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Headed for… something.

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Es geht vorwärts. Ich bin nicht ganz sicher, welchem Ziel oder Ereignis oder Zustand oder Ergebnis entgegen, aber ich bin am Leben und es passieren Dinge. Zumindest einige, wenige, kleine.

Ich war noch nicht in der Uni diese Woche, womit sich die dieswöchige Anzahl geschwänzter Kurse nunmehr auf 4 beläuft. Heute Abend gehe ich hin, ich muss hingehen. Nicht nur, weil ich den Griese-Kurs bereits einmal geschwänzt habe und sie eine der wenigen auf Anwesenheit jedes Einzelnen bedachten Lehrkräfte ist, sondern weil ich es mir nicht durchgehen lassen kann, diesen Grad an Verlotterung. Selbst vor den Kommilitoninnen habe ich mich mit der Ausrede post-konzertaler Erkältung aus der Erklärungsnot gewunden; ein Durchhänger dieser Sorte hat auf dieser Stufe nicht mehr vorzukommen, im BA vielleicht, ja, ganz sicher sogar, aber wie immer kommt diese gefährliche Absenkung meiner Hemmschwelle mit ein paar Jahren Verspätung.

Was ich dafür geschafft habe, vorgestern und gestern und heute, ist Räum- und Einzugsarbeit. Ich würde sagen, ich bin fast soweit, den Kleiderschrank mit R zusammen ins rosa Zimmer umsiedeln zu können. Das Büro unter dem Hochbett nimmt Gestalt an und alle dazugehörigen Möbel sind, as of now, an ihren angedachten Stellen zu finden. Fehlen noch die langen Regalbretter, für die ich R’s Hilfe brauche, dann kann dieser Teil der Wohnung als fertig betrachtet werden. Fertig. Oh herrliche Vorstellung.

Gestern Nachmittag rief mich R an, um mich zu bitten, ihm einen Briefumschlag rauszulegen, bevor ich zum Foodsharing-Plenum fahre (von solchen Dimensionen ist das Chaos hier, dass ich den alleinigen Überblick über Teile der Wohnung habe und solche Maßnahmen nötig sind, um R elendige Suchaktionen zu ersparen) – er hatte eine wichtige Sache zu bearbeiten in Verbindung mit dem dummdreisten Miethai aus München, der ihm aktuell wieder den Kampf angesagt hat (The Murat Returns). Jedenfalls fragte er mich bei der Gelegenheit noch nach meinem Befinden, woraufhin ich ehrlich antwortete, dass mir meine Lethargie auf den Sack gehe, und aus irgendeinem Grund half mir das, nachdem ich aufgelegt hatte, mich zum Erledigen einiger zuvor undenkbarer Sachen zu bewegen. In den verbleibenden zwei Stunden, bevor ich losmusste, habe ich geduscht, mich fertig angezogen, das Katzenklo gereinigt, Wohnzimmermöbel umgestellt, zwei Bilder aufgehängt, Deko umdekoriert, zwei Absätze für den heutigen Griese-Kurs übersetzt, mein Zeug auf R’s Computer sortiert und den Inhalt eines gesamten Kurses von Moodle heruntergeladen, während ich den gesamten Tag davor nicht in der Lage gewesen war, über ein wenig Referatsrecherche hinaus irgendetwas zu tun.

Dann war ich beim Foodsharing-Plenum, was irgendwie nur semi-cool war, aber natürlich trotzdem notwendig und vor allem besser, als wäre ich nicht hingegangen. Zurück zu Hause saß ich mit R auf dem Sofa herum und er fragte mich, wie es mit meinen Medis aussähe, woraufhin ich aus dem Nichts anfing zu heulen und ihm erklärte, dass ich es seit Wochen nicht schaffe, den Psychiater anzurufen. Er bot daraufhin an, ihn für mich anzurufen. Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, aber ich fand es sehr lieb. Es mag sich abstrus anhören, aber nach der gefühlten Ewigkeit der letzten paar Wochen, die meine Gefühlswelt von diesem zu dicken Filter aus Gleichgültigkeit ummantelt war, hat mich diese vielleicht einstündige spontane Attacke roher Verzweiflung gestern Abend fast schon erleichtert. Immerhin mal wieder direkter Zugang zu einer Emotion irgendeiner Art. Wahrscheinlich bin ich aus dem gleichen Grund auf dem Konzert am Sonntag so wunderbar durchgedreht. Da war der Filter auch weg. Konzerte erreichen immer die Seele. So wie ADTR damals am 29.10.11, dieses absurdeste Konzert meines Lebens.

