Schlagwort-Archive: Klausuren

In-Konsequenzen

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Plan für heute:

Unisachen machen (Harslem 1 Seite, Griese Probeklausur & Mail, Nespral 2 Einträge beenden & Mail, obwohl ich Letzteres vergessen hatte zu notieren); Großhandel / Ausflug zur GiveBox; 50 Sachen aufräumen; 1 Wäsche; buntes Kleid nähen (wirklich); Mixer-Deckel präparieren; duschen & epilieren.

Realität:

Schlafen bis elf; gemütlich frühstücken (süßer Hefezopf mit Mandeln, mit Butter und Dulce de leche bestrichen, dazu Instant-Cappuchino) und dabei lesen; gestern gerettetes Essen versorgen (ich hatte gestern nur zwei von drei Taschen geschafft); Küchenarbeit (auch wenn man davon nichts sieht – es ist immer noch / schon wieder das reinste Chaos); Großhandel (es dauerte ewig und drei Tage, dort anzukommen, da wegen des Rollstuhlmarathons, der heute stattfand, die halbe Stadt lahmgelegt war und der Bus natürlich auch im Stau stand); Rückweg vom Großhandel (ich hatte dreißig Kilo eingelegte Champignons 3. Wahl zu schleppen – mein Rücken und auch der Rest von mir fand’s nicht lustig, aber ich hatte keine Wahl, denn es mussten drei Eimer sein. Einer hätte sich nun wirklich nicht gelohnt, zwei hätten mir einen leeren Rucksack und zwei überladene Seitentaschen beschert, also dreimal 10 Kilo. Unterwegs machte ich noch Bekanntschaft mit einem harmlosen Irren aus dem nahegelegenen Altersheim, der gerade an der Bushaltestelle, wo ich umsteigen musste, dabei war, einen selbstgemachten Salat zu verdrücken und dem ich Champignons anbot. Im Gegenzug kann ich nun wann immer ich möchte im Kräutergarten des Altersheims meine Vorräte aufstocken. Dafür habe ich gern in Kauf genommen, dass der Eimer nach dem Entfernen der Schutzfolie natürlich nicht mehr dicht war und meine ganze Ikea-Tasche mit Pilzwasser volllief und sich auch noch auf den Platz im Bus entleerte, den ich mit meiner Fracht beladen hatte); mit schmerzendem Rücken die eine Wäsche in die Maschine werfen und den Weg nach unten für Keller-Erledigungen nutzen; mit schmerzendem Rücken Nudelsalat produzieren und dabei mit Mama telefonieren (ich weiß jetzt schon nicht mehr, ob wir es diesmal geschafft haben, in Frieden auseinanderzugehen, tendiere aber überraschenderweise zu Ja); mit schmerzendem Rücken Champignons aus dem angebrochenen Eimer (sofern nicht für den Nudelsalat verwendet) in ein Arsenal von Gläsern füllen und einkochen und dabei Ken Zazpis Livealbum Gelditu Denbora hören; mit schmerzendem Rücken Katzenklo saubermachen und Müll rausbringen; mich mit schmerzendem Rücken und meiner während der Aktivitäten in der Küche geöffneten Flasche Bier (der letzten im Hause) aufs Sofa pflanzen; Facebook-Posts lesen und dabei über Transgender-Menschen nachdenken und bedauern, keinen persönlich zu kennen (ja, in dem nunmehr durch Bier und eine Cola-Limoncello induzierten Zustand fast anfangen zu heulen, weil ich es so sehr bedauere, niemanden zu kennen, der mir erzählen könnte, wie es ist, transgender zu sein, und somit aus meiner immensen Unfähigkeit, dies nachzufühlen, keinen Ausweg zu sehen); diese ganzen Umwege und Planabweichungen schriftlich festhalten.

Die Probeklausur muss ich allerdings noch machen, wirklich, weil heute Deadline ist und mich das leise Gefühl beschleicht, dieses Semester schon genug in der Pfeife rauchen zu können – ich muss es nicht noch überstrapazieren und auch noch aus dem Kurs fliegen, in dem einem das Bestehen wirklich hinterhergeschmissen wird.

