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Lila Haare. Also doch.

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Shit, ich bin böse erkältet. Danke, Marie, dass du nur bei offenem Fenster schlafen wolltest, obwohl ich dir genau signalisiert habe, dass mir das von ganzem Herzen zuwider ist.

Und: Ich bin aufs Übelste gespannt, was da herauskommt, wenn ich mir gleich das Handtuch von meinem krankheits- und handtuchbedingt tonnenschweren Kopf runternehme – ich hab‘ mir vorhin in Bastis Beisein die Haare halb lila gefärbt. (Also „halb lila“ nicht im Sinne von „rosa“, sondern im Sinne von „die halbe Länge der Haare“.) Und ich kann nur hoffen, dass es was geworden ist, denn die Farbe, die ich geschenkt bekam, ist vollständig verbraucht.

Es war recht entspannt heute in der Arbeit; ich habe meine zwanzig Touren relativ zügig abgearbeitet (und dabei noch die erste Bildschirmaufzeichnung meines Lebens vollzogen, um mir mal zu dokumentieren, wie es aussieht, wenn ich meinen ewigen Copy-Paste-Tätigkeiten nachgehe. Die letzten beiden Stunden habe ich eigentlich nichts mehr gemacht, sondern hauptsächlich bei Facebook gehangen und mit Kepa gequatscht sowie irgendwelche Nachrichten von vor dreihundert Jahren beantwortet, deren Konfrontation ich bis dato prokrastiniert hatte.

So, nun habe ich das Handtuch schonmal abgenommen. Ich bin von der Farbe begeistert, jetzt muss ich sie nur noch föhnen und hoffen, dass auch die Übergänge was geworden sind.

Ouh Fuck, meine Haare sind lila. Ich weiß nicht, ob ich schockiert sein oder es genial finden soll. Nachdem meine Jugendzeit von Entgleisungen dieser Art dank der rigorosen Ablehnung meiner Mutter gegen alles, was andere Eltern kommentarlos unter Jugendsünden verzeichnen würden, eigentlich keine zu Gesicht bekommen hat, muss die liebe Aspi ihre Experimentierfreudigkeit und das Bedürfnis nach Individualität eben in ihren Zwanzigern ausleben. Ich muss meiner Mutter allerdings Recht geben; sie sagte damals, als ich mir von Nicole lila Haarfarbe zum Geburtstag hatte schenken lassen, zu mir, ich sei schon merkwürdig genug und solle bloß nicht auf die Idee kommen, mich noch mehr abzugrenzen. Damals wäre ich einfach das „weird kid“ mit lila Haaren gewesen, das am Rande der Gesellschaft vor sich hinvegetiert und froh ist, wenn Kontakt mit den Anderen vermieden werden kann, denen es sich sowieso um Welten unterlegen fühlt. Es ist tatsächlich weitaus angenehmer, als starke Persönlichkeit aus einer gefestigten Position heraus Jugendsünden zu begehen, auch wenn es meiner Mutter vermutlich bis heute lieber wäre, ich würde es einfach ganz sein lassen.

Wie auch immer es nun eigentlich aussieht, irgendwo sind diese lila Haare für mich ein Triumph.

Vielleicht sollte ich R schreiben und ihn vorwarnen. Ich glaube, er ist von lilanen Haaren latent traumatisiert; es wäre vermutlich gar keine schlechte Idee, ihn den Tatsachen nicht völlig unvorbereitet gegenüberzustellen. Außerdem habe ich Hunger wie nichts Gutes; wäre ich nicht vorhin so elendig zusammengeklappt (again, danke, Erkältung), hätte ich schon Essen gemacht, so baue ich auf R’s baldiges Erscheinen. Er hat, wenn alles nach Plan lief, bis vor acht Minuten gearbeitet und könnte demnächst herkommen.

Ach Welt, warum bist du nur so, wie du bist. Es ist ein ewiges Rätsel.

Bagoaz aurrera.

