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Borondate, borondate, zure zain nago oraindik.

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Wieso um Himmels Willen erschließt sich mir erst jetzt die vollständige Awesomeness von setlist.fm?

Wie konnte das passieren? Ich lebe doch nicht erst seit gestern, und – noch schlimmer – habe schon häufiger auf die Seite zurückgegriffen, aber… erst gestern kam ich darauf, mir einen Account dort zu machen und alle gesammelten Bands und Konzerte, die ich je besucht habe, darin aufzulisten.

Es sind nicht wirklich alle. Erstens hat mein Gedächtnis erschreckende Lücken, die da nicht sein sollten. Zweitens habe ich zwar etliche Termine, die noch nicht aufgeführt waren, vervollständigen können. Drittens kann ich aber nur neue Termine hinzufügen, deren genaues Datum ich auch kenne. Und viertens ist es zwar cool, dass ich mal im Sommer 2009 Estopa am Stadtstrand von Málaga gesehen habe, aber den Interpreten dafür extra zu importieren ist mir dann doch zu aufwändig. Plus, ich bin mir relativ sicher, dass setlist.fm die Malagueta nicht als Location durchgehen lässt.

Es war trotzdem, verteilt über den gestrigen und den heutigen Nachmittag, eine wunderbare Reise durch mein Konzertuniversum. Nicht nur fallen einem auf einmal die lustigsten Zufälle auf, was die Daten betrifft (niemals hätte ich herausgefunden, dass mein zweites The-Used-Konzert genau wie das zwei Jahre später stattgefundene Rise-Against-Konzert (beide in Frankfurt!) am 16.11. war, was wiederum Roberts Geburtstag ist, was mir wiederum eigentlich egal sein kann, da ich mit Robert nichts mehr zu tun habe und es awkward genug war, ihm neulich mit Becci beim Frank-Turner-Konzert in Wiesbaden nicht nur über den Weg zu laufen, sondern ihn und seine Freundin praktisch das gesamte Konzert über auch nicht mehr loszuwerden. Trotzdem. Es wäre mir auf ewig entgangen.

Mein Gewissen killt mich. Wir haben inzwischen zwar unser Visum für Indien beantragt und ich habe gestern über den Tag verteilt ganz viel mit Sarah und Susmita geschrieben, um alles Mögliche abzuklären, aber abgesehen davon schiebe ich alles, alles vor mir her und bekomme mich auf Teufel komm raus nicht dazu bewegt. Heute habe ich es immerhin über mich gebracht, zu duschen und mich anzuziehen. Richtig schön, mit Desigual-Oberteil und passendem Lippenstift. Zum Rausgehen hat es dann allerdings nicht mehr gereicht, da ich mir kurz vor knapp eingeredet habe, die Medis könnte ich auch morgen holen, wenn ich den ganzen Rest erledige. (Der ganze Rest = Finanzamt, Katzenfutter.) Hoffentlich ist das Rezept nicht schon wieder abgelaufen.

Ich war neulich wirklich unten, als ich mir das Medis-Holen zum ersten Mal vorgenommen hatte. Leider musste ich (nicht zum ersten Mal) feststellen, dass die Apotheken hier im Kaff sage und schreibe zwei Stunden Mittagspause machen und ich um halb zwei Uhr mittags bei allen dreien davon vor verschlossenen Türen stehe. Dass die sich auch noch aufeinander abgestimmt haben, es ist zum Mäusemelken. So fuhr ich unverrichteter Dinge wieder hoch und freute mich dennoch, weil ich immerhin auf dem Weg eine Ladung Altglas weggebracht hatte und der dafür vorgesehene Eimer somit nur noch anderthalbmal geleert werden muss, bis nichts mehr übrig ist.

Heute habe ich, um dem schlechten Gewissen wenigstens irgendetwas entgegenzusetzen, zweiundzwanzig Unbabel-Jobs bearbeitet (schlägt sich gleich angenehm auf der Verdienstanzeige wieder, wenn man nicht alle zwei Minuten auf die Uhr guckt und nach einer Viertelstunde entscheidet, dass man es nicht länger aushält) sowie zwei Maschinen Wäsche gewaschen (und bislang eine Ladung davon durch den Trockner gejagt). Gestern bestand meine selbstgewählte sinnvolle Aufgabe darin, das Frank-Konzert auseinanderzupflücken, um die Aufnahmen bald Becci und Cornelia zukommen lassen zu können. Ich komme bald nicht mehr darauf klar, wie sehr ich mich selbst für das Prokrastinieren verabscheue. Wahrscheinlich gehe ich daran eher kaputt, als mich die tatsächlichen Folgen meiner Prokrastination überhaupt einholen können.

R sagte gestern zu mir, ich solle mich nicht so verrückt machen. „Du tust was. Und ob du es nun zwei oder acht Stunden am Tag machst, ist völlig egal.“ Unbändige Erleichterung ob dieser Zusicherung mischte sich in dem Moment mit den Protestschreien meines Gewissens sowie dem Bewusstsein, dass ich in den vergangenen Tagen nicht einmal eine einzige Stunde lang Geld verdient hatte.

Ich muss einfach irgendwie aus dieser Lähmung raus. Ich brauche von irgendwoher die Willenskraft. Wo kann ich Willenskraft bestellen?

