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Oh, to be able to just stay awake forever.

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Ich bin nicht zur Selbsthilfegruppe gegangen. Nächsten Monat vielleicht.

Dafür war heute Früh mein EKG-Termin, um zu überprüfen, ob mein Herz die abrupt erhöhte Dosis Escitalopram verträgt und, wie Becci dazu anmerkte, zumindest physisch noch funktioniert. Das ist der Fall, allerdings meinte die Ärztin mich zusammenstauchen zu müssen, weil ich ganz unbedarft zugegeben hatte, das Beruhigungsmittel tagsüber einzunehmen statt abends wie angeordnet. Einfach richtig plump: „Das darfst du nicht!“ Mich solcherart meiner verlässlich paniklindernden Substanz beraubt sehend, fing ich natürlich, wie sollte es anders sein, unkontrolliert an zu heulen und wurde daraufhin zum zweiten Mal innerhalb einer Woche gefragt, ob man mich an die Tagesklinik weiterleiten soll. Schien ihr jedenfalls lieber zu sein, als dass ich es weiter wagen könnte, Beruhigungsmittel zu Zeitpunkten zu mir zu nehmen, an denen ich tatsächlich Ruhe gebrauchen könnte.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich kam völlig aufgelöst da raus und hatte mich, zu Hause angekommen, noch immer nicht beruhigt. Glücklicherweise (für mich zumindest) war ich mit Becci zum Reden verabredet und nach einer knappen halben Stunde ihres Beistands langsam auch wieder halbwegs auf dem Boden.

Als Becci, die auf der Arbeit prinzipiell kein Auge zutut und natürlich mal wieder übermüdet aus der Nachtschicht gekommen war, sich meiner relativen Stabilität vergewissert hatte und mich meinem Schicksal überließ, um etwas von dem versäumten Schlaf nachzuholen, konnte mein Überlebensprogramm zum nächsten Teil übergehen: Serie (aktuell inhaliere ich die zweite Staffel von Narcos México), Handyspiele, Serie. Restliche Pizza essen, Serie, Telefonieren mit Mama, Serie, Fertigsandwich essen, Serie. Und demnächst tragischerweise schon wieder Schlafengehen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich große Teile des Tages dafür benötige, die Panik abflauen zu lassen, und es mir zum Abend hin stetig besser geht, ist es eine Schande, das jeden Abend durch Schlafen wieder zunichte zu machen. Die reinste Sisyphusarbeit. Ich hatte vergessen, dass es so ist. Aber mittlerweile erinnere ich mich gut.

Gestern war es besonders krass. Während ich mir noch eine Stunde, bevor ich das Haus verließ, nicht vorstellen konnte, das Containern an einem Stück zu überstehen, wirkte die Aktivität und Wolfgangs Gesellschaft stattdessen derart wohltuend, dass hinterher selbst das Zurückkehren in die dunkle Wohnung (vor dem es mir so gegraut hatte, dass ich schon mit dem Gedanken gespielt hatte, das Licht im Wohnzimmer anzulassen – aber ein letzter Rest Verstand bewahrt mich vor solchen Totalausfällen dann doch noch mehr oder minder zuverlässig, und beim Ausschalten der Wohnzimmerbeleuchtung redete er mir zu: „Der Welt muss es nicht noch schlechter gehen, nur weil es dir schlecht geht.“) sich komplett problemlos gestaltete. Ich kam rein, dachte nicht mal aktiv darüber nach, dass niemand da war, der mir mit dem Versorgen der Ausbeute helfen würde, verpflanzte die Taschen auf die Terrasse, ging duschen (erstmals seit letztem Montag. Du willst nicht wissen, in welchem Zustand ich war, aber man kann es sich vorstellen), wischte sogar vorher nochmal durch die Wanne – was ich wirklich nie tue – und war allgemein um ein Vielfaches schaffenskräftiger als die halbe Woche davor zusammen.

Es war so gut. Und dann musste ich schlafen. Ich verstehe, wie die Frau aus 50 First Dates sich vorkommen muss, die am Ende eines jeden Tages in dem Wissen die Augen schließt, dass sie sich am nächsten Morgen an keine Sekunde davon wird erinnern können. Genau so ergeht es mir.

