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Winter’s coming (but I’m well-prepared).

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Basti, der Vollhorst, hat R gestern im betrunkenen Zustand eine riesige, gerettete Tafel Vollmilchschokolade gegeben. Nachdem ich ihn ein paar Tage zuvor hatte wissen lassen, dass ich Unmengen Schokolade containert und den Plan geschmiedet hatte, große Teile davon dem langjährig milchschokoladenentzogenen-da-veganen R zum Geburtstag zu schenken, und dementsprechend zugunsten der Wirkung meines Geschenks davon Abstand halten würde, ihm in den nächsten drei Wochen irgendetwas auch nur im Entferntesten Schokoladiges vorzusetzen, habe ich mich schwarzgeärgert wie nichts Gutes. R hat natürlich mitbekommen, dass ich mich geärgert habe, aber schrieb das wohl dem Umstand zu, dass er umgehend die gesamte Schokolade auf einmal vernichtet und mir nichts davon abgegeben hatte. Oh Basti, warum nur.

Er wird sich schon trotzdem noch freuen, aber… HRRRRRGH.

Mir geht’s schon wieder besser heute. Ich habe bis eins geschlafen und daraufhin erfreut festgestellt, dass mein Kopf wieder sein Normalgewicht erreicht hatte und durch alle in ihm befindlichen Atemwege auch tatsächlich Luft kam. Dafür hat es nun R erwischt, wenn auch nicht so arg, dass er es nicht geschafft hätte, plangemäß nach Jobs zu suchen (ich bin stolz) und sich anschließend mit bewundernswerter Tatkraft und ohrenkrebsverursachender Musik ans Verfassen eines Drehbuchs zu machen. Er habe eh den ganzen Kopf voller Ideen, sie müssten irgendwann mal raus und verschriftlicht werden. Das kann ich bestätigen; ich hoffe nur, er zieht es auch tatsächlich mal durch.

Und er hat versucht, mich zum BA-Arbeiten zu bewegen. Auch wenn ich es heute vermutlich, wenn überhaupt, erst hinbekomme, damit anzufangen, wenn er und Basti heute Abend auf Sitzung sind, könnte ich allein seines Versuches wegen die Welt umarmen. Es ist einfach so schön. Wenn du eine Vorstellung davon hättest, wie sich unser Umgang verändert hat, seitdem es mir wieder gut geht, seitdem meine Sicht sich geklärt hat. Ich habe den größten Erfolg in meiner lebenslangen Selbstvervesserungsarbeit erzielt, den ich je das Glück hatte zu erleben. Ich habe sogar dem Rank berichtet, dass es mir eine Zeit nicht gut ging – selbst dem gegenüber konnte ich mein echtes Innenleben besser herausholen als vor drei Monaten; ich hatte es eigentlich, seitdem ich die Medis von ihm verschrieben bekomme, bei keinem der Check-Up-Termine je geschafft, von irgendwelchen Rückschlägen oder Misserfolgen zu sprechen.

Oh, es gibt Hoffnung. Wenn ein einzelner Mensch so riesige Schritte machen kann, erkläre ich unsere Spezies offiziell für noch nicht ganz verloren.

Wie dunkel es ist. Pünktlich wie eh und je hat zur Ersti-Woche der Winter seinen wenig glorreichen Einzug gehalten. Ich sollte mich wirklich um meine Süßkartoffeln kümmern; während alles Andere mittlerweile sicher in Waltrauts Schöpfle verstaut ist und den kalten Monaten gelassen entgegensehen kann, stehen meine beiden frostempfindlichsten Zöglinge von allen immer noch draußen. Wenn Basti da ist, frage ich ihn, ob er mir hilft, die Wanne nach drinnen zu tragen, dann ist mein ganzer Garten winterfest.

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Lila Haare. Also doch.

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Shit, ich bin böse erkältet. Danke, Marie, dass du nur bei offenem Fenster schlafen wolltest, obwohl ich dir genau signalisiert habe, dass mir das von ganzem Herzen zuwider ist.

Und: Ich bin aufs Übelste gespannt, was da herauskommt, wenn ich mir gleich das Handtuch von meinem krankheits- und handtuchbedingt tonnenschweren Kopf runternehme – ich hab‘ mir vorhin in Bastis Beisein die Haare halb lila gefärbt. (Also „halb lila“ nicht im Sinne von „rosa“, sondern im Sinne von „die halbe Länge der Haare“.) Und ich kann nur hoffen, dass es was geworden ist, denn die Farbe, die ich geschenkt bekam, ist vollständig verbraucht.

