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Sonderwappe, oder Die Wunder der Rekursion

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Es wird schon wieder einen Monat her sein (vielleicht auch zwei, nagele mich und mein Zeitgefühl nicht drauf fest, denn Letzteres neigt dazu, proportional zur Inhaltslosigkeit des eigenen Daseins abhanden zu kommen), dass mir beim Durchstöbern meiner Songmappe die erstaunliche Erkenntnis zuteilwurde, dass ich Ende 2012 einen nicht nur vollständigen, sondern richtig schönen Text produziert hatte, dessen Vertonung außer mangelnder Inspiration eigentlich all die Jahre gar nichts im Wege stand. Weil es nun schon wieder so lange her ist, kann ich dir nicht mehr sagen, ob das Grundgerüst dafür, wie es manchmal so ist, unter der Oberfläche schon ewig herumschwirrte oder ob es einfach auf einmal da war, Fakt ist, es war dann jedenfalls sehr zügig und wie aus dem Nichts auch da; so weit, so gut, das passiert mir nicht mehr alle Tage und ist absolut zu begrüßen.

Nun aber das Problem. Vorweg sei gesagt, dass ich nun wirklich die Letzte bin, die sich nicht damit abfinden kann, auf ewig an Standardakkorde gebunden zu sein – ich kann die Präferenzen meines in dieser Hinsicht überaus bodenständigen Gehörs ja auch nur bis zu einem gewissen Grad ignorieren oder zu erweitern versuchen. Dass ich mir jedoch nicht unbeachtliche Mühe geben muss, mir ein alternatives Strumming-Pattern aus den Rippen zu schneiden und dieses konsequent beizubehalten, damit mein Lied nicht unwiederbringlich zu Good Riddance mutiert (der Originalversion, nicht der fancy gezupften), ist, naja, ein bisschen anstrengend.

Aber was will ich machen? Es kam so raus. Und ich kann schlecht erwarten, mit meinen self-taught Halbarsch-Gitarrenfähigkeiten und meinem antivirtuosen inneren Alien das Rad neu zu erfinden.

Und außerdem ist es ein Rad. Es dreht sich, es wiederholt sich, das ist doch gerade das Faszinierende an Musik und Sprache gleichermaßen – unendliches Schaffen aus begrenzten Mitteln.

Stellt sich mir akut nur noch die Frage, wie diese integrierte Rechtschreibprüfung bis hierher ohne das Wort ‚Songmappe‘ leben konnte. Und was genau wohl eine Sonderwappe ist.

Nichts passiert

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Und wieder war ich heute nicht beim Türkenladen. Es war so neblig und ungemütlich draußen, dass ich es einfach vertagt habe, ebenso wie ich das Duschen vertagt habe, das Produktivsein, das ganze Entsumpfen.

Dafür habe ich Musik gemacht, und das sogar vergleichsweise erfolgreich. Die Wohnung hat eine grandiose Akustik, was sehr motivierend wirkt. Nun liegt Strawberry wieder neben mir auf der Couch, genau wie es schon im Sommer war, und ich muss über ihren Hals klettern, wenn ich meine Ecke verlassen möchte.

Jetzt zum Beispiel. Mich erwarten das Bett und Sultana roja, das erste Buch von Vazquez-Figueroa, welches mir untergekommen ist, das 1) nichts mit Wasser zu tun hat und 2) mir tatsächlich gefällt.

Das Lied der mediokren Musikerin

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Bedauerliche Erkenntnis beim ersten Gitarrespielen dieses Jahr: mich betrübt immer wieder, wie wenig ausgeprägt mein musikalisches Talent doch ist. Es ist einfach ungerecht. Wobei, ungerecht vielleicht nicht, schließlich bin ich an anderen Stellen mit nicht unbeachtlichem Feingefühl gesegnet, aber so sehr, wie ich Musik liebe, wäre es begrüßenswert gewesen, auch auf diesem Gebiet zumindest ein kleines bisschen überragend zu sein.

