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Be Yourself. No One Else Wants To Be You.

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Ich habe meinen Capo verlegt. Das ärgert mich gerade sehr, denn ich wollte lernen, ‚The Way I Tend to Be‘ von Frank Turner zu spielen, und das wird ohne Capo… schwierig. Überhaupt beunruhigt es mich, nicht zu wissen, wo das Teil abgeblieben ist, besonders in Anbetracht der momentan äußerst aufgeräumten Lage hier in der Wohnung. Aber irgendwo muss er ja sein.

Nun möchte ich zur Abwechslung mal wieder was für mein Balkondschungel-Bestimmungsprojekt tun. Hier sind fünf überfällige Pflänzchen:

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Wunderblume (Mirabilis jarapa – Nyctaginaceae)_DSC0092

Glockenblume (Campanula carpatica – Campanulaceae)
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Große Brennnessel (Urtica dioica – Urticaceae)_DSC0107

Physalis (Physalis peruviana – Solanaceae)
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Floh-Knöterich (Persicaria maculosa – Polygonaceae)
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So, jetzt fühle ich mich besser. Typisch, mich davon schon wieder so grandios selbst-fremdbestimmen zu lassen.

Naja, jetzt habe ich gerade noch ein paar Nachrichten beantwortet und mir somit noch einen Teil der zu erledigenden Aufgaben von den Schultern genommen. Es fehlt nur noch Sebi, dem ich eine Sprachnachricht schicken muss (Schrägstrich möchte).

Das wäre doch eine hervorragende Gelegenheit, zu berichten, dass mich Sebi vor ein paar Wochen besuchen kam, wir ein überragendes Wochenende mit Musik und Gesprächen verbracht haben und seitdem in regem Kontakt stehen. Ich find’s wahnsinnig schön, denn ich mochte ihn schon immer sehr gern und konnte aber damals – sowohl eigenverschuldet wie auch durch mangelnde Kooperation seinerseits -, obwohl wir uns durch die Badnproben regelmäßig gesehen haben, keine zwischenmenschliche Basis mit ihm finden. Aber das Gefühl ist jetzt fast das gleiche wie mit Becci damals. „Endlich, so sollte es doch immer schon sein.“

Und oh, was tut es gut, sich mit ihm zu unterhalten. Ich brauche mehr Gefühlsmenschen in meinem Umfeld. Dadurch, dass R für Emotionsgedöns so rein gar nicht empfänglich ist und ich das aber benötige wie Luft zum Atmen, ist dieser Teil von mir ein bisschen (ziemlich) ausgehungert und über jede Möglichkeit dankbar, sich mit gleich oder zumindest ähnlich Gestrickten auszutauschen. (Ich müsste mal Sebi und Becci in einem Raum versammeln. Das dürfte der reinste Overkill werden.)

Ah. Weiteres To-Do: Sebi die Aufnahmen von besagtem Wochenende schicken. Das könnte ich wirklich mal machen.

Und dann die Steuererklärung. Argh.

Zuvor möchte ich noch kurz anmerken, dass ich das Wochenende anlässlich des Geburtstags von R’s Bruder bei dessen Familie verbracht habe und wie bereits das letzte Mal mit dem Vorsatz zurückkam, in dieses Schlangennest keinen Fuß mehr zu setzen. Nun habe ich aber heute mit der Therapeutin darüber gesprochen und sie räumte ein, was ich mir selbst schon gedacht hatte – nachdem sich R nun dazu entschlossen hat, demnächst auch mal darauf zu achten, seine eigenen Werte seinen Eltern gegenüber  durchzusetzen, sollte ich ihn damit nicht allein lassen.

(Was ist denn nun schon wieder passiert? Also gut. Ich nenne es mal den Englisch-Fischstäbchen-Vorfall. Das wäre dann der Moment, in dem mich jemand dafür anblafft, dass ich mich kurz mit meinem Freund auf einer Fremdsprache unterhalte, während mir ein Teller mit Fischstäbchen vor die Nase gestellt wird, den ich als Vegetarierin dankend ablehne und an R’s Schwester weiterreiche, um dann zu beobachten, wie R, der last time I checked außerhalb unseres Containertarierhaushaltes noch konsequent vegan unterwegs war, seine Portion ohne ein Wort verdrückt, statt meine Vorlage zu nutzen und eventuell auch mal einen Ton von sich zu geben… du musst dir diese Abstrusität vorstellen, zum einen – nicht mal unberechtigt, aber oh, in welchem Ton! – Respekt meinerseits einzufordern und zeitgleich aber kein Problem damit zu haben, meine Wertvorstellungen demonstrativ mit Füßen zu treten.

Und bevor einer fragt – ja, die wissen, was wir essen und was nicht. Ich kam vor fünf Jahren als Vegetarierin/Containertarierin in diese Familie, R’s Veganismus besteht noch länger. Und während ich nicht darauf bestehe, dass jemand für mich in eine Mülltonne klettert, und mich dahingehend zwar ungern, aber selbstverständlich als Gast an die Gebräuche anderer Haushalte anpasse, ist ein Mindestmaß an Entgegenkommen meiner Ansicht nach sehr wohl angebracht. Zumal diese Begebenheit symbolisch für eine unendliche Reihe weiterer derartiger Vorfälle steht.)

Uff. So. Jetzt sollte noch der kurze Auftrag in Angriff genommen werden, den ich vorhin angenommen habe. Und dann das Steuerzeug. Aber das geht ja zur Not auch morgen noch.

Ein Tag zum Ausnüchtern

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Uff, das war gestern heftig. Ich habe mit Mike am Fluss gesessen und ein Bier nach dem anderen verschlungen – wie man es mit Mike halt so macht. Dann kam ich heim (frag mich nicht, wie ich Fahrrad gefahren bin – es erstaunt mich immer wieder, wenn ich in solch einem Zustand heile und bester Laune nach Hause komme) und erhielt von R Abendessen und noch ein Bier. Oh je.

Für heute hatte ich gar nichts geplant (welch Überraschung). Höchstens das Übliche – Arbeiten, Scorpion, Arbeiten… das kennt man ja inzwischen. Stattdessen kam mich Daniel besuchen, der bis nächste Woche in der Stadt ist. Das verhalf mir nicht nur zu unerwarteter Gesellschaft, sondern auch zu genug Motivation, um die Wohnung zu saugen (dringend nötig, erst recht nachdem Daniel mit seinen Socken den gesammelten Dreck des Balkons in mein Wohnzimmer geschleppt hatte) und ein wenig aufzuräumen. So produktiv war ich lange nicht mehr in meinem Haushalt (traurig, aber wahr).

Ich habe mich (wie bereits das letzte Mal, als er mit Yannick vorbeikam) wirklich gefreut, von Daniel besucht zu werden. Zumal er sich mit R gar nicht mehr sonderlich gut versteht und ich ja eigentlich eben bloß die Freundin von seinem Kumpel war.

Aber es freut mich nicht nur, dass er an mich gedacht hat, sondern besonders, wie positiv er sich entwickelt hat. Ähnlich, nur noch wesentlich krasser, ist es mir mir Oscar ergangen, R’s bestem Konstanzer Kumpel, den ich früher mit Leib und Seele verabscheut habe. Nachdem ich ihn drei Jahre nicht gesehen hatte, ist mir neulich bei unserer Stippvisite im alten Zuhause die mentale Kinnlade zu Boden gesackt, als ich feststellen durfte, was für ein (vollkommen anderer – freundlicher, rücksichts- und verantwortungsvoller, beinahe bedächtiger, absolut nicht verabscheuungswürdiger) Mensch aus ihm geworden ist. Was so ein paar Jährchen ausmachen können. Auch bei Daniel. Den mochte ich zwar immer schon, aber er hat auch mittlerweile enorm an Reife zugelegt. Aber es macht Sinn, wenn man bedenkt, welch junge Spunde sie beide waren, als ich sie kennengelernt habe.

Nun bleibt mir noch ein Weilchen, bis R nach Hause kommt, falls er tatsächlich noch mit Daniel was trinken gehen sollte, der mich goldigerweise um Erlaubnis gebeten hat, ihn heute Abend zu entführen. Die Erlaubnis wurde erteilt; ich gehe eh nicht davon aus, dass R werktags groß Lust auf Eskapaden hat. Also noch ein paar Folgen Scorpion für diesen unheilbaren Seriensuchti.

Und, nicht zu vergessen, die Pflanzen des Tages. Die Fotos habe ich glücklicherweise schon gestern gemacht; heute kam (lang ersehnt) mal wieder etwas Regen runter.

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Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris – Carophyllaceae)
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Wilde Malve (Malva sylvestris – Malvaceae)
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Zitronenmelisse (Melissa officinalis – Lamiaceae)
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Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor – Rosaceae)
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Bataviasalat (Lactuca sativa var. ‚capitata nidus tenerimma‘ – Asteraceae)
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Oh mein Gowai, so. Viel. Mensch. Oder aber Die augenscheinliche temporäre Vergesellschaftung des Lebens der Aimee Delearey.

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Wie ich eben zu R sagte, als er in einem bereits wieder den Löchern meines Siebhirns anheimgefallenen Zusammenhang auf einen Facebook-Post von sich verwies, den ich natürlich nicht gesehen hatte, „ich bin praktisch nicht mehr auf Facebook. Ich hab‘ kein Leben mehr außerhalb meines Lebens.“ Woraufhin er, berechtigterweise, entgegnete, „du hast ein Leben innerhalb deines Lebens.“

Es sieht hier also momentan offenbar so aus, als würde ich alle paar Wochen mal auftauchen, verkünden, dass ich zu viel Leben und zu wenig Zeit habe, und dann wieder verschwinden, um mich erneut besagtem Leben und besagtem Zeitmangel zuzuwenden.

Zu Caro sagte ich vorgestern noch, als ich dann tatsächlich dazu kam, zum ersten Mal seit ihrem Umzug am 27. März mit ihr zu reden, ich wüsste gar nicht, ob ich das Alleinsein nicht vielleicht inzwischen völlig verlernt hätte. Es ist andauernd jemand hier, andauernd.

Ich begreife gar nicht, wie das auf einmal passieren konnte. Daniel pennt hier in regelmäßigen Abständen, beglückt mich mit hilfreichen, aber maßlos überambitionierten Vorschlägen und Materialsintfluten für meine Bachelorarbeit und unterrichtet Basti, der praktisch drei Viertel seines wachen Lebens außerhalb der Arbeit hier verbringt, nebenbei in Euskera. Dazwischen das gelegentliche Drama mit Lisa, deren Freund sich spätestens zu diesem Zeitpunkt einwandfrei als eins der größeren Arschlöcher der Geschichte enttarnt hat.

Über Ostern hatte ich Simone hier und dazu noch R, der zu meiner enormen Begeisterung halbwegs überraschend und unangekündigt am Freitagmorgen hier auftauchte und nur geringfügig verwundert war, Daniel und Basti auf diversen Matratzen über den Boden verstreut mehr oder minder schlafend in meinem Zimmer vorzufinden. Er betrat den Raum mit den knappen Worten „Hallo Basti. Gute Nacht, Basti.“ und einem kurzen Daniels Gegenwart anerkennenden Gruß und gesellte sich dann ohne Umwege zu mir aufs Bett, wo seine Absicht, den drei Stunden Schlaf seiner zu einem guten Teil mit der Mitfahrgelegenheit im Auto verbrachten Nacht noch weitere hinzuzufügen, durch diverse Anrufe von Simones Seite unterbunden wurde, die festgestellt hatte, dass ihr Bus erstaunlicherweise doch bis direkt hierher durchfuhr, und überfordert war von der Problematik, ob man nun in Meersburg aussteigen sollte, weil man nach Meersburg gebucht hatte, und dem Bus zu Fuß auf die Fähre hinterherzockeln, oder vielleicht doch einfach illegalerweise bis auf die andere Seeseite durchfahren. Ich versuchte sie durch das Funkloch, in dem sich mein Bett befindet, hindurch zu Letzterem zu ermutigen, was sich nicht ganz einfach gestaltete. Mittlerweile waren abgesehen vom tief und fest schlafenden Basti alle Anwesenden im Raum dabei, in guter Intention völlig überflüssige Informationen über Abfahrtszeiten, Taktung, Überfahrtszeit und weiß der Geier was noch der Fähre zu etwas beizusteuern, was sie für das Gespräch zwischen Simone und mir hielten, soweit sie es sich denn durch die einseitigen Informationen meiner Seite des Telefonats zusammenreimen konnten (oder eben nicht). Ich, trotz dem zuvor stattgefundenen Auftritt meines Freundes und diversen Weckerklingeln von Seiten Bastis Handys ab 7.43 geistig kein bisschen bei mir und vollkommen komatös, kam irgendwann dann noch zu der gravierenden Erkenntnis, dass Simone diese geliebte Stadt, die ich glücklicherweise momentan noch das Privileg habe mein Zuhause nennen zu dürfen, um halb ein Uhr mittags zu erreichen gedachte, nicht etwa, wie kurzzeitig im Gesprächsverlauf von mir angenommen, zwölf Stunden später. Basti hatte übrigens trotz einer kurzen Aufwachperiode während R’s Eintreten dessen Anwesenheit noch nicht wirklich registriert und reagierte darauf, als er tatsächlich wach war, mit der liebevollen Äußerung „Was macht dieses komische Ding hier?“.
Karfreitagfrüh, was will man mehr.

Es ging ja danach erst richtig los, aber dazu hier jetzt nichts. Verdrängung ist guuuuut.. und ich will schlafen. Schlafen. Schlafen. Nachdem ich zumindest diese verbleibende halbe Nacht und einen Großteil des heutigen Tages, wie es aussieht, für mich allein haben dürfte. Du hast keine Ahnung, wie mich das freut. Obwohl ich Angst habe, auf einmal festzustellen, dass ich es wirklich nicht mehr kann. Das Alleinsein, meine ich. Aber das wird sich in ein paar Stunden herausstellen.

Her insan dünyadır.

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Vorsicht, Monsterpost. (Ein interessanter zwar, meiner Meinung nach, aber es ist ja auch mein eigenes Innenleben, welches ich hier versuche auseinanderzuklamüsern und durch Schriftzeichen behelfsmäßig zu visualisieren.)

Mein Problem ist halt einfach, dass ich immer Musik als Spiegel der Seele sehe. (Auch wenn ich gerade noch zu Laura meinte, dass eigentlich ja Haare der wahre Spiegel der Seele wären, aber das war dann doch eher nicht ernstzunehmen.) Und dann kann ich immer nicht begreifen, dass eine Person nicht am allermeisten, vor jedem anderen möglichen Faktor, die Musik auszeichnet, die sie macht oder mag, oder beides. Der Klang ihres ureigenen Wesens. In jedem von uns muss doch Musik sein, oder – und einige Wenige haben dann noch das Glück, sie ausdrücken zu können, sie und dadurch einen ganz bedeutenden Teil ihrer selbst. Zusammen mit ihrer Art zu sprechen, zu handeln, zu schreiben, zu denken.
Und am allerwenigsten kann ich verhindern, aus der Art, wie die Musik mit meinem eigenen Empfinden resoniert, auf den Rest der Person, ihres Schaffenden, zu schließen, obwohl es unmöglich ist. Wäre es nämlich möglich, hätte ich meinen fairen Teil an Seelenverwandten auf dieser in Wirklichkeit erschütternd seelenverwandtenlos scheinenden Welt. Ich bin dann verwirrt manchmal, verwirrt und unverständig, und denke, aber es kann doch nicht sein, wenn die Person doch innen so klingt – oder denkt, oder spricht, oder schreibt – dann muss sie doch auch so sein. Da kann es passieren, dass ich die Handlungen ganz außer acht lasse. Ich komme mir vor manchmal, das glaubst du gar nicht. Wie einer von Kim Harrisons Vampiren aus ihrer grottigen Rachel Morgans-Serie. (Ich mag vielleicht nicht mehr ganz so viel lesen inzwischen, aber um alles und jeden mit Charakteren zu assoziieren, wird meine mentale Bibliothek für dieses Leben zweifellos ausreichen.)

Jedenfalls geht es darum, unfreiwillig Sachen zu verbinden, die man nicht zu verbinden hat. Mir war nicht einmal klar, was da bei mir verkehrt ist, bis ich verstanden habe, wie absurd für Şahin damals die Vorstellung war, ich würde ihn lieben. (Und hey, für mich erst; ich habe das Wort ihm gegenüber nie in den Mund genommen – sogar auf der Zugfahrt, in den paar Stunden, war es „das L-Wort“, nichts Ausprechbares, nach der ganzen unendlichen Zeit voll zerstörerischer Verdrängung.)

„Für mich war unser gemeinsamer Punkt.. unsere Schnittstelle.. immer die Musik.“ Das im letzten Gespräch im Dezember. Das mit dem Blick auf den Regen.

Ja, natürlich. Aber hey, zum Musikmachen brauchst du keine beste Freundin. Sagte ich ihm dann. Und dachte, so einfach kannst du dir das doch wohl nicht machen. Oder? Hätten dann nicht ganz andere Umstände herrschen sollen? Müssen? Merkt man nicht den Unterschied, ob man als Mensch geschätzt wird oder als Musiker? Und da fielen sie, die ganzen Tropfen, und mir war kalt am offenen Fenster. Und ihm wohl auch, da, wo er sich untergestellt hatte irgendwo zwischen der Bushaltestelle und seinem und Caros Zuhause – bei ihm hat es auch geregnet. Und wieso genau eigentlich scheint mir das Gleiche in abgewandelter Form immer wieder zu passieren?

Wie oft dachte ich, damals schon, „wenn wir die Musik nicht hätten, würde er überhaupt nur mit mir reden?“ Und wollte es am liebsten gar nicht wissen. Aber hab‘ sie dann mitgeteilt, meine Zweifel, sogar damals, als ich es noch kein bisschen gewohnt war, über Zweifel zu reden, und wurde ganz, ganz erschüttert und überzeugend, so erschreckend überzeugend für verrückt erklärt. Mit so viel Wärme, wie ich sie in meinem Leben noch nicht gesehen hatte. Und wurde, ganz im Gegenteil, immer weiter gegen die Wand gesteuert -– was, denke ich mir, macht dieser Mensch erstmal, wenn er jemanden bewusst gegen eine Wand steuern will? Wahrscheinlich hätte er keine Ahnung, das ist ja das Lustige. Aber er war wie ein Schlafwandler. Und man soll doch Schlafwandler nicht aufwecken. Ich hätte ihn aufwecken sollen. Wäre ich mal in der Lage gewesen, ihn aufzuwecken.

Und diese Intensität, auf die Menschen selten anders reagieren würden als unverständnis- und weglaufinstinkterfüllt. Die ich zu großen Teilen verstecke, weil mir das sehr gut bewusst ist.
Und das Ding mit der Wärme. Der Sinn meines Daseins liegt in der Wärme. „Du immer mit deiner Wärme“, sagte Laura vorhin noch zu mir, als ich anmerkte, dass mir ihrer Beschreibung nach die russischen Babuschkas mit ihrer unendlichen Gastfreundschaft so warm vorkämen. Und sie fände mein Wärmebedürfnis merkwürdig, weil, nach dem zu urteilen, was sie über meine Sozialisation weiß, ich eigentlich keinen Mangel an Urvertrauen haben dürfte.

Ich weiß nur, dass ich es schwierig finde, zwischen verdienter und unverdienter, erlaubter und nicht erlaubter, realer und eingebildeter Wärme zu unterscheiden, und dass alles, womit der gute, wenngleich verstörend hirnlose Mensch damals sowohl mich als auch Caro, seine eigene Freundin (zumindest die sollte man doch, wage ich in all meiner Unkenntnis der diesbezüglichen Normen und Regeln einfach einmal zu behaupten, gut genug einschätzen können, um zu bemerken, wenn es ihr grottig geht, mehr noch, wenn sie wirklich nicht versucht, es in irgendeiner Weise zu verheimlichen -– wenn man von der Person, die man selbst aus eigenem Antrieb seine „beste Freundin“ zu nennen pflegt, schon nicht mehr kennt als die mehr schlecht als recht festgtackerte äußere Hülle), völlig unbemerkt in völligste Verzweiflung gestürzt hat, dieser Schwierigkeit keine Abhilfe geschaffen hat. Und dass ich vorher vorsichtig war -– aufgrund dieser Unfähigkeit -– und jeglicher Art von Zuneigungsbekundung gegenüber erst einmal skeptisch. Und dass ich währenddessen genau das weiter versucht habe, dabei gefailt habe und anschließend gelehrt wurde, dass ich eigentlich genau Recht hatte, was aber wenig hilft, wenn das Unbewusste nicht so weit entwickelt ist wie der Verstand. Alles, was logisch ist, fällt doch letztendlich dem Unbewussten zum Opfer.

Ich habe es mir abgewöhnt, mich über die Beständigkeit meines Nachdenkens darüber zu wundern oder sie mir gar vorzuwerfen, mit der lapidaren Begründung, es wäre ja nicht normal. Sogar die Therapeutin war beleidigt, als ich ihr damals damit ankam, „das ist doch nicht normal“. Damals noch selbstverachtend und zerstört.

Mittlerweile denke ich, dass es wohl auch daran liegt, dass mein Verständnis von der Wertigkeit eines Menschen anders zu sein scheint. Leute scheinen andere Menschen als Teil ihrer Welt zu betrachten. Es gibt dieses türkische Sprichwort, „her dil insandır”. Jede Sprache ist ein Mensch. Sie haben Recht damit. Und für mich ist jeder Mensch eine Welt. Sich einer Welt zu öffnen sollte mit Bedacht passieren und wenn, dann in Gänze, mit so vielen Komponenten wie nur irgend möglich. Wie kann man sich sicher fühlen, solange die Karte der Welt, auf die man sich beschlossen hat einzulassen, mehr weiße Flecken als bekannte Gebiete aufweist, oder überhaupt weiße Flecken.
Man zerstört nicht einfach eine Welt, sei es aus einer Laune heraus, aus Ahnungslosigkeit, Bosheit, aus diesem Bedürfnis, etwas zu zerstören, einfach weil es einen selbst auf intolerante, taktlose Art in Frage stellt, wie ich es manchmal mit meinen Eltern habe. Sei es aus dem Gefühl heraus, sich verteidigen zu müssen. Aus dem Gefühl heraus, selbst zerstört zu werden. Man macht es einfach nicht. Und eine Welt zu verlieren ist nichts, was ich mir aus trivialen Gründen erlaube, geschweige denn über das ich nach zwei Wochen (metaphorisch oder eben nicht) aufhören würde nachzudenken, ob ich nun könnte oder nicht.

Und wenn ich mir nach alldem überlege, dass ich mit Caro eben über drei Stunden telefoniert habe und das Gespräch, das wir hatten, in seinem Wert den unserer früheren Unterhaltungen -– zu Şahin-Zeiten, vorher -– um ein so Vielfaches übertraf, so wie ein Großteil unserer Gespräche es heute tut -– ich tendiere fast dazu, zu behaupten, jedes einzelne davon war bisher wertvoller, denn jedes einzelne davon war so viel ehrlicher –- dann sehe ich mich in meinen vielleicht verqueren, aber für mich absolut in sich schlüssigen Ansichten all diesen Dingen gegenüber nur wieder einmal bestätigt.

Was für eine Bandbreite an Sachen, die mich alle unentwegt beschäftigen, ich hier abgeklappert habe. Wie fließend das ging, wie gut das tat; wie wenig ich überhaupt gedacht habe dabei. Einer der wenigen Texte, die ich, würde man mich vor die Aufgabe stellen, sie aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren, vermutlich nicht einmal ansatzweise wieder hinbekommen würde. (Anders als beispielsweise meine Abiklausuren; die habe ich auf dem Nachhauseweg vom Bahnhof jeweils wortgetreu meinem AG erzählt und so für die Ewigkeit konserviert, mit meinem Dokumentationsbedürfnis war das wirklich eine praktische Angelegenheit. Das und die Tatsache, dass ich nie mehr geschrieben hatte als meine rekordverdächtigen 5 ganzen Seiten in Geschichte.)

Wie ich bereits irgendwann mal erwähnt habe – man sollte kaum meinen, dass meine Klausuren immer so kurz waren, wenn man sich die Ausmaße meiner Einträge anschaut. Whatever. Mein Blog. Ich spamme, so viel ich lustig bin. Cheers.