Es war recht entspannt heute in der Arbeit; ich habe meine zwanzig Touren relativ zügig abgearbeitet (und dabei noch die erste Bildschirmaufzeichnung meines Lebens vollzogen, um mir mal zu dokumentieren, wie es aussieht, wenn ich meinen ewigen Copy-Paste-Tätigkeiten nachgehe. Die letzten beiden Stunden habe ich eigentlich nichts mehr gemacht, sondern hauptsächlich bei Facebook gehangen und mit Kepa gequatscht sowie irgendwelche Nachrichten von vor dreihundert Jahren beantwortet, deren Konfrontation ich bis dato prokrastiniert hatte.

So, nun habe ich das Handtuch schonmal abgenommen. Ich bin von der Farbe begeistert, jetzt muss ich sie nur noch föhnen und hoffen, dass auch die Übergänge was geworden sind.

Ouh Fuck, meine Haare sind lila. Ich weiß nicht, ob ich schockiert sein oder es genial finden soll. Nachdem meine Jugendzeit von Entgleisungen dieser Art dank der rigorosen Ablehnung meiner Mutter gegen alles, was andere Eltern kommentarlos unter Jugendsünden verzeichnen würden, eigentlich keine zu Gesicht bekommen hat, muss die liebe Aspi ihre Experimentierfreudigkeit und das Bedürfnis nach Individualität eben in ihren Zwanzigern ausleben. Ich muss meiner Mutter allerdings Recht geben; sie sagte damals, als ich mir von Nicole lila Haarfarbe zum Geburtstag hatte schenken lassen, zu mir, ich sei schon merkwürdig genug und solle bloß nicht auf die Idee kommen, mich noch mehr abzugrenzen. Damals wäre ich einfach das „weird kid“ mit lila Haaren gewesen, das am Rande der Gesellschaft vor sich hinvegetiert und froh ist, wenn Kontakt mit den Anderen vermieden werden kann, denen es sich sowieso um Welten unterlegen fühlt. Es ist tatsächlich weitaus angenehmer, als starke Persönlichkeit aus einer gefestigten Position heraus Jugendsünden zu begehen, auch wenn es meiner Mutter vermutlich bis heute lieber wäre, ich würde es einfach ganz sein lassen.

Wie auch immer es nun eigentlich aussieht, irgendwo sind diese lila Haare für mich ein Triumph.

Vielleicht sollte ich R schreiben und ihn vorwarnen. Ich glaube, er ist von lilanen Haaren latent traumatisiert; es wäre vermutlich gar keine schlechte Idee, ihn den Tatsachen nicht völlig unvorbereitet gegenüberzustellen. Außerdem habe ich Hunger wie nichts Gutes; wäre ich nicht vorhin so elendig zusammengeklappt (again, danke, Erkältung), hätte ich schon Essen gemacht, so baue ich auf R’s baldiges Erscheinen. Er hat, wenn alles nach Plan lief, bis vor acht Minuten gearbeitet und könnte demnächst herkommen.

Ach Welt, warum bist du nur so, wie du bist. Es ist ein ewiges Rätsel.

Montag gibt’s wieder Brot. Wahrscheinlich. Hoffentlich.

