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Bienensterben

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Ich bin eine Biene.

Es scheint in der Arbeitswelt des Kapitalismus verschiedene Sorten Coping strategies zu geben, welchen sich einzelne Menschen zuordnen lassen. Ich kann unter der einkommensschwachen Bevölkerung bisher Milchkühe und Bienen unterscheiden. Ich bin eine Biene, weil ich wohl zu der etwas schwieriger auszubeutenden Sorte Mensch gehöre. Die Milchkühe kannst du um ein Vielfaches schlimmer misshandeln und quälen, sie liefern trotzdem. Mit Bienen musst du anders umgehen, weil sie so eng an ihre Bedürfnisse gefesselt sind, dass sie einfach sterben, wenn du ihnen zu viele Freiheiten nimmst. (Ein Grund, aus dem ich den Honigkonsum immer noch weniger verwerflich finde als den Milchkonsum.)

Ich schaffe es nicht, mir Arbeit aufzwingen zu lassen, die mir Dinge abverlangt, die für mich keinen höheren Sinn haben. Ich fühle mich immer noch wahnsinnig schlecht deswegen, sogar noch mehr, seitdem ich begonnen habe zu durchschauen, dass dieses ganze System nichts weiter ist als eine Riesenmatrix, und schaue mit einer Mischung aus Bewunderung, Verachtung und Unverständnis in diese gigantische Milchfabrik hinein, die die Welt zu sein scheint. Warum kann das jeder?

Ich sehe jeden einzelnen Menschen auf der Straße und denke mir, sie schaffen es alle, sich irgendwo hineinzuzwängen. Die Straße müsste blutrot glänzen unter all den abgehackten Zehen und Fersen, die Schuhe müssten triefen und langsam zerfallen. Jeder außer mir scheint in der Lage sein, sich versklaven zu lassen. Einige sogar freiwillig. Manche sogar gerne. Und ich, von all den dummen Menschen auf der Welt, ich bin der dümmste, weil ich es nicht schaffe.

Mein Schüler-Imperium ist von einer auf zwei angewachsen und ich kann mir endlich wieder gewahr werden, dass es wirklich existiert, mein ideales Arbeitsfeld. Eines, das nichts mit Essenretten und Marmeladekochen und Waschmittelmachen und Basilikumpikieren und Maronensammeln und Staubsaugen zu tun hat. Wo mir meine Leistungen mit Geld bezahlt werden, das ich auf die Deckung meiner Grundbedürfnisse verwenden kann. Ein Dach über dem Kopf und Elektrizität zum Beispiel. Und vielleicht bald ein neues Paar Kopfhörer, womit ich schon seit Ewigkeiten liebäugele. Das reicht mir ja schon völlig. Da kann ich einer meiner Berufungen nachgehen und bekomme noch etwas zurück. Solange ich noch eingeschrieben bin, wird das auch zum Leben reichen.

Neulich am See… (Because why the hell not.)

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Wenn man bedenkt, dass ich in Heulkrämpfe ausbreche, sobald jemand in meiner Gegenwart das Wort „Poly“ auch nur in den Mund nimmt (wobei „Polyester“ noch halbwegs zu verkraften ist, „Monopoly“ dagegen schon immer unangenehme Konnotationen weckt und ich jedes Mal zu Gowai bete, dass niemand das Wort an sich aufschreibt, wenn die vier Buchstaben in entsprechender Kombination bei Boggle auftauchen)… mag es vielleicht absurd anmuten, dass ich vor etwa zwei Tagen meinen Freund bat, mich zu verkuppeln.

Dazu sollte allerdings gesagt sein, dass ich nicht davon ausgehe, tatsächlich verkuppelt zu werden. Ich bin nicht gerade leicht zu verkuppeln; nicht dass es oft Menschen versucht hätten (und das eine Mal, dass es doch versucht wurde, war es zugegebenermaßen nicht das Abwegigste, das man hätte tun können – an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an Susmita für den Versuch), aber man kennt ja sich und seine… wie heißt das… Schrullen. Genau. Das war’s.

