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Theeeeeeooooooo!

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Kaffee gibt mir Motivations-Rushs. Ich habe mich soeben erfolgreich, wenn auch knapp, davon abhalten können, mir noch einen zu machen, und freue mich jetzt erstmal über meine großartige Disziplin.

Den ersten Kaffee habe ich R zu verdanken, der heute früher aufstehen musste, um zu sich in die Wohnung zu fahren. (Ja, für ihn ist das ein Ereignis, das eines erhöhten Zeit- und Planungsaufwandes bedarf, und das macht mich außerordentlich glücklich.) Jetzt, wo er weg ist, habe ich mich mit einigem Elan in den Tag hineingestürzt – selbst bevor ich den Kaffee getrunken hatte, der fertig vorbereitet für mich in der Küche stand.

Der Regen in der Nacht hat die von zwei Foodsharing-Tagen am Anfang der Woche verbleibende Reste-Kiste Brot am Treppenaufgang vor dem Haus voll erwischt, sodass ich mich gezwungen sah, vom Abarbeiten meiner To-Do-Liste erstmal Abstand zu nehmen und Teile des Brots zu einem Blech neu eingeweichter Brot-Bananen-Pampe zu verarbeiten, welche nun im Ofen vor sich hinbackt. Man wird sehen, was dabei herauskommt – ich hoffe, man kann es anderen Menschen zum Essen vorsetzen, sonst habe ich in den nächsten Tagen eine Menge Arbeit.

Als Nächstes habe ich mich daran gemacht, das Briefchen mit JOs vor Monaten hier vergessenem Handy endlich zu adressieren und abschickbereit zu machen. Ich hatte mich ewig nicht überwinden können, nachzusehen, wie ihre Adresse lautet, und habe überhaupt mit einigem Erstaunen vorhin erst registriert, dass ich sie bereits rausgeschrieben hatte und gar nicht mehr im Nachrichtenverlauf danach suchen musste. Wegen solcher behinderten Blockaden in meinem Kopf musste die Arme nun also monatelang auf ihr Musik-Handy warten. Ein Glück, dass sie nicht das telefonierfähige hier vergessen hat.

Unglaublich, wie ich gestern vor diesem Interface saß und mich einfach nicht entscheiden konnte, was ich schreiben sollte. Es kam mir alles zu viel vor und ich habe es einfach ganz gelassen, nach einigem frustrierten Starren aufs leere Textfeld. Passiert mir äußerst selten – ich lege ja nun nicht unbedingt viel Wert darauf, nur dann etwas zu schreiben, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe. Gestern aber war ich richtig schreibblockiert. Und heute komme ich kaum mit den Fingern hinterher.

Was so ein bisschen Willenskraft einfach ausmacht. Ich hätte mir genausogut aussuchen können, heute in gloomy mood aufzuwachen und mich müde und unfähig zu fühlen und bis vier Uhr nicht aus dem Bett rauszukommen. Aber nein, ich bin wach und tatkräftig. Was nicht zwingend dazu führen wird, dass ich sinnvolle Dinge tue, aber dafür habe ich ja meine Liste.

Und ich hab‘ Lust, Musik zu machen. Es kommt zurück, es kommt endlich zurück. Überhaupt kam mir vorhin der Gedanke, dass ich tatsächlich dabeibin, zu mir selbst zurückzufinden. Mein Universum wurde so voll und ganz durchgerüttelt, als ich mit R zusammenkam (und selbst davor waren die Wasser in dem runden Gefäß, das ich nunmal zu sein scheine, wenn ich mich recht entsinne, weit entfernt von spiegelglatt), und es hat sich dieser gewaltige Lernprozess in Gang gesetzt, aus dem ich mein Leben lang nicht mehr rauskommen werde. Und ich habe gelernt, genug gelernt, dass sich die in alle Richtungen verteilten Stückchen einander wieder annähern konnten, und sie fügen sich so wunderbar zusammen; das Mosaik nimmt wieder Gestalt an und ich fühle mich ganz. Ich fühle mich wie ich. Das ist ein Glücksgefühl ohnegleichen und ein Triumph über all die Teile von mir, die sich bislang so erfolgreich dem Zweifel, der Angst und dem Mauerbau verschrieben haben.

