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Botanischer Balkon

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Ich habe gerade nachgezählt – man hat ja sonst nichts zu tun, und von zu viel Gezubbele wachsen sie auch nicht schneller – und kam zu dem Ergebnis, dass auf meinen 20 Quadratmetern Balkon etwa 90 verschiedene Pflanzenarten wachsen, was ich durchaus beachtlich finde. Nächstes Ziel sollte sein, sie alle beim Namen zu kennen.

Was ich für Tomatensorten habe, finde ich heraus, wenn sie Früchte tragen. Ich hatte zwar von Beccis Mutter säuberlich beschriftete Töpfchen bekommen und die Etiketten entgegen meiner Natur auch an den Behältnissen angebracht, in denen die Pflanzen letztendlich gelandet sind, aber Sonne und Regen haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und die selbst gezogenen sind entweder aus Samen vom letzten Jahr – da habe ich gar keine Ahnung, was mich erwartet – oder von Ebay, in which case sie zwar fein säuberlich beschriftet ankamen, aber dann bei mir im namenlosen Chaos versenkt wurden.

Wie wär’s, ich bestimme einfach jeden Tag fünf meiner Pflanzen mit Namen und Familie. Fangen wir an:

1 – 5

Fuchsschwanzagave (Agave attenuata – Asparagaceae)
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Kurzblatt-Aloe (Aloe brevifolia – Xanthorrhoeaceae)
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Eselsschwanz-Fetthenne (Sedum morganianum var. ‚burrito‘ – Crassulaceae)
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Pfennigbaum (Crassula ovata – Crassulaceae)
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Echeverie (Echeveria – Crassulaceae) – es gibt gefühlte dreitausend Arten und nach einer Stunde Bilderscannen habe ich beschlossen, damit zu warten, bis die Gute irgendwann vielleicht mal beschließt zu blühen. Das dürfte es einfacher machen.
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Falls mir in der Zwischenzeit jemand helfen mag, auch sehr gern. Ich bin mir auch mit der Aloe ziemlich unsicher.

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Kleines Gerede

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Es ist jedes Mal ein Abenteuer, zu Marthe zu gehen. Marthe ist meine aktuelle Englisch-Konversationsschülerin und das Abenteuer besteht darin, dass wir auch nach etlichen Treffen noch immer nicht ganz den Draht zueinander gefunden haben, sodass es stets eine Herausforderung darstellt, die Unterhaltung am Laufen zu halten.

Das kannte ich so noch gar nicht. Reine Konversation habe ich bisher nur mit Ulrike betrieben, und die war ein so überaus grandioser Mensch, dass man nun wirklich nicht darüber nachdenken musste, was man mit ihr reden könnte. (Ich skype dieses Wochenende mit ihr. Freiwillig.) Marthe dagegen ist zweifellos sehr nett, aber ziemlich zurückhaltend, und wenn mir irgendetwas Schwierigkeiten bereitet, ist es nunmal, Menschen zum Reden zu bringen. Dafür bin ich selbst zu input-abhängig und respektiere vielleicht auch die Entscheidung meines Gegenübers zu sehr, mir Dinge eben nicht mitzuteilen.

Aber es wird langsam. Mittwoch haben wir angefangen, über Bücher zu reden. Ein dankbares Thema, das ich ebenso dankbar aufgegriffen und so weit wie möglich ausgeschöpft habe, den es galt noch zehn Minuten vom leicht verkürzten vorherigen Termin nachzuholen. Nun bin ich heute schon wieder bei ihr und wie immer gespannt, wie wir uns heute schlagen. Ich möchte im Anschluss an die Unterrichtsstunde zum Friseur gehen, vielleicht können wir ja über Haare reden.

R erzählte mir neulich, dass Yannick (sein Kumpel, mit dem ich containern fahre) geäußert hat, er wüsste nicht, worüber er mit mir sprechen sollte – er habe halt keine Smalltalk-Fähigkeiten. Da haben sich ja zwei gesucht und gefunden. Aber ich habe mich dran gewöhnt, dass wir auch mal eine Weile nicht reden, während wir im Auto sitzen. Sicher ist das etwas, was man erst lernen muss – die Stille zu ertragen – , weil wir darauf konditioniert werden, immer zu reden, auch wenn wir nichts zu sagen haben. Während ich das Konzept von Smalltalk schon immer dubios fand (gerade bevor ich es selbst halbwegs durchdrungen hatte, was immerhin einen Großteil meiner bisherigen Existenz ausmacht), habe ich trotzdem zeit meines Lebens zu den Menschen gehört, die für diese Art Stille zu unsicher sind.