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Gotta Love Sperrmüll // Being Productive

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Ich bin echt gut. Jeden Tag während R’s Abwesenheit – er kommt heute Nacht wieder – , heute eingeschlossen, war ich produktiv und nützlich. Ich habe am Freitag die gesamte Liste abgearbeitet und mir lediglich ein paar Sachen in der Garage für Samstag Früh übriggelassen, mit denen ich dann auch gerade fertig war, als Papa ankam. Es stand nur noch der Blumenkübel im Weg, den ich dann auch noch schnell wegräumte, als ich von der vorherigen Kellertour zurück in die Garage kam und überrascht feststellte, dass sich Papa schon in der Parklücke befand, soweit es denn möglich war. Talk about perfect timing.

Dann haben wir zusammen den Schrank in den Keller gebracht und er trug für mich den Kübel nach oben, und als er wieder weg war, habe ich ein paar Stunden lang im Keller gewerkelt und geräumt wie nichts Gutes, um den Schrank in Gebrauch zu nehmen. Es ist wundervoll geworden.

Hier oben haben sich ebenfalls Dinge getan: den vom Sperrmüll mitgenommenen Staubsauger habe ich ausprobiert und für nicht behaltenswert befunden. Die Ipod-Box vom gleichen Sperrmüllhaufen hingegen ist über alle Maßen genial und thront nunmehr auf der von Waltraud verschmähten zweiten Etage des Kratzbaums. Das kleine Schränkchen, welches ich während der zweiten Runde (auf dem Weg zum großen Schrank und der Kommode, wegen denen wir nochmal losgefahren waren) spontan eingesammelt hatte, steht wie geplant auf dem Bett und ist bestückt mit Kaffeeutensilien. Und die Kanne der am gleichen Abend bei unserer Hauptcontainerquelle eingesammelten Maschine wartet darauf, dass die Spülmaschine voll wird, um dann zusammen mit den Kaffeefiltern, die ich R heute beauftragt habe seinen Eltern abzuluchsen, unseren Traum endgültig wahrzumachen: Kaffee im Bett. Es ist der helle Wahnsinn, wie sich mit dieser einen Monstertour in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mein Lebensstandard wieder mal gesteigert hat. Und ich freue mich wie ein Schneekönig auf den Moment, in dem ich R die Kaffeekonstruktion kredenze. Oh, wie wird das episch.

Eigentlich müsste ich, damit es perfekt wird, noch den Balken von der Wandseite des Bettes abmontieren, dann kann das Schränkchen noch 10 Zentimeter weiter nach hinten und nimmt noch weniger Platz weg. Nicht dass auf unserem Bett der Platz ein riesiges Problem darstellen würde; selbst mit unserer 1,40-Matratze liegt immer noch ein großer Teil der Bettfläche brach und ist vermutlich genau so glücklich wie ich darüber, wenn er endlich mal ordentlich genutzt wird.

Heute habe ich, meinem gestern gefassten Entschluss gemäß, das Bad geputzt (nur die Badewanne fehlt noch, weil ich die Fugen darüber mit Schimmelentferner eingesprüht habe, der noch einwirken muss) und die Produkte auf der Ablagefläche vor dem Spiegel neu geordnet. Auf dem Rückweg von der Therapeutin am Donnerstag habe ich ein wunderbares Gestell mit verschiedenen Fächern und sogar einer kleinen Schublade eingesammelt, das sich optimal zur Aufbewahrung von Kosmetikzubehör eignet. Dieses habe ich nun ins Programm aufgenommen und mit Pinselchen, Kajal, Mascara, Abschminktüchern sowie meinen am meisten genutzten Lidschatten befüllt. Ich hoffe ja so halb, dass mich das motiviert, mir überhaupt mal wieder die Mühe zu machen, mein ganzes Schminkzeug auch zu benutzen.

Als Nächstes werde ich mich eine Stunde zum Unbabeln bewegen, um mir anschließend irgendeine CD zu bestellen, die ich wirklich gut in meiner Sammlung gebrauchen könnte. Davon gibt es viele, und da ich seit Papas Besuch auch ein neues CD-Regal habe (welches Mama vor ‚zig Monaten mal für mich vom Sperrmüll aufgesammelt hat), sind nun endlich wieder die entsprechenden Kapazitäten vorhanden, die ich für die Sammlungserweiterung dringend benötigt habe. Und für die Finanzierung des Ganzen sorgt vor jeder Bestellung eine Stunde Unbabel. Gut, oder?

Also, ich bin zufrieden. So könnte es weitergehen.

#andeneigenenhaaren

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Es fängt schonmal nicht übel an. Der DHL-Mensch hat mich unsanft aus einem anstrengenden Containertraum geklingelt, in dem Recycling-Klopapier, Malte und eine paranoide Becci involviert waren, und mir dadurch neben meinem neulich bei Malte vergessenen Headset die Gelegenheit gebracht, zu einer halbwegs vernünftigen Zeit aufzustehen.

