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Speicherkarten aufräumen…

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Ach herrje.

Sie war schon verdammt geduldig mit mir.

Wie krass.

Dieses Gespräch – und wir hatten Tausende von der Sorte. Unglaublich.

Aber Wahnsinn, auch, wie ich rede. Nichtmal ich selbst kann das genaue Ausmaß an innerem Zusammenklappen da herauslesen, so wenig kommt davon durch, durch das, was ich nach außen trage. Wie krass ich mich einfach verstellen kann. Das ist mir unheimlich.

Und wie ich mir meines Rechts auf diese Gespräche so sicher war – wenn ich mir das jetzt anhöre.. und ich rede und rede und rede.. Wir reden und alles dreht sich im Kreis.

Und wie sicher ich mich anhöre. So eine Gewissheit. Das kenne ich überhaupt nicht, eigentlich, so eine Gewissheit. Das bin doch gar nicht ich.
„Ja, richtig.“ „Natürlich.“ „Nein.“ Sie wirken so überzeugt, diese Antworten. Und wir sind ehrlich, grundehrlich, wie man es kaum erlebt zwischen Menschen, und auch deshalb geb‘ ich euch völlig random Bots und Menschen die Möglichkeit, das mit anzuhören, sowas bekommt man doch normalerweise nicht zu hören; das kann man, wie alles an dieser Art Online-Seelenausschüttung, als unfassbar schlimm ausgeprägten emotionalen Exhibitionismus auslegen, und es geht mir immer noch nicht um Selbstdarstellung; mir wäre es am liebsten, wenn mich überhaupt nichts und niemand sähe; aber da es nunmal der Fall ist, so oder so.. Ich hätte so gerne die absolute Transparenz aller Menschen. Mein ewiger utopischer Traum. Das ist mein Anfang. So bei 2.13.10, da bin ich gerade, reden wir darüber auch kurz. Über die Einzigartigkeit einer vollkommen transparenten Situation.

Und wir haben keine Ahnung. Unglaublich, wie viel man labern kann ohne einen einzigen Ahnungsschimmer.

Dieses Zurückschauen und Feststellen dieser vollkommenen Ahnungslosigkeit, meiner eigenen vor allem.

Auf alle Fälle schließt dieses Gespräch vermutlich alles an Informationslücken, das noch irgendwie ausstehen könnte.

Ich bin die ganze Zeit von der damaligen Version von mir verwirrt. Bildet sich tatsächlich ein, irgendetwas zu wissen.. Nimmt sich so unglaublich wichtig.. Bin ich immer noch so?

Oh je. Ich würde das Gespräch am liebsten komplett transkribieren.
Wie gut, dass der Akku vom AG irgendwann leer war; wer weiß, wie lange das Ganze noch gedauert hat!

Ich glaub‘ es gar nicht.

Abschicken?

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Kurz vorab, ich heule seit Ewigkeiten Rotz und Wasser und war eigentlich höchst entschlossen, es durchzuziehen. Aber wie nicht anders zu erwarten.. schiebe ich es wieder auf. Ein Stück Ehrlichkeit von meiner Seite. Aber ich bin doch zu feige, ich schaffe es doch nicht.

