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Berri bikainak – Pt. 2

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Vor etwas mehr als zwanzig Jahren ist es zuletzt passiert, heute erneut: Ich habe ein Klavier bekommen. R’s Eltern haben ihr Versprechen wahrgemacht und nun steht es hier, das gute Stück, auf dem R seinerzeit schon gespielt hat, als er noch grün hinter den Ohren war. Grüner. Man lernt ja nie aus.

Ich habe geduldig bis Ende der Mittagszeit gewartet und dann eine Stunde lang die Nachbarn terrorisiert. Es ist wahrlich keine Freude, sich an diesen Anschlag zu gewöhnen. Außerdem stehen die Tasten schräg. Warum auch immer. Aber es ist ein Klavier, und in nicht allzu ferner Zukunft werde ich zum einen die neuen Anschlaggegebenheiten verinnerlicht und mich zum anderen (hoffentlich) damit abgefunden haben, dass das ganze Haus an meinen diversen Fehlversuchen und Eskapaden unmittelbar teilhat.

Die zweite hervorragende Nachricht, wenn auch mit bitterem Beigeschmack, ist bereits sechs Tage alt und lautet wie folgt (wer hätte es erwartet bei der Überschrift – vermutlich niemand, denn das setzt voraus, dass jemand sich an das Äquivalent von Oktober 2013 erinnert und die passende Verbindung herstellt): Berri-Txarrak-Konzert. Mit Becci. In Karlsruhe. Letzten Mittwoch.

Es wird das letzte Mal gewesen sein, dass ich sie sehe, denn es ist ihre letzte Tour. Aber es war grandios, in einer winzigen Location, wo ich praktisch ohne eigenes Zutun in die zweite Reihe gespült wurde und dort inmitten von Exil-Basken meinen adrenalininduzierten Abrast-Tätigkeiten nachgehen konnte. Entsprechend eingeschränkt war noch drei Tage darauf meine Bewegungsfähigkeit. Es muss das Alter sein oder (Wolfgangs Kommentar) die mangelnde Übung. Auch meine Ohren waren noch Tage später nur eingeschränkt funktionsfähig, sodass ich schon davon ausging, einen bleibenden Schaden davongetragen zu haben – es war unmenschlich laut. Aber gut. Und mittlerweile geht es auch meinem Gehör wieder wunderbar – Glück gehabt.

Sogar die Vorband war großartig. Es war eine lokale Band namens Quota. Sie waren so gut, dass ich, nachdem ich im Anschluss ans Konzert mit der förmlich leergesaugten Wasserflasche in Richtung Waschbecken gewankt war, um diese aufzufüllen, meiner immensen Schüchternheit zum Trotz bei ihnen stehenblieb (man musste sowieso an ihnen vorbei, um zu den Klos zu gelangen, und sie standen da ganz einsam herum) und ihnen verkündete, dass ihre Show mir gut gefallen hatte. Sie haben sich gefreut und mir einen Sticker geschenkt. An dem Merch-Stand von Berri musste ich mich ebenfalls vorbeiquetschen und fühlte mich da schon wieder unwahrscheinlich überfordert. Eigentlich hätte ich gern mit der ganzen dort herumlaufenden Szene geredet – ich fühlte mich so zugehörig, so viel Euskera und Spanisch hörte man überall – aber genau das war das Problem, ich wusste einfach nicht, welche Sprache ich verwenden sollte. Ich muss einfach immer alles zerdenken, und das verbaut mir alles. Komplett bedeppert.

Jedenfalls war ich mehr als froh, diese Gelegenheit noch gehabt zu haben – Berri Txarrak noch einmal zu sehen und dazu noch Becci mitzunehmen – und die Setlist war episch, episch. Deshalb war ich nachher auch so kaputt. Bueltatzen. Sie haben Bueltatzen gespielt. Becci und ich konnten zusammen Bueltatzen live hören. Naja, zusammen – ich war zu dem Zeitpunkt irgendwie mitten im Getümmel, ganz vorne, genau mittig. Zwischen mir und der nur geringfügig erhöhten Bühne kauerte sich die Fotografin am Boden zusammen, wohl wissend, dass dies nicht der Zeitpunkt war, um sich der Gruppe fanatisch pogender Basken – und mir – mit einer Kamera vor der Nase entgegenzustellen. Bueltatzen. Bueltatzen live hören und sterben.