Ich habe diese genutzt, mir das neueste Disturbed-Album angemacht und sogleich mit dem Ordnen meiner im Zuge des Handytaschenprojekts überall verstreuten Nähsachen begonnen. Damit fertig, ging ich zum Ausräumen der Spülmaschine über, machte der Katze ihr Frühstück fertig und mir selbst das meine, und hier bin ich nun. Die Streuselschnecke ist verzehrt, der Kaffee noch nicht, und die Katze muss auch noch anderthalb Stunden warten, bis ihr Essen auftaut. In der Zeit jagt sie den mannigfaltig in der Wohnung befindlichen Wespen nach. Ich habe meine früher stark ausgeprägte Wespenphobie mittlerweile abgelegt und sehe den Viechern gelassen entgegen. Und solange R nicht da ist, lasse ich auch die Katze in Ruhe jagen. R ist der Paranoide von uns; ich lasse sie machen. Zum Tierarzt am Berg sind es im allergrößten Notfall auch ohne Akku im Fahrrad bloß fünf Minuten.

Ach, das war sowieso lustig gestern. Nachdem R am Montag nach seiner Katzenfutterfahrt mit dem Kommentar zurückkam, er hätte den Fahrradakku bis an seine Grenze ausgereizt, war ich irgendwie davon ausgegangen, er hätte das Ding mal geladen. Er lädt den Akku immer, immer, selbst wenn er nur eine halbe Stunde damit gefahren ist.

Leider war dies nicht der Fall, sodass ich wirklich auf dem aller-, allerletzten Prozent gestern den Berg zur Therapeutin hochasten durfte und mehr als verblüfft war, dass mich der Motor selbst auf dem Rückweg meinen eigenen Berg hoch nicht in Gänze im Stich gelassen hat. Wobei es schon bezeichnend war, dass mich R zwischendurch anrief und ich in aller Ruhe den Anruf entgegennehmen und einhändig weitertuckern konnte, weil es eh nur noch gerade so eben irgendwie vorwärts ging.

Der Fairness halber muss ich nun erwähnen, dass R vor seinem Abgang auf Familienbesuch nicht nur gefailt, sondern auch großartige Taten vollbracht hat. Als ich nämlich am Mittwoch um fünf Uhr morgens – zwei Stunden bevor R in seinem FlixTrain sitzen musste – völlig zerstört vom Containern mit Yannick nach Hause kam und mich die höllischen Rückenschmerzen (wir waren containern. Und es war Sperrmüll. Sperrmüll. Ich hatte Tausende Waren verladen, mich millionenmal gebückt, den verhassten Zaun vom Rewe-Verschlag zwei Mal überklettert, zwei Eimer Wandfarbe geschleppt, mehr als hundert Flaschen Teegetränk aus einem Riesencontainer gesammelt (in den es nicht unbedingt einfach war hineinzuklettern) und eine Kommode in den dritten Stock getragen, bevor ich zu Hause aufschlug) schlichtweg davon abhielten, irgendetwas der angeschleppten Kostbarkeiten noch aus der Garage mit hochzunehmen und zu verstauen, ging für mich die Sonne in dem Moment auf, als ich ein paar Stunden später den Kühlschrank öffnete und mir Ladungen über Ladungen meiner dem Verderb ausgeliefert geglaubten Fleischpackungen entgegenblickten: da hatte sich R sage und schreibe um sechs Uhr morgens die Zeit genommen, das Zeug für mich zu verladen. Das, meine Guten, das nenne ich mal einen Liebesbeweis.

Ich habe den Mittwoch dann dementsprechend auch damit zugebracht, R’s beispiellosem Verhalten nacheifernd, genauso mit den ‚zig anderen Kartons zu verfahren, die in der Garage genächtigt hatten. Käse, Sahne, Sauerrahm, Tortelloni, Fetacreme, Joghurt, alles wollte in den Kühlschränken ein Plätzchen finden. Ich habe so lange weitergemacht, bis jede letzte Ecke von Kühl- und Gefrierschränken mit Essen befüllt war. Nebenbei wurden immer mal wieder ein paar Sixpacks Teegetränk mit runtergenommen, aber ein Teil davon (ein großer) steht immer noch in der Garage. Das muss heute noch weg, damit Papa morgen dort parken kann, wenn er mich auf der Durchreise in den Norden besucht.

Was noch ziemlich schön war am Mittwoch: ich habe nachmittags nach getaner Stopfarbeit noch ein Tütchen mit Zeug befüllt und Undine gebracht, welche sich gefreut und mich zu sich reingeholt hat. Dann saß ich eine ganze Weile bei ihr drüben, wir haben uns unterhalten und Tee getrunken, und sowas mag ich. Sie hat mich ein bisschen über Pflanzenpflege ausgefragt und ich habe ihr gezeigt, wie sie ihre Blümchen so abschneiden kann, dass sie vielleicht nochmal blühen oder zumindest buschiger wachsen. Sie denkt, ich wüsste viel über Pflanzen… oh je. Dabei habe ich doch selbst keine Ahnung. Aber ich bin immer glücklich, wenn ich mit so Kleinigkeiten dazu beitragen kann, dass jemand zumindest meinen kargen Wissensstand erreicht.

So. Kaffee ist fast leer, ich sollte weiter die Liste abarbeiten.

Decadence isn’t easy, is it?