Sogar heute, obwohl ich tatsächlich heute kein Trimipramin eingenommen habe, zum ersten Mal, seitdem es sich in meinem Besitz befindet. Auch wenn ich nicht vorhabe, mich durch die Zurechtweisung der Ärztin von der Anwendung dieses Medikaments abhalten zu lassen, wie sie für mich Sinn macht (erstmal morgen herausfinden, was die Therapeutin dazu meint), wollte ich einfach wie jeden Tag ausprobieren, ob es auch ohne geht. Und es ging. Immerhin.

A Livable Existence

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Mit Wolfgang zu reden tat ausgesprochen gut. Mit seiner besonnenen, aufmerksamen Art zuzuhören und zu reagieren hat er mir mehr geholfen, als er wahrscheinlich ahnt. Noch dazu trifft er sich morgen mit R und kann mir am Wochenende, wenn wir hoffentlich noch ein letztes Mal zusammen auf Essenssuche gehen, berichten, ob sich meine Schilderungen mit R’s Darstellung decken. Wenn ich mir jemanden als Vermittlungsperson in diesem Szenario vorstellen kann, dann ist es Wolfgang. Umso dramatischer, dass sein Wegziehen eine längerfristige Laufbahn in der Diplomatie hierzulande verhindert.

Die Medikamente wirken weiterhin prächtig. Die Panik nach dem Aufwachen kann durch den Beta-Blocker um einen erheblichen Anteil gesenkt werden. Ich scheine mir angewöhnt zu haben, um sieben Uhr aufzuwachen, dann zu befinden, dass das Herzrasen noch nicht intensiv genug ist, um die Einnahme des Beta-Blockers zu rechtfertigen, unter Anstrengung wieder einzuschlafen und schließlich gegen zehn Uhr erneut relativ erschöpft und mit der vollen Panikdröhnung aufzuwachen, der ich nun mithilfe der Tablette entgegenwirke. Nach etwa einer halben Stunde hat sich die Wirkung voll entfaltet, ich stehe auf, schleppe mich ins Wohnzimmer und hole mir einen Smoothie von der Terrasse (an solides Frühstück ist zur Zeit noch nicht zu denken). Gieße mir Tee aus der stets gefüllten Kanne ein und spüle damit eine gigantische 15-mg-Escitalopram-Pille herunter. Existiere relativ entspannt vor mich hin (Heulanfälle werden nur noch durch Ausnahmeerscheinungen hervorgerufen), erledige vielleicht sogar etwas im Haushalt (heute war ich monsterproduktiv, habe R’s Essenskisten gepackt, die Spülmaschine betätigt und Wäsche zusammengeräumt) und konsumiere nachmittags Trimipramin-Tropfen gegen die wieder aufsteigende Panik.

Vielleicht brauche ich aber morgen die Tropfen nicht mehr. Heute ließ es sich nicht vermeiden, da sich R angekündigt hat, der dachte, sein Laptop-Kabel hier vergessen zu haben. Ich habe selbst das überlebt, auch wenn er zu früh hereinschneite (im wahrsten Sinne – heute war hier oben tiefster Winter, während Wolfgangs und R’s Berichten zufolge ein paar hundert Meter weiter unten bereits nur noch Schneematsch runterkam), um den Tropfen die Möglichkeit zu geben, überhaupt erstmal anzuschlagen.

Ihm war es dann tatsächlich sehr viel wichtiger, sein Kabel zu finden (wobei die Suche erfolglos blieb) und den nächsten Bus bergab zum Solid-Treffen zu erwischen, als sich groß mit mir zu befassen. Ist ja auch okay, wobei es mir schon in der Seele weh tat. Besonders die Katze tat mir leid. Wie bei R’s Heimkehr üblich war sie von einem auf den anderen Moment wie ausgewechselt und rannte voll überschüssiger Energie durch die Wohnung, während er seinen Kram suchte und wir uns anschließend kurz unterhielten. Das arme Kätzchen, sagte ich. Sie denkt, du kommst nach Hause.

Er hat auf seine verschrobene Art gefragt, wie es mir geht: „Und sonst?“ Allerdings ging ich nicht darauf ein, weil er dabei war, sein Kabel zu suchen, und ich mich nicht gerne unterhalte, während Leute nur halbherzig zuhören. (Andere schaffen es, eine Unterhaltung zu führen, während sie suchen. Ich könnte es. R nicht.)

Es war schmerzhaft, ihn zu sehen, und auch, dass er nach wie vor in Organisatorisches vertieft und von allem dem zugrunde Liegenden unberührt schien. Aber ich habe es überstanden und werde es auch am Wochenende noch einmal überstehen.

