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Winter’s coming (but I’m well-prepared).

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Basti, der Vollhorst, hat R gestern im betrunkenen Zustand eine riesige, gerettete Tafel Vollmilchschokolade gegeben. Nachdem ich ihn ein paar Tage zuvor hatte wissen lassen, dass ich Unmengen Schokolade containert und den Plan geschmiedet hatte, große Teile davon dem langjährig milchschokoladenentzogenen-da-veganen R zum Geburtstag zu schenken, und dementsprechend zugunsten der Wirkung meines Geschenks davon Abstand halten würde, ihm in den nächsten drei Wochen irgendetwas auch nur im Entferntesten Schokoladiges vorzusetzen, habe ich mich schwarzgeärgert wie nichts Gutes. R hat natürlich mitbekommen, dass ich mich geärgert habe, aber schrieb das wohl dem Umstand zu, dass er umgehend die gesamte Schokolade auf einmal vernichtet und mir nichts davon abgegeben hatte. Oh Basti, warum nur.

Er wird sich schon trotzdem noch freuen, aber… HRRRRRGH.

Mir geht’s schon wieder besser heute. Ich habe bis eins geschlafen und daraufhin erfreut festgestellt, dass mein Kopf wieder sein Normalgewicht erreicht hatte und durch alle in ihm befindlichen Atemwege auch tatsächlich Luft kam. Dafür hat es nun R erwischt, wenn auch nicht so arg, dass er es nicht geschafft hätte, plangemäß nach Jobs zu suchen (ich bin stolz) und sich anschließend mit bewundernswerter Tatkraft und ohrenkrebsverursachender Musik ans Verfassen eines Drehbuchs zu machen. Er habe eh den ganzen Kopf voller Ideen, sie müssten irgendwann mal raus und verschriftlicht werden. Das kann ich bestätigen; ich hoffe nur, er zieht es auch tatsächlich mal durch.

Und er hat versucht, mich zum BA-Arbeiten zu bewegen. Auch wenn ich es heute vermutlich, wenn überhaupt, erst hinbekomme, damit anzufangen, wenn er und Basti heute Abend auf Sitzung sind, könnte ich allein seines Versuches wegen die Welt umarmen. Es ist einfach so schön. Wenn du eine Vorstellung davon hättest, wie sich unser Umgang verändert hat, seitdem es mir wieder gut geht, seitdem meine Sicht sich geklärt hat. Ich habe den größten Erfolg in meiner lebenslangen Selbstvervesserungsarbeit erzielt, den ich je das Glück hatte zu erleben. Ich habe sogar dem Rank berichtet, dass es mir eine Zeit nicht gut ging – selbst dem gegenüber konnte ich mein echtes Innenleben besser herausholen als vor drei Monaten; ich hatte es eigentlich, seitdem ich die Medis von ihm verschrieben bekomme, bei keinem der Check-Up-Termine je geschafft, von irgendwelchen Rückschlägen oder Misserfolgen zu sprechen.

Oh, es gibt Hoffnung. Wenn ein einzelner Mensch so riesige Schritte machen kann, erkläre ich unsere Spezies offiziell für noch nicht ganz verloren.

Wie dunkel es ist. Pünktlich wie eh und je hat zur Ersti-Woche der Winter seinen wenig glorreichen Einzug gehalten. Ich sollte mich wirklich um meine Süßkartoffeln kümmern; während alles Andere mittlerweile sicher in Waltrauts Schöpfle verstaut ist und den kalten Monaten gelassen entgegensehen kann, stehen meine beiden frostempfindlichsten Zöglinge von allen immer noch draußen. Wenn Basti da ist, frage ich ihn, ob er mir hilft, die Wanne nach drinnen zu tragen, dann ist mein ganzer Garten winterfest.

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Eine Melone und ein Vorhaben

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Ich habe gestern meine erste selbstgemachte Melone geerntet. Darauf bin ich mindestens so stolz wie R auf die inzwischen um ein Vielfaches weiter ausgebauten Fähigkeiten seines Python-Altersrechners, welcher mir nunmehr auf den Tag genau erzählen kann, wie viel Zeit zwischen zwei Daten vergangen ist.