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Ja, den Basken ist ihre Kultur und Nationalität völlig egal.

Was ist das herrlich, ich könnte heulen vor Freude. Es ist ja schon eine ganze Weile her, ein paar Wochen bestimmt, seit den Wahlen in Euskadi, aber die Ergebnisse sind es absolut wert, erwähnt zu werden. Das hier ist Pamplona. Auch hier gab es einen Bürgermeisterwechsel, der sich gewaschen hat. Es wird alles besser, es wird alles gut. Ich könnte heulen. Wie sie strahlen! Wie sie bald abheben! Wie sie singen. UPN agur! – Ciao, UPN. Ein Traum, ein Traum. Das musst du dir ansehen, auch wenn du Spanisch und Baskisch nicht verstehst. Glaub mir, die Bilder verstehst du.

Kepa hat Recht. Bagoaz aurrera.

Einige erfreuliche Neuigkeiten

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Erstens. Es ist Wochenende. Ich werde nichts machen. Das ist so ungemein wertvoll.

Zweitens. (Das wird die – obschon zweifellos hochgeschätzten, mit diesem Thema wohl eindeutig überschwallten – Leser weniger erfreuen, mich dafür umso mehr.) Nachdem sich meine Anlage nunmehr aufgebaut in meinem Zimmer befindet, habe ich angefangen, mal wieder meine CDs zu benutzen, mir im Rahmen dieses Projektes Ken Zazpis Atzo da bihar vorgenommen und zu meinem großen Erstaunen festgestellt, dass ich beträchtliche Teile der Lieder einfach verstehe.
Wie unglaublich ist das bitte. Ich bin überglücklich. Zumindest Ken Zazpi-Vokabular habe ich also mittlerweile drauf.

Drittens. Tasche ist aufgetaucht. Stein vom Herzen, ich sag’s dir – und ich kann mein unermessliches Glück mal wieder nicht glauben. Es scheint alles noch drinzusein. Inklusive CDs, Häkelnadel und – ja – auch meinem Geldbeutel. Dienstag habe ich Zeit, sie abzuholen. Bei der Gelegenheit kann ich mich auch gleich mit meinem frisch zurückerstandenen Perso ummelden gehen, bei der Gelegenheit gleich auf selbigem meine Adresse ändern lassen und meinen ebenso frisch zurückerstandenen Reisepass gegen meinen neuen eintauschen. Das wird ein lustiger Nachmittag im Bürgerbüro.

Viertens. Ich habe vorhin mit Susmita geredet. Sie ist zwar gestresst und erkältet, aber hört sich halbwegs positiv an, was ihre Erfahrungen in Finnland angeht. Es tat gut, mit ihr zu reden. Wir haben Ewigkeiten telefoniert.

Fünftens. Am 2. September gibt’s endlich ordentliches Internet.

Sechstens. Ich scheine aus dem gröbsten Chaos rauszusein. Mein Zimmer ist fertig eingerichtet, ich habe schon anfangen können, ein bisschen im Garten zu werkeln, bin regelmäßig, aber nicht übertrieben viel in der Arbeit und fühle mich wohl mit meinem Leben. Daniel fährt nächste Woche nach Spanien runter, sodass die Euskera-Stunden vorerst wegfallen (an sich ja nicht die beste Nachricht aller Zeiten, aber immerhin bringt mir das einen Vormittag mehr Zeit und Ruhe), und Sarah geht Mitte des Monats nach Bolivien, was mir zwar (ebenfalls nicht erfreulich, natürlich) eine meiner liebsten Personen hier für geraume Zeit wegnimmt, aber andererseits auch wieder Ruhe und Zeit verschafft. Ich hoffe, es diesen Sonntag endlich mal wieder zum Foodsharing-Treffen zu schaffen.