R hat auch gelernt, ich kann es mir anders nicht erklären. Natürlich hat er das, und ich bin jeden Tag aufs Neue von den Ergebnissen begeistert. Ich könnte mich tagelang darüber auslassen, wie es sich in unzähligen Kleinigkeiten widerspiegelt.

Jetzt setzt die kaffeeinduzierte Panik ein. Ganz leicht nur; ich bin froh, dass ich mich vorhin so geistesgegenwärtig in meinem Kaffeekonsum einschränken konnte. Und während ich noch alles Mögliche mehr zu sagen hätte – zu viel, was mich ja gestern schon davon abhielt, überhaupt damit anzufangen – werde ich mich trotzdem jetzt vom Computer entfernen und sinnvolle Dinge tun. Wie geplant.

Aber zuerst mach‘ ich ein bisschen Musik. Oh, wie ich mich freue.

Mauerfall

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Mein Duftlämpchen ist an. Wer sich an bisherige Erwähnungen des Duftlämpchens noch erinnert (anders gesagt, ich), kann daraus mit Leichtigkeit auf den Zustand meines Zimmers schließen – tadellos – und den meines Geistes – restlos zufrieden. Gelassen. Gut.

Ja, natürlich habe ich heute wieder nichts für die BA getan, aber das Gewissen nagt nicht genug an mir, um meine Stimmung wirklich zu trüben. Ich werde noch irgendetwas machen. Gleich.

Ich habe Şahins Geburtstag damit verbracht, mir in der Arbeit die Seele aus dem Leib zu copy-pasten, und es damit für meine Verhältnisse so ungesund übertrieben, dass der stumpfe Automatismus mir um fünf Uhr bereits den Kopf zerstört hatte, ich aus dem Büro geflüchtet bin und draußen an meinem Fahrrad erstmal eine ganze Weile ratlos vor meinem Zahlenschloss stand, weil ich mich nicht erinnern konnte, wie dieses Ding eigentlich funktioniert.

Abends waren Sarah und ich mit Chris verabredet – ehemals Cajonist, als es unsere Band noch gab – und in Anbetracht der Tatsache, dass ich Chris ungelogen seit unserem letzten Auftritt in Sebis Küche nicht mehr gesehen hatte, habe ich mich zu Hause ein bisschen aufs Bett gehauen, bis der Kopf zu brummen aufhörte, R mit dem Abendessenmachen alleingelassen und mich nach einer Stunde wieder aus dem Haus gequält, um zu unserem alten Stammpub zu fahren. Natürlich las ich erst im Bus die SMS von Sarah, die der Arbeitstag offenbar nicht weniger mitgenommen hatte als mich und welche dementsprechend ohne Motivation whatsoever zu Hause hing und uns abgesagt hatte. Ich habe mich dann mit Chris allein getroffen und schonmal ein bisschen grobes Catching-Up betrieben, bis er ins Bett wollte, und parallel Basti und R für später zu mir beordert.

Das war schön, es war so wunderschön; ich war so ewig nicht mehr im Irish Pub. Oder überhaupt irgendwie weg. Ich tue das einfach nicht mehr. Allerhöchstens lasse ich mich ein-zweimal im Monat dazu bewegen, mich ins Contrast zu hocken, und fühle mich dann fürchterlich, weil ich fünf Euro für meine zwei Hefeweizen ausgebe. Gestern war ich irgendwie so von der Arbeit geschädigt, dass ich darin gar kein Problem sah, bzw mich von meiner eigenen Ausnahmestimmung einfach habe mitreißen lassen, und mir mit dem allergrößten Vergnügen zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten ein paar Guinness genehmigt habe; dann kamen die anderen beiden und Basti hat mir noch eins ausgegeben, wider jeden Protest. Und es war so schön und wir sind den halben Weg nach Hause gelaufen und es hing einfach so eine gute Laune in der Luft, ein unausgesprochenes „Wir haben uns alle lieb“, wie ich es so liebe.

