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Saving(s) – auf ein Neues

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Soeben kam ich aus der Stadt zurück, wo ich mich mit Marthe in einem zentral gelegenen Café zum Unterricht getroffen habe. Ihre Wohnung ist gerade belegt, aber sie wollte – was ich sehr löblich finde – nicht schon wieder einen Termin ausfallen lassen. Letztendlich saßen wir statt der üblichen Stunde anderthalb da, ich bekam die halbe Überstunde und meinen Kaffee bezahlt und wurde im Allgemeinen reichlich dafür kompensiert, dass ich auf dem Hinweg von Regenfällen überschüttet wurde. Oh, wenn mein Berufsleben doch nur aus Sophis, Ulrikes und Marthes bestünde. Ich könnte mir kein besseres Leben vorstellen.

Der Unterricht mit Marthe führte auch zu dem glücklichen Umstand, dass meine neulich bis auf den letzten Schein geplünderte Bargeldkasse wieder Geld enthält. Ich hatte beim letzten Schweizbesuch alles, was sich über Jahre dort angesammelt hatte, meinem Vater übergeben, damit er für mich Aktien kauft. Mein Vater kann sowas. Seitdem war ich cashmäßig pleite. Das war ein komisches Gefühl und ich bin froh, dass es vorbei ist – ich besitze nunmehr Bargeldersparnisse von 25 Euro und in meinem Portemonnaie befinden sich 4,48. (Nur falls jemand auf die Idee kommt, mich auszurauben – es lohnt sich zur Zeit ziemlich eindeutig nicht.)

R geht heute Abend nochmals mit Daniel trinken. Scheint, als täte die Tatsache, dass Daniel ihn nicht mehr mag, ihrem gemeinsamen Weggehen keinen Abbruch. Vielleicht wird das ja auch wieder. Trotzdem werde ich es nie verstehen, wie man in der Auswahl seiner Kontaktpersonen so anspruchslos sein kann, dass man jemanden zwar (und sei es nur temporär) nicht ausstehen kann, aber trotzdem mit ihm saufen geht. Oh well. Sollen sie mal.

Und nun zum chlorophylligen Teil:

26 – 30

(Ich verzweifle an den verschiedenen Salatsorten und habe ehrlich gesagt nicht die leiseste Spur einer Ahnung von Salat, daher mache ich es mir lieber einfach, statt am Ende eh alles falsch zu bestimmen. Hilfe von außen ist immer willkommen.)

Gartensalat – Sorte 2 (Lactuca sativa – Asteraceae)
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Gartensalat – Sorte 3 (Lactuca sativa – Asteraceae)
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Gartensalat – Sorte 4 (Lactuca sativa – Asteraceae)
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Schnittlauch (Allium schoenoprasum – Amaryllidaceae)
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Berg-Flockenblume (Centaurea montana – Asteraceae)
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Eichhörnchennahrung

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Juhu, ich fühle mich gut. Ich habe mir soeben meine ersten 60 Dollar von Unbabel auszahlen lassen, und das macht mich glücklich. Unbabel ist ein internetbasierter Postediting-Dienst, den ich seit ein paar Wochen dazu nutze, mich zu Hause beim Nichtstun weniger ertraglos zu fühlen. Jetzt kann ich auf der Couch sitzen, nichts tun und dabei postediten. Wenn ich das ein paar Stunden am Tag mache, kommt zwar nicht die Welt zusammen, aber ich bekomme lieber 20 Dollar am Tag als gar nichts. Leider sind nicht immer Aufgaben verfügbar, sonst würde ich vermutlich den ganzen Tag davorsitzen.

Aber yay, 60 Dollar. Es sind auch nur 60, weil das die Höchstsumme war, die man sich auszahlen lassen konnte. 80 hatte ich insgesamt, und jetzt sind es schon wieder drei Dollar mehr. Das geht schnell. Ich bin bei 15 die Stunde, 18 können es maximal werden, anfangen tut man bei 8. Das hilft dabei, zumindest der Tatsache ins Auge sehen zu können, dass ich nächste Woche Sophi los bin, diese dann hoffentlich ihr Abi hat und ich mir neue Schüler suchen darf. Warum nur muss ich gerade mit Abiturienten so gerne arbeiten, das wirkt der Dauerhaftigkeit meiner Kundenbindung halt leider latent entgegen.

