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Atzo baino gehiago

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Wie wahr, wie wahre Worte doch Berri Txarrak in die Welt gesetzt haben, als sie Ikasten schrieben: Gaur atzo baino gehiago dakit, baina bihar baino gutxiago.

So weiß ich heute zum Beispiel, dass ich gestern Abend ein relativ scheußliches Erlebnis hatte, welches als Suppendrama in meine persönliche Geschichte eingehen wird. Daran waren R und ich selbst, eine Schüssel Brühe und ein grippeinduzierter Fieber- und Entkräftungsanfall meinerseits involviert und wollten alle nicht so recht zueinanderfinden.

(Um das konkreter auszuführen, damit ich mich nicht in ferner Zukunft wieder über meine nutzlosen vagen Ausführungen aufrege:

Kennst du das? Du bist krank daheim und hast aus Mangel an Energie und Motivation dazu seit Tagen nichts Gescheites gegessen. Auf einmal wird dir kotzübel und schwummerig. Dir fällt eben beschriebener Umstand auf, das hilft dir nur leider jetzt auch nicht mehr. Du wankst in die Küche und holst dir einen Behälter zum Reinkübeln (genauer gesagt, deine bewährte Kotztasse aus Zeiten der Hyperemesis) und ein Glas Wasser. Du schleppst das alles und dich selbst zur Couch und lässt dich darauffallen. Dir ist kalt, aber so richtig. Du fängst an zu zittern. Die Tür ist auf und es kommt frische Luft rein, aber eigentlich sollte dir nicht so kalt sein bei dem schönen Wetter. Du breitest die Sofadecke über dir aus und verbrauchst dadurch wertvolle Energiereserven. Du weißt ziemlich genau, dass du am besten vorgestern irgendwelche Nährstoffe zu dir nehmen solltest. Die Erinnerung an deine kurze Schwangerschaft und die damit verbundenen Höllenkotzqualen fesselt dich an die Couch. Neben dir liegt dein Handy. Du überlegst, ob es den Kraftaufwand wert ist, es zu bedienen, und entscheidest dich dafür. Du rufst deinen langjährigen Partner an, der bereits aus der Arbeit rausgekommen sein müsste. Du stellst erfreut fest, dass du durch Anschalten der Lautsprecherfunktion den dazu benötigten Energieaufwand minimieren kannst. Er nimmt ab. Du fragst, ob er schon auf dem Heimweg sei. Er sagt, er wolle noch kurz bei einem Kumpel vorbeischauen, was besprechen. Du sagst „ach so“ und lässt dir schließlich entlocken, dass es dir nicht so sonderlich geht. Er fragt, ob er dir was Gutes tun könne. Du sagst „Suppe“. Er sagt, okay, dann werde er seinem Kumpel absagen und heimkommen. Du bist sehr erleichtert, bedankst dich und legst auf. Es wird dir unerträglich kalt. Deinen Körper durchdringen Gliederschmerzen. Besonders schlimm ist es im Rücken. Du willst dich alle paar Sekunden am liebsten anders hinlegen, aber das nimmt zu viel Kraft in Anspruch. Du brauchst diese Suppe. Du ziehst in Erwägung, deinen Partner nochmal anzurufen und ihn zu bitten, mit dir zu reden, während er nach Hause fährt und du auf die Suppe wartest, um das Rumliegen und Warten erträglicher zu machen. Du entscheidest dich dagegen, weil du nicht nerven möchtest. Eine halbe Stunde vergeht. Du hast es gerade geschafft, einzuschlafen, dann ertönt das Schlüsselgeräusch und dein Partner tritt ein. Deine Erleichterung ist so groß, dass du bei seinem Erscheinen gleich wieder