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Okay. Ich habe mich ans Versorgen der Pflanzen gemacht, zwei Töpfchen Basilikum (eins Thai, eins normales) zusammen mit dem kläglichen Überrest des letzte Woche geretteten Genovesertopfes in einen breiten Eimer eingetopft, ein paar Kartoffeln ausgegraben (es fängt langsam an!), Zitronengras in Töpfe mit Lavamulch und Wasser gesteckt und auf Küche und Terrasse verteilt, frische Kurkuma in Töpfe mit freigewordener Kartoffelerde gesteckt und ebenfalls auf der Terrasse verteilt, Undines und Lukas‘ Terrasse besucht (nicht um zu gießen; nach den Regenströmen der letzten paar Tage muss ich endlich nicht mehr jeden Tag zwei Urwälder versorgen), dort die verblühten Geranien abgeschnitten und die hoffnungslose Gurke von ihrem Elend erlöst, indem ich sie ebenfalls abschnitt und für den verbleibenden Gurkenstamm zu Mulch zerstückelt drumherum drapierte, Gleiches mit dem vertrockneten Salat angestellt (man kann ja nicht alle drei Minuten zum Gießen rüber…) und so eine Mulchschicht für ihre Zucchini und Tomaten anfertigen können, noch kurz ihren Lavendel beschnitten, dann wieder bei mir draußen die restlichen Stangen Zitronengras aus ihren wahnsinnig verklebten Tüten geholt und zusammen mit der restlichen Kurkuma auf dem Tisch deponiert, Küche etwas aufgeräumt, Wäsche aus dem Trockner geholt und neue rein, Zeug in den Keller gebracht, im Keller ein bisschen sortiert, Katze gefüttert… und es ist, als hätte ich überhaupt nichts gemacht. Ich bin überfordert mit diesem Tag. Es gibt so viel zu tun und ich bin überfordert.

Dann mache ich mir Vorwürfe. Mein Kopf ist zum Bersten voll mit genau dem nutzlosen Druck, den die Therapeutin mir abgewöhnen möchte. Ich weiß gar nicht, wo das anfängt und wo es aufhört, was zuerst kommt, was woraus resultiert. Ich suche nicht nach Arbeit, obwohl ich müsste. Das ist jeden Tag der Fall und wirkt sich auf alles aus, was ich tue oder nicht tue. Es ist alles verwoben. Ich laufe herum und mache Dinge im Haushalt (wenn ich Glück habe). Dabei verfluche ich R für irgendwelche Kleinigkeiten, sei es, dass er seine dunkle Wäsche in den Beutel für die helle wirft, obwohl ich schon extra Etiketten darüber angebracht habe, oder dass das Waschbecken eklig aussieht und noch Bartstoppeln drauf liegen, obwohl er sich seit Wochen nicht mehr rasiert hat, oder dass die Küche ein Schlachtfeld ist und überall Flaschen rumstehen, statt dass er die mal in die Pfandtasche bringt, aber damit wäre ich auch nicht zufrieden, weil er niemals dran denken würde, die Flaschen zuvor nochmal über der Spüle auszukippen, damit es nicht so widerlich wird, wenn einer von uns Pfand wegbringt. Direkt darauf folgt jedes Mal blitzschnell ein schlechtes Gewissen: Im Gegensatz zu mir arbeitet er Vollzeit und macht trotzdem noch Dinge im Haus, an manchen Tagen nicht viel weniger als ich und an ganz schrecklichen Tagen sogar mehr. Und wenn ich nicht ihn verfluche, dann verfluche ich mich selbst, weil ich immer noch nicht auch nur in Ansätzen alles getan habe, was gemacht werden muss.

Parallel stellt sich mir unweigerlich die Frage, was ich um alles in der Welt anstellen würde, wenn mir auf einmal am Tag neun Stunden fehlen würden. Ich würde doch niemals im Leben auch nur das bisschen gebacken bekommen, das ich jetzt gerade so bewältige. Ich habe mir so ein zeitintensives Leben mit unendlichen Kleinigkeiten angewöhnt, dass es eine Qual ist, mir vorzustellen, ich müsste all das zugunsten von Geld auf dem Konto und Eltern, die mir mir zufrieden sind, aufgeben. Es war mir ja jetzt den Monat schon zu viel, in dem ich halbtags vor dem Computer sitzen und halbherzig postediten durfte. Ich hätte einfach niemals anfangen dürfen, so zu leben. Wie will ich denn darauf hinarbeiten, dass es R und mir auch in Zukunft gut geht und irgendwann vielleicht wirklich kein Druck mehr da ist, und aus dieser zeitlichen Dekadenz jemals wieder rauskommen – wenn es denn Dekadenz sein kann, über seine ureigene Zeit selbst zu verfügen.

Restaurationsarbeiten

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Mein Ohrwurm von „Tuyo“ ist wieder da.

Y cuales deseos me vas a dar, oooh, dices tú, mi tesoro, basta con mirarlo… y tuyo será… y tuyo será…

Und der Titel des orangenen Buches ist mir eingefallen, One Day, nachdem ich seit Tagen mit der deutschen Übersetzung – Wie ein einziger Tag – im Kopf gelebt hatte. Oh Hirn. Dazu kam dann auch gleich Dexters Nachname – Mayhew? – und die Erkenntnis, dass – jetzt, wo ich so drüber nachdenke – das Buch auch permanent in Sichtweite im Regal stand. Aber seit wann macht man es sich so einfach.

Ich habe heute einiges vor mir. Das Ausmaß der containerten Schätze, die es nach einem Ausflug wie dem gestrigen zu versorgen gibt, erinnert an einen Schweizer Monatseinkauf in Konstanz (bloß dass mir am Ende niemand die Mehrwertsteuer zurückgibt). Außerdem ist die Wohnung dreckig wie sonstwas und muss dringend gesaugt werden. Eigentlich ja gestern schon, aber da habe ich mich nunmal erfolgreich durch das Vergangenheitsdurchwühlen vom gegenwärtigen Leben abgehalten.

