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Sachen konfrontieren

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Es tut. So. Gut. Ich wünschte, ich könnte das immerzu.

Ich habe mich aufgemacht und Katzenfutter geholt, obwohl es meinem miesmacherischen Kopf völlig unmöglich schien, für vier Tüten Katzenfutter bis ans andere Ende der Stadt und wieder zurück schwarz mit dem Bus zu fahren.

Ich habe beinahe umgehend, nachdem ich dieses Schreiben bekommen habe, das mich erinnern sollte, meine Steuererklärung für das letzte Jahr abzugeben, eine Erneuerung meines Zugangs zu diesem Portal eingeleitet, dessen Passwort ich natürlich vergessen hatte. So kann ich damit anfangen, sobald ich meine neuen Zugangsdaten erhalte.

Ich habe R gestern gefragt, ob er vielleicht Lust hätte, sich meine Fotos aus Bolivien anzuschauen – von alleine wäre er eh nicht mehr drauf gekommen. Und in dem Rahmen habe ich gerade eben, nachdem wir gestern die ersten  beiden Etappen durchbekommen haben – Santa Cruz und Cochabamba – mich unfassbarerweise gerade noch rechtzeitig dazu aufgerafft, die Fotos in der Dropbox wiederherzustellen, die Thomas seinerzeit da hochgeladen und nach einer angemessenen Periode von mehreren Tagen wieder gelöscht hatte, denn natürlich habe ich es damals nicht hinbekommen, besagte Bilder herunterzuladen. Dafür aber jetzt. So kann R nacher eventuell auch mal mich auf Fotos von meinem Urlaub sehen. Ich liebe es.

Und nun muss ich los zu Marthe. Genau jetzt. Bis dann.

Getting. Stuff. Done.

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Ich kann es nicht abwarten, Scorpion mit R zu gucken. Dessen Persönlichkeit oszilliert nämlich aspektweise noch wesentlich krasser als meine zwischen normalsterblich, Genie und Wahnsinn, und im Gegensatz zu mir hat er (soweit ich weiß – wäre es aber doch der Fall, so wäre dies besorgniserregend in Anbetracht seines aktuellen Entwicklungsstandes) nie besonders hart daran gearbeitet, seinem von Natur aus unterentwickelten EQ auf die Sprünge zu helfen. Und da diese Thematik ja einen beträchtlichen Teil der Serie ausmacht, wird es unwahrscheinlich lustig werden, ihm das vorzusetzen. 

Gerade bin ich aber erstmal stolz auf mich, weil ich nach der Frühstücks-Folge die Kurve gekriegt und mich vom Sofa geschwungen habe, um ein wenig Ordnung in mein Wohnzimmer zu bringen. Ich habe mir das erste Delta-Goodrem-Album angemacht und Papierschnipsel sortiert, während die letzten Ausläufer meiner Kindheit – in der Musik konserviert, als hätte ich sie damals eingeschweißt und vakuumisiert – sich mit den Schallwellen im Raum verteilten.

Da ich gerade so gut dabei war und es mir erstmals seit (gefühlt) langer, langer Zeit völlig natürlich vorkam, mich in der Wohnung zu bewegen und im Vorbeilaufen Dinge zu tun, habe ich meinen Keller-Eimer genommen und mit Bildern von einem neulich vom Sperrmüll aufgesammelten großen Kalender von 2014 beklebt, wie ich es seit Jahren tun wollte. Es handelt sich bei dem Eimer um ein Pappbehältnis mit bunter ‚Party Chips‘-Aufschrift, den Wolfgang (inklusive Inhalt) zu meiner ersten Geburtstagsfeier in dieser Wohnung mitgebracht hatte. Seitdem verwende ich ihn, um Dinge in den sowie aus dem Keller zu transportieren, und habe bis heute auf den Moment gewartet, in dem ich motiviert genug sein würde, um ihn ästhetisch ansprechend zu gestalten. Es fühlt sich gut an, dass dieser Moment heute eintrat.