Die Idee kam eigentlich sehr spontan und hatte vor allem den Hintergrund, dass ich gerne wissen würde, was für Kandidaten mir R zu Verkupplungszwecken so vorführen würde. Es würde schlichtweg an ein Wunder grenzen, wenn er es tatsächlich schafft. Andererseits sehe ich seinen Bemühungen (die, so, wie er sich darüber gefreut hat, ganz sicher irgendwann mal anlaufen werden) in dem Wissen, dass für mich dabei zunächst nichts auf dem Spiel steht, mit Neugierde entgegen. Ich bin monoamor; ich habe es schon dreißigtausendmal erwähnt, aber es muss ein weiteres Mal sein: Selbst meine Celebrity-Crushes verliefen in all ihrer übertriebenen Heftigkeit auf dem Zeitstrahl linear. Ich bin so gebaut. Mein Hirn ist nicht auf Abwechslung gepolt, nicht im Geringsten; mein Bedürfnis ist nicht das nach der Ausfüllung möglichst vieler Andockstellen, sondern die vollkommene, hundertprozentig sichere Verbindung mit einer. Ich bin mir demnach bewusst, dass eine erfolgreiche Verkupplung ohne Wenn und Aber dafür sorgen würde, dass meine Zuneigung zu (oder sagen wir, emotionale Abhängigkeit von) R ein schlagartiges Ende fände. Muss ja. Allein aus Selbstschutzgründen, da er sogleich verlauten ließ, dass aus einem Verkuppeltwerden meiner letztendlich die Öffnung der Beziehung zu beiden Seiten zu folgen habe. Und da, aller hypothetischen Bereitschaft zum Trotz, ich einen Punkt in meiner Entwicklung, an welchem ich eine solche Situation nervlich toleriere, in diesem Leben nicht mehr erreiche, werde ich die Gefahrenquelle fallenlassen wie eine heiße Kartoffel.

Aber wie erwähnt – ich bin nicht der Meinung, dass es geschehen wird. Kann nicht. Passt in meine Matrix nicht. Auch wenn ich mir sicher bin, dass, was hier den Eindruck einer Abwehrhaltung hervorrufen könnte, mich nicht davon abhalten sollte, etwaigen Ereignissen diesbezüglich offen in die Augen zu blicken.

Majority rule don’t work in mental institutions.

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Es ist so irritierend, nicht mehr jede Minute lang an diese Thesis zu denken. Mich überfordert dieses abrupte Verschwinden einer allgegenwärtig gewordenen Pflicht aus meinem Leben; sie war immer da – entweder, weil ich daran gearbeitet habe, oder (weitaus länger, weitaus häufiger) weil mein Gewissen mich dafür gefoltert hat, es in dem jeweiligen Moment gerade nicht zu tun.

Meine PMS haben mich recht fest im Griff. Ich habe mich in den letzten paar Tagen so sehr von Dingen mitnehmen lassen wie zuvor in meinem halben Dasein nicht. Ich habe mich sogar dazu hinreißen lassen, unter einen widerlichen, gegen Flüchtlinge hetzenden Artikel der Huffington Post (nein, ich verlinke den nicht; den Herzinfarkt will ich dir ersparen – bitte lies nie wieder diese Website) einen ausschweifenden Kommentar zu schreiben, um meinem Entsetzen Ausdruck zu verleihen. Jetzt ernte ich die Früchte: Haufenweise von Dummheit zeugende Kommentare von genau solchen Menschen, wie sie für das Entstehen solcher Artikel verantwortlich sind. Scheiße, ich bin in R’s Leben gelandet.

Ich habe vor sehr Kurzem erst gelernt, wie naiv ich eigentlich aufgewachsen bin. Wie unglaublich weltfremd in dieser Hinsicht. Ich war bis vor ganz Kurzem noch der Meinung, in einem Land zu leben, das seine Vergangenheit überwunden hat. In dem es zwischen Osten und Westen nicht den geringsten Unterschied mehr gibt (du musst dir das vorstellen; ich habe das wirklich geglaubt). Meine Güte, ich war davon überzeugt, in einer Welt zu leben, in der man Rassismus keine Plattform mehr gibt, in der das Wort „rechts“ allein schon mit übelster Beleidigung gleichzusetzen ist, in der man gelernt hat, Menschen unabhängig von weiteren Faktoren als das Individuum zu sehen, das sie sind. In der das Wort „Ausländer“ unfallfrei zu gebrauchen ist, weil es einfach keine Wertung mehr enthält. Für niemanden. Ich hielt es für selbstverständlich, dass zwischen Männern und Frauen kein Unterschied gemacht wird, und dass hierzulande heutzutage jedes Kind Werte eingepflanzt bekommt, die es ihm ermöglichen, eine Person nach ihrem Verhalten zu beurteilen. Zwischen Einzelpersonen und Kollektiv zu differenzieren. Ich dachte, wie wären schon längst so weit.