Immerhin scheint heute wieder die Sonne.

Ablenkungsmanöver

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Na super. Eigentlich wollte Mike um halb sechs zu mir kommen, deshalb habe ich die Zeit zwischen Frühstück (ein Uhr) und Arbeit (drei Uhr) damit verbracht, die Wohnung besucherfreundlicher zu gestalten und das schlimmste Chaos aus dem Weg zu räumen. Geholfen haben die Sonne, die wärmlichen Temperaturen (auf dem Hinweg zu Sophi immerhin sechzehn Grad), das viel zu lange nicht mehr gehörte Rise-Against-Album Endgame und meine an sich seit ein paar Tagen wieder etwas gehobene Bereitschaft zur Aktivität.

Nun allerdings kommt Mike doch nicht, da er erkältet ist – ich bin heilfroh, einerseits, dass er mir endlich auch mal absagt, immerhin ist er der Mensch, dem ich in dieser Stadt wohl am häufigsten abgesagt habe. Und ich hätte nicht wirklich Lust gehabt auf das Treffen, sondern hatte ihn mehr aus Pflichtbewusstsein eingeladen. Wo ich schon gestern nicht zu ihm gegangen bin, obwohl er gefragt hatte.

Das Problem: Ich will wieder aufhören zu zocken. Ich muss mir eine Maßnahme überlegen, wie ich es gebacken bekomme, am Computer zu sitzen und das verdammte AoE nicht zu öffnen. Ich hätte es R nie wieder installieren lassen dürfen. Ehrlich. Wie ich über die Raucher herziehe und dabei von meiner eigenen Scheißsucht nicht wegkomme. Deswegen jedenfalls bin ich nicht ganz glücklich, jetzt alleine zu sein. Vermutlich sollte ich es einfach wieder löschen, auch wenn es neulich wirklich Spaß machte, als ich R in zwei von drei Spielen wirklich mal zum Aufgeben zwingen konnte. (Im dritten Spiel lief mein König in seine Burg rein; das war Idiotie meinerseits, aber fühlte sich trotzdem weniger wie eine bittere Niederlage an als all die anderen Spiele in der Vergangenheit, die ich etwas heldenhafter gegen ihn verloren habe.) Wie viel es ausmachen kann, wenn ich mich mal von meinen Spielneurosen, den immer gleich zu sein habenden Abläufen löse und kurz Sachen anders mache, als es das Alien in meinem Kopf vorschreibt.

Meine Tomatenpflänzchen wachsen nicht gescheit, was mich traurig macht. Ich würde ihnen gern einen Ort mit mehr kuscheliger Wärme zur Verfügung stellen, aber es gibt hier keinen. Es muss die Küchenfensterbank sein, wo es ihnen zu kalt ist, sie aber immerhin genügend Licht bekommen. Ich habe vorhin noch ein wenig Erde draufgegeben und die Stängelchen so gut es ging mit dem Substrat umhüllt. Sie sitzen ja sowieso am liebsten bis zu den Blättern in der Erde. Ich bin gespannt, was das noch gibt.

Dafür wachsen daneben komische Pflanzen mit winzigen schwarzen Stachelgebilden auf den hellgrünen Blättern; die gedeihen ganz prächtig, auch wenn ich nicht mehr weiß, was um alles in der Welt ich da gesät habe. Irgendwann werde ich es vermutlich erfahren.

Ich sollte mir was Schönes zu trinken machen und einen Film gucken.

Davor sollte ich eigentlich die gestern erbeuteten Packungen Kondens-, Soja- und Mandelmilch versorgen, sprich: in den Keller verlagern.

Vielleicht schaffe ich es ja wirklich, mich nicht wieder zu sinnlosem Zocken hinreißen zu lassen.

Edit: Vielleicht weil ich mir selbst nicht geglaubt habe, dass ich nicht in fünf Minuten wieder da sitze und kleine Männchen und Weibchen zum Holzhacken, Gold- und Steinabbauen, Rehejagen und Beerensammeln anweise, während König und Scout die Landschaft nach feindlicher Siedlung, Reliquien und Bodenschätzen durchforsten, habe ich kurzen Prozess gemacht und war diesmal konsequent: nicht nur habe ich The Conquerors, sondern auch noch die Krüppel-Uralt-AoEII-Version gelöscht. Das war unerwartet. Aber ich wollte mir die Blöße nicht geben. Nicht vor allen Rauchern der Welt, und vor mir selbst schonmal gar nicht.

Manisch ist besser als panisch

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Zwanzig Minuten, dann mache ich mich zum zweiten Mal auf zu meiner zweiten Schülerin. Dort werde ich jetzt öfter sein; sie möchte drei Mal die Woche für je zwei Stunden gecoacht werden. Wie Kepa so treffend formulierte: Und sie ist Oligarchentochter. Ihre Eltern müssen so unwahrscheinlich reich sein, da wird mir schwindelig. Sie wohnt in einer gigantischen Villa auf der anderen Neckarseite, wahrscheinlich eine von der Sorte mit zwei Küchen, von denen uns der Küchenmonteur letztes Jahr erzählte, eine zum Kochen und eine zum Vorzeigen. Ihre Eltern sind auch nicht gerade das unmerkwürdigste Paar Menschen, die mir je unter die Augen kamen. Aber was soll ich mich beklagen; sie selbst ist vollkommen normal und super in Ordnung.