Fun Fact: Die Klausur bei Harslem, zu der ich mich in der ersten Woche meiner hyperemesischen Horrorexistenz noch geschleppt hatte (ich werde es noch ausführlich schildern, ich muss es noch ausführlich schildern, denn so absurd sind Klausuren nicht alle Tage) wurde, wie ich gestern erfuhr, eine 1,0. Ich war so hysterisch, ich habe mich zehn Minuten lang nicht beruhigen können. Ich mag meine Fähigkeit, unter Höllenqualen noch 1,0-Klausuren zustandezubringen. Ich mag sie wirklich.

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17.21

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Oh, ich bin glücklich. Ich habe gestern in einer weiteren Attacke des Ebay-Kleinanzeigen-Rausches der letzten Wochen besagte Plattform nach Kleidung durchstöbert – nach Jahren erlaube ich mir mal wieder, ein paar neue Sachen zu kaufen. Natürlich werde ich dafür etwas Altes aussortieren; mein Schrank platzt ja so schon aus allen Nähten. Und die aussortierten Sachen werde ich dann ihrerseits zu Ebay Kleinanzeigen stellen, und darauf freue ich mich jetzt schon.

Ich habe also drei Pumphosen und ein riesiges Set an Leggins und Strumpfhosen erworben (also ausnahmsweise mal etwas, das ich auch wirklich brauche!) und dazu noch eine Extra-Strumpfhose, welche orange ist und unten so ein Rautenmuster hat. Perfekt, weil ich den löcherbedingten Verlust meiner letzten dicken orangenen Strumpfhose bis gestern betrauert habe.

Außerdem hat mir gestern Nicole auf meine SMS geantwortet, die besagte, dass wir doch eigentlich echt mal wieder telefonieren sollten. Wir haben das seit mehreren Jahren nicht getan und da der Gedanke, mit Nicole gar keinen Kontakt mehr zu haben, nach all der Zeit immer noch absurd ist, kam mir eben diese revolutionäre Idee. Sie schrieb dann, da wäre sie dabei und wo ich eigentlich gerade wohnen würde, man könne sich ja vielleicht auch mal wieder treffen. Wie fröhlich mich das gemacht hat!

Ein weiterer der aufgefrischten Kontakte, die mein Geburtstag mit sich brachte, ist der mit Daniel aus Vitoria. Also nicht der aus Vitoria, sondern der mexikanische, den ich in Vitoria kennengelernt habe. Wir mochten uns ja irgendwie schon immer, obwohl wir, während wir noch Kommilitonen waren, kaum miteinander zu tun hatten, was ich damals schon schade fand. Aber alles Andere wäre weird gewesen, weil wir in völlig unterschiedlichen Cliquen uns bewegt haben. (Falls man davon sprechen kann, dass ich mich in Vitoria in einer Clique bewegt habe.) Mit ihm jedenfalls schreibe ich ab und an über Facebook, und das freut mich, denn wir sind uns ähnlicher, als man anfangs vermuten würde.

Was mich außerdem noch freut: Mein Handyvertrag scheint sich endlich mal geregt zu haben; ich bekam vorhin eine SMS von meinem neuen Anbieter, nachdem gestern tatsächlich die Portierungsgebühr mal abgebucht wurde. Vielleicht sollte ich mal in den Briefkasten schauen, ob meine SIM-Karten schon da sind. Die Rechnung ist es jedenfalls.

Jetzt ist es schon wieder wesentlich später, als es sein sollte, denn ich habe noch nicht einmal angefangen, für die letzte Klausur morgen zu lernen. Das werde ich dann nun mal tun.

Craving for net lace (and food.)

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Wie praktisch, dass ich morgen Geburtstag habe – gerade heute hat sich in mir ein unsagbar großes Verlangen nach neuer Kleidung bemerkbar gemacht. Vorzugsweise voluminös, buschig, tüllig. Ich liebe Tüll, wenn es richtig gemacht ist. Also habe ich die letzten paar Stunden nicht nur mit Caro geredet, sondern daneben die guten alten ebay-Kleinanzeigen nach Tüllkleidung durchforstet. Welch eine Überraschung natürlich, dass mir erstmal 90% Brautkleider entgegensprangen, entzückende Kleidungsstücke zugegebenermaßen, aber nicht gerade, wonach mir der Sinn stand. Letzten Endes bin ich trotzdem mit genug Auswahl konfrontiert worden, dass ich fast bedaure, nicht zweimal direkt hintereinander Geburtstag zu haben und somit mehr Geld für Petticoats.