Nun ist R schon zu Hause – ein Hoch auf seine vorverschobenen Arbeitszeiten – und hat seinerseits das Klavier am neuen Standort eingeweiht. Er ist zufrieden – ich bin es auch – ein guter Tag, auch wenn mein Auftrag heute unter der Ankunft des Klaviers gelitten hat und ich bis Donnerstag noch einiges an Arbeit vor mir habe. Aber das war es wert – absolut.

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Episode Zigtausend: My Random Rumfass

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Vieles ist passiert. Ich war auf Martinique. Ich kam wieder zurück. Mike hat eine Woche hier gewohnt. Es wurde kalt. Ich habe meine beiden Scribbr-Probeaufträge geschafft. Ich war auf dem Konzert von Frank Turner in Wiesbaden. Ich hatte einen furchtbaren Durchhänger, der in einem kleineren Stimmungstief / Heulanfall kulminierte. Ich habe sehr viel Scrubs in sehr wenig Zeit geguckt. Ich habe mich zusammengerissen, geduscht und Staub gesaugt. Mir wurde von Seiten der Therapeutin geraten, die Medis etwas hochzudosieren. Ich habe eine Mail an das Finanzamt geschrieben.

Das war jetzt halbwegs chronologisch, die letzten beiden Punkte haben sich gerade erst ereignet.

Was noch? Bei mir im Wohnzimmer steht jetzt ganz random ein enormes halbes Holzfassregal. Die andere Hälfte hat Yannick, was hätte ich mit einem ganzen Fass auch anfangen sollen. Es gehörte wohl mal zur Inneneinrichtung eines unserer Containerspots, ist mit „Campo Viejo“ bedruckt und eignet sich allerbestens als Alkoholregal (worauf mich allerdings erst Becci bringen musste). Problem: es fehlt der Platz. Die Umräumaktion steht eh an, wenn wir endlich das Klavier von R’s Eltern bekommen, was hoffentlichst im Januar der Fall sein wird. Dann sollte sich auch für das Fass ein Platz finden. Bis dahin muss es wohl weiter random im Raum stehen.

Ich habe außerdem weiter fleißig auf dem Keyboard geübt, um für den Fall gewappnet zu sein, dass das Klavier tatsächlich mal auftauchen sollte. Damit habe ich in meiner letzten Down-Phase angefangen und es seither weitestgehend beibehalten. Ich habe mir bereits etliche Stücke wieder aufgewärmt und sogar schon eines „gelernt“, an das ich mich gar nicht mehr erinnern konnte, eine Prélude von Chopin. Mein letzter Neuzugang war das Wächterlied von Grieg. Nun arbeite ich am Titelsong von Forrest Gump.

Die beste Nachricht überhaupt aber kommt jetzt erst: Murat wird gepfändet. Seitdem er seinen Prozess gegen R verloren hat, hat er weder reagiert noch gezahlt, sodass nun sein Konto geplündert wird. Oh, wie ist das herrlich. So lange hat man sich gefragt, wie die Welt so gowaiverdammt ungerecht sein kann, dass Menschen wie Murat darin unbehelligt ihre krummen Dinger drehen können. Und nun, endlich, endlich. Justice.

Ich gehe mich mal um meine Pflanzen kümmern. Das können sie gut gebrauchen, nachdem ich die ganze letzte Woche nichts für sie getan habe. Ach, schön ist das, mal wieder etwas produktiv zu sein.

Self Revival

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Seit einiger Zeit steht das Keyboard wieder im Wohnzimmer. Das kam so, weil Jana mal zum Musikmachen hier war, und obwohl wir festgestellt haben (big surprise), dass wir keine gemeinsame Basis an uns gut bekannten Liedern haben, hatte ihr Besuch diesen Effekt, dass alles an Instrumenten herausgekramt und darauf herumgeklimpert wurde, zumindest von meiner Seite.