ein Stück lebendiger wirst und mit ihm reden kannst, obwohl du gerade noch dachtest, du könntest gar nichts mehr. Du bleibst liegen, ohne dich zu bewegen, und weißt: eine halbe Minute noch, dann ist die Bouillon fertig und alles wird wieder gut. Dein Partner begibt sich in die Küche und setzt Wasser auf. Er fragt, ob du Flädle in die Brühe möchtest. Du sagst nein, einfach nur Brühe. Womit denn, fragt er. Brühwürfel, sagst du. Er sagt, dass es schon cool wäre, Flädle in die Brühe zu geben, dann hätte er auch etwas zu essen. Dir wird das langsam zu anstrengend, aber du antwortest ihm, er könne in seine Suppe ja Flädle machen, du hättest gern nur Brühe. Er steht in der Küche und tut etwas, das sich anhört wie Kartoffelnschälen. Dann fängt er mit etwas an, das dem Geräusch nach das Schneiden von Kartoffeln sein könnte. Ganz sicher bist du dir nicht, weil du ziemlich sicher nicht deinen Kopf hochheben und nachsehen wirst. Es sind Minuten vergangen. Du fragst, ob die Brühe fertig ist. Er sagt, er würde jetzt was Richtiges in die Brühe machen. Dann fragt er, ob du noch zehn Minuten aushalten würdest, bis es fertig ist. Du sagst NEIN. Du brauchst jetzt deine Suppe. Er wird laut und führt an, er könne nicht zaubern. Du entgegnest fassungslos, dass alles, was er tun müsste, wäre, einen Brühwürfel in eine Schüssel mit warmem Wasser zu geben. Er schreit dich an, die drei Minuten hättest du ja wohl noch und sein Tag sei ja auch nur verdammt stressig gewesen. Du wiederholst, du bräuchtest deine Brühe jetzt. Er weigert sich und schneidet ungerührt seine Kartoffeln weiter. Deine Hilflosigkeit und seine Unmenschlichkeit schicken sich an, dich in ungeahnte Sphären der Verzweiflung zu katapultieren. Du entziehst deinem Energiereservoir die letzte Ration und teilst ihm mit, wenn er es nicht schaffen würde, dir deine Brühe jetzt zu geben, würdest du ihn bitten, dass er ausziehe. Du vernimmst Geräusche der Boullionproduktion und dazu die Entgegnung, er werde sich das überlegen, sowas müsse ja echt nicht sein hier. Dann stellt er dir die Schüssel auf den Tisch und geht zurück in die Küche. Du kannst die Brühe riechen. Du machst dir einen Plan, wie an die Brühe heranzukommen ist. Aus der Küche ertönt der Hinweis, die Brühe würde auf dem Tisch stehen. Du setzt deinen Plan in die Tat um und bewegst deinen Körper mit einem Ruck in Richtung der Schüssel. Leider erfordert das mehr Energie, als du übrig hattest, und du klappst über der Schüssel in einer Mischung aus Nerven- und Körperkollaps zusammen. Du greifst nach dem Löffel. Leider zitterst du unkontrolliert und schlägst damit die heiße Suppe über deine Hände, ins Gesicht und auf den Tisch. Du kannst nicht aufhören zu zittern. Dein Partner kommt wieder und fragt, ob er dir jetzt die Suppe zum Mund führen soll. Seine Hand hält den Löffel ruhig und du kannst die ersten Schlucke lebensspendender Nahrung einnehmen. Mit zunehmendem Brühepegel kann dein Körper sich wieder beruhigen. Dein Partner hat inzwischen festgestellt, dass du deine Suppe ja augenscheinlich tatsächlich gebraucht hast, und sich entschuldigt, um dann wieder in die Küche zu seinen Kartoffeln zu entschwinden.

Du kennst das nicht? Also, ich jetzt schon.)