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Ich bin gerade wirklich blockiert, einfach in der Hinsicht, dass ich weiß, dass über diesen Text noch ein Absatz muss, und aber keine Ahnung habe, womit ich den füllen soll. Es gibt ein paar Sachen, die eigentlich erwähnenswert wären; Sarahs Geburtstagsabend gestern im Shamrock zum Beispiel, welcher so unerwartet schön war, oder die Tatsache, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann, was ich jetzt tun soll, aber die Möglichkeit, einfach mal wieder in Richtung BA etwas zu unternehmen, sich vor meinem geistigen Auge nichtmal in Ansätzen auftut. Dass Waltraut sich im Garten herumgetrieben hat und ich jetzt Angst habe, dass sie mich darauf anspricht, dass ich meine Pflanzen zum Überwintern in ihr Schöpfle gestellt habe, oder dass das Unmögliche möglich geworden ist und ich tatsächlich seit unerdenklichen Zeiten wirklich mal wieder kein Brot zu Hause habe. Dass Trudi jetzt für eine gute Woche bei ihren Eltern ist und R gestern ihren zuvor über Wochen vernachlässigten Küchendienst übernommen hat, nachdem ich mal wieder nicht in der Lage war, meinem sehr auf Gerechtigkeit bedachten inneren Alien die Stirn zu bieten und ihre Aufgaben selbst zu erledigen. Dass ein Formel-1-Fahrer heute einen Unfall hatte und R’s Arbeitstag wahrscheinlich noch länger wird, als er es ohnehin schon wäre. Dass ich heute vor sechs Jahren – ebenfalls ein Samstag – in der Kopenhagener Wohnung meines Vaters auf der Couch hing und mich vor (konzertinduziertem) Muskelkater nicht bewegen konnte, es aber trotzdem schaffte, in einem der kläglichen Versuche die danebenstehende Lampe zu Boden zu schmettern und das so entstandende Splitter-Inferno eigenhändig und vollständig zu beseitigen.
Da hätten wir’s doch schon – ein Absatz voller Informationen, nicht mehr und nicht weniger unnütz als das, was darauf folgt. Gehen wir zum Rest über.

Jetzt habe ich Marie hier wohnen, bis Mittwoch, und freue mich darüber. Aktuell liegt sie auf ihrem Lager und hält ein Mittagsschläfchen, während ich darauf warte, dass Keyla mich anruft, und gleichzeitig hoffe, dass sie es nicht tut. Es ist schon wieder nicht der richtige Moment, so, wie es einfach seit Jahren kaum je der richtige Moment ist. Irgendwas ist immer. Ich fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken, ein ein ganzes Jahr umfassendes Catching-Up mit meiner costarricanischen Familie zu betreiben, während Marie da liegt und die gewohnte Bahn meines Daseins um einige (wenn auch wenige) Grade vom Normalzustand abweicht.

Außerdem bin ich müde und würde am liebsten auch schlafen. Aber wenn ich das jetzt tue… Oh je.

Ich bin gespannt, ob sie sich besser mit R versteht, wenn sie eine Weile koexistieren. Marie ist dieser eine Mensch in meinem Umfeld, der R gegenüber so eine richtig ausgeprägte Abneigung verspürt; das hat fast schon die Ausmaße meines Verhältnisses zu Hannes. (Wobei ich sagen muss, dass ich mich neulich erst wieder angestrengt habe, die Aggression ihm gegenüber mal kurz zu verdrängen und zu schauen, ob man nicht doch irgendwie eine normale menschliche Ebene erreichen kann, einfach um mich nicht in meinem eigenen Haus immer so entsetzlich eingeengt und beklommen zu fühlen, wenn er da ist. Es hat sogar funktioniert. Ich bin gut, ich schaffe das.)

Jedenfalls war sie unglaublich überrascht, als ich ihr eben erzählt habe, dass sich unsere Eltern nächste Woche kennenlernen („Ich dachte, sowas macht man am Tag der Hochzeit? Das ist mir ja noch nie untergekommen… Warum tut man sich sowas an? Das wird richtig ernst mit euch, oder?“), was mich sehr belustigt hat, da es von R und mir eigentlich völlig einvernehmlich als das Natürlichste der Welt angesehen wurde, dass, wenn sie schonmal zu uns kommen, seine Eltern mit meinen selbstverständlich zusammengeführt werden und der ultimative Familien-Super-GAU eintreten kann. Ich sagte schon zu Marie, ich hoffe, das Restaurant bleibt ganz. Wir gehen zu meinem Lieblings-Inder, was mich ungemein freut, denn wenn ich schon nochmal essen gehe in diesem Leben, dann kann mir kaum etwas Besseres passieren als das Maharani. R hatte die Idee, seine Eltern in ein veganes Restaurant zu verschleppen, weil er sie wohl ohne das Beisein von Menschen, die so etwas befürworten (das wären dann meine Eltern und ich), niemals dazu bewegen könnte, sich da hineinzusetzen. Ich fand’s wunderbar – in diesem Bereich merkt man dann meine eigene immerwährende Provokationslust – aber meine Vernunft hatte einen klaren Moment und ich habe es ihm ausgeredet, einfach um meinen Eltern zu ermöglichen, die seinen in einer neutralen Stimmung kennenzulernen und nicht gleich von einem Ausraster à la R’s Vater, der gerade erfahren hat, dass er sich kein Fleisch zum Abendessen einverleiben kann, fürs Leben traumatisiert zu werden. Am meisten freue ich mich auf das Zusammentreffen unserer Mütter. Es wird zwar ein Weilchen dauern, aber wenn Mama erstmal über dieses „Wir müssen uns jetzt verstellen, das sind fremde Leute“ hinwegkommt, werden sie sich einfach nur lieben. Sie hätten sich so unendlich viel zu sagen.