Siebtens. Meine Medis wirken grandios; ich fühle mich ziemlich gut und habe weder Katastrophenstimmung noch übermäßig oft Panik. So muss das sein. Auch wenn die Euphorie von vor dem Absetzen nicht mehr da ist, aber das ist ganz in Ordnung so. Das hat mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, die Aktion. Da bin ich nicht so gerne, aber es ist auch besser, als jeden Bezug zur Realität zu verlieren. Schätze ich.

Achtens. Menschen schreiben mir. Ich habe nie das Gefühl, dass niemand an mich denkt momentan. Und ich verbringe so viel Zeit außerhalb von Facebook, dass gar nicht erst die Möglichkeit besteht, wie so oft alle drei Minuten vorbeizuschauen und dann von der leeren Inbox irrational frustriert zu sein. Dieses Gefühl ist so überflüssig. Mir wird gerade erst klar, wie viele Menschen sich dem wohl (so aktiv wie unbewusst) aussetzen, einfach indem sie viel zu oft ihr verdammtes Facebook checken, so, wie ich es auch mache, wenn Zeit dafür da ist. Wie sagte ich damals ergänzend zu diesem Video, „to the waiting, an eternity.“ (Ich vertrau‘ einfach mal darauf, dass ich das richtige Video erwischt habe – unser vorläufiger Router macht uns inzwischen manchmal selbst das Laden von Bildern unmöglich, von Videos gar nicht erst zu reden.)

So sieht’s aus. Das ist doch schön, das alles.

Astelehena, jai ondoko alferra..

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..oder so. Nicht wirklich, ausnahmsweise.

Was soll ich sagen? Ich habe gelernt. Sentence Processing. Psycholinguistics. Ein bisschen Machine Translation. Dann wieder Psycholinguistics. Dazwischen ein Stündchen Pause, Flammkuchen mit Trudi, eine Mail von Daniel, dem Euskera-Dozent – eine ganz rührende Mail, wegen der ich seit Stunden umwerfende Laune habe. (Es ist unbegrenzter Euskera-Unterricht in Sicht. So viel wir wollen. Ich werde sowas von dieses Angebot in Anspruch nehmen.) Antworten muss ich ihm noch, das würde ich am liebsten con tiempo machen, aber andererseits – Zeit ist bis Ende der Woche absolute Mangelware.

Jetzt habe ich über eine halbe Stunde für die paar Zeilen Antwortmail gebraucht, und das, obwohl ich auf Spanisch geschrieben habe, nicht etwa auf Euskera-Pidgin. Da habe ich mir also etwas mehr Zeit genommen, als ich eigentlich hatte. Aber ich bin zufrieden mit meinem Werk. Zumindest habe ich es geschafft, nicht so viel zu sprudeln. Und zu vermitteln, was ich vermitteln wollte. Hoffentlich. Ich bin einfach immer noch so geflasht von der Mail. Ich sag‘ doch, der Mensch ist genial. Aaaaaaah!

Dass der Zeitpunkt noch kommt, an dem ich über die Aussicht auf Extraunterricht irgendeiner Art dermaßen aus dem Häuschen bin, wer hätte es gedacht.

Okay. Jetzt muss ich nur noch irgendwoher die Fähigkeit aufbringen, mir einzugestehen, dass niemand außer mir an keine unverdienten (und unverschämt viele) Credits gebenden Euskera-Konversationsstunden interessiert sein wird, und dementsprechend mich ein Mal die Woche mit Daniel alleine zusammenzuhocken und zu versuchen, euskarische Sätze zustandezubringen. Das erfordert nicht nur sprachliche, sondern auch zwischenmenschliche Kompetenzen, die zu besitzen ich vielleicht gerade einmal ansatzweise von mir behaupten kann. Ich bin zwar nicht mehr ganz so schlimm ängstlich, wie ich es in dunklen alten cipralexlosen Zeiten mal war, aber auch bei Weitem nicht der unschüchternste Mensch unter der Sonne.

Naja, Wir werden sehen.

Itzaletatik entzun…

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Ich sollte seit drei Ewigkeiten schlafen. Stattdessen höre ich Itxaropena.

