Schlagwort-Archive: Gegenwart

Atzo da bihar

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So schnell kann es also Sommer werden. Gleich ein völlig anderes Lebensgefühl, die Terrassentür offen lassen zu können und auf die frisch bepflanzten Kübel draußen zu blicken, in denen sich Tomaten und Paprika, Salat und Chilis, Rucola und Wunderblumen dem Licht entgegenstrecken.

Dass R diese Woche Urlaub hat, ruft auch bei mir ein Urlaubsgefühl hervor, auch wenn ich gestern Abend wieder einen Auftrag angenommen habe, mit dem ich gleich beginne. Wir sind mehr als glücklich, von unserem Osterausflug zu seiner Familie zurück zu sein, und genießen unsere wiedererlangte Freiheit und Selbstbestimmung in vollen Zügen. Er, indem er zockt und lernt; ich, indem ich pflanze und lese. Wir zusammen, indem wir ausschlafen und gemütlich frühstücken, Carcassonne spielen, Filme schauen und wunderbares Essen kochen.

Ich freue mich schon jetzt auf den Moment, in dem er nicht mehr arbeiten muss und wir dieses Leben für immer haben können. Denn während ich bestrebt bin, oder vielmehr beim besten Willen nicht anders kann, als aus der Gegenwart das Meiste für mich herauszuholen und den Zwängen nur den nötigsten Raum zu geben, hat er erst Ruhe, wenn ihm seine Zukunft solide erscheint. Eigentlich ähneln wir uns da stark. Nur dass unsere Coping strategies gegenteilig ausfallen. Ich verdränge und beraube mich dadurch vermutlich einer sicheren Zukunft. Er nimmt sich – uns – mit seinem obsessiven Hinarbeiten auf zukünftige Sicherheit die Gegenwart weg.

Auf dem kurzen Spaziergang zum Altglascontainer und zurück überraschte mich der Gedanke, dass es mir vielleicht wirklich lieb wäre, wenn wir heiraten würden, nicht in der Erwartung eines festzementierten ‚Für immer‘, sondern um dem Warten auf diese ferne Zukunft eine konkretere Berechtigung zu geben, einfach mal festzuhalten, dass seine wenig geschätzte, viel auf Zukünftiges ausgerichtete Gegenwart auch mir nicht grundlos ungenutzt durch die Finger rinnt. Ich bin mir dessen sicher und er ist es auch, warum dem Ganzen nicht einen Namen geben.

Dachte ich mir gestern, aber es war nur ein Anflug; heute verstehe ich schon wieder kaum, wozu das Heiraten gut sein soll; als könnte man die Zukunft mit Papier und Tinte in Stein meißeln. Und andersherum: unser gegenseitiges Vertrauen ist so grundsolide, dass jeder Vertrag, jede Unterschrift dagegen lächerlich und wertlos wäre.

Aber genug von Gegenwart und Zukunft. Ich habe einen Auftrag zu erledigen.

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Gedankenlos

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Nur nicht denken, dann ist alles gut. Zumindest kann man dann besser so tun.

Advent, Advent; kein Lichtlein brennt.

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Ich geb’s auf – während ich mich in den letzten Jahren immer noch zumindest bemüht habe, irgendwie Traditionen aufrechtzuerhalten, ist es dieses Mal dann whl ganz und gar vorbei mit der Weihnachtlichkeit. (Oh, das klemmende O macht mich kirre.)

Wobei ich mich schon gleich noch aufraffen und einen behelfsmäßigen Adventskranz zusammenzimmern könnte, einfach indem ich vier von diesen weißen Glitzerkugelkerzen auf diesen gold-kupferfarbenen Teller mit mond- und sternförmigen Ausstichen am Rand draufsetze, den ich neulich auf dem Rückweg vom Containern vor einem Geschäft aus dem Papier- und Sperrmüll gesammelt habe. Und die ein oder andere Deko sollte in meiner kleinen Kiste im Keller noch aufzutreiben sein, wozu habe ich sie sonst überhaupt. Und backen könnte man, ich habe doch extra schon eine Packung Eiweiß hochgeholt.

Jap, ich glaube, ich bin wieder motiviert. Den ganzen Tag habe ich nur geschlafen, dann rumgehangen und meine Vergangenheit durchgelesen wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr – Ende 2014 war der Zeitraum meiner Wahl und das emotionale Chaos dieser Zeit hat sich ansteckend auf meinen Jetzt-Zustand ausgewirkt. Überhaupt war ich von vornherein sehr merkwürdig emotional aufgeladen heute. Deshalb habe ich ja überhaupt damit angefangen. R saß daneben und schaute Formel 1, während ich völlig in meiner Zeitreise versunken dahing. Weird, denke ich da mal wieder, wie zwei Leute direkt nebeneinander in vollkommen verschiedenen Welten sitzen können.

Jetzt aber bin ich durch mit dem Jahr, R hat mir und sich selbst ein Bier aufgemacht und sich ins rosa Zimmer verkrochen, um dort weiterzunerden (Informatik, nicht mehr Motorsport), und ich habe Zeit, mich wieder in meiner Gegenwart ein- und zurechtzufinden. Und besser ist das; ich kann mir nichtmal mehr vorstellen, wie ich dieses Chaos damals überstanden habe. Dagegen ist alles, womit ich gerade zu kämpfen habe, so bedrohlich wie eine durchschnittlich große Quietscheente.

Ich habe außerdem ein Erfolgserlebnis zu verzeichnen. Nämlich habe ich mich gestern mit dem ersten der 18 abzuarbeitenden „Studienbriefe“ befasst, daraufhin den Selbsttest durchgeführt, dort die volle Punktzahl eingestrichen und mich gefragt, ob das jetzt so weitergeht – Peggle zockend dasitzen und nebenher das Zeug durchlesen, dann alles beantworten können und am Ende die Prüfung zu machen. Vielleicht wird es das ja. Leicht verdiente Zusatzqualifikation.

R hat sein Handy hier auf der Couch liegenlassen. Gute Gelegenheit zum Aufstehen, Wäscherunterbringen, Dekohochholen, Adventskranzanfertigen. Ich mache mich auf und tue genau dies. Zumindest ist das der Plan.