Schlagwort-Archive: Geschenke

Mit dem Kopf voraus

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Auf einer Facebook-Seite wurde neulich ein Meme gepostet, das besagt: „My spirit animal is a bull, because like me, it charges headfirst into red flags.“ Das fand ich ganz wunderbar relatable.

Morgen, wie ich gerade feststelle, wäre ich unter anderen Umständen um 17 Uhr mit R, Becci, irgendeiner vierten Person und einem Haufen Alpakas durch die Gegend gezockelt. Idealstes Wetter wäre mit meinem Geburtstagsgeschenk jedenfalls einhergegangen. Schade nur, dass mein Schicksal beim Durchkreuzen der Rechnung offenbar ganz besonders sicher gehen wollte und letztendlich eine Pandemie und eine Trennung diesen an sich bezaubernden Plan vereitelt haben.

Ich habe mich den zweiten Abend in Folge mit der Candidate-App vergnügt und mich heute sogar mal dazu bewegen können, ein paar Menschen mit Herzen zu beehren. Ganz habe ich das Prinzip noch nicht durchschaut und bin dem Konzept Dating-App gegenüber auch generell skeptisch, aber schaden kann es kaum. Solange irgendeine Art menschlicher Interaktion dabei rumkommt, die mir den Glauben an meinen Lebenssinn nicht noch weiter schwinden lässt.

Baum fällt!

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Im Leben wäre ich nicht darauf gekommen.

Es hat alles Sinn gemacht – Yannick und die Pedelecs und die Dreckschuhe.

Wie ich es mir seit Jahren gewünscht habe: ich habe einen Baum bekommen, ein Ungetüm von einem Baum für meinen Balkon, den ich mir selbst aussuchen durfte aus einer ganzen Reihe von amerikanischen Ahörnern im Garten von R’s Arbeitskollegen, dem die unschöne Aufgabe bevorsteht, diese in absehbarer Zeit zu beseitigen, da sie Gefahr laufen, auf die an sein Grundstück direkt angrenzende Straße zu fallen.

Es wurde also ein ganzer Baum für mich gefällt. Eigentlich wurden zwei Bäume gefällt, denn ich habe mir zwei ineinander verwachsene Stämme ausgesucht, die sich nach oben hin auf die kunstvollste Art verzweigen und sich perfekt dafür eignen, wie eine Skulptur in der Balkonecke zu stehen und mit Pflanzen behangen zu werden.

Am Ende des mehrstündigen Baumfällprozesses stellte sich dann heraus, dass der Zwei-Meter-Koloss nicht nur aufgrund des eingelagerten Wassers tonnenschwer, sondern auch zu ausladend für das uns zur Verfügung stehende Transportmittel war. So haben wir ihn vorerst zum Trocknen auf Kais Grundstück belassen und holen ihn beizeiten im Anhänger zu uns. Keinem von uns ist bisher klar, wie wir ihn dann durch die Tür bekommen wollen, aber eins nach dem Anderen.

Nur umziehen kann ich nicht mehr, wenn erstmal dieser Baum auf meinem Balkon steht.

Fateful Friday

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Mike hat mir abgesagt. Allerdings erst eine halbe Stunde bevor wir uns treffen wollten, sodass ich trotzdem geduscht und angezogen dem restlichen Tag ins Auge sehen konnte – etwas, das niemals passiert wäre, hätte ich von vornherein gewusst, dass die Notwendigkeit nicht besteht. Wir haben das Treffen auf Dienstag verschoben. Mein antisozialer Anteil war heilfroh, heute so knapp nochmal davonzukommen, und beißt sich im Angesicht der Aussicht in den Bauch, am Dienstag gleich zweimal das Haus verlassen zu müssen, aber gerade deshalb sollte ich mich als Gesamtperson über genau dieses Herausgerissenwerden doch wirklich freuen.

In etwa einer Stunde müsste R zu Hause sein und bekanntgeben, wie es um seine Ausbildung bestellt ist. Nachdem das Praktikum sich als relativ harter Brocken erwiesen hat, aus dem er zwar das Beste gemacht hat, aber zumindest zwischenzeitlich nicht unbedingt zu hundert Prozent zuversichtlich hervorging, dürfte dieser letzte Tag, mehr noch als für die Entscheidung der Firma, für seine eigene Einschätzung der Dinge maßgeblich gewesen sein. In jedem Fall darf ich gespannt darauf sein, was er berichtet, wenn er ankommt.