Es hat so schnell gewirkt, wie ich es im Leben nicht für möglich gehalten hätte. Gerade mal einen halben Tag hat es gedauert und mein ganzer Organismus war wie neu geboren.

Ich gebe zu, dadurch, dass es so schnell ging, komme ich mir vor wie auf Drogen. Vom Ding her war es aber sogar ähnlich wie damals, auch wenn es beim ersten Mal viel gemächlicher von Statten ging (was verständlich ist, weil ich damals mit Hilfe von Tropfen die Dosierung ganz langsam hochgeschraubt habe, statt wie jetzt den bereits an den Wirkstoff gewöhnten Körper dem vollen Ruck einer halben Tablette auszusetzen). Diesmal hat es einfach reingehauen. Ich war auf dem Weg in die Uni und es kickte ein wie.. wirklich, wie eine Droge. Bloß dass das, was da eigentlich genau einkickt, das reine Nichtvorhandensein depressiver Gedankenströme ist. Und eine Gewissheit, dass alles gut wird. Die ganz besonders.

Und als hätte mein Tag es geahnt, wurde alles gut. Die MT-Hausaufgaben waren wirklich zu schaffen, nachdem Lisa mir geduldig erklärt hat, was ich machen muss. Das Wetter war auf einmal wunderschön warm und sonnig. Ich kam nach Hause und Caro hatte mir geschrieben, dass Rise Against im Herbst auf Tour sind – mit Pennywise! ..und Emily’s Army. (Die Band von Billies Sohn. Wer hätte gedacht, dass ich noch mehr Mitglieder der Familie Armstrong mal live sehe.) Robert, Becci und Janine waren bei Skype, alle auf einem Haufen. Ich habe für Janine und mich schonmal RA-Tickets bestellt; Robert und Becci holen sich ihre nachher beim Ticketschalter. Ich habe mit Sarah geredet und Kopenhagen geplant, mit Pedro geschrieben und Euskadi geplant und mit Saskia geredet und erstmal überhaupt nichts mehr geplant, weil sie erst einmal einen obligatorischen zweistündigen Redeschwall auf mich hat herabregnen lassen, bevor wir dazu kamen, in drei Sätzen abzusprechen, dass sie dann wohl von Berlin aus fliegt und sich also jetzt auch für um den 5.-15. August herum einen Flug besorgt. Der Wohnungsmensch bestätigte mir nicht nur, dass wir die Wohnung fest haben, sondern noch dazu, dass er den Mietbeginn auf meine Anfrage hin um einen Monat nach hinten verschiebt, wir die Wohnung aber ab dem 15. Juli schon nutzen können und bis zum 5.10. Zeit haben, die zweite Hälfte der Kaution zu zahlen. Meine Mutter schrieb mir „Gute Nacht, du Kotzbrocken“ bei Skype, was wohl so viel bedeutet wie einen baldigen provisorischen Frieden. Und Itxaropena.

Hitzak lehertzen direnean.

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Mein Glück kennt keine Grenzen – ich hab‘ gestern durch Zufall eine Website gefunden mit einen beträchtlichen Fundus an Übersetzungen diverser Alben euskadischer Interpreten, drei Stück von Ken Zazpi sind dabei – Argiak zum Beispiel, welches ich (schon ohne mir jeden Text vollkommen erschließen gekonnt zu haben) so unglaublich liebe – und oh, ich schwebe. Wie unglaublich viel Arbeit mir diese Entdeckung erleichtert. Ich komme gerade nur wieder darauf, weil mein Ohrwurm von Itxaropena, meinem gestrigen Opfer, gerade zurückgekommen ist – nachdem mir gestern mitten bei den fieberhaften Vorbereitungen für Mamas Party bewusst wurde, das dieses Lied mit das grandioseste ist, das diese Welt je gehört hat, musste ich mich kurz hinhauen und es in die Mangel nehmen. Und so kam ich über Umwege dann auf die Seite. Und das war auch schon alles, was ich jetzt mitteile, denn mal wieder bin ich kurz vor dem Kollabieren vor Müdigkeit. Aber oh ja, jetzt platzen die Wörter aus allen Nähten heraus und erfüllen mein Hirn mit dem Bewusstsein einer ganz neuen Dimension. Vor allem gehört Ken Zazpi zu den Bands, deren Texte immer besser werden, je mehr ich davon verstehe. Wie selten das einfach ist. Sie mutieren demnächst zu meiner Lieblingsband of all times, ich seh’s kommen.