Natürlich könnte man den talentbezogenen Defiziten mit verstärktem Üben oder wenigstens etwas eingedämmter Faulheit entgegenkommen, aber das ist es ja gerade. Ich hätte gern das, was sich nicht durch Fleiß erarbeiten lässt. Ich hätte gern die Gabe, mich an Akkorde nicht ungefähr zu erinnern, sondern präzise. Andere Leute können das. Wenn andere Leute aus heiterem Himmel Lust haben, Say It To Me Now auf der Gitarre zu spielen (so wie es bei mir gerade der Fall war), dann spielen sie Say It To Me Now (so wie es beispielsweise bei Şahin eines Abends in der Fleiner Wohnung der Fall war, wobei er angehalten wurde, leiser zu spielen, um nicht die Dorfnachbarschaft durch das offene Fenster zu beglücken – Caro war damals in dieser Hinsicht die einzig Erwachsene in diesem Haushalt) und nicht etwas, dessen Akkorde sich, wenn sie Lyrics wären, vielleicht wie Pay It To The Cow anhören würden, nicht aber wie Say It To Me Now. Weil ich die Feinheiten nicht höre. Beziehungsweise, ich höre sie, aber dann vergesse ich sie und spiele anstelle der echten Akkorde einfach alles clean. Die Tabs in meinem Kopf blenden jegliches Sus und Add und sonstige Spirenzen aus, als wäre das alles überflüssiger Schnickschnack.

Würde ich mir jetzt die Mühe machen und mir das Lied nochmal anhören, anstelle mich auf die abgespeckte Version davon zu verlassen, die mein durchschnittlich musikalisches Hirn in der Lage war abzuspeichern und bei Bedarf wiederzugeben, dann könnte ich unter viel Anhalten und Ausprobieren natürlich die genauen Akkorde raushören. Aber die Mühen. Während sich Töne und Rhythmen bei anderen Leuten so exakt einbrennen, wie es bei mir doch schon (dankenswerterweise) zum Beispiel der Klang einer Fremdsprache tut. Es ist ja okay, dass Mathe nicht mein Ding ist und ich mich jetzt schon davor fürchte, sollte ich in ferner Zukunft dann tatsächlich wie erhofft ein Psychologiestudium aufnehmen, mit Pauken und Trompeten durch Statistik zu fallen – man kann ja nicht alles können. Aber so ein Musikgedächtnis, das wär schon was.

Ach, einfach alles können, das man liebt. Das wäre schön.

Getting. Stuff. Done.

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Ich kann es nicht abwarten, Scorpion mit R zu gucken. Dessen Persönlichkeit oszilliert nämlich aspektweise noch wesentlich krasser als meine zwischen normalsterblich, Genie und Wahnsinn, und im Gegensatz zu mir hat er (soweit ich weiß – wäre es aber doch der Fall, so wäre dies besorgniserregend in Anbetracht seines aktuellen Entwicklungsstandes) nie besonders hart daran gearbeitet, seinem von Natur aus unterentwickelten EQ auf die Sprünge zu helfen. Und da diese Thematik ja einen beträchtlichen Teil der Serie ausmacht, wird es unwahrscheinlich lustig werden, ihm das vorzusetzen. 

Gerade bin ich aber erstmal stolz auf mich, weil ich nach der Frühstücks-Folge die Kurve gekriegt und mich vom Sofa geschwungen habe, um ein wenig Ordnung in mein Wohnzimmer zu bringen. Ich habe mir das erste Delta-Goodrem-Album angemacht und Papierschnipsel sortiert, während die letzten Ausläufer meiner Kindheit – in der Musik konserviert, als hätte ich sie damals eingeschweißt und vakuumisiert – sich mit den Schallwellen im Raum verteilten.