R sitzt draußen mit Daniel. Ich würde gerne weiter unbabeln, aber die Aufgaben sind mir ausgegangen. Vielleicht gibt es schon neue.

Motorisierung

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Erfolgreichen Abend gehabt. Ich bin in der Schweiz, habe auf der Vernissage des Aquarellkurses meiner Mutter Musik gemacht, 200 Franken plus 20€ Tips verdient und unentwegt von einem unfassbar aufmerksamen Menschen Rotwein nachgeschenkt bekommen, während ich da vor mich hinklimperte. Es war großartig.

Wenn ich morgen nach Hause fahre, werde ich mich so schnell wie möglich darum kümmern, dass ich mein Fahrrad motorisiert bekomme: Billiger als ein Auto, aber für meine Zwecke trotzdem erstmal ausreichend. Meine Großeltern riefen heute bei meiner Mutter an und überfielen mich, als sie erfuhren, dass ich mich gerade hier aufhalte, aus dem Nichts mit den innigen Wunsch, mir „außer der Reihe“ etwas Gutes zu tun. Ich war überfordert und stimmte einfach zu, sie meinen Motor übernehmen zu lassen. Ich bin dankbar. Und etwas beschwipst. Gute Nacht.

Dönerwetter.

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Okay, ich bin tatsächlich ziemlich erleichtert, dass Laura meine Paranoia, sie könnte sich mit R derart gut verstehen, dass eine Art Caro-Aspi-Sackratten-Drama daraus hätte entstehen können, endgültig und überzeugend zerschlagen hat. Wenn man von dieser Seite draufschaut, ist die Aussicht nämlich tatsächlich nicht sonderlich verlockend. Aber das ist sie im Grunde ja definitiv von keiner Seite.

Abgesehen davon: Meine Festplatte hat nach einer selbstverschuldeten unsanften Landung auf dem Parkettboden meiner Eltern den Geist aufgegeben, ich habe somit alles an darauf befindlichen Daten verloren und mich juckt’s noch kaum, muss der Schock sein und die Tatsache, dass ich genug Anderes um die Ohren habe (die gute Trudi lässt nichts mehr von sich hören, hat somit meine letzte versuchte Rettungsaktion in Form einer vorgefertigten Kündigung plus dem Vorschlag, ihr ihre Möbel gegen den Erlass aller Schulden bei mir abzunehmen nicht in Anspruch genommen und wird zeitnah – not unlike the previously mentioned landing of my late hard drive – unsanft aus ihrer ehemaligen Wohnung fliegen, alles, weil sie zu feige ist, sich den Konsequenzen ihres ekelhaften Verhaltens zu stellen, und sich dabei nochmal um einiges ekelhafter verhält, als ich es je für möglich gehalten hätte).

Da war es eine ziemlich glückliche Fügung, dass meine Eltern sich ob meines erfolgreich abgeschlossenen Studiums fast unverhältnismäßig großzügig gezeigt und mir eine solche Unsumme an Zahlungsmittel haben zukommen lassen, dass ich nicht nur meinen kompletten Urlaub wieder drinhabe, sondern dazu noch das verbleibende Geld für eine neue Festplatte ausgeben kann. Glück muss man haben. Fast schon schade, dass meine (Ex-)Mitbewohnerin sich als über alle Maßen erbärmliche Ausgeburt exorbitanter Feigheit erwiesen hat, sonst hätte man sich beinahe überlegen können, ihr mit diesem unerwarteten Geschenk ein bisschen unter die Arme zu greifen.

Hm. Hoffentlich habe ich Strom, bis mich Becci am 13. besuchen kommt. Das wäre ungünstig sonst. Aber es muss sich jetzt ja eigentlich innerhalb von ein paar Tagen klären, anders überleben wir das auch alle nicht mehr. Allein vom Nervenkostüm her nicht. Mir ist inzwischen ein Magengeschwür gewachsen, ich bin mir ziemlich sicher.

Oh well. Erstmal warten, bis R mit seiner TeKo fertig ist, und dann mit dem bereits kaltgestellten Sektchen ein wenig die schönen Nachrichten der bald vergangenen Woche feiern. Ich bin ein fertig studierter Mensch, das muss man auch erstmal schaffen.

Kapital fürs Geldlos-Leben (oder: So schonmal nicht.)