Ich kann das Keyboard nicht ausstehen und sehne mir das Klavier von R’s Eltern herbei, welches irgendwann, in ferner Zukunft, wenn die Murat-Sache durch ist, mal unseres sein wird. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, es wieder zu benutzen. Ich habe eben drangesessen und mir den Anfang eines Grieg-Stückes, Solveigs Lied, beigebracht und bin darüber hocherfreut, denn seitdem ich keinen Unterricht mehr nehme, habe ich beachtliche 0 klassische Stücke erlernt, obwohl ich zigtausend Noten im Schrank stehen habe. Was für eine Leistung.

Mein Chinesisch – selbst zu seiner Blütezeit vor rund 13 Jahren nicht gerade von robuster Statur – ist auch vollkommen hinüber und gehört aufgebaut. Chinesisch kann man doch bestimmt im Internet gut lernen. Auch wenn es damals mit Hóng vermutlich lustiger war.

Und mein Euskera – Schande über mich, Schande und Verderben, ich vergesse mein Euskera – was hat dieses Dasein nur mit mir gemacht.

Praktikum kann ich im Februar machen, ich habe eben die Zusagemail bekommen.

Es wird. Ich bin ein komisches Boot, ein unfertiges und formloses, aber ich bekomm‘ es gewendet, wenn’s sein muss.

Summer Pt. 2

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Meine Demo ist fertig.

Nunja, obwohl, was heißt fertig. Nichts ist je fertig. Und vor allem dank der latent (danke, Laura, jetzt fange ich auch damit an) penetranten ukumenschlichen Stimme in meinem Kopf, die mir vor lauter Perfektionsanspruch bald den Verstand raubt, ist es anstrengend, mit irgendetwas zufrieden zu sein, das nicht so klingt, wie ich es haben will. Also müsste ich theoretisch mit allem unzufrieden sein. Das ist aber Schwachsinn, daher freue ich mich einfach mal, ein Liedchen zusammengebaut zu haben, das zumindest meinen Durchschnittswert um Längen übersteigt.

Überhaupt seit so langer Zeit mal wieder ein Liedchen zusammengebaut zu haben. Meine Güte, wann war denn Reality – das muss ewig her sein, da war ich bei Simone in Rostock und es war kalt. Jetzt ist es wieder kalt – ich habe einen ganzen Sommer lang gelebt, ohne irgendetwas zusammenzubauen. Daran war nicht nur die besagte motivationskillende Stimme Schuld, sondern in erster Linie das ganze Leben, das ich zu schaffen hatte. Wie gut, dass ich langsam zur Ruhe komme.

Und wie passend für das Lied, dass es wieder kalt wird. Wie äußerst passend.

Ich mache dann heute Abend das Textvideo – falls ich Zeit dafür habe. Aber ich werde Zeit haben; Freitag habe ich frei und kann dementsprechend schlafen gehen, wann immer ich möchte. Oder eben nicht schlafen gehen.

Und, wuhu, es war so schön gestern bei Sofie. Ich bringe ihr jetzt den Entertainer bei – die vereinfachte Version, die ich selbst zu Zeiten gespielt habe, als meine Hände noch nicht einmal groß genug waren, um eine Oktave zu greifen. Ich liebe es, wie ich meine ganzen alten Stücke durch sie wieder lerne. Und wie einfach es jetzt geht. Und dafür dann noch Geld bekommen. Oh, es ist doch alles herrlich.

Ein kurzer Arbeitstag

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So, fertig gearbeitet. Das ging heute ja anders als gedacht; ich kam zum Büro und es war niemand da, um mir aufzumachen. Fuhr also wieder nach Hause, las dann die Mail, dass erst gegen halb zwölf jemand kommen würde, und machte mich daran, von hier aus ein bisschen was zu schaffen. Geplant, getan – und jetzt mache ich Feierabend. Schönes Leben. Am Nachmittag fahre ich noch zu Sofie und beglücke sie mal wieder mit einer Klavierstunde – mal schauen, wie das so läuft, das erste Mal nach den Sommerferien. Aber wie ich sie kenne, hat sie fleißig geübt. Sie ist ein unfassbar fleißiges Ding, die Gute.

Im Gegensatz zu mir. Ich werde mir was zu essen machen und mich dann weiter um Summer kümmern. Und wie ich mich darauf freue.

Kneif mich mal einer.