Ähnlich neugierig, auch wenn es in keinem Verhältnis zueinander steht, bin ich, was der morgige Tag wohl bringt. Meinem exorbitanten Spoilerhass entgegenkommend hat R bislang nur verlauten lassen, dass wir unsere Pedelecs dafür brauchen und Yannick mit von der Partie sein sollte – und dass wir rechtzeitig wieder zu Hause sein werden, um uns abends mit den Nachbarn zu treffen. Was ich davon halten soll, ist mir (zum Glück) unbegreiflich. Fahrradfahren bei diesen klimatischen Verhältnissen versuche ich unter normalen Umständen so gut es geht zu vermeiden. Yannicks Rolle in dem Unterfangen ist ebenso ein Mysterium, zumal es (so viel weiß ich dann doch schon) nichts mit dem als mein Weihnachtsgeschenk noch ausstehenden Flohmarktbesuch zu tun hat und Yannicks Gegenwart als Autobesitzer jedes Fahrrad eigentlich obsolet macht.

Aber ich werde es früh genug erfahren. Heute Abend hoffe ich erst einmal, dass R mit guten Neuigkeiten heimkommt, damit wir den Sekt, der auf der Terrasse darauf wartet, zum Zwecke des Geburtstagsnachfeierns von uns geköpft zu werden, in blendender Laune vernichten können.

Punk and Pedantry

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„Aspi, es ist ein Punk-Plakat“, sagte R entnervt, während ich mich bemühte, das Dropkick-Murphys-Konzertposter, welches mir Wolfgang gestern mitbrachte und er in diesem Moment festhielt, möglichst gerade an der Wand auszurichten, um die Bohrlöcher dafür vorzuzeichnen. Keine ganz leichte Aufgabe, weil das Ding auf sich nicht unerheblich biegender fester Pappe klebt, weshalb ich ihn für das Unterfangen überhaupt erst brauchte. Ich habe zwar schon Löcher in den Karton gebohrt, aber die Markierungen an die Wand zu bekommen war im Alleingang unmöglich.

So sehr er damit auch Recht hat, dass vermutlich die meisten meiner musikalischen Artgenossen es mit den Details nicht so genau nehmen – aber nicht mit mir, oh nein. Ich muss an Janine denken, die als Metalhead mit OCD von dieser abstrusen Kombination aus Charaktereigenschaften in einem einzelnen Individuum, hätten wir denn noch etwas miteinander zu tun, definitiv ein Liedchen singen könnte.

Morgen jedenfalls bohre ich die Löcher und hoffe für meinen Seelenfrieden, dass das Ding gerade hängt.

Huch. Schon wieder Urlaub.

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Ja… also… wie es aussieht, fahre ich morgen für acht Tage in die Karibik.

Langsam sickert es ein. Becci und ich haben vor drei Tagen das ultimative Angebot gefunden, sodass wir nun zusammen für diese acht Tage Martinique (Flug und Unterkunft – vermutlich selbst inklusive Ausgaben vor Ort) so viel zahlen, wie üblicherweise ein Dreiviertelflug hin und zurück alleine gekostet hätte. Ich habe trotzdem erstmal eine Weile gebraucht, um diesen Plan mit meinem Gewissen zu vereinbaren (man denke daran, dass der Dezember schon die nächste Langstreckenreise mit sich bringt), aber jetzt ist es soweit: Ich freue mich!!!

Sieben Uhr geht’s los, zuerst mit dem Bus nach Frankfurt und dann direkt (!) nach Fort-de-France. Die Rückreise geht über Barbados, aber das ist ja nicht weiter schlimm, man besitzt ja ausnahmsweise mal einen gültigen Reisepass.

Gepackt ist größtenteils auch schon. Der Rucksack ist leicht, es sind nur ein paar Kleider drin und Bikinis, anderthalb Bücher, Kaffee- und Milchpulvervorräte und Hygienezeug. Und Henna, damit Becci mir die Haare nachtönen kann. Und mein Schnorchel. Und die Kamera muss ich mitnehmen, natürlich, und das Handy und alles an Ladegeräten. Und Kopfhörer. 10 Stunden Flug, da sind Kopfhörer doch lebensnotwendig.

Und Sandwiches habe ich gemacht, drei Stück für jeden von uns, mit Chili-Camembert und Salat und Grillgemüse.

Und Fotos habe ich gemacht, von allen wichtigen Informationen – jetzt darf ich nur das Handy nicht verlieren.

Ach, wie ich mich anfange zu freuen. Das ist ja wunderbar; ich dachte schon, es passiert gar nicht mehr.

