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Atzo baino gehiago

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Wie wahr, wie wahre Worte doch Berri Txarrak in die Welt gesetzt haben, als sie Ikasten schrieben: Gaur atzo baino gehiago dakit, baina bihar baino gutxiago.

So weiß ich heute zum Beispiel, dass ich gestern Abend ein relativ scheußliches Erlebnis hatte, welches als Suppendrama in meine persönliche Geschichte eingehen wird. Daran waren R und ich selbst, eine Schüssel Brühe und ein grippeinduzierter Fieber- und Entkräftungsanfall meinerseits involviert und wollten alle nicht so recht zueinanderfinden.

(Um das konkreter auszuführen, damit ich mich nicht in ferner Zukunft wieder über meine nutzlosen vagen Ausführungen aufrege:

Kennst du das? Du bist krank daheim und hast aus Mangel an Energie und Motivation dazu seit Tagen nichts Gescheites gegessen. Auf einmal wird dir kotzübel und schwummerig. Dir fällt eben beschriebener Umstand auf, das hilft dir nur leider jetzt auch nicht mehr. Du wankst in die Küche und holst dir einen Behälter zum Reinkübeln (genauer gesagt, deine bewährte Kotztasse aus Zeiten der Hyperemesis) und ein Glas Wasser. Du schleppst das alles und dich selbst zur Couch und lässt dich darauffallen. Dir ist kalt, aber so richtig. Du fängst an zu zittern. Die Tür ist auf und es kommt frische Luft rein, aber eigentlich sollte dir nicht so kalt sein bei dem schönen Wetter. Du breitest die Sofadecke über dir aus und verbrauchst dadurch wertvolle Energiereserven. Du weißt ziemlich genau, dass du am besten vorgestern irgendwelche Nährstoffe zu dir nehmen solltest. Die Erinnerung an deine kurze Schwangerschaft und die damit verbundenen Höllenkotzqualen fesselt dich an die Couch. Neben dir liegt dein Handy. Du überlegst, ob es den Kraftaufwand wert ist, es zu bedienen, und entscheidest dich dafür. Du rufst deinen langjährigen Partner an, der bereits aus der Arbeit rausgekommen sein müsste. Du stellst erfreut fest, dass du durch Anschalten der Lautsprecherfunktion den dazu benötigten Energieaufwand minimieren kannst. Er nimmt ab. Du fragst, ob er schon auf dem Heimweg sei. Er sagt, er wolle noch kurz bei einem Kumpel vorbeischauen, was besprechen. Du sagst „ach so“ und lässt dir schließlich entlocken, dass es dir nicht so sonderlich geht. Er fragt, ob er dir was Gutes tun könne. Du sagst „Suppe“. Er sagt, okay, dann werde er seinem Kumpel absagen und heimkommen. Du bist sehr erleichtert, bedankst dich und legst auf. Es wird dir unerträglich kalt. Deinen Körper durchdringen Gliederschmerzen. Besonders schlimm ist es im Rücken. Du willst dich alle paar Sekunden am liebsten anders hinlegen, aber das nimmt zu viel Kraft in Anspruch. Du brauchst diese Suppe. Du ziehst in Erwägung, deinen Partner nochmal anzurufen und ihn zu bitten, mit dir zu reden, während er nach Hause fährt und du auf die Suppe wartest, um das Rumliegen und Warten erträglicher zu machen. Du entscheidest dich dagegen, weil du nicht nerven möchtest. Eine halbe Stunde vergeht. Du hast es gerade geschafft, einzuschlafen, dann ertönt das Schlüsselgeräusch und dein Partner tritt ein. Deine Erleichterung ist so groß, dass du bei seinem