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So passiert es also immer wieder – das Leben überrascht einen. Wie ich letztens eines schönen Morgens, im Noch-Halbschlaf durchs Zimmer taumelnd und über irgendetwas Ungreifbares nachdenkend, so sehr sinnvoll zu mir selbst sagte, „ich liebe Überraschungen. Die guten machen das Leben schön und die schlechten helfen, es zu verstehen.“

Und dann gibt es Überraschungen, die sind gar nicht mal gezwungenermaßen gut oder schlecht, sondern machen einfach nur BAAM und sind da. Das sind die, die einem ganz selten über den Weg laufen und einem sagen, hey, das, was du dachtest, ist unmöglich? Rate was, es ist Realität. So wie die Nachricht von Caro vorhin, sie wolle mich nur kurz darüber in Kenntnis setzen, dass Şahin und sie nicht mehr zusammenseien. Und dass ihr vollkommen klarsei, dass sie keinerlei Anteilnahme erwarten könne, und dies auch okay für sie sei, und ich mich jetzt wahrscheinlich eh freuen würde.

Womit sie Recht gehabt hätte, wäre die Nachricht vor ein-zwei Jahren gekommen. Aber meine Reaktion war die eigentliche Überraschung; sie bestand aus dem Impuls, Caro anzurufen und zu schauen, ob ich irgendwas machen kann. Leider will mein Handy gerade nicht so wie ich, sodass ich mich nun von dem Bedürfnis durch Bloggen ablenke und hoffe, dass sich das Ding irgendwann demnächst wieder einkriegt.

Ich las also die Nachricht, stellte mich empfangshalber auf die eiskalte Terrasse und versuchte ein paarmal vergeblich, eine Verbindung zustandekommenzulassen, ging wieder rein, schaute auf den Blog (und das Erste, was mir entgegenkam, war eine wirklich schöne Nachricht vom Ukumensch, glaubt man denn sowas?), ging wieder nach draußen, versuchte es wieder, ging wieder rein, um Divinah ein Stück Zitronentarte zum Probieren ins Zimmer zu bringen – sie war übers Wochenende in Stuttgart und hatte noch nichts davon abbekommen – und hier bin ich. Leicht verwirrt; leicht schockiert, würde ich sagen. So wie damals, als mich jemand auf dem Zebrastreifen umgefahren hat und mein gesamtes Schienbein durchlöchert war und ich nichts Besseres zu tun hatte, als mich über den Schaden an meiner Fahrradklingel zu beschweren.

Im Übrigen habe ich heute Morgen in einem sehr liebenswürdigen Haushalt Nachhilfe gegeben, mich komplett unter Wert selbst von potenziellen 25€ Gehalt auf 15 heruntergehandelt (super, wie ich das immer schaffe – was ist verkehrt mit mir?), dafür aber erwirkt, dass mir nach der Stunde Englisch mit Felix noch, so lange ich möchte, erlaubt ist, auf dem Klavier im Wohnzimmer zu spielen. Offenbar benutzt es dort niemand und sie waren alle ganz begeistert von meinem Geklimper. Nach zwei Jahren ohne ordentliches Klavier waren meine Finger eher nicht so kooperationswillig und die Begeisterung für mich nicht ganz nachvollziehbar, aber umso besser – dann wird es ihnen die nächsten Male ja noch mehr Freude bringen.

Anschließend war ich nach einem kurzen Zwischenstop beim Netto (diesmal, unfassbarerweise, nicht zum Containern, sondern um mich in einer Kiste mit Sachen umzugucken, die es dort zu verschenken gab – ich habe gefühlte 20 Fläschchen Duftöl, Räucherstäbchen und eine Schürze abgestaubt und freue mich darüber dumm und dämlich, vor allem weil jetzt, wo ich mich tatsächlich in der Lage sehe, mein Zimmer für mehr als einen Tag am Stück im aufgeräumten Zustand zu belassen, ich endlich dazu komme, mein Öl-Licht mal anzumachen. In dem Chaos, das hier immer geherrscht hat, hatte es mir zu sehr widerstrebt) noch bei der Tafel, habe Lauch und Mandarinen abgeholt und zum FairTeiler gebracht und wurde außerdem mit 10 Gläsern Leberwurst beschenkt, die ich an die Gruppe weitergeben sollte – schade nur, dass ein Großteil von uns sich fleischfrei ernährt. Jetzt stehen sie bei mir – Elisa und Ilmari, denen ich danach in der Stadt noch begegnet bin, wollten schonmal keine haben. Ich habe dann noch mit der ganzen Leberwurst im Gepäck Bernds Geburtstagsgeschenk zur Post gebracht, das ich in JOs Namen dieses Jahr „überbringe“ – weil sie von Argentinien aus nicht so wirklich dazu kam, habe ich die Sachen bei Amazon bestellt und verpackt und nun an ihn versendet. Bis zum 3.3. sollte das doch eigentlich ankommen. Dann wäre das auch geschafft.