Was noch richtig schön war: Sophi hat mich besucht; sie ist drei Tage hier und findet tatsächlich die Zeit, mich zu besuchen. Ich habe mich so gefreut, sie zu sehen. Ich mag diesen Menschen so gerne. Sie hat mir einen Mate-Becher aus Argentinien mitgebracht und den dazugehörigen Tee, und er ist wunderschön, mit buntgemustertem Stoff überzogen, und ich muss unbedingt mit Wolfgang und Carina Mate trinken. Carina muss mir das beibringen; ich muss ihr gleich schreiben, wenn ich wieder da bin.

R hat Geburtstag gefeiert, von Mittwoch auf gestern, und es war ein sehr guter Abend. Ich habe ziemlich viel getrunken, es aber dennoch nicht übertrieben, und mich wunderbar unterhalten, ein paar von R’s Arbeitskollegen kennengelernt, zwischendrin noch mit Basti telefoniert (der, soweit ich das Gespräch in Erinnerung habe, mich davon überzeugen wollte, dass man H-Milch, die einmal in der Sonne gestanden hat, nicht mehr konsumieren sollte, auch wenn sie noch den Anschein macht zu funktionieren – wie auch immer wir dadrauf kamen) und mich wirklich wohl gefühlt, trotz der ganzen Menschen. Naja, dafür war ja der Alkohol auch da.

So, nun sollte ich aber mal daran denken, den Rest zusammenzusuchen und ins Bett zu gehen. R kommt zwar in einer guten halben Stunde erst wieder (zumindest war das mal der Plan), aber solange werde ich auch noch brauchen, um hier alles zu regeln.

Du hörst von mir.

Es wird.

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Also. Der Stand der Dinge:

  • Es gibt wieder etwas Sonne. Ich tue wieder Dinge. Manchmal.
  • Ich hatte Geburtstag. Es war herrlich. Becci war hier. R hat mir unter Mitwirken unzähliger Verrückter einen riesigen Kühl- und Gefrierschrank in den Keller geschafft. Ich habe mich hardcore geliebt gefühlt.
  • Die Woche vor meinem Geburtstag war Barbara hier. Das hat einen Grund, nämlich folgenden:
  • Barbara weilt nicht mehr unter den geistig Gesunden. Sie hasst das Kind ihres Freundes, verlangt, er solle den Kleinen weggeben und zu ihr ziehen, und droht seit Wochen mit Selbstmord. Chris und sein bester Kumpel haben mich in ihrer Verzweiflung gebeten, Barbara unter einem Vorwand zu mir zu holen, damit Chris ihr verkünden könnte, dass er ihrem Wunsch nicht nachkommen wird. Gesagt, getan. Am nächsten Tag reden die beiden wie normal miteinander, verabschieden sich mit „ich hab dich lieb“ und Knutschgeräuschen. Fast forward zum gerade vergangenen Wochenende: Chris will mit Barbara Schluss machen und in psychologische Notbetreuung einweisen. Zieht es nicht durch. Wochenende umsonst zu viert mit Malte und Jacqueline plottender- und unterstützenderweise um die Ohren geschlagen. Die beiden haben nach wie vor Kontakt. Niemand hat mehr großartig Bock, sich mit dem kranken Wahnsinn weiter auseinanderzusetzen.
  • Ich habe innerhalb der paar Tage einen Mini-Crush auf Malte entwickelt, weil er der einzig Vernünftige in diesem ganzen Haufen Irrer zu sein scheint und sich während des Dramas gerne mit mir unterhalten hat, besonders nachdem Chris dann von Barbara zurückkam und ihm eins in die Tasche lügen wollte, von wegen, er hätte jetzt keinen Kontakt mehr zu ihr und das pausenlose Vibrieren seines Handys wären Whatsapp-Nachrichten aus einer Gruppe. Natürlich kenne ich den Typ nicht und hatte bis vor zwei Wochen noch nie mit ihm gesprochen. Aber er ist super. Gesprächig, megalieb, intelligent, reflektiert, hat Barbara und seinem gestörten Kumpel Chris emotional so ungefähr die Welt voraus, hasst das ganze Drama genau so sehr wie ich und telefoniert gerne. Ich werd mit ihm natürlich nur noch zu tun haben, wenn das Drama neue Wellen schlägt. Trotzdem kann ich Barbara dankbar sein, dass ihre Gestörtheit zumindest dafür gesorgt hat, dass ich mich mit Malte und Jacqueline intensiv und gut unterhalten habe.
  • Murats Klage wurde abgewiesen. Wir sind den Quälgeist los (fürs Erste).
  • R hat einen neuen Job angetreten. Diesmal einen um einiges vielversprechenderen und besser bezahlten. Es wird.
  • Becci arbeitet wieder. Ich hoffe so sehr, dass es gut klappt und sie wieder gut reinkommt. Sie war seit November krankgeschrieben, und eigentlich geht es ihr auch jetzt noch nicht sonderlich gut, aber ich glaube, dass es für sie besser ist, nicht noch länger zu Hause dahinzuvegetieren. Einen Therapieplatz hat sie immer noch nicht gefunden. Ich habe mich angeboten, ihr damit zu helfen, aber sie tut sich schwer damit, mir die Liste mit potenziellen Kandidaten zukommen zu lassen. Ich kann es ihr nicht verdenken. So ähnlich geht es mir ja selbst.
  • Der Großhandel droht als Containerspot zu versiegen. Aber ich habe mit Becci gleich Abhilfe geschaffen und einen neuen Spot aufgetan, den ich mit der Bahn zwar kaum erreiche, aber dafür hat R mich so halb gezwungen, die Nachbarn um Kollaboration zu bitten. Ich war also letztes Wochenende erstmalig mit Undine und Lukas containern und es hat tadellos funktioniert. Auch wenn mir die Geräusche, die Undines Auto so von sich gibt, sowie die pochenden Herzschläge eines undefinierten Bestandteiles im Unterbau des Fahrzeugs zugegebenermaßen schon Respekt einflößen. Aber ich habe die Regel beispielhaft befolgt, die da lautet, die Geräusche des Autos werden nicht kommentiert (wie Undine mir gleich nach dem Einsteigen einbläute).
  • Ich bin größtenteils noch nicht motiviert genug für Blogeinträge oder solche Spirenzchen (wie man gemerkt haben dürfte), aber ich vertraue auf die heilende Kraft der Sonne und harre der Wochen, die da kommen, voller Zuversicht.
  • Ich habe ein Verstärkerprogramm ausgearbeitet, das mich zum Lesen meiner Lerntherapieseminarunterlagen bewegen soll. Es involviert R’s Mithilfe. Ich glaube, es wird klappen. Es wird.