Ich habe Panik, weil ich gleich losmuss, und weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Beziehungsweise weiß, dass dagegen kein Kraut gewachsen ist, und muss damit jetzt wohl so lange leben, bis ich bei Sophi am Monstertisch sitze und mit ihr über das Hexenjagddenkmal in der norwegischen Einöde rede. Es gibt absolut nichts, vor dem ich Panik haben muss, und ich hatte schon so lange keine mehr, dass mich das bisschen jetzt schon richtig zermürbt. Mein Kopf und mein Körper sind komische Dinge.

Davon ab habe ich gestern so mir nichts, dir nichts dann wirklich AoE von diesem Computer entfernt und werde so ab jetzt hoffentlich wieder mehr Zeit in mein Leben als ins Zocken investieren. Es hat mich nur noch angekotzt, diese zahllosen Stunden Zeitverschwendung. Der Moment, in dem es ein Fortschritt ist, wenn du dich überredest, jetzt einfach mal aufzuhören, um stattdessen Serien zu schauen… das ist dann wohl der, in dem du handeln solltest.

Aber ich habe trotz exzessivem Zocken noch sinnvolle Sachen gemacht – die Terrasse für den Winter bereitgemacht und aufgeräumt; die Unmengen Pfifferlinge gedörrt, die noch im Kühlschrank waren; die getrockneten Kräuter endlich verarbeitet, die hier noch überall herumhingen; im Haus aufgeräumt und gesaugt; 90°-Wäsche gewaschen und gestern Abend sogar etwas Warmes gegessen. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten. Ich habe kaum mehr gekocht, seitdem R weg ist. Ich muss mich in das Alleinsein erst wieder reinfuchsen.

Aber es wird; spätestens heute bin ich wieder soweit, dass ich unentwegt vor mich hinbrabbele, während ich Dinge erledige und in der Wohnung herumwusele – eine Angewohnheit, die ich so gut wie abgelegt hatte – und es ist sauber hier, das glaubst du gar nicht. Natürlich muss noch einiges geschafft werden, bis es wirklich mal wieder meinen Standards entspricht, aber ich sage dir, es tut unheimlich gut, richtig zum Saubermachen motiviert zu sein, weil du die Einzige bist, die es nachher wieder einsauen könnte.

Und jetzt ist meine Panik zwar nicht weg, aber ich muss trotzdem los.

In-Konsequenzen

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Plan für heute:

Unisachen machen (Harslem 1 Seite, Griese Probeklausur & Mail, Nespral 2 Einträge beenden & Mail, obwohl ich Letzteres vergessen hatte zu notieren); Großhandel / Ausflug zur GiveBox; 50 Sachen aufräumen; 1 Wäsche; buntes Kleid nähen (wirklich); Mixer-Deckel präparieren; duschen & epilieren.

Realität:

Schlafen bis elf; gemütlich frühstücken (süßer Hefezopf mit Mandeln, mit Butter und Dulce de leche bestrichen, dazu Instant-Cappuchino) und dabei lesen; gestern gerettetes Essen versorgen (ich hatte gestern nur zwei von drei Taschen geschafft); Küchenarbeit (auch wenn man davon nichts sieht – es ist immer noch / schon wieder das reinste Chaos); Großhandel (es dauerte ewig und drei Tage, dort anzukommen, da wegen des Rollstuhlmarathons, der heute stattfand, die halbe Stadt lahmgelegt war und der Bus natürlich auch im Stau stand); Rückweg vom Großhandel (ich hatte dreißig Kilo eingelegte Champignons 3. Wahl zu schleppen – mein Rücken und auch der Rest von mir fand’s nicht lustig, aber ich hatte keine Wahl, denn es mussten drei Eimer sein. Einer hätte sich nun wirklich nicht gelohnt, zwei hätten mir einen leeren Rucksack und zwei überladene Seitentaschen beschert, also dreimal 10 Kilo. Unterwegs machte ich noch Bekanntschaft mit einem harmlosen Irren aus dem nahegelegenen Altersheim, der gerade an der Bushaltestelle, wo ich umsteigen musste, dabei war, einen selbstgemachten Salat zu verdrücken und dem ich Champignons anbot. Im Gegenzug kann ich nun wann immer ich möchte im Kräutergarten des Altersheims meine Vorräte aufstocken. Dafür habe ich gern in Kauf genommen, dass der Eimer nach dem Entfernen der Schutzfolie natürlich nicht mehr dicht war und meine ganze Ikea-Tasche mit Pilzwasser volllief und sich auch noch auf den Platz im Bus entleerte, den ich mit meiner Fracht beladen hatte); mit schmerzendem Rücken die eine Wäsche in die Maschine werfen und den Weg nach unten für Keller-Erledigungen nutzen; mit schmerzendem Rücken Nudelsalat produzieren und dabei mit Mama telefonieren (ich weiß jetzt schon nicht mehr, ob wir es diesmal geschafft haben, in Frieden auseinanderzugehen, tendiere aber überraschenderweise zu Ja); mit schmerzendem Rücken Champignons aus dem angebrochenen Eimer (sofern nicht für den Nudelsalat verwendet) in ein Arsenal von Gläsern füllen und einkochen und dabei Ken Zazpis Livealbum Gelditu Denbora hören; mit schmerzendem Rücken Katzenklo saubermachen und Müll rausbringen; mich mit schmerzendem Rücken und meiner während der Aktivitäten in der Küche geöffneten Flasche Bier (der letzten im Hause) aufs Sofa pflanzen; Facebook-Posts lesen und dabei über Transgender-Menschen nachdenken und bedauern, keinen persönlich zu kennen (ja, in dem nunmehr durch Bier und eine Cola-Limoncello induzierten Zustand fast anfangen zu heulen, weil ich es so sehr bedauere, niemanden zu kennen, der mir erzählen könnte, wie es ist, transgender zu sein, und somit aus meiner immensen Unfähigkeit, dies nachzufühlen, keinen Ausweg zu sehen); diese ganzen Umwege und Planabweichungen schriftlich festhalten.