Ich musste vorhin daran denken, wie mich Şahin mal vom Bruchsaler Bahnhof abholte. Nachdem vielleicht eine halbe Minute lang niemand von uns etwas gesagt hatte, verkündete er: „Fuck small talk, let’s listen music.“ (woraufhin ich innerlich zusammenzuckte, aber natürlich nichts erwiderte – ich kann mich ganz gut zurücknehmen und lasse den inneren Sprachnazi nur in ausgewählten Situationen von der Leine) – und dann wurde es warm und laut und wir konnten uns voll und ganz darauf konzentrieren, in atemberaubendem Tempo über die Landstraße zu brausen.

So now you know – exactly what it feels like…

 

Year of the Finger

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Ach, ich Riesendepp. Ein Glück habe ich nochmal in meinen Kalender geguckt, bevor ich rausgehen wollte. So habe ich gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass ich nicht heute um drei bei Marthe sein muss, sondern nur morgen. Dodged a bullet there.

Das heißt also, dass ich umsonst zwei Schlucke Ouzo getrunken habe (Konversationsunterricht macht man – wobei ich ausdrücklich über mich selbst spreche und das kein allgemeiner Ratschlag sein soll – am besten ganz minimal alkoholisiert, zumindest mit denjenigen Schülern, mit denen es einem schwerfällt, auf andere Art einen Gesprächs-Flow zu entwickeln) und auch meine Bemühungen, mich öffentlichkeitsfähig zu gestalten (Lippenstift, dezentes Augenmakeup) nun eben meinem Computerbildschirm zugutekommen.

Das heißt dann wohl auch, dass ich weiter fleißig sein muss. Ich habe mir vorhin wieder mal ein Kapitel der Lerntherapieunterlagen vorgeknöpft, das ich dann jetzt zu Ende lesen kann. Neunzehn Unbabel-Tasks warten auch noch auf mich (beziehungsweise ich auf sie; vorhin war sehr zum Leidwesen des disziplinierten Teils meiner Persönlichkeit nur ein einziger Auftrag verfügbar), und eventuell ruft mich Malte später noch an, der gerade wohl ein paar Schicksalsschläge mittelschweren Ausmaßes erlitten hat und ganz mitgenommen mir heute Früh mitteilte, er hätte jetzt erstmal genug von Menschen.

Insgesamt werde ich heute also unfassbar produktiv gewesen sein. Die erste Hälfte des Tages konnte sich nämlich auch schon sehen lassen, da ich um neun bei der Therapeutin war, um halb elf (diesmal wirklich) aus der Kirche ausgetreten und um kurz vor schon wieder daheim – und zwischendrin noch schnell einen weiteren Eimer Altglas weggefahren habe.

Ich bin nämlich heute von der Therapeutin darauf gebracht worden, wie ich vielleicht der Lähmung entkommen kann. Daraufhin kam ich unsagbar motiviert da raus und habe mir auf dem Nachhauseweg Gedanken darüber gemacht, ob und wie das umzusetzen ist. Die Idee ist folgende:

Gelähmt werde ich durch eine Art Zwang, der mir vorschreibt, wie die Dinge zu tun sind und in welcher Reihenfolge. Tue ich eins der Dinge nicht und der Zwang (verbildlicht durch einen erhobenen Zeigefinger, der unter Anderem auch für das schlechte Gewissen, den Perfektionsanspruch, die Selbstkritik etc. zuständig ist) stuft es als besonders wichtig ein, blockiert dies alle dahinter wartenden anderen Dinge, die auch erledigt werden wollen. Ich komme nicht an der Blockade vorbei, renne gegen Wände, tue schließlich gar nichts und fühle mich als Verliererin gegen den Zeigefinger, welcher das wiederum fröhlich aufgreift. Ich soll nun daran arbeiten, den Zeigefinger nicht unbedingt bekämpfen zu wollen. Wenn ich nicht gegen ihn arbeite, nur weil seine Methoden mir nicht gefallen, sondern ihn als Teil meiner selbst ernst nehme und auch mal kompromissbereit auf ihn zugehe, fühlt er sich vielleicht akzeptiert und hört seinerseits auf, mich so zu drangsalieren. Ich soll also begreifen, dass wir uns auch gut tun könnten gegenseitig, der Finger und ich. Wie sagte die Therapeutin so zutreffend: „Es ist überhaupt nicht schlimm. An Zwanghaftigkeit ist noch keiner gestorben.“