Oh, und es war so wunderbar mit Kepa. R und er haben sich allerbestens verstanden, ich war glücklich, es gab Txakoli (keinen Sagardoa diesmal, aber hey, was soll man machen) und alles Mögliche an alten Geschichten wurde ausgepackt, Trudi standesgemäß mit „Na, du rosiges Rüsseltier“ begrüßt und mir mein letzter Rest aktives Euskera erfolgreich entlockt, mein Garten analysiert, das traditionelle halb unbrauchbare Gemüse im Beet vergraben (eine Tomate diesmal) und Weintrauben von Waltrauts Laube geplündert. Hach ja. Den Deppen öfter hierzuhaben wäre schon eine Bereicherung für unser aller Leben.

So, ich werde jetzt mein Leben aber auf andere Art bereichern, nämlich indem ich mich mal aus meinem Schlafzeug raus in Tagesklamotten begebe, zum Großhandel fahre und …ach Fuck, warte, nein, R hat mein Fahrrad. Okay, dann nicht. Aber Marie ist jetzt wieder wach; sie geht gleich nochmal in ihre WG und holt ein paar ihrer Sachen, dann bringt sie Spülmaschinentabs mit und das ist gut so. Mir dagegen fehlt somit wieder jegliche Motivation, überhaupt irgendetwas zu machen. Ich geh einfach mal aufs Klo und sehe dann weiter.

Hirn putt? -Ich war bei Elli, was meinst du, wie kaputt mein Hirn ist.

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Leider bin ich wieder am Prokrastinieren und kann mich nicht dazu bringen, an der BA weiterzuarbeiten. Das ist ungünstig.

Gerade kam R von der Arbeit und verkündete, gleich ins Contrast zu gehen. Mir steht noch ein ruhiger, gemütlicher, sauerstoffarmer und teelicht-licht-erfüllter Abend bevor!

Anderthalb Stunden später kann er nun beginnen, theoretisch, der ruhige, gemütliche, sauerstoffarme, teelicht-licht-erfüllte Abend. Zuerst allerdings muss ich Basti anrufen, der mir seit Sonntag Grund zur Sorge gibt und noch dazu gestern schon wieder von einem Date versetzt wurde. Das muss jetzt erstmal sein. Und dann setze ich mich hin, mit Tortilla-Chips und dem Computer, und ziehe mir mal wieder ein paar Folgen Prince of Bel Air rein. Oder so. (Nein, ich muss überhaupt nicht Mitte Dezember meine BA-Thesis abgegeben haben oder so. Überhaupt nicht.)

Darf ich noch kurz anmerken? R hat in letzter Zeit angefangen, sich nach meinen BA-arbeiterischen Tätigkeiten zu erkundigen, und sagte gerade vorhin, jetzt, wo Basti tot sei (anders gesagt, wir seit Sonntag nichts von ihm gehört haben), müsse er die Fragerei mal übernehmen. Es kam mir alles ganz natürlich vor, so, als hätte ich von jeher damit gerechnet. Ich bin glücklich.

Und ich bin gespannt, wie es wird, wenn seine Eltern runterkommen übernächstes Wochenende.

Aber jetzt muss ich Basti anrufen. Armer, armer Mensch, er.

Fooood.