Pflanzen habe ich ebenfalls schon fotografiert. Es sieht aus, als hätte ich ein kleines Zeitproblem mit meinen täglichen Bestimmungen – ich bin nun auf der Hälfte angekommen und langsam gehen mir die Kandidaten aus, die sich gerade zum Dokumentiertwerden anbieten. Ich habe etliche schwierige Fälle, die sich unmöglich bestimmen lasen, bevor sie nicht blühen – was aber besonders im Fall der zahlreichen Mystery-Mitbringsel aus verschiedenen Teilen der Welt aller Voraussicht nach dieses Jahr (noch) gar nicht der Fall sein wird. Und dann gibt es die Tomaten, die bisher noch allesamt grün und unfertig sind, und die Paprika bzw. Chilis, die noch nicht einmal blühen. Sag du mir mal, welche Sorte Chili ich habe, ohne dass du die Frucht dazu siehst.

Naja. Man wird sehen. Ein paar Tage komme ich noch so über die Runden.

41 – 45

Ringelblume (Calendula officinalis – Asteraceae)
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Süßkirsche (Prunus avium – Rosaceae)
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Feige (Ficus carica – Moraceae)
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Kurkuma (Curcuma longa – Zingiberaceae)
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Tradeskantie (Tradescantia fluminensis)
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Creepy Comeback

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Kepa muss ein noch fähigerer Gedankenleser sein, als ich sowieso schon dachte. Seit der Nacht neulich, wo ich fast durchgedreht bin vor Trauer um die alten Zeiten, meldet er sich regelmäßiger und geballter als die ganzen letzten zwei Jahre zusammen, was latent unheimlich ist, wirklich jetzt.

Lissabon hält uns Tag für Tag mit Sonne, mehr Sonne und immer neuen Möglichkeiten auf Trab, uns die Füße wundzulaufen. Bei Caro und Ricardo zu sein ist wunderbar, und es mit Becci zu sein noch mehr. R denkt daheim an meine Pflanzen und hat mir bestätigt, dass mir ein mit meiner Rückkehr von den Azoren Anfang des Jahres vergleichbares Drama nicht erneut bevorsteht. Caro hat Tomaten auf dem Balkon, in viel zu kleinen Kästchen und Töpfen, um die ich mich ersatzweise kümmere.

Ich bin zufrieden.

Sunshine, my old friend.

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Und schwupps, auf einmal ist es Sommer. Ich sitze in Top und kurzem Rock auf der Terrasse und schwelge in der Wiedervereinigung mit meiner Lebensspenderin Sonne. Schwer vorzustellen, dass vor so Kurzem die Welt noch kalt und finster war.

Die Terrasse ist präpariert für den Einzug der Pflanzen, obschon der natürlich noch einen guten Monat hin ist. Die Komposteimer sind wieder in Betrieb genommen, Kübel teilweise mit Erde befüllt, die Überlebenden des Winters ausgemacht und versorgt. Die Pfefferminze sprießt schon fröhlich; der Schnittlauch macht den Eindruck, nie weggewesen zu sein; Petersilie habe ich aus dem Kasten in ein Töpfchen und Rucola zum Topinambur in den Eimer verfrachtet. Hallelujah, ich kann wieder leben.

R ist arbeiten und wird sich nachher das Qualifying ansehen; ich könnte zum Großhandel fahren oder es bleiben lassen. Man wird sehen. Vielleicht fahre ich nachher zum neuen Spot und schaue beim Großmarkt auf dem Rückweg vorbei. Oder nicht. Zuerst einmal lasse ich es mir gut gehen, trinke mein Bier, solange es kalt ist, lese mein Buch und sauge den Sommer auf.

¡Estamos a salvo!

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Noch nie war ich so erleichtert im Angesicht eines Wahlergebnisses. Als es in Österreich knapp war, nicht; als es in Frankreich knapp war, nicht, und wenn im eigenen Land was los war, erst recht nicht; hierzulande ist das meines Erachtens eh alles ein Brei und die beachtenswerte Bedrohung erfolgt in dem Moment, in dem die AfD noch einen Tick salonfähiger wird, aber das kommt schleichend, da fällt man nicht so aus allen Wolken.