Mittlerweile bin ich geheilt, tue Beispiele der im Grunde omnipräsenten Bosheit und Ignoranz nicht mehr als Ausnahmefall ab; so viel habe ich gelernt inzwischen. Auch, dass das Mindset, welches ich aus meinem Elternhaus mitbekommen habe, um ein Vielfaches kostbarer ist, als ich je ahnen konnte. Und dass die wunden Punkte, die ich bei meinen Eltern in politischer und ideologischer Hinsicht nie müde wurde zu kritisieren, im Angesicht dessen, was auf diesem Planeten sonst so rumkriecht und sich Mensch schimpft, wahre Luxusprobleme sind.

Aaaaaaahh

Edit: Du solltest dir das zweimal anhören; ein Mal ist zu wenig, um sowohl den Text als auch das Video zu prozessieren. Und beides verdient prozessiert zu werden.

Was ist denn überhaupt los?

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(Hallo, Monia. Und hallo Caro, es tut mir leid, ich hab‘ ein klein bisschen geschwindelt vorhin, aber hätte ich dir gesagt, dass es mir grottig geht, hätte das unschöne Konsequenzen für deinen Abend gehabt, und das war ja nun wirklich nicht Sinn und Zweck der Sache.)

Nichts ist los. Txarrak berri, die schlechten Neuigkeiten. (As opposed to „zaharrak berri“, den alten Neuigkeiten, „das Übliche“, wie die Antwort eigentlich lauten sollte. Lisa hat damals mit ihrem Versprecher wieder einmal ein herrliches geflügeltes Wort geprägt.)

Ist aber tatsächlich so. Nichts los, alles los, sie hat depressive Attacken seit Tagen und dreht irgendwie am Rad, ein kleines idealistisches Ding, das dachte, es hätte einfach auch endlich mal ein Ziel im Leben, seine ganze Hoffnung in Utopien setzt und sich am Ende wundert, dass sein Umfeld seine Visionen nicht teilt. Meine Mutter hat es an sich, Bedenken jeglicher Art durch Angriffe gegen genau die Person zu äußern, um die sie sich eigentlich sorgt. Eine in höchstem Maße tödliche Angewohnheit, die ich leider Gowais übernommen habe und aber trotzdem nicht auch nur ansatzweise aushalte, wenn man sie bei mir anwendet. Und sie ist jemand, der sich viel und ausgiebig sorgt. Gestern Nachmittag hatte sie mich so weit, dass ich ihr nach etlichen abgewürgten Telefonaten den AB mit der Erkenntnis zuheulte, sie hätte ja Recht gehabt, ich hätte keine Chance, keinen Plan und keine Hoffnung und wäre nicht dazu gemacht, meine Träume zu verwirklichen. Ich habe ihr in meinem ganzen Leben nicht so ein Eingeständnis meines Unrechts zukommen lassen wie diese Nachricht gestern.