Die Probeklausur muss ich allerdings noch machen, wirklich, weil heute Deadline ist und mich das leise Gefühl beschleicht, dieses Semester schon genug in der Pfeife rauchen zu können – ich muss es nicht noch überstrapazieren und auch noch aus dem Kurs fliegen, in dem einem das Bestehen wirklich hinterhergeschmissen wird.

Fun Fact: Die Klausur bei Harslem, zu der ich mich in der ersten Woche meiner hyperemesischen Horrorexistenz noch geschleppt hatte (ich werde es noch ausführlich schildern, ich muss es noch ausführlich schildern, denn so absurd sind Klausuren nicht alle Tage) wurde, wie ich gestern erfuhr, eine 1,0. Ich war so hysterisch, ich habe mich zehn Minuten lang nicht beruhigen können. Ich mag meine Fähigkeit, unter Höllenqualen noch 1,0-Klausuren zustandezubringen. Ich mag sie wirklich.

Every Day is a Fail Day

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Was für ein typischer Tag. Ich gehe in die Uni, wo ich erstmal dem Dozenten über den Weg laufe, für dessen Terminologieprojekt ich mit zwei Einträgen im Rückstand letzten Mittwoch dem Gruppentreffen ferngeblieben war – yes, genau dem Menschen wollte ich begegnen. Nicht. Aber da Juan ein sehr, sehr guter Mensch ist (was den einzigen Grund darstellt, aus dem ich mich freiwillig in sein Projekt begeben habe, kombiniert mit den grottigen Alternativen), wurde das Gespräch nicht zu einem der Sorte Standpauke, sondern fand auf Augenhöhe statt und ließ mich mit dem Gefühl zurück, es gut schaffen zu können, sofern ich mich mal am Riemen reiße.

Solchermaßen beglückt tuckerte ich weiter in den Seminarraum des Kurses, den ich besuchen wollte, nur um mir gewahr zu werden, dass ich die Einzige war. Ich hatte extra noch den Unterrichtsplan konsultiert, auf dem für heute definitiv kein Ausfall vermerkt war, aber wenigstens macht es jetzt Sinn, dass keine Lektüre für heute hochgeladen worden war. Die ich pflichtbewusst gestern noch ausdrucken und lesen wollte, bis ich dann sah: Es gab keine. Hm.

Ich war auch um zehn nach Kursanfang noch die Einzige. Also ging ich Katzenfutter holen. Neben dem Tierbedarfsladen ist ein riesiger türkischer Supermarkt, wo man theoretisch auch super containern kann, allerdings schließt der natürlich auch erst, wenn der Katzenfutterladen schon zu hat. Zudem ist das Ganze ewig weit weg von mir daheim, sodass ich nie dort containern gehe.

Jetzt hatte ich mir aber vor Kurzem vorgenommen, es einfach mit dem Containern mal tagsüber zu wagen, sodass man es doch mit dem Katzenfutterholen verbinden kann. Also ging ich frohen Mutes am Supermarkt vorbei und warf von Weitem einen Blick auf die Beladungszone. Wo selbstverständlich gerade Dinge verladen wurden. Ich machte kehrt und holte Katzenfutter, mit dem Vorhaben, es im Anschluss nochmal zu versuchen. Ich kam aus dem Laden, machte ein-zwei Schritte in Richtung des Türkenmarktes und sah meinen Bus in die Gegenrichtung. Angesichts des tiefgefrorenen Fleisches in meinem Besitz entschied ich mich dann doch spontan zum Rennen und erwischte gerade noch so besagten Bus, hatte dann auch beim Umsteigen Glück – der nächste Bus hatte fünf Minuten Verspätung, was es mir ermöglichte, das Fleisch relativ gekühlt zu Hause zu verstauen.

Dann musste natürlich schnell das Material für das Terminologieprojekt an Juan gesendet werden. Ich musste den zweiten Begriff noch fertig machen und verkünstelte mich daran nochmal eine Stunde, dann war es endlich geschafft. Nicht davon zu reden, dass ich meinen allerersten Begriff zur Hälfte nochmal machen darf, weil die Version, die ich letztendlich erarbeitet hatte, durch meine unermessliche Intelligenz mit dem zweiten Begriff überschrieben und unter demselben Namen gespeichert wurde. Das hat mich gestern hart fertiggemacht, vor allem, weil der „Tatentschluss“ derjenige Terminus war, an dem zu arbeiten ich mich über Wochen nur mit der allergrößten Willenskraft zwingen konnte, und dann gehe ich und überschreibe einfach die Endversion. Natürlich. R kommentierte das Desaster lapidar mit „Das wäre mir heute auch fast passiert“ und überließ mich meinem Schicksal. Anteilnahme ist etwas, das man ihm noch beibringen könnte.