Fliegende Zeit, flüchtiger Kopf

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Ich fasse es nicht – wie schnell die Zeit fliegt! Gerade habe ich mit JO telefoniert, um die Details für das Against Me!-Konzert in Luxemburg abzuklären (zu dem mitzukommen ich mich einzig und allein aus dem Grund bereiterklärt habe, dass ich noch nie in Luxemburg war und JO seit ewig und drei Tagen nicht mehr gesehen habe), und sie halb nebenbei mal gefragt, wann sie eigentlich wiederkommt. Da sage sie, „am 22. Mai komme ich wieder“. Ich bin halb durchgedreht. Das sind weniger als drei Wochen. Sie kommt in drei Wochen wieder. Und dann habe ich sie gefragt, wie sie sich fühlt – ich erinnere mich ja an meinen Zustand kurz vor meiner Abreise aus Costa Rica. Sie sagte, sie fühlt sich wunderbar, und dass es ein gutes Ende ist. Sie habe jetzt wohl auch vom Herumreisen erstmal genug. Und sie freue sich darauf, Leute wiederzusehen. Ihre Freundin ist genau dann in Berlin, wenn sie wiederkommt, aber danach wird sie sie besuchen gehen, und Helena wollte auch kommen, und vielleicht fliegt sie noch nach England zu ihr, und wir fahren nach Luxemburg wegen des Konzertes, und natürlich kommt sie zu mir. Ende Juni nämlich, zum großen Flohmarkt. Wie ich mich auf einmal freue!

Abgesehen von der Luxemburg-Planung habe ich heute fast nichts gemacht. Naja, Ohrhänger habe ich in Massen produziert, aber das war’s auch schon. Die Ratten und Pflanzen versorgt, den Kompost umgerührt, Rachel bescheidgesagt, dass sie uns auch gerne mitteilen kann, wenn wir in ihren Augen etwas falsch machen, statt uns diese unheimlich schrecklichen, kindischen Beschwerdenotizzettel zu schreiben. Den Foodsharing-Flyer fertiggemacht und den Druckauftrag rausgeschickt. Mit Mama telefoniert, mit Robert und Becci geredet, köstliches Essen gegessen, wie immer. Ich habe fast kein Gemüse mehr – eigentlich wollte ich heute noch los und mir Nachschub holen, aber jetzt bin ich unmotiviert – der restliche Wein musste vernichtet werden; ich bin müde. (Und weise Alkoholikertendenzen auf, aber ich mach‘ mir keine Sorgen. Durch diese Phase geht jeder mal. Wenigstens eine Droge, die wirkt und mir den Kopf trübt, was gibt es Schöneres als so einen trüben, flüchtigen Kopf.)

Hier ist Ostern noch nicht vorbei.

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Eine Armee von Schoko-Osterhasen steht nun bei uns im Vorratsschrank. Ich liebe meine Arbeit. Da sage noch einer, sie sei unbezahlt…