Und da das eine Einstellungssache ist, an der man tatsächlich ganz einfach selbst arbeiten kann, halte ich es für umsetzbar und habe das nächste Jahr probehalber zum Jahr des Zeigefingers erklärt. Wenn er mich so nervt, wird er schon seine Gründe haben. Solange er nicht wieder anfängt, mir das Laufen auf der Rolltreppe verbieten zu wollen, oder ähnlichen Humbug anstellt, kann es vielleicht gar nicht schaden, dieser Seite von mir einfach mal Beachtung zu schenken.

Atzo baino gehiago

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Wie wahr, wie wahre Worte doch Berri Txarrak in die Welt gesetzt haben, als sie Ikasten schrieben: Gaur atzo baino gehiago dakit, baina bihar baino gutxiago.

So weiß ich heute zum Beispiel, dass ich gestern Abend ein relativ scheußliches Erlebnis hatte, welches als Suppendrama in meine persönliche Geschichte eingehen wird. Daran waren R und ich selbst, eine Schüssel Brühe und ein grippeinduzierter Fieber- und Entkräftungsanfall meinerseits involviert und wollten alle nicht so recht zueinanderfinden.

(Um das konkreter auszuführen, damit ich mich nicht in ferner Zukunft wieder über meine nutzlosen vagen Ausführungen aufrege:

Kennst du das? Du bist krank daheim und hast aus Mangel an Energie und Motivation dazu seit Tagen nichts Gescheites gegessen. Auf einmal wird dir kotzübel und schwummerig. Dir fällt eben beschriebener Umstand auf, das hilft dir nur leider jetzt auch nicht mehr. Du wankst in die Küche und holst dir einen Behälter zum Reinkübeln (genauer gesagt, deine bewährte Kotztasse aus Zeiten der Hyperemesis) und ein Glas Wasser. Du schleppst das alles und dich selbst zur Couch und lässt dich darauffallen. Dir ist kalt, aber so richtig. Du fängst an zu zittern. Die Tür ist auf und es kommt frische Luft rein, aber eigentlich sollte dir nicht so kalt sein bei dem schönen Wetter. Du breitest die Sofadecke über dir aus und verbrauchst dadurch wertvolle Energiereserven. Du weißt ziemlich genau, dass du am besten vorgestern irgendwelche Nährstoffe zu dir nehmen solltest. Die Erinnerung an deine kurze Schwangerschaft und die damit verbundenen Höllenkotzqualen fesselt dich an die Couch. Neben dir liegt dein Handy. Du überlegst, ob es den Kraftaufwand wert ist, es zu bedienen, und entscheidest dich dafür. Du rufst deinen langjährigen Partner an, der bereits aus der Arbeit rausgekommen sein müsste. Du stellst erfreut fest, dass du durch Anschalten der Lautsprecherfunktion den dazu benötigten Energieaufwand minimieren kannst. Er nimmt ab. Du fragst, ob er schon auf dem Heimweg sei. Er sagt, er wolle noch kurz bei einem Kumpel vorbeischauen, was besprechen. Du sagst „ach so“ und lässt dir schließlich entlocken, dass es dir nicht so sonderlich geht. Er fragt, ob er dir was Gutes tun könne. Du sagst „Suppe“. Er sagt, okay, dann werde er seinem Kumpel absagen und heimkommen. Du bist sehr erleichtert, bedankst dich und legst auf. Es wird dir unerträglich kalt. Deinen Körper durchdringen Gliederschmerzen. Besonders schlimm ist es im Rücken. Du willst dich alle paar Sekunden am liebsten anders hinlegen, aber das nimmt zu viel Kraft in Anspruch. Du brauchst diese Suppe. Du ziehst in Erwägung, deinen Partner nochmal anzurufen und ihn zu bitten, mit dir zu reden, während er nach Hause fährt und du auf die Suppe wartest, um das Rumliegen und Warten erträglicher zu machen. Du entscheidest dich dagegen, weil du nicht nerven möchtest. Eine halbe Stunde vergeht. Du hast es gerade geschafft, einzuschlafen, dann ertönt das Schlüsselgeräusch und dein Partner tritt ein. Deine Erleichterung ist so groß, dass du bei seinem Erscheinen gleich wieder ein Stück lebendiger wirst und mit ihm reden kannst, obwohl du gerade noch dachtest, du könntest gar nichts mehr. Du bleibst liegen, ohne dich zu bewegen, und weißt: eine halbe Minute noch, dann ist die Bouillon fertig und alles wird wieder gut. Dein Partner begibt sich in die Küche und setzt Wasser auf. Er fragt, ob du Flädle in die Brühe möchtest. Du sagst nein, einfach nur Brühe. Womit denn, fragt er. Brühwürfel, sagst du. Er sagt, dass es schon cool wäre, Flädle in die Brühe zu geben, dann hätte er auch etwas zu essen. Dir wird das langsam zu anstrengend, aber du antwortest ihm, er könne in seine Suppe ja Flädle machen, du hättest gern nur Brühe. Er steht in der Küche und tut etwas, das sich anhört wie Kartoffelnschälen. Dann fängt er mit etwas an, das dem Geräusch nach das Schneiden von Kartoffeln sein könnte. Ganz sicher bist du dir nicht, weil du ziemlich sicher nicht deinen Kopf hochheben und nachsehen wirst. Es sind Minuten vergangen. Du fragst, ob die Brühe fertig ist. Er sagt, er würde jetzt was Richtiges in die Brühe machen. Dann fragt er, ob du noch zehn Minuten aushalten würdest, bis es fertig ist. Du sagst NEIN. Du brauchst jetzt deine Suppe. Er wird laut und führt an, er könne nicht zaubern. Du entgegnest fassungslos, dass alles, was er tun müsste, wäre, einen Brühwürfel in eine Schüssel mit warmem Wasser zu geben. Er schreit dich an, die drei Minuten hättest du ja wohl noch und sein Tag sei ja auch nur verdammt stressig gewesen. Du wiederholst, du bräuchtest deine Brühe jetzt. Er weigert sich und schneidet ungerührt seine Kartoffeln weiter. Deine Hilflosigkeit und seine Unmenschlichkeit schicken sich an, dich in ungeahnte Sphären der Verzweiflung zu katapultieren. Du entziehst deinem Energiereservoir die letzte Ration und teilst ihm mit, wenn er es nicht schaffen würde, dir deine Brühe jetzt zu geben, würdest du ihn bitten, dass er ausziehe. Du vernimmst Geräusche der Boullionproduktion und dazu die Entgegnung, er werde sich das überlegen, sowas müsse ja echt nicht sein hier. Dann stellt er dir die Schüssel auf den Tisch und geht zurück in die Küche. Du kannst die Brühe riechen. Du machst dir einen Plan, wie an die Brühe heranzukommen ist. Aus der Küche ertönt der Hinweis, die Brühe würde auf dem Tisch stehen. Du setzt deinen Plan in die Tat um und bewegst deinen Körper mit einem Ruck in Richtung der Schüssel. Leider erfordert das mehr Energie, als du übrig hattest, und du klappst über der Schüssel in einer Mischung aus Nerven- und Körperkollaps zusammen. Du greifst nach dem Löffel. Leider zitterst du unkontrolliert und schlägst damit die heiße Suppe über deine Hände, ins Gesicht und auf den Tisch. Du kannst nicht aufhören zu zittern. Dein Partner kommt wieder und fragt, ob er dir jetzt die Suppe zum Mund führen soll. Seine Hand hält den Löffel ruhig und du kannst die ersten Schlucke lebensspendender Nahrung einnehmen. Mit zunehmendem Brühepegel kann dein Körper sich wieder beruhigen. Dein Partner hat inzwischen festgestellt, dass du deine Suppe ja augenscheinlich tatsächlich gebraucht hast, und sich entschuldigt, um dann wieder in die Küche zu seinen Kartoffeln zu entschwinden.

Du kennst das nicht? Also, ich jetzt schon.)

Ich habe ferner aus dieser Begebenheit gelernt (abgesehen von der offensichtlichen Tatsache, dass es ein grober Fehler war oder wäre, R mein Leben in die Hand zu legen), dass ich wirklich daran zu arbeiten habe, rechtzeitig und deutlich um Hilfe zu bitten. Ohne Spielraum für „wenn du willst“ oder „wann du kannst“ oder „es wäre schön“. Ich muss mich nicht wundern, wenn eine Situation verkannt bzw. unterschätzt wird, wenn ich mein Möglichstes tue, um weniger hilflos dazustehen, als ich es bin. Das ist ein riesiger Knackpunkt von mir. Ich habe mich auch dafür bei R entschuldigt mit dem erklärenden Zusatz, dass ich es hasse, um Hilfe zu bitten, und es meistens zu spät tue. Insgeheim bin ich trotzdem verstört darüber, wie er es schafft, mich nach der langen Zeit so schlecht zu kennen. Ich bin wirklich sehr leicht kennenzulernen, wenn man möchte. Aber da haben wir es ja schon. Da liegt das Problem.