Von der Resignation ist noch genug übrig, auch wenn ich inzwischen wieder annehme, das Ganze lebend überstehen zu können. Ich habe im Zuge der Aufgebattacke erstmal meinen WWF-Spenderauftrag gekündigt, weil ich mir mit einem Mal sicher war, dass all meine Bemühungen, diese Welt meinem Bild einer besseren anzugleichen, völlig für den Arsch wären. Ich kann ja doch nichts ändern, meine Ideale sind für niemanden nachvollziehbar und das, was ich aus meinem Leben machen wollen würde, ist etwas, das mir in dieser Gesellschaft aus den absurdesten Gründen auf ewig verwehrt bleiben wird. Und was mir natürlich wieder den Rest gab, das kann sie gut – sie hat, eher unbewusst, schätze ich, mit meiner Angst vor dem Verlassenwerden gespielt, meiner einzigen wirklichen Angst, die ich habe auf der Welt. Was ich machen würde, wenn sie alle irgendwann ihre Familie hätten, fragte sie. In deinem Alter träumen sie alle. Aber irgendwann haben sie alle Familien, gehen weg und lassen dich allein. Was machst du dann, alleine auf deinem Kotten? Wer geht aufs Feld, arbeiten, wenn du krank bist? Wenn du nach fünf Jahren deinen Körper kaputtgeschuftet hast? Die denken vielleicht, dass sie für immer mit dir auf dem Hof bleiben wollen, aber am Ende bleibst du trotzdem alleine übrig mit deinem Öko und deiner Selbstversorgung. Und nein, sie werden dir nicht helfen. Sie können sich aussuchen, ob sie dir unter die Arme greifen wollen oder ihren Kindern Klavierunterricht bezahlen können. Und da nützt dir jede Kosten-Nutzen-Rechnung nichts, wenn du eh vorhast, nur Bettelbriefe zu schreiben.

Warum, hätte ich eigentlich fragen können, wäre ich noch dazu in der Lage gewesen, lassen sie dann nicht einfach mich ihren Kindern Klavierunterricht geben. Problem gelöst.

Sie hat mit allem Recht, aber sie geht von einer komplett anderen Realität aus, als ich es tue. Und sie schafft es nicht, sich Sorgen zu machen, ohne mich dabei in Grund und Boden zu stampfen, sodass ich am Ende der festen Überzeugung bin, mein Leben lang unerreichbaren Idealen hinterhergerannt zu sein und schlicht und ergreifend keine andere Wahl zu haben, als mich dem System anzupassen, das ich so über alle Maßen verabscheue. Sie verachtet mich dafür, dass ich das System verachte. Sie fühlt sich davon persönlich angegriffen, dass ich offen zugebe, dass mir ein von Geld und Geldbeschaffungsmaßnahmen bestimmtes Dasein völlig zuwider ist. Sie interpretiert meine Ablehnung bezahlter Arbeit als Faulheit. Ich könnte einen ganzen Wasserfall schreiben, andererseits bin ich todesfertig und muss schlafen. Dringend. Ich leg‘ R den Schlüssel vor die Tür und verabschiede mich fürs Erste.

Foltermethoden, Linguistik und lichte Momente.

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„To Janet and Eun-Sook“.

Ich überlegte flüchtig, während ich mich in meiner Position auf den Gartenkissen noch einmal zurechtrückte, so, wie es Dari damals immer gemacht hat, wenn sie zu mir kuscheln kam, was für ein erhebendes Gefühl es sein muss, wenn einem ein Einführungsbuch in die Morphologie gewidmet wird. Und ob ich es lieber hätte, dass man mir ein Buch dieses Kalibers widmet oder vielleicht lieber gar keins.
Andererseits, zer dakit nik, es können ja Janet und Eun-Sook genausogut begeisterte Linguistiknerds sein, die nichts lieber lesen als ihre Namen an vorderster Stelle dieses Einführungsbuches in die Morphologie.
Oder aber der Autor ist mit Janet und Eun-Sook bis aufs Blut verfeindet und hat die beiden im Zuge eines genialen Geistesblitzes für alle Ewigkeit in diesem hocheffektiven Folterinstrument eingesperrt. Oder so.

Eigentlich habe ich das Buch nur mit rausgenommen, um zu vermeiden, dass mein Gewissen mir Probleme macht. Es war heute der erste heiße Sonnentag seit über einer Woche, und ich hätte es niemals übers Herz gebracht, ihn nicht zumindest teilweise weg vom Computer im Garten arbeitend zuzubringen (und somit fern von allem, was mir für meine Bachelorarbeit wirklich von Nutzen ist, sofern man einen Vorrat an Wärme, Licht und Frischluft sowie einen Grundstock an guter Laune nicht als elementare Notwendigkeit ansieht).

Es ist magisch da draußen, und ich bin mittlerweile mit meinem langsam erwachenden, sich Stück für Stück von den Fesseln meiner Matrix befreienden Denken an einem Punkt angelangt, an dem ich es mir selbst gegenüber kaum noch vertreten kann, auch nur einen weiteren Gedanken auf das zu verwenden, was man allgemeinhin als berufliche Qualifikation bezeichnet. Abschluss. Uni. Matrix.