Becci hat beschlossen, dass wir im Mai nächsten Jahres ADTR zusammen besuchen werden; sie spielen in Offenbach und wir hatten schon länger überlegt, hinzugehen. Ich hatte ihr gesagt, ich würde mich nach ihr richten; ich habe kein wirklich starkes Bedürfnis, sie nochmal zu sehen, würde aber selbstredend mitkommen. Nach eingehendem Studium von Homesick und What Seperates Me From You ist Becci nun also offenbar überzeugt, dass man sich diese Band durchaus mal gegeben haben sollte. Ich bin froh darüber und freue mich irgendwie doch, A Day to Remember mal unter Umständen spielen zu hören, unter denen ihr Name nicht so entsetzlich wörtlich zu nehmen ist.

‚Obwohl‘ ich sollte…

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Irgendwie beruhigt es mich, dass keine neuen Bots mehr meine Einträge liken. Durch das lange Wegsein hat auch die Anzahl der vermutlich menschlichen Blogbesucher sich extrem verringert und ich kann mir wieder einreden, hier unbeobachtet vor mich hinexistieren zu können.

Ich habe der Lethargie zumindest soweit getrotzt, dass ich eine grobe Idee ausarbeiten konnte, wie mein Referat nächste Woche aussehen wird. Die Recherche dazu war nicht gerade gründlich und noch weniger ergiebig, aber… immerhin. Ich bin müde, obwohl ich bis zehn nach elf geschlafen habe. (Und da mein Referatsthema „Semantische Arten kohäsiver Konjunktionen“ lautet, klingelt jetzt offenbar bei jeder getippten Konjunktion in meinem Kopf eine dumpfe Alarmglocke, siehe „da“, „obwohl“.)

In keinem Jahr meines Lebens hat mich so wenig vorweihnachtliches Gefühl erreicht wie in diesem. Ich habe beide Adventssonntage unbeachtet verstreichen lassen und der heutige Nikolaustag rief sich mir nur in Form eines extrem großzügig gestalteten Geschenks aus Mamas letztes Wochende mitgebrachtem Adventskalender in Erinnerung. (Sie hat nicht nur mir eine riesige Tüte voller sparsam verpackter, liebevoll ausgesuchter und mit Nummern beschrifteter Geschenkchen mitgebracht, sondern R genauso mit einem nicht weniger prachtvollen Sammelsurium beschenkt, ich war fast zu Tränen gerührt.)

Ich schaffe es nicht, den Psychiater anzurufen. Meine Medis reichen noch für ~eine Woche. Ich bin verloren.

Ich bin so unfassbar lethargisch und weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Das ist doch kein Zustand. Zumindest kein akzeptabler.

Grenzenlose Unmöglichkeiten

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Was habe ich eigentlich immer gemacht im Internet?

Meine Situation ist die folgende: Ein dumpfes Dröhnen belagert meinen Kopf, die arme Katze tut dasselbe mit meinem rechten Arm (ich habe ihr vorhin ein Tröpchen Schmerzmittel ins Maul geträufelt, woraufhin sie sich wenig später in eine weitaus bequemere Lage hinein entspannte und ich mir erstmal eine Stunde lang das Handgelenk verrenkte, um mit der Computermaus weiter navigieren zu können), mir ist ein wenig zu warm, mein Hintern tut vom Sitzen weh wie schon die vergangenen Tage immer (AoE II lässt grüßen; dank R bin ich jetzt ein hilfloser Suchti), und die Fülle von Möglichkeiten hinter der zuvor so lange verschlossenen Tür meines Browsers überfordert mich. Maßlos.