Heute geht es mir wieder besser. Ich habe den Abend dann mithilfe von zwei Paracetamol noch ganz gut über die Bühne bekommen. Nachts kam das Fieber wieder, aber ich wollte nicht noch eine Tablette nehmen. Der Bettbezug, den wir im Sommer als Decke benutzen, ist zu dünn für eine Person, und mir wurde ziemlich kalt darunter irgendwann. Aber R hatte gesagt, er würde nicht mehr lange machen, und natürlich fiel es mir nicht ein, ihn zu fragen, ob er ins Bett kommen möge. Zum Einen ist mir bei sowas meine eben erläuterte vollkommene Unfähigkeit im Weg. Zum Anderen das Alien, das mir seit jeher vorschreibt, zu warten, bis sich der Zustand von selbst ändert. Und zum Dritten hat meine Erfahrung gezeigt, dass R nicht der Mensch ist, der ins Bett kommt, weil seiner Freundin kalt ist. Ich bekomme einiges raus aus ihm und einiges hinein, aber das Fürsorge-Gen nicht, das fehlt ihm einfach. Und wenn ich es mal so sagen darf: darunter leide ich ziemlich.

Es wird.

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Also. Der Stand der Dinge:

  • Es gibt wieder etwas Sonne. Ich tue wieder Dinge. Manchmal.
  • Ich hatte Geburtstag. Es war herrlich. Becci war hier. R hat mir unter Mitwirken unzähliger Verrückter einen riesigen Kühl- und Gefrierschrank in den Keller geschafft. Ich habe mich hardcore geliebt gefühlt.
  • Die Woche vor meinem Geburtstag war Barbara hier. Das hat einen Grund, nämlich folgenden:
  • Barbara weilt nicht mehr unter den geistig Gesunden. Sie hasst das Kind ihres Freundes, verlangt, er solle den Kleinen weggeben und zu ihr ziehen, und droht seit Wochen mit Selbstmord. Chris und sein bester Kumpel haben mich in ihrer Verzweiflung gebeten, Barbara unter einem Vorwand zu mir zu holen, damit Chris ihr verkünden könnte, dass er ihrem Wunsch nicht nachkommen wird. Gesagt, getan. Am nächsten Tag reden die beiden wie normal miteinander, verabschieden sich mit „ich hab dich lieb“ und Knutschgeräuschen. Fast forward zum gerade vergangenen Wochenende: Chris will mit Barbara Schluss machen und in psychologische Notbetreuung einweisen. Zieht es nicht durch. Wochenende umsonst zu viert mit Malte und Jacqueline plottender- und unterstützenderweise um die Ohren geschlagen. Die beiden haben nach wie vor Kontakt. Niemand hat mehr großartig Bock, sich mit dem kranken Wahnsinn weiter auseinanderzusetzen.
  • Ich habe innerhalb der paar Tage einen Mini-Crush auf Malte entwickelt, weil er der einzig Vernünftige in diesem ganzen Haufen Irrer zu sein scheint und sich während des Dramas gerne mit mir unterhalten hat, besonders nachdem Chris dann von Barbara zurückkam und ihm eins in die Tasche lügen wollte, von wegen, er hätte jetzt keinen Kontakt mehr zu ihr und das pausenlose Vibrieren seines Handys wären Whatsapp-Nachrichten aus einer Gruppe. Natürlich kenne ich den Typ nicht und hatte bis vor zwei Wochen noch nie mit ihm gesprochen. Aber er ist super. Gesprächig, megalieb, intelligent, reflektiert, hat Barbara und seinem gestörten Kumpel Chris emotional so ungefähr die Welt voraus, hasst das ganze Drama genau so sehr wie ich und telefoniert gerne. Ich werd mit ihm natürlich nur noch zu tun haben, wenn das Drama neue Wellen schlägt. Trotzdem kann ich Barbara dankbar sein, dass ihre Gestörtheit zumindest dafür gesorgt hat, dass ich mich mit Malte und Jacqueline intensiv und gut unterhalten habe.
  • Murats Klage wurde abgewiesen. Wir sind den Quälgeist los (fürs Erste).
  • R hat einen neuen Job angetreten. Diesmal einen um einiges vielversprechenderen und besser bezahlten. Es wird.
  • Becci arbeitet wieder. Ich hoffe so sehr, dass es gut klappt und sie wieder gut reinkommt. Sie war seit November krankgeschrieben, und eigentlich geht es ihr auch jetzt noch nicht sonderlich gut, aber ich glaube, dass es für sie besser ist, nicht noch länger zu Hause dahinzuvegetieren. Einen Therapieplatz hat sie immer noch nicht gefunden. Ich habe mich angeboten, ihr damit zu helfen, aber sie tut sich schwer damit, mir die Liste mit potenziellen Kandidaten zukommen zu lassen. Ich kann es ihr nicht verdenken. So ähnlich geht es mir ja selbst.
  • Der Großhandel droht als Containerspot zu versiegen. Aber ich habe mit Becci gleich Abhilfe geschaffen und einen neuen Spot aufgetan, den ich mit der Bahn zwar kaum erreiche, aber dafür hat R mich so halb gezwungen, die Nachbarn um Kollaboration zu bitten. Ich war also letztes Wochenende erstmalig mit Undine und Lukas containern und es hat tadellos funktioniert. Auch wenn mir die Geräusche, die Undines Auto so von sich gibt, sowie die pochenden Herzschläge eines undefinierten Bestandteiles im Unterbau des Fahrzeugs zugegebenermaßen schon Respekt einflößen. Aber ich habe die Regel beispielhaft befolgt, die da lautet, die Geräusche des Autos werden nicht kommentiert (wie Undine mir gleich nach dem Einsteigen einbläute).
  • Ich bin größtenteils noch nicht motiviert genug für Blogeinträge oder solche Spirenzchen (wie man gemerkt haben dürfte), aber ich vertraue auf die heilende Kraft der Sonne und harre der Wochen, die da kommen, voller Zuversicht.
  • Ich habe ein Verstärkerprogramm ausgearbeitet, das mich zum Lesen meiner Lerntherapieseminarunterlagen bewegen soll. Es involviert R’s Mithilfe. Ich glaube, es wird klappen. Es wird.