Ich habe heute über Zäune nachgedacht. Wieder ein lichter Moment, einer von der Sorte, die einen bei auch nur ansatzweise gehäufterem Auftreten maßlos überfordern würden. Meine werden seit geraumer Zeit häufiger. Irgendwo machen mir die Momente Angst. Wenn du die alltäglichsten Dinge mit einem Mal nicht mehr verstehst, so, wie es mir heute mit den Zäunen ging. Ich habe mir auf einmal die Welt ohne Zäune vorgestellt. Zäune, Mauern, Barrieren jeglicher Art. Dann fiel mir ein, dass es vermutlich gesetzlich vorgeschrieben ist, sein Grundstück einzuzäunen. Jetzt komme ich nicht mehr umhin, die schlichte Abstrusität des Konzeptes Zaun auf alles an menschlichen Eigenschaften auszuweiten, denen die Zustände, in denen wir leben (und die wir größtenteils für viel zu selbstverständlich erachten, um überhaupt nur auf die Idee zu kommen, sie in Frage zu stellen), zu verdanken sind. Ich hoffe einfach, dass ich nicht vollends verrückt werde, je mehr Löcher sich in der Matrix auftun.

Ich habe außerdem angefangen, für meine BA zu recherchieren, denn ich möchte es wenigstens versuchen.

Produktiv in der Matrix

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Wie produktiv ich heute schon war. Ich habe mir endlich Irudi Biluztuak zu Ende herausgehört, die letzten und widerspenstigsten Stellen. Jetzt muss ich es nur noch spielen können. Meine allesamt um mindestens eine Hautschicht ärmeren Fingerkuppen überstehen das Gitarrieren mittlerweile schon wieder überraschend gut, aber am Anfang.. oh, diese Schmerzen. Als hätte ich noch nie so ein Ding in der Hand gehabt.

Außerdem habe ich heute Früh zum ersten Mal eine potenzielle Schlafgelegenheit in Namibia angeschrieben. Langsam aber sicher würde ich schon gern damit anfangen, mir zumindest soweit es irgendwie planbar ist ein bisschen Struktur in meine Woche in Windhoek zu bringen. Ich hasse es, alleine zu reisen; ich hasse es wie die Pest. Und ich kenne mich – wenn ich da am Flughafen stehe und noch gar keinen Plan habe, wohin ich gehen soll, fühle ich mich hundertprozentig überfordert. Spontan bin ich dann gern wieder ab dem 25., wenn Kepa kommt und ich nicht mehr allein da herumlungere. Aber dafür suche ich mir ja auch Couchsurfing-Übernachtungsmöglichkeiten. Die, die ich angeschrieben habe, klingt jedenfalls schonmal supernett.

Nachdem wir gefrühstückt hatten, habe ich schonmal ein bisschen was für Zuhause gepackt (morgen bin ich ja vermutlich nachmittags weg und habe vormittags Panik, also besser heute so viel wie möglich erledigen) und Papa geholfen, alles Mögliche an Gegenständen übers ganze Haus verteilt auszumessen, bzw. er hat gemessen, ich habe notiert. Wie praktisch, dass er zu Weihnachten ein Laser-Messgerät bekommen hat – wer sowas hat, braucht nie wieder Zollstock oder Katzenspielzeug.
Was man sich aus einem Umzug alles für Arbeit machen kann. Aber natürlich hat das Organisiertsein auch so seine Vorteile, ich sag‘ am besten mal gar nichts, ich furchtbarer Chaos-Mensch.

Damit wurden wir eben jedenfalls fertig. Da meine Eltern beide noch keinen Hunger haben und ich dank der anhaltenden Panik todmüde bin, habe ich mich ins Bett verzogen und lasse sie unten erstmal eine Weile alleine weiterprotscheln. In der Zeit höre ich hier den Regen beharrlich auf mein Dachfenster tropfen, versuche meinen Verstand zu sammeln und hoffe, dass jemand zu Skype kommt – beides bislang erfolglos.