Sogar warm gegessen habe ich. Gesegnet seien Becci und die Dose Ravioli, die sie mir mitgegeben hat. Und ich kam als eine Folge des bislang unerwähnt gebliebenen grandiosen Geburtstagspakets der belgischen Sarah (welches unglücklicherweise genau am 11. des Monats ankam und dessen Grandiosität dadurch von anderen Ereignissen überlagert wurde) in den Genuss, an einer Tafel köstlicher TONY’S-Schokolade zu nibbeln, während mir meine Doku (ich probiere es weiter mit Rotten) verkündete, dass Schokoladenkonsum einfach in keinster Weise ethisch vertretbar ist – mit kaum einer Ausnahme neben TONY’S, deren Hersteller auf sklavenarbeitsfreie Kakaoproduktion Wert legen. Danke dafür, liebe Sarah.

Nun erfreue ich mich weiterhin an den Wundern der modernen Medizin, genieße mein zwar angeknackstes, aber verblüffend panikarmes Dasein und lege mich irgendwann in mein gestern Abend noch frisch bezogenes Bettchen.

Das klingt doch wirklich hervorragend.

For now I am alone.

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Nun ist er weg. Zur Arbeit gefahren mit seiner Decke hinter den Rucksack geklemmt, als würde er wirklich auf Reisen gehen. Kommt die Tage noch ein-zwei Mal, um die letzten Sachen zu holen und das Paket mit Essen, das ich ihm noch zusammenstelle. (Nicht unbedingt uneigennützig, da ich unter anderem schon recht froh bin, von den Unmengen an Vorräten zumindest die Dinge loszuwerden, die ich selbst nie essen würde.)

Bis zum Wochenende habe ich Zeit, es zu packen. Dann kommt er mit Yannick und transportiert alles ab, was er bislang zurückgelassen hat beziehungsweise ich bis dahin noch in der Wohnung als seins identifiziere. Vom Klavier mal abgesehen. Das hätte er auch mitgenommen, würde es denn in sein Zimmer passen.

Der Beta-Blocker hat vorzüglich angeschlagen, sodass es mir nach seinem Weggang um halb acht vergönnt war, noch einige Male einzuschlafen und schließlich halbwegs bei Verstand und ohne stärkere Paniksymptome aufzuwachen. Am liebsten würde ich mir direkt dieses Beruhigungszeug von gestern wieder einflößen, denn das hat wirklich Wunder gewirkt, allerdings soll es zum Abend genommen werden.

Nun habe ich aber immer noch nicht von Montag Abend berichtet.

Becci leistete mir noch eine halbe Stunde Beistand, bevor sie den Nachhauseweg antrat, beseitigte das gröbste Chaos in der geschundenen Küche – einfach weil sie es nicht aushielt – und machte mir eine Kanne Tee. Nachdem sie gegangen war, bediente ich mich nochmals großzügig am Baldrian und verdingte mich mehr oder weniger erfolgreich mit Zocken, während ich auf R’s Ankunft wartete.

Diese schien sich zu verzögern, und als mein zunehmend nervöses Hirn es um zehn nach sieben nicht mehr aushielt, klopfte ich vorsichtig über Whatsapp bei Becci an, die jedoch nicht reagierte – woraus ich schloss, dass sie noch mit R am Reden war.

Als er schließlich reinkam, wurde schnell ersichtlich, dass Becci ganze Arbeit geleistet hatte. Nicht nur reagierte er nicht ablehnend auf meinen eher verschlechterten Zustand, sondern verhielt sich unverhältnismäßig sanft und sensibel, nahm mich in den Arm und zeigte Verständnis. Er hat es tatsächlich gesagt: „Becci hat mir gesagt, wie es um dich bestellt ist, und ich verstehe es.“ Er hat mich geduldig angehört und spüren lassen, dass ich nicht die Einzige bin, die unter der Situation leidet. Er hat die Gewissheit verweht, ihm egal zu sein, die sich in den Tagen zuvor bei mir manifestiert hatte.

Alles wurde erträglicher in diesem Moment. Er hat mir den Glauben daran wiedergegeben, dass ich die kommende Zeit überstehen kann – dass es einen Sinn hat, zumindest nicht gleich aufzugeben.