They Come And Go

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Man lästert über Basti in der Konstanzer Veganen Hochschulgruppe, wie R mir gestern eröffnete. Offenbar redet Basti nämlich schlecht über R (was diesem natürlich durch den hervorragend ausgebauten Inter-City-Buschfunk zu Ohren kommt) und nennt ihn einen Poly-Missionar. R sieht sich selbst nicht als Poly-Missionar und ich kann dem nur beipflichten; egal, wie man es dreht und wendet, missionieren will er nicht. Er blickt (soweit ich das durchschaue, da wir aus Gründen über das Thema nur höchst selten reden) auf Mono-Menschen mit der gleichen Verachtung herab wie ich auf religiöse, und genau wie ich in meiner Sparte, so bemüht auch er sich in der seinen im seltensten Fall um dieser Unwürdigen Seelenheil. Er lässt sie einfach machen und hasst sie im stillen Kämmerlein. Ab und an erfolgt ein kleiner bis mittelschwerer Ausbruch, aber in der Regel eben nicht. Ich glaube, das ist der Punkt, der einzige Punkt, der mir in unserer nunmehr dreijährigen Beziehung nach wie vor schrecklichste Sorgen bereitet. Wenn ich denn mal darüber nachdenke. Wir verdrängen gemeinsam.

Ich würde ihn – Basti jetzt – unter normalen Umständen drauf ansprechen, wie ich es immer getan habe, wenn wieder jemand über ihn herzog aufgrund irgendeiner unbedachten Aussage. „Das ist unreflektiert.“ „Pass auf, was du sagst, wem du es sagst, wie du es sagst.“ Und sei es nur, ihm den Tipp zu geben, nicht in Konstanzer linksgerichteten Gruppierungen über R zu lästern – das kann nur uns Auge gehen.

Aber natürlich tue ich das nicht, da ich ja seit mehreren Wochen nichts von ihm gehört habe. In den meisten Momenten macht mir das nichts aus, denn er hat es wirklich gründlich vermasselt. Manchmal bin ich allerdings traurig. Vorhin fiel mir ein, dass während unseres letzten Telefonates am Mittwochnachmittag er jemandem in der Stadt über den Weg lief, der ihn fragte, mit wem er reden würde, und entgegnete: Mit meiner besten Freundin.