Anders das Szenario Costa Ricas. Seit Februar war ich am Bangen, ob Fabricio oder Carlos, ob Hass oder Fortschritt, Elend oder Würde. Mein Erstaunen über Fabricios Wahlsieg in der ersten Runde hielt sich trotz des damit einhergehenden Entsetzens in Grenzen, was auf meine Erfahrungen zurückzuführen ist, die ich einst dort gemacht habe, und die Art von Menschen, mit denen ich damals zusammengetroffen bin. Aber mit dem Entstehen der parteienübergreifenden Coalición Costa Rica als unmittelbare Reaktion auf Fabricios knappen Sieg und all das gewaltige aufbrausende Engagement des sonst so politikverdrossenen Costa Rica haben sich mir Seiten an der Bevölkerung dieses Landes eröffnet, die mir all die Jahre praktisch völlig verborgen waren. Ich habe ein Stück meines Glaubens an die Menschheit in diesen paar Monaten wiedererlangt, falls der zuvor je vorhanden war. Und heute das Ergebnis der gestrigen Stichwahlen; die Menschlichkeit hat triumphiert, Carlos bekam knapp über sechzig Prozent der Stimmen. Das ist, als hätte Sanders direkt gegen Trump kandidiert und in zweiten Anlauf gewonnen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung. Das ist ein Grund zu unsagbarer Erleichterung. Und das bedeutet, dass innerhalb der nächsten vier Jahre nichts weiter mich davon abhält, costarricanischen Boden zu betreten, als meine eigene zeitliche und finanzielle Situation. Wäre es Fabricio geworden, sähe das anders aus. Da hätte man dann auch gleich in die Türkei fliegen können.

Dass ein Großteil meiner Bekannten und Freunde dort heute vermutlich im Gegensatz zu mir und allen mit Hirn gesegneten Costarricanern keine Freudentänze aufführt, ist ein Wermutstropfen, aber im Moment überwiegt die Erleichterung. Nicht nur hat Carlos nun die Chance, seine Sache so gut zu machen, dass es weder den Hirnbesitzern noch den Fabri-Lovers des Landes in den nächsten Jahren schlechter geht als zuvor; er kann auch den hart geschädigten Ruf seiner Partei wieder verbessern und Debakel wie dieses so für die Zukunft verhindern. Sie wären dem Fabri nicht alle derart blind in die Arme gelaufen, hätte sich die PAC nicht zuvor über eine Dekade durch grottige Regierungen und Korruptionsskandale mit viel Erfolg zum allerersten Sündenbock der Nation hochgearbeitet.

Aber genug davon. Es ist ein kleines Land, aber ein großes Beispiel für die Menschheit. Ich bin überzeugt, dass Carlos den offenkundigen Baustellen, die eine 40-Prozent-Rate für zurückgebliebene, heuchlerische, Hass schürende Prediger wie Fabricio erst ermöglichen, mit offenem Auge begegnet und alles in seiner Kraft Stehende unternimmt, um diese eiternden Wunden zu säubern.

Ich, währenddessen, bin noch aus anderen Gründen glücklich: es wird endlich wärmer hier, und ich bereite voll Vorfreude immer weitere Töpfchen mit Saatgut vor, um, wenn es soweit ist, die Terrasse so pflanzenbefüllt als möglich erleben zu können. Aus dem FairTeiler habe ich Topinambur mitgebracht und ein paar Knollen davon eingepflanzt; ein neues Basilikumtöpfchen ist angerichtet, um jene Pflanze zu ersetzen, die ich um ein Haar durch den Winter gekriegt hätte, wäre nicht meine fatale zweiwöchige Abwesenheit vor ein paar Wochen dazwischengekommen. R hat’s nicht so mit Pflanzengießen. Aber dafür bin ich ja jetzt wieder da, und in Zukunft überlasse ich meine Schätzchen definitiv jemand anderem.

Society, you’re a crazy breed.

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Seit Langem war ich nicht mehr so glücklich wie heute.

Gestern vielleicht. Aber das kommt auf eins raus; seitdem ich AoE in jeglicher Form von meinem Computer verbannt habe, fühle ich mich wie neugeboren, als hätte ich meinen Platz in der Welt wieder gefunden und lückenlos aufs Neue eingenommen, als wäre ich nie weg gewesen.