Ich kann das so nicht, ich bin schon wieder total am Auseinanderfallen. Immerzu, wenn ich schon wieder so tue, als wäre alles in Ordnung. Kann gut sein, dass gerade wieder nur eine Zeit ist, in der ich etwas zu Übertreibung neige, aber ich hab das Gefühl, wenn ich weiter erlaube, dass zwischen mir und euch eine Verbindung ist, kann ich niemals ein ordentliches eigenes Leben haben. Es hat mir unglaublich gut getan, mit dir über alles reden zu können. Ich weiß nicht, was sonst aus mir geworden wäre. Ich würde dir vorschlagen, dass ich mich irgendwann melde, wenn ich den Rest Arbeit geschafft habe, den ich noch vor mir habe. Oh wenn du ahnen könntest, wie es mich zerreißt. Ich bin so dankbar, dass ich so viel Klarheit über alles im Nachhinein durch dich noch bekommen habe. Ich an deiner Stelle hätte nie so viel reinen Gutwillen mir gegenüber aufgebracht. Ich will erst wieder mit euch reden, wenn ich das Gleiche euch beiden gegenüber auch schaffe. Sag nichts mehr, bitte, sonst schaff‘ ich’s wieder nicht. Das ist wie Selbstmord. Das fühlt sich so sehr wie Selbstmord an. Wie als ich euch damals gelöscht habe, jetzt bin ich wieder genau an dem gleichen Punkt. Diesmal werd‘ ich aber nicht einen Abend später Şahin anrufen, um Ritual zu machen und alles wieder einzurenken. Ich muss das jetzt schaffen. Sag allen schöne Grüße. Ich bin jederzeit für chillige Gespräche offen, aber nicht, wenn von mir erwartet wird, aus einem Trauma kein großes Ding zu machen. Jeder kann mit mir reden, immerzu, jederzeit, aber irgendwo muss ich auch verstanden und respektiert und geliebt werden und nicht dazu dasein, jemandem den Komfort einer unkomplizierten Freundschaft zu bieten, in der man sich Zuneigung holen kann, wenn die an anderer Stelle gerade knapp ausfällt. Ich bin so kaputt, ich brauch‘ selber manchmal wieder ein bisschen, um zu merken, wie schlimm. Wenn ich jemals jemanden finde, der mir kleinem harmlosen ahnungslosen Menschen Liebe gibt, vielleicht werd‘ ich ja dann wieder ganz. I’m rambling. Sorry. Ich hab dich lieb. Ich werd‘ es aushalten, durch die ganzen Käffer durchzufahren, nicht wie vor so Kurzem noch, und dass unser Mineralwasser aus Bruchsal kommt, ist auch okay, und überhaupt, alles ist gut, ich werde ja nicht vergessen. 🙂 Ich kann’s immer noch nicht glauben, dass ich nicht vergessen worden bin, das bedeutet mir unermesslich viel. Danke, dass du es das letzte Dreivierteljahr lang mit mir ausgehalten und mir nie wieder das Gefühl gegeben hast, wertlos zu sein. Ich werd‘ das für immer behalten.

Verwirrung

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Es scheint gerade so eine Verwirrungswelle rumzugehen. Robert ist verwirrt und ich auch, wenn auch jeweils aus unterschiedlichen Gründen. Ich nehme nur zusätzlich seine Verwirrung noch auf mich, weil 1) ich das nunmal so an mir habe und 2) mich bis zu einem Grad damit auch identifiziere, und außerdem freue ich mich, weil ich heute mal eine richtige freundschaftliche Glanzleistung vollbacht und an einem einzigen Wort die Quelle seiner Verwirrung erkannt habe. Und dann wünsche ich mir zwischendurch mal wieder, dass das An-einem-Wort-erkennen-was-los-ist nicht immer meine Aufgabe sein müsste. Und dann denke ich mir aber, ach was soll’s, ich bin stolz, dass ich es kann, ich bin eine gute Freundin, darauf kommt es doch an. Nicht erwarten, dass irgendwas, das du gibst, im gleichen Maße zurückkommt, vor allem von Personen, von denen du so etwas einfach nicht erwarten kannst. Man kennt ja die Kapazitäten eines jeden Freundes und sollte sich damit zurechtfinden und begnügen.

Ich bin verwirrt aus dem Grund, dass ich sehr viel zu tun habe. Sehr viel Leben. Ich habe den letzten Monat wie im Flug verbracht – und teilweise ja tatsächlich im Flug – und bin im Begriff, mit dem gerade beginnenden nicht anders zu verfahren. Von den letzten fünf Wochen hatte ich um die zwei Besuch und war ungefähr anderthalb in der Weltgeschichte unterwegs. Ich habe mir auf originelle Art und Weise Essen beschafft, mit der Band geprobt, viel telefoniert – wenn auch weniger als sonst -, neue Bekanntschaften geschlossen, gekocht, gebacken, gegessen, studiert, aufgeräumt, war produktiv, kreativ, frustriert, glücklich, beschäftigt, genervt, hyper, geduldig, gesellig, motiviert, unmotiviert, überambitioniert, faul, eigentlich alles, was ich immer bin, nur noch mehr davon.