Zu. Viele. Kerzen.

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Fazit meines bisherigen Nachmittags: Hirschhorn ist schön. Sehr verschlafen, sehr idyllisch; über die Naziquote mag man kaum auch nur spekulieren. Und: Kommunikation ist ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel zur zwischenmenschlichen Verständigung. Manche Menschen sehen das lustigerweise nicht so. Sollte ich also auf dem Rückweg nach Hause noch beim Schwarzfahren hochgenommen werden, so geschieht das umsonst – ich kam an und wurde mit einer solchen Übermenge Kerzen konfrontiert, dass selbst mir in dieser Hinsicht notorisch uneinsichtigem Schrägstrich überambitioniertem menschlichen Wesen auf der Stelle klar war, dass ich diese nicht mit dem Fahrrad und meinen bescheidenen zwei Stoffbeuteln plus Handtasche würde transportieren können. Ich fahre also nach Hause mit leeren Händen. Und bekomme meine Kerzen morgen nach Hause geliefert.

So kann’s kommen.

Gefühlskater

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Okay, mich hat’s dann doch noch gepackt und ich habe Basti die wohl beleidigtste SMS meines Lebens geschrieben, bevor ich schlafenging. Außerdem habe ich als vorbildlichstes aller Terrorweiber R mitten im Bus eine Szene ohnegleichen gemacht mit Bezug auf seine absurden Ausgaben für Rauchzeug. Daraufhin verbrachte ich den Rest des Abends praktisch mit Becci am Telefon, unterhielt sie eine Weile mit meinen Sorgen und tauschte mich mit ihr über die neuesten Dramen und Errungenschaften unser beider Leben aus. Becci hatte seit Montag mit niemandem mehr geredet und war dementsprechend mitteilsam aufgelegt. Sie bekämpft ihre Schlaflosigkeit mittlerweile mit Medikamenten gegen Schizophrenie, die in geringer Dosis entsprechende Nebenwirkungen haben – es funktioniert so halb. Sie muss erstaunliche Einblicke in meine alltägliche Existenz gewonnen haben damit, nachdem sie dann auf einmal fünfzehn Stunden am Stück geschlafen hatte und sich immer noch gerädert fühlte.