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Ich war gerade dabei, mit mir selbst zu reden. Also, eigentlich war ich dabei, mir eine Unterlage aus der Schublade zu holen, auf die ich die Lernzettel-to-be für Neurolinguistik legen kann, aber dabei redete ich mit mir selbst und es äußerte sich spontan ein erschreckender Gedanke zum Nach-Hinten-Verschieben meiner Selbstversorgerpläne und der Recherche, die ich dafür betreiben muss. (Das Beratungsgespräch mit meinen Eltern am Wochenende war unerwartet konstruktiv und angenehm distanziert und führte uns zu der Einsicht, dass wir Idioten sind, wenn wir annehmen, es innerhalb von fünf Jahren so weit zu bringen, dass wir unser Projekt finanzieren können.)

„Umso mehr Zeit habe ich. Ich muss nur trotzdem jetzt anfangen, jetzt anfangen, jetzt anfangen, jetzt anfangen. Ich kann nicht mehr einfach die ganze Zeit nichts tun. Momentan bin ich von Beruf Tochter.“

Das ist ja nun wirklich widerlich. Meine Mutter würde dazu jetzt wieder sagen, das wäre meiner momentanen Lebensphase auch vollkommen angemessen. Ich bin allerdings der Meinung, dass, wenn ich schon Geld scheffeln muss, um am Ende meine Vision zu realisieren, ich genausogut schonmal damit anfangen kann. Ich werde also mehr arbeiten. Mindestens die 450€ im Monat bei Travelcoup ausschöpfen, allermindestens. R informierte mich neulich, dass ich zweimal im Jahr sogar auf das Doppelte kommen darf, das war mir zum Beispiel überhaupt nicht bekannt.

Meine Ausbildung muss ich dann jetzt auch zum ersten Mal im Leben danach ausrichten, dass sie mich für einen Beruf qualifiziert, der mir Geld einbringt. Literarische Übersetzerin sollte ich demnach zu werden nicht anstreben, wenn ich mein Grundstück noch in diesem Leben erwerben möchte.

Schrieb’s und driftete erstmal eine halbe Stunde in die Tiefen des Internets ab, um sich über so abschreckende Dinge wie Translatologie in Leipzig oder Fachübersetzen und mehrsprachige Kommunikation in Würzburg zu informieren. Es ist doch zu absurd, was sich da schon wieder für eine Fülle an Möglichkeiten auftut. Aber mir gefällt schon wieder beides. Leipzig wegen der Stadt – ich war bisher genau ein Mal da, für eine halbe Stunde in etwa, aber es hat einen wunderbaren Eindruck auf mich gemacht. R wäre begeistert und würde mir vermutlich den Hals umdrehen, aber was kann ich dafür, dass seine Eltern einen Steinwurf weit von Leipzig weg wohnen und er am liebsten seine sächsische Herkunft für immer verdrängen würde. Und in Würzburg lernt man nicht nur eine dritte Fremdsprache während des Masterstudiums, sondern hat zusätzlich Seminare zur Fremdsprachendidaktik, was meinen Neigungen sehr entgegenkommt.

Eieieieiei, was für ein furchtbares Dasein. Da werde ich auch nicht wirklich das Monstervermögen anhäufen, da kann ich mir die Seele aus dem Leib übersetzen und werde trotzdem nicht genug verdienen. Verdammt, ich bin einfach nicht der richtige Mensch zum Geldanhäufen. Wenn erstmal welches reinkäme, hätte ich kein Problem mehr. (Wenn ich nur alles so gut könnte wie sparen.) Aber das ist es nicht, ich bekomme erst gar keins. Scheiße, wieso braucht man denn aber auch so verdammt viel Geld, um am Ende geldlos zu leben.

Was ist denn überhaupt los?

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(Hallo, Monia. Und hallo Caro, es tut mir leid, ich hab‘ ein klein bisschen geschwindelt vorhin, aber hätte ich dir gesagt, dass es mir grottig geht, hätte das unschöne Konsequenzen für deinen Abend gehabt, und das war ja nun wirklich nicht Sinn und Zweck der Sache.)

Nichts ist los. Txarrak berri, die schlechten Neuigkeiten. (As opposed to „zaharrak berri“, den alten Neuigkeiten, „das Übliche“, wie die Antwort eigentlich lauten sollte. Lisa hat damals mit ihrem Versprecher wieder einmal ein herrliches geflügeltes Wort geprägt.)