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Sehr produktiv heute gewesen. Die erste Hälfte des Tages habe ich zwar wieder verschlafen (ich scheine wirklich einen Großteil meiner wachen Zeit R zu verdanken, der mich verlässlich zu respektablen Zeiten zum Aufstehen zwingt, wenn er nicht gerade arbeitet wie heute), aber um eins wurde ich dann doch munter, habe gemütlich gefrühstückt – Bananenshake und zwei Croissants, welch eine Freude – und bin danach zur Tafel gefahren, wo eine nicht zu große, aber ganz sicher auch nicht zu kleine Menge an Lebensmitteln darauf wartete, von Jana und mir geholt zu werden.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit, Dinge einzukochen. Einmal die restliche Suppe von gestern, die ich R gemacht hatte, weil er keine Lust auf Semmelknödel hatte (er hat sich heute noch was davon mit zum Arbeiten genommen und ich schätze mal, irgendwann hat man davon genug und isst es lieber wann anders), dann die zigtausend riesigen Kulturchampignons von der Tafel, mit Lauch, Zwiebeln, Knoblauch und Schmand zu einer Pilzsauce verarbeitet, und als Letztes ein paar der Kastanien, so viele, wie in die übrigen Gläser passten. Für Waschmittel ist also auch schon gesorgt.

Da ich so spät gefrühstückt hatte, habe ich seitdem nichts mehr gegessen und bin mir demzufolge dankbar, dass das Abendessen (in Form von Kartoffel-Blumenkohl-Gratin-Auflauf-Gedöns) auch schon fertig im Ofen vor sich hinbrutzelt. Heute habe ich wirklich nichts getan, außer mich mit Essen und Kastanien zu beschäftigen. Wunderbar. Ich werde jetzt einfach mal was essen; R hat sich noch nicht blicken lassen und ich habe Hunger.

Heut‘ ist ein guter Tag! (Und gestern ebenso.)

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Es leuchten Lichter bei mir im Zimmer. Ich habe eins der herrlichsten Wochenenden ever hinter mir. Ich bin glücklich und zufrieden und fühle mich wohl.

Gestern bin ich losgezogen und habe Kastanien gesammelt, drei zentnerschwere Tüten voll, um daraus Waschmittel herzustellen. Das hatte ich mir für heute vorgenommen, aber jetzt ist der Tag schon fast um und ich freue mich über ein bisschen Untätigkeit mit Computer auf dem Bett und den wunderbaren Kerzen überall. Meine Fensterbank ist so ein wunderschöner Anblick, ich komme kaum selbst darauf klar.

Janine ist nach Gießen gezogen und berichtet von ihren Internetschwierigkeiten. Oh die Freuden des Umziehens. Ich bin trotzdem unglaublich froh, dass sie es überhaupt aus ihrem Dreigenerationenhaus heraus geschafft hat. Wenn ich irgendetwas als Wundermittel für das persönliche Wachstum empfehlen kann, dann ist es definitiv Ausziehen. So weit weg wie nur irgend möglich. Ist natürlich schade in ihrem Fall, dass ihr Freund in der anderen Richtung wohnt und sie vermutlich gar nicht erst richtig dazu kommt, sich an ihrem neuen Wohnort wirklich zu Hause zu fühlen, aber immerhin – ein Anfang.

Es war so verblüffend schön, das Wochenende allein zu verbringen. Einfach mal mein ganzes altes Leben wieder rauszukramen; das zu tun, was ich immer getan habe. Ich war so lebendig und voller Tatkraft. Das an sich hat ganz bestimmt nichts mit R’s Abwesenheit zu tun, aber diese hat ihr Übriges dazu beigetragen, dass ich meinen ganzen Tätigkeiten genau so nachgegangen bin, wie ich wollte. Kleinigkeiten. Ich bin immer so faul, wenn er da ist, und brauche so viel mehr Disziplin, um mich zu irgendwelchen Dingen durchzuringen. Und wahrscheinlich bin ich vor allem deshalb so überglücklich, weil ich eher erwartet hätte, sinn- und ziellos vor mich hinzuvegetieren, bis er wiederkommt, und mich meine grandiose Unabhängigkeit über alle Maßen begeistert.