So etwas Uninspiriertes hat die Welt noch nicht gesehen. Ich muss erstmal die ganzen Schranken in meinem Kopf wieder abbauen und die Überwindung aufbringen, die ganzen Menschen zu kontaktieren. Ein paar habe ich schon geschafft heute (sonst würde mich auch meine Mikrowellenkatzenkollegin morgen nicht besuchen kommen), aber so viele stehen noch aus. Und natürlich packe ich das nicht alles auf einmal. Wo kämen wir denn da hin. Zeit nutzen war dieses Jahr nicht unbedingt meine größte Stärke, obwohl ein entsprechender Ausriss aus irgendeiner Zeitschrift im Flur an meiner Tafel hängt („jetzt Zeit nutzen…“). Der hängt seit Jahren an dieser Tafel, mit Ausnahme der Taborweg-Zeit, die das gute Stück im Keller verbringen musste, aber viel genützt hat er mir nicht. Oder eher: Viel genutzt habe ich ihn nicht. Meine Güte, was bin ich abgesackt in Untätigkeit dieses Jahr.

Ich setze, wie mir gerade aufgeht, eine stille Hoffnung in diese meine endlich mögliche Wiederaufnahme des regelmäßigen Schreibens. (Sicher, schreiben hätte ich auch offline können, aber um Himmels Willen, woher die Motivation nehmen, wenn am Ende kein Abschicken-Button gedrückt werden kann. Ich tue das hier ja nicht umsonst vor (hypothetischem) Publikum. Und es erstaunt mich immer wieder, was für Selbstheilungskräfte im Veröffentlichen meiner wirren Gedanken stecken. Wobei es absolut Sinn macht, wenn ich bedenke, dass es mir selten genug in den Sinn kommt, etwas für mich zu erreichen, wenn es sonst niemand mitbekommt. Das Gefühl, mich selbst nicht enttäuschen zu können, habe ich erst, wenn jemand Anderes involviert ist. Konfrontation mit den Dingen, die getan werden müssen, ist also um Einiges möglicher, nachdem der Welt verkündet wurde, dass sie getan werden müssen. Und somit letzten Endes auch endlich mir selbst.

Ketten ölen

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Langsam geht es dem Ende zu. Ich habe nichts mehr zu tun, aber doch genug, um erst recht nichts tuend herumzuhängen und mich innerlich zu beklagen, wie leer mein Leben doch geworden ist. Dass ich mich im Moment sehr schwer damit tue, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, dürfte ein entscheidender Faktor sein. Aber auch Geschichten wie mein verlagerter Haushalt (nein, ich habe nicht den Elan, jedes Mal zu Basti in die Wohnung zu fahren, wenn mir danach ist, mal wieder eine Gitarre in die Hand zu nehmen), sich nicht meldende Exkommilitoninnen (von Lisa habe ich seit dem Tag, an dem ich ihr zufällig mit diesem merkwürdigen Couchsurfer, Hesham, in der Stadt über den Weg lief, nichts mehr gehört) und eine heftige Lethargieattacke (ich könnte arbeiten gehen – meine Stelle habe ich nach wie vor, nur keinen Nerv, sie in Anspruch zu nehmen, weil ich schon so aufs Weggehen eingestellt bin. Ganz zu schweigen vom letzte Woche wieder begonnenen Semester; eine weniger gelähmte Version von mir würde mich erwürgen dafür, dass ich Euskera in vollem Bewusstsein bereits ein Mal habe ausfallen lassen, nur weil ich nicht in der Lage bin, kurz meine Uni-Mails zu checken, um zu erfahren, wann es stattfindet) spielen ihre Rollen in vortrefflicher Perfektion.

Da ich aber natürlich nicht so weitermachen will, nehme ich mir für morgen Folgendes vor:

  1. Zum Kaufland gehen, um Guthaben af mein Handy zu laden.
  2. Zur Tafel gehen und dort Essen retten.
  3. Im Taborweg den Keller fegen, wenn ich Waltraud die Essenslieferung bringe.
  4. Zu Vodafone gehen, um den Taborweg-Vertrag zu kündigen (oder auf Eis zu legen, bis ich sicher weiß, dass die neue Wohnung in trockenen Tüchern ist, um ihn dort wieder aufzunehmen).
  5. Zur Commerzbank gehen und die verdammte TAN-Geschichte endlich klären. (Frag nicht. Es nervt.)
  6. Zu Foodo gehen und dort Essen retten.

Nach Euskera schaue ich jetzt schonmal. Wobei ich sagen muss, dass es frustrierend ist, sich nicht mehr mit seiner Studentenkennung im System anmelden zu können. Mit einiger Erleichterung habe ich nun auch herausgefunden, dass weder Ort noch Zeit des Euskera-Kurses bisher dort eingetragen sind und ich auch keine Mail von Esti in der Inbox hatte, die über meinen Verbleib hätte inquirieren wollen. Dann aber nächste Woche – ich hab‘ ihr geschrieben, sie möge mir doch mitteilen, wann ich wo sein soll, um zwischen die Ketten meines rostigen Euskera, in dem auch die Nachricht verfasst war, wieder etwas Öl zu bekommen.