Und ward nie mehr gesehn. Vielleicht macht mein Kopf auch ein größeres Ding daraus, als es eigentlich ist. Darin ist er nicht gerade unbegabt. Andererseits hat er bereits Bekanntschaft mit unerwarteten menschlichen Abgründen gemacht und würde sich vermutlich weniger wundern als der Rest von mir, sollten die von ihm angenommenen Ausmaße der Geschichte tatsächlich der Realität entsprechen.

Aber man ist ja nicht mehr so kaputtbar wie ehemals. Ein bisschen Fatalismus habe ich jedenfalls mittlerweile dazugelernt.

17.21

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Oh, ich bin glücklich. Ich habe gestern in einer weiteren Attacke des Ebay-Kleinanzeigen-Rausches der letzten Wochen besagte Plattform nach Kleidung durchstöbert – nach Jahren erlaube ich mir mal wieder, ein paar neue Sachen zu kaufen. Natürlich werde ich dafür etwas Altes aussortieren; mein Schrank platzt ja so schon aus allen Nähten. Und die aussortierten Sachen werde ich dann ihrerseits zu Ebay Kleinanzeigen stellen, und darauf freue ich mich jetzt schon.

Ich habe also drei Pumphosen und ein riesiges Set an Leggins und Strumpfhosen erworben (also ausnahmsweise mal etwas, das ich auch wirklich brauche!) und dazu noch eine Extra-Strumpfhose, welche orange ist und unten so ein Rautenmuster hat. Perfekt, weil ich den löcherbedingten Verlust meiner letzten dicken orangenen Strumpfhose bis gestern betrauert habe.

Außerdem hat mir gestern Nicole auf meine SMS geantwortet, die besagte, dass wir doch eigentlich echt mal wieder telefonieren sollten. Wir haben das seit mehreren Jahren nicht getan und da der Gedanke, mit Nicole gar keinen Kontakt mehr zu haben, nach all der Zeit immer noch absurd ist, kam mir eben diese revolutionäre Idee. Sie schrieb dann, da wäre sie dabei und wo ich eigentlich gerade wohnen würde, man könne sich ja vielleicht auch mal wieder treffen. Wie fröhlich mich das gemacht hat!

Ein weiterer der aufgefrischten Kontakte, die mein Geburtstag mit sich brachte, ist der mit Daniel aus Vitoria. Also nicht der aus Vitoria, sondern der mexikanische, den ich in Vitoria kennengelernt habe. Wir mochten uns ja irgendwie schon immer, obwohl wir, während wir noch Kommilitonen waren, kaum miteinander zu tun hatten, was ich damals schon schade fand. Aber alles Andere wäre weird gewesen, weil wir in völlig unterschiedlichen Cliquen uns bewegt haben. (Falls man davon sprechen kann, dass ich mich in Vitoria in einer Clique bewegt habe.) Mit ihm jedenfalls schreibe ich ab und an über Facebook, und das freut mich, denn wir sind uns ähnlicher, als man anfangs vermuten würde.

Was mich außerdem noch freut: Mein Handyvertrag scheint sich endlich mal geregt zu haben; ich bekam vorhin eine SMS von meinem neuen Anbieter, nachdem gestern tatsächlich die Portierungsgebühr mal abgebucht wurde. Vielleicht sollte ich mal in den Briefkasten schauen, ob meine SIM-Karten schon da sind. Die Rechnung ist es jedenfalls.

Jetzt ist es schon wieder wesentlich später, als es sein sollte, denn ich habe noch nicht einmal angefangen, für die letzte Klausur morgen zu lernen. Das werde ich dann nun mal tun.

Craving for net lace (and food.)

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Wie praktisch, dass ich morgen Geburtstag habe – gerade heute hat sich in mir ein unsagbar großes Verlangen nach neuer Kleidung bemerkbar gemacht. Vorzugsweise voluminös, buschig, tüllig. Ich liebe Tüll, wenn es richtig gemacht ist. Also habe ich die letzten paar Stunden nicht nur mit Caro geredet, sondern daneben die guten alten ebay-Kleinanzeigen nach Tüllkleidung durchforstet. Welch eine Überraschung natürlich, dass mir erstmal 90% Brautkleider entgegensprangen, entzückende Kleidungsstücke zugegebenermaßen, aber nicht gerade, wonach mir der Sinn stand. Letzten Endes bin ich trotzdem mit genug Auswahl konfrontiert worden, dass ich fast bedaure, nicht zweimal direkt hintereinander Geburtstag zu haben und somit mehr Geld für Petticoats.