Ich habe ferner aus dieser Begebenheit gelernt (abgesehen von der offensichtlichen Tatsache, dass es ein grober Fehler war oder wäre, R mein Leben in die Hand zu legen), dass ich wirklich daran zu arbeiten habe, rechtzeitig und deutlich um Hilfe zu bitten. Ohne Spielraum für „wenn du willst“ oder „wann du kannst“ oder „es wäre schön“. Ich muss mich nicht wundern, wenn eine Situation verkannt bzw. unterschätzt wird, wenn ich mein Möglichstes tue, um weniger hilflos dazustehen, als ich es bin. Das ist ein riesiger Knackpunkt von mir. Ich habe mich auch dafür bei R entschuldigt mit dem erklärenden Zusatz, dass ich es hasse, um Hilfe zu bitten, und es meistens zu spät tue. Insgeheim bin ich trotzdem verstört darüber, wie er es schafft, mich nach der langen Zeit so schlecht zu kennen. Ich bin wirklich sehr leicht kennenzulernen, wenn man möchte. Aber da haben wir es ja schon. Da liegt das Problem.

Heute geht es mir wieder besser. Ich habe den Abend dann mithilfe von zwei Paracetamol noch ganz gut über die Bühne bekommen. Nachts kam das Fieber wieder, aber ich wollte nicht noch eine Tablette nehmen. Der Bettbezug, den wir im Sommer als Decke benutzen, ist zu dünn für eine Person, und mir wurde ziemlich kalt darunter irgendwann. Aber R hatte gesagt, er würde nicht mehr lange machen, und natürlich fiel es mir nicht ein, ihn zu fragen, ob er ins Bett kommen möge. Zum Einen ist mir bei sowas meine eben erläuterte vollkommene Unfähigkeit im Weg. Zum Anderen das Alien, das mir seit jeher vorschreibt, zu warten, bis sich der Zustand von selbst ändert. Und zum Dritten hat meine Erfahrung gezeigt, dass R nicht der Mensch ist, der ins Bett kommt, weil seiner Freundin kalt ist. Ich bekomme einiges raus aus ihm und einiges hinein, aber das Fürsorge-Gen nicht, das fehlt ihm einfach. Und wenn ich es mal so sagen darf: darunter leide ich ziemlich.

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Scheiße

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Murat hat Berufung eingelegt. Ich könnte kotzen. Nichtmal so sehr, weil ich Angst hätte, dass das Urteil beim nächsten Mal großartig anders ausfallen würde. Aber der Stress, den das für R bedeutet. Ich habe so einen Hass auf diesen Menschen. Oder was Murat auch immer ist. Wahrscheinlich ein Reptiloid oder Derartiges. Man sollte mal ausprobieren, ob er auf den Anblick von Alufolie allergisch reagiert.

Roberto postet Scheiße bei Facebook und lässt sich nicht überzeugen. Sein Hirn kann Argumente nicht verarbeiten. Die Mehrheit meiner costarricanischen Bekannten unterstützt einen fundamentalistisch religiösen Präsidentschaftskandidaten, der offen zur Diskriminierung Homosexueller und der Verteufelung sexueller Aufklärung an Schulen sowie einer unbedingten Vereinigung von Kirche und Staat aufruft. Ich bin frustriert.

Ich bin so frustriert im Angesicht von so viel menschlicher Dummdreistigkeit, dass ich schon bald Mordgelüste bekomme. Oder alternativ Lust darauf, Murat den Deutschtürken mit Fabricio dem christlichen Fanatiker auf Lebenszeit in eine Gummizelle zu sperren.

Krebskuchen und andere Fails

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Argh! Trust me to manage burning a pie shell baking in the oven right behind me while reading food blogs.

Also, trust me to then take the now useless thing out in dismay, appalled by the amount of cancer-inducing smoke emerging alongside it, and position it in a ridiculously risky spot in the frame of the open window, from where, three minutes later, it naturally comes jumping down enthusiastically, sliding along on the floor, headed right back towards the oven where it just found its miserable, blackening death.

I’ll never learn, will I.

Ein Glück ist es relativ warm draußen, so hat sich der ganze Qualm und Gestank schon fast vollständig verflüchtigt.