Nun, da es in den Juni geht.. Oh je. Ich habe mir am Montag in Lenguas y Culturas – weil der Vortrag gerade so stinklangweilig war – eine To-Do List für die gesamte Woche angelegt und versuche immer noch, sie halbwegs diszipliniert abzuarbeiten. Es steht der Riesen-Flohmarkt am Wochenende an, Bandprobe und Klavierunterricht morgen (falls mich meine Schülerin nicht schon wieder versetzt, wofür ich ihr allein aus finanziellen Gründen recht dankbar wäre), außerdem werde ich mich in der Essigproduktion versuchen und morgen Nachmittag eine Essigmutter von einem Menschen, der diese verschenkt, abholen; JO kommt am Donnerstag für eine knappe Woche; Serj wollte Geburtstag feiern, aber am Samstag, und da kann ich gar nicht – mittags ist ein kleiner Garagenflohmarkt, nachmittags ist Susmitas Teeparty und abends fängt schon der grenzüberschreitende Flohmarkt an. Zwischendurch sollte ich mich noch um eine Wohnung in Vitoria kümmern und um einen Zwischenmieter für mein Zimmer hier. Jetzt, wo Susmita schon versorgt ist und ich nichtmal angefangen habe zu suchen, breitet sich doch langsam ein Gefühl der Unruhe bei mir aus.

Eben hatten wir – Rachel, Susmita, ich – ein ziemlich schönes Running for Dinner – die traditionell jedes Semester in unserem Wohnheim stattfindende Aktion, in deren Verlauf jede teilnehmende WG zu einer anderen zum Essen geht und selbst andere WGs zu entweder Haupt- oder Vor- und Nachspeise bei sich verköstigt. Rachel hat als Dessert köstliche, innen flüssige Schokotörtchen gemacht; Susmita und ich haben uns mit Rachels Hilfe um die Vorspeise gekümmert – indisches Aloo Tikka, frittierte Fladen aus Kartoffel- und Erbsenpüree. Mit viel Chili. Und Koriander-Chutney. Mit viel Chili. Es war köstlich. Von vorne bis hinten köstlich.

Zwei neue Songs sollte ich lernen bis morgen für die Probe; geschafft habe ich einen halben davon. Oh je.

Ich denke immer noch phasenweise ohne nennenswerte Unterbrechungen über alles mögliche Şahin-ige nach, selbst in dem ganzen Chaos, ohne viele Gefühlsregungen, aber ich höre nicht auf, daran zu denken, wann hört denn das eigentlich mal auf? Fällt mir nur gerade so ein.

Ein Fall wie Robert

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Nachdem eben gerade meine lieben Survivors, sprich, Laura und Robert, sich gegenseitig auf unterstem Niveau die Freundschaft – oder was das auch immer war – gekündigt haben (inklusive Facebook-Löschaktionen und trivialen Beleidigungen) und mein Abend dementsprechend auf nicht gerade angenehmste Weise zu Ende geht..

..weiß ich eigentlich auch gar nicht mehr, was ich eigentlich jetzt noch machen soll. Oder will, oder kann, oder was auch immer.

Ich bin ein bisschen sauer, weil unsere (zumindest von meiner Seite) liebevoll angefertigte Fotocollage, die als Geburtstagsgeschenk für Janine fungieren soll, je nach Stand der Dinge nächste Woche am Ende nicht zum Einsatz kommen kann – wer will schon einen Haufen Bilder von Menschen, die sich gegenseitig nicht ausstehen können und zum Teil nicht einmal mehr miteinander reden. Hab‘ ich es Janine nicht noch gesagt. Aber nein, mir glaubt ja keiner.

Nunja. Das wird es wohl fürs Erste gewesen sein mit den beiden. Wer weiß, wer als Nächster dranist. Ein Glück hab‘ ich momentan ein Leben. Und am Ende bin ich eh diejenige, die überlebt. Ich werd‘ als letzter Survivor von allen dastehen, alleine. Ich seh’s kommen, juchu. -Macht ja nichts. Ich kann ja die Leute nicht zwingen, sich gegenseitig wichtig zu sein.

Wie froh ich bin, so viel gelernt zu haben. Wie froh ich bin, immer noch weiter zu lernen.