Ist aber tatsächlich so. Nichts los, alles los, sie hat depressive Attacken seit Tagen und dreht irgendwie am Rad, ein kleines idealistisches Ding, das dachte, es hätte einfach auch endlich mal ein Ziel im Leben, seine ganze Hoffnung in Utopien setzt und sich am Ende wundert, dass sein Umfeld seine Visionen nicht teilt. Meine Mutter hat es an sich, Bedenken jeglicher Art durch Angriffe gegen genau die Person zu äußern, um die sie sich eigentlich sorgt. Eine in höchstem Maße tödliche Angewohnheit, die ich leider Gowais übernommen habe und aber trotzdem nicht auch nur ansatzweise aushalte, wenn man sie bei mir anwendet. Und sie ist jemand, der sich viel und ausgiebig sorgt. Gestern Nachmittag hatte sie mich so weit, dass ich ihr nach etlichen abgewürgten Telefonaten den AB mit der Erkenntnis zuheulte, sie hätte ja Recht gehabt, ich hätte keine Chance, keinen Plan und keine Hoffnung und wäre nicht dazu gemacht, meine Träume zu verwirklichen. Ich habe ihr in meinem ganzen Leben nicht so ein Eingeständnis meines Unrechts zukommen lassen wie diese Nachricht gestern.

Von der Resignation ist noch genug übrig, auch wenn ich inzwischen wieder annehme, das Ganze lebend überstehen zu können. Ich habe im Zuge der Aufgebattacke erstmal meinen WWF-Spenderauftrag gekündigt, weil ich mir mit einem Mal sicher war, dass all meine Bemühungen, diese Welt meinem Bild einer besseren anzugleichen, völlig für den Arsch wären. Ich kann ja doch nichts ändern, meine Ideale sind für niemanden nachvollziehbar und das, was ich aus meinem Leben machen wollen würde, ist etwas, das mir in dieser Gesellschaft aus den absurdesten Gründen auf ewig verwehrt bleiben wird. Und was mir natürlich wieder den Rest gab, das kann sie gut – sie hat, eher unbewusst, schätze ich, mit meiner Angst vor dem Verlassenwerden gespielt, meiner einzigen wirklichen Angst, die ich habe auf der Welt. Was ich machen würde, wenn sie alle irgendwann ihre Familie hätten, fragte sie. In deinem Alter träumen sie alle. Aber irgendwann haben sie alle Familien, gehen weg und lassen dich allein. Was machst du dann, alleine auf deinem Kotten? Wer geht aufs Feld, arbeiten, wenn du krank bist? Wenn du nach fünf Jahren deinen Körper kaputtgeschuftet hast? Die denken vielleicht, dass sie für immer mit dir auf dem Hof bleiben wollen, aber am Ende bleibst du trotzdem alleine übrig mit deinem Öko und deiner Selbstversorgung. Und nein, sie werden dir nicht helfen. Sie können sich aussuchen, ob sie dir unter die Arme greifen wollen oder ihren Kindern Klavierunterricht bezahlen können. Und da nützt dir jede Kosten-Nutzen-Rechnung nichts, wenn du eh vorhast, nur Bettelbriefe zu schreiben.

Warum, hätte ich eigentlich fragen können, wäre ich noch dazu in der Lage gewesen, lassen sie dann nicht einfach mich ihren Kindern Klavierunterricht geben. Problem gelöst.

Sie hat mit allem Recht, aber sie geht von einer komplett anderen Realität aus, als ich es tue. Und sie schafft es nicht, sich Sorgen zu machen, ohne mich dabei in Grund und Boden zu stampfen, sodass ich am Ende der festen Überzeugung bin, mein Leben lang unerreichbaren Idealen hinterhergerannt zu sein und schlicht und ergreifend keine andere Wahl zu haben, als mich dem System anzupassen, das ich so über alle Maßen verabscheue. Sie verachtet mich dafür, dass ich das System verachte. Sie fühlt sich davon persönlich angegriffen, dass ich offen zugebe, dass mir ein von Geld und Geldbeschaffungsmaßnahmen bestimmtes Dasein völlig zuwider ist. Sie interpretiert meine Ablehnung bezahlter Arbeit als Faulheit. Ich könnte einen ganzen Wasserfall schreiben, andererseits bin ich todesfertig und muss schlafen. Dringend. Ich leg‘ R den Schlüssel vor die Tür und verabschiede mich fürs Erste.