Es ist warm draußen, viel wärmer, als vierzehn Grad vermuten lassen, und ich war viel zu dick angezogen, als ich Pfand wegbringen ging heute Nachmittag. Ich habe mit Becci telefoniert, während ich zum Kaufland fuhr, dann schnell die Pfandgeschichte erledigt und zwei Knollen Knoblauch illegal aus dem Supermarkt entführt – ich habe eine neue Gewohnheit daraus gemacht, jedes Mal beim Pfandwegbringen eine Kleinigkeit mitgehen zu lassen, Spülmaschinenklarspüler oder gerebelter Knoblauch oder NicNacs oder Knoblauch in Reinform, so wie heute. Das ist schon möglich. Und meinem Gewissen tut das gut; ich fühle mich trotz vollständigem Lebensmitteleinkaufsboykott immer noch zu hörig gegenüber den Supermärkten und es bereitet mir Kopfschmerzen, dass ich das abgefuckte System durch Klopapier- und Spülmaschinenpulvereinkäufe nach wie vor unterstütze. Dann wenigstens irgendetwas Kleines klauen. Ich habe sehr spät damit angefangen, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen ihre kleptomanische Phase in ihrer Jugend ausleben und dann hinter sich lassen; ich sehe es trotzdem nicht ein.

Heute also zwei Knollen Knoblauch. Ich bin glücklich und gleichzeitig verwundert, warum ich darauf nicht viel früher kam. So viel früher; was hätte mir die Erkenntnis, dass auch ich in der Lage bin zu klauen, zu Einkaufszeiten an Gewissensbissen erspart. Klauen gegen das schlechte Gewissen, schon eine komische Herangehensweise an die Dinge. Aber so denke ich.

Natürlich habe ich lose Knoblauchknollen eingesackt, keine im Netz. Dann wären es ja auch drei gewesen. Ich dachte mir aber, ich bin mit zwei Stück erstmal ganz gut beraten.

Dann war ich containern. Es gab beim Großhandel gar nichts, dafür habe ich auf dem ganzen Weg mit Becci telefoniert. Beim kleinen Edeka habe ich zwei Topfpflanzen, Lauch und ein paar Zwiebeln gefunden sowie einige Fläschchen Schlagrahm. Dann spontan noch zum FairTeiler: mehr Zwiebeln, Zucchini, Möhren, Paprika, Tomaten und Topinambur. Volltreffer. Doch nicht mit leeren Taschen nach Hause zurückgekehrt. Ich hätte es auch sonst nicht schlimm gefunden, weil ich Becci auf dem Hinweg und mein Buch auf dem Rückweg dabeihatte.

Der Brandt klingelte, als ich gerade dabei war, den Lauch im Kühlschrank zu verstauen, um sich zurückzumelden. Ich hatte den Auftrag gehabt (und gerne angenommen), mich um seine Bonsais und Orchideen zu kümmern, während die beiden im Urlaub waren. Nun hat seine Frau, Ilona, geäußert, wir sollten uns doch mal auf ein Weinchen bei ihnen oben treffen. Ich habe wirklich nichts dagegen. Nachbarschaftliche Bindung kann in so einem Mehrparteienhaus wirklich nur von Vorteil sein.

Ich bin betrunken, das nur ganz am Rande.

Nach der AoE-Löschaktion gestern habe ich mir Maltes Filmtipp zu Gemüte geführt, Into the Wild. Ich war davon mehr als geringfügig verstört; der Mensch ist wirklich gestorben? Aber diese Menschen braucht doch die Welt, wie konnte er sterben?

Dafür habe ich mir ein Lied aus dem Soundtrack beigebracht, gestern Abend und heute Mittag. Society.

Natürlich ist das jetzt nicht perfekt oder ansatzweise so etwas. Aber immerhin hat es einen Laien (zumindest gehe ich stark davon aus, dass es einer ist) kurz sprachlos gemacht: natürlich musste ich das Werk gleich Malte zukommen lassen, immerhin verdanke ich ihm die Bekanntschaft mit dem grandiosen Soundtrack eines nicht weniger grandiosen Films.

