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Mai?

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Ich werde schon wieder so nachlässig mit dem Blogschreiben, dass ich vermutlich die Once-a-day-Challenge wieder einführen sollte. Das hatte doch wirklich gut funktioniert, sogar in dieser furchtbarsten aller Zeiten; nach ein paar Wochen hatte ich mir so schön beigebracht, an Motivationsmangel und (oberflächlicher) Ereignislosigkeit vorbeizurauschen und einfach zu tippen anzufangen. Sicher, die sprachliche Qualität und vermutlich auch der Unterhaltungswert meiner Einträge werden darunter gelitten haben, aber darum soll es ja nicht gehen. Sondern um Dokumentieren und um Selbstheilung.

Seit einer knappen Woche, genauer gesagt, seit letztem Dienstag, bin ich (vorerst) wieder allein in meiner Wohnung. Jana hatte sich zum Zwecke ihres Therapiegesprächs, das in der Stunde nach meinem stattfand, in ihre Wohnung verzogen und es anschließend nicht mehr dort heraus geschafft. Seitdem steckt sie also wieder bei sich, während diverse Habseligkeiten von ihr noch in meiner Wohnung auf sie warten. Für ihre Diplomarbeit sehe ich keine nennenswerten Erfolgschancen, es sei denn, sie bekommt ihre Frist nochmals (erheblich) verlängert. Schade, aber ich kann da absolut nichts machen.

Zugegebenermaßen war ich heilfroh über die Möglichkeit, zumindest eine gewisse Zeit lang mal wieder ’nach Luft schnappen‘ zu können. Mittlerweile habe ich mich vom WG-Leben schon soweit erholt, dass ich es begrüßen würde, wenn sie mal wiederkäme. Beachtlich ist aber, dass in dieser ersten Zeit, wo die Gegenwart einer Mitbewohnerin in Form von Jana für mich wirklich essenziell war, ich mich augenscheinlich so immens stabilisieren konnte, dass ich das längere Alleinsein jetzt gerade wirklich gut verkrafte. Kein Vergleich zu dem Zustand, in dem ich mich befand, bevor sie kam.

Es ist alles etwas wackelig, aber dass es überhaupt so unglaublich weit schon ist, finde ich verblüffend. Die Medis ermöglichen sowas. Virtuelles Cards against Humanity mit Caro, Ricardo und Cocktails hilft. Besonders beachtliche Wirkung hat zudem ein Gespräch mit Basti am letzten Sonntag gezeigt, das anders verlief als geplant und (ungeachtet letztendlicher, noch offener Konsequenzen) wie kein anderes Ereignis dazu beigetragen hat, die Welt um mich herum schlagartig weniger hoffnungslos scheinen zu lassen. Seitdem habe ich keine suizidale Anwandlung mehr verspürt. Eine Art Grundvertrauen war mit einem Mal zurückgekehrt. Das steigert die Lebensqualität unermesslich.

Jetzt muss ich schauen, dass ich darauf aufbaue und etwas, irgendetwas aus mir und meinem komischen Leben mache.

Parallelalpakas

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Ja, es wäre ein traumhaftes Wetter für eine Alpakawanderung gewesen.

In Ermangelung derjenigen Lebensrealität, in der ich, noch dazu begleitet von meinem Lebenspartner, in den Genuss seines Geburtstagsgeschenkes gekommen wäre (Paralleluniversen sind vielleicht einfach doch ein Ding), habe ich heute andere Dinge getan: spontan meine ehemalige Kommilitonin Karina angerufen, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren (niemals wäre ich noch vor zweieinhalb Monaten auf diese Idee gekommen), meinen Balkon bewirtschaftet, mit Janas (angeblichem) Hochleistungsmixer Beccis Likör-Walnüsse zu Mus verarbeitet, das 1000. Level meines Candy-Crush-Verschnitts erreicht und somit das gesamte Spiel durchgezockt, R’s Post aus meinem Briefkasten gefischt (wie auch immer es angehen kann, dass sie dort noch immer landet, obwohl ich seinen Namen vor Wochen vom Schild entfernt habe?), erstmals in der Candidate-App ein paar Fragen von verschiedenen Menschen beantwortet, versucht, die Katze beim Vertilgen eines riesigen Brockens Hühnerrücken zu filmen (erfolglos), und mir in Erinnerung gerufen, dass ich mich nicht umbringen kann, solange ich noch unvollendete Dinge vor mir habe: ungelesene Bücher im Regal, undokumentierte Songs im Kopf, ungegessene Köstlichkeiten im Schrank, ungepflanzte Kürbisse im Anzuchttopf.