Kapitälchen…

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Wie Leute mit Vollzeitjob nur leben können, frag ich mich. Da kommst du heim und dein ganzer Tag ist weg. Weggearbeitet, um irgendjemandem, der gerade ausnahmsweise nicht arbeitet, eine schöne Freizeit zu ermöglichen.

Das ist mir heute aufgegangen. Sehr viele Jobs, meiner zum Beispiel, bestehen einzig und allein zu dem Zwecke, dem Gerade-nicht-arbeitenden eine Vielzahl an Möglichkeiten zu bieten, das zuvor erarbeitete Geld zum Zwecke der Verschönerung ihrer knapp bemessenen Freizeit wieder auszugeben.
Das endete dann ziemlich schnell in ein paar resignierten gedanklichen Schlenkern über dem fruchtbaren Boden des Kapitalismus, das rapide Ende in erster Linie Resultat meiner eigenen Politikverdrossenheit.

Als die beispielhafte Konsumentin, die ich nunmal bin, habe ich mir wie angekündigt ein Wochenende außerhalb gegönnt, ein paar wunderbar entspannte Tage mit Caro verbracht und ihr nebenbei auch noch auf denkwürdige Weise (involviert waren Şahins personalisierte „Trink ne Coke mit Sahin“-Coladose von der letzten Gamescon und eine beachtliche Menge Rum – wir sind immer noch nicht ganz fertig damit, die späten Nachtstunden zu rekonstruieren, aber es war insgesamt einfach ungemein lustig) geholfen, ihren Jetzt-nicht-mehr-Jahrestag an einem Stück zu überstehen.

Jetzt auf einmal ist es irre spät und ich gehe gleich ins Bett. Müde bin ich zwar nicht, aber wenn ich morgen wieder arbeiten will… Was ist überhaupt in mich gefahren. Ich hatte nie Ambitionen, meine 450€€ vollzubekommen. Aber andererseits, wenn ich nach Perú möchte nächstes Jahr (der Versuch geht in die zweite Runde, diesmal mit Sarah und Peruaner-Pedro), kann ein bisschen mehr Geld nicht schaden, und da ich ja jetzt festgestellt habe, dass Vollzeit arbeiten Kacke ist (nicht dass ich es je versucht hätte; ich glaube, nach einer Vierzig-Stunden-Woche wäre ich nie wieder derselbe Mensch), sollte ich mir für meine Zukunft alles zusammensparen, das ich irgendwie in die Finger bekomme.

Wo wir schon so viel von Arbeit reden heute – mein Vater hatte Freitag ein Bewerbungsgespräch mit einer Firma in der Schweiz. Über Skype. Er hat mich zwei Stunden vorher angerufen, ich solle mal zu Skype kommen, und sich daraufhin eine Stunde lang in gefühlt jeden Raum und vor jede Wand hingesetzt und wollte Feedback zur Positionierung für das Gespräch. Fehlte nicht mehr viel, und er hätte angefangen, die Einrichtung des halben Hauses zu verrücken. Es scheint sich gelohnt zu haben, denn offenbar ist das erste Gespräch gut gelaufen und er wird heute hingeschrieben haben, dass er sich schon vorstellen könnte, mal zum (oh.. haha) Vorstellungsgespräch runterzufahren.

Stell dir vor, das wird was. Von mir aus ist alles gut; ich meine, Hauptsache, er kommt aus dem grauseligen Laden raus da oben. Jünger wird er auch nicht, und die Schweizer hier sind unter den Wenigen, die sich bisher ernsthaft für ihn interessiert haben. Ich wünsche ihm, dass das klappt. Mama ist dann sicher auch beruhigt; sie dreht seit vor Weihnachten schon am Rad wegen dem (ihrer Einbildung zumindest) drohenden Leben an der Armutsgrenze und vergleichbarer Abstrusitäten. Trotzdem – wie unfassbar es wäre, würden meine Eltern tatsächlich hier herunterziehen. Da flüchtet man quer durchs Land, baut sich sein eigenes Leben auf an einem Ort, der weiter entfernt vom ehemaligen Zuhause kaum sein könnte, innerhalb der Landesgrenzen zumindest. Und dann kommen sie einem hinterher.