Davon ab: Die so sehr gefürchtete Klausurenwoche war eigentlich ein Witz, und die schlimmste aller Klausuren (von der ich annahm, sie vorgestern schreiben zu müssen) kommt erst nächste Woche dran. Yay, dann also nochmal ran an den Speck, spätestens Dienstag werde ich dann mit Lernen verbringen müssen. Für die Klausur ganz bestimmt.

Ich bin müde und habe einen unfassbaren Hunger. Irgendwie dachte ich, R würde mal nach Hause kommen; ich hatte geplant, ihn zum Kochen zu bewegen, aber langsam wird es wirklich… akut. Wenn ich nur wüsste, was ich essen will. Schlimm immer, diese Entscheidungen. Heute muss ich wirklich daran denken, irgendwelche Hülsenfrüchte für morgen einzuweichen, sonst habe ich morgen schon wieder das gleiche Problem.

Ich habe meine Nägel zum zweiten Mal in einem Jahr lackiert; irgendetwas ist verkehrt mit mir. Aber ich kenne das schon (oder besser: noch), das sind ab und an so komische Phasen, das verschwindet auch wieder. Vorhin war mein Bedürfnis danach, meinem Körper die höchstmögliche Menge an Aufmerksamkeit und Zuwendung zukommen zu lassen, wahrscheinlich besonders deshalb so ausgeprägt, weil ich davor so lange meine Haare nicht gewaschen hatte, dass ich heute in der Uni zwei Klausuren lang mit Mütze da sitzen musste. Überkompensation oder so.

Oh! Bevor ich es vergesse: Becci hat mein Weihnachtsgeschenk doch tatsächlich noch bekommen; heute war der Abholschein für sie im Briefkasten. Ein Wunder; ich hatte es schon fast als verschollen zu den Akten gelegt (und war darüber unheimlich traurig).

Jetzt jedenfalls muss ich etwas zu essen machen.

Progress: 1 von 4.

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Erste Klausur der Woche ist durch; Eileen und Jana diskutieren noch den letzten Satz, werden aber auch gleich fertig sein. Glanzleistung war’s nicht, schätze ich, aber immerhin fehlen diesmal keine halben Sätze. Ich habe mir nach der Abgabe nochmal aufs Oberflächlichste die Stewart-Materialien zu Gemüte geführt und fühle mich auf die gleich folgende Klausur nicht mehr vorbereitet als zuvor. Egal.

22.30

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Ich scheine mich mit R’s Erkältung erfolgreich infiziert zu haben; mein Hals fühlt sich entsetzlich an und ich selbst mich matschig. Ab morgen ist Hardcore-Klausurenwoche, ich habe meine mühsamst dem Drucker entrungenen Lernzettel – größtenteils ungenutzt – bei Kepa im Transporter vergessen, und ich bin am Boden zerstört, weil ich soeben im Zug One Day zu Ende gelesen habe, was zur Folge hatte, dass ich diesen letzten Teil meiner Rückfahrt von Hamburg mit hemmungslosem Heulen in öffentlichen Verkehrsmitteln zubrachte (und darüber sogar den Halt des Zuges in Bretten nicht einmal bemerkte). Bis hierher; nun im Bus nach Hause bin ich wieder einigermaßen bei mir.

All dem zum Trotz (oder von all dem ab) war mein Tag ein schöner. Es hat mich mit unvorhergesehen intensiver Freude erfüllt, wieder in Hamburg zu sein – bei aller Vertrautheit rührte das Gefühl auch daher, dass ich mir in gewisser Hinsicht so vorkam, als würde ich die Stadt als ein völlig anderer Mensch wahrnehmen, sie endlich und erstmals sehenden Auges betrachten. Hamburg ist nicht gut zu Menschen ohne Selbstbewusstsein und Identität. Es ist gut zu Menschen wie mir.

Kepas “Umzug” war ein Witz. Wir waren in zweieinhalb Stunden mit Einladen fertig, gegen Ende kamen noch zwei seiner supernetten baskischen Freunde dazu (where does he keep finding those?!), und dann waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg. Vielleicht tut mein Hals auch nur so weh, weil ich so viel über den Verkehrslärm hinweg reden musste. Wie bei Umzügen Anderer üblich, habe ich Dinge abgestaubt, Tomatenmark und baskische Tomatensauce, Kräuter der Provence und baskischen Rioja. Im Gegenzug war ich großzügig mit meinen wie angekündigt erworbenen Franzbrötchen. Und meinem Energy, auch wenn ich fast vom Glauben abgefallen bin, als Kepa (seines Zeichens erklärter Gegner von allem unnötig Chemikalischen) davon was abhaben wollte.