Leider war dieser Augenblick, so notwendig er auch war, meiner Gesamtlage nur bedingt zuträglich. Ich habe entsetzlich geschlafen und wurde, als er schließlich aufstand und zur Arbeit ging, von einer so ekelhaften Panikflut überschwemmt, dass ich bald nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Mein Termin bei der Therapeutin war ja aufgrund der ursprünglichen Planung, der zufolge ich bis Dienstag Früh bei Becci hätte bleiben sollen, auf Mittag verschoben. So viele Stunden, die es noch zu überleben galt – aber ich habe es geschafft. Basti (der mich natürlich letzte Woche nicht angerufen hatte) hat mir geschrieben und, nachdem er die Dringlichkeit der Lage begriffen hatte, vorgeschlagen, später zu telefonieren. Ich akzeptierte, wenn auch ohne viel Hoffnung, dass das Gespräch tatsächlich zustande kommen würde.

Der Therapeutin gegenüber bin ich dann auch erstmals beinahe unkontrolliert zusammengeklappt, während ich ihr von dem unheilsamen Eigenleben ohne erkennbaren Realitätsbezug berichtete, das meine Psyche entwickelt hatte. Sie war extrem hilfreich und nahm mich ernst, ordnete an, ich solle mir Beruhigungsmittel verschreiben lassen, und zeigte sogar die Möglichkeit auf, bei der psychosomatischen Klinik anzufragen, ob ich kurzzeitig dort unterkommen könnte. Ihr sei es wichtig, dass jemand für mich da sei. Ob niemand zu mir kommen könne. Und auf meine Erklärung hin, es würden mich bald meine Mutter und später dann Becci besuchen kommen, gerade würde ich jedoch etwas Zeit allein überbrücken müssen: alles sei in Ordnung, um mich über Wasser zu halten, ob das nun Zocken oder Telefonieren sei.

Gesagt, getan: ich kam nach Hause, meldete mich bei Basti zurück, erhielt keine Antwort von ihm und freute mich umso mehr, als stattdessen Simone anrief. Redete mit Simone (und erklärte so diplomatisch wie möglich, dass ich es, so dankbar ich auch bin, im März nicht zu ihr nach Wismar schaffe) und praktisch direkt im Anschluss mit meiner Oma, die darauf bestand, trotz meiner Befürchtung, sie damit zu belasten, in mein Drama eingeweiht zu werden. Noch eine Stunde überlebt. Irgendwann meldete sich dann auch Basti wieder; mit ihm habe ich geredet, bis ich los zum zweiten Arzttermin des Tages musste.

Die Ärztin hörte sich meinen Bericht an, fackelte nicht lange und verschrieb mir neues Escitalopram – 15 mg diesmal – sowie Tropfen zur Beruhigung und Tabletten gegen die körperlichen Panikerscheinungen.

Die Tropfen haben’s drauf. Ich habe überlebt:

  • Auflösungsvertrag für R’s Untermietverhältnis vorgelegt bekommen und unterschreiben
  • Mit R durch die Wohnung tingeln und ihm zeigen, was er alles vergessen hat zu packen
  • Gesagt bekommen, dass er heute auszieht
  • Diverse schwer erträgliche Einzelheiten: Absprachen bezüglich Katze, Kontakt etc.

…das ist doch schonmal Einiges.

Und da wären wir. Wie ich gerade zu Becci sagte, nun gilt es einfach nicht wieder durchzudrehen.

Schlafengehensunfähig

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Das wird heute nichts mehr mit meinem LSD, ich seh’s doch kommen. Ich müsste es um 10 Uhr morgens nehmen, und so, wie ich es mal wieder schaffe, ins Bett zu gehen, wache ich vor 12 schonmal definitiv nicht auf. 11, allerfrühestens.

Vielleicht sollte ich es doch nochmal mit New Year’s resolutions probieren (die ich an sich seit Jahren boykottiere). Es gibt so viel, an dem ich arbeiten muss, und meine Motivation ist über große Teile der Zeit so wenig präsent. Zum Beispiel sollte ich dringendst etwas an meiner Egal-Haltung feilen. Auf der einen Seite ist die nämlich so ausgeprägt, dass sie mir mittlerweile schon wirklich Sorgen bereitet; im Bezug auf andere Dinge wiederum könnte ich wirklich ein Stückchen mehr Egal im Leben gebrauchen. Gerechte Verteilung ist alles. Die Frage ist, wie man es anstellt, dass einem Sachen mit einem Mal entweder mehr oder eben weniger egal sind.