Absurderweise fände ich es nicht einmal tragisch. In den drei Jahren sehr sporadischen Zusammentreffens hat sich unser aller Verhältnis (okay, oder sagen wir, meins zu ihnen und ihres zu mir), würde ich fast behaupten, soweit stabilisiert, dass wir den Versuch, in unmittelbarer Nähe zueinander zu leben, durchaus mal wagen könnten. Oder anders gesagt: Sollten meine Eltern und ich wider jede Wahrscheinlichkeit tatsächlich noch einmal so nah beieinander leben, wäre nicht gesagt, dass dieser Zustand Tote fordert. Ich hoffe.

Zu viel Energie, und dazu Parabeln ohne Schokolade

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Drei Energy-Brausetabletten an einem Tag sind zu viel. Ich hab’s nicht nur daran gemerkt, dass ich um 19 Uhr noch in der Arbeit saß und das Gefühl hatte, noch Stunden länger da sitzen und endlos weiter Tourpakete übersetzen zu können, wenn nur von irgendwoher auf magische Weise was zu essen erschienen wäre (von den zitternden Händen und dem leicht ruckartig angehauchten Denken, das ich so liebe, mal ganz abgesehen), nein, ich habe auch absolut kein Gefühl für die Uhrzeit und war ehrlich überrascht, als Laura mir eben sagte, es wäre kurz vor zwei.

Na toll. Mein umwerfender Schlafrhythmus aus der letzten Zeit scheint also auch wieder hinüberzusein. Macht aber nichts; ich bin ja ab morgen (äh, heute) ein paar Tage bei Caro und werde da vermutlich auch nicht um halb zwölf schon aus den Latschen kippen wollen.

Ich bin dankbar, ganz ganz doll, für meine Zeit. Trotz acht Stunden Arbeit (schon wieder!) bin ich momentan in der Lage, meinen Haushalt in Ordnung zu halten, mich hinzusetzen und zu skypen, mir schön was zu essen zu kochen, alles Privilegien. Wenn du ahnen könntest, was ich in den letzten paar Tagen für einen Putztick entwickelt habe. Ich habe in meinem gesamten Leben noch nicht so gründlich geputzt. Und oh, es macht so einen Spaß, in einem sauberen Haushalt zu wohnen. In einem aufgeräumten Zimmer zu leben. Sachen einfach zu erledigen, sofort. Ich töte jetzt auch Motten. In der alten Wohnung konnte man das eh vergessen, sie kamen immer, immer wieder. Da habe ich sie einfach gefangen und aus dem Fenster geschmissen. Aber nichts da in meiner neuen Wohnung. Hier werden sie gnadenlos vergast, die schrecklichen Dinger, die sich in Teepackungen versteckt mit ins Haus geschmuggelt haben.

Mir fiel vorhin zum ersten Mal auf, wie für jeden Raum in einer Wohnung verschiedene Regeln gelten. Und zwar war ich dabei, eine Motte zu beobachten, die unschlüssig im Türrahmen zwischen der Küche und meinem Zimmer hin- und herschwirrte, und dachte mir, „wenn du Glück hast, fliegst du in mein Zimmer, dann bekommst du Gnadenfrist.“ Denn, wie mir dabei auffiel, ich würde sehr ungern nur in meinem Zimmer Insektenspray versprühen, in der Küche geht das jedoch problemlos.

Ich mag mein Zimmer so gern, jetzt, wo es fertig ist.

Neuer Termin für Internet ist der 8.9. – danke, Vodafone, so geht mir ein weiterer halber Arbeitstag durch die Lappen.

Das, was ich die ganze Zeit denke, da. Das kann ich absolut knicken. Schlag dir das aus dem Kopf, Mensch, was tust du nur wieder. Lalalalala, ich hör‘ nichts. Wann, hab‘ ich vorhin überlegt, während ich die Tür zum Garten geputzt habe (und erstmal feststellen durfte, wie weiß sie eigentlich ist), ist etwas überhaupt eine Phase und wann ist es ein Ding? Oder besser Englisch, when is it a phase and when is it a thing? Da würde mir Google auch nicht weiterhelfen, egal wie langsam oder schnell es gerade lädt hier.