Ich hatte gestern Abend das zweifelhafte Vergnügen, auf unvorhergesehene Weise mal wieder mit R’s polyamorer Facette konfrontiert zu werden. Mit dieser zu leben gelingt mir zwar mühevoll durch absolute Verdrängung, ihr leisestes Auftauchen aber stürzt meinen Kopf in bodenloses Chaos und mich selbst und meine kleine, einfältige Gefühlswelt in Panik, Zweifel und Verwirrung. Erst recht ein Hervorspringen aus dem Nichts, kombiniert mit einem Urwaldschrei und einem gehörigen Schlag in die Fresse, gefolgt von dem wohl zu Beruhigungszwecken angebrachten Kommentar „Sie macht dir keine Konkurrenz“.

Sicher, der erste Schockmoment war der ekligste. Dann kam ich nach Hause und fing an, meine Reaktion zu hinterfragen. Das war einer der dankenswerterweise wirklich fast ausgestorbenen Augenblicke, in denen ich beim besten Willen nicht wusste, an wen ich mich wenden sollte. Ironischerweise waren alle drei meiner engsten Bezugspersonen gerade zur Verfügung, aber weder Caro noch Laura noch Kepa traute ich zu, einschätzen zu können, inwieweit mein kleiner Weltuntergang, der sich aus R’s beiläufiger, fast ungläubiger, ja, perplexer Bemerkung heraus, ob ich nicht gemerkt hätte, dass er auf diese eine Frau steht, ergab, sich nun im Rahmen des Gerechtfertigten bewegte. Oder mir einen Rat erteilen zu können, wie ich damit umzugehen habe. Oder nur die Gedankenlawine nachvollziehen zu können, die mit Karacho dahergerollt kam und meine ganze traumhafte Verdrängung zerstörte.

Ich hab‘ dann ein bisschen gelesen. Wo die Konfrontation mit der aufs Äußerste verhassten Thematik halt schonmal erzwungen war, und weil ich mir wahrscheinlich von Menschen, die sich lieber und häufiger damit befassen, konstruktive Lösungsvorschläge erhoffte. Unter Anderem fand ich diesen Artikel hier. Den mochte ich.

Was bleibt jetzt zu tun? Nachdem ich mir augenscheinlich wieder einmal erfolgreich die Panik vom Leibe geschrieben habe – es hat sich in den letzten Minuten ein angenehmes Gefühl der relativen Gelassenheit eingestellt – sollte ich nun noch R davon in Kenntnis setzen, dass er bitte in Zukunft seiner uneingeschränkten „it’s all about me„-Mentalität diesbezüglich und damit verbundenen völlig unnötigen Äußerungen wie der gestern einfach nochmal ganz bewusst das Wissen entgegensetzt, dass alles Polyamorie Betreffende, laut ausgesprochen, bei mir zu Katastrophen unvergleichlicher Ausmaße führt. Dass er sich ein-zwei Gedanken machen könnte, ob das jetzt wirklich sein muss, wenn ihm schon das automatisierte Bedürfnis, geliebte Menschen nicht zu verletzen, so gänzlich fremd ist.

„Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.“ Pt. 2

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Okay, also, turns out, einer der mir am nächsten auf der Welt stehenden Menschen schreibt mir gerade recht random bei Facebook, sie wolle unsere Freundschaft gerade nicht in ihrem Leben. Danke.

Well. Ich hoffe, dir ist klar, dass du dich melden solltest, wenn sich das mal wieder ändern sollte. As you know, I’m good at handing out second chances.

Gefragt werden. Ein Wunschtraum.

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Ich überlege mir relativ häufig, ob ich nicht einfach zu viel verlange. Ob es nicht also an mir liegt, wenn ich mit gewissen Situationen nicht zufrieden bin, während in so vielen anderen einfach nur reinste Dankbarkeit vorherrscht, darüber, dass mein Freund so ist, wie er ist.

Ich glaube allerdings in diesem Moment, dass ich nicht zu viel verlange. Ich glaube nämlich, dass es oft nicht die Sachen an sich sind, die mich aus der Bahn werfen, sondern vielmehr die Selbstverständlichkeit, mit der sie passieren (oder eben nicht). Das Gar-nicht-erst-gefragt-werden, wie das denn eigentlich genau vor sich gehen soll, falls ein Umzug ansteht. Die Tatsache, dass sein Kollege hier untergebracht wird, mit dem man sich früh morgens aus dem Staub macht, ohne sich zu verabschieden (now that’s a first), um irgendwann im Laufe des Abends wieder einzutrudeln, mich kaum eines Blickes zu würdigen, den Rest des vor Stunden zubereiteten Essens in sich reinzustopfen, dann das Bedürfnis nach einer Umarmung zu äußern und sich, nachdem man diese gewährt bekam, zum Unwinden erstmal ans Keyboard und dann ohne viel Gefackel mit Arne zum Zocken in die Küche zu pflanzen, nachdem ich gerade verkündet hatte, es wäre schön, irgendetwas zusammen zu machen. Nicht ohne zwischendurch noch die ein oder andere vollkommen überflüssige Bemerkung abzugeben, die wieder mal in den Raum wirft, dass man eigentlich ja von seiner zweiwöchigen Möchtegernbeziehung letztes Jahr noch vollkommen zerstört und traumatisiert ist und gleich in Panikattacken ausbricht, wenn jemand Game of Thrones erwähnt. Deutlicher kann mir meine Unfähigkeit nicht signalisiert werden. Weder bin ich in der Lage, eine von diesen widerlichen Traumgestalten aus der Vergangenheit zu ersetzen (wie auch – ich bin ein Mensch, kein Mysterium), gegen die man schon aus dem einfachen Grund keine Chance hat, dass die Leute dazu neigen, Personen erst dann zu glorifizieren, wenn sie einen in Grund und Boden gestampft und zurückgelassen haben, ohne sich nochmal umzudrehen, noch werde ich diese Art von Wertschätzung je bekommen, solange ich einfach da bin, ohne dass er dafür arbeiten muss. Mein Problem, dass es in meiner Natur liegt, einfach da zu sein, weil das ganze Personen-in-den-Boden-stampfen mir nicht so liegt.

Es ist die Tatsache, dass keine Rücksicht genommen wird, die mich zu Tode zerdeppert. Basti kam extra wieder übers Wochenende aus Ulm runter und durfte sich stundenlang mit der mies gelaunten Version von mir abgeben, die er zu oft abbekommt, während ihr Verursacher sich gemütlich dahin verzogen hat, wo’s ihm gerade genehm ist. Was an „Es ist irritierend, wenn du da bist, aber auch nicht“ kann man nicht verstehen? Der Mensch kann mit Arne zocken, bis er schwarz wird, und ich habe kein Problem damit, bis zu genau dem Zeitpunkt, an dem das Ganze in meiner Küche stattfindet, nachdem man sich mein Essen in den Rachen gesteckt hat, ohne die Person Aspi auch nur für eine Sekunde bewusst wahrgenommen zu haben.

Äußern kann ich das natürlich mal wieder nicht, schließlich ist Besuch da. Und da ich Arne mit jedem Mal, das ich mit ihm zu tun habe, weniger ausstehen kann, habe ich nicht vor, mir vor dessen Augen eine derartige Blöße zu geben. Das kann sie beide freuen, andernfalls wäre nämlich R heute hochkant rausgeflogen und der schmierige Charakter, den er mir wieder eingeschleppt hat, gleich mit.

Ich werde mich jetzt mit der Fertigstellung des Eintrags beeilen und das Licht ausmachen; auf die Weise besteht eine Chance, dass ich mich genug beruhigt habe, bis die beiden ins Zimmer reinkommen, und dementsprechend auf ein Vermeiden von Heuldisastern jeglicher Art.

Ich kann Laura verstehen. Es ist wirklich verlockend, anzunehmen, dass mein Kopf der einzige Problemfaktor ist, bloß sollte man vermutlich als Opfer zwischen der ganzen Schuldübernahme noch ab und an mal nach draußen gucken.

The other side

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Tja. Jetzt bin ich in der Wohnung meiner Eltern und durfte schnell mal wieder feststellen, dass Dysfunktionalität leider nach wie vor deren Existenz bestimmt und somit auch meine für die Dauer meines Hierseins. Ich werde das jetzt überleben, heute Abend mit Sarah die Vernissage musikalisch untermalen und dann wieder verschwinden, genau wie geplant.

Aber es könnte schöner sein.

Eigentlich wollte ich zurück nach Hause, sobald ich hier ankam. Einzig das Wissen um R’s mannigfaltige Pläne für den heutigen Tag hat mir genügend Vernunft eingebläut, beim Vernehmen der knochendurchdringenden furchtbaren Geräusche, der reinsten Essenz von Schmerz und Verzweiflung, die unten aus dem Schlafzimmer kamen, nicht sofort meinen Vater zu zwingen, mich zurückzufahren. Das und die Tatsache, dass es nicht lange dauerte. Ich ertrage das heutzutage nicht mehr. Ich habe es früher genau so wenig ertragen, aber bevor ich den Abstand hatte, dachte ich, es müsste so sein.

Ich gehe mal schauen, ob sich von diesem Tag noch irgendetwas retten lässt. Als die Stabilere von uns sollte ich meiner Mutter den Gefallen tun und von mir aus auf sie zukommen, wenn ich irgendeine wenngleich kurzzeitige Besserung hier erzielen will. Auf auf zum fröhlichen Ins-Messer-rennen.

So what if I can’t tolerate intolerance. Hey, after all, I was MADE that way.

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Alle Abgründe der Menschheit, die man eigentlich so gern verdrängen würde… tun sich bei Facebook vor meinem fassungslosen Auge auf, schonungslos, bodenlos. Caro fasst es ganz gut in Worte, denk ich:

„oh my- beweis wie sehr religion leute beschränkt“.

„Wenn Gott dich als Mädchen schuf, dann, weil du ein Mädchen bist. Wenn Gott dich als Junge schuf, dann, weil du ein Junge bist. Gott irrt nicht und macht auch keine Fehler. Er macht alles perfekt.“

verstörendster Facebookpost des Tages - comments

Epic battle zwischen Atheistin und Kreationisten. Beste Kombi. Nicht.

Und wieder einmal der frustrierende Beweis dafür, dass ich von R’s Unfähigkeit, Idioten unkommentiert Idioten sein zu lassen und einfach sein eigenes Leben so gut zu machen, wie es sein könnte, wenn man es (sich) nicht permanent mit Idioten-Bashing vertreiben würde, unwiderbringlich kontaminiert wurde. Das hätte ich mir früher verkniffen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Irgendwie schwer zu benennender Eintrag

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So, es ist soweit, ich klappe zusammen.

Vielleicht klappe ich nicht wirklich zusammen, sondern schließe nur daraus, dass ich temporär zusammenklappe, wieder mal unberechtigterweise auf die Gesamtsituation, werde paranoid und überreagiere maßlos. Ja, wenn ich mir das so überlege, ist das sehr wahrscheinlich.

Ich sitze in der Arbeit und hatte mir vorhin noch vorgenommen, nach Fertigstellung dieser ersten sechs halben Touren mich wieder auf nach Hause zu machen, bis Nic mit einer blendendsten Hyperlaune hier hereinkam und es mir fast unmöglich machte, guten Gewissens weiter in meinem selbstgemachten Unheil zu brüten. Jetzt habe ich meine halbe Portion Mittagessen verdrückt, die ich dabeihatte (ein Glück war R das Essen gestern zu süß, er scheint meine Ingwersauce also nicht zu mögen – sonst hätte ich mir heute noch Semmelknödel aus dem Keller holen müssen), und fühle mich besser als vorher.

Ich habe mir auf dem Weg hierher einen Rettungsplan zurechtgelegt, der in erster Linie daraus besteht, R von jetzt an zum Arbeiten nach Hause zu schicken. Mir wächst die Wohnsituation über den Kopf und ich glaube, dass ein Großteil meines Fertigseins damit zusammenhängt, dass ich unentwegt einen Menschen in meiner Küche sitzen habe, der den Großteil des Tages auf seinen Computer starrt und nicht ansprechbar ist, zwischendurch zum Rauchen rausgeht und es nicht auf die Reihe kriegt, sich mir gegenüber trotz Beschäftigtsein irgendwie menschlich zu verhalten. Ja, das wird es sein: Ich brauche Aufmerksamkeit. Also schicke ich ihn weg. Wenn er nämlich zu Hause arbeitet, kann er nicht währenddessen in meiner Küche sitzen, nicht ansprechbar sein und mir nebenbei dieses entsetzliche Chaos überall produzieren. Aufgrund vergangener Traumata nicht bereit zu sein, in diesem ja immerhin gerade erst halbjährigen Beziehungsstadium wirklich zusammenzuziehen, ist völlig verständlich und für mich absolut richtig. Ich hatte keinerlei Pläne, mit ihm in absehbarer Zeit eine gemeinsame Wohnung zu beziehen. Sich dann allerdings bei mir einzunisten mit allen, allen Vorzügen meiner Wohnung und keinem, keinem der Nachteile eines eigenen Haushaltes.. hat sich zunächst nicht so angefühlt, weil ich einfach so übertrieben froh war, ihn dazuhaben. Ich habe auch so lange gern und ohne Meckern hinter ihm hergeräumt und einen großen Teil der Unordnung, die er anrichtet, akzeptiert, wie ich gleichzeitig wenigstens noch den Eindruck hatte, er würde mir zumindest nach seinem Verständnis als Mensch Beachtung schenken. Das gerade jetzt macht mich ein klein wenig kaputt.

Zumindest sehe ich es ein und beginne mit einer Problemlösungsstrategie. Ich habe mit einem Schlag das Gefühl (und ich glaube, der Schlag kam gestern, was meine Stimmungsprobleme erklären würde), dass, würde ich in einem Schwung alles herausrücken, was mich an dieser Beziehung belastet, ich mir um die Beseitigung dieser Probleme gar nicht mehr so die riesigen Gedanken machen müsste. Es fängt alles bei der Befürchtung an, dass, wenn ich ihm diese Geschichten offenbare, er mir vorhält, ich würde ihn permanent verändern wollen. Ich will überhaupt nicht so viel denken, ich kann nicht argumentieren, ich habe überhaupt keine Verbindung zur Logik. Ich kann nur fühlen, ich kann es nicht verbalisieren, deshalb bin ich gegen ihn wehrlos und er wird das Verständnis, das er braucht, um nachzuvollziehen, wie ich funktioniere, nie erreichen. Selbst wenn ich darauf komme, wie Dinge zu artikulieren sind, bekomme ich sie nicht heraus. Ich hatte es glasklar formuliert, „ich fühle mich eingesperrt in mir selber, und ich drehe durch, weil ich den Weg raus nicht finde“. Ich sehe mich selbst die Spirale hochfliegen und ich kann nichts dagegen tun, meine Güte, das ist so unheimlich frustrierend.

Statt nun aber weiterzuspiralisieren, mache ich mich wieder ans Übersetzen. Komm schon, ich schaffe doch mindestens noch drei eigene Touren, bevor ich aufgebe und nach Hause gehe, wo mich ein arbeitender R in der Küche erwartet.