Spontanassoziation:

(Es fehlt die Hälfte des Textes, dafür sind die Bilder extrem niedlich.)

Konserviert.

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Wheeeeey, ich habe sie wieder. Zumindest ein paar davon, die allerallerwichtigsten, gesegnet sei Recuva.

Jetzt, wo ich diese wichtigsten Aufnahmen zur Feier ihres Immernochvorhandenseins gerade ein bisschen durchhöre – lang war’s her – und mich durch sie in Zeiten zurückbegebe, in denen ich von besagter Offenheit aus dem letzten Eintrag noch einen Tick weiter entfernt war. Ich höre gerade diese ooVoo-Aufnahme vom 15.9.11, morgens früh, wir reden über Why Do You Want Him, gerade sind wir fertiggeworden damit, es zu spielen.

„Den Text von dem letzten Teil seh‘ ich grad zum ersten Mal.“
„Was?“
„Der ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Ich fand das Lied nie so toll..“
„D’sch’s erste Lied von ihnen, ever..“
„..Ich weiß.“
„Also bitte.“

Und Worry Rock. Deadbeat Holiday. IIMALTY. My Life For Hire! The Downfall Of Us All! Oha. Wie wir durch die Songs gerauscht sind in dieser Nacht.

Ich darf auch mal zwischendurch zurückgucken, oder? Ich muss doch nicht immer so tun, als wäre mir alles egal, um nicht so quengelig zu wirken. Oder? Dafür gibt’s ja das echte Leben, fake it ‚til you make it, Leute, die man nicht nach Jahren immer noch mit diesem Zeug zunölen möchte, selbst auf Kosten der Ehrlichkeit.

Unglaublich, wie ich in den Aufnahmen, die in meiner random Wiedergabe manchmal kommen, immer sofort weiß, ob Şahin darauf im Raum war oder nicht. Fast unabhängig davon, ob man ihn tatsächlich hört. Ich höre ihn aus meiner eigenen Stimme heraus, aus der Beschaffenheit der Stille, manchmal in der allerersten Sekunde – ich brauche eigentlich nur einmal kurz zu atmen. Der ganze Raum hört sich anders an.

Und wenn ich mit ihm geredet habe, habe ich mich nicht wirklich angehört wie sonst. Hätte mir das mal jemand gesagt damals. Oh nein, ich höre mich an, als würde ich mit einem Chihuahua reden. Mit einer Mischung aus Billie Joe Armstrong und Kleinkind und Chihuahua. Wahrscheinlich hatte er doch Recht – wenn’s wirklich drauf ankommt, kann ich absolut nicht lügen. Ich hab’s nicht drauf.

Roadside. Oh je. Was habe ich versucht, das zu lernen. Wie frustrierend, ihn es in so einem verschwenderischen Tempo vor sich hinrasen zu hören.

„Was ist das? … Was ist denn das?“
„Was denn? .. Ich schwör dir, es ist keine Spinne!“
„Doch!“
„Nein! Es ist so not a spider. .. Und auch kein, Dings.. Spinnennetz.“

Untitled 11.

Ritual
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Hach, ich mache mal aus. Jetzt weiß ich ja, dass ich es wiederhabe. Und ich freue mich gewaltig darüber, es einfach anhören zu können und nur sehr begrenzt verzweifelt dabei zu sein. Eigentlich nur vor allem mal wieder angesichts seiner Dummheit, das einfach wegzuschmeißen. Wir waren schon gut zusammen, einfach zwei Leute zusammen. Was für eine Verschwendung.

Life of Chaos

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Morgen wird ein riesiges Chaos. Bei der Besprechung für die Baskenland-Exkursion im Mai wurde ja festgelegt, einen Kuchenverkauf zu veranstalten, um noch ein bisschen Geld reinzubekommen, und ich hatte mich für die Organisation gemeldet, mit noch zwei Anderen. Nun haben wir gestern bescheidbekommen, dass morgen unser erster Verkaufstermin ist – also Stress ohne Ende und Doodles hier und Rundmails da und das alles mitten in der Nacht. Bis jetzt haben sich genau zwei Leute für Schichten eingetragen, mich eingeschlossen. Immerhin gibt es ein paar, die schon etwas gebacken haben. Zur Not stehe ich halt alleine da.. Na das kann ja was werden.