Und heute hatte ich frei und habe sehr spät erst angefangen, überhaupt irgendetwas zu machen, vorher aber schon mit R gefrühstückt und Essen zu Facebook / vor meine Haustür gestellt und mit Caro geredet, und dann war es eben vier Uhr und ich habe mich daran gemacht, meinen Garten ein Stück weiter auf den Winter vorzubereiten. R war am Flyerdesignen und somit nicht wirklich anwesend, aber immerhin habe ich ihm wertvolles Feedback gegeben. Und später da am Tisch gesessen und Brötchen zerhackt, um endlich die volle Ladung Semmelknödel einkochen zu können, und mich mit Schrecken und Verwunderung an die wirklich nicht weit zurückliegenden Zeiten erinnert, in denen ich mir während solcher Situationen hilflos vorkam und so, als hätte ich keinen Zugang zu ihm.

Ich bin halt auch irgendwie ziemlich bedeppert. Mir scheint es gerade so, als hätte sich im frühen September mit meinem ruckartigen Aufwachen aus der widerlichen Phase davor meine gesamte Wahrnehmung korrigiert, aber so krass korrigiert, wie ich es ansonsten nur erlebe, wenn ich jemand tendenziell Unfähigem den Entwurf eines Textes überarbeite. Zack, da dreht sie sich mit einem Mal um hundertundachtzig Grad, gibt eins dieser unglaublich wohltuenden einrastenden Klick-Geräusche von sich und fügt sich damit endlich, endlich in die Position hinein, die ihr von Rechts wegen zusteht.

Wie das sein kann, frag ich mich. Wie paranoid kann ein einzelner Mensch denn sein, was war denn da mit mir los, um alles in der Welt. Ich habe immer noch das Gefühl, als würde R es mir auch wirklich leichter machen. Es ist ein Traum, gar keine Frage. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich mit einem Mal so schlagartig verändert haben soll, dass es mir auf einmal möglich ist, mal meine selbstzerstörerischen Selbstschutzmaßnahmen wegzustecken.
Oh, warte, vielleicht liegt es aber auch tatsächlich daran, dass ich mal etwas von mir preisgebe. Hey, ich hab’s geschafft, mal ein Stückchen aus meinem Panzer hervorzukommen. Irgendwas muss man doch beisteuern, damit etwas zurückkommen kann. Vermutlich ist es das, was ich lernen sollte.

Sag was. Du schaffst das, es sind nur Wörter.

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Wie ich befürchtet hatte, habe ich es nicht geschafft, Basti und R beim „Kicken gegen Rassismus“ zuzusehen – da hätte man ja um 10 aus dem Bett kommen müssen, seit wann schaffe ich sowas ohne verpflichtende, bindende Termine.

Stattdessen schlief ich bis 12, befand meine Stimmung danach für gut genug, um mich in die Küche zu begeben, habe mir ein Frühstück zubereitet, die Wäsche von gestern aufgehängt und eine neue in die Maschine gestopft, mir eine To-Do-Liste für den restlichen Tag erstellt und mich daran gemacht, diese abzuarbeiten. Alles in allem also ein ziemlicher Erfolg bisher. Ich habe zwar ein paar kleinere Probleme mit dem Bankwechsel, den ich mir vorgenommen hatte heute zu vollziehen, aber das lässt sich irgendwie beheben und ist nicht weiter tragisch. Also müsste ich nun mit dem nächsten Punkt, BA-Recherche, weitermachen und hoffen, dass das erfolgreicher wird.

Meinen Nerven geht’s heute jedenfalls wieder besser. Den fast schon obligatorischen täglichen Heulanfall hat gestern Basti abbbekommen, unverdienterweise, aber da er auch derjenige ist, der es am besten versteht, mich wieder aufzubauen, wurde es kein vollkommenes Disaster.