Winter, geh weg.

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Draußen ist es kalt, und ich muss gleich los. Jetzt, eigentlich. Suboptimal.

Ich hab‘ Panik und Dinge zu tun, die ich vorziehen würde nicht zu tun. Nicht jetzt. Nein, viel schlimmer, bald.

Und ich halte es bald nicht mehr aus, ununterbrochen so müde zu sein. Wüsste ich nicht, was mich erwartet, wenn ich die Ursache der Müdigkeit aus meinem System entferne, hätte ich es schon vor Jahren getan. Oh warte, ich habe es vor Jahren mal getan, nur um dann festzustellen, lieber ein Leben lang müde als eine Sekunde ohne Medikamente.

Ich gehe los. Draußen wird’s besser. Nur erstmal aus dem Bett raus und ab in die Kälte. Bewegung. Ein Ziel. Aufrechte Position. Eine Sache weniger zu tun.

Mir fehlen die Worte…

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Ich bin praktisch mit vier Fünfteln des Inhalts meiner BA-Thesis fertig und komme bisher auf 4806 Wörter, was besorgniserregend ist, da ich eigentlich 10 – 15000 brauche. Das heißt, die Hälfte meiner Thesis wird am Ende aus Füllmaterial bestehen. Ugh, ich will gar nicht drüber nachdenken.

Ich muss aber darüber nachdenken, weil es sich ja nun leider so verhält, dass das Ding am 8. Januar in Sack und Tüten sein muss – ugh, ich will gar nicht drüber nachdenken.

Auch darüber muss ich aber nachdenken, weil es doch ziemlich ärgerlich wäre, so weit gekommen zu sein und dann am Ende einfach nicht genug Wörter zusammenzuhaben.

Was treibe ich mich überhaupt schon wieder hier herum. Schreiben sollst du, schreiben.

Naja, ich schreibe doch. Hier fallen mir wenigstens Wörter ein. Wörter wie Sonne, deren Licht sich heute durch den wolkenlosen Himmel ausbreitet und ohne jeglichen Widerstand bis auf die Wand unseres Gartenschopfes prallt, fünf Meter von mir entfernt – mir, die ich in meinem Zimmer sitze und ab und an fasziniert nach draußen schaue, bevor ich mich wieder dem Computer vor meiner Nase zuwende. Eigentlich muss ich noch raus heute, bevor es sich am Ende wieder zuzieht und ich diese einmalige Chance auf Licht und Vitamin D bachelorarbeitsbegründet ungenutzt verstreichen lasse. Ja, weißt du was, ich ziehe mich an und gehe raus. Eine kleine Fahrt zum Großhandel wird mir nur guttun. Ich kann ja danach weitermachen.

Oh Fuck. Ich muss der einzige Mensch weltweit sein, der sich zum Rausgehen mit Containern motiviert und dieses dann extra frisch geduscht und angezogen zelebriert, während er eigentlich nur an die Sonne will. Aber meine Güte, besser is‘ – oder wäre es etwa von Vorteil, wenn ich gar nichts hätte, mit dem ich mich motivieren könnte, und es wieder den ganzen Tag nicht aus dem Bett schaffen würde? Na siehst du.

Am besten war R neulich: „Du bist doch nicht lethargisch. Du bist das blühende Leben!“ Selten so gelacht. Wie schade, einerseits, dass er nicht merkt, dass mein Tatendrang seit Wochen gegen null geht. Wie beruhigend, andererseits, dass ich den Anschein erwecke, als stünde mein Leben in voller Blüte. Und ich hab‘ ja auch wieder bessere Laune. Zum Glück. Und bald kommt meine Sonnenlichtlampe, dann wird alles noch viel besser.

Sag was. Du schaffst das, es sind nur Wörter.

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Wie ich befürchtet hatte, habe ich es nicht geschafft, Basti und R beim „Kicken gegen Rassismus“ zuzusehen – da hätte man ja um 10 aus dem Bett kommen müssen, seit wann schaffe ich sowas ohne verpflichtende, bindende Termine.