Jetzt, wo es Abend ist, Jana gleich zum Arbeiten fährt und ich mir vermutlich demnächst wider besseres Wissen ein (von Yannick abgestaubtes) Bier aus dem Kühlschrank hole, gewinnt diese Feststellung nochmal an Wichtigkeit.

Ich plane, mir ein Kräuterbaguette aufzubacken, meine aktuelle Doku-Serie (Terrorism Close Calls, ganz nett, aber erfordert kritisches Denken) zu Ende zu schauen und vielleicht eine nächste anzufangen. Wenn noch jemand mit mir reden möchte, umso besser.

Und morgen, wenn morgen und ich zusammenfinden, das gleiche Spiel von Neuem.

Hähnchenkeulen und Tzatziki

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In 6 Minuten [Edit: mittlerweile jetzt gleich] ruft mich Mama an, damit wir zusammen kochen können. Anschließend werden wir uns mit Papa ans gemeinsame Abendessen machen und vielleicht noch einen Film gucken, so wie ich es angezettelt hatte, bevor ich wusste, dass ich eine Mitbewohnerin bekommen würde.

Ich habe ein bisschen auf der Terrasse gearbeitet, die beiden Flaschen endlich weggebracht und meinen verstopften Kleiderschrank entleert, indem ich meine nicht unbeachtliche Sammlung Winter- und Sommerkleider in R’s Schrank verfrachtet habe. An ihrer Stelle hängt nun mein Faltregal, in welches ich Hippiehosen und lange Röcke hineinsortiert habe.

Ich bin nicht glücklich, aber ich lebe.

Viel auf meinem Teller

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Welch ein ereignisreicher Tag das heute war. Zwischen Therapie, Mama verabschieden, Marketas und Marks Testamentsverlesung dolmetschen, nochmal in die Stadt zum Notar fahren, um meinen zuvor vergessenen Perso nachzureichen, und einem wohltuenden Zusammenkommen mit Undine blieb mir kaum Zeit für Panik.

Wenn jeder Tag so wäre, das wäre was. Aber ich habe dafür gesorgt, dass zumindest die nächsten paar im Vergleich mit diesem nicht ganz und gar verblassen: Morgen kommt ein Ebay-Mensch, um ein Ahornblatt aus Filz bei mir abzuholen, das ich mal containert habe, und mich dafür um zwei Euro reicher zu machen. Eventuell ruft mich Papa an. Abends telefoniere ich mit Simone, und auch wenn ich bisher noch nichts in der Richtung von ihm gehört habe, ist R’s Treffen mit Marketa und damit verbundenes Erscheinen zum Sachenholen auch für morgen Abend angesetzt.

Donnerstag Abend kommt mich Mike besuchen. Und für den Fall, dass eben erwähntes Treffen stattfindet, besteht die Möglichkeit, dass Marketa sich für eine Lagebesprechung blicken lässt.

Irgendwann am Wochenende sollte Becci hier aufkreuzen.

Und nächstes Wochenende mache ich vielleicht mit Undine zusammen Musik.

Also, zumindest versumpfe ich nicht ganz und gar. Und wenn wir mal ehrlich sind, ist das alles schon beinahe mehr, als ich im gesamten letzten halben Jahr an Aktivität vorweisen konnte.

Something I have to do

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Mir steht etwas bevor, das ich schon lange nicht mehr gemacht habe, eigentlich noch nie.

Und es graut mir davor, aber es muss passieren.

Meine Therapeutin hat mir den Rücken gestärkt, meine Mutter hat mir Mut gewünscht und meine beste Freundin ist stolz auf mich – und ich sehne den Moment herbei, in dem ich es hinter mich bringe, denn ich werde von Panik zerfressen und ich habe keine Ahnung, wie ich es verkraften soll, gleich noch mit Mike in der Stadt herumzulaufen und dabei nicht zu kollabieren.

Aber Mut heißt nicht, keine Angst zu haben; Mut heißt nur, dass man trotzdem springt.

Lookin‘ good.

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So. Der Kuchen ist im Ofen, der Haushalt ist, wenn auch vielleicht nicht mit voller Wucht geschmissen, doch zumindest ein ordentliches Stückweit geworfen, mein Foodsharing-Besuch kommt in ein paar Minuten und ich fühle mich, als hätte ich richtig ordentlich was geschafft.

Dazu kommt, dass das Beantworten aller Geburtstagsnachrichten wieder einen ganzen Rattenschwanz an weiterführenden Konversationen ergeben hat, die ich teils gestern, teils heute gewissenhaft gepflegt habe und die mir einen ungewohnten und erfrischenden Grad an sozialer Involviertheit bescheren. Nachdem ich am Donnerstag mit Basti den zweiten ‚besten Freund‘ in diesem Leben endgültig verloren habe, zugegeben diesmal unter gänzlich anderen Umständen, war und ist es besonders schön, von Menschen zu hören, die mich all meinem antisozialen Verhalten der letzten Zeit zum Trotz noch immer genug wertschätzen, um mich an meinem Geburtstag zu kontaktieren.