Jetzt bin ich müde. Und gleich zu Hause. Und dann kann ich diesen Eintrag posten und mir einen entspannten, nicht mehr allzu langen restlichen Abend machen.

At last…

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2017. Ich tue, was ich am besten kann: Irgendwie durchkommen. Mit minimalem Aufwand.

Es ist Klausurenphase. Stilvoll eingeleitet gleich am Montag nach den Ferien durch einen Wecker-Fail meinerseits, dank welchem ich die Take-Home-Klausur aus dem Montags-Spanischkurs sehr verstört mit einer Stunde Verspätung zu bearbeiten anfing (was mir am Ende immerhin trotzdem eine 1,5 einbrachte, aber auch nur, weil er extrem zerstreut gewesen sein muss beim Korrigieren und einen Typo sowie einen ganzen fehlenden Satzteil übersehen hat).

Weiter im Text mit den am gleichen sowie am darauffolgenden Tag stattfindenden Zusammenkünften mit der sich endlich über Facebook kenntlich gemacht habenden Kommilitonin aus Fachliche Kompetenz, mit der zusammen ich das Referat über Softwarelokalisierung vorbereitet und mich (seit Langem mal wieder) ausführlich über das Musikmachen unterhalten habe. Sie ist nicht mein Typ von Kollaborateur, ganz sicher nicht – Gospelchor-Mitglied, Pferdefan, Kirchengängerin und ziemlich uncharismatisch – aber ich war immerhin froh genug über diese erste Verbindung musikalischer Natur in dieser Stadt, um einen Vorschlag, mal gemeinsam etwas zu machen, relativ dankbar anzunehmen. Etwas Konkretes haben wir eh nicht geplant und es wird sich vermutlich nicht so ergeben, aber einfach um das Gefühl der Möglichkeit willen habe ich es getan. Und sie häkelt gern. Und sie spielt nach Gehör. Das ist immerhin etwas.

Das Referat dann hätten wir heute halten sollen (ich war bis zum Dienstag letzter Woche, an dem ich meinen Teil fertiggestellt habe, ja noch der festen Überzeugung, unser Termin wäre am 11., also letzte Woche – warum sonst hätte ich zwei Tage hintereinander Referatssessions angezettelt?!), allerdings brauchte David so lange für seins – die Dozentin war hin und weg von seiner Präsentation und hat ihn praktisch genötigt, die ganze Sitzung damit auszufüllen; verständlich, wenn man bedenkt, dass sie ansonsten nur amateurhafte Geschichten zu hören bekommt und dieser sehr von sich überzeugte und trotzdem sympathische Mann nach seiner Laufbahn als Videospieltester und -übersetzer da doch mehr zu sagen hatte) -, dass wir kurzerhand auf nächsten Mittwoch „vertröstet“ wurden. Das heißt, ich muss nächste Woche schon wieder zu dem Kurs gehen. Acht Uhr dreißig, das ist doch keine Uhrzeit. Nicht für mich jedenfalls. Aber mir sind ja mittlerweile selbst die Zehn-Uhr-Kurse wieder zu früh geworden.

Heute kam ich zum Acht-Uhr-Kurs zwanzig Minuten zu früh, nachdem ich verplant hatte, dass wir erst um halb neun anfangen, und extra einen Bus früher genommen hatte, um „rechtzeitig“ um viertel nach da zu sein. Außer David war niemand dort und ich dachte schon fast, ich könnte gleich wieder nach Hause. Bis dann die Anderen eintrudelten und ich aufgeklärt wurde, dass ich einfach dieses Jahr noch verpeilter zu sein scheine als bisher.

Mein Plan für morgen sieht so aus, dass ich nicht zum Spanischkurs gehe, außer natürlich, es tritt der unwahrscheinliche Fall ein, dass ich die Monsterübersetzung, die wir machen sollten, im Kurs davor schaffe. Sonst müsste ich sie nämlich jetzt machen, und ich möchte nicht.

