gebunden bin, besteht ja unendlich Raum für Reisen. Ich muss ein bisschen überlegen, was ich hier noch alles sehen wollen könnte. Ein ganzer Monat in Spanien, ohne Uni, ohne Arbeit – welch ein unfassbarer Luxus. Saskia kommt nachher noch, sodass wir uns an die Lissabon-Planung machen können. Das wird doch schonmal ein guter Anfang.