Nun räume ich schnell noch ein paar Dinge auf. Wenn die Zeit dafür schon da ist.

Überbuchung – ein neuer Fall

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Zwei Tage noch, dann geht’s heim. Gerade rechtzeitig ist meine Erkältung wieder abgeflaut, meine Grundstimmung beruhigt, Plants vs. Zombies ein weiteres Mal praktisch zu Ende gezockt und mein Buch fast durchgelesen. Wie es aussieht, komme ich noch dazu, ein neues anzufangen – ich werde mir Tortilla Flat vornehmen, welches mir Mama im Sommer schon bereitgelegt hatte, in der Hoffnung, dass ich es noch fertigbekomme, bevor ich fahre. So dünn, wie es ist, sollte das doch möglich sein. Wobei das Dünnsein an sich ja nichts zu sagen haben muss; Lord Jim ist auch nicht sonderlich voluminös und ich habe ein halbes Jahr dafür gebraucht.

Ich bin heilfroh, dass ich mir das Lesen wieder angewöhnen konnte. Zwar werde ich es niemals wieder so exzessiv betreiben wie in meiner Kindheit, aber die paar Seiten jeden Abend sind mir heilig. Mir wird (das ist nun der beruhigten Grundstimmung nicht zuträglich, aber so be it) bei dem Gedanken übel, dass ich vermutlich mit einer Übermenge verzockter Stunden auf dem Konto und im Besitz eines Regals voller ungelesener Bücher sterben werde. Was nicht zuletzt daran liest, dass ich vom Tsundoku nicht mehr wegkomme, solange die Menschheit um mich herum sich ihrer Bücher geringschätzenderweise so bereitwillig entledigt. Und, let’s face it, das wird sie weiterhin tun, denn niemand liest mehr.

Selbst die Lesenden wollen ihre Bücher loswerden. Gerade gestern habe ich aus meinem Schweizer Exil heraus einen wunderbaren Fang gelandet: Wolfgang hat im Rahmen seiner bevorstehenden Rückkehr nach Argentinien aussortiert – und ich habe geerbt. Wolfgangs Büchersammlung dürfte für meine Bedürfnisse ungefähr mit Mamas Kleiderschrank in einer Liga spielen. Entsprechend gern nehme ich dafür in Kauf, dass mein Regal nun endgültig überquellen wird.

Ich muss einfach aufhören, so viel am Computer zu hängen. Das geht doch nicht. Was für einen Mehrwert hat es denn für mich, dass ich mehr als die Hälfte von Suits in zehn Tagen gesehen habe, besonders wenn ich mir überlege, was ich in der ganzen Zeit Sinnvolles hätte anfangen (und beenden) können? Genau.

Weniger Nebel

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Die Sonne kam wieder hervor im Laufe des Tages; Wahnsinn, was das für einen Unterschied macht. Für den Fall, dass die Apokalypse je so eintritt, wie sie in The Road gezeichnet wird, kann man sich darauf verlassen, dass ich den Weg der Mutter gehe. Ein Leben ohne Sonne ist einfach kein Leben.

Das Erscheinen von Sonnenlicht war jedoch nicht ausreichend, um mich aus dem Haus zu bekommen, denn ich bin seit gestern von einem üblen Schnupfen befallen – es sieht so aus, als hätte mich Mamas Erkältung doch noch eingeholt. In der Hoffnung, dass es morgen wieder abklingt, habe ich mir trotzdem vorgenommen, den Ausflug zum Gemüseholen nicht länger aufzuschieben und es morgen zu erledigen, ob krank oder nicht.

Im Grunde freue ich mich sehr darauf, mich in einen rausgehfähigen Zustand zu versetzen. Dieser Ausflug zum Türkenladen ist das, was zu Hause das Altglaswegbringen ist – so viel schaffe ich einzuräumen, selbst ohne großartig Verdrängmechanismen abbauen zu müssen: ein Happening. Nicht umsonst habe ich Sebi gegenüber in einem Versuch, zu erklären, wie es um mein Leben momentan bestellt ist, die Formulierung „Müll rausbringen ist ein Highlight“ verwendet.

Erstmal aber freue ich mich auf die nächste Tasse Tee und darüber, dass ich vermutlich demnächst noch mit R reden werde. Dann versuche ich, etwas früher ins Bett zu kommen, um den morgigen Tag nicht nur erholt, sondern auch zu einer einstelligen Uhrzeit beginnen zu können.