Ich sollte mich demnächst daran machen, meinen echten Charakter wiederzufinden und dem Menschen, der behauptet, mich zu lieben, gegenüber hervorzuholen. Ich kann nicht ewig aus einer vielleicht berechtigten, vielleicht absurden Befürchtung heraus, mich damit unbeliebt (oder ungeliebt) zu machen, verdrängen, dass mir dasselbe Recht auf Egomanie zusteht, von dem er so problemlos Gebrauch macht. Ich muss den Tatsachen ins Auge sehen. Es wird unglaublich heftig werden und sehr schwierig, diese 180-Grad-Wendung „smoothly“ zu vollziehen, aber ich bin mir ganz sicher, es zumindest versuchen zu müssen. Ich habe ihn anfangs gewarnt und mir – dessen ungeachtet – unendlich Mühe gegeben, dem Schreckensbild, das ich da gezeichnet habe, so wenig wie möglich zu entsprechen. Du willst emotionale Stabilität? Jemanden, der dich stützt, wenn dir alles über dem Kopf zusammenfällt, und dich mit all deinen Macken erträgt? Gerne – ich tue mein Bestes, aber ich hätte gern, dass du dasselbe tust. Ich werde nicht unendlich funktionieren, nur weil du jemanden brauchst, der funktioniert. Diesen katastrophalen Fehler hat meine Mutter gemacht und ich sehe zum Glück frühzeitig meine Tendenz, es ihr gleichzutun. Ich arbeite permanent dran, dass es besser wird, aber es geht mir zu langsam. Ich sollte es mit Kommunizieren versuchen. Eben nicht davon ausgehen, dass meine Bedürfnisse klar ersichtlich sind. Mich selbst durchscheinen lassen. Er kann sich immer noch entscheiden, ob er das, was da zum Vorschein kommt, dann haben will oder ob es ihm zu kompliziert wird.

Laberplage, Gefühls(ab)lage, Schmerzfreiheit.

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Revenge. Wie lange habe ich dieses Album nicht mehr gehört. Es ist so ewig her. Und natürlich kommt es mir trotzdem so vor, als wäre kein Tag vergangen.

R kam eben herein und berichtete überglücklich von seinen Fortschritten mit seinem Python-Altersrechner, den er heute angefangen hat zu erstellen, um sich das Programm und seine Bedienung nun, ein halbes Jahr nach dem dann ja doch eher abrupten Ende seines Studiums, wieder präsent zu machen. Da ich mit meiner Antipathie gegen alles Informatik Betreffende dafür mal so überhaupt keine Begeisterung aufbringe, habe ich mich mittlerweile in mein Zimmer verkrümelt, um Musik zu hören, nachdem ich den Tag mit Containern, Gemüseschnibbeln, Kochen und Bastis Wäsche verbracht habe. Zwischendurch habe ich mir natürlich Zeit für ein-zwei ausführliche Rundgänge durch den Garten genommen, wo meine Melonen mittlerweile in Scharen reifen und bald wieder neue Tomaten nachkommen, die Süßkartoffeln fröhlich vor sich hinwuchern und die kleinen Blüten der Paprikapflanzen den Anschein machen, als wollten sie sich tatsächlich dieses Jahr doch noch irgendwann öffnen. Mein Basilikum wertet inzwischen jede x-te Mahlzeit auf, und Waltrauts ehemalige Herrschaft über das kleine Stückchen Land zeigt ihre Spuren in einem vor Birnen bald überlasteten Baum und einer Laube voller Trauben.