Noch mehr Ereignisse: Der Vater meines Vaters hatte mir per Mail zum Geburtstag gratuliert, nachdem auf meine Mail vor einem halben Jahr – ihrerseits Reaktion auf seine Kontaktaufnahme – wieder keine Antwort gekommen war. Ich hatte keinen Nerv auf diplomatisches Gedöns und bedankte mich für die Glückwünsche mit dem Zusatz, ich hätte mich mehr drüber gefreut, wenn die eigentlich wichtige Mail nicht vor Monaten komplett ignoriert worden wäre. Daraufhin erhielt ich vor ein paar Tagen eine Antwortmail mit dem Betreff „Falsche Richtung“ (inklusive Anführungszeichen), was mich dazu veranlasste, sie erstmal tagelang ungeöffnet zu lassen. Wer macht schon gerne eine Mail von seinem entfremdeten Großvater auf mit dem Betreff „Falsche Richtung“. Vor allem wenn man der Meinung ist, der betreffende Mensch hätte nunmal wirklich keine, aber sowas von keine Ahnung von Richtig oder Falsch. Nunja. Heute früh habe ich sie doch geöffnet und sah mich veranlasst, sie umgehend zu beantworten; heraus kam eine Monstermail von über anderthalb Word-Seiten Länge, am Ende war ich kaputt und mein Kopf umso mehr und ich bekam zu wenig Schlaf, aber das musste sein. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, dass meine Eltern zu diesem Menschen je freiwillig nicht keinen Kontakt hatten. Eine Schande ist das.. aber man sucht sich ja die Familie nicht aus. Dafür gibt es ja Freunde – und das bisschen funktionierende Familie, das übrig ist, in manchen Fällen. (Aber wo ich auch hinschaue, es wird immer seltener.)

Also, sollte das Leben in nächster Zeit vorhaben, mich zu verarschen, muss es sich erstmal einiges an Abstrusitäten einfallen lassen.

Desert Always Wins

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Ostern 2012, revisited. Oder war es dieses Jahr erst?
Jedenfalls habe ich heute Nachmittag erneut Kämpfe mit meiner Mutter über Skype ausgetragen, die den Verbleib meines Klaviers zum Thema hatten, und, wie hätte es anders auch kommen sollen, deren Ausgang sich weniger glimpflich als zuvor gestaltete.
Ich komme mir vor wie so ein Wüstenvolk im immerwährenden hoffnungslosen Versuch, ihre Oase vor dem unaufhaltsamen Vormarsch der Sahara zu bewahren. Sie dagegen kommt sich nun zwar vor „wie der letzte Arsch“ – unverdient, ihrer Meinung nach, und allein weil ich es ihr durch sachliches Argumentieren und Darlegen meiner Sicht der Dinge impliziert hätte – aber das ändert nichts daran, dass meinem treuen altersschwachen Instrumentchen („hässliches, wuchtiges Nussbaumding – nimmt ein Viertel des Wohnzimmers ein“) nunmehr das ungewisse Schicksal eines Transportes in den Keller bevorsteht.

Ungewiss, who am I kidding. Das Ding ist dem sicheren Tode geweiht, wenn man es nur einen Zentimeter von der Stelle rückt. Aus welchem anderen Grund würde es sonst überhaupt noch im Haus meiner Eltern stehen. Den Rest seines Daseins wird es also im „beheizbaren“ (- ja, und die 99% aller Zeit, in denen er ungenutzt ist, schweinekalten) Musikzimmer neben der Tiefkühltruhe, dem Rest des alten Zimmerbrunnens, Boxen und Schränken voller Ramsch, Weihnachtsbaumschmuck und Osterdeko verbringen, welches seinen Namen noch aus der Zeit der Vorbesitzer hat, deren Klavier vor zwanzig Jahren ein ebenso unwürdiges Ende zuteilgekommen war.