Ansonsten, naja. Ich war gestern bei Sarah, wir haben uns (sehr gründlich und ertragreich) auf dem Hofflohmarkt umgeguckt und dann bei ihr etwas gegessen und Tee und Kaffee getrunken und zusammen ein paar Ohrhänger gemacht. (Ich war davon so inspiriert, dass ich am Abend gleich noch drei Paar aus meinen eigenen Materialien hergestellt habe.) Am Morgen wurde den zweiten Tag in Folge beim Erwerb einer Flasche Energy nach meinem Ausweis gefragt. Irgendwas läuft da verkehrt. (Zumindest hatte ich gestern die Entschuldigung von nur anderthalb Stunden Schlaf.)

Abends war ich dann schlafmangelbedingt mit den Nerven etwas fertig und hatte meinen ersten Nervenkollaps seit November letzten Jahres. Zuerst war ich eigentlich nur genervt von Robert, aber bei mir eskaliert sowas ja gerne mal. (Von früher ausgehend zumindest, nicht vom letzten halben Jahr.) Janine, die Arme, hat sich von mir zuheulen lassen und ihr Bestes getan, mir zu versichern, dass diverse Sachen schon wieder in Ordnung kommen würden. So ein lieber Mensch.
Und dann war ich umso froher, als Laura nachher dazukam und wenigstens wir alle uns noch ein-zwei Stunden lang harmonisch und erfüllend unterhalten haben. (Zumindest kam es mir so vor.) Und sie hat zugesagt, zu Janines Geburtstag zu kommen, und Becci hat Robert gefragt, ob wir beide vorher mal bei ihr vorbeischauen wollen. Wir haben uns so ewig nicht gesehen! Eigentlich kennen wir uns ja gar nicht wirklich. Aber das wird herrlich, ich hab’s im Gefühl.

Und ich gehe nur noch ein Mal zu SchülerVZ zurück, nämlich um meine Nachrichten da herauszukopieren. Ich gehe nicht mehr zu uns in die alte Gruppe. Da ist alles falsch und leer. Ich muss aufhören, mich an die Vergangenheit so zu klammern.

Festgemacht

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Manchmal verfluche ich innerlich meine Familie und engen Freunde dafür, dass sie alle so gar keinen Hang zum Fotografieren haben. So wie jetzt, wo ich der Tatsache ins Auge sehen muss, dass es nicht mehr als eine Handvoll Fotos von mir und dem Kater gibt, geschweige denn eins von ihm mit der ganzen Familie. Das hatte ich noch gesagt, als ich jetzt über Ostern da war. „Wir müssen eigentlich mal ein Foto von uns allen zusammen machen.“ Wir haben es nur nicht gemacht.

Auch sonst ist es unpraktisch, offenbar die einzige fotografisch veranlagte Person im Umkreis von Kilometern zu sein. Wann immer ich mit Leuten etwas unternehme, existieren danach haufenweise wunderbare Bilder. Von allem und jedem, außer mir natürlich. Klar, ich bin auch nicht gerade das fotogenste Geschöpf unter der Sonne, aber ein bisschen liegt es ja schon auch an der mangelnden, naja, Quantität. Schade sowas. Dafür freue ich mich immer doppelt und dreifach, wenn doch mal ein schönes Bild von mir durch Zufall oder andere mysteriöse Umstände zustandekommt. Und versuche mich nicht zu sehr zu grämen, wenn es wieder mal nicht der Fall ist. Perú mit Simone wird so eine Gelegenheit werden.

Hach ja. Über was für eine überflüssige Scheiße ich mir jetzt schon wieder Gedanken mache. (Überflüssige Scheiße being, wenn man die teilweise Todesursache meines Katers in Betracht zieht, vielleicht nicht die günstigste der günstigen Wortwahlen heute.)
-Nicht wundern, wenn ich normal klinge. Sagte ich damals schon, als ich den RNs verkündete, dass Dari gestorben war. Mein Kätzchen, meine beste Freundin. Aber was soll ich machen, ich kann doch nicht die ganze Nacht durchheulen. Und es ist so richtig eigentlich, dass er eingeschläfert wurde; es ging ihm ja schlecht und meine Eltern waren auch schon so gestresst und sind monatelang nur noch auf dem Zahnfleisch gegangen. Und er selbst ja erst recht. Dann muss ich damit ja doch irgendwie klarkommen.