Ich bin so durch den Wind, ich ziehe gerade allen Ernstes in Erwägung, nochmal containern zu fahren. Diesmal zum anderen, neueren Spot. Aber ich glaube, das lasse ich lieber; ich war ja vorgestern dort und an einem Tag wird so viel nicht zusammenkommen, dass es sich lohnen würde, die Stunde dorthin in der Bahn zu verbringen.

Andererseits, wieso eigentlich nicht. Ist ja nicht so, als würde ich hier noch etwas Produktives anfangen.

Man wird sehen, was ich um 23.08 Uhr letztendlich anstelle.

Heimkehr

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Hier hat es Minusgrade. Macht nichts; ich freue mich trotzdem, wieder dazusein. Noch steht der Bus auf dem Parkplatz des Frankfurter Flughafens, aber in drei Minuten ist Abfahrt.

Das Auto war preislos. Wir haben 250 Kilometer an zwei Tagen zurückgelegt auf einer 500-Quadratkilometer-Insel, die man sich unmöglich mit dem unterentwickelten Bussystem hätte erschließen können.

Jetzt fahren wir ja tatsächlich schon. Dann bewahre ich den Rest für Zuhause auf. Ich komme nach Hause!

Azorenregen

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Heute hat es geschüttet, als wäre im Himmel oben irgendwo ziemlich genau über uns ein Damm gebrochen. Es wurde also noch einmal ein richtiger Chilltag, aller Voraussicht nach der letzte des Urlaubs – ab morgen Nachmittag haben wir das Auto und werden damit unterwegs sein und zum Chillen weder Zeit noch Ausreden haben.

Aber heute war schön. Ein angenehmes Nichtstun, nicht zu vergleichen mit dem elendigen Versacken vor einer Woche. Wir haben unser bewährtes Urlaubsbrot mit unendlich Knoblauch gegessen, dessen Teig Becci am Vorabend schon zubereitet hatte, sodass ich nur noch zwei Fladen daraus formen und in der Pfanne backen musste. Dann schnell zurück ins Bett, in das warme Zimmer, zum Luxus des kleinen, aber effektiven transportablen Heizkörpers, den ich nach der ersten, durchfrorenen Nacht aus dem Gemeinschaftsraum zu uns verschleppt habe und seither wie eine Gottheit verehre.

Wir hängen im Bett und reden wenig, lesen, zocken und hören Musik. Wir haben Honiglikör mit Zimtnote, Produkt der Azoren, und Erdnüsse mit Honig- und Salzkruste; Dekadenz, die wir uns zu erlauben entschlossen, nachdem uns die Autovermietung am Flughafen – vielleicht in Anbetracht unseres Hippietouristenaussehens – ungefragt einen Rabatt von knapp 20 Euro angeboten hatte. Die Flasche steht in dem Spalt zwischen den Matratzen unserer zusammengeschobenen Betten, einige Erdnüsse sind in der Schüssel neben meinem Kopfkissen.

Becci schläft mit Kopfhörern in den Ohren, und ich frage mich, welchen Effekt dies auf die vor ihr liegende Nacht haben wird, aber ich möchte sie auch nicht aufwecken.

R schreibt mir, dass er mich vermisst, und ich bin glücklich und antworte dasselbe. Seitdem ich ihn kenne, ist dieses Wegsein das allererste mit Kommunikation zwischen uns, die unserer Beziehung gerecht wird. Ich bin unfassbar froh darüber, wie alles immerzu besser wird und die Fortschritte kein Ende nehmen. Diese Beziehung ist schon seit Langem nicht mehr die Bauruine, die ich damals bezogen habe; sie hat eine Kernsanierung hinter sich, ein dichtes Dach und eine isolierte Fassade, eine Fensterfront mit Meerblick und ein ausgebautes Dachgeschoss. Es ist darin warm und gemütlich und nichts an der Einrichtung ist provisorisch. Und langsam, aber sicher kann ich mich den letzten paar Kisten zuwenden, die noch im Keller stehen.