Ja. Statt im Büro zu verzweifeln, habe ich also diesen Tag damit zugebracht, Essen zu prozessieren und meinen Fortbestand für die nächsten paar Monate zu sichern. Ich war damit ziemlich alleine, da sich R bereits während meines Frühstückmachens kommentarlos in seine eigenen Computer-Machenschaften abkapselte und, abgesehen von einem derart dreisten Kommentar, dass es mir bald die Sprache verschlagen hätte (Kontext: Ich, wie immer überempfindlich, verletzt, da mich ignoriert fühlend, fange an, herumzuwuseln und mich mit mir selbst und Vor-mich-Hingesinge bei Laune zu halten; er, vertieft in sein Doku-Video einer Nazi-Aktion, weist mich zurecht, er würde „hier gern ein bisschen was hören“ wollen, was ihm eine kurz vorm Heulen gelagerte Standpauke meinerseits einbrachte, die er bedrückt zur Kenntnis nahm und ihn zu einer ehrlichen Entschuldigung veranlasste, nicht aber dazu, sich von seinem Computer abzuwenden), auch so schnell keine Anstalten machte, daraus wieder hervorzukommen. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich vermutlich den ganzen Tag darauf gelauert, er könne vielleicht doch irgendwann noch anfnagen, mir mit meiner Arbeit behilflich zu sein, zumindest nachdem der wenigstens augenscheinlich wichtige Teil seines Treibens abgehandelt war und bevor er sich dazu entschloss, sich Python wieder beizubringen.

Oh well. So ist das. Ich bin dann halt auch nicht in der Lage, ihn irgendwie darauf aufmerksam zu machen, dass ich Hilfe gebrauchen könnte. Victim-Blaming-Alarm, badakit, aber mehr als subtile, freundliche Bemerkungen bringe ich beim besten Willen nicht zustande. Ich bin einer von den unfassbar nervigen Menschen, die immer verlangen, dass ihre Vertrauten sie verstehen, ohne dass Worte dafür fallen müssen. Mama würde sagen, „du denkst immer, wir sind alles Hellseher.“ Aber das findet sich bei mir an vielen Stellen; ein Großteil von dem, was mir über den Tag hinweg an verbalen Äußerungen begegnet, erscheint mir überflüssig. Talkshows: überflüssig. Labernde Politiker: überflüssig. Ohne Inhalt ist alles überflüssig. Mich selber vermutlich, nein, definitiv eingeschlossen. Ich: überflüssig. Ich sehe meine neue, mit Schafen und Pfeilen bedruckte Frühstückstasse schon vor mir, in der mir R meinen Kaffee ins Zimmer bringt. Sie sagen so vieles, was einfach schon so unfassbar klar ist. Wozu das Ganze dann nochmal sagen, nochmal und nochmal, und am besten, weil’s so schön war, gleich nochmal?

Abschließend möchte ich berichten, dass es meinem entwurzelten Zahn nunmehr wieder gut geht. Das war nicht immer der Fall; gestern habe ich die entsetzlichsten körperlichen Schmerzen meines bewussten Daseins erfahren und, wie seit Anbeginn meiner Erinnerung nicht ein Mal, das Bedürfnis erlebt, vor Schmerzen zu weinen. Habe es dann verständlicherweise mit Schockzustand übertüncht und auf dem Nachhauseweg von der Zahnarztpraxis nachträglich ausgelebt. Der Zahn, welcher theoretisch keinen Mucks mehr hätte von sich geben sollen, hat mich bis zum Abend so hartnäckig geplagt, dass ich mein eigenes köstliches Curry nicht essen konnte und frustriert wie nichts Gutes Caro und Janine bei Skype über diesen Umstand die Ohren zujammerte. Umso erstaunlicher daher die Wendung, die sich in der Nacht vollzogen haben muss: als ich aufwachte, war jeglicher Schmerz verschwunden. Gesegnet sei das Leben ohne Horrorqualen. Das heißt dann hoffentlich, dass sie den Zahn am Donnerstag endgültig fertig machen wird und („hoffentlich“ Ende) ich mich auf eine Rechnung freuen kann, die das Ausmaß meiner Schmerzen wohl in ihrer Scheußlichkeit nur geringfügig unterbietet.