Lass dir gesagt sein, wir leben alle in einer Matrix. In einer kollektiven Riesenmatrix, in der jeder nochmal in seine eigene kleine Mikro-Matrix gehüllt vor sich hinexistiert. Und um Wahrheit zu lernen, müssen wir erst beide durchschauen. Lass es dir einfach gesagt sein.

Tee in der Matrix

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Ich bin gerade zu der erhebenden Einsicht gekommen, dass einige Schritte weg vom geldverbundenen Konsum mit einem hochgradig geringen Aufwand zu erreichen sind, so gering, wie es nicht einmal mir je bewusst war. Ich bin dahintergekommen, dass uns allein das Wort „Verzicht“ die riesigsten Steine in den Weg legt, und dass dieses Wort eine Lüge ist und bei uns im Hirn so felsenfest manifestiert, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis wir das üble Konstrukt aktiv abgebaut haben. Dass die Gesellschaft mit absurden Standards lebt, und dass so oft hinter dem „ja, aber ich müsste auf so Vieles verzichten“ eigentlich steckt, „ich würde mir so Vieles nicht mehr zuführen, was mir schadet“.

Das sind jetzt wirre Worte, das ist mir bewusst; das ist kein fertig ausformulierter Gedanke, sondern einfach das schnelle Dokumentieren meiner (späten) Erkenntnis dessen, was sich die Menschen heutzutage vorleben. Manchmal habe ich so lichte Momente, in denen mir auf einmal klar wird, wie allumfassend auf der einen und zerbrechlich auf der anderen Seite das Gespinst eigentlich ist, in dem wir alle leben. Es ist eine Matrix. Wir sind die Matrix. Es erfordert nur einen einzigen Klick, ein Umschalten der Gedanken, um sich das vor Augen zu führen.

Es kam eigentlich dadurch, dass ich im Garten war und wieder darüber nachdachte, den Salbei und die Zitronenmelisse vor dem Winter zurückzuschneiden. Darüber kam ich dann auf unsere Teevorräte und darauf, dass ich mir eigentlich mit den Kräutern aus unserem Garten genug Tee für den Rest meines Lebens machen könnte. Dann dachte ich, naja, aber dann hätte man eben nur noch Kräutertee im Haus. Und dann dachte ich, aber was gibt es auch Gesünderes. Selbstgemachter Tee und nix industriell Gefertigtes. Und meine getrockneten Apfel-Grapefruit-Stückchen habe ich ja auch noch.

Also, liebe Welt, höre meine Verkündung: Ich kauf‘ mir nie wieder Tee, solange ich meine Kräuter habe.

Barcelonaaa…

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Barcelonaaa… Here we coooooome!

Und natürlich muss ich sofort wieder daran denken, wie damals das Lied im Abspann von diesem Film auftauchte, so willkürlich, einen Tag, bevor ich nach California geflogen bin. Ich liebe solche Zufälle.

Und ich freue mich unglaublich auf den Urlaub! Es geht heute Abend Edit: Ungeplante Planänderung – dank ausgebuchtem Bus nun stattdessen morgen Nachmittag schon los; ich muss noch Edit: habe inzwischen meine diversen Tickets ausdrucken lassen und nehme dann den Bus um kurz vor halb zwölf Edit: fünf. Bin gegen halb sieben Uhr morgens Edit: zwölf Uhr abends da und kann gemütlich ankommen, frühstücken, ein bisschen rumlaufen und dann irgendwann Sarah vom Flughafen abholen Edit: zum Hostel tingeln und Sarah dort treffen, oh wie sehr ich mich freue. Ich habe mit einem der Menschen, die ich bei Couchsurfing zwecks Unterbringung angeschrieben hatte, verabredet, dass wir uns dort mal alle zusammen treffen; er hat sich unglaublich nett angehört und, oh Wunder, er hat nach zehn Jahren Büroarbeit seinen Job gegen ein Dasein als reisender Musiker eingetauscht. Das kann doch nur lustig werden.

Und es ist warm! Gerade Neujahr vorbei und wir haben über 10 Grad, selbst hier in Siberia-Gasteiz, dann wird es in BCN erst recht herrlich sein. Oh glorreiche Aussichten. Vielleicht nicht ganz so sommerlich wie letztes Mal, aber immerhin. Aww, ich freue mich!

Barcelona vom Parc Güell runter.

Barcelona vom Parc Güell runter.