Ich werde schlampig mit den Medis und nehme sie zu unregelmäßigen Uhrzeiten, mal morgens, mal abends; das verursacht mir Kopfschmerzen und zeitweise Entzugserscheinungen über den Tag. Ich sollte sie mir wieder aufs Bett legen und immer ein Glas Wasser da oben haben.

Seit gestern bin ich stolze Besitzerin eines funktionierenden Multifunktionsgerätes und noch stolzere Verschenkerin des defekten, das wir davor hatten. Unfassbar, wie viele Menschen dieses kaputte Gerät haben wollten, bei dem nur noch der Scanner funktionierte. Aber immerhin waren funkelnagelneu gekaufte Patronen und ein ebenso neues Druckerkabel mit Netzteil dabei, also hat der Mensch, der es dann gestern Abend holen kam, definitiv einen guten Fang gemacht.

Und ich kann endlich wieder drucken. Erstmals seit ziemlich genau einem Jahr, nein, zwei Jahren. Es ist tatsächlich zwei Jahre her, seitdem ich in meinen Geburtstag hinein mit dem Drucker gekämpft und irgendwann resigniert auf Trudis Drucker zurückgegriffen habe, um die Unterlagen für die „Sprachkontakt und Sprachwandel im Baskenland“-Klausur zu materialisieren, zu der ich letztlich eine halbe Stunde zu spät kam, weil der Schnee in den Fahrplänen des ÖPNV ein heilloses Durcheinander angerichtet hatte. Am Zähringer stand und Collapse gehört habe. Oh memories.

Jetzt ist R zu Hause, bereitet sich von Becci mitgenommene gerettete Maultaschen zu und erzählt von seinem Arbeitstag. Ich habe die Klausur für Fachübersetzung in etwas weniger als eine Stunde bearbeitet – es war sehr leicht und ich bin glücklich -, sodass ich nun unbekümmert dem restlichen Abend entgegensehe. Oh angenehmes Leben.

Des Morgens Klausurenglück, des Nachmittags La-Va-Langeweile.

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Soll ich das nun glauben? Die letzte Klausur meines Pre-BA-Lebens ist vorbei, und während mir das Szenario nur allzu bekannt vorkam, das sich da heute wieder einmal direkt vor meinen ungläubigen Augen abspielte, so fühlt es sich doch jedes Mal erneut verwirrend an: Die paar zusammengehefteten Blätter, von denen ich mir so sicher war, sie würden mir heute den absoluten Untergang auf den Hals hetzen, waren wie von Zauberhand nach einer Dreiviertelstunde beantwortet, vollständig ausgefüllt, und kaum eine Stiftbewegung mit Zweifel ausgeführt.

Den Rest der Zeit saß ich da und wartete. Unter Einfluss von zu viel Kaffee, gemischt mit ein bisschen Adrenalin (ja, ich habe ein paar Klausuren in meinem Leben schon hinter mir, aber diesen Umstand lasse ich mich nicht davon abhalten, immer wieder berauscht zu sein, wenn ich sie so unerwartet und unverdient gut bearbeiten konnte), ein schwieriges Unterfangen, aber ich konnte ja schlecht auf den Fake-Migräneanfall aus der Midtermklausur einen weiteren folgen lassen.

Irgendwann war es soweit, die untätige Dreiviertelstunde vorbei und ich wieder zu Hause – R war schon weg, sodass ich nur schnell (aus dem Eintopf, den er gestern Abend gekocht hat, während ich noch dabeiwar, mir auf den allerletzten Drücker den Rest Neurolinguistik auf Lernzettel zusammenzutragen) mein Mittagessen abfüllte, einen Blumenkohl für Sarah in eine Tüte packte und mich auf in die Arbeit machte. Ich kam pünktlich und habe in einer irre kurzen Zeit irre viele Touren übersetzt, sodass ich mir jetzt eine Auszeit von dieser unfassbar öden Tätigkeit nehme und diesen Eintrag verfasse. Zwei Stunden noch, dann geht es ab nach Hause. Ich weiß gar nicht, wie ich das überleben soll – morgen komme ich wieder her, übermorgen und Freitag genauso. Nachdem ich letzte Woche zuerst wegen Krankheit, dann wegen der heutigen Klausur komplett ausgefallen bin, muss ich das ja aber irgendwie kompensieren. Um des Traumes willen. Und weil ich in zwei Wochen Susmita in Finnland besuchen werde.