Ade, liebe Welt. Morgen bin ich wieder arbeiten und werde also vermutlich wieder ein bisschen Zeit haben, diesem Blögchen etwas mehr an Gelaber zuzuführen.

Zustandsquerschnitt.

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So. Jetzt lerne ich weiter. Wie erwartet wurden Elli und ich heute mit ihrer GFS fertig.

Ich mache mir ein Konto bei der GLS auf und nehme mein Geld von der Commerzbank runter, deren zweiter Rang unter atomwaffenproduzentenunterstützenden deutschen Banken mir und meinem Gewissen doch etwas zu schaffen macht, aber erst nachdem ich geschlafen habe.

Die Küche ist sauber. Danke, Putzplan, immer wieder. Für den würde ich mein Leben aufs Spiel setzen, glaube ich. Ich bin im Schnelldurchlauf, aber nichtsdestotrotz effektiv durch den Dreck gewirbelt vorhin, habe es alles in einer Dreiviertelstunde geschafft und dazu jetzt ein blütenreines Gewissen.

Es ist gerade so wunderbar, wo R wieder hier ist. Ich kann immer noch so Vieles besser machen und Neues dazulernen. Meine Arbeit an mir selbst läuft auf Hochtouren. Mein Verstehen von Dingen. Ich lerne so gern.

Außer, natürlich, selbstredend, wenn es um Neurolinguistik geht. Während ich die elektrophysiologischen Methoden EEG und MEG gestern schon recht gründlich abgehandelt habe, warten leider noch zahllose weitere Grausamkeiten auf mich, die ich bis Dienstag versuchen muss zu verinnerlichen. Es wird nicht funktionieren. Tragisch eigentlich, dass die letzte Klausur meiner BA-Studienzeit meine erste Nachschreibeklausur sein wird.

Ich habe um die 25 Paprika-Keimlinge und 5 (Edit: Nein, 15!) Töpfe Basilikum, und an den Tomatenpflanzen von Mama entwickeln sich bereits zwei Früchte. Und sie duften so köstlich, diese Tomatenpflanzen. Fuck, ich habe vergessen, sie zu gießen. Soll ich jetzt nochmal aus dem Zimmer gehen und riskieren, dass R mir aus der Küche eine sarkastische Bemerkung hinterherwirft, weil ich immer noch nicht am Lernen bin? Oder einfach drauf hoffen, dass sie tief genug wurzeln, um selbst bei der sengenden Hitze einen Tag ohne frisches Wasser schadenfrei zu überstehen? Zweiteres; ich entscheide mich für Zweiteres.

Und jetzt genug geredet; ich gehe lernen.

Heftig.

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Habe mit Neuro angefangen. Habe meinem Körper zu viel Koffeein zugeführt. Bin Basti unendlich dankbar für seine Bereitschaft, mir beim Lernen zuzuhören. Werde Klausur so oder so failen, aber fühle mich jetzt schon besser, rein gewissenstechnisch.

Nachher wieder Elli um zwei Uhr. Werde um vier ihre gesamte GFS in vier Tagen geschrieben haben, inklusive Handout. Ich kann dir alles über Hermann Hesse und sein „Unterm Rad“ erzählen, das du nur wissen möchtest. Vermutlich sogar um einiges mehr.

Der Fluss hat die unglaublichste Farbe diese Woche. Diese in etwa. Unbeschreiblich. Ein ganzer Riesenfluss in dieser unfassbaren Farbe, satt und exotisch. Wenn man über die Fahrradbrücke fährt, riecht es nach Urlaub. Ich fühle mich jedes Mal aufs Neue überwältigt während der paar Sekunden.

Mein Basilikum ist vollständig pikiert; ich habe den Rest gestern Abend erledigt. Dann bin ich lernen gegangen. Nicht bevor ich eine Stunde lang sinnloserweise ein Webinar über neurolinguistisches Programmieren angehört hatte, sollte dazugesagt werden. Aber ich habe angefangen.