Naja, ganz fertig bin ich noch nicht. Es hängen noch Haken auf Nägeln statt Schrauben. Ich muss mir einen Akkuschrauber kaufen, weil ich das für weniger Aufwand halte, als beim freundlichen Nachbarn zu klingeln und mir seinen auszuleihen. Vor allem kostet es weniger Überwindung. Geld hab ich ja. Mir müsste jetzt auch mal das Gehalt der letzten Monatsetappe überwiesen worden sein. Uff, was macht man denn mit so viel Geld. Ich weiß: Man gibt es für Zugfahrten aus, und für Akkuschrauber.

Ich habe zwar meiner Mutter gesagt, dass sie mir die Allowance langsam mal streichen könnten, weil ich wirklich mehr Geld habe jetzt, als ich überhaupt brauche, aber sie wollte nichts davon hören. Sie meinte, wenn’s mal knapp wird bei ihnen, könnten wir immer noch darüber reden. Das Mehr an Miete zahlen sie auch ohne groß zu fackeln, obwohl ich damals schon gesagt hatte, das würde ich dann übernehmen. Aber Strom und Internet, das immerhin. Ein kleines Stückchen in Richtung der finanziellen Unabhängigkeit. Bis ich die erreiche, muss ich wohl noch einen großen Teil des Kekses aufknabbern. Ich stelle mir nämlich gerade den Weg als einen Keks vor, den ich essen muss. Einen riesenhaften Keks aus dem gleichen Teig wie diese Chocolate Chip Cookies, nur ohne Chocolate Chips. Das hilft vor allem, um mir die Vorstellung schmackhaft zu machen. So wichtig ist es mir ja eigentlich nicht; da ist mir die Unabhängigkeit in anderen Bereichen wichtiger, aber ich weiß ja, wie viel Wert der Rest der Gesellschaft darauf legt. Und ich wäre wohl stolz, wenn ich es geschafft hätte. Andererseits hätte ich lieber einen Keks mit Chocolate Chips. Was mein Parabelgenerator da nur wieder für einen Aussetzer hatte.

Meine Packfische

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Lustig. Ich hatte mir im Herbst 2012 in Barcelona so Fisch-Ohrhänger gekauft, die seitdem verschollen waren. Heute entdecke ich sie durch den ultimativen Zufall beim Packen in einer Krimskramskiste – verpackt in einem Cellpohantütchen – neben einem Päckchen Pflanzendünger. Kein Wunder, dass ich nicht früher in diese Tüte geguckt habe; wahrscheinlich dachte ich die ganze Zeit, es wären Pflanzensamen drin.

Jedenfalls habe ich mich gefreut, die verloren geglaubten Hängerchen wieder in meinem Besitz zu wissen. Sie sind auch wirklich außerordentlich schön.

Lisa und ich haben viel geschafft heute. Und weil mich der Lernwahnsinn nun endgültig in seinen Klauen hat, bin ich eben noch in die Stadt gefahren und habe einen kanadischen Rundschlag im Aldi veranstaltet und mir einfach alles an Schokoriegeln und Chips gekauft, das ich wollte. Ja, ich habe 14,38€ für Schokolade, Chips, eine Flasche Olivenöl, ein Kräuterbaguette und eine Packung Focaccia ausgegeben. Das Dekadenz-Event des Jahres, für meine Verhältnisse zumindest. Aber eben drum – ich erlaube mir Attacken dieser Art ab und an ganz gerne mal, weil ich sonst ja kaum Geld für Essen ausgebe. Irgendwas muss man doch davon haben, dass man sich praktisch ausschließlich von geretteten Lebensmitteln ernährt.

Nun sitze ich wieder draußen auf der Terrasse und überlege, noch eine VL Psycholinguistik durchzugehen. Wo ich schonmal so schön drin bin.
Ja, vielleicht sollte ich das tun.

Herzblut- und Frustrationsquellen

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Hach, das tat gut. Ich hab‘ das erste Mal in diesem Monat mit Saskia geredet – jetzt bin ich über alles an Klatsch aus Vitoria wieder bestens auf dem Laufenden und freue mich außerdem, einen Mensch mehr zu kennen, mit dem ich über weite Distanzen und zur Not auch lange Zeiten hinweg einfach perfekt verbunden bleibe. Ich mag sie. Sie ist so einzigartig.