Gerade habe ich mit Sarah telefoniert, unserer ehemaligen Mitbewohnerin – das war mal wieder mehr als fällig und ich freue mich unendlich, dass wir uns immer noch einfach ohne Probleme unterhalten können und die langen Abstände zwischen den Gesprächen unserem guten Draht zueinander keinen Abbruch tut. Ich bin mal wieder so dankbar für alles.

Mit Caro habe ich auch geschrieben; sie hat Angst vor dem Wochenende (ohne dass ich irgendwas getan hätte, um ihr welche zu machen) und wünscht sich glaube ich mittlerweile, sie hätte diese gowaiverdammten Tickets nicht schon gebucht und überhaupt diese ganze Idee nicht gehabt. Sie macht sich eine unfassbare Panik, ich glaube es gar nicht, sie fürchtet sich richtig davor, mich zu sehen und am Ende noch irgendetwas falsch zu machen. Während ich an das alles mit so offenem wie gelassenem Herzen herangehe und mir einfach denke, wenn’s klappt, is‘ gut. Und wenn nicht, dann auch. Ich habe mein Leben, ich bin zufrieden ohne sie. Mein Glück kommt aus ganz anderen Quellen. Oh hoffentlich verlässt mich niemand, der mir wichtig ist, in naher Zukunft. Dann kann ich, mit ihrer aller Unterstützung (auch wenn das paradox klingt auf den ersten Blick), weiter daran arbeiten, unabhängiger zu werden und eben meine ganze Existenz nicht mehr an anderen Menschen festzumachen.

Würmer

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Random Gedanke gerade beim Geschirrspülen: Ob ich es doch mit Leugnen hätte versuchen sollen.
„Du weißt selbst, wie vollkommen absurd das ist. Wenn du damit okay bist, dass deine Freundin uns die Freundschaft kaputtmacht jetzt mit ihren Hirngespinsten, meinetwegen. Ruf an, wenn du’s dir überlegt hast, und untersteh dich, dich irgendwie rausreden zu wollen.“ – sagte ich zu der imaginären Person in der Luft irgendwo auf der ungefähren Höhe des Wasserhahns, nur um mir dabei bewusst zu werden, dass ich, wäre es mir denn möglich gewesen – wäre es so tatsächlich gewesen – wohl genau das getan hätte. Mir ist in dem Moment erst klargeworden, wie weit ich davon, das zu tun in der Lage zu sein, damals entfernt war. Ganze Universen.

Es beeinträchtigt zwar meine Stimmung nicht mehr sonderlich, aber die Was-Wäre-Wenn-Würmer sind nach wie vor aktiv. Die fressen und fressen und fressen; ich wundere mich manchmal, ob eigentlich noch etwas von meinem Kopfinneren übrig ist, durch das sie sich fressen können. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie sich einfach im Kreis entlang bewegen und von den Schwanzspitzen vor ihnen kriechender Artgenossen ernähren.

Neuland? Treibsand?

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Todesverwirrung. Todesverwirrung. Todesverwirrung.
Ich würde mich so gerne einfach mal selbst verstehen. Warum denke ich überhaupt darüber nach, warum macht mir das jetzt alles zu schaffen, wenn ich doch selber eingesehen habe und immer wieder sage, vorzugsweise zu Caro selbst, dass er so wenig versteht?

So schlimm ist es eigentlich gar nicht. Ich denke halt nur drüber nach. Meinen Tag selbst habe ich mit sinnvolleren Dingen verbracht, wie damit, meine Lippe und Zunge an einem kochend heißen Rührstab zu verbrennen. Sage mir mal einer, warum ich immer, wenn ich nicht geschlafen habe, idiotische Sachen mit heißem Zeug anstelle. Immerhin sind meine Karamell-Cupcakes sensationell geworden.