Die allmonatlichen Foodsharing-Kennenlerntreffen sind für mich eine unglaublich wertvolle Therapie. Elisa hatte mich neulich nochmal auf meine Vortragsangst angesprochen – dabei habe ich ja eigentlich gar keine Vortragsangst, aber ich war in dem Moment nicht geneigt, ihr den Unterschied noch extra zu erklären, weil ich es lieb genug von ihr fand, sich überhaupt daran zu erinnern und mir noch dazu Hilfe anzubieten. Das sei das am leichtesten überhaupt zu heilende Problem in der Psychologie, sagte sie, um mir gleich darauf noch anzubieten, mal nach einem geeigneten Therapeuten für mich zu suchen. (Zuerst sagte sie, ich solle doch ein bisschen herumtelefonieren, aber meiner entsetzten Reaktion war wohl zu entnehmen, dass das Telefonieren auch nicht gerade zu meinen starken Bereichen gehört.) Natürlich möchte ich keinen Therapeuten für meine Gruppen-Angst zu Rate ziehen müssen. Zuerst einmal versuche ich durch stetige Arbeit, sie selbst zu bekämpfen. Ich merke schon ab und an minimale Fortschritte. Das motiviert und beglückt.

Morgen haben Susmita und ich, wenn nichts dazwischenkommt, unsere langgeplante Out-of-present-self session. Darauf freue ich mich, auch wenn, im Gegensatz zu ihr, ich nie das Gefühl habe, aus meinem present self herauszukommen, wenn ich mir Alkohol hinter die Binde kippe. Aber wie wir ja alle wissen, mache ich es trotzdem recht gerne. Es wird schön. Vielleicht fange ich irgendwann an, meine nicht existierenden Vergessenskünste zu demonstrieren oder sonstwie stimmungstechnisch herunterzuspiralisieren, wie das manchmal so passiert, aber sie kennt mich ja und weiß um das bestehende Risiko und worauf sie sich einlässt. Immerhin war sie diejenige, die letzten Sommer vor der Badezimmertür wartend laut bis dreißig gezählt hat.

Oh, Trudi lacht schon wieder so glücklich. Hannes ist da; natürlich ist sie glücklich. Wahrscheinlich sind sie bekifft. Hannes ist da; natürlich sind sie bekifft. Oh Mensch.

Ein herrliches Lied: ___

Pozten naiz.

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Sie haben mein Portemoinnaie gefunden; es wird mir wohl demnächst aus Köln zugeschickt (wie auch immer es dort hinkam). Ich freue mich.

Ich war vorhin bei der Tafel, abholen – eben kam schon jemand zu mir und hat sich über die geretteten Kartoffeln und einen Laib Brot gefreut. Einen weiteren Sack Kartoffeln und ein Brot habe ich schon für Susmita an die Seite gelegt, die es morgen abholen kommt. Ich freue mich.

Wenn alles gutgeht, bekomme ich am Wochenende von Serj mein Fahrrad endlich wieder, kann es reparieren lassen und bin somit nicht mehr fahrradlos – auch darüber freue ich mich.

Darüber sowie über die liebe, stimmungserhellende Großzügigkeit des Menschen am Kiosk vorhin, bei dem ich mit meinen letzten 48€ ein Studi-Ticket kaufen wollte, nur um zu erfahren, dass es 49,70 kostet – der es mir aber einfach für 48 überlassen hat.

Heute Abend ist schon wieder Foodsharing-Kennenlerntreffen, in wieder einem anderen Café, wo ich noch nie war – ich werde eine neue Location und neue Menschen kennenlernen und dazu alle Anderen wiedersehen und von Elisa zwei Blumentöpfchen mitgebracht bekommen, die sie verschenkt – wie ich mich darauf freue.

Meine Morning Glory-Samen keimen schon – ich fasse es gar nicht und freue mich ganz doll. Und in meinem Samenkompost keimt und sprießt schon alles Mögliche, wo ich nichtmal ansatzweise hinterherkomme, was das nun alles sein könnte. Mystery plants – ich ziehe sie einfach auf und warte, bis sie wachsen und mir ihre Identität zu erkennen geben. Der Frühling ist da – es ist warm – alles wächst – ich bin glücklich!