Stattdessen schlief ich bis 12, befand meine Stimmung danach für gut genug, um mich in die Küche zu begeben, habe mir ein Frühstück zubereitet, die Wäsche von gestern aufgehängt und eine neue in die Maschine gestopft, mir eine To-Do-Liste für den restlichen Tag erstellt und mich daran gemacht, diese abzuarbeiten. Alles in allem also ein ziemlicher Erfolg bisher. Ich habe zwar ein paar kleinere Probleme mit dem Bankwechsel, den ich mir vorgenommen hatte heute zu vollziehen, aber das lässt sich irgendwie beheben und ist nicht weiter tragisch. Also müsste ich nun mit dem nächsten Punkt, BA-Recherche, weitermachen und hoffen, dass das erfolgreicher wird.

Meinen Nerven geht’s heute jedenfalls wieder besser. Den fast schon obligatorischen täglichen Heulanfall hat gestern Basti abbbekommen, unverdienterweise, aber da er auch derjenige ist, der es am besten versteht, mich wieder aufzubauen, wurde es kein vollkommenes Disaster.

Es ist halt mega-unfair, wie mir Basti gut zuredet und verspricht, jeden Tag vorbeizukommen und mir Feuer unterm Arsch zu machen und sich meine Fortschritte (oder was ich stattdessen mache) erzählen zu lassen, mir androht, wie ein nerviger Schuljunge fünfundzwanzigmal die gleiche Frage zu stellen, meinen Freunden mitteilt, dass ich jetzt aufhören werde, mit ihnen zu skypen, weil ich eine Bachelorarbeit zu recherchieren habe, mich immerzu fragt, wie weit ich bin und ob ich etwas gearbeitet habe, mir sagt, dass ich das schaffe und es eine Selbstverständlichkeit ist, dass er mir hilft – „es ist ja sonst niemand da, der’s macht“ – während mein Freund, der übrigens Linguistik studiert hat und qualifiziert wäre wie kein Anderer, mir in meiner Unfähigkeit auf die Sprünge zu helfen, für meine Situation ungefähr so viel Hilfsbereitschaft, Verständnis und Interesse aufweist, als wäre mein Wohlbefinden das Letzte, um das er sich zu kümmern hätte. Und auf ein wirklich schon aus der reinen Verzweiflung geborenes „Ich komm nicht weiter. Ich schaff es einfach nicht“ (denn, after all, ich habe ja bereits festgestellt: Your chances go up if you file an application) hin sich kurz vom Zocken ablenken lässt und sagt, „das nennt man Studium“.

Er hat keinerlei natürliches Bedürfnis zu helfen. Er lebt für Politik und Weltverbesserungsideen, aber meinst du, er kommt darauf, sich direkt vor seiner Nase umzugucken, ob da jemand Probleme hat? Muss ich also lernen, auf meine alten Tage noch, um Unterstützung und Hilfe zu bitten? Äh, ich bin eins von den Individuen, die eher sterben würden, als von anderen Leuten Gefallen einzutreiben.

Naja, man merkt’s ja. Quäl dich ab und werd depressiv und baue dir monströse Probleme in deinem Kopf auf, anstelle „einfach mal“ was zu sagen. Ich glaub fast, mir tut das ganz gut; der Mensch hat immer was zu lernen, und diese Lektion war bei mir schon längst mal überfällig.

Antriebslos, oder auch nicht, oder aber doch.

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Na, die Motivation für die wiederaufgenommene BA-Recherche hat ja lang angehalten. So sehr ich Bastis und Roberts Arschtritt auch brauchte und schätze, die Wirkung lässt nach geschlagenen zwei Tagen schon wieder zu wünschen übrig.

Wenn ich nur nicht so müde wäre.

Sarah kommt gleich zum Proben. Warum nur habe ich ihr nicht abgesagt, warum nur nicht. Ich will nicht proben. Ich will überhaupt nichts tun.

Und genau darin besteht das Problem. Ich weiß schon, warum ich ihr nicht abgesagt habe. Das hätte geheißen, mich meiner Lethargie zu ergeben.

Warte mal, ich geh absagen.

Okay, Fail. Also bedingt Fail, bedingt Win: Ich habe Sarah abgesagt mit der Begründung, ich sei hochmotiviert, die Recherche für meine BA-Thesis in genau diesem Moment wieder aufzunehmen, und wurde über meine Motiviertheitsbeteuerungen wieder richtig wach und gut gelaunt; jetzt habe ich soeben Sarah abgesagt, weil ich mich zu schlapp und lethargisch für Bandprobe gefühlt habe, und bin aber nunmehr vollkommen un-schlapp und un-lethargisch und könnte eigentlich ohne Probleme proben und die Recherche danach betreiben – R arbeitet eh bis zehn und ist dann so gegen halb elf da, bis dahin hätte ich also Zeit. Okay, aber ich könnte es genausogut jetzt hinter mich bringen und dann noch in aller Ruhe kochen und mit Basti chillen, falls der noch kommt heute.

Ich merke so langsam, wie die Motivation wieder nachlässt. Scheiße.
🙄

I’m a construction site with no body plan. I’ll never be finished unless I’m shown directions.

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Genau das, was ich heute tue, hat irgendwann in ferner Vergangenheit einen Großteil meines Lebens ausgemacht: Nichts. Ich hänge mit Schlafzeug und schlechtem Gewissen im Bett, gammele, schaue mir Videos an, muss aufs Klo, bin zu faul zum Aufstehen und schreibe mit Kepa über selbstgebastelte Aufsitzrasenmäher, aka Schaf mit Stuhl drauf, eifersüchtige Kartoffeln, die auf meiner Terrasse wachsen, und Kunstwerke aus den inneren Strünken von Möhren. Nebenbei betreibe ich halbherzige, unorganisierte Recherche zur Pflanz- und Erntezeit verschiedener Gemüsesorten und verdränge konsequent die Existenz von Neurolinguistik in meinem Leben. Die sowie die akute Notwendigkeit, mich anlässlich der Klausur am Dienstag damit auseinanderzusetzen.

Tage wie heute habe ich vermisst. Auch wenn ich permanent daran denke, was ich gerade alles tun sollte und könnte.

Schrieb ich gestern um diese Zeit, bis Basti kam und wir unsere Projektfinanzen genauer unter die Lupe nahmen, ein wie erwartet deprimierendes Unterfangen. Dann rief mich Lena an, um unsere Verabredung fürs Wochenende zu konkretisieren, und nachdem sie nebenbei erwähnte, dass bei ihnen in der WG seit einer Woche der Spülen- und Spülmaschinenabfluss verstopft war, beschloss ich kurzerhand, dass mein Privathandwerker und von R respektvoll mit Kleinstadt-MacGyver betitelter Allesreparierer das in die Hand nehmen sollte. Also fuhren wir im ekligen Regen zu Lena hoch, wo Basti in Zusammenarbeit mit den restlichen in der WG anwesenden Jungs das unmöglich Scheinende möglich machte und die Siedler-WG zurück in einen spülmaschinen- und spülerfüllten Zustand führte. Dann noch Containern und ab nach Hause, wo wir wie tot ins Bett fielen und ich heute Früh nichtmal mitbekam, wie sich der Arme um halb neun Uhr auf zur Arbeit machte.

Geweckt wurde ich stattdessen um kurz vor zehn durch einen Anruf meiner Mutter. Nachricht des Tages: sie will sich von ihrem letzten Geld ein Rustico in Norditalien kaufen, 160.000m² Grundstück und ein vollständig renoviertes Häuschen mit Strom und Wasser und drei Zimmern auf drei Stockwerken. Niedliche 100m² Grundfläche, aber was will sie auch mit noch mehr Platz. Ein Bachlauf auf dem Grundstück. Fünf Kilometer zum See. Und dazu die ergreifende Zuneigungsbekundung, ich würde das Ding nichtmal bekommen, wenn sie stirbt, sofern ich nicht vorher gearbeitet habe.

Hm. So war sie schon immer. „Wir haben uns alles, was wir haben, hart erarbeitet und du wirst das Gleiche tun.“ Wirklich, ohne Sarkasmus whatsoever, ich liebe diese Einstellung. (Die sie übrigens nicht davon abhält, mir weiterhin monatlich Unsummen an Geld zu überweisen; da kann ich ihr dreitausendmal sagen, dass sie es lassen soll, sie lässt sich einfach nicht überzeugen.) Nur dass es heute natürlich wieder in ein erhitztes Gespräch über Arbeit im Allgemeinen und meine Lage im Spezifischen ausartete, freut mich wenig. Wenn ich sie nur nicht so gut verstehen könnte. Ihre Herangehensweise löst trotzdem jedes Mal wieder reflexartige Widerstandsmechanismen bei mir aus, was traurig ist, weil ich so vermutlich noch mehr den Eindruck erwecke, uneinsichtig und weltfremd zu sein. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Eindruck sowieso nicht unbedingt der trügerischste ist, führt es einfach nur immer wieder zu abgebrochenen Telefonaten und ekelhafter Stimmung und Hilflosigkeitsgefühl auf beiden Seiten.

Jetzt habe ich mit Trudi beschlossen, einen Versuch zu starten, natürliche Pflegeprodukte herzustellen und zu verkaufen. Damit ist selten jemand reich geworden, schätze ich, aber besser als nichts wäre es doch auch schonmal. Außerdem werde ich mich auf der Stelle umsehen, inwieweit es realistisch ist, dass Leute zu mir kommen und sich von mir helfen lassen, ihre Bewerbungen zu schreiben. Beziehungsweise wie man das erreichen könnte. Ich weiß genau, dass ich dafür geschaffen bin, Leute dabei zu unterstützen, ihre Anliegen jeglicher Art mit einer Präzision und angebrachten Wortwahl zu verbalisieren, wie sie es allein einfach nicht schaffen. Du sagst mir, was du sagen willst, und ich schreibe es für dich. Das tue ich seit Jahren für meine Freunde und Familie. Es muss einen Grund geben, warum man mit so etwas zu mir kommt. Es bereitet mir die größte nur denkbare Freude, jemandem zu ermöglichen, sich auszudrücken. Sie sind so rührend begeistert jedes Mal. Das tut mir gut; ich bin so süchtig nach Bestätigung. Das ist Arbeit, die ich gerne verrichte.

Ferner bin ich dafür gemacht, Texte Korrektur zu lesen. Ohne mich in irgendeiner Weise über den grünen Klee loben zu wollen, aber mein orthographisches und grammatikalisches Verständnis ist irgendwie doch ziemlich stark ausgeprägt. Mein eigener Freund nennt mich einen Sprachnazi (was verständlich ist, weil er wiederum selbst so sprachnazihaft durch die Welt zockelt, dass ich mich ihm gegenüber wenig bis gar nicht zurückhalte und mein Sprachnazitum praktisch in Gänze ausleben kann, ein seltenes Privileg in dieser gleichgültigen, unverständigen Welt). Fehlerhafte Texte machen mich fertig, ich kann es nicht anders sagen. Am liebsten würde ich sie alle korrigieren, alle wie sie da sind, sogar unentgeltlich, aber ich glaube, das wäre bezüglich meiner eigentlichen Lebensplanung gerade kontraproduktiv. Ebenso, wie ich am liebsten der ganzen Welt umsonst Sprachen beibringen und Nachhilfe geben würde, mich aber andererseits schrecklich aufrege, wie die Eltern meiner beiden Schüler mich bezahlungstechnisch ausbeuten. Wo ist der Mensch, der gerne von einer hochqualifizierten Person etwas lernen möchte und bereit ist, im Gegenzug dazu beizutragen, dass sie ihren Lebenszweck erfüllen kann? Wer kauft mir meine eingekochten Semmelknödel aus geretteten Zutaten in geretteten Einmachgläsern ab?

So viel zu meiner Berufung. Fragt sich, wie um alles in der Welt ich in irgendeinem der genannten Bereiche an Aufträge Schrägstrich Abnehmer komme. Werbung machen ist ja mal so gar nicht mein Ding. Und meine Qualifikationen, so real sie auch sein mögen, stehen nunmal auf keinem Papier geschrieben. Ist halt kein Stempel drauf, das will doch keiner. Dass es hierzulande wenig geschätzt wird, was man vom Leben gelernt hat, ist nicht unbedingt die neueste Neuigkeit. Aber alles Andere widerstrebt mir so über alle Maßen. Ich fühle mich schon wieder gefangen. Gleichzeitig bin ich kaum je motiviert genug, einfach mal Bemühungen anzustellen, es auf meine Art und Weise zu versuchen. „Das wird doch eh nichts“ ist der Anfang und das Ende meiner Träume gleichermaßen. Das muss ich in den Griff kriegen, sonst blüht mir eine düstere Zukunft.