Wie gut, dass ich wenigstens viermal bei Elli war letzte Woche. Ich bin zufrieden mit ihrer GFS; am liebsten würde ich sie am Donnerstag selbst halten.

Nun mache ich mich wohl oder übel aber wieder an die Arbeit. Ich betreibe heute fröhliches Island-Hopping zwischen Fuerteventura und Lanzarote und komme mir mittlerweile so vor, als würde ich jeden Stein der Kanaren in- und auswendig kennen. Es sind um die 100 Touren von diesem Anbieter insgesamt, Hälfte Balearen, Hälfte Kanaren. Ich sitze jetzt an den letzten sechs, und während ich sie bei Weitem nicht alle allein übersetzt habe, fühlt es sich trotzdem so an, als hätte ich seit Jahren nichts Anderes mehr gesehen.

Immerhin ist es bei diesen Touren ausnahmsweise meine bevorzugte Übersetzungsrichtung, in der ich arbeiten kann, von Deutsch nach Englisch. Natürlich wäre es mir auch lieber, in die andere Richtung zu arbeiten, wäre denn gewährleistet, dass die Originaltexte ein Minimum an stilistischer Schön- oder zumindest Korrektheit aufweisen; da aber bei den englischen Originaltexten mehr noch als in den deutschen keiner der beiden Faktoren gegeben ist, freue ich mich jedes Mal, wenn ich zumindest ausgehend von einem nur halbwegs grottigen deutschen Original eine englische Übersetzung verfassen kann, die die Bezeichnung „Text“ wenigstens in Ansätzen verdient.

So long; sieht so aus, als könne ich noch mehr Zeit beim besten Willen nicht mehr totschlagen. Dann gibt’s halt heute eine kaffeeinduzierte Überproduktion von meiner Seite; das wird außer mir selbst zwar niemand wertschätzen, aber im Grunde sollte mir meine eigene Wertschätzung ja auch genügen.

Too many plan(t)s, too little time.

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So. In zwei Stunden bin ich auf dem Weg in die Uni. Heute gehe ich zum Neuro-Tutorium; ich schaff‘ das, ich mache es wirklich. Jawoll.

R ist in seiner Wohnung und redet mit seinem Kollegen aus der Flüchtlingshilfe, nachdem er letzten Freitag keinen Nerv auf TeKo hatte. Wir hatten Donnerstag Abend gegrillt und es wurde etwas später (wunderbarer Abend, auch wenn von meinen Eingeladenen außer Rini niemand auftauchte – das hat vollkommen gereicht; mit ihr und Basti zusammen hatte ich eine wundervolle Zeit und es hätte noch besser gar nicht werden können).

Ich freue mich auf Freitag, da macht R Lasagne bei sich zu Hause und ich lerne tatsächlich mal die Wohnung kennen. Dann gehe ich einfach nachmittags schon hin und gewöhne mich ein bisschen ein. Eigentlich sollte ich jede Minute mit Neuro verbringen. Aber vorhin wurde ich auch noch von einer Foodsharingbekannten zu ihrem Geburtstag am Wochenende eingeladen und ich muss hin; Manu ist so eine unglaublich Liebe. Plus, sie war auf meiner und Trudis Einweihungsfeier und hat mein Olivenbrot in den allerhöchsten Tönen gelobt. Noch Wochen später! Ich fühle mich ihr verpflichtet.

Das Wetter ist umwerfend. Im wahrsten Sinne. Wenn das meinen Tomaten und den kleinen Melonenpflanzen mal nicht gefällt. Basilikum pikiert habe ich auch gestern Abend. Es ist noch so viel mehr zum Pikieren da, aber mir gehen die Töpfe aus. Ich freue mich so arg auf das ganze Basilikum. Und die Melonen. Wie gespannt ich einfach bin, ob irgendeine der Pflänzchen es schafft, dieses Jahr noch eine Frucht zu produzieren. Und dann sind hier die ganzen Paprikakeimlinge, der Ingwer, die Süßkartoffel und der Senf. Und die random Sprosse, bei der ich nicht weiß, was rauskommt.