Es ist halt mega-unfair, wie mir Basti gut zuredet und verspricht, jeden Tag vorbeizukommen und mir Feuer unterm Arsch zu machen und sich meine Fortschritte (oder was ich stattdessen mache) erzählen zu lassen, mir androht, wie ein nerviger Schuljunge fünfundzwanzigmal die gleiche Frage zu stellen, meinen Freunden mitteilt, dass ich jetzt aufhören werde, mit ihnen zu skypen, weil ich eine Bachelorarbeit zu recherchieren habe, mich immerzu fragt, wie weit ich bin und ob ich etwas gearbeitet habe, mir sagt, dass ich das schaffe und es eine Selbstverständlichkeit ist, dass er mir hilft – „es ist ja sonst niemand da, der’s macht“ – während mein Freund, der übrigens Linguistik studiert hat und qualifiziert wäre wie kein Anderer, mir in meiner Unfähigkeit auf die Sprünge zu helfen, für meine Situation ungefähr so viel Hilfsbereitschaft, Verständnis und Interesse aufweist, als wäre mein Wohlbefinden das Letzte, um das er sich zu kümmern hätte. Und auf ein wirklich schon aus der reinen Verzweiflung geborenes „Ich komm nicht weiter. Ich schaff es einfach nicht“ (denn, after all, ich habe ja bereits festgestellt: Your chances go up if you file an application) hin sich kurz vom Zocken ablenken lässt und sagt, „das nennt man Studium“.

Er hat keinerlei natürliches Bedürfnis zu helfen. Er lebt für Politik und Weltverbesserungsideen, aber meinst du, er kommt darauf, sich direkt vor seiner Nase umzugucken, ob da jemand Probleme hat? Muss ich also lernen, auf meine alten Tage noch, um Unterstützung und Hilfe zu bitten? Äh, ich bin eins von den Individuen, die eher sterben würden, als von anderen Leuten Gefallen einzutreiben.

Naja, man merkt’s ja. Quäl dich ab und werd depressiv und baue dir monströse Probleme in deinem Kopf auf, anstelle „einfach mal“ was zu sagen. Ich glaub fast, mir tut das ganz gut; der Mensch hat immer was zu lernen, und diese Lektion war bei mir schon längst mal überfällig.

Vierthöchste Bildungslücke der Welt – detected.

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„I remember riding on Daddy’s shoulders.“

Mir ist dieses Bild so klar vor Augen geblieben wie keine andere Erinnerung an den Ground Zero. Als ich dort war, Ende 2006, hingen an den Wänden überall diese „I remember“-Zeichnungen, angefertigt von den Kindern der Opfer. R würde mich vermutlich mit einem herablassenden Kommentar der Sorte „na und? Auf der Welt sterben jeden Tag Leute“ beglücken, aber ich habe ehrlich gesagt Schwierigkeiten, mich von dieser einen Erinnerung nicht meinerseits immer wieder bedrücken zu lassen.

Jedenfalls habe ich vor ein paar Minuten dann durch Zufall auch mal festgestellt, dass inzwischen ein neues World Trade Center errichtet wurde. Spät, aber doch. Manchmal sind meine Bildungslücken also tatsächlich 547 Meter groß.

Was für eine Erkenntnis.

Ich denke ab und an darüber nach, wie es Dinge schaffen, einem so lange verborgen zu bleiben. Glücklicherweise komme ich dann zu dem Schluss, dass mir selbst nur bedingt Vorwürfe zu machen sind („du könntest dich ja informieren“). Lieber mache ich gar niemandem einen Vorwurf und stelle einfach fest, dass es offenbar zwischen 2006, als die Bauarbeiten begannen (du siehst, ich habe meinem Wissensstand inzwischen mit Hilfe von Wikipedia ein bisschen auf die Sprünge geholfen) und dem heutigen Tag keine Situation gab, in der mir jemand oder etwas das Wissen um dieses Gebäude vermittelt hätte. Weder ich selbst noch der Rest der Welt.

Manchmal, wenn meine Eltern einen Begriff verwenden, über den ich im Leben noch nicht gestolpert bin, sind sie überrascht, wenn ich mich erkundige, was es damit auf sich hat. („Wie, du weißt nicht, was … ist? Wie kann man das nicht wissen?“) Ich finde es jedes Mal aufs Neue absurd und entgegne, dass immerhin doch sie diejenigen sind, die mir damals das Leben hätten erklären sollen; es ist also doch im Grunde ihnen selbst zu verdanken, wenn ich ein Wort aus ihrem Vokabular nicht kenne oder von einer ihnen geläufigen, eigentlich elementaren Sache nichts weiß. Aber der Seltenheit, mit der dieses Phänomen auftritt, ist eigentlich schon zu entnehmen, dass sie ihre Sache im Großen und Ganzen ziemlich gut gemacht haben.