Außerdem habe ich geschlafen, von halb eins bis acht. Yay für mein Vampirdasein.
Nachher habe ich noch eine sehr angenehme Unterhaltung mit Serj geführt und ihm auf seinen Wunsch hin ein bisschen Musik gegeben – er möchte seinen Horizont erweitern und gerne ein bisschen was „Härteres“ hören. („Sag mal, du hörst ja schon eher so Rock, oder?“) Ich habe versucht, ihn mit meiner Auswahl erstmal nicht zu überfordern, und ihm Disturbed, Nirvana, Misfits, NOFX, Rise Against und Billy Talent gegeben, und Green Day wollte er auch haben. Da wurde mal wieder das Leben von jemandem auf noch ungeahnte Weise bereichert. Ich hoffe, irgendwann wird er die Bereicherung zu würdigen wissen.

Und jetzt, nachdem ich meinen Film zu ende geguckt habe (heute „Heartbreak Kid“, war ganz okay), bin ich eben wieder am Nachdenken, warum um alles in der Welt ich eigentlich noch nicht an bodenloser Dummheit gestorben bin. Eben weil Şahin gestern wohl wieder zu Caro gesagt hat, er würde durchaus gerne mit mir reden. Aber wir wissen alle, dass er es niemals tun wird, weil er davon ausgeht, ich könnte ihm eventuell Vorwürfe machen. („Abfreaken“ nennt er es laut Caro. „Wenn du nur mit mir reden willst, um auf mir rumzuhacken, lass lieber nicht reden“, nannte er es damals im Dezember 2011 in unserer Facebook-Korrespondenz vor dem letzten Telefonat.)

Dieses feige Schwein. Caro hat ihn wohl mit dem Ganzen so dermaßen zugelabert, dass er nie wieder etwas davon hören will, „weil es ja eh keinen Sinn hat“, und ohne das Thema anzusprechen, kann er mit mir auch schlecht Kontakt aufnehmen. Er wird es also nicht tun. Außer wenn er von Caro erfährt, dass er von mir nichts zu befürchten hat. Weil ich einfach so abartig dumm bin und nicht das Bedürfnis verspüre, ihm eine Szene zu machen. Eigentlich vor allem, weil eine Szene niemals dem, was ich durchgemacht habe, auch nur im Ansatz je gerecht werden könnte.
Aber das will ich ja gar nicht – dass er um das Risiko auch noch herumkommt. Das habe ich gestern wieder ganz glasklar gesagt. Das ist das Allerletzte, was ich will.

Aber allein die Möglichkeit.

Und oh, diese unverschämte, ahnungslose Sackratte. Sagt zu Caro, wir hätten ja eine „deepe“ musikalische Verbindung gehabt und am liebsten würde er mit mir eine Art musikalische Beziehung unterhalten, sozusagen (nicht mehr seine Worte) eine Art musikalischer Friends with Benefits, nur halt ohne Freundschaft. Bzw die Freundschaft von der Musik getrennt halten.

Dieser Abschaum von einer Bettwanze.
Was ich mir einfach nicht erklären kann, ist wieso ich diesen ganzen Komplikationen und jeder Vernunft zum Trotz so gerne hätte, dass er von alleine ankommt und mit mir redet. Mein Leben ist so wunderbar geregelt gerade, mir geht’s gut, ich habe es alles so wunderbar schon verarbeitet. Zumindest so, dass ich leben kann, ohne dass es mir wie ein Haufen riesiger Steine jeden Tag aufs Neue im Weg liegt. Das alles zu riskieren, um einen Kontakt zustandekommenzulassen, der zu nichts führen kann, zu rein gar nichts, außer wieder Chaos und reiner Idiotie, warum??

Das Schlimme ist, ich rede eine Minute mit ihm und alles ist egal, alles ist weg, was zwischendrin war. Ohne jeden Zweifel weiß ich das. Gawd, ich sollte niemals wieder mit ihm reden. Aber es ist so absurd, ich war doch so fest davon ausgegangen, es auch nie mehr zu tun. Mit keinem von den beiden. Ich war so felsenfest davon überzeugt. Vielleicht sollte ich mich einfach mit der Möglichkeit zufriedengeben – die schon so viel mehr ist, als ich jemals noch erwartet hätte. Und damit, dass er mich nicht hat ersetzen können, was ich nun explizit gesagt bekommen habe und was auch so viel mehr ist, als ich geschätzt hatte noch zu bekommen.

