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Schlafengehensunfähig

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Das wird heute nichts mehr mit meinem LSD, ich seh’s doch kommen. Ich müsste es um 10 Uhr morgens nehmen, und so, wie ich es mal wieder schaffe, ins Bett zu gehen, wache ich vor 12 schonmal definitiv nicht auf. 11, allerfrühestens.

Vielleicht sollte ich es doch nochmal mit New Year’s resolutions probieren (die ich an sich seit Jahren boykottiere). Es gibt so viel, an dem ich arbeiten muss, und meine Motivation ist über große Teile der Zeit so wenig präsent. Zum Beispiel sollte ich dringendst etwas an meiner Egal-Haltung feilen. Auf der einen Seite ist die nämlich so ausgeprägt, dass sie mir mittlerweile schon wirklich Sorgen bereitet; im Bezug auf andere Dinge wiederum könnte ich wirklich ein Stückchen mehr Egal im Leben gebrauchen. Gerechte Verteilung ist alles. Die Frage ist, wie man es anstellt, dass einem Sachen mit einem Mal entweder mehr oder eben weniger egal sind.

Ich reviewe in letzter Zeit verstärkt meine Vergangenheit. Sicher, das mache ich immer mal wieder ganz gerne, stückchenweise, aber momentan noch mehr als üblich. Was da an Sachen zu Tage kommt. Wie gut, dass sich meine nostalgische Ader dank der medi-induzierten Egal-Haltung langsam, aber sicher in den Hintergrund hat verdrängen lassen. Momentan zumindest macht sie mir keine großen Schwierigkeiten.

Und jetzt werde ich langsam richtig müde.

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Leprakranker im Whirlpool.. Ich bin mal wieder gar nicht überfordert.

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Mittlerweile hat sich (bzw. habe ich) die Haut von meiner halben Hand abgelöst. Gut, dass ich die Antibiotika jetzt nicht mehr nehme.

Ich hatte ja gestern Abend Lisa und Rini zum Essen hier und es war wunderschön. Ein ganz toller Abend, und wir haben über alles Mögliche geredet. Kaum ein Wort zum Kepa, außer halt beiläufig am Rande, was ich wunderbar fand eigentlich. Rini auszuquetschen wäre einfach schrecklich gewesen. Vor allem rücken die Sachen immer so in Perspektive, wenn man mit ihr redet. Das ganze Drama, das ich um Sachen mache, kommt mir in ihrer Gegenwart vor wie der überflüssigste Kropf der Weltgeschichte. Sie ist ein Phänomen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ihre Sicht der Dinge die der meisten Menschen ist oder ob Leute wie Lisa und ich – unsicher, melodramatisch, sicherheitsbedürftig – nicht doch irgendwo auch in den offiziellen Büchern der „Normalen“ zumindest eine Daseinsberechtigung haben. Beziehungen zu anderen Menschen so auf die leichte Schulter nehmen zu können, so wenig an sich heranzulassen, das müsste man lernen. Das wäre mal was.

Mit Kepa habe ich auch eben geschrieben; der zerstört sich erfolgreich in México und läuft als zombie extra durch die Gegend und hat sich demzufolge jetzt gerade lieber mal zum Schlafen hingehauen. Wie spät haben sie’s da drüben? Um die 6am müsste es sein. Imerhin habe ich herausgefunden, dass meine Dienste als Wärmelieferantin nicht notwendig sind, weil er vorher nochmal in München ist und Sachen wechseln kann.

Leider muss ich meine Hand immer weiter aufessen. Hätte ich nicht die Pflaster um meinen linken Mittelfinger, hätte der auch schon vor Tagen dran glauben müssen. Entsetzlich.

Ich hatte außerdem gestern dieses abstruse Gespräch mit dem Luxmensch, das irgendwie zum Inhalt hatte, dass er nicht mit meinen Freundinnen verkuppelt werden will, sondern wenn, dann mit mir, und es bedauert, dass ich kepabedingt in einem unermesslichen Chaos stecke. (Also natürlich war das Gespräch an sich länger, aber das waren die letzten paar Minuten. Dann war sein Akku leer und ich musste eh Essen machen gehen, kam also nicht mehr dazu, ihm genau auseinanderzusetzen, warum ich der Meinung bin, dass 1) er einen Schaden hat – wer mich mag, hat einfach einen Schaden – und 2) sich das mit Kepa eh früh genug von alleine beendet – Kepa hat zwar ganz ohne Zweifel in jedem Fall einen Schaden, aber der Teil des Schadens, der dafür verantwortlich ist, dass er mich irgendwie mag, ist, fürchte ich, nicht groß genug. Dem Luxmensch das zu erklären kann ich ja bei Gelegenheit nachholen.)

Man merkte dabei wieder mal sehr gut meine enorme Schlagfertigkeit, und überhaupt, wie wunderbar ich es immer schaffe, mit so etwas umzugehen. Aber hey, so oft hatte ich diese Situation auch noch nicht in meinem kurzen Leben. Und ich glaube, es gibt Leute, die es noch weniger souverän überstanden hätten.

Jetzt muss ich Sanskrit machen.

Viel Hoffnung und wenig Schlaf

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Der erste Teil meiner heutigen Nacht – lang ersehnt, aber wieder einmal zu flüchtig für meine Begriffe – wurde mir diesmal von Aufräumarbeiten gestohlen. Laura und JO kommen morgen her, JO übers Wochenende zum Riesenflohmarkt und Laura bis Freitag, dem 4. Juli. Sie kommt um kurz vor elf; ich werde sie mit der Nachricht begrüßen müssen, dass ich erstmal arbeiten gehe. Nachdem ich diese Woche bisher genau eine Stunde gearbeitet habe, ist da noch ein bisschen Nachholbedarf. Montag werde ich auch hinmüssen.

Ich bin heute (und war gestern) vollkommen frei von Nebenwirkungen. Mir geht es blendend, als wäre nie etwas passiert. Wirklich. Als hätte es die ganzen Ausschleich- und Weglasswochen nie gegeben. Und das Lustige ist, dass ich gerade mal die Hälfte meiner vorherigen Dosis nehme. Es müssten jetzt um die 5 Milligramm sein. Aber wenn das so weitergeht, sehe ich keinen Grund, wieder auf eine ganze Tablette (o sea, 10 Milligramm) hochzuschrauben.

Aber müde bin ich. Und das hat nichts mit dem Medi zu tun, sondern vielmehr mit zwei aufeinander folgenden Unitagen sowie, dazwischen, der gleichen Anzahl Nächte mit zu wenig Schlaf.

Nicht hyperventilieren! – die II.

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„Hier muss irgendwo ein Fächer liegen, ich weiß genau, dass ich hier nen Fächer hatte!“

„Aspi… Renn dreimal um den Block.“

Gut gemeinter Rat von Robert, dem meine etwas sehr gute Laune gerade wohl zu viel war.

Ich habe dann – „ja, warte.“ – auf halbem Weg um den Block herum gemerkt, dass die Blöcke dieser Siedlung aus fünfhundert Meter langen Gruppierungen von Reihenhäusern bestehen. Weil meine Kondition, sagen wir mal vorsichtig, auch nicht die beste ist, war ich schon fix und alle, nachdem ich mich ob dieser Feststellung zum direkten Umkehren entschlossen hatte.

Nunja, es war trotzdem wohltuend – dafür bade ich jetzt aber auch in Schweiß, habe zerquetschte Felsenbirnen-Beeren an den Füßen und irgendwie ist eine eingependelte Stimmung auch was anderes. Aber solange es zu gute Laune ist – da muss Robert nun wohl durch.

Lustig aber auch, wie ich zu einem anderen Menschen werde, sobald ich mich im Zimmer verkriechen und einfach in Ruhe leben kann. (Internet funktioniert wieder! Überlebenschancen steigen!)

Und zum Abschluss noch ein paar random Spekulationen darüber, warum sich Ilhan (ehemaliger ehemaliger RN und somit gemeinsamer Bekannter von uns) so zum Positiven verändert haben könnte.

Robert: „Ein Linker mit Glatze..“
Ich: „Jeder kann ne Glatze haben.“
Robert: „Also die Bilder, die ich gesehen habe…“
Ich: „Er soll sich aber wirklich total geändert haben.“
Robert: „Vielleicht nimmt er keine Drogen mehr?“
Ich: „Vielleicht ist er ausgezogen und hat keine Probleme mehr mit seiner Familie?“
Robert: „Oder er nimmt mehr Drogen. Bewusstseinsverändernde.“

Was ich in dem Moment eben zwar sehr lustig fand, bis mir auffiel, dass es so abwegig dann doch nicht ist, siehe meine kleine Wenigkeit. Hmpf. Aber ich mag „bewusstseinserweiternde Medikamente“ lieber. Auch wenn meine Mom den Ausdruck „Chemie“ bevorzugt, oder aber „Hammerdroge“. Macht mir überhaupt nichts, solange sie sich demnächst in den Club glücklicher Konsumenten eingliedert. Angeblich hat sie sich sogar schon um eine Therapeutin gekümmert. („nicht ohne ärztliche Behandlung“.. blaaaa bla – alles nur Rausgeschiebe.)

Aber in meiner eigenen Welt ist alles bestens; ich hab‘ noch zwei Wochen für meine Hausarbeit, lerne nun halt hier (statt in Perú), mit meiner Quena umzugehen, kann Transgerman Collaborations mit einem „ultra-hardcore!.. ultraaffentittengeil – nee, besser nicht.. Nimm wahnsinnig!“ (sowas kommt dabei raus, wenn man Janine nach einem ordentlichen Synonym für „sehr“ fragt) faszinierenden Musiker anfertigen und werde mein Möglichstes geben, um alles andere auszublenden.

Bazinga! Pt.3

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„Ich will dich nicht von deinen Emo-Beiträgen abhalten! Das wäre ja so, als würde man dir einen Teil von dir wegnehmen^^“

Schrieb mir die (jetzt glücklicherweise nicht mehr) schwer magen-darm-infizierte Laura heute Abend und hat damit wohl irgendwie Recht. Und daher ist es wahrscheinlich fast schon eine Pflicht für mich, zu berichten: Ein Wunderheilmittel können die tollsten Tropfen der Welt nicht sein, nichtmal meine tollen Tropfen. Ich bin zwar inzwischen bei 9 am Tag angekommen (eigentlich war heute der letzte Tag mit 8, aber mir sind aus Versehen 9 in den Becher gefallen), musste aber gestern Abend feststellen, dass es da doch noch etwas gibt außerhalb der unnatürlichen Stabilität der letzten Wochen. Und so begab es sich, dass mich ein nicht sehr schwerer, aber intensiver depressiver Aanfall heimgesucht hat, während ich mit Caro ein paar Sachen diskutiert habe. Sie war nicht alleine zu Hause und konnte daher nicht reden, hat aber zigmal gefragt, ob sie sich was anziehen und mit dem Handy rausgehen sollte, um mich anzurufen. (Ich hab eigentlich kaum mehr was geschrieben, ich war ja mit Heulen und Durchdrehen beschäftigt, aber offenbar kam das auch nicht gut an.)
Sie hat dann zwar ständig gefragt, ob wir nicht wirklich reden sollten, aber es nicht hinbekommen, es einfach zu tun. Schade – klar, ich kann nicht erwarten, dass sie mich so gut kennt (von mir kommt ganz bestimmt kein „Oh ja, das wäre toll und würde mir sicher guttun“, sondern maximal das „Du kannst mich gerne anrufen, ich werd dich bestimmt nicht abwürgen, erwarte aber kein sehr artikuliertes Gespräch“, zu dem ich mich nach ihrem tausendsten Erkundigungsversuch habe überreden lassen), aber es wäre doch schön gewesen. Nunja.

Ich habe so ewig nicht mehr wegen Şahin geheult, geschweige denn die halbe Nacht durch. Was nicht heißt, dass ich nicht sehr froh bin über die Gelegenheit, Sachen mit Caro zu besprechen.

So wie eben gerade; das war doch wieder mal ein gutes Gespräch. Sehr gut. Sehr gut. Nimmt mir gleich das ungute Gefühl, das ich vorher teilweise schon wieder hatte.

Unnormal normal.

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Geht das wirklich – einfach ein paar Tröpfchen zu sich nehmen und schon wird man jemand, der man nie geglaubt hätte sein zu können?
Ich verstehe nicht, warum ich zwanzig Jahre ohne das Zeug gelebt habe. Aber andererseits verstehe ich es schon; man soll ja schon immer erstmal so weit es geht die Selbstverbesserungsarbeit ohne Hilfsmittel erledigen. Es ist ein bisschen wie diese Supersprungkraft bei A Bug’s Life (ja, es gibt davon ein Computerspiel. Ich hab’s gezockt, als ich elf war, und dann nochmal letztes Jahr irgendwann – ich war damals nicht ganz fertig geworden, bevor meine Eltern das Betriebssystem auf XP umgestellt und mir so die Chance genommen haben, das nur mit Windows 95 und 98 kompatible Spiel neu zu installieren, und unfinished business ist nicht so mein Ding). Du musst dich erstmal durch ‚zig Levels kämpfen, um sie einsammeln zu können. Und es gibt sie auch nur in dem einen Level, in dem du auf diese ganzen Felswände springen musst, auf die du sonst einfach keine Chance hättest zu gelangen. Und über dir lauert der Vogel. Oder waren es besonders eklige Grashüpfer?

Sie zu beobachten ist so faszinierend, die subtilen Shifts in ganz elementaren Bereichen, und ich bin nichtmal sonderlich müde gewesen heute. Aber ich muss trotzdem ins Bett jetzt, um noch auf acht Stunden zu kommen und nachher zu Translation ausgeschlafen zu sein.

Und oh, ich habe immer noch sich als Gewissheit einer unabwendbaren Tatsache ausgebende Paranoia im Bezug auf die langfristige Beziehung mit meinen momentanen Freunden und Bekannten (und Wieder-Bekannten). Aber irgendwie haut die Gewissheit nicht so rein wie sonst. -Drei Tage noch 8 Tropfen, dann geht’s hoch auf 10 und wer weiß, ob ich bis dahin fliegen kann oder was noch Unglaubliches mit mir passiert in der Zeit.

Redepläne

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Wenn ich hier so reingucke, sieht es schon wieder so aus, als würde mein halbes Leben von dieser Sache dominiert. Wird es eigentlich gar nicht, im Gegenteil. Noch nie habe ich mich so wunderbar in Kontrolle gefühlt – von mir selber, der ganzen Situation und überhaupt allem. Ich komme mir vor wie ein eigener, selbständig denkender, unabhängig von irgendwelchen Ängsten, Hirngespinsten, ungesunden Zuneigungen oder sonstigen emotionalen Verwirrungen handelnder Mensch. Das ist für mich etwas vollkommen Neues.
Tragisch eigentlich, aber ein unlaublich gutes Gefühl ist es.

Jedenfalls steht praktisch fest, dass wir reden werden. Momentan hat sich meine Facebook-Nachrichtensektion aufgehängt und ich komme beim besten Willen nicht mehr rein, aber da ich ja neuerdings so unfassbar souverän und erhaben bin, ertrage ich es sogar ohne Probleme, mitten in der Unterhaltung augenscheinlich den Löffel abgegeben zu haben. Soll sie denken, was sie will – ich kann ja nichts dafür.

Morgen gehe ich mein (schon wieder) kaputtes Headset umtauschen und dann steht einem Gespräch lediglich noch die Tatsache im Wege, dass sie nicht reden möchte, solange sie „nicht alleine zu Hause“ ist (mittlerweile hat sie sogar verstanden, dass es von Vorteil sein könnte, nicht unnötig mit irgendwelchen Namen und Informationen über den Verbleib oder die Machenschaften von gewissen Leuten um sich zu schmeißen), was auch sehr in meinem eigenen Interesse ist.

Morgen wird auch die Dosis der Cipralex-Tropfen verdoppelt, von zwei auf ganze vier Tropfen. Mal schauen, ob es dann schon anfängt, eine Wirkung zu zeigen. Janine hat mir gestern eröffnet, dass sie mit 10 die volle Dosis von 20mg zu schlucken bekommen hat, und das, obwohl laut der Packungsbeilage bei unter 18jährigen dieses Medikament aufs Höchste symptomverstärkend wirken kann und erwiesenermaßen zu Suizidgedanken und anderen schrecklichen Dingen führt; kein Wunder, dass sie mir gesagt hat, es hätte ihr überhaupt nicht geholfen.

Ich setze aber viel Hoffnung in die Tropfen; nachdem die Panikerscheinungen bisher eher schlimmer geworden sind und ich heute früh eine Dreiviertelstunde lang nur todesgeschlaucht im Bett lag, bis ich aufgestanden bin (und ein paar Minuten später wie eine Irre aus dem Bad gerannt kommen musste, weil ich den Wecker vergessen hatte auszustellen), freue ich mich noch mehr als vorher auf die Wirkung.

Jetzt gehe ich erstmal noch das Verb „izan“ (sein) zu Ende konjugieren lernen (ni naiz, zu zara, hura da, und die drei Pluralformen habe ich noch vor mir), dann bin ich auch für Baskisch morgen wieder halbwegs optimal vorbereitet. Heue Nachmittag war ich so müde, dass ich mich mehr schlecht als recht durch die knapp 200 fälligen Vokabeln gequält und mir vermutlich die gesamte Statistik versaut habe, aber nach einer Woche wie der vergangenen ist mir das Schleifenlassen meiner täglichen Vokabelpflichten doch hoffentlich zu verzeihen. Dafür habe ich alle anderen anfallenden Arbeiten (Redacción – ein Bewerbungsschreiben – und Phonologie II – eine benotete Übung) weit vor Ablauf der Deadlines erledigt. Einen Applaus bitte.

Dann wollen wir doch mal sehen, was diese Woche noch so alles bringt.
Hauptsache nicht das, was ich gerade befürchte, nämlich eine schreckliche Mandelentzündung. Alles, nur das nicht, bitte.

Unreal.

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Heute (naja, gestern) hatte ich ein Gespräch mit dem wunderbarsten, kompetentesten Psychiater aller Zeiten. Der Mensch ist so vertrauenswürdig, dass ich ihm ohne irgendwelche Bedenken mein wackeliges Befinden in die Hände gelegt und mir das Zeug, das er mir verschrieben hat, gleich danach in der Apotheke bestellt habe.

Uni war geringfügig zermürbend. Die Grammar in Context-Dozentin wollte uns irgendwelchen Schmarrn weismachen und hat sich nichtmal auf eine ordentliche Diskussion mit mir eingelassen, und ich war zu schlafentzogen und matschig, um hinterher noch zu ihr hinzugehen und auf der offensichtlichen Wahrheit zu beharren und nicht eher aufzugeben, als bis sie es auch verstanden hätte.

Im Phonetiktutorium konnte ich unbegreiflicherweise die Artikulogramme, die wir machen sollten, als eine der Schnellsten fertigstellen und habe den Kopf nach getaner Arbeit für eine halbe Minute zum Schlafen auf dem Tisch abgelegt, bis die Tutorin ankam und fragte, ob in unserer Ecke alles in Ordnung sei. (War es nicht; in meiner schlaflosen Konzentrationsbrillianz hatte ich das stimmhafte [R] in Wort „Freude“ als stimmlos eingezeichnet, aber abgesehen davon hatte ich fast alles richtig, bis auf ein paar Kleinigkeiten in anderen Wörtern.)

Türkisch war auch wieder eine einzige Tragödie; ich hatte keinen Tee mehr in meiner Thermoskanne und war schon mit den Nerven fertig, bevor ich überhaupt ankam.
Vor der Tür zum Türkischraum stand Sebi, der mit dem Dozent was klären wollte, und ich habe die Chance genutzt, um ihn meine Schlaf- und Teelosigkeit betreffend zuzujammern. Langsam müsste ich mir das mal wieder abgewöhnen; er kann ja nicht ahnen, was es für ein Privileg ist, von mir zugejammert zu werden. (Wobei das jetzt auch falsch verstanden werden könnte. Ein Privileg eigentlich nur in dem Sinne, dass es nur einer recht begrenzten Anzahl Leute plus Blog überhaupt zuteil wird, nicht in dem Sinne, dass es die herrlichste Erfahrung ist, die man in seinem Leben so machen kann.)

Nachdem die Uni endlich überstanden war, bin ich noch schnell ab zur Apotheke, um mein Zeug abzuholen. Von da aus so schnell es ging nach Hause, wo meine Hektik nahtlos dazu überging, mit Sarah die restlichen Vorbereitungen fürs Running for Dinner zu treffen, einer Aktion des Wohnheims, in der jede WG die Möglichkeit hat, zu einer anderen für einen Gang zum Essen zu kommen. Uns hatte das Los Vor- und Nachspeise zugeteilt und weil wir ja gerade letzte Woche unseren herrlichen Pürierstab gekauft haben, mussten wir ihn natürlich zelebrieren und haben Kürbissuppe und Mango-Lassi produziert; beides ist uns wirklich gut gelungen. Sogar in den Riesenmengen – zur Suppe hatten wir vier Besucher und uns selbst zu versorgen und zum Nachtisch sogar sechs. Zur Hauptspeise waren wir drüben im anderen Haus bei einer ziemlich netten WG, deren drei Teilnehmer uns mit Salat, selbstgemachter Pizza und Wein verpflegt haben.

Nachdem ich hier noch ein bisschen Klarschiff gemacht hatte, wurde es Zeit, mein Versprechen einzulösen und Caro zu schreiben; ich hatte ihr gesagt, das würde ich tun, wenn ich vom Arzt käme. Und siehe da: Gerade war ich dabei, ihr eine hochdramatische Nachricht zu schreiben mit dem ungefähren Inhalt, sie solle sich dreimal überlegen, ob sie wirklich meinte, was sie da gesagt hatte, und dass das Zeug jetzt erstmal ein bisschen brauchen würde, bevor es wirkt, ich daher keine Risiken eingehen wollen würde und sollte sie irgendeine Art Ressentiment oder sonstige negative, nicht zu 100% unterdrückbare Gefühle mir gegenüber haben, ich sie bitten würde, mich bis das geändert wäre einfach nicht mehr zu kontaktieren. Dass ich mich aber auch freuen würde, falls sie tatsächlich vorhätte, mir zu helfen.
– da schreibt sie mir, rate dreimal, wo? Bei ooVoo. Sie hat sich ooVoo wieder runtergeladen. Wenn ich mir nur überlege, wie überfordert ich davon vor einer Woche noch gewesen wäre. Ich wäre ja glatt wieder am Hyperventilieren gewesen.

Jedenfalls habe ich ihr verkündet, dass ich eh gerade dabeiwar, ihr zu schreiben. Ich war eher dramatisch gelaunt und nicht so adrenalisiert wie letztens und außerdem fest entschlossen, diesmal meine Würde zu behalten. Trotzdem hatte ich einen unglaublichen Horror vor der Vorstellung, sie würde dazu tatsächlich nichts mehr schreiben. Tat sie dann aber, sodass eine weitere Unterhaltung zustandekam, die mir vielleicht, wenn ich sie in wachem Zustand nochmal überdenke, noch besseren Aufschluss über die Situation geben kann. Jetzt erstmal bin ich einfach nur geschlaucht, gehe ins Bett, freue mich auf angenehme 4h44min Schlaf (ach was, als ob ich je in 14 Sekunden den Eintrag zu Ende getippt, abgeschickt, und den Computer zugeklappt bekomme) und die Uni – insbesondere auf Redacción nachher um viertel nach acht. Oh Graus! (Alle Leute laufen schnell nach Haus!) (Schön wär’s.)

The Hill – und sonstige Komplikationen

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Noch mehr Musik – in letzter Zeit kann sich meine Produktivität wirklich wieder sehen lassen.. Gestern bin ich mit meinem The Hill-Cover fertiggeworden! Vieras was für ein Projekt, ich hatte vier Vocals-Takes untereinander in Audacity und bis ich das alles sortiert hatte.. uff. Normalerweise nehme ich höchstens zwei und bin damit dann immer schon geringfügig überfordert.
Und das Textvideo hat sich auch quergestellt und nochmal Stunden an Arbeit gefordert, und dabei sehen sie immer so simpel aus, wenn sie erstmal fertig sind.


Naja, ich freue mich, es überhaupt geschafft zu haben. Auch so, vom Ding her, weil das Verhältnis von mir und dem Song ja nicht das unkomplizierteste ist.

Wo wir schon dabeisind, ich hatte letzte Nacht den schlimmsten Şahin-verlässt-mich-Albtraum seit Monaten; muss an dem Psycho-Disaster gestern Nachmittag gelegen haben (auf das ich lieber nicht weiter eingehe).

Und ich bin schon wieder leicht panisch. Für heute Nachmittag habe ich mich mit Sebi zum Gole Yakh-Verstümmeln verabredet, was an sich so tragisch ja nicht gerade ist, aber seitdem ich ihm aus Versehen von meinen Medikamentenplänen erzählt habe (in vier Tagen ist mein Termin! Endlich. Gut, dass mir das gerade wieder einfällt, ich hatte irgendwie immer den 15. im Kopf, es ist aber der 14.!) , ist es mit ihm immer so merkwürdig awkward. Ja gut, ich bin eh awkward, aber er normalerweise nicht, und seitdem habe ich immer das Gefühl, als ob er gar nicht wüsste, wie er mit mir reden soll. Ich meine, wir sind uns im Supermarkt begegnet – ganz lustiger Zufall eigentlich, hinter mir hat so ein Mann gefühlte fünftausendmal geniest, sodass Sebi, der vor mir war, sich umgedreht und mich gesehen hat. Es ergab sich folgende Konversation:

„Gesundheit!“
– „Ich war’s zwar nicht, aber danke.. Hi!“
– „Wie geht’s dir?“
– „Joa, geht.. Dir?“
– „Joa, ganz gut..“ Pause.  „Einkaufen?“
„Neeein.. Du?
– „Natürlich nicht.. Was machst du am Wochenende?“
– „Äääh.. nicht viel. Wollen wir das Lied nochmal ausprobieren?“

Oh Gowai. Das ist doch nicht der gleiche Mensch wie vorher. Ich hätte einfach nicht so viel schwallen dürfen. Dann wäre ich nicht zu jemandem geworden, mit dem umzugehen so schwierig ist, dass man ihn mitten im Kaufland fragt, ob er gerade einkauft. Hilfe. Ich muss das irgendwie wieder rückgängig machen. Aber nochmal damit anfangen kann ich ja auch schlecht. Aaaaah. Was habe ich da bloß wieder angestellt.

Spieglein, Spieglein

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Es sieht irgendwie ein bisschen nach übler Phase aus. Ich kann es nicht abwarten, endlich die Medis zu bekommen. Wenn ich mir überlege, dass ich vor Kurzem noch darüber nachgedacht habe, gar nicht erst damit anzufangen. Jetzt will ich einfach noch die nächsten drei Wochen so überstehen und dann gerettet werden. Außer natürlich, meine endlose Nutz-, Sinn-, Hilf-, Hoffnungs-, Ziellosigkeit, Inkompetenz, Unfähigkeit, and what have you.. sind alles Realität und kein Figment meiner überproduktiven Einbildung, wie ich mir momentan einzureden versuche.
Es redet die Einbildung zurück: Ich kann nichts, ich verstehe niemanden. Niemand versteht mich. Ich werde nicht gebraucht. Ich werde nicht gehört. Ich habe nichts zu sagen. Ich bin egal. Ich habe nichts und niemanden. Nicht wirklich, nicht auf Dauer, ich sehe es mir jetzt schon alles zwischen den Fingern durchrieseln. Ein permanenter Kampf gegen das Bedürfnis, lieber selbst alles kaputtzumachen, bevor es ein Anderer tut. Ich verachte mich ganz schlimm für das ewige Selbstmitleid. Ich wäre so gern so anders. Ich wäre so gerne gut. Ich kann nicht mehr, ich bin kaputt, und ich frage mich, ob ich jemals meine Konzentration auf irgendetwas richten könnte, das nicht ich selber bin, ich bin so entsetzt über meine Egozentriertheit.