Lustig, wirklich: Ich habe mir unendlich Gedanken über das von mir als Amélie-Syndrom betitelte Phänomen gemacht, dass man Leute viel mehr mag, wenn man glaubt, dass sie einen auch mögen. Beziehungsweise eigentlich über den Umkehrschluss, der unweigerlich zu der Erkenntnis führt, dass man Menschen oftmals aus dem Grund nicht mag, dass man glaubt, sie würden einen nicht mögen.
Trifft bei mir uneingeschränkt zu, was dann dazu führt, dass ich in paranoiden oder anderweitig schwierigen Phasen sehr heftig dazu neige, Menschen vollkommen abzustempeln, wodurch ich noch mehr in grauenhaften Gedanken versacke, und andererseits aber, sobald mir die Person wieder Zuneigung entgegenzubringen scheint, wieder in Sekundenschnelle völlig euphorisch-ungläubig zu strahlen anfange und diesem Menschen auf der Stelle alles verzeihe, worüber ich mir vielleicht monatelang zuvor den Kopf zerbrochen hatte.
Dafür ist Trudi das beste Beispiel; der geht es nämlich auch öfter mal nicht gut, was ich aber immer noch nicht gelernt habe zu erkennen und immer aufs Neue auf mich beziehe. Egomanie lässt grüßen.
Sogar mit Hannes habe ich ähnliche Momente; ich kann ihn verabscheuen, so sehr ich will, aber sobald er zwischendurch mal den Anschein macht, mich zuindest in Ansätzen als Mensch wahrzunehmen und/oder zu respektieren (doch, das passiert. So ein Mal im Jahr ungefähr, aber es passiert), fällt mit einem Mal die ganze Bitterkeit von mir ab und ich habe nicht die leiseste Schwierigkeit, mit ihm zu interagieren.

Und während das eigentlich recht unerfreuliche Dinge sind, die ich da über die menschliche Natur im Allgemeinen und meine eigene im Besonderen erfahre, bin ich doch wirklich froh, es wenigstens zu wissen. Irgendwann wird es mir vielleicht helfen, das Verhalten von Menschen weniger selbstzentriert zu interpretieren. Kann nur helfen.

Jetzt hole ich mir ein Bierchen und schwelge weiter in der unendlichen Gemütlichkeit und Wärme meines wunderbaren, ordentlichen, heimeligen Zimmers. R rief eben an und verkündete, um halb zehn wieder dazusein. Das ist doch wunderbar.

Mauerfall

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Mein Duftlämpchen ist an. Wer sich an bisherige Erwähnungen des Duftlämpchens noch erinnert (anders gesagt, ich), kann daraus mit Leichtigkeit auf den Zustand meines Zimmers schließen – tadellos – und den meines Geistes – restlos zufrieden. Gelassen. Gut.

Ja, natürlich habe ich heute wieder nichts für die BA getan, aber das Gewissen nagt nicht genug an mir, um meine Stimmung wirklich zu trüben. Ich werde noch irgendetwas machen. Gleich.

Ich habe Şahins Geburtstag damit verbracht, mir in der Arbeit die Seele aus dem Leib zu copy-pasten, und es damit für meine Verhältnisse so ungesund übertrieben, dass der stumpfe Automatismus mir um fünf Uhr bereits den Kopf zerstört hatte, ich aus dem Büro geflüchtet bin und draußen an meinem Fahrrad erstmal eine ganze Weile ratlos vor meinem Zahlenschloss stand, weil ich mich nicht erinnern konnte, wie dieses Ding eigentlich funktioniert.

Abends waren Sarah und ich mit Chris verabredet – ehemals Cajonist, als es unsere Band noch gab – und in Anbetracht der Tatsache, dass ich Chris ungelogen seit unserem letzten Auftritt in Sebis Küche nicht mehr gesehen hatte, habe ich mich zu Hause ein bisschen aufs Bett gehauen, bis der Kopf zu brummen aufhörte, R mit dem Abendessenmachen alleingelassen und mich nach einer Stunde wieder aus dem Haus gequält, um zu unserem alten Stammpub zu fahren. Natürlich las ich erst im Bus die SMS von Sarah, die der Arbeitstag offenbar nicht weniger mitgenommen hatte als mich und welche dementsprechend ohne Motivation whatsoever zu Hause hing und uns abgesagt hatte. Ich habe mich dann mit Chris allein getroffen und schonmal ein bisschen grobes Catching-Up betrieben, bis er ins Bett wollte, und parallel Basti und R für später zu mir beordert.