Vielleicht sollte ich auch lieber den ganzen Kontakt wieder abbrechen. Jetzt habe ich doch wirklich alles erlangt, was ich mir wünschen kann. Außer meinen geliebten Menschen wieder, aber der hat sich vor anderthalb Jahren in Rauch aufgelöst und wird in dieser Form auch niemals wieder existieren.

Aber oh, ich bin verwirrt.

Und ich bin trotzdem froh über die unzähligen Lektionen, die ich gelernt habe. Und es gibt noch so viele mehr zu lernen. Die Frage ist, ob ich mehr lerne, wenn ich mich länger auf diesem unwirklichen Gebiet bewege und es weiter versuche, oder ob Loslassen in dem Fall dazugehört.

Ich bin so überfordert.

An Awake Sleeper

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Jetzt ist sie weg, seit neun Uhr morgens schon, und eben gerade habe ich auf die Uhr geschaut und gedacht, hm, eigentlich müsste sie schon zu Hause sein. Und mein Facebook nochmal aufgemacht, was ich ein paar Sekunden vorher geschlossen hatte. Und siehe da, sie hat uns eine Nachricht geschrieben, dass sie heile angekommen ist und uns und unser kleines Zuhause schon ein bisschen vermisst. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte, und habe gewartet, bis Susmita zurückschrieb, wir würden sie auch vermissen und sie solle bitte zurückkommen.

Sie ist auch nicht sehr erfreut über die Veränderung in unserer Dream Team WG-Konstellation, wie man sich denken kann. Wir mögen uns zwar gegenseitig sehr gerne, würde ich behaupten, aber ohne Sarah ist unsere Dynamik einfach im Eimer und wir haben alleine nicht wirklich Zugang zu uns gegenseitig. Schwierig zu erklären, aber.. wir waren einfach noch nicht soweit. In einem halben Jahr vielleicht hätten wir das schon besser verkraftet, schätze ich.

Ich war den größten Teil meines Tages über bei mir im Zimmer und habe geschlafen, gelernt, mit meiner Mutter geredet, aufgeräumt, Unisachen sortiert, getoastetes Brot und Sarahs restliches Dal gegessen und generell nicht sehr viel erlebt. Susmita schreibt ihre erste Klausur am gleichen Tag wie ich meine letzte, also übermorgen, und ist dementsprechend seit Wochen schon auch überwiegend in ihrem Zimmer und recht gestresst. Wenn sie mal rauskommt, läuft sie herum mit leerem Blick und schlurfenden Schritten, wie ein Zombie.
Das haben wir gestern Abend in der Küche noch festgestellt. Sarah sagte, „you look like a zombie“. Susmita daraufhin: „I’m not a zombie. I’m sleepy.“ Ich sagte: „You are a kind of zombie. Except not a living dead, but a..“ Und Sarah: „An awake sleeper!“ Und ich, „Exactly! An awake sleeper!“

So kam ich mir auch vor heute, von dem Moment an, als ich aufgewacht bin – ein paar Sekunden bevor Sarah den Staubsauger anschmiss, um ihr Bettzeug in ihrer Spacebag vakuumzuverpacken. Ich hatte nicht auf dem Schirm gehabt, dass ich, um um acht Uhr früh halbwegs bei Verstand zu sein, vielleicht ein wenig früher hätte ins Bett gehen sollen, und bin eine Stunde lang mechanisch durch die Wohnung gelaufen, habe noch zu Ende packen geholfen, Sachen organisieren geholfen, Sachen zusammengesammelt, Sachen sortiert, Frühstück machen geholfen. Irgendwann kam der Hausmeister zur Inspektion des freigewordenen Zimmers, und ein paar Minuten nach dessen Ankunft auch Sarahs Eltern. Ich habe Susmita aus ihrem Zimmer geklopft. Nun waren wir Zombies schon zu zweit. Am Ende waren der Hausmeister und Sarahs Eltern nochmal weg, und wir saßen zu dritt herum wie ein paar der Todesstrafe entgegensehende Häftlinge.

Ach mein Zuhause, ach mein Zuhause.