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Auferstanden aus Ruinen – Texte, Menschen.

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Noch gute zehn Seiten und ich bin fertig mit diesem Grottentext. Oh, wie ich Studenten mittlerweile verachte… zumindest diejenigen, deren Abschlussarbeiten ich praktisch neu schreiben darf, während sie im wahrsten Sinne die Credits dafür einheimsen. Worthülse für Worthülse fällt der unerbittlichen Zerstörungskraft meiner Delete-Taste zum Opfer. Satzruine um Satzruine baue ich um, werte ich auf, mache ich lesbar für Augen, die mindestens so empfindlich sind wie meine.

Das ist anstrengend, das ist frustrierend, das ist auch irgendwo einfach wahnsinnig ungerecht. Aber natürlich kann ich mich nicht beschweren – ich mache diese Arbeit gut, ich mache sie zumindest so gern, dass ich nicht dabei verkomme, und ich habe keine Alternative. Was ich habe, ist alle Flexibilität der Welt und – essenziell für mein Funktionieren in jeder Hinsicht – meine Selbstbestimmung. Und noch dazu, wenn das auch definitiv eine untergeordnete Rolle spielt bei dem Niveau, das diese Texte haben größtenteils, die Möglichkeit, in verschiedenste Themen Einblicke zu bekommen. Noch dazu – viel interessanter eigentlich – in die Leben und Köpfe verschiedenster Menschen.

Ja, im Großen und Ganzen will ich wirklich nicht meckern.

So nebenbei:

  • Basti ist Vater geworden; sein Sohn kam am 3. Mai auf die Welt. Alles gut soweit.
  • Ich hatte die letzte Woche über freundlichen Besuch von einer Blasenentzündung, die mittlerweile (ich hoffe!) kaum noch spürbar, aber auch noch nicht ganz verschwunden, in den allerletzten Zügen hängt.
  • Ich habe so absolut keine Lust auf diese Bolivienreise, aber ich weiß natürlich, dass sich das ändern wird, sobald ich sie antrete.
  • Ich werde zuvor zwei Tage in Konstanz verbringen, um Basti, Mats und Alina zu besuchen. Basti bringt mich von dort aus nach Frankfurt zum Flughafen.
  • Übermorgen bin ich ebenfalls in Frankfurt, ein Umstand, den ich gerne mal vergesse, weil alles, das nicht Gegenwart ist, momentan gnadenlos ausgeblendet wird. Aber es ist das Glen-Konzert in der alten Oper, zu dem ich mit Becci und Cornelia gehe, und ich sollte mich freuen. Freue dich gefälligst.
  • Nächste Woche treffe ich mich mit Caro, die auf Heimatbesuch nach Deutschland kommt, in Karlsruhe. Wir gehen im Hans im Glück essen und – tatsächlich – darauf freue ich mich. (Wahrscheinlich weil es weder genug Umstände macht noch – anders als das Glen-Konzert – nah genug bevorsteht, um Panik zu erwecken.)
  • R ist dem Programmierwahn in Gänze verfallen und stürzt sich praktisch auf den Computer, sobald er nach Hause kommt. Gleichzeitig gibt er sich allerdings alle erdenkliche Mühe, unser gemeinsames Leben dabei nicht zu vernachlässigen, und ich habe mich meinerseits daran gewöhnt. Es ist also nach und nach ein wunderbares Equilibrium entstanden, in dem sich alle Parteien wohlfühlen – zumindest empfinde ich das so.
  • Ich habe gemeinsam mit der Therapeutin beschlossen, die Medis herunterzudosieren, wenn ich aus Bolivien zurück bin. Davor habe ich Angst, aber ich bin fest überzeugt, dass es sein muss. Ich fühle mich, als hätte ich in der Therapie alles erreicht, was im Rahmen der Abschirmung durch die Medis möglich war – now let’s tackle the real issues.
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Richtiger Kaffee

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Oh, diese Phrasen, die man einmal hört und dann ein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Jeden Morgen beim Kaffeemachen. „El agua tiene que estar hirviendo.“ Das war Marta aus dem CRLP, die mit den Kollegen über die Kunst des richtigen Kaffees redete, während der Chorreador seine tägliche Arbeit verrichtete.

Jedes Mal beim Ausleeren von Flüssigkeit aus einem Behältnis. „No puedes ordeñar a un cartón de leche.“ Araceli in Málaga, die mich dabei beobachtete, wie ich noch den letzten Rest Milch aus der Packung zu schütteln versuchte – eine Angewohnheit, die ich bis dato nicht abgelegt habe.

Jedes Mal beim Blick auf die letzten Herbst containerten Zierpflanzen auf meiner Terrasse. „Kann man Stacheldra essen?“ Yannick, während wir die leicht verstümmelte Aufschrift auf den Töpfchen zu entziffern versuchten.

So vieles entzieht sich mittlerweile meiner Erinnerung, über weiten Teilen meiner Vergangenheit liegt dichter Nebel, mein Gedächtnis hat sich irgendwann zum Streik entschlossen oder lässt mich einfach nicht mehr teilhaben an allem, das es aufbewahrt. Und dazwischen diese random Schnipsel, die sich einfach eingebrannt haben.

Ich ziehe immer häufiger in Erwägung, die Medis herunterzudosieren, auch wenn ich mich davor fürchte, was unter dem Schleier liegt, und davor, wie es sich auf meine Funktionalität auswirken könnte. Aber ich kann es nicht ab, wie alles vorbeizieht, ohne wirklich zu mir durchzudringen. Ich kann nur diese Woche nicht damit anfangen, weil mein Therapietermin heute ausfiel und ich den Beistand der Therapeutin benötige.

Ich habe neulich ein Interview mit Bert McCracken gelesen, in dem unter Anderem darüber berichtet wird, wie einer seiner besten Freunde sich umbrachte, nachdem er eine Woche lang seine Medikamente nicht genommen hatte. Davor habe ich auch Angst. Aber ich halte mich für fähig genug, das zu vermeiden. Ich muss einfach dafür sorgen, dass noch Medis im Haus sind, sodass man zur Not direkt wieder damit anfangen kann. Und mit Leuten reden, um die eigene Wahrnehmung geradezurücken. Das ist das Allerwichtigste. Dazu muss man sich auch zwingen, wenn man gar keinen Sinn darin sieht. Gerade dann.

Aber genug davon. Ich muss arbeiten und Becci ruft mich irgendwann an, um unseren Urlaub zu besprechen, bzw. ob dieser stattfindet. Ich hoffe so halb, dass wir uns dagegen entscheiden, denn die Aussicht auf eine Reise überfordert mich und ich würde im Grunde gern daheim bleiben, sehen, wie sich meine Keimlinge entwickeln und ob sich demnächst eventuell doch mal sowas wie Frühlingswetter hier einstellt. Die zwei-drei warmen Tage vor einer gefühlten Ewigkeit waren trügerisch und habe nur dazu geführt, dass ich einen Teil der Pflanzen zu früh rausgestellt habe, welche im darauffolgenden Regeninferno teils von umfallenden Obelisken erschlagen und teils überwässert wurden. Oh, meine arme Paprika. Oh, meine arme Kurkuma.

Aber ich ziehe neue Zinnien, Wunderblumen, blühende Sträucher aus Martinique und Tomaten sowie ein paar Chilis heran, nicht weil ich unbedingt Chilis brauche (mein Vorrat reicht schon bis in die Unendlichkeit), sondern weil sie einfach so hübsch sind und irgendjemandem bestimmt eine Freude bereiten, wenn ich sie dann ernte. Und wer weiß – falls ich tatsächlich mal in die glückliche Lage komme, ein Gewächshaus um meine Behausung herum bauen zu können, können all diese Pflanzen dort einziehen.

Es ist tatsächlich ein Ding, Häuser im Gewächshaus. Ich habe dies R gegenüber bereits als mein neues Lebensziel deklariert und – welch angenehme Überraschung – er sagte, er würde liebend gern mit mir in ein Gewächshaus ziehen. Natürlich sagte er dies auch damals über mein Selbstversorgerprojekt, was ich ihm sogleich vorhielt, aber er entgegnete, dies sei ein realistischeres Ziel. Plus, es kommt mit so vielen Vorteilen: Heizkostenminimierung, effiziente Ausschöpfung aller Ressourcen inklusive Regenwasser und sogar Komposttoilette, wenn man es richtig macht. Solch ein Ding zu planen wäre ein Traum, darin würde ich aufgehen.

Nun rede ich erstmal mit Becci.

Blaue Katzen

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Himmels Willen, was ist denn hier passiert? Da ist man ein paar Wöchelchen nicht da und sie ändern im Backend einfach die Farben. Hat fast was von SchülerVZ, dieses Weiß-Rosa.

Nun gut, damit kann ich leben. Noch besser lebe ich allerdings, weil ich heute zum ersten Mal dieses Jahr, zwecks Therapeutentermin, das Haus verlassen habe und mir das gutgetan hat. Rauskommen ist generell immer ganz super, nur es bis dahin zu schaffen stellt eine enorme Hürde dar, der ich mich aktuell ganz gut entziehe. Aber ich hoffe, dass es bald wieder besser wird. Kann eigentlich nur.

Irgendeinen magischen Einfluss scheinen allerdings meine Therapiesitzungen auf das Finanzamt zu haben. Als ich heute wiederkam und den Briefkasten aufmachte, befand sich darin, man höre und staune – meine Umsatzsteueridentifikationsnummer. Genau wie das Schreiben mit der Aufforderung, mich beim Elster-Portal anzumelden, letztes Jahr auch an einem Donnerstag ins Haus geflattert kam, als ich schon ganz und gar überzeugt war, mich nochmal selbst beim Finanzamt melden zu müssen.

Somit kann ich nun also, vorausgesetzt, sie behalten mich bei Scribbr, das Geld, das ich mir dort erarbeite, auch tatsächlich ausgezahlt bekommen.

Mein Kalender kam auch heute an. Dies wird mein drittes Jahr als bekennende Paperblankssüchtige. Ein Glück fliegen diese kleinen Buchkalender bei Ebay nach Weihnachten überall herum. Ich habe dieses Mal einen mit blauen Katzen abgestaubt und würde mich nun daran freuen, wären denn meine Emotionen momentan für mich erreichbar.

Ich habe die Medis zurück auf 10 mg herunterdosiert, nachdem der erhoffte Motivationsschub auch auf der höheren Dosis ausblieb und mir dafür der klägliche Rest meiner Gefühlswelt auch noch abhandenkam. Dann doch lieber wieder nichts gebacken bekommen und dabei wenigstens ein schlechtes Gewissen haben, statt einfach nur stumpf vor mich hinzuexistieren und dabei, wenn überhaupt, höchstens noch weniger zu schaffen.

Gleich wird jedenfalls erstmal mit Caro geredet. R kommt spät wegen Solid. Donnerstags sollte die Pflege sozialer Kontakte zur Außenwelt ins Pflichtprogramm gehören – wenn ich denn eines hätte.

Mehr Medis

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Okay, okay, ich hab’s ja verstanden. Scribbr-Aufträge sofort annehmen, sonst verschwinden sie einfach. Auch wenn man einfach nur warten wollte, bis man wieder am Computer sitzt, um direkt damit anzufangen, nachdem man sie angenommen hat.

Oah. Das wirft meinen ganzen Tag durcheinander. Ich war nicht darauf vorbereitet, heute noch irgendetwas Anderes tun zu müssen. Natürlich will ich auch eigentlich nichts tun. Aber da ich nun keinen Scribbr-Auftrag mehr zu bearbeiten habe, fällt dafür die Legitimation weg.

Immerhin, es ist sehr sonnig heute. Ich sollte es also hinbekommen, mich im Bad fertig zu machen und zumindest kurz den Berg runter zur Apotheke zu fahren, um meinen Medi-Nachschub zu organisieren. Der mir dann nur noch zwei Monate hält, weil ich die Dosis auf anderthalb Tabletten à 10 mg am Tag erhöhe.

Ich bin ein bisschen skeptisch, was das betrifft. Einerseits fühle ich mich schon jetzt durch die Medis größtenteils zu abgekapselt von allen Emotionen, andererseits erhoffe ich mir von der höheren Dosis einen gehörigen Schub Motivation, den ich tatsächlich gut gebrauchen könnte. Ich schätze mal, wenn das Ergebnis nicht gut ausfällt, kann ich immer noch auf die ursprüngliche Dosierung zurückstufen.

Gut, dann nehme ich das mal in Angriff.

Kalter Truthahn

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Mir sind also tatsächlich die Medis ausgegangen: seit Donnerstag hänge ich auf dem Trockenen. Mit dem Abholschein für die Apotheke in der Tasche. Aber da ich es selbstverständlich hinbekommen habe, mir meinen Stoff bei der einzigen Apotheke stadtweit zu bestellen, die Samstag geschlossen war, wurde aus den eh schon suboptimalen zwei Tagen Pause dann einfach mal eine halbe Woche.

Ich bin erstaunt, auf der einen Seite, darüber, dass es mir mental nicht wirklich über die Maßen den Kopf zerschießt. Natürlich ist es spürbar, dass da etwas ganz und gar nicht so läuft, wie mein Hirn das gerne hätte, aber ich habe nicht den leisesten Anflug von Aggressionen zu spüren bekommen bisher, was ich vom letzten Entzug – dem glorios fehlgeschlagenen Absetzversuch 2014 – nun wirklich nicht behaupten kann. Und auch sonst lassen sich die psychischen Auswirkungen dieses ungeplanten Absetzens Nummer zwei so überhaupt gar nicht mit denen seines Vorgängers auf eine Stufe stellen. Außer dem einen Moment, wo R einen seiner beispiellosen ungerechtfertigten Ausraster geschoben hat und mir dieser weitaus mehr auf die Nieren ging, als es vermutlich sonst der Fall gewesen wäre, kam ich mir so gefestigt vor wie davor auch.

Weniger Gelassenheit beweist dagegen mein Körper. Wobei ich selbst in dem Bereich bis spät in diesen Nachmittag hinein noch der Meinung war, zur Not auch mal ein paar Wochen mit andauernden Brainzaps leben zu können, aber als es dann vorhin so absurd schlimm wurde, dass ich nicht mehr wusste, ob ich sterbenshungrig bin oder einfach kotzen muss, habe ich von der Idee, es vielleicht mit dem Absetzen nochmal durchzuziehen, dann doch wieder Abstand genommen. Genauer gesagt hatte ich keine Ahnung, wie ich morgen zur Apotheke kommen und mir das Zeug besorgen sollte. Stromschläge gepaart mit furchterregender Übelkeit und einer absoluten Bewegungsunfähigkeit plus das akute Bedürfnis, mich in Grund und Boden zu heulen, haben also bislang den widerlichsten Moment dieses Entzuges ausgemacht.

Zum Glück habe ich mich dann aber dazu durchringen können, R im Nebenzimmer anzurufen, wo er an seinem DJ-Set für die Hochzeit seines Kumpels Simon arbeitete, sodass er herauskam und mir was zu essen machte. Nach anfänglich verstärkter Übelkeit hat das auch tatsächlich geholfen. Ein Glück.

Ich habe nun ein paar Stunden gezockt, was ausgezeichnet funktioniert, weil man durch das Starren auf einen Punkt so wunderbar jede Augenbewegung vermeidet und somit auch die Brainzaps eine Pause einlegen. Jetzt gehe ich ins Bett und morgen, sobald ich aufwache, bereite ich dem Spuk ein Ende und begebe mich in die Stadt. Glaube ich mal. Außer natürlich, es wird morgen auf wundersame Weise ein ganzes Stück erträglicher.

18 Liter Rhinozerus

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So. Produktiv ist zwar was Anderes, aber ich habe immerhin

  • das Formular für die Verzichtserklärung an meinen alten Handyanbieter geschickt
  • die Bestellung für meinen Handyvertrag ein zweites Mal ausgeführt, nachdem die erste schon zu lange her war und inzwischen ohne mein Zutun wieder storniert wurde
  • einen Dörrautomat voller Rosinen-to-be im Bad laufen
  • eine Monster-Massenbestellung Rhino’s Energy Drink für R getätigt (nach erneuter gründlicher Recherche über dessen Inhaltsstoffe, bis ich zu dem Schluss kam, dass er auch definitiv vegan ist) – jetzt muss ich nicht mehr mit ansehen, wie er sein Geld für  unökologische 250-ml-Dosen Red Bull zum Fenster rausschmeißt
  • ein Poster und zwei Hanf-Raumduft-Anhänger zu Free your Stuff gestellt.

Deshalb verleibe ich mir den Red Bull aus R’s Arbeitsvorrat mit halbwegs erträglichem Gewissen ein (plus, ich habe ihn vorher gefragt) und harre der Dinge, die da nun noch kommen. Eine Sache muss ich noch für die Uni erledigen – wollte ich seit Tagen tun, aber meine Güte, es ist so überflüssig.

R hat sich wieder hochdiszipliniert um sein Papierchaos gekümmert, wie er es seit Wochen an freien Tagen zu tun pflegt – zehn Jahre Messiedasein ist er am Aufarbeiten; ich bin unsagbar froh darüber und mache mir gleichzeitig so meine Gedanken über diese neue Rollenverteilung, die sich hier so ergeben hat. Es ist ungewohnt und ein wenig besorgniserregend, um halb zwölf Uhr aufzustehen und einen seit Stunden aktiv seinen Kram sortiert habenden R anzutreffen, der einem verkündet, alle grundlegenden Bestandteile für ein leckeres Frühstück seien vorbereitet in der Küche vorzufinden. Kaffeewasser sei warm, meine Tasse schon mit allen Zutaten gefüllt neben der Mikrowelle und er würde mir nur noch die Schichtarbeit überlassen.

Also schichtete ich Tomaten, Salat, Gurken, Salami und Rührei auf Brote und fertig war das Frühstück. Wir waren gestern zusammen containern, und ein Glück war ich nicht allein, die Ausbeute war wieder derart übertrieben, dass wir schon zu zweit bedauerlich viel zurücklassen mussten. Aber unsere kombinierten Kapazitäten reichten immerhin aus für drei enorme Eimer Sahnesauce mit Äpfeln und Zwiebeln, Kartoffel- und Nudelsalat sowie acht 1-l-Packungen „Schlemmer-Rührei“, eine Tüte geraspelten Rotkohl und etliche Minipackungen Sojasahne. So muss das laufen; ich bin entzückt.

Oder sollte entzückt sein; zu unverfälschten emotionalen Reaktionen sehe ich mich medi-induziert wieder mal nicht in der Lage. Ich bin am Überlegen, einen Absetzversuch mit begleitender Therapie zu starten. Überweisung und zwei Empfehlungen für taugliche Therapeutinnen hätte ich ja sogar bereits. Hm. Ich werde nochmal drüber nachdenken.

Jetzt noch eine Runde zocken. Wieso auch nicht.

Leben! Ja! (Happy holidays.)

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Ich habe das Gefühl, ich wache auf. Ich merke es an allen möglichen Ecken und Enden, vor allem daran, dass ich den Dingen wieder ins Auge sehen kann.

Ich möchte mein Aufwachen gar nicht so sehr zelebrieren, wie ich es tue, denn natürlich weiß ich nicht, wie lange es diesmal anhält. Aber wenn es nun einmal das erhebendste Gefühl der Welt ist…Yes, meine Gefühle sind wieder da!

Ich habe eine Hunderterpackung Escitalopramtabletten in meiner Tasche. Neunundneunzig sind noch drin. Dieser riesige Stein, der mir damit vom Herzen fällt. Dazu bekam ich von der überaus freundlichen Psychiaterin auf meine Nachfrage hin zwei Empfehlungen für Psychotherapeuten, bzw. -innen, deren Art der Interaktion mit dem Patienten sich (ich habe mich vergewissert) grundlegend von der meiner damaligen Therapeutin unterscheidet, und eine entsprechende Überweisung noch dazu, und eine neue Diagnose: Ich habe mich dieser zufolge von mittelschwerer zu leichter Depression hochgearbeitet, oder besser gesagt: wurde von den Medis dorthin hochgeschaukelt. Jetzt kann ich mir überlegen, ob (und ich hätte fast Lust darauf) ich an den verbleibenden meiner Mängel nochmals im Zuge einer Therapie versuchen möchte zu arbeiten. Auch wenn es mir, wie ich heute der Psychiaterin auch sagte, im Vergleich zu Prä-Medi-Zeiten ja wirklich um solche Welten besser geht, dass ich kaum wage, mich zu beschweren.

Ich habe eine feste Verabredung mit R, heute Abend Regale anzubringen. Das wird mir guttun, denn jedes wieder angebrachte Regal bedeutet natürlich den Einzug von einem Funken mehr Ordnung auf unsere Baustelle. R ist unheimlich genervt von meinen einrichterischen Unternehmungen (Marke Hochbett und damit verbundene Umräumaktionen). Ich habe versucht, ihm begreiflich zu machen, dass es mir damit kaum besser geht, was zwar paradox erscheinen mag bei der Häufigkeit, mit der diese bei mir auftreten, doch (wie ich hoffe) verständlicher, wenn ich Caros einstige Feststellung anbringe, ich würde einfach sehr viel auf mich nehmen, um ein gewisses Resultat zu erzielen (damals ging es um die Mengen an Essen, mit denen ich mich foodsharerischerweise abgeschleppt habe, vor denen Andere vermutlich kapituliert hätten).

Ich habe mich, wo ich schon beim Thema bin, auch zum ersten Mal im Leben auf foodsharing.de selbst in ein Abholteam eingetragen. Wir haben in Konstanz nie wirklich mit der Website gearbeitet und alles über Facebook und Google organisiert, sodass ich selbst als Betriebsverantwortliche bisher mit der Seite nichts zu tun hatte. Ich mochte die Organisation in Konstanz wesentlich lieber, aber ich schätze, es macht schon Sinn, die Seite zu nutzen, wenn man in einer Stadt von doppelt so großer Bevölkerung agiert. Irgendwann kann man eben nicht mehr alles zentral organisieren. Was ich extrem schade finde, aber okay.

Ich habe meine Katze auf dem Bauch liegen, zwischen mir und dem Computer, und höre sie ganz leise schnurren. Sie ist eine komische Katze, deren Schnurren man kaum je zu hören bekommt, obwohl die Vibrationen häufig zu spüren sind, wenn man sie streichelt. Und ab und an, wenn sich ihr Schnurren doch einmal auf eine für menschliche Ohren wahrnehmbare Lautstärke heraufschraubt, alle Jubeljahre mal, ertönt eine Art verstopftes Geräusch, das mich immer denken lässt, dass ihre Schnurrkanäle Aktivität dieser Klasse kaum gewohnt sind und zwischendurch einrosten.

Ich werde von Kommilitoninnen gefragt, ob ich mit in die Mensa komme, mehrmals, und eingeladen, sie nach der Uni zu begleiten – wie heute -, um eine weitere Kommilitonin vom Probearbeiten im um die Ecke gelegenen Café abzuholen und bei der Gelegenheit selbst noch einen Kaffee zu trinken. Das hört sich so unheimlich selbstverständlich an, aber auf der Radfahrt bis zur Bushaltestelle wurde mir wieder einmal klar, wie undenkbar es noch vor wenigen Jahren gewesen wäre, diese Art Leben zu führen. Und so bin ich wieder dankbar, obwohl es grau draußen ist, und kann, wenn mich jemand fragt, wie lange ich denn schon lebe, so wie es Kepa neulich tat, ohne Zweifel und mit gutem Gewissen antworten, dass es schon vier ganze Jahre sind.

upworthy.com

Headed for… something.

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Es geht vorwärts. Ich bin nicht ganz sicher, welchem Ziel oder Ereignis oder Zustand oder Ergebnis entgegen, aber ich bin am Leben und es passieren Dinge. Zumindest einige, wenige, kleine.

Ich war noch nicht in der Uni diese Woche, womit sich die dieswöchige Anzahl geschwänzter Kurse nunmehr auf 4 beläuft. Heute Abend gehe ich hin, ich muss hingehen. Nicht nur, weil ich den Griese-Kurs bereits einmal geschwänzt habe und sie eine der wenigen auf Anwesenheit jedes Einzelnen bedachten Lehrkräfte ist, sondern weil ich es mir nicht durchgehen lassen kann, diesen Grad an Verlotterung. Selbst vor den Kommilitoninnen habe ich mich mit der Ausrede post-konzertaler Erkältung aus der Erklärungsnot gewunden; ein Durchhänger dieser Sorte hat auf dieser Stufe nicht mehr vorzukommen, im BA vielleicht, ja, ganz sicher sogar, aber wie immer kommt diese gefährliche Absenkung meiner Hemmschwelle mit ein paar Jahren Verspätung.

Was ich dafür geschafft habe, vorgestern und gestern und heute, ist Räum- und Einzugsarbeit. Ich würde sagen, ich bin fast soweit, den Kleiderschrank mit R zusammen ins rosa Zimmer umsiedeln zu können. Das Büro unter dem Hochbett nimmt Gestalt an und alle dazugehörigen Möbel sind, as of now, an ihren angedachten Stellen zu finden. Fehlen noch die langen Regalbretter, für die ich R’s Hilfe brauche, dann kann dieser Teil der Wohnung als fertig betrachtet werden. Fertig. Oh herrliche Vorstellung.

Gestern Nachmittag rief mich R an, um mich zu bitten, ihm einen Briefumschlag rauszulegen, bevor ich zum Foodsharing-Plenum fahre (von solchen Dimensionen ist das Chaos hier, dass ich den alleinigen Überblick über Teile der Wohnung habe und solche Maßnahmen nötig sind, um R elendige Suchaktionen zu ersparen) – er hatte eine wichtige Sache zu bearbeiten in Verbindung mit dem dummdreisten Miethai aus München, der ihm aktuell wieder den Kampf angesagt hat (The Murat Returns). Jedenfalls fragte er mich bei der Gelegenheit noch nach meinem Befinden, woraufhin ich ehrlich antwortete, dass mir meine Lethargie auf den Sack gehe, und aus irgendeinem Grund half mir das, nachdem ich aufgelegt hatte, mich zum Erledigen einiger zuvor undenkbarer Sachen zu bewegen. In den verbleibenden zwei Stunden, bevor ich losmusste, habe ich geduscht, mich fertig angezogen, das Katzenklo gereinigt, Wohnzimmermöbel umgestellt, zwei Bilder aufgehängt, Deko umdekoriert, zwei Absätze für den heutigen Griese-Kurs übersetzt, mein Zeug auf R’s Computer sortiert und den Inhalt eines gesamten Kurses von Moodle heruntergeladen, während ich den gesamten Tag davor nicht in der Lage gewesen war, über ein wenig Referatsrecherche hinaus irgendetwas zu tun.

Dann war ich beim Foodsharing-Plenum, was irgendwie nur semi-cool war, aber natürlich trotzdem notwendig und vor allem besser, als wäre ich nicht hingegangen. Zurück zu Hause saß ich mit R auf dem Sofa herum und er fragte mich, wie es mit meinen Medis aussähe, woraufhin ich aus dem Nichts anfing zu heulen und ihm erklärte, dass ich es seit Wochen nicht schaffe, den Psychiater anzurufen. Er bot daraufhin an, ihn für mich anzurufen. Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, aber ich fand es sehr lieb. Es mag sich abstrus anhören, aber nach der gefühlten Ewigkeit der letzten paar Wochen, die meine Gefühlswelt von diesem zu dicken Filter aus Gleichgültigkeit ummantelt war, hat mich diese vielleicht einstündige spontane Attacke roher Verzweiflung gestern Abend fast schon erleichtert. Immerhin mal wieder direkter Zugang zu einer Emotion irgendeiner Art. Wahrscheinlich bin ich aus dem gleichen Grund auf dem Konzert am Sonntag so wunderbar durchgedreht. Da war der Filter auch weg. Konzerte erreichen immer die Seele. So wie ADTR damals am 29.10.11, dieses absurdeste Konzert meines Lebens.

Becci hat beschlossen, dass wir im Mai nächsten Jahres ADTR zusammen besuchen werden; sie spielen in Offenbach und wir hatten schon länger überlegt, hinzugehen. Ich hatte ihr gesagt, ich würde mich nach ihr richten; ich habe kein wirklich starkes Bedürfnis, sie nochmal zu sehen, würde aber selbstredend mitkommen. Nach eingehendem Studium von Homesick und What Seperates Me From You ist Becci nun also offenbar überzeugt, dass man sich diese Band durchaus mal gegeben haben sollte. Ich bin froh darüber und freue mich irgendwie doch, A Day to Remember mal unter Umständen spielen zu hören, unter denen ihr Name nicht so entsetzlich wörtlich zu nehmen ist.

‚Obwohl‘ ich sollte…

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Irgendwie beruhigt es mich, dass keine neuen Bots mehr meine Einträge liken. Durch das lange Wegsein hat auch die Anzahl der vermutlich menschlichen Blogbesucher sich extrem verringert und ich kann mir wieder einreden, hier unbeobachtet vor mich hinexistieren zu können.

Ich habe der Lethargie zumindest soweit getrotzt, dass ich eine grobe Idee ausarbeiten konnte, wie mein Referat nächste Woche aussehen wird. Die Recherche dazu war nicht gerade gründlich und noch weniger ergiebig, aber… immerhin. Ich bin müde, obwohl ich bis zehn nach elf geschlafen habe. (Und da mein Referatsthema „Semantische Arten kohäsiver Konjunktionen“ lautet, klingelt jetzt offenbar bei jeder getippten Konjunktion in meinem Kopf eine dumpfe Alarmglocke, siehe „da“, „obwohl“.)

In keinem Jahr meines Lebens hat mich so wenig vorweihnachtliches Gefühl erreicht wie in diesem. Ich habe beide Adventssonntage unbeachtet verstreichen lassen und der heutige Nikolaustag rief sich mir nur in Form eines extrem großzügig gestalteten Geschenks aus Mamas letztes Wochende mitgebrachtem Adventskalender in Erinnerung. (Sie hat nicht nur mir eine riesige Tüte voller sparsam verpackter, liebevoll ausgesuchter und mit Nummern beschrifteter Geschenkchen mitgebracht, sondern R genauso mit einem nicht weniger prachtvollen Sammelsurium beschenkt, ich war fast zu Tränen gerührt.)

Ich schaffe es nicht, den Psychiater anzurufen. Meine Medis reichen noch für ~eine Woche. Ich bin verloren.

Ich bin so unfassbar lethargisch und weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Das ist doch kein Zustand. Zumindest kein akzeptabler.

…und hier und da gibt’s sogar nette Leute.

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Ach verdammt. Jetzt hatte ich mich seit Wochen mal wieder gerafft, um Leben in diese Blogwüste zu bringen (wobei das Fehlen neuer Einträge der unheimlichen Aktivität der bloglikenden Bots keinen Abbruch tut; I’m not amused, but really couldn’t care less at the same time, wobei dieser letzte Nebensatz wirklich hinter so ziemlich alles gehängt werden kann, was ich in letzter Zeit so fühle, wenn man von der Dankbarkeit, von R geliebt und von meinen Freunden unterstützt zu werden, mal absieht), da muss ich in 40 Minuten schon wieder los und werde dann auch noch durch einen Anruf von R und diverse Facebookgeschichten davon abgehalten.

Jetzt aber zum Glück nicht mehr. Ich hätte zwar mit der Kommilitonin Barbara, welche heute migränegeplagt zu Hause hängt und demzufolge gleich auch nicht mit auf den Weihnachtsmarkt kommt, wohl noch eine Weile weiter schreiben können – ich mag Barbara -, aber da ich ja eh schon wusste, dass um 19 nach mein Bus fährt und ich noch den Eintrag zustandebringen wollte, habe ich die Unterhaltung entgegen meiner Art frühzeitig beendet. „Du, ich bin mal weg.“ Ein Satz, den man von mir nicht oft hört; ich bin kaum je in der Lage, eine menschliche Interaktion von meiner Seite aus zu beenden. Meistens habe ich nicht das Bedürfnis dazu, in einigen wenigen Spezialsituationen fehlt mir einfach das Durchsetzungsvermögen (ich denke an den unvergesslichen Moment am Ende des Wochenendes, an dem Saskia mir die Dreads gemacht hat, Ende 2013 in Vitoria – dieser unfassbar viel redende Mensch stand nach 18 Stunden Schwerstarbeit (endlich – endlich – endlich im Begriff zu gehen) in meiner Wohnungstür und schaffte es, eine geschlagene halbe Stunde dort zu verweilen und von Hölzchen auf Stöckchen auf Hunde auf Katzen auf Mäuse etc. (you get the picture) zu kommen, während ich mir nichts sehnlicher wünschte, als endlich ins Bett zu kommen und mit Janine und Robert zu skypen, welche gewiss seit Stunden sehnsüchtig auf mich warteten).

Wie dem auch sei. Heute ist ein guter Tag. Das mache ich daran fest, dass ich heute die Sonne zu sehen bekam, und dieser Tatsache wiederum ist ein abruptes Abflauen der Lethargie geschuldet, in der ich momentan beheimatet bin. Wirklich, ich bin sehr charakterschwach momentan. Ich kann mich zu nichts, aber auch gar nichts bewegen und verzocke mein Leben auf dem Sofa. Das genaue Gegenteil von R, der sich so richtig am Riemen reißt gerade, einen Job im Call-Center angenommen hat (und von den Kollegen dort schon jetzt als der liebenswerte, nerdige Crack erkannt wurde, der er ist), vorhat, sein Studium zu Ende zu machen, wenn das Geld dafür erstmal da ist, und nicht mehr der Illusion erliegt, Arne, dieser hoffnungslose Fall, würde es jemals gebacken bekommen, diese Firma aufzubauen, in die er das letzte Jahr seines Lebens investiert hat.

Ein paar Sonnenstrahlen aber war heute alles, was benötigt wurde, um mir einen Funken Tatkraft einzuhauchen. Ich habe nicht sonderlich viel getan dann, aber allein dieses Gefühl, es theoretisch zu können, war erhebend. Ich hätte sogar bei dem Psychiater angerufen, wie ich es eigentlich schon letzte Woche Montag vorhatte, aber ich kam erst um drei Uhr aus Uni und Baumarkt zurück (ich habe Holzleisten von 2,40 Metern Länge im Bus hierher transportiert, ein Glück war der Busfahrer so tolerant und hat mich mitfahren lassen – auch wenn er meinte, ich bräuchte einen Lastwagen, nicht den Bus) und dachte mir dann, dass die Sprechzeiten des Psychiaters bestimmt nicht so lang sind. Sollte ich morgen tatkräftig und motiviert sein, werde ich anrufen. Es wird knapp; mein Medi-Vorrat ist praktisch aufgebraucht und ich bezweifele, sofort einen Termin zu bekommen. Und um Himmels Willen, ich brauche meine Medis. So oberflächlich gleichgültig sie mich auch machen. Außerdem trage ich, solange ich nicht endlich dort anrufe, bestimmt weiterhin den Fanny-van-Dannen-Ohrwurm mit mir herum: Ich brauche einen – neuen Psychiater.

So. Jetzt soll erstmal die Katze was fressen, bevor ich mich auf und davon mache.Vielleicht habe ich Glück und wir bleiben länger als eine Stunde auf dem Marktplatz, dann kann ich im Anschluss beim Gemüseladen vorbeifahren und schauen, ob die nette Besitzerin mal wieder was Essbares vor die Tür gestellt hat.