Davon ab: Die so sehr gefürchtete Klausurenwoche war eigentlich ein Witz, und die schlimmste aller Klausuren (von der ich annahm, sie vorgestern schreiben zu müssen) kommt erst nächste Woche dran. Yay, dann also nochmal ran an den Speck, spätestens Dienstag werde ich dann mit Lernen verbringen müssen. Für die Klausur ganz bestimmt.

Ich bin müde und habe einen unfassbaren Hunger. Irgendwie dachte ich, R würde mal nach Hause kommen; ich hatte geplant, ihn zum Kochen zu bewegen, aber langsam wird es wirklich… akut. Wenn ich nur wüsste, was ich essen will. Schlimm immer, diese Entscheidungen. Heute muss ich wirklich daran denken, irgendwelche Hülsenfrüchte für morgen einzuweichen, sonst habe ich morgen schon wieder das gleiche Problem.

Ich habe meine Nägel zum zweiten Mal in einem Jahr lackiert; irgendetwas ist verkehrt mit mir. Aber ich kenne das schon (oder besser: noch), das sind ab und an so komische Phasen, das verschwindet auch wieder. Vorhin war mein Bedürfnis danach, meinem Körper die höchstmögliche Menge an Aufmerksamkeit und Zuwendung zukommen zu lassen, wahrscheinlich besonders deshalb so ausgeprägt, weil ich davor so lange meine Haare nicht gewaschen hatte, dass ich heute in der Uni zwei Klausuren lang mit Mütze da sitzen musste. Überkompensation oder so.

Oh! Bevor ich es vergesse: Becci hat mein Weihnachtsgeschenk doch tatsächlich noch bekommen; heute war der Abholschein für sie im Briefkasten. Ein Wunder; ich hatte es schon fast als verschollen zu den Akten gelegt (und war darüber unheimlich traurig).

Jetzt jedenfalls muss ich etwas zu essen machen.

Franzbrötchen, ich komme.

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Das Eine, worauf ich mich bezüglich des morgigen Tages am meisten freue: Franzbrötchen. Mir war nie klar, was die norddeutsche Kultur eigentlich an bemerkenswerten Dingen hervorgebracht hat, bis ich dann weg war und feststellen musste, dass so etwas wie Franzbrötchen hier unten einfach mal nicht existiert.

Es wird meine erste Aktion nach der Ankunft sein: vom ZOB zum Hauptbahnhof zockeln und mich bei Franz & Friends mit Frühstück in Form einer großzügigen Menge köstlicher Exemplare ausstatten. Oh Himmel, ich kann es kaum erwarten. Allein dafür lohnt sich dieser Ausflug.

Halbe Stunde, dann sollte ich mich aufmachen. Der Bus fährt zwar erst um halb elf, aber zum Hbf muss man ja auch noch irgendwie hinkommen.

Um es nur kurz noch zu erwähnen: Meine Wohnung hat heute ein gutes Stück Vollendung erfahren. Im rosa Zimmer hängen jetzt die letzten zwei Regalbretter und mehrere Ansammlungen von Bildern, der Ohrhänger-Fensterrahmen und der Spiegel sowie die zweite der Bambusmatten, die ich damals vom Sperrmüll gerettet hatte. Im Flur hängen die anderen beiden Spiegel. Nur zum Saugen bin ich schon wieder nicht gekommen.

Aber dafür habe ich nach einem unerträglichen und zeitintensiven Kampf mit meinem Computer endlich die Wireless-Funktion meines neuen Multifunktionsgerätes konfigurieren können und habe sämtliche Materialien, die ich für Stewart am Montag lernen muss, als stolzen Beweis meines Erfolges ausgedruckt in meiner Tasche dabei. Ich hoffe einfach, dass ich dazu komme, sie auch zu lesen. Ich spekuliere auf die Rückfahrt morgen mit Kepa im Transporter, bis er mich irgendwo absetzt, und die darauffolgende Zugfahrt nach Hause. Weil, jetzt im Nachtbus werde ich kaum andere Dinge tun als Schlafen. Das ist ja gerade das Wunderbare.