Ich reviewe in letzter Zeit verstärkt meine Vergangenheit. Sicher, das mache ich immer mal wieder ganz gerne, stückchenweise, aber momentan noch mehr als üblich. Was da an Sachen zu Tage kommt. Wie gut, dass sich meine nostalgische Ader dank der medi-induzierten Egal-Haltung langsam, aber sicher in den Hintergrund hat verdrängen lassen. Momentan zumindest macht sie mir keine großen Schwierigkeiten.

Und jetzt werde ich langsam richtig müde.

Leprakranker im Whirlpool.. Ich bin mal wieder gar nicht überfordert.

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Mittlerweile hat sich (bzw. habe ich) die Haut von meiner halben Hand abgelöst. Gut, dass ich die Antibiotika jetzt nicht mehr nehme.

Ich hatte ja gestern Abend Lisa und Rini zum Essen hier und es war wunderschön. Ein ganz toller Abend, und wir haben über alles Mögliche geredet. Kaum ein Wort zum Kepa, außer halt beiläufig am Rande, was ich wunderbar fand eigentlich. Rini auszuquetschen wäre einfach schrecklich gewesen. Vor allem rücken die Sachen immer so in Perspektive, wenn man mit ihr redet. Das ganze Drama, das ich um Sachen mache, kommt mir in ihrer Gegenwart vor wie der überflüssigste Kropf der Weltgeschichte. Sie ist ein Phänomen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ihre Sicht der Dinge die der meisten Menschen ist oder ob Leute wie Lisa und ich – unsicher, melodramatisch, sicherheitsbedürftig – nicht doch irgendwo auch in den offiziellen Büchern der „Normalen“ zumindest eine Daseinsberechtigung haben. Beziehungen zu anderen Menschen so auf die leichte Schulter nehmen zu können, so wenig an sich heranzulassen, das müsste man lernen. Das wäre mal was.

Mit Kepa habe ich auch eben geschrieben; der zerstört sich erfolgreich in México und läuft als zombie extra durch die Gegend und hat sich demzufolge jetzt gerade lieber mal zum Schlafen hingehauen. Wie spät haben sie’s da drüben? Um die 6am müsste es sein. Imerhin habe ich herausgefunden, dass meine Dienste als Wärmelieferantin nicht notwendig sind, weil er vorher nochmal in München ist und Sachen wechseln kann.

Leider muss ich meine Hand immer weiter aufessen. Hätte ich nicht die Pflaster um meinen linken Mittelfinger, hätte der auch schon vor Tagen dran glauben müssen. Entsetzlich.

Ich hatte außerdem gestern dieses abstruse Gespräch mit dem Luxmensch, das irgendwie zum Inhalt hatte, dass er nicht mit meinen Freundinnen verkuppelt werden will, sondern wenn, dann mit mir, und es bedauert, dass ich kepabedingt in einem unermesslichen Chaos stecke. (Also natürlich war das Gespräch an sich länger, aber das waren die letzten paar Minuten. Dann war sein Akku leer und ich musste eh Essen machen gehen, kam also nicht mehr dazu, ihm genau auseinanderzusetzen, warum ich der Meinung bin, dass 1) er einen Schaden hat – wer mich mag, hat einfach einen Schaden – und 2) sich das mit Kepa eh früh genug von alleine beendet – Kepa hat zwar ganz ohne Zweifel in jedem Fall einen Schaden, aber der Teil des Schadens, der dafür verantwortlich ist, dass er mich irgendwie mag, ist, fürchte ich, nicht groß genug. Dem Luxmensch das zu erklären kann ich ja bei Gelegenheit nachholen.)

Man merkte dabei wieder mal sehr gut meine enorme Schlagfertigkeit, und überhaupt, wie wunderbar ich es immer schaffe, mit so etwas umzugehen. Aber hey, so oft hatte ich diese Situation auch noch nicht in meinem kurzen Leben. Und ich glaube, es gibt Leute, die es noch weniger souverän überstanden hätten.

Jetzt muss ich Sanskrit machen.