Und das ist immer noch die Optimallösung. Sie hätten es auch weggeben können. Which would have left me completely and utterly klavierlos, 365 Tage im Jahr. Und immerhin, auch wenn mein Liebes heutzutage schon nicht mehr das Frischste ist, durchgehämmertes Filz, knarzende Pedale und Percussioneffekte inklusive, hat es immer noch den schönsten Klang, dem ich bis dato begegnet bin. Weitaus schöner als der Flügel meiner Klavierlehrerin, wie sie selbst zugegeben hat, als sie mal bei mir war. (Zugegebenermaßen, das ist zehn Jahre her.)

Wird Zeit, dass ich mich auf die Suche mache, wenn ich nach Hause komme. Erstmal nach einem Ort zum Wohnen, der nicht 12 Quadratmeter groß ist und in dem es mir erlaubt ist, eigene Möbel zu besitzen, und dann nach einem neuen Gebrauchtklavier, dem an einer meiner Wände sein Gnadenbrot zukommen kann.

Stellt sich natürlich die Frage, ob es Sinn macht, mir eins zu holen, bevor ich weiß, wo ich die nächsten paar Jahre wohne. Oh, aber gar nicht dran denken, da dreh ich ja durch. Es gibt zu viele Möglichkeiten und gleichzeitig zu wenige und vor allem nichts, wofür ich bisher bereit wäre, das gerade aufgebaute Zuhause zu verlassen. Keine Kontinuität, Stabilität, Sicherheit, Permanenz, Konstanz irgendwo in Sicht. Nichtmal zu Hause, wo man gerade Letztere doch zumindest dem Wort nach erwarten könnte, wo aber alles, was ist, wieder nur von instabilen Komponenten abhängt – Menschen, mit anderen Prioritäten, mit deren Kommen und Gehen alles steigt und fällt. Deshalb kann ich mich ja selbst dort nicht in „Sicherheit“ wähnen.

Luft schnappen.

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Das ist der Flughafen in Bilbao – ein wunderbares Beispiel euskarisch-touristischer Dreisprachigkeit.

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Ich habe eine wunderbare Reise hinter mir, vor allem weil ein paar sehr nette Leute dabeiwaren und ich mich unglaublich wohlgefühlt habe mit ihnen. Und natürlich hat auch das Land an sich – trotz vier Tagen Dauersintflut – unbestreitbar ein schönes Ambiente und ich freue mich schon, dort bald eine längere Zeit verbringen zu können.

Nun habe ich, seitdem ich nach Hause gekommen bin, zuerst mit Simone und danach mit meiner Mutter geredet und nebenher versucht, den Boden meine Zimmers wieder freizulegen (beziehungsweise die Matratze unseres Sofas, die immer noch von Lauras und Roberts Besuch daliegt und ab morgen schon wieder zum Einsatz kommt).

Heute früh wurde ich übrigens von einem erfreulichen Anruf geweckt; ich habe einen Termin zum Probearbeiten am Freitag und somit eventuell demnächst eine neue Klavierschülerin. Sie ist fünf Jahre alt und irgendwie bezweifele ich, dass es so eine gute Idee ist, Kinder in diesem Alter schon mit Klavierspielen anfangen zu lassen – andererseits klang die Frau wirklich nicht wie jemand, der seine Kinder zu etwas zwingen würde, das diese nicht wirklich wollen, sodass ich mit der Hoffnung dort hingehen werde, dass die Kleine einfach überinteressiert und mit Spaß an der Sache dabei ist. Das wird sich ja leicht herausfinden lassen. Wenn das Interesse nicht so ausgeprägt ist, werde ich mit der Mutter aber nochmal ein Wörtchen reden müssen.

Nun werde ich weiter aufräumen, waschen, saugen, backen, was man nicht alles macht, wenn einen die eigene Mutter nach anderthalb Jahren mal zu Hause besuchen kommt.