Heute Abend wird bandgeprobt. Ohne Chris, der seine Prioritäten momentan mehr in Richtung Basketball verschoben zu haben scheint und uns zugunsten seines täglichen Training-Gebens bzw Trainierens und der wochenendlichen Turniere diese Woche völlig versetzen muss. Aber es gibt eh ein paar Sachen zu klären, bei denen er halbwegs entbehrbar ist. Sebi muss neues Zeug lernen, und natürlich sind Sarah und ich diejenigen, die es ihm beibringen – ein Prozess, der lange genug dauern wird, dass wir zur Not mehrere Wochen ohne Cajón auskommen. Ich will ja gar nicht frustriert klingen – das kommt schon noch früh genug – aber etwas ungünstig ist es schon, so ein Gitarrist ohne jedes Gefühl für Musik. Und von mir selbst bin ich auch genervt – weil ich ihm am liebsten die Gitarre aus den Händen reißen und ihm zeigen würde, was er machen soll, aber bei mir hapert es viel zu sehr an der Umsetzung. Das, was er kann – das Technische – das kann ich nicht. Und, leider Gowais, andersherum. Wäre er mit einem kleinen Funken musikalischer Intelligenz ausgestattet, wäre es ein Leichtes.. aah, ich schreibe mich schon wieder in Verzweiflung. Lassen wir das. Es ist ja wahrscheinlich eh nur noch ein Jahr. Und wo ich doch jetzt wahrscheinlich einen Gitarrenlehrer habe (ich hab‘ ein Musik-Tandem-Gesuch gepostet in unserer tollen „Ich kann was, was du nicht kannst“-Gruppe, und Klavierunterricht als Tausch angeboten, und es hat sich schon nach ein paar Minuten jemand gemeldet), wird es ja eventuell zumindest auf meiner Seite irgendwann doch nochmal eine Art Fortschritt geben.

Habe ich eigentlich erwähnt? Ich hätte Ende März in einer Kirche spielen können. Auf einem Flügel. Auf einem Flügel in einer Kirche. Leider bin ich ja nicht da. Ich könnte kotzen, könnte ich – wieso muss ich immer weg hier, warum?! Aber ich kann WG-Sarah ja schlecht das zweite Jahr in Folge verkünden, dass ich sie doch nicht besuchen komme. Warum nur musste ich so früh schon die Bahntickets buchen, warum. Da denkt man sich ein Mal im Leben, man könnte doch schonmal etwas im Vorfeld erledigen. ARGH.

Freitag spiele ich Nachhilfe-Vertretung für Sarahs Freundin Carmen, die sich zur Zeit in Mexiko herumtreibt und dementsprechend nicht verfügbar ist, um kleinen Jungs das Present Perfect beizubringen – eine undankbare Aufgabe, die mir da zufällt. Aber immerhin kommt auf diese Weise mal wieder ein bisschen Zahlungsmittel in meinen Besitz. Kann ja nie schaden.

Auch wenn ich immer mal wieder zwischendurch so Anfälle habe, im Zuge derer ich von einer Art Konsumstreiksbegeisterung gepackt werde und sich mir immer neue Ideen auftun, wie dem monetären System so gut es geht zu entkommen ist. Und wo sich meine momentane Position eigentlich so ansiedelt – und wie weit sich das noch in eine richtigere Richtung ohne große Mühe verschieben ließe.
Und immerzu will ich eigentlich Einträge auf Save the Lettuce schreiben, zuhauf, aber finde nicht die Motivation, mich wirklich dranzusetzen. Weil es so viel gibt – das ist schon wieder zu viel. Über Foodsharing muss ich schreiben, und über den BUND, dem wir uns demnächst mit Freude einverleiben werden, über Fracking am Bodensee, Träume von Gratis-Häusern und andere Abstrusitäten. Über Tausch-Brunches, Terrassengärten, Komposteimer, Drachenfruchtsamen, eingelegtes Zeug, zusammengerettete Tortillas, Umsonstläden, Public Gardening, Samenbombenbastelaktionen, Schnibbelparties, Haushaltsauflösungen, Nachbarschaftshilfe und Musik-Tandems. Schreiben tue ich letztendlich gar nichts, weil mich die schiere Menge des zu Schreibenden überfordert. Prokrastinationsnatur bis hin zu den Dingen, wo eigentlich mein ganzes Herzblut reinfließt. Schlimm sowas.. Was kann man da noch Anderes machen als schlafengehen.