Eventuell nehme ich dieses Wochenende für ein paar Wochen vier Ratten in Pflege – das wäre doch wunderbar, endlich mal wieder ein bisschen tierische Gesellschaft – auch darüber würde ich mich freuen. (JA! Sie hat mir gerade nochmal geschrieben, wie viel ich fürs Betreuen haben wollen würde. Und wie lange ich sie nehmen könnte. Ich habe ihr zurückgeschrieben, dass ich sie nehme, so lange sie will, und keine Ahnung habe, was ich dafür verlangen soll. Sie schreibt mir dann nachher; offenbar muss sie vorher noch etwas abklären.)

Was noch? Ich habe meine Organisation hier im Zimmer ein bisschen umstrukturiert und auf einmal viel mehr Platz im Schrank. Wie schön das war, vorhin ein bisschen Ordnung in das Chaos zu bringen.

Schön. Schön, schön, schön.

Ich habe die Nacht damit verbracht, in meinem eigenen Blog zu lesen. Ob das nun erbärmlich ist oder nicht, sei dahingestellt; für mich ist es gut. Ich kann rückblickend so viel mehr verstehen. Und ich kann mit dem Gefühl, so unendlich viel noch zu bewältigen zu haben, viel besser umgehen, nachdem mir wieder bewusst geworden ist, dass auf jeden Fall auch schon ein beträchtliches Stück der Arbeit geschafft ist. Und auch darüber freue ich mich.

Pechphoenix

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Glück muss man haben.. mir wurde irgendwann zwischen vorvorgestern und gestern Abend mein Leihfahrrad vor der Haustür weggeklaut. Somit bin ich jetzt geld-, busticket- und fahrradlos. Hoffentlich nicht für lange; Serj hat mir geschrieben, dass ich meins am Wochenende bei seiner alten Wohnung abholen kann. Na wollen wir’s hoffen.

Was ist das für ein entsetzlicher Font hier auf einmal, es ist alles so.. anders. Ih. Ich mag es nicht, wenn sich Sachen so ändern. Und dann noch grundlos.

Es gibt zu viele Sachen, die ich tun muss. Meine Bankkarte ist zwar gesperrt, aber ich habe die Bank noch nicht informiert. Meinen Perso und die Versichertenkarte muss ich als verloren melden und jeweils neue beantragen. Einen neuen Studenten-, Foodsharing- und sogar einen verfickten neuen Organspendeausweis brauche ich. Bei der Gelegenheit könnte man dann gleich auch mal seinen 2011 abgelaufenen Reisepass erneuern – schaden kann’s ja nie, denke ich mir einfach mal so. Einen Psychiatertermin muss ich machen. Und ich war seit Jahren nicht mehr beim Zahnarzt; ich sollte Mama bitten, mir das Bonusheftchen runterzuschicken, und mir endlich mal hier einen suchen. Langsam kann ich nicht mal mehr vor mir selbst mein Nichthingehen mit einem vorgeschobenen Mangel an Belastbarkeit rechtfertigen.

Vorhin habe ich mit meiner costarricanischen Familie geredet; es war sehr, sehr lange her und es war Zeit.. und schön war es, so schön, und vor allem kann ich ganz anders mit ihnen reden seit diesem letzten Jahr. Da ist es mir fast schon egal, ob ich mal einen Fehler mache. Und überhaupt, was ich sage. Nicht wie damals, als ich dawar. Bis hin zum Schluss habe ich es einfach nicht gelernt, das angstlose Reden, und mehr noch, das angstlose Sein. Ein umso größeres Wunder ist es daher für mich, dass sie mich immer noch genauso lieben wie ich sie. Sich an alles erinnern und mir mit jedem Wort das Gefühl geben, nach wie vor Teil der Familie zu sein. Selbst wenn ich mich nur im Halbjahrestakt dazu überwinden kann, mit ihnen zu reden. Wieso auch immer. Ich bin merkwürdig und habe ein paar ganz dämliche Probleme, ich weiß schon.

Aber trotzdem. Sollte ich auch manchmal merkwürdig sein, vergiss einfach nicht, du redest mit einer Einjährigen. Dafür mache ich mich doch eigentlich schon ganz ordentlich.