Die Stimme aus dem Vakuum

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Wie praktisch jeden Abend denke ich mir, dass ich nichts zu sagen habe. Wozu soll das gut sein? Schreiben ist heilsam? Wenn ich mich durch Schreiben davon heilen könnte, dass mir jegliches Bedürfnis danach abhanden gekommen ist, müsste sich das doch langsam bemerkbar machen.

Wenn mir das Schreiben die Freude an Dingen wiederbringen könnte, die mir selbst zu elendsten Zeiten Freude bereitet haben.

Das tut es nicht, aber es hilft, mentale Barrieren zu überwinden. Auf diese Weise bin ich gezwungen, anzuerkennen, dass ich eine leere Schale wäre, würde man die zumeist sorgsam verdrängte Trauer um alles Verlorene herausnehmen.

Nun stehe ich vor dem Problem, dass derartige Eingeständnisse, sobald sie denn einmal gemacht sind, dazu tendieren, rasant anzuschwellen, mit all ihren emotionalen Implikationen lawinenartig herabzustürzen und mich darunter zu verschütten. Der Prozess mag notwendig und auf lange Sicht unumgänglich sein, aber ich fühle mich der Erstverschlimmerung nicht gewachsen. Vielleicht ist diese Abgelegenheit nicht der richtige Rahmen dafür.

In einer Woche bin ich wieder zu Hause. Eventuell sollte ich bis dahin die Konfrontation von Lebenskrisen vermeiden.

Musings of a Moorleiche

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Das Ergebnis von einer Stunde ziellosen Durchblätterns meines Blögchens: Meine Vergangenheit überfordert mich und meine Gegenwart entsetzt mich.

Nein, warte, anders: Das Zurückblicken auf meine Vergangenheit überfordert mich, und mich entsetzt, was und wie ich mir erlaubt habe zu werden.

Ich hab‘ immer gekämpft; wann habe ich aufgegeben?

Und was ist mit dem Leben passiert, das ich mir so hart erarbeitet hatte? Wohin hat sich das verflüchtigt, als wäre es nie dagewesen? Und wie ironisch ist das bitte, dass ich mir gefestigter vorkomme denn je, aber von all meinen Errungenschaften gerade genug geblieben ist, um mich auf Sparflamme warm zu halten?

Ich kann nicht zu gründlich darüber nachdenken, weil sonst alles explodiert. Als wäre ich ewig mit einem riesigen Pickel im Gesicht herumgelaufen und hätte ihn einfach ignoriert, bis ich gerade nicht mehr anders konnte, als einmal dran zu drücken. Jetzt muss er vorsichtig ausgequetscht werden, um nicht die physische Unversehrtheit meines Gesichts sowie des Badezimmerspiegels durch übereifriges Zupacken in Gefahr zu bringen.

Ich muss gedacht haben, ich könnte mich einfach mal ausruhen. So ein Humbug; als wüsste ich nicht, dass die Arbeit nie aufhört. Sie darf nie aufhören. Sonst passiert das hier.

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Seit heute Früh bin ich allein. Es fühlt sich ganz anders an als im Sommer, but then, what doesn’t?

Ich habe einen Großteil des Tages in dem Glauben gelebt, es wäre Donnerstag. Selbst als mich Regula anrief (die Frau des Arbeitgebers meiner Mutter, die mich für Samstag zu sich nach Zürich zum Essen eingeladen hatte) und immer wieder von „morgen“ sprach, habe ich es noch nicht begriffen. Erst nach dem Telefonat sickerte es langsam ein. Eigentlich bin ich heilfroh, weil das bedeutet, dass die eine Verpflichtung, die ich mir eingehandelt habe, morgen bereits erledigt sein wird, andererseits ist es ja genau dieses unbedingte Fernhaltenwollen von jeder (sozial oder anders gearteten) Aktivität, das mein Dasein seit geraumer Zeit prägt und dazu führt, dass ich mich in meiner Vereinsamung lebendig begrabe.

Es wäre wirklich mal wieder an der Zeit, sich an den Haaren zu packen und aus dem Sumpf zu ziehen. Stattdessen scheine ich mich von lichten Flecken in der ehemals so bezaubernden Haarpracht dazu veranlasst gesehen zu haben, mir den Kopf völlig kahl zu rasieren. Das morgen ist ein Haar, das der Sense entkommen ist. Zu erwarten, dass das eine dünne Ding nun robust genug ist, um einen ganzen Menschen daran aus schlammigen Gefilden zu befreien, wäre wohl wenig realistisch. Aber wenn ich es wachsen und das Rasieren sein lasse, kann ich es doch bestimmt irgendwann wieder zu einem halbwegs respektablen Schopf bringen. Und wenn ich wieder etwas habe, an dem man ziehen kann, nunja, dann muss ich daran ziehen.