Erscheinen gleich wieder ein Stück lebendiger wirst und mit ihm reden kannst, obwohl du gerade noch dachtest, du könntest gar nichts mehr. Du bleibst liegen, ohne dich zu bewegen, und weißt: eine halbe Minute noch, dann ist die Bouillon fertig und alles wird wieder gut. Dein Partner begibt sich in die Küche und setzt Wasser auf. Er fragt, ob du Flädle in die Brühe möchtest. Du sagst nein, einfach nur Brühe. Womit denn, fragt er. Brühwürfel, sagst du. Er sagt, dass es schon cool wäre, Flädle in die Brühe zu geben, dann hätte er auch etwas zu essen. Dir wird das langsam zu anstrengend, aber du antwortest ihm, er könne in seine Suppe ja Flädle machen, du hättest gern nur Brühe. Er steht in der Küche und tut etwas, das sich anhört wie Kartoffelnschälen. Dann fängt er mit etwas an, das dem Geräusch nach das Schneiden von Kartoffeln sein könnte. Ganz sicher bist du dir nicht, weil du ziemlich sicher nicht deinen Kopf hochheben und nachsehen wirst. Es sind Minuten vergangen. Du fragst, ob die Brühe fertig ist. Er sagt, er würde jetzt was Richtiges in die Brühe machen. Dann fragt er, ob du noch zehn Minuten aushalten würdest, bis es fertig ist. Du sagst NEIN. Du brauchst jetzt deine Suppe. Er wird laut und führt an, er könne nicht zaubern. Du entgegnest fassungslos, dass alles, was er tun müsste, wäre, einen Brühwürfel in eine Schüssel mit warmem Wasser zu geben. Er schreit dich an, die drei Minuten hättest du ja wohl noch und sein Tag sei ja auch nur verdammt stressig gewesen. Du wiederholst, du bräuchtest deine Brühe jetzt. Er weigert sich und schneidet ungerührt seine Kartoffeln weiter. Deine Hilflosigkeit und seine Unmenschlichkeit schicken sich an, dich in ungeahnte Sphären der Verzweiflung zu katapultieren. Du entziehst deinem Energiereservoir die letzte Ration und teilst ihm mit, wenn er es nicht schaffen würde, dir deine Brühe jetzt zu geben, würdest du ihn bitten, dass er ausziehe. Du vernimmst Geräusche der Boullionproduktion und dazu die Entgegnung, er werde sich das überlegen, sowas müsse ja echt nicht sein hier. Dann stellt er dir die Schüssel auf den Tisch und geht zurück in die Küche. Du kannst die Brühe riechen. Du machst dir einen Plan, wie an die Brühe heranzukommen ist. Aus der Küche ertönt der Hinweis, die Brühe würde auf dem Tisch stehen. Du setzt deinen Plan in die Tat um und bewegst deinen Körper mit einem Ruck in Richtung der Schüssel. Leider erfordert das mehr Energie, als du übrig hattest, und du klappst über der Schüssel in einer Mischung aus Nerven- und Körperkollaps zusammen. Du greifst nach dem Löffel. Leider zitterst du unkontrolliert und schlägst damit die heiße Suppe über deine Hände, ins Gesicht und auf den Tisch. Du kannst nicht aufhören zu zittern. Dein Partner kommt wieder und fragt, ob er dir jetzt die Suppe zum Mund führen soll. Seine Hand hält den Löffel ruhig und du kannst die ersten Schlucke lebensspendender Nahrung einnehmen. Mit zunehmendem Brühepegel kann dein Körper sich wieder beruhigen. Dein Partner hat inzwischen festgestellt, dass du deine Suppe ja augenscheinlich tatsächlich gebraucht hast, und sich entschuldigt, um dann wieder in die Küche zu seinen Kartoffeln zu entschwinden.