Es war wunderbar, vorgestern mit R und Basti Lasagne zu machen und diese anschließend mit seinem neuen Mitbewohner zu essen. Er ist Russe und hat uns beigebracht, wie man Vodka trinkt. (Einatmen, exen, ausatmen, an saurer Gurke riechen. Spread the word; es funktioniert.)

Kaffeeloch. Hektisch und kaputt zugleich. Aber keine Panik, immerhin.

Too many plan(t)s, too little time.

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So. In zwei Stunden bin ich auf dem Weg in die Uni. Heute gehe ich zum Neuro-Tutorium; ich schaff‘ das, ich mache es wirklich. Jawoll.

R ist in seiner Wohnung und redet mit seinem Kollegen aus der Flüchtlingshilfe, nachdem er letzten Freitag keinen Nerv auf TeKo hatte. Wir hatten Donnerstag Abend gegrillt und es wurde etwas später (wunderbarer Abend, auch wenn von meinen Eingeladenen außer Rini niemand auftauchte – das hat vollkommen gereicht; mit ihr und Basti zusammen hatte ich eine wundervolle Zeit und es hätte noch besser gar nicht werden können).

Ich freue mich auf Freitag, da macht R Lasagne bei sich zu Hause und ich lerne tatsächlich mal die Wohnung kennen. Dann gehe ich einfach nachmittags schon hin und gewöhne mich ein bisschen ein. Eigentlich sollte ich jede Minute mit Neuro verbringen. Aber vorhin wurde ich auch noch von einer Foodsharingbekannten zu ihrem Geburtstag am Wochenende eingeladen und ich muss hin; Manu ist so eine unglaublich Liebe. Plus, sie war auf meiner und Trudis Einweihungsfeier und hat mein Olivenbrot in den allerhöchsten Tönen gelobt. Noch Wochen später! Ich fühle mich ihr verpflichtet.

Das Wetter ist umwerfend. Im wahrsten Sinne. Wenn das meinen Tomaten und den kleinen Melonenpflanzen mal nicht gefällt. Basilikum pikiert habe ich auch gestern Abend. Es ist noch so viel mehr zum Pikieren da, aber mir gehen die Töpfe aus. Ich freue mich so arg auf das ganze Basilikum. Und die Melonen. Wie gespannt ich einfach bin, ob irgendeine der Pflänzchen es schafft, dieses Jahr noch eine Frucht zu produzieren. Und dann sind hier die ganzen Paprikakeimlinge, der Ingwer, die Süßkartoffel und der Senf. Und die random Sprosse, bei der ich nicht weiß, was rauskommt.

Nach der Uni muss ich zu Elli. Nach Elli muss ich zur Wegwarte. Und nach der Wegwarte gehe ich Billard spielen, weil R es nunmal so sehr liebt und ich das Gefühl habe, ihm auch mal wieder in irgendwas entgegenkommen zu müssen. Also wird Geld ausgegeben und Bier getrunken und Billard gespielt. Vielleicht kommen ja Trudi und Basti mit, das wär‘ doch schön. Ich frag sie gleich mal.

Edit: Wie’s aussieht, hab‘ ich zumindest bis 22 Uhr Zeit, mein Gewissen zufriedenzustellen und ein bisschen was zu lernen; R rief grad an und verkündete seine heutige Teilnahme an so einer Flüchtlingsdingsveranstaltung, bei der er was verteilen wird (dass er Flyerverteilungsspezialist ist, ist ja schon ohne Schwierigkeiten von der Tatsache abzuleiten, dass wir uns kennenlernten, indem er mir einen davon in die Hand drückte. Gegen TTIP, man erinnere sich), sodass ich jetzt froh bin, dass Basti morgen Spätschicht hat, sonst hätte er bestimmt keine Lust mehr gehabt mitzukommen um die Uhrzeit.