Titel: Vergessen

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Fast habe ich es schon zu Becci geschafft. Ich sitze im Bus von Gelnhausen und warte darauf, dass er losfährt. Natürlich musste mein Zug unterwegs eine halbe Stunde stehenbleiben, sodass sich alles verzögert hat und ich es schon zum zweiten Mal in Folge nicht geschafft habe, zusammen mit JO den Zug zu nehmen. Ein Glück ist R (erkältungsbedingt) nicht dabei, er wäre schon wieder übel gestresst von den ganzen Unplanmäßigkeiten.

Aber jetzt fahren wir und ich freue mich tierisch auf die kommenden Tage. Außer JO und mir werden ab dem 31. auch Caro und Ricardo da sein, weshalb ich mich besonders gefreut hätte, wäre es R möglich gewesen mitzukommen. Ich habe mich ziemlich angestellt wegen seiner Planänderung und ihm aus dem Zug vorhin erstmal eine ellenlange Entschuldigungs- Schrägstrich Erklärungsnachricht für mein ganzes Gezicke geschrieben, die ihm hoffentlich meine Beweggründe ein wenig besser ersichtlich macht. Nichts wäre schlimmer, als ihn mit einem nicht hundertprozentig guten Gefühl alleine über Silvester zurückzulassen.

Auf mich aber wartet jetzt eine wunderbare Zeit mit ein paar meiner liebsten Menschen, die sich heutzutage viel zu selten in dieser Konstellation zusammenfinden. Auch wenn wir wahrscheinlich ziemlich viel rumhängen und nichts tun werden – dagegen hat bekanntlich niemand von uns groß was einzuwenden. Oh, ich freue mich.

Wie es also auch sein kann:

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Ich hatte ein ganz wunderbares Weihnachten. Meine Eltern sind doch zu Hause geblieben, weil ich offenbar letzte Woche meinen Vater mit meiner Erkältung infiziert habe. Somit waren R und ich ganz allein und haben einfach die freie Zeit, insbesondere die seine, in vollen Zügen ausgekostet. Es gab Unmengen Boggle, Carcassonne, Filme, Kaffee, Plätzchen und warmes Licht durch die ganzen Kerzen. Ich habe an Heiligabend kurzerhand die Leitung über die Bescherung übernommen, den Vikus ins Wohnzimmer verschleppt und mit der wenigen Weihnachtsdeko versehen, die ich besitze, R’s Geschenke daruntergelegt und ihn mit dem einzigen Glöckchen aus dem rosa Zimmer geklingelt, das ich auftreiben konnte. Es war eins von diesen winzigen Schokohasenglöckchen, wie man sie zu Ostern bekommt, und machte kaum hörbare Geräusche, aber hey. Immerhin.

Gestern kamen nacheinander eine Freundin und ein Kumpel von R vorbei, sodass wir im Prinzip den ganzen Tag auf dem Sofa verbrachten. Zugegebenermaßen habe ich dann irgendwann abgeschaltet, als Lars da war, denn – du wirst mir sicher zustimmen – der normalsterbliche Mensch erträgt halt nur eine bestimmte Dosis Informatiknerd am Tag.

Soeben habe ich R die Haare geschnitten, ein lang geplantes Unterfangen. Er sagte danach, schön, dann könne er jetzt ja in seine Boyband zurück, aber ich bin mit meinem Werk sehr zufrieden. Es war immerhin das erste Mal, dass mich jemand ganz freiwillig seine Haare hat schneiden lassen. (Das erste Mal, dass R dieses Vergnügen zuteilwurde, war bekanntlich die Folge eines alkoholinduzierten Zopfabschneidens meinerseits und alles Andere als einvernehmlich beschlossen.)

Nun wird dieser Tag am Ende den hoffentlich zumindest halbwegs wieder energiebetankten R in eine kurze Arbeitswoche mit drei Nachtschichten entlassen, bevor wir am Freitag zu Becci fahren. Ich muss ihr eigentlich mal schreiben und schauen, ob sie trotz anwesender Familie die Feiertage irgendwie überstanden hat.