Annäherung

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Einfach mal lernen, nicht immer von der momentanen Situation auf die allgemeine zu schließen.
Es hat sich wieder beruhigt hier, sodass mal wieder eine Annäherung erfolgen konnte – ich verlasse, solange sich nichts sehr Kontraproduktives mehr ereignet, morgen mein altes Zuhause mit einem guten Gefühl.

Momentan bin ich alleine – meine Eltern gehen ihren diversen geschäftlichen und universitären Pflichten nach – und werde gleich mal in die Stadt wandern, um Frischkäse zu holen. Nachdem ich vorhin von meiner Mutter erfahren habe, dass meine Kochaktivitäten sie beunruhigen (in dem Sinne, dass sie meint, ich würde nichts anderes tun – absurder geht es fast schon nicht mehr), hätte ich mir vielleicht für die beiden ein anderes Ostergeschenk ausdenken sollen (statt einem Kuchen ihrer Wahl für jeden). Aber wenn ich sonst halt nichts wirklich in kurzer Zeit gut hinbekomme.. Ich hätte ihnen ja schlecht jedem eine eigene Übersetzung anfertigen können.

Bei der Gelegenheit kann ich jedenfalls gleich noch im Russenladen vorbeigehen und mir Sonnenblumenkerne kaufen. Serj hat mir ja prophezeit, dass ich davon süchtig werde, aber ich hätte nicht gedacht, dass es sich so sehr bewahrheiten würde.
Wo ich schon dabeibin, der Arme! Mit dem Stress, den er hat, unitechnisch, beziehungstechnisch und überhaupt – er hatte mich vorgestern Nachmittag angerufen, um mir bescheidzugeben, dass die meisten seiner Sachen jetzt aus meinem Zimmer raussind, ein paar aber noch drinstehen, und mir nebenbei die neuesten Entwicklungen seines Lebens mitgeteilt. Wenn ich wieder zu Hause bin, muss ich auf alle Fälle irgendwie dafür sorgen, dass er schön auch mal abgelenkt wird, statt sich in Unizeug zu vergraben. -Auch wenn das wohl auch nicht schaden könnte, nachdem sogar ich schon Albträume von seinem Mathedozenten, dem „Exmatrikulator“, hatte. Ohne ihn je live erlebt zu haben, wohlgemerkt.

Noch eine interessante Beobachtung habe ich vorhin angestellt, als ich an meinem kaputten Klavierchen gesessen und das Albumblatt mal wieder aufgewärmt habe: Meine Finger sind unglaublich beweglich und schnell. Ich hatte bis jetzt eigentlich immer am zweiten Teil des Stückes zu knacken (was auch daran liegen könnte, dass ich meistens das Tempo ohne Sinn und Verstand verdoppele dabei), aber jetzt, nachdem ich es bestimmt ein Dreivierteljahr nichtmal versucht hatte, ging es plötzlich ruckzuck. Vielleicht habe ich ja in letzter Zeit schlafgewandelt und doch wieder mehr Klavier geübt, als ich mitbekommen habe.

Wheeeeeuuweeeeeuuweeee..

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*gestörtes Sirenengeräusch von sich gibt* Hallo allerseits. Ich bin gerade hyper. Wer hätt’s gedacht. Ich habe kene Ahnung, was ich machen soll, was komisch ist, weil Hypersein normalerweise mit Motivationsüberfluss einhergeht, aber wer bin ich, mich zu beklagen.

Um zwanzig nach sechs hole ich JO ab, bis dahin habe ich frei – meine Zweite konnte heute schon wieder nicht, aus steuerlichen Gründen (anders gesagt, sie muss noch Steuerkram erledigen und hat deshalb keine Zeit) – ihr Klavier ist heute angekommen und sie meinte aber, sie wird es erst am Wochenende auspacken. Das ist doch bitter.

Irgendwie habe ich gar keine Lust, die ganzen schönen Sachen zu erledigen, die ich noch machen wollte heute. Mitte April gibt’s hier in der Stadt eine Serie von Klamottentauschparties, dafür wollte ich eigentlich schonmal aussortieren – und meine Klavier-Einnahmen wollte ich auch zählen, um zu schauen, wie weit ich noch von der vollständigen Schuldenfreiheit entfernt bin.

Und Hunger habe ich auch. Vielleicht gehe ich zuerst mal was frühstücken.