Tee in der Matrix

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Ich bin gerade zu der erhebenden Einsicht gekommen, dass einige Schritte weg vom geldverbundenen Konsum mit einem hochgradig geringen Aufwand zu erreichen sind, so gering, wie es nicht einmal mir je bewusst war. Ich bin dahintergekommen, dass uns allein das Wort „Verzicht“ die riesigsten Steine in den Weg legt, und dass dieses Wort eine Lüge ist und bei uns im Hirn so felsenfest manifestiert, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis wir das üble Konstrukt aktiv abgebaut haben. Dass die Gesellschaft mit absurden Standards lebt, und dass so oft hinter dem „ja, aber ich müsste auf so Vieles verzichten“ eigentlich steckt, „ich würde mir so Vieles nicht mehr zuführen, was mir schadet“.

Das sind jetzt wirre Worte, das ist mir bewusst; das ist kein fertig ausformulierter Gedanke, sondern einfach das schnelle Dokumentieren meiner (späten) Erkenntnis dessen, was sich die Menschen heutzutage vorleben. Manchmal habe ich so lichte Momente, in denen mir auf einmal klar wird, wie allumfassend auf der einen und zerbrechlich auf der anderen Seite das Gespinst eigentlich ist, in dem wir alle leben. Es ist eine Matrix. Wir sind die Matrix. Es erfordert nur einen einzigen Klick, ein Umschalten der Gedanken, um sich das vor Augen zu führen.

Es kam eigentlich dadurch, dass ich im Garten war und wieder darüber nachdachte, den Salbei und die Zitronenmelisse vor dem Winter zurückzuschneiden. Darüber kam ich dann auf unsere Teevorräte und darauf, dass ich mir eigentlich mit den Kräutern aus unserem Garten genug Tee für den Rest meines Lebens machen könnte. Dann dachte ich, naja, aber dann hätte man eben nur noch Kräutertee im Haus. Und dann dachte ich, aber was gibt es auch Gesünderes. Selbstgemachter Tee und nix industriell Gefertigtes. Und meine getrockneten Apfel-Grapefruit-Stückchen habe ich ja auch noch.

Also, liebe Welt, höre meine Verkündung: Ich kauf‘ mir nie wieder Tee, solange ich meine Kräuter habe.

Viertel vor zwei.

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Es ist doch zu absurd, um wahr zu sein. Ich bekomme so selten Nachrichten auf dem Ding hier, dass ich immer noch jedes Mal, wenn es dann doch mal passiert, kurz geschockt bin. „Ukumensch. Nee, Quatsch, als wenn.“, so geht das eine Tausendstel einer Sekunde immer vor sich. Das menschliche Hirn ist doch wirklich nicht das unmerkwürdigste aller Organe.

Die neue Monatsetappe geht heute los – ich werde wieder arbeiten. Viel. Noch bis zum Semesteranfang werde ich viel arbeiten, dann werden die Prioritäten wieder verschoben. Falls ich es jemals schaffe, mir einen Stundenplan zusammenzustellen. Es ist kaum ein Kurs dabei diesmal, den ich sowohl brauche als auch gerne belegen würde.

Gestern war ein unwahrscheinlicher Wunderbare-Laune-Tag – sonnig und schön. Unsere Wohnung nähert sich immer mehr dem Zustand des vollständigen Bezogenseins, mit Internet und allem. Ich hab‘ im Garten gearbeitet und Waltraut, der Überfrau, beim Rasenmähen im Vorgarten geholfen. Meine Tomaten blühen – ich habe sie zwar im August erst richtig eingepflanzt, aber vielleicht gewinnen sie ja doch noch den Wettlauf mit der Zeit. Die Mystery Plant daneben blüht auch. Ich habe immer noch keinen Schimmer, ob es eine Gurke, Zucchini oder Melone ist – oder vielleicht doch ein Kürbis. Vielleicht erlebe ich noch die Revelation, bevor der Winter hereinbricht. Schön wär’s zumindest.

Jetzt schlafe ich. So müde, wie ich schon wieder bin, hätte ich das vor zwei Stunden schon tun sollen.