Ein kleiner Terrassenrundgang, das letzte Beypazarı – stilvoll zelebriert mit Veilchensirup und einer entsprechenden Nachricht an Becci – dann fiel mir auf, dass meine Wohnung aussah wie Sau, also wurden fünfzig Sachen aufgeräumt und einmal gründlich durchgesaugt. Ich hatte zwar nicht im Entferntesten Lust drauf und bin umso glücklicher, es trotzdem so gründlich gemacht zu haben.

Dann endlich wieder sitzen, mit einer Schüssel des köstlichsten Gratins, das ich jemals fabriziert habe (dürfte an der Menge des verwendeten Käses liegen; Becci und ich haben letztes Wochenende nach dem Flohmarkt noch beim Großhandel vorbeigeschaut und dort den ultimativen Gouda-Fang gemacht), und mit der Katze zusammen auf der Couch die Beine ausstrecken. Fünf Uhr. Mir war selbstredend entfallen, dass ich mich mit JO zum Skypen verabredet hatte. Die wartete indes seit einer Stunde und vertröstete mich dann auf nachher, da sie jetzt erstmal mit ihrem Kumpel in Mexico redet.

Auch gut. Ich könnte mich bis dahin noch ein bisschen auf der Terrasse herumtreiben. Tue ich das doch.

The Other Side of the Towel

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Es ist schon eine Arbeit, nicht lethargisch zu sein.

Mein Rücken fand das exzessive Rotieren die ersten beiden Tage nicht so lustig; heute macht er schon weitaus weniger Zicken. Es ist ja auch nicht, als würde ich mich in Grund und Boden schuften, aber ein wenig Aktivität musste er doch aushalten, der Gute, weil man es eben schon merkt, wenn man über Wochen nur die Oberflächen-, nicht dagegen die Tiefenstruktur eines Haushaltes instandgehalten hat, wenn überhaupt.

Ich habe allerdings im Zuge meiner derzeitigen AVES-Anwandlung schon beeindruckende Erfolge gefeiert. Dazu zählt:

  • Ich war bisher bei 4 von 6 Veranstaltungen in der Uni. (Dass ich es am Montag nicht gepackt habe, hinzugehen, hat mich ja überhaupt erst so frustriert, dass ich diese radikale Maßnahme daraufhin ergriffen habe. Und der Griese-Kurs gestern Abend… ganz ehrlich, Griese bringt nichts. Nichts.)
  • Ich habe mich allerhand unangenehmen Tatsachen gestellt, wie zum Beispiel dem Terminologieprojekt von Nespral. Mit wenig Erfolg bislang, aber das ist in meinem Fall wirklich zweitrangig.
  • Ich kann nunmehr meinen Schal und meine Jacke im Bus ausziehen, wenn mir zu warm ist. Ebenso gelingt es mir, mich mit der äußeren Seite des Handtuchs abzutrocknen. (Ha, Alien, du kannst mich mal.)
  • Weiterhin schaffe ich es, vor der Uni der Katze etwas zu fressen rauszustellen, damit es auftauen kann, während ich weg bin. Ich bin außerdem in der Lage, vor der Uni die Waschmaschine anzuschmeißen und andere kleine Haushaltssachen zu erledigen.
  • Ich schiebe keine Korrespondenz auf die lange Bank. Mal davon abgesehen, dass ich keine Zeit mehr habe, das Handy abzunehmen, wenn mich Basti anruft, weil ich so sehr damit beschäftigt bin, all die durch mein glorioses Nichtstun entstandenen Feuer auszuschlagen. Aber das wird wieder.

Zugegebenermaßen habe ich mir auch einen übermenschlich schönen Poncho und zwei Kleider bei Ebay Kleinanzeigen bestellt, was mich insgesamt knapp 30€ gekostet hat, obwohl mein Budget für Luxusausgaben nur aus 15 bestand. (Die hatte ich am Sonntag mit Becci auf dem Flohmarkt erwirtschaftet – eigentlich hatten wir 45€ eingenommen, davon musste ja aber die Standgebühr (15) abgezogen und der Gewinn selbstredend am Ende geteilt werden, schließlich hätte ich ohne Becci erst gar nicht die Möglichkeit gehabt, am Flohmarkt überhaupt teilzunehmen, geschweige denn irgendetwas von meinem Kram dort zu verkaufen. (Außerdem ist es wohl logisch, dass ich mehr Zeug verkaufe, wenn sie gerade mal ein Zwanzigstel der Menge an Sachen da liegen hat.)

Jedenfalls sollte mir das wohl ein schlechtes Gewissen bereiten. Leider sieht mein Gewissen das anders und tröstet mich mit dem Hinweis darauf, dass Becci nächstes Wochenende schon wiederkommt und wir den nächsten Flohmarkt unsicher machen werden. Der dann hoffentlich von mehr Kundschaft und weniger Regen geprägt sein wird.

Nun sollte ich mich allerdringendst an die Übersetzung für den 8.30-Kurs machen, den ich morgen zum ersten Mal besuchen werde. Hallelujah, wie ich mich freue. Der Text ist ein Desaster und die Uhrzeit… sowieso. Aber gut, da muss man dann wohl durch.