Viel Hoffnung und wenig Schlaf

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Der erste Teil meiner heutigen Nacht – lang ersehnt, aber wieder einmal zu flüchtig für meine Begriffe – wurde mir diesmal von Aufräumarbeiten gestohlen. Laura und JO kommen morgen her, JO übers Wochenende zum Riesenflohmarkt und Laura bis Freitag, dem 4. Juli. Sie kommt um kurz vor elf; ich werde sie mit der Nachricht begrüßen müssen, dass ich erstmal arbeiten gehe. Nachdem ich diese Woche bisher genau eine Stunde gearbeitet habe, ist da noch ein bisschen Nachholbedarf. Montag werde ich auch hinmüssen.

Ich bin heute (und war gestern) vollkommen frei von Nebenwirkungen. Mir geht es blendend, als wäre nie etwas passiert. Wirklich. Als hätte es die ganzen Ausschleich- und Weglasswochen nie gegeben. Und das Lustige ist, dass ich gerade mal die Hälfte meiner vorherigen Dosis nehme. Es müssten jetzt um die 5 Milligramm sein. Aber wenn das so weitergeht, sehe ich keinen Grund, wieder auf eine ganze Tablette (o sea, 10 Milligramm) hochzuschrauben.

Aber müde bin ich. Und das hat nichts mit dem Medi zu tun, sondern vielmehr mit zwei aufeinander folgenden Unitagen sowie, dazwischen, der gleichen Anzahl Nächte mit zu wenig Schlaf.

Nicht hyperventilieren! – die II.

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„Hier muss irgendwo ein Fächer liegen, ich weiß genau, dass ich hier nen Fächer hatte!“

„Aspi… Renn dreimal um den Block.“

Gut gemeinter Rat von Robert, dem meine etwas sehr gute Laune gerade wohl zu viel war.

Ich habe dann – „ja, warte.“ – auf halbem Weg um den Block herum gemerkt, dass die Blöcke dieser Siedlung aus fünfhundert Meter langen Gruppierungen von Reihenhäusern bestehen. Weil meine Kondition, sagen wir mal vorsichtig, auch nicht die beste ist, war ich schon fix und alle, nachdem ich mich ob dieser Feststellung zum direkten Umkehren entschlossen hatte.

Nunja, es war trotzdem wohltuend – dafür bade ich jetzt aber auch in Schweiß, habe zerquetschte Felsenbirnen-Beeren an den Füßen und irgendwie ist eine eingependelte Stimmung auch was anderes. Aber solange es zu gute Laune ist – da muss Robert nun wohl durch.

Lustig aber auch, wie ich zu einem anderen Menschen werde, sobald ich mich im Zimmer verkriechen und einfach in Ruhe leben kann. (Internet funktioniert wieder! Überlebenschancen steigen!)

Und zum Abschluss noch ein paar random Spekulationen darüber, warum sich Ilhan (ehemaliger ehemaliger RN und somit gemeinsamer Bekannter von uns) so zum Positiven verändert haben könnte.

Robert: „Ein Linker mit Glatze..“
Ich: „Jeder kann ne Glatze haben.“
Robert: „Also die Bilder, die ich gesehen habe…“
Ich: „Er soll sich aber wirklich total geändert haben.“
Robert: „Vielleicht nimmt er keine Drogen mehr?“
Ich: „Vielleicht ist er ausgezogen und hat keine Probleme mehr mit seiner Familie?“
Robert: „Oder er nimmt mehr Drogen. Bewusstseinsverändernde.“

Was ich in dem Moment eben zwar sehr lustig fand, bis mir auffiel, dass es so abwegig dann doch nicht ist, siehe meine kleine Wenigkeit. Hmpf. Aber ich mag „bewusstseinserweiternde Medikamente“ lieber. Auch wenn meine Mom den Ausdruck „Chemie“ bevorzugt, oder aber „Hammerdroge“. Macht mir überhaupt nichts, solange sie sich demnächst in den Club glücklicher Konsumenten eingliedert. Angeblich hat sie sich sogar schon um eine Therapeutin gekümmert. („nicht ohne ärztliche Behandlung“.. blaaaa bla – alles nur Rausgeschiebe.)

Aber in meiner eigenen Welt ist alles bestens; ich hab‘ noch zwei Wochen für meine Hausarbeit, lerne nun halt hier (statt in Perú), mit meiner Quena umzugehen, kann Transgerman Collaborations mit einem „ultra-hardcore!.. ultraaffentittengeil – nee, besser nicht.. Nimm wahnsinnig!“ (sowas kommt dabei raus, wenn man Janine nach einem ordentlichen Synonym für „sehr“ fragt) faszinierenden Musiker anfertigen und werde mein Möglichstes geben, um alles andere auszublenden.