Nach der Uni muss ich zu Elli. Nach Elli muss ich zur Wegwarte. Und nach der Wegwarte gehe ich Billard spielen, weil R es nunmal so sehr liebt und ich das Gefühl habe, ihm auch mal wieder in irgendwas entgegenkommen zu müssen. Also wird Geld ausgegeben und Bier getrunken und Billard gespielt. Vielleicht kommen ja Trudi und Basti mit, das wär‘ doch schön. Ich frag sie gleich mal.

Edit: Wie’s aussieht, hab‘ ich zumindest bis 22 Uhr Zeit, mein Gewissen zufriedenzustellen und ein bisschen was zu lernen; R rief grad an und verkündete seine heutige Teilnahme an so einer Flüchtlingsdingsveranstaltung, bei der er was verteilen wird (dass er Flyerverteilungsspezialist ist, ist ja schon ohne Schwierigkeiten von der Tatsache abzuleiten, dass wir uns kennenlernten, indem er mir einen davon in die Hand drückte. Gegen TTIP, man erinnere sich), sodass ich jetzt froh bin, dass Basti morgen Spätschicht hat, sonst hätte er bestimmt keine Lust mehr gehabt mitzukommen um die Uhrzeit.

Traumleben und ein schlechtes Gewissen

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Ich bin immer noch krank, aber langsam geht es wieder. Zumindest gut genug, dass ich heute in die Uni konnte und eine Stunde lang sinnlos mit dem Fahrrad durch die brütende Hitze gefahren bin (andere Geschichte). Ich sollte Neuro lernen, stattdessen recherchiere ich Basilikum. Ich liebe Basilikum. Hätte ich nicht schon so viel (meine Samen keimen prächtigst!), müsste ich mir dringend Saatgut der Sorte African Blue bestellen, welche man der Legende nach sogar überwintern können soll. Außerdem – es wächst in Strauchform! Ich liebe Kräuter in Strauchform; sie sind so robust und abundant.

So heiß ist es, dass sogar ich mich drinnen aufhalte. Eigentlich ja, um Neuro zu lernen (ich erwähnte), aber dann musste ich ja wie gesagt das Basilikum recherchieren und habe nebenbei R bei Facebook geschrieben, ob man ihm irgendwie beim Einräumen seiner neuen Wohnung helfen kann (die ich immer noch nicht zu Gesicht bekommen habe, und dabei hat er den Mietvertrag letzten Donnerstag schon unterschrieben – zugegebenermaßen tue ich aber auch nicht sehr viel dafür, dass sich das ändert, denn die Strecke zwischen meiner Wohnung und seiner ist mir bei den Temperaturen zu lang und zu bergig, um sie mir ohne triftigen Grund anzutun). Er meinte, er wäre soweit fertig, würde noch kurz ein Sixpack holen und in einer halben Stunde bei mir aufschlagen. So viel zu Neuro. Das ist schon die zweite Klausurenphase, in der mir seine Anwesenheit einen Strich durch die ohnehin schon nicht sehr motiviert angelegte Rechnung macht. Leider zog sie sich dieses Mal auch durch das gesamte bisherige Semester, sodass meine Chancen verschwindend gering stehen, noch einmal so unverdient glimpflich davonzukommen wie letztes Mal. Wirklich, ich fühle mich nicht mehr, als würde ich überhaupt studieren. Ich treibe mich einen Tag in der Woche ein paar Stunden lang an der Uni rum, ja, sicher, aber die restliche Zeit meines Lebens verbringe ich damit, zu arbeiten oder (häufiger) meinen Haushalt und meinen Garten zu einem Grad zu betütteln, den keiner von beiden eigentlich nötig hätte, und mit den wunderbaren Menschen, die bei mir ständig ein- und ausgehen. Außerdem rette ich Essen, verarbeite und verzehre es und informiere mich nebenbei beständig nach natürlichen Alternativen für bisher verwendete Haushalts- und Pflegeprodukte. So ein Dasein könnte ich mein Leben lang führen. Wenn ich könnte. Oh, wenn ich nur könnte.

Ich muss jetzt Neuro lernen, sonst bestehe ich die verdammte Klausur nicht.

Amputierte Basalganglien (und andere Vorwände, um genau jetzt nicht zu lernen)

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Bis hin zur Sehbahn habe ich alles gelernt oder zumindest halbwegs gründlich überflogen.