Da ich gerade so gut dabei war und es mir erstmals seit (gefühlt) langer, langer Zeit völlig natürlich vorkam, mich in der Wohnung zu bewegen und im Vorbeilaufen Dinge zu tun, habe ich meinen Keller-Eimer genommen und mit Bildern von einem neulich vom Sperrmüll aufgesammelten großen Kalender von 2014 beklebt, wie ich es seit Jahren tun wollte. Es handelt sich bei dem Eimer um ein Pappbehältnis mit bunter ‚Party Chips‘-Aufschrift, den Wolfgang (inklusive Inhalt) zu meiner ersten Geburtstagsfeier in dieser Wohnung mitgebracht hatte. Seitdem verwende ich ihn, um Dinge in den sowie aus dem Keller zu transportieren, und habe bis heute auf den Moment gewartet, in dem ich motiviert genug sein würde, um ihn ästhetisch ansprechend zu gestalten. Es fühlt sich gut an, dass dieser Moment heute eintrat.

Pflanzen habe ich ebenfalls schon fotografiert. Es sieht aus, als hätte ich ein kleines Zeitproblem mit meinen täglichen Bestimmungen – ich bin nun auf der Hälfte angekommen und langsam gehen mir die Kandidaten aus, die sich gerade zum Dokumentiertwerden anbieten. Ich habe etliche schwierige Fälle, die sich unmöglich bestimmen lasen, bevor sie nicht blühen – was aber besonders im Fall der zahlreichen Mystery-Mitbringsel aus verschiedenen Teilen der Welt aller Voraussicht nach dieses Jahr (noch) gar nicht der Fall sein wird. Und dann gibt es die Tomaten, die bisher noch allesamt grün und unfertig sind, und die Paprika bzw. Chilis, die noch nicht einmal blühen. Sag du mir mal, welche Sorte Chili ich habe, ohne dass du die Frucht dazu siehst.

Naja. Man wird sehen. Ein paar Tage komme ich noch so über die Runden.

41 – 45

Ringelblume (Calendula officinalis – Asteraceae)
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Süßkirsche (Prunus avium – Rosaceae)
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Feige (Ficus carica – Moraceae)
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Kurkuma (Curcuma longa – Zingiberaceae)
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Tradeskantie (Tradescantia fluminensis)
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Episode Zigtausend: My Random Rumfass

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Vieles ist passiert. Ich war auf Martinique. Ich kam wieder zurück. Mike hat eine Woche hier gewohnt. Es wurde kalt. Ich habe meine beiden Scribbr-Probeaufträge geschafft. Ich war auf dem Konzert von Frank Turner in Wiesbaden. Ich hatte einen furchtbaren Durchhänger, der in einem kleineren Stimmungstief / Heulanfall kulminierte. Ich habe sehr viel Scrubs in sehr wenig Zeit geguckt. Ich habe mich zusammengerissen, geduscht und Staub gesaugt. Mir wurde von Seiten der Therapeutin geraten, die Medis etwas hochzudosieren. Ich habe eine Mail an das Finanzamt geschrieben.

Das war jetzt halbwegs chronologisch, die letzten beiden Punkte haben sich gerade erst ereignet.

Was noch? Bei mir im Wohnzimmer steht jetzt ganz random ein enormes halbes Holzfassregal. Die andere Hälfte hat Yannick, was hätte ich mit einem ganzen Fass auch anfangen sollen. Es gehörte wohl mal zur Inneneinrichtung eines unserer Containerspots, ist mit „Campo Viejo“ bedruckt und eignet sich allerbestens als Alkoholregal (worauf mich allerdings erst Becci bringen musste). Problem: es fehlt der Platz. Die Umräumaktion steht eh an, wenn wir endlich das Klavier von R’s Eltern bekommen, was hoffentlichst im Januar der Fall sein wird. Dann sollte sich auch für das Fass ein Platz finden. Bis dahin muss es wohl weiter random im Raum stehen.

Ich habe außerdem weiter fleißig auf dem Keyboard geübt, um für den Fall gewappnet zu sein, dass das Klavier tatsächlich mal auftauchen sollte. Damit habe ich in meiner letzten Down-Phase angefangen und es seither weitestgehend beibehalten. Ich habe mir bereits etliche Stücke wieder aufgewärmt und sogar schon eines „gelernt“, an das ich mich gar nicht mehr erinnern konnte, eine Prélude von Chopin. Mein letzter Neuzugang war das Wächterlied von Grieg. Nun arbeite ich am Titelsong von Forrest Gump.