Das war schön, es war so wunderschön; ich war so ewig nicht mehr im Irish Pub. Oder überhaupt irgendwie weg. Ich tue das einfach nicht mehr. Allerhöchstens lasse ich mich ein-zweimal im Monat dazu bewegen, mich ins Contrast zu hocken, und fühle mich dann fürchterlich, weil ich fünf Euro für meine zwei Hefeweizen ausgebe. Gestern war ich irgendwie so von der Arbeit geschädigt, dass ich darin gar kein Problem sah, bzw mich von meiner eigenen Ausnahmestimmung einfach habe mitreißen lassen, und mir mit dem allergrößten Vergnügen zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten ein paar Guinness genehmigt habe; dann kamen die anderen beiden und Basti hat mir noch eins ausgegeben, wider jeden Protest. Und es war so schön und wir sind den halben Weg nach Hause gelaufen und es hing einfach so eine gute Laune in der Luft, ein unausgesprochenes „Wir haben uns alle lieb“, wie ich es so liebe.

Und heute hatte ich frei und habe sehr spät erst angefangen, überhaupt irgendetwas zu machen, vorher aber schon mit R gefrühstückt und Essen zu Facebook / vor meine Haustür gestellt und mit Caro geredet, und dann war es eben vier Uhr und ich habe mich daran gemacht, meinen Garten ein Stück weiter auf den Winter vorzubereiten. R war am Flyerdesignen und somit nicht wirklich anwesend, aber immerhin habe ich ihm wertvolles Feedback gegeben. Und später da am Tisch gesessen und Brötchen zerhackt, um endlich die volle Ladung Semmelknödel einkochen zu können, und mich mit Schrecken und Verwunderung an die wirklich nicht weit zurückliegenden Zeiten erinnert, in denen ich mir während solcher Situationen hilflos vorkam und so, als hätte ich keinen Zugang zu ihm.

Ich bin halt auch irgendwie ziemlich bedeppert. Mir scheint es gerade so, als hätte sich im frühen September mit meinem ruckartigen Aufwachen aus der widerlichen Phase davor meine gesamte Wahrnehmung korrigiert, aber so krass korrigiert, wie ich es ansonsten nur erlebe, wenn ich jemand tendenziell Unfähigem den Entwurf eines Textes überarbeite. Zack, da dreht sie sich mit einem Mal um hundertundachtzig Grad, gibt eins dieser unglaublich wohltuenden einrastenden Klick-Geräusche von sich und fügt sich damit endlich, endlich in die Position hinein, die ihr von Rechts wegen zusteht.

Wie das sein kann, frag ich mich. Wie paranoid kann ein einzelner Mensch denn sein, was war denn da mit mir los, um alles in der Welt. Ich habe immer noch das Gefühl, als würde R es mir auch wirklich leichter machen. Es ist ein Traum, gar keine Frage. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich mit einem Mal so schlagartig verändert haben soll, dass es mir auf einmal möglich ist, mal meine selbstzerstörerischen Selbstschutzmaßnahmen wegzustecken.
Oh, warte, vielleicht liegt es aber auch tatsächlich daran, dass ich mal etwas von mir preisgebe. Hey, ich hab’s geschafft, mal ein Stückchen aus meinem Panzer hervorzukommen. Irgendwas muss man doch beisteuern, damit etwas zurückkommen kann. Vermutlich ist es das, was ich lernen sollte.

Boggle my mind is what you do.

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Es hört gar nicht mehr auf, ich kann es nicht glauben. Wunderbare Dinge geschehen immerzu und ich komme kaum hinterher.

Trudi ist wie ausgewechselt und es macht auf einen Schlag wieder so unheimlich Spaß, mit ihr zusammenzuwohnen.

Ich habe Hannes seit Tagen nicht gesehen, auch wenn er wohl heute kurz hier war, was für eine Wohltat.

Meine Großeltern, meine Eltern und ich haben bestimmt anderthalb Stunden zusammen verbracht und uns dabei einfach nicht in die Haare gekriegt, niemand von uns.

Das Unglaublichste aber: R steckt offenbar momentan in einer „Aspi, du siehst glücklich aus, deine Kulleraugen quellen gleich heraus. Ich bin noch viel toller, als du deeeenkst“-Phase, und WHOA, sie haut rein, lass es dir gesagt sein. Es ist, als hätte er sämtliche ihn zu einer etwas schwierigen Persönlichkeit machenden Züge auf dem Abstellgleis geparkt. Zurück bleibt ein Mensch, dem ich auf Anhieb mein uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringe, der mir ermöglicht, ihn wahrzunehmen, ohne sich aufzudrängen – der mit mir interagiert, so richtig im Sinne des Erfinders, mit Zuhören und Antworten und allem, was dazugehört. Ich habe, genau, wie es mit Trudi der Fall ist, den Eindruck, aus mir selbst allein durch diesen Faktor des Gesehenwerdens – allein durch das Gefühl, anders gesehen zu werden, denn, wer weiß, am Ende entspringt all dies wieder nur meiner verqueren Wahrnehmung; vielleicht war es schon immer so und ich konnte es einfach selbst nicht sehen – eine um Längen bessere Persönlichkeit herausholen zu können, die das, was ihr da entgegengebracht wird, noch um ein Vielfaches mehr verdient. Die sich auch ihrerseits wieder mehr einbringen und interessieren kann, die selbst wieder die Möglichkeit hat, mehr von sich zu geben (und, ja, tatsächlich auch von sich zu geben. Es ist so leicht auf einmal, einfach zu reden.) Und während es immer schon überwältigend war, mit ihm zusammenzusein (weil er einfach bei aller Egomanie ein absolut einzigartiger, goldiger, umwerfender, faszinierender, verdammt liebevoller und, wenn er will, sogar aufmerksamer Mensch ist, schon immer gewesen), so musste ich jetzt feststellen, dass ihn der Zustand, in dem er sich gerade befindet, in unvergleichliche Sphären erhebt. Das ist die fehlende Dimension, die ich gebraucht habe. More than wonderful, better than amazing: This is mind-boggling.

Ich würde schon zu gern wissen, wie viel von dem jetzt eigentlich echt ist und was – vor allem welcher Teil der Probleme, die ich hier nicht müde wurde zu diskutieren – einfach daher rührt, dass mein verdammtes Hirn so unglaublich paranoid und negativ-lastig ist. Mir ist durchaus klar, dass ich mir Zuneigung, Achtung, Akzeptanz und dergleichen erst dann überhaupt wahrzunehmen erlaube, wenn sie mich praktisch mit dem Hammer überfallen. Oh well.. I guess I’ll never know.

Abgesehen davon: Regelschmerzen des Todes. Ich habe heute Früh nach einer Ibu gesucht, dann etwas gefunden, das ich für Ibus hielt, und mir kurzerhand eingeworfen, nur um mir in derselben Sekunde bewusst zu werden, dass ich soeben eine Penicillintablette geschluckt hatte. Ich wollte mich noch eine halbe Stunde danach einfach nur schlagen. Dem Antibiotikum folgte noch eine Paracetamol, die sich irgendwann nach vier Stunden Höllenqualen dann auch mal entschloss, doch noch zu wirken, und meine Motivation und Tatkraft konnte wieder ungehindert in wunderbare Projekte fließen.

Und: Ich bin morgen Abend und Samstag bei meinen Eltern, um Mama auf dem Flohmarkt zu helfen. Und weil es vorhin alles so wunderbar geklappt hat, kann ich ruhigen Gewissens verkünden: Ich freue mich drauf. Unglaublich, ich weiß.

Basti ist seit Ewigkeiten da und würde es vermutlich begrüßen, wenn ich endlich mal fertig werde hier. Tue ich ihm doch den Gefallen.

Schwankstunde

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I felt happy while watching this video. I enjoyed how it reflected my view on life and living, and I take great pride in the resonance it produced in my own way of being.

I’ll tell you an anecdote to support my point. It’s one I’ve been meaning forever to tell, too.

I met my current boyfriend on a bus. Of course, technically, it was the second time we met, but it was also the first time for him to approach me in a situation outside the restrictions of a specific purpose. And it was then that he decided our conversation was worth traveling a couple of stops further than he had intended.

More accidental bus encounters happened soon after that first one. It was during one of them that he first invited me to his home. The last one occurred later that same day, which resulted in our agreeing he must have been stalking me, a weird hobby for someone to take on only a few weeks before leaving the town.

Chances are small nowadays that I’ll hop on a bus and happen upon him out of the blue, for it’s an unusual thing for me, nowadays, to not know where he is. I owe this to our combined refusals to become urban soldiers when it is the most common thing for travelers to do.