Dazu muss gesagt werden, dass das gründliche Überfliegen bei mir ein Überfliegen plus Abstrahieren und mehrmaliges erneutes Überfliegen sowohl des Abstrahierten als auch der Original-Lernmaterialien beinhaltet, was meistens den gewünschten Lerneffekt eigentlich schon ganz gut herbeiführt, wenngleich kurzzeitig. Ebenfalls sollte dazu gesagt werden, dass ich bis heute dank gnadenloser Lernunfähigkeit keine Motivation aufbringen konnte, für irgendetwas, sei es noch so wichtig, eine tiefergehende Lernstrategie zu entwickeln oder gar anzuwenden. Irgendwie kommt man ja doch immer durch. Furchtbar sowas. Ich frage mich gerade wieder, wie ich es geschafft habe, 1,0 in Sanskrit zu schreiben, während Andere, die sich am Kursgeschehen unterm Semester gelegentlich sogar beteiligen konnten, da sie vorbereitet zum Unterricht erschienen und sich an das zuvor Durchgenommene noch erinnern konnten, mit 1,7 am Ende rauskamen. Wobei Graziellas Mappe vermutlich um einiges ästhetisch wertvoller war als meine und ihr gut und gern die Note noch auf 1,3 hochgerissen haben könnte, wie ich sie so einschätze. Davon ist eigentlich auszugehen, wenn man überlegt, dass der unansehnliche Kladderadatsch, den ich anstelle einer akribisch mit Daten versehenen und schön angeordneten Mitschriftsammlung bei der Dozentin eingereicht habe, offenbar immer noch gereicht hat, um mir meine 1,0 aus der Klausur nicht zu versauen.

Aber statt mich in den wundersamen Erfolgen des vergangenen Semesters zu sonnen, sollte ich mich lieber an den Rest Neurolinguistik für morgen machen. Blendende Voraussetzungen, unter denen die Klausur stattfindet, oder wie sonst soll ich die Tatsache klassifizieren, dass Morphologie II um 8.15 Uhr mir direkt davor noch den Anti-Energieschub des Tages bereiten wird. Aber dafür werde ich mich morgen Früh mit Guaraná im Müsli und Koffeintabletten für die Uni versorgen, um anschließend in der Arbeit die gewohnte Überdosis Kaffee zu mir zu nehmen und mich wahrscheinlich am Ende des Tages mit monstermäßiger Panik herumzuschlagen, dann nach Hause zu kommen und R’s und meinen Abend durch ein Energieloch nie zuvor erlebter Ausmaße zu sabotieren. R kommt schon wieder hierher, weil das Miethai-Drama bei ihm inzwischen so ausgeartet ist, dass er sich über jede Minute freut, die er außerhalb seiner Wohnung verbringen kann. Ich bin, so widrig die Umstände auch sein mögen, dafür dankbar; ihn hierzuhaben ermöglicht mir, mein Leben währenddessen weiter fortzuführen, statt es komplett zu pausieren, wie es der Fall ist, wenn ich zu ihm nach München fahre. Bei ihm ist das ähnlich gelagert; während er – Arbeit sei Dank – in München kaum mal rauskommt, wartet hier ja jedes Mal sein altes Leben mit seinen zigtausend alten Bekannten und Freunden auf ihn. Zehn Jahre Kleinstadtpolitik haben dafür gesorgt, dass es ihm an Gleichgesinnten und sozialen Kontakten hier ganz bestimmt nicht mangelt. Was es nicht unbedingt angenehmer macht, sich draußen mit ihm herumzutreiben, zumindest für mich als gesichtsblinden, introvertierten Menschen, der seine Kontakte gern intensiv und auf wenige Personen beschränkt hält. Der überwältigende Großteil seiner Freunde mag mich trotzdem – irgendetwas scheine ich immerhin richtig zu machen. Aber okay, sie kennen mich nicht sonderlich gut. Daran wird’s liegen.

Frei-assoziativer Redeschwall beendet; ich schau mal, ob Simone mir noch bei Skype antwortet – die wollte gestern mit mir reden, aber ich war gerade damit beschäftigt, mit Basti und Lena in der Küche zu wirken – und falls sie das nicht tut, werde ich.. Ok, sie hat keine Zeit jetzt. Dann lerne ich gezwungenermaßen jetzt die Sehbahn und den restlichen Neuro-Kram. Boah, mich hat übel die Motivation verlassen. Als hätte man mir mit einem Schlag die Basalganglien amputiert.