Die beste Nachricht überhaupt aber kommt jetzt erst: Murat wird gepfändet. Seitdem er seinen Prozess gegen R verloren hat, hat er weder reagiert noch gezahlt, sodass nun sein Konto geplündert wird. Oh, wie ist das herrlich. So lange hat man sich gefragt, wie die Welt so gowaiverdammt ungerecht sein kann, dass Menschen wie Murat darin unbehelligt ihre krummen Dinger drehen können. Und nun, endlich, endlich. Justice.

Ich gehe mich mal um meine Pflanzen kümmern. Das können sie gut gebrauchen, nachdem ich die ganze letzte Woche nichts für sie getan habe. Ach, schön ist das, mal wieder etwas produktiv zu sein.

Absurder Song – Revisited

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Hast du jemals ein abgrundtief trauriges Liebeslied geschrieben?

Du weißt nicht, was du verpasst. Es ist so heilsam. Und das Beste ist, das Lied überdauert das Gefühl. Und du kannst es immer wieder spielen, und jedes Mal merkst du dabei, wie du geheilt bist, und lernst immer wieder schätzen, dass es dir gerade so gut geht.

Ich führe heute überdurchschnittlich viele Monodialoge mit imaginären Personen. Obenstehendes zum Beispiel habe ich gerade an R gerichtet, nachdem ich mir die Gitarre geschnappt und – was ich lange nicht mehr getan hatte – Open Endings und den Absurden Song durchgespielt hatte.

Es wäre ein ganz unfassbar wunderbarer Schritt in eine richtige Richtung, wenn dieses Gespräch in der Realität stattfinden würde. Aber natürlich bin ich bis heute nicht in der Lage gewesen, über irgendetwas meine Vergangenheit Betreffendes ausführlich mit R zu sprechen, in erster Linie, weil ich dafür voraussetze, dass er von sich aus danach fragt und zunächst diverse Abblockmanöver umschifft, bis ich mich darauf einlasse. Was nie geschehen ist und ziemlich wahrscheinlich auch nie geschieht. Das meine ich, wenn ich sage, ich bin in mir selbst eingesperrt. Meine Verletzlichkeit hüte ich wie ein Heiligtum, und wenn sie jemand zu Gesicht bekommen soll, muss ich zu hundert Prozent sicher sein, dass das ehrliche Interesse dafür da ist. Und daran kann ich gar nichts ändern, das entscheidet sie ganz allein. Deswegen gebe ich niemandem die Adresse meines Blögchens. Und deswegen spiele ich meine Songs nur für jemanden, der ausdrücklich darum bittet.

Ich habe schon relativ früh gemerkt, dass für mich Musik eine andere Rolle spielt als für einen Großteil meiner Mitmenschen. Als sich meine Leidenschaft für Musik – in Form von Green Day – auf diese wirklich nicht unabrupte Weise auf nie zuvor dagewesene Weise irreversibel manifestierte, ereignete sich die Fusion: die Musik wurde ein Teil meines innersten Kerns. Ich konnte die beiden nicht trennen. Ihr gegenüber konnte ich mich öffnen. Sie hat mich entsperrt; sie hat alles an Emotionen an die Oberfläche gebracht, die ich der Welt nicht zeigen konnte. (Was zu unermesslichen Konflikten führte, sobald die Musik und andere Menschen aus meiner Umwelt miteinander in Berührung kamen, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.)

Früher hatte ich meine Medis noch nicht und enorme Teile meiner persönlichen Entwicklung konnte ich bis dahin überhaupt nicht vollziehen. Ich war noch um so vieles eingesperrter als heute. Ich habe es um jeden Preis vermieden, die Außenwelt meinen inneren Kern sehen zu lassen. Ich habe beim Klavierspielen immer bewusst darauf geachtet, diese mitