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Tee in der Matrix

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Ich bin gerade zu der erhebenden Einsicht gekommen, dass einige Schritte weg vom geldverbundenen Konsum mit einem hochgradig geringen Aufwand zu erreichen sind, so gering, wie es nicht einmal mir je bewusst war. Ich bin dahintergekommen, dass uns allein das Wort „Verzicht“ die riesigsten Steine in den Weg legt, und dass dieses Wort eine Lüge ist und bei uns im Hirn so felsenfest manifestiert, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis wir das üble Konstrukt aktiv abgebaut haben. Dass die Gesellschaft mit absurden Standards lebt, und dass so oft hinter dem „ja, aber ich müsste auf so Vieles verzichten“ eigentlich steckt, „ich würde mir so Vieles nicht mehr zuführen, was mir schadet“.

Das sind jetzt wirre Worte, das ist mir bewusst; das ist kein fertig ausformulierter Gedanke, sondern einfach das schnelle Dokumentieren meiner (späten) Erkenntnis dessen, was sich die Menschen heutzutage vorleben. Manchmal habe ich so lichte Momente, in denen mir auf einmal klar wird, wie allumfassend auf der einen und zerbrechlich auf der anderen Seite das Gespinst eigentlich ist, in dem wir alle leben. Es ist eine Matrix. Wir sind die Matrix. Es erfordert nur einen einzigen Klick, ein Umschalten der Gedanken, um sich das vor Augen zu führen.

Es kam eigentlich dadurch, dass ich im Garten war und wieder darüber nachdachte, den Salbei und die Zitronenmelisse vor dem Winter zurückzuschneiden. Darüber kam ich dann auf unsere Teevorräte und darauf, dass ich mir eigentlich mit den Kräutern aus unserem Garten genug Tee für den Rest meines Lebens machen könnte. Dann dachte ich, naja, aber dann hätte man eben nur noch Kräutertee im Haus. Und dann dachte ich, aber was gibt es auch Gesünderes. Selbstgemachter Tee und nix industriell Gefertigtes. Und meine getrockneten Apfel-Grapefruit-Stückchen habe ich ja auch noch.

Also, liebe Welt, höre meine Verkündung: Ich kauf‘ mir nie wieder Tee, solange ich meine Kräuter habe.