Bazinga! Pt.3

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„Ich will dich nicht von deinen Emo-Beiträgen abhalten! Das wäre ja so, als würde man dir einen Teil von dir wegnehmen^^“

Schrieb mir die (jetzt glücklicherweise nicht mehr) schwer magen-darm-infizierte Laura heute Abend und hat damit wohl irgendwie Recht. Und daher ist es wahrscheinlich fast schon eine Pflicht für mich, zu berichten: Ein Wunderheilmittel können die tollsten Tropfen der Welt nicht sein, nichtmal meine tollen Tropfen. Ich bin zwar inzwischen bei 9 am Tag angekommen (eigentlich war heute der letzte Tag mit 8, aber mir sind aus Versehen 9 in den Becher gefallen), musste aber gestern Abend feststellen, dass es da doch noch etwas gibt außerhalb der unnatürlichen Stabilität der letzten Wochen. Und so begab es sich, dass mich ein nicht sehr schwerer, aber intensiver depressiver Aanfall heimgesucht hat, während ich mit Caro ein paar Sachen diskutiert habe. Sie war nicht alleine zu Hause und konnte daher nicht reden, hat aber zigmal gefragt, ob sie sich was anziehen und mit dem Handy rausgehen sollte, um mich anzurufen. (Ich hab eigentlich kaum mehr was geschrieben, ich war ja mit Heulen und Durchdrehen beschäftigt, aber offenbar kam das auch nicht gut an.)
Sie hat dann zwar ständig gefragt, ob wir nicht wirklich reden sollten, aber es nicht hinbekommen, es einfach zu tun. Schade – klar, ich kann nicht erwarten, dass sie mich so gut kennt (von mir kommt ganz bestimmt kein „Oh ja, das wäre toll und würde mir sicher guttun“, sondern maximal das „Du kannst mich gerne anrufen, ich werd dich bestimmt nicht abwürgen, erwarte aber kein sehr artikuliertes Gespräch“, zu dem ich mich nach ihrem tausendsten Erkundigungsversuch habe überreden lassen), aber es wäre doch schön gewesen. Nunja.

Ich habe so ewig nicht mehr wegen Şahin geheult, geschweige denn die halbe Nacht durch. Was nicht heißt, dass ich nicht sehr froh bin über die Gelegenheit, Sachen mit Caro zu besprechen.

So wie eben gerade; das war doch wieder mal ein gutes Gespräch. Sehr gut. Sehr gut. Nimmt mir gleich das ungute Gefühl, das ich vorher teilweise schon wieder hatte.

Unnormal normal.

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Geht das wirklich – einfach ein paar Tröpfchen zu sich nehmen und schon wird man jemand, der man nie geglaubt hätte sein zu können?
Ich verstehe nicht, warum ich zwanzig Jahre ohne das Zeug gelebt habe. Aber andererseits verstehe ich es schon; man soll ja schon immer erstmal so weit es geht die Selbstverbesserungsarbeit ohne Hilfsmittel erledigen. Es ist ein bisschen wie diese Supersprungkraft bei A Bug’s Life (ja, es gibt davon ein Computerspiel. Ich hab’s gezockt, als ich elf war, und dann nochmal letztes Jahr irgendwann – ich war damals nicht ganz fertig geworden, bevor meine Eltern das Betriebssystem auf XP umgestellt und mir so die Chance genommen haben, das nur mit Windows 95 und 98 kompatible Spiel neu zu installieren, und unfinished business ist nicht so mein Ding). Du musst dich erstmal durch ‚zig Levels kämpfen, um sie einsammeln zu können. Und es gibt sie auch nur in dem einen Level, in dem du auf diese ganzen Felswände springen musst, auf die du sonst einfach keine Chance hättest zu gelangen. Und über dir lauert der Vogel. Oder waren es besonders eklige Grashüpfer?

Sie zu beobachten ist so faszinierend, die subtilen Shifts in ganz elementaren Bereichen, und ich bin nichtmal sonderlich müde gewesen heute. Aber ich muss trotzdem ins Bett jetzt, um noch auf acht Stunden zu kommen und nachher zu Translation ausgeschlafen zu sein.

Und oh, ich habe immer noch sich als Gewissheit einer unabwendbaren Tatsache ausgebende Paranoia im Bezug auf die langfristige Beziehung mit meinen momentanen Freunden und Bekannten (und Wieder-Bekannten). Aber irgendwie haut die Gewissheit nicht so rein wie sonst. -Drei Tage noch 8 Tropfen, dann geht’s hoch auf 10 und wer weiß, ob ich bis dahin fliegen kann oder was noch Unglaubliches mit mir passiert in der Zeit.

Redepläne

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Wenn ich hier so reingucke, sieht es schon wieder so aus, als würde mein halbes Leben von dieser Sache dominiert. Wird es eigentlich gar nicht, im Gegenteil. Noch nie habe ich mich so wunderbar in Kontrolle gefühlt – von mir selber, der ganzen Situation und überhaupt allem. Ich komme mir vor wie ein eigener, selbständig denkender, unabhängig von irgendwelchen Ängsten, Hirngespinsten, ungesunden Zuneigungen oder sonstigen emotionalen Verwirrungen handelnder Mensch. Das ist für mich etwas vollkommen Neues.
Tragisch eigentlich, aber ein unlaublich gutes Gefühl ist es.

Jedenfalls steht praktisch fest, dass wir reden werden. Momentan hat sich meine Facebook-Nachrichtensektion aufgehängt und ich komme beim besten Willen nicht mehr rein, aber da ich ja neuerdings so unfassbar souverän und erhaben bin, ertrage ich es sogar ohne Probleme, mitten in der Unterhaltung augenscheinlich den Löffel abgegeben zu haben. Soll sie denken, was sie will – ich kann ja nichts dafür.

Morgen gehe ich mein (schon wieder) kaputtes Headset umtauschen und dann steht einem Gespräch lediglich noch die Tatsache im Wege, dass sie nicht reden möchte, solange sie „nicht alleine zu Hause“ ist (mittlerweile hat sie sogar verstanden, dass es von Vorteil sein könnte, nicht unnötig mit irgendwelchen Namen und Informationen über den Verbleib oder die Machenschaften von gewissen Leuten um sich zu schmeißen), was auch sehr in meinem eigenen Interesse ist.

Morgen wird auch die Dosis der Cipralex-Tropfen verdoppelt, von zwei auf ganze vier Tropfen. Mal schauen, ob es dann schon anfängt, eine Wirkung zu zeigen. Janine hat mir gestern eröffnet, dass sie mit 10 die volle Dosis von 20mg zu schlucken bekommen hat, und das, obwohl laut der Packungsbeilage bei unter 18jährigen dieses Medikament aufs Höchste symptomverstärkend wirken kann und erwiesenermaßen zu Suizidgedanken und anderen schrecklichen Dingen führt; kein Wunder, dass sie mir gesagt hat, es hätte ihr überhaupt nicht geholfen.

Ich setze aber viel Hoffnung in die Tropfen; nachdem die Panikerscheinungen bisher eher schlimmer geworden sind und ich heute früh eine Dreiviertelstunde lang nur todesgeschlaucht im Bett lag, bis ich aufgestanden bin (und ein paar Minuten später wie eine Irre aus dem Bad gerannt kommen musste, weil ich den Wecker vergessen hatte auszustellen), freue ich mich noch mehr als vorher auf die Wirkung.

Jetzt gehe ich erstmal noch das Verb „izan“ (sein) zu Ende konjugieren lernen (ni naiz, zu zara, hura da, und die drei Pluralformen habe ich noch vor mir), dann bin ich auch für Baskisch morgen wieder halbwegs optimal vorbereitet. Heue Nachmittag war ich so müde, dass ich mich mehr schlecht als recht durch die knapp 200 fälligen Vokabeln gequält und mir vermutlich die gesamte Statistik versaut habe, aber nach einer Woche wie der vergangenen ist mir das Schleifenlassen meiner täglichen Vokabelpflichten doch hoffentlich zu verzeihen. Dafür habe ich alle anderen anfallenden Arbeiten (Redacción – ein Bewerbungsschreiben – und Phonologie II – eine benotete Übung) weit vor Ablauf der Deadlines erledigt. Einen Applaus bitte.

Dann wollen wir doch mal sehen, was diese Woche noch so alles bringt.
Hauptsache nicht das, was ich gerade befürchte, nämlich eine schreckliche Mandelentzündung. Alles, nur das nicht, bitte.