Du kennst das nicht? Also, ich jetzt schon.)

Ich habe ferner aus dieser Begebenheit gelernt (abgesehen von der offensichtlichen Tatsache, dass es ein grober Fehler war oder wäre, R mein Leben in die Hand zu legen), dass ich wirklich daran zu arbeiten habe, rechtzeitig und deutlich um Hilfe zu bitten. Ohne Spielraum für „wenn du willst“ oder „wann du kannst“ oder „es wäre schön“. Ich muss mich nicht wundern, wenn eine Situation verkannt bzw. unterschätzt wird, wenn ich mein Möglichstes tue, um weniger hilflos dazustehen, als ich es bin. Das ist ein riesiger Knackpunkt von mir. Ich habe mich auch dafür bei R entschuldigt mit dem erklärenden Zusatz, dass ich es hasse, um Hilfe zu bitten, und es meistens zu spät tue. Insgeheim bin ich trotzdem verstört darüber, wie er es schafft, mich nach der langen Zeit so schlecht zu kennen. Ich bin wirklich sehr leicht kennenzulernen, wenn man möchte. Aber da haben wir es ja schon. Da liegt das Problem.

Heute geht es mir wieder besser. Ich habe den Abend dann mithilfe von zwei Paracetamol noch ganz gut über die Bühne bekommen. Nachts kam das Fieber wieder, aber ich wollte nicht noch eine Tablette nehmen. Der Bettbezug, den wir im Sommer als Decke benutzen, ist zu dünn für eine Person, und mir wurde ziemlich kalt darunter irgendwann. Aber R hatte gesagt, er würde nicht mehr lange machen, und natürlich fiel es mir nicht ein, ihn zu fragen, ob er ins Bett kommen möge. Zum Einen ist mir bei sowas meine eben erläuterte vollkommene Unfähigkeit im Weg. Zum Anderen das Alien, das mir seit jeher vorschreibt, zu warten, bis sich der Zustand von selbst ändert. Und zum Dritten hat meine Erfahrung gezeigt, dass R nicht der Mensch ist, der ins Bett kommt, weil seiner Freundin kalt ist. Ich bekomme einiges raus aus ihm und einiges hinein, aber das Fürsorge-Gen nicht, das fehlt ihm einfach. Und wenn ich es mal so sagen darf: darunter leide ich ziemlich.

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Wie zu etwarten war

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Klar. Natürlich, ich musste unbedingt mal wieder alles versauen. R taugt nicht als Suizid-Hotline-Arbeiter und ich selbst nicht als Diplomatin, sofern meine Mutter im Spiel ist. Wein taugt nicht als Deeskalator. Die besten Quality-Time-Maßnahmen machen niemanden zu einem besseren Menschen. Ich werde vermutlich dieses Desaster irgendwie überleben, aber frag nicht, wie.

Ohne Hirn Pt.2

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Zitiere mich selbst – aus einem Macrocarp-Eintrag vom 21.12.11:

Hat irgendjemand von euch mal einen Mann mit einem HIRN getroffen, in dem neben perversem, wissenschaftlichem, politischem und eventuell noch kreativem Kramsch auch noch Kapazität für die Gefühle anderer Menschen vorhanden ist? o.O

Warum musste ich an diesem furchtbaren Tag etwas so schonungslos Wahres in Worte fassen?

Distantzi denak lehertu hitz neurtuekin

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Also, erstmal: Yours truly hat es geschafft, sich ihre BA-Thesis um 0.2 Notenpunkte schlechter zu lesen, als sie tatsächlich ist – was sagt es über die Fachkompetenz einer Linguistin aus, wenn diese eine 1.1er-BA-Thesis schreibt, dies aber erst mehrere Tage verspätet in der Lage ist zu erkennen?

Also, Correction: Thesis-Ergebnis: eins Komma eins. Es wird nur immer absurder.

Ich hänge auf R’s Bett, während er ein paar Schritte von mir entfernt am Schreibtisch arbeitet, übertöne seine Musik, die er dabei hört, und sein gelegentliches Fluchen mit Argiak, höre dementsprechend gerade ein ohrenbetäubendes Itxaropena und fühle mich erstaunlicherweise weniger sinnlos-suizidal als vor ein paar Minuten. Es hat geholfen, Kepa meinen Lesekompetenz-Fail mitzuteilen und endlich die Soundfunktion dieses merkwürdig eingestellten Windows-PCs ausfindigzumachen, an dem ich gerade sitze.

Wie ich das sehe, gestaltet sich die Situation folgendermaßen: Ich habe keinen Nachmieter für Frau Personifizierte Erbärmlichkeit, da der Verwalter nach dieser unerfreulichen Erfahrug niemanden mehr ohne Bürgschaft in die Wohnung lässt und Basti somit keine Chance hat. R wiederum will ja ums Verrecken nach Heidelberg ziehen und entscheidet sich alle drei Minuten zwischen „Würde gerne mit dir zusammen wohnen“ (und somit „schere mich irgendwo doch auch im Hinblick auf meine Zukunft einen Dreck um dich“) und „Lohnt sich nicht, ich bin eh bald hier weg vom Fenster“ („um dich, wie von dir zu Recht befürchtet, meinen politischen Ambitionen zu opfern“).

Leider kann ich ihn verstehen, denn in dem Punkt sind wir gleich. Augenscheinlich haben wir uns beide bereits früher in einer Situation befunden, in der wir unser Seelenheil auf die ein oder andere Weise dem Wohlbefinden anderer Personen untergeordnet haben, und daufhin beschlossen, dass, bei aller Liebe, man sich selbst immer noch am Nächsten stehen sollte. Während ich Probleme mit der Umsetzung dieser Erkenntnis habe, scheint er sie bis zur Perfektion verinnerlicht zu haben, wie sich allein darin zeigt, dass er Arnes und sein Projekt über alles Andere stellt und dabei statt der von mir dieser Stelle an den Tag gelegten „Ich schmeiß alles um, wenn du willst, solang es für mich irgendwie noch vertretbar ist“-Mentalität eben doch eher ein „Ich mach das jetzt; was du daraus machst, ist dir überlassen“-Verhalten zeigt. Keine Ahnung, ob das gut gemeint ist, nach dem Motto, „ich will dir ja nicht dein Leben vorschreiben“. Knowing me, wirst du dich in jedem Fall nicht wundern, dass mir das in erster Linie ein Gefühl von „ist mir im Grunde egal, ich brauch dich jedenfalls nicht unbedingt um mich rum“ vermittelt, was wiederum in Anbetracht der Gesamtsituation in einer dramatischen Überreaktion à la „ich klimper einmal mit den Augen und bin von meinem kompletten Umfeld verlassen“ bzw. dem üblichen „Scheiße, ich hab nichts und niemanden und bin allen und jedem egal“ kulminiert.

Nunja. Noch ne Stunde, dann zur Tafel.

Let’s play a game of Monopoly. (Oder: Details.)

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Also, Moment mal.

Nun ist also der Zeitpunkt gekommen, an dem mir vorgehalten wird, was für ein Opfer die Aufgabe der Polyamorie für ihn darstellt. Hab‘ ich’s nicht gewusst, hab‘ ich’s nicht gesagt, es kommt so weit. Wie gut, dass ich mich in einer Gesamtsumme von definitiv zu vielen ‚zig Stunden Kopfmalträtierung darauf vorbereiten konnte, voll und ganz hinter meiner Überzeugung zu stehen, dass ich jedes Recht habe, mir so ein widerwärtiges Druckmittel nicht unter die Nase reiben zu lassen.

Gut – zwei Mal in einer Woche den Mund aufmachen ist demnach zu viel. Registriert.

Das kann er grad echt nicht gebrauchen. Er hat ja Stress. Er muss schließlich sein Leben auf die Reihe kriegen. Das Problem: Der Moment, in dem er nicht gestresst ist und/oder sein Leben auf die Reihe bekommen hat, kommt am gleichen Tag wie der, in dem es Trudi super geht, sie ihr Leben auf die Reihe bekommen hat und ich ein Mal im Leben ohne schlechtes Gewissen sie darauf hinweisen könnte, dass sie gefälligst irgendeiner Haushaltspflicht nachkommen soll, die sie seit Wochen vernachlässigt. Richtig, das nennt man Sankt-Nimmerleins-Tag. Und so lange warte ich nicht.

Nun denn. Ich bin nicht polyamor, ich verabscheue das Prinzip aus so beispiellos tiefster Seele, dass man sich fragen muss, ob meine Seele so etwas wie einen Boden überhaupt besitzt; ich finde es feige und rücksichtslos und charakterlich mehr als bedenklich und werde den Teufel tun, von dieser Ansicht auch nur ein Milimeterchen zurückzutreten, und damn it, ich beleidige the hell out of dieser Idelogie, an die der bloße Gedanke mir die Eingeweide zerfetzt, aus reinstem Selbstschutz, and I’ll keep on doing that until I feel I don’t need to anymore,  and that’s going to be the day I feel safe with him, which is going to be the day I’m able to feel I’m enough for him, and that’s going to be the day hell freezes over. Cause he won’t let it go.

Das sind dann die Momente, in denen ich denke, nope, das wird nichts. Nicht in dreihundert Jahren. Ich verschwende jeden verfickten Moment meiner Zeit mit jemandem, der nie die Absicht gehegt hat, mir genug zu sein. Du bist glücklicher, wenn man sich noch jemanden dazuholt, dann geh und such dir jemanden, der mitspielt. Sorry, not sorry. Wer das braucht, hat nicht mein Verständnis von Liebe, von Liebe und dedication, von Liebe und dedication und commitment. Ich packe in meinen Wertekoffer. Ha, du bildest dir ein, besser zu sein als Andere. Du meinst, du bist der üble Committer. Du denkst, du hast die ultimative Einsicht in die Polyamorie. Leuten, die sie anders verstehen als du, sprichst du jegliches Recht ab, sich in die Schublade auch nur einzuordnen. Du beschwerst dich über Bindungsprobleme in der Poly-Szene, du Möchtegernheiliger, du Heuchler, du, der du genau so wenig willens bist, die volle Verantwortung zu übernehmen, wie jeder andere verdammte Poly-Mensch auf dieser Welt. Du Wichser, du verdammter Feigling hast doch nur Angst, dass dich jemand auf Dauer nicht erträgt. Damit eines Tages, wenn mir dein Oh-ich-bin-eigentlich-poly-was-habe-ich-nicht-alles-geopfert-für-dich-Gehabe, mit dem du jetzt ankommst, zu dumm wird, du mir sagen kannst, du hättest mich ja von jeher ermutigt, mir nebenher noch jemanden zuzulegen, der mich in meinen schwierigen Zeiten besser handlen kann. Damit entziehst du dich jeder Verantwortung; du willst einfach nicht selbst dran arbeiten, du willst einfach nicht die Gewissheit haben, dass ein einzelner (aber ganzer) Mensch sich in deine Hände legt, du willst Stücke von hier und Stücke von da, und unangenehme Situationen kommen gar nicht auf, denn man hat ja noch jemanden, der einen auch nur zur Hälfte kennt und natürlich auch nur zur Hälfte ertragen muss, das ist es doch und nichts Anderes. Kaum vorstellbar, dass ich diese Art zu leben befürwortet habe, bevor ich tatsächlich damit konfrontiert wurde. Und wenig verwunderlich, meines Erachtens, dass es mir wenig Freude bereitet, zu wissen, dass es das ist, was du eigentlich gern hättest. Das schnürt mir die Luft ab, das schnürt mir die Lebenskraft ab und die ganze riesige Selbstsicherheit, die du mir an anderer Stelle geschenkt hast.

„Wir müssen dringend an deinem Selbstbewusstsein arbeiten… und es wird mir ein Vergnügen sein.“

Hörte ich dich im Januar sagen und wundere mich im Dezember noch immer, wie du es fertigbekommst, mich des erstaunlichen Produkts unserer Arbeit immer wieder in Sekundenschnelle zu berauben, indem du mich wissen lässt, dass ich eigentlich ganz verkehrt bin, und meine Ansichten mit dem ekelhaften, intoleranten Drogenbild deiner Eltern vergleichst. Gowai, ich will das nicht mehr. Ich will raus hier.

Natürlich will ich nicht raus hier. Ich will alles, nur nicht raus hier. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Ich will geliebt werden, umsorgt werden, beschützt werden, gekannt werden, erkannt werden, durchleuchtet werden bis in die allerletzte Ecke, wenn ich es doch schonmal geschafft habe, Mauern ab- und Vertrauen aufzubauen. So ein unmögliches Stück Arbeit. Ich will alles von mir herausholen können, teilen mit jemandem, der mich sehen will, in meiner Gesamtheit, um meine Wertigkeit zu erhalten, an die ich anders nicht gelangen kann. Das will ich eigentlich, und davon könnte „raus hier“ entfernter nicht sein. Verdammt, ich würd‘ nur so gerne haben, dass diese Eigenschaft „Monoamorie“, für die mich so unermesslich viele Menschen so lieben würden, bewundern würden, schätzen würden, von dem einen (aber ganzen), dem ich sie angedeihen lasse, zumindest nicht als dieser furchtbare Mangel angesehen wird, nach dem sich zu richten ein ungemein schweres Opfer darstellt.

Antriebslos, oder auch nicht, oder aber doch.

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Na, die Motivation für die wiederaufgenommene BA-Recherche hat ja lang angehalten. So sehr ich Bastis und Roberts Arschtritt auch brauchte und schätze, die Wirkung lässt nach geschlagenen zwei Tagen schon wieder zu wünschen übrig.

Wenn ich nur nicht so müde wäre.

Sarah kommt gleich zum Proben. Warum nur habe ich ihr nicht abgesagt, warum nur nicht. Ich will nicht proben. Ich will überhaupt nichts tun.

Und genau darin besteht das Problem. Ich weiß schon, warum ich ihr nicht abgesagt habe. Das hätte geheißen, mich meiner Lethargie zu ergeben.

Warte mal, ich geh absagen.

Okay, Fail. Also bedingt Fail, bedingt Win: Ich habe Sarah abgesagt mit der Begründung, ich sei hochmotiviert, die Recherche für meine BA-Thesis in genau diesem Moment wieder aufzunehmen, und wurde über meine Motiviertheitsbeteuerungen wieder richtig wach und gut gelaunt; jetzt habe ich soeben Sarah abgesagt, weil ich mich zu schlapp und lethargisch für Bandprobe gefühlt habe, und bin aber nunmehr vollkommen un-schlapp und un-lethargisch und könnte eigentlich ohne Probleme proben und die Recherche danach betreiben – R arbeitet eh bis zehn und ist dann so gegen halb elf da, bis dahin hätte ich also Zeit. Okay, aber ich könnte es genausogut jetzt hinter mich bringen und dann noch in aller Ruhe kochen und mit Basti chillen, falls der noch kommt heute.

Ich merke so langsam, wie die Motivation wieder nachlässt. Scheiße.
🙄

Aspi Blanknerv mein Name, encantada de conocerlos.

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Mir ist nicht wohl zumute. Zu viele depressive Anflüge, und ich weiß schon wieder nicht, mit wem ich reden soll.
Gestern Nacht wieder ein angetrunkenes minor Zusammenklappen nach ziemlich niederschmetternder poly-bezogener Bemerkung von Seiten R’s. Ich glaube, gestern wäre ich wirklich mal fähig gewesen, mit meinen Zweifeln herauszurücken, wäre nicht JO dagewesen, die zwar schlafend, aber nichtsdestotrotz anwesend neben meinem Bett auf dem Boden lag. Das mache ich nicht, meine Konflikte in Gegenwart Dritter austragen. Hätte er einen Moment früher das Licht ausgemacht, hätte man das Heuldrama vermeiden können, dann hätte er gar nichts mehr gemerkt.

Es ereignete sich dann noch folgender Dialog:

„Es ist total cool, jeden Abend neben dir einzuschlafen, weißt du das?“
Heulen.
„Lustig, das widerspricht sich mit jeder Poly-Bemerkung, die du je gemacht hast.“
„Es ist trotzdem cool.“
Heulen. „Entscheid‘ dich doch mal.“
Pause.
„Komm doch endlich mal von dem Konkurrenzgedanken weg, wenn es um Poly geht.“
Heulen. „Es hat mit Konkurrenzgedanken nichts zu tun; es hat mit Nichtgenugsein was zu tun.“
Pause.
„Wenn du nicht genug wärst, würde ich mich ganz anders verhalten. Und damit meine ich nicht besser.“
Heulen.
Heulen.
Heulen.
„Du beunruhigst mich grade.“

Ich war kurz davor, ihn vor die Tür zu schleppen und mein ganzes Drama auszuschütten, aber dazu reichte die Verzweiflung dann doch wieder nicht ganz.

Davon ab: Ich will dieses Grundeinkommen. Ich will nichts so sehr wie das Grundeinkommen. Oh könnte ich nur bedingungsloses Grundeinkommen beziehen. Ich könnte meinen Teil dazu beitragen, der Welt die uneingeschränkte Richtigkeit dieses Konzeptes zu beweisen. Oh könnte ich nur.

Zustandsquerschnitt.

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So. Jetzt lerne ich weiter. Wie erwartet wurden Elli und ich heute mit ihrer GFS fertig.

Ich mache mir ein Konto bei der GLS auf und nehme mein Geld von der Commerzbank runter, deren zweiter Rang unter atomwaffenproduzentenunterstützenden deutschen Banken mir und meinem Gewissen doch etwas zu schaffen macht, aber erst nachdem ich geschlafen habe.

Die Küche ist sauber. Danke, Putzplan, immer wieder. Für den würde ich mein Leben aufs Spiel setzen, glaube ich. Ich bin im Schnelldurchlauf, aber nichtsdestotrotz effektiv durch den Dreck gewirbelt vorhin, habe es alles in einer Dreiviertelstunde geschafft und dazu jetzt ein blütenreines Gewissen.

Es ist gerade so wunderbar, wo R wieder hier ist. Ich kann immer noch so Vieles besser machen und Neues dazulernen. Meine Arbeit an mir selbst läuft auf Hochtouren. Mein Verstehen von Dingen. Ich lerne so gern.

Außer, natürlich, selbstredend, wenn es um Neurolinguistik geht. Während ich die elektrophysiologischen Methoden EEG und MEG gestern schon recht gründlich abgehandelt habe, warten leider noch zahllose weitere Grausamkeiten auf mich, die ich bis Dienstag versuchen muss zu verinnerlichen. Es wird nicht funktionieren. Tragisch eigentlich, dass die letzte Klausur meiner BA-Studienzeit meine erste Nachschreibeklausur sein wird.

Ich habe um die 25 Paprika-Keimlinge und 5 (Edit: Nein, 15!) Töpfe Basilikum, und an den Tomatenpflanzen von Mama entwickeln sich bereits zwei Früchte. Und sie duften so köstlich, diese Tomatenpflanzen. Fuck, ich habe vergessen, sie zu gießen. Soll ich jetzt nochmal aus dem Zimmer gehen und riskieren, dass R mir aus der Küche eine sarkastische Bemerkung hinterherwirft, weil ich immer noch nicht am Lernen bin? Oder einfach drauf hoffen, dass sie tief genug wurzeln, um selbst bei der sengenden Hitze einen Tag ohne frisches Wasser schadenfrei zu überstehen? Zweiteres; ich entscheide mich für Zweiteres.

Und jetzt genug geredet; ich gehe lernen.

Waking Up Elli (oder: Wieder nicht gelernt.)

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Gerade bin ich in so einer Vertrauens-Phase. Es ist so angenehm; es tut so gut, sich einen Moment lang keiner Ängste oder Zweifel bewusst zu sein.

Hunger.

Ich werde diese Klausur nicht in dreitausend Jahren bestehen; ich habe es immer noch nicht geschafft zu lernen, und ins Tutorium bin ich auch nicht gegangen, weil ich den riesigen Fehler gemacht habe, mich eine Stunde vorher zum Schlafen hinzulegen. Forget it; ich war erst gegen 18 Uhr zumindest halbwegs wieder zurück unter den Lebenden.

Ich muss ein containertarisches Kochbuch schreiben, ich seh’s doch klar und deutlich.

Tue ich das doch einfach.

Nein, warte, ich kann jetzt nicht anfangen, ein containertarisches Kochbuch zu schreiben, wenn ich Dienstag Klausur habe und noch kein Wort dafür gelernt habe, verdammt.

Ich war heute bei Elli und werde morgen und übermorgen wieder da sein. Letztendlich liebe ich es wirklich sehr, Elli Nachhilfe zu geben. Vor allem deshalb, weil sie der eine, einzige Mensch in meinem gesamten Umfeld ist, der alles, was ich sage, so hungrig aufsaugt, als wäre sie zeit ihres Lebens noch nicht mit der Art Wissen, die ich ihr vermittele, in Kontakt gekommen. Es ist vermutlich auch genau so, und während mich das einerseits zutiefst schockiert, sehe ich andererseits natürlich das enorme Ausmaß meiner Möglichkeiten und Verantwortung. Ich kann diesem Menschen zu einer völlig neuen Sicht auf die Dinge verhelfen. Wenn ich es ganz geschickt anstelle (und ich hoffe, ich bin dabei), schafft sie es irgendwann, ihren Horizont von allein zu erweitern. Ich muss nur den Stein ins Rollen bringen. Und dabei hilft mir noch Trudi, was unheimlich praktisch ist, weil sich unsere Einstellungen zu gewissen Dingen eben doch ziemlich decken und es Elli ganz sicher guttut, diese vollkommen neuen Informationen von zwei verschiedenen Quellen zu bekommen. Man entwickelt dadurch doch automatisch noch mehr Vertrauen.

Also werde ich ihr jetzt, nachdem sie mich vorhin ausdrück- und eindringlich darum gebeten hat, erstmal ein-zwei Dokus zur Massentierhaltung zukommenlassen und mich nebenbei bei R über das genaue Wie-wo-wann seiner Rede auf dem CSD erkundigen. Sie klang ernsthaft interessiert. Sie ist ein guter Mensch; sie muss einfach nur aufwachen. Ich glaube, ich schaffe das.

Ich sollte es ausnutzen, dass R sich momentan vermutlich noch auf der Solid-Sitzung befindet, und einfach lernen.

Ich tue es ja doch nicht. Es wird immer schlimmer.