Zehn Minuten, dann fahre ich los und lasse mir in einem hessischen Kaff Kerzen schenken. Ich nehme mein Fahrrad mit und hoffe nur, dass der Akku die Strecke von drei Kilometern von und zu der dortigen S-Bahn-Haltestelle noch durchhält. Aber yay, Kerzen! Als nächstes poste ich in der Free-your-Stuff-Gruppe ein Gesuch für Tee. Ich habe zwar noch Unmengen davon, aber man kann nun wirklich nie genug Tee haben.

Neu in der Favoritenliste: Goldenes Klopapier.

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Hallelujah. Ich hab’s gestern noch richtig weit gebracht. Nicht nur konnte ich mich dazu bewegen, die Mail der Gemüsekistenfrau zu beantworten, in der sie sich erkundigte, ob die Lieferung gestern wie besprochen die letzte sein sollte, sondern ich habe auch der Frau vom Institut geantwortet, die mir vor Wochen schon die Zahlungserinnerung geschickt hatte, und die dazu passende Überweisung getätigt. Die Lerntherapeutenausbildung kann beginnen.

Ich habe außerdem erledigt, was ich seit Tagen tun wollte: Papas Weihnachtsgeschenk bestellt. Es ist eine Rolle Luxus-Klopapier – schwarz mit Blattgoldaufdruck. Das hat zum Hintergrund, dass mein Vater – no pun intended – ein unreflektierter Riesenarsch ist, was seinen Klopapierkonsum betrifft. Er sieht weder ein, dass sein Hintern auch von drei Lagen sauber wird statt von vier, noch lässt er sich zum Kauf von Recyclingpapier überreden. Oh nein, er braucht natürlich das nie zuvor prozessierte, extra für ihn abgeholzte  jungfräuliche Zeug. Wir haben uns vor ein paar Monaten, als ich meine Eltern besuchte, im Supermarkt darüber in die Haare bekommen (Avocados waren auch noch ein Thema, aber ich schweife ab) und ich habe nun eben die Entscheidung getroffen, mit dieser leidigen Tatsache humorvoll umzugehen. Ebenso wie damit, dass seither in meiner Browser-Schnellwahl der Vorschlag „goldenes Klopapier“ angezeigt wird, was ein bisschen den Eindruck erweckt, als würde ich alle drei Minuten sowas googlen.

R ist wieder arbeiten; ich habe das ganze Wochenende frei – seit wasweißichwievielen Wochen konnte ich alle meine Stunden mit Sophi unter der Woche abhalten und muss somit diese Woche nicht mehr ran. Wenn mein Handy fertig geladen ist, überlege ich mir, ob ich noch containern fahre. Ich habe Barbara infiziert, die mich nun regelmäßig zum Großmarkt begleitet – weit hat sie’s ja nicht – und Mittwoch mit ihr und Karina den ultimativen Monstersupergau erlebt. Noch nie, ich schwöre, habe ich so viel gefunden. Es war der reinste Segen, dass ich mit Karina und deren Auto dawar. Der kurze Transportweg von der Ladezone zum Auto hat schon ausgereicht, dass meinem treuen Platzwunderrucksack ein Träger abriss von dem enormen Gewicht seines Inhaltes.

Aber heute vielleicht wieder, allein schon, weil ich dann mit Barbara zu mir zurückfahren und Carcassonne spielen könnte, statt noch einen Nachmittag sinnlos mit Friends-gucken zu verdaddeln. Ich mache es davon abhängig, was sie sagt.

Motorisierung

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Erfolgreichen Abend gehabt. Ich bin in der Schweiz, habe auf der Vernissage des Aquarellkurses meiner Mutter Musik gemacht, 200 Franken plus 20€ Tips verdient und unentwegt von einem unfassbar aufmerksamen Menschen Rotwein nachgeschenkt bekommen, während ich da vor mich hinklimperte. Es war großartig.

Wenn ich morgen nach Hause fahre, werde ich mich so schnell wie möglich darum kümmern, dass ich mein Fahrrad motorisiert bekomme: Billiger als ein Auto, aber für meine Zwecke trotzdem erstmal ausreichend. Meine Großeltern riefen heute bei meiner Mutter an und überfielen mich, als sie erfuhren, dass ich mich gerade hier aufhalte, aus dem Nichts mit den innigen Wunsch, mir „außer der Reihe“ etwas Gutes zu tun. Ich war überfordert und stimmte einfach zu, sie meinen Motor übernehmen zu lassen. Ich bin dankbar. Und etwas beschwipst. Gute Nacht.