Ich bin damals bei Mama in Ungnade gefallen, weil ich ihr den Eindruck vermittelt habe, mehr daran interessiert zu sein, auf der Straße nach Pennies zu suchen (sie waren überall!), als daran, mir von ihr die Stadt zeigen zu lassen, in der ich gezeugt wurde. Ihre Stadt, deren Verlust sie noch heute nicht vollständig überwunden hat. Im Nachhinein durchzuckt mich immer ein ekliges Gefühl, wenn ich es aus ihrer Perspektive betrachte. Es geht mir so mit recht vielen Ereignissen aus der Vergangenheit. Ich verstehe uns beide zu gut, ich verstehe uns alle drei. Das tut sie vermutlich bis heute nicht zu diesem Grad.

Ich werde weiterarbeiten.

Zehn Finger

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Oh – mein – Gowai, ist das anstrengend. Ich bin seit Stunden dabei, meine Übersetzungen im 10-Finger-System zu tippen, ohne jede vorhergehende Übung whatsoever. Das wirklich Tragische ist, jetzt, wo ich einmal damit angefangen habe, kann ich nicht mehr damit aufhören, obwohl mir der Kopf gleich explodiert und ich das Gefühl habe, jeden Moment zu kotzen. ALTER.

Ich glaube, da hilft nur, meine für heute angestrebten Touren – noch zwei Stück an der Zahl – so unbeschadet wie möglich hinter mich zu bringen und danach schnell nach Hause zu flüchten.

Zustandsquerschnitt.

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So. Jetzt lerne ich weiter. Wie erwartet wurden Elli und ich heute mit ihrer GFS fertig.

Ich mache mir ein Konto bei der GLS auf und nehme mein Geld von der Commerzbank runter, deren zweiter Rang unter atomwaffenproduzentenunterstützenden deutschen Banken mir und meinem Gewissen doch etwas zu schaffen macht, aber erst nachdem ich geschlafen habe.

Die Küche ist sauber. Danke, Putzplan, immer wieder. Für den würde ich mein Leben aufs Spiel setzen, glaube ich. Ich bin im Schnelldurchlauf, aber nichtsdestotrotz effektiv durch den Dreck gewirbelt vorhin, habe es alles in einer Dreiviertelstunde geschafft und dazu jetzt ein blütenreines Gewissen.

Es ist gerade so wunderbar, wo R wieder hier ist. Ich kann immer noch so Vieles besser machen und Neues dazulernen. Meine Arbeit an mir selbst läuft auf Hochtouren. Mein Verstehen von Dingen. Ich lerne so gern.

Außer, natürlich, selbstredend, wenn es um Neurolinguistik geht. Während ich die elektrophysiologischen Methoden EEG und MEG gestern schon recht gründlich abgehandelt habe, warten leider noch zahllose weitere Grausamkeiten auf mich, die ich bis Dienstag versuchen muss zu verinnerlichen. Es wird nicht funktionieren. Tragisch eigentlich, dass die letzte Klausur meiner BA-Studienzeit meine erste Nachschreibeklausur sein wird.

Ich habe um die 25 Paprika-Keimlinge und 5 (Edit: Nein, 15!) Töpfe Basilikum, und an den Tomatenpflanzen von Mama entwickeln sich bereits zwei Früchte. Und sie duften so köstlich, diese Tomatenpflanzen. Fuck, ich habe vergessen, sie zu gießen. Soll ich jetzt nochmal aus dem Zimmer gehen und riskieren, dass R mir aus der Küche eine sarkastische Bemerkung hinterherwirft, weil ich immer noch nicht am Lernen bin? Oder einfach drauf hoffen, dass sie tief genug wurzeln, um selbst bei der sengenden Hitze einen Tag ohne frisches Wasser schadenfrei zu überstehen? Zweiteres; ich entscheide mich für Zweiteres.

Und jetzt genug geredet; ich gehe lernen.

Heftig.

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Habe mit Neuro angefangen. Habe meinem Körper zu viel Koffeein zugeführt. Bin Basti unendlich dankbar für seine Bereitschaft, mir beim Lernen zuzuhören. Werde Klausur so oder so failen, aber fühle mich jetzt schon besser, rein gewissenstechnisch.

Nachher wieder Elli um zwei Uhr. Werde um vier ihre gesamte GFS in vier Tagen geschrieben haben, inklusive Handout. Ich kann dir alles über Hermann Hesse und sein „Unterm Rad“ erzählen, das du nur wissen möchtest. Vermutlich sogar um einiges mehr.

Der Fluss hat die unglaublichste Farbe diese Woche. Diese in etwa. Unbeschreiblich. Ein ganzer Riesenfluss in dieser unfassbaren Farbe, satt und exotisch. Wenn man über die Fahrradbrücke fährt, riecht es nach Urlaub. Ich fühle mich jedes Mal aufs Neue überwältigt während der paar Sekunden.

Mein Basilikum ist vollständig pikiert; ich habe den Rest gestern Abend erledigt. Dann bin ich lernen gegangen. Nicht bevor ich eine Stunde lang sinnloserweise ein Webinar über neurolinguistisches Programmieren angehört hatte, sollte dazugesagt werden. Aber ich habe angefangen.

Es war wunderbar, vorgestern mit R und Basti Lasagne zu machen und diese anschließend mit seinem neuen Mitbewohner zu essen. Er ist Russe und hat uns beigebracht, wie man Vodka trinkt. (Einatmen, exen, ausatmen, an saurer Gurke riechen. Spread the word; es funktioniert.)

Kaffeeloch. Hektisch und kaputt zugleich. Aber keine Panik, immerhin.

Waking Up Elli (oder: Wieder nicht gelernt.)

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Gerade bin ich in so einer Vertrauens-Phase. Es ist so angenehm; es tut so gut, sich einen Moment lang keiner Ängste oder Zweifel bewusst zu sein.

Hunger.

Ich werde diese Klausur nicht in dreitausend Jahren bestehen; ich habe es immer noch nicht geschafft zu lernen, und ins Tutorium bin ich auch nicht gegangen, weil ich den riesigen Fehler gemacht habe, mich eine Stunde vorher zum Schlafen hinzulegen. Forget it; ich war erst gegen 18 Uhr zumindest halbwegs wieder zurück unter den Lebenden.

Ich muss ein containertarisches Kochbuch schreiben, ich seh’s doch klar und deutlich.

Tue ich das doch einfach.

Nein, warte, ich kann jetzt nicht anfangen, ein containertarisches Kochbuch zu schreiben, wenn ich Dienstag Klausur habe und noch kein Wort dafür gelernt habe, verdammt.

Ich war heute bei Elli und werde morgen und übermorgen wieder da sein. Letztendlich liebe ich es wirklich sehr, Elli Nachhilfe zu geben. Vor allem deshalb, weil sie der eine, einzige Mensch in meinem gesamten Umfeld ist, der alles, was ich sage, so hungrig aufsaugt, als wäre sie zeit ihres Lebens noch nicht mit der Art Wissen, die ich ihr vermittele, in Kontakt gekommen. Es ist vermutlich auch genau so, und während mich das einerseits zutiefst schockiert, sehe ich andererseits natürlich das enorme Ausmaß meiner Möglichkeiten und Verantwortung. Ich kann diesem Menschen zu einer völlig neuen Sicht auf die Dinge verhelfen. Wenn ich es ganz geschickt anstelle (und ich hoffe, ich bin dabei), schafft sie es irgendwann, ihren Horizont von allein zu erweitern. Ich muss nur den Stein ins Rollen bringen. Und dabei hilft mir noch Trudi, was unheimlich praktisch ist, weil sich unsere Einstellungen zu gewissen Dingen eben doch ziemlich decken und es Elli ganz sicher guttut, diese vollkommen neuen Informationen von zwei verschiedenen Quellen zu bekommen. Man entwickelt dadurch doch automatisch noch mehr Vertrauen.

Also werde ich ihr jetzt, nachdem sie mich vorhin ausdrück- und eindringlich darum gebeten hat, erstmal ein-zwei Dokus zur Massentierhaltung zukommenlassen und mich nebenbei bei R über das genaue Wie-wo-wann seiner Rede auf dem CSD erkundigen. Sie klang ernsthaft interessiert. Sie ist ein guter Mensch; sie muss einfach nur aufwachen. Ich glaube, ich schaffe das.

Ich sollte es ausnutzen, dass R sich momentan vermutlich noch auf der Solid-Sitzung befindet, und einfach lernen.

Ich tue es ja doch nicht. Es wird immer schlimmer.

Too many plan(t)s, too little time.

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So. In zwei Stunden bin ich auf dem Weg in die Uni. Heute gehe ich zum Neuro-Tutorium; ich schaff‘ das, ich mache es wirklich. Jawoll.

R ist in seiner Wohnung und redet mit seinem Kollegen aus der Flüchtlingshilfe, nachdem er letzten Freitag keinen Nerv auf TeKo hatte. Wir hatten Donnerstag Abend gegrillt und es wurde etwas später (wunderbarer Abend, auch wenn von meinen Eingeladenen außer Rini niemand auftauchte – das hat vollkommen gereicht; mit ihr und Basti zusammen hatte ich eine wundervolle Zeit und es hätte noch besser gar nicht werden können).

Ich freue mich auf Freitag, da macht R Lasagne bei sich zu Hause und ich lerne tatsächlich mal die Wohnung kennen. Dann gehe ich einfach nachmittags schon hin und gewöhne mich ein bisschen ein. Eigentlich sollte ich jede Minute mit Neuro verbringen. Aber vorhin wurde ich auch noch von einer Foodsharingbekannten zu ihrem Geburtstag am Wochenende eingeladen und ich muss hin; Manu ist so eine unglaublich Liebe. Plus, sie war auf meiner und Trudis Einweihungsfeier und hat mein Olivenbrot in den allerhöchsten Tönen gelobt. Noch Wochen später! Ich fühle mich ihr verpflichtet.

Das Wetter ist umwerfend. Im wahrsten Sinne. Wenn das meinen Tomaten und den kleinen Melonenpflanzen mal nicht gefällt. Basilikum pikiert habe ich auch gestern Abend. Es ist noch so viel mehr zum Pikieren da, aber mir gehen die Töpfe aus. Ich freue mich so arg auf das ganze Basilikum. Und die Melonen. Wie gespannt ich einfach bin, ob irgendeine der Pflänzchen es schafft, dieses Jahr noch eine Frucht zu produzieren. Und dann sind hier die ganzen Paprikakeimlinge, der Ingwer, die Süßkartoffel und der Senf. Und die random Sprosse, bei der ich nicht weiß, was rauskommt.

Nach der Uni muss ich zu Elli. Nach Elli muss ich zur Wegwarte. Und nach der Wegwarte gehe ich Billard spielen, weil R es nunmal so sehr liebt und ich das Gefühl habe, ihm auch mal wieder in irgendwas entgegenkommen zu müssen. Also wird Geld ausgegeben und Bier getrunken und Billard gespielt. Vielleicht kommen ja Trudi und Basti mit, das wär‘ doch schön. Ich frag sie gleich mal.

Edit: Wie’s aussieht, hab‘ ich zumindest bis 22 Uhr Zeit, mein Gewissen zufriedenzustellen und ein bisschen was zu lernen; R rief grad an und verkündete seine heutige Teilnahme an so einer Flüchtlingsdingsveranstaltung, bei der er was verteilen wird (dass er Flyerverteilungsspezialist ist, ist ja schon ohne Schwierigkeiten von der Tatsache abzuleiten, dass wir uns kennenlernten, indem er mir einen davon in die Hand drückte. Gegen TTIP, man erinnere sich), sodass ich jetzt froh bin, dass Basti morgen Spätschicht hat, sonst hätte er bestimmt keine Lust mehr gehabt mitzukommen um die Uhrzeit.

Amputierte Basalganglien (und andere Vorwände, um genau jetzt nicht zu lernen)

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Bis hin zur Sehbahn habe ich alles gelernt oder zumindest halbwegs gründlich überflogen.

Dazu muss gesagt werden, dass das gründliche Überfliegen bei mir ein Überfliegen plus Abstrahieren und mehrmaliges erneutes Überfliegen sowohl des Abstrahierten als auch der Original-Lernmaterialien beinhaltet, was meistens den gewünschten Lerneffekt eigentlich schon ganz gut herbeiführt, wenngleich kurzzeitig. Ebenfalls sollte dazu gesagt werden, dass ich bis heute dank gnadenloser Lernunfähigkeit keine Motivation aufbringen konnte, für irgendetwas, sei es noch so wichtig, eine tiefergehende Lernstrategie zu entwickeln oder gar anzuwenden. Irgendwie kommt man ja doch immer durch. Furchtbar sowas. Ich frage mich gerade wieder, wie ich es geschafft habe, 1,0 in Sanskrit zu schreiben, während Andere, die sich am Kursgeschehen unterm Semester gelegentlich sogar beteiligen konnten, da sie vorbereitet zum Unterricht erschienen und sich an das zuvor Durchgenommene noch erinnern konnten, mit 1,7 am Ende rauskamen. Wobei Graziellas Mappe vermutlich um einiges ästhetisch wertvoller war als meine und ihr gut und gern die Note noch auf 1,3 hochgerissen haben könnte, wie ich sie so einschätze. Davon ist eigentlich auszugehen, wenn man überlegt, dass der unansehnliche Kladderadatsch, den ich anstelle einer akribisch mit Daten versehenen und schön angeordneten Mitschriftsammlung bei der Dozentin eingereicht habe, offenbar immer noch gereicht hat, um mir meine 1,0 aus der Klausur nicht zu versauen.

Aber statt mich in den wundersamen Erfolgen des vergangenen Semesters zu sonnen, sollte ich mich lieber an den Rest Neurolinguistik für morgen machen. Blendende Voraussetzungen, unter denen die Klausur stattfindet, oder wie sonst soll ich die Tatsache klassifizieren, dass Morphologie II um 8.15 Uhr mir direkt davor noch den Anti-Energieschub des Tages bereiten wird. Aber dafür werde ich mich morgen Früh mit Guaraná im Müsli und Koffeintabletten für die Uni versorgen, um anschließend in der Arbeit die gewohnte Überdosis Kaffee zu mir zu nehmen und mich wahrscheinlich am Ende des Tages mit monstermäßiger Panik herumzuschlagen, dann nach Hause zu kommen und R’s und meinen Abend durch ein Energieloch nie zuvor erlebter Ausmaße zu sabotieren. R kommt schon wieder hierher, weil das Miethai-Drama bei ihm inzwischen so ausgeartet ist, dass er sich über jede Minute freut, die er außerhalb seiner Wohnung verbringen kann. Ich bin, so widrig die Umstände auch sein mögen, dafür dankbar; ihn hierzuhaben ermöglicht mir, mein Leben währenddessen weiter fortzuführen, statt es komplett zu pausieren, wie es der Fall ist, wenn ich zu ihm nach München fahre. Bei ihm ist das ähnlich gelagert; während er – Arbeit sei Dank – in München kaum mal rauskommt, wartet hier ja jedes Mal sein altes Leben mit seinen zigtausend alten Bekannten und Freunden auf ihn. Zehn Jahre Kleinstadtpolitik haben dafür gesorgt, dass es ihm an Gleichgesinnten und sozialen Kontakten hier ganz bestimmt nicht mangelt. Was es nicht unbedingt angenehmer macht, sich draußen mit ihm herumzutreiben, zumindest für mich als gesichtsblinden, introvertierten Menschen, der seine Kontakte gern intensiv und auf wenige Personen beschränkt hält. Der überwältigende Großteil seiner Freunde mag mich trotzdem – irgendetwas scheine ich immerhin richtig zu machen. Aber okay, sie kennen mich nicht sonderlich gut. Daran wird’s liegen.

Frei-assoziativer Redeschwall beendet; ich schau mal, ob Simone mir noch bei Skype antwortet – die wollte gestern mit mir reden, aber ich war gerade damit beschäftigt, mit Basti und Lena in der Küche zu wirken – und falls sie das nicht tut, werde ich.. Ok, sie hat keine Zeit jetzt. Dann lerne ich gezwungenermaßen jetzt die Sehbahn und den restlichen Neuro-Kram. Boah, mich hat übel die Motivation verlassen. Als hätte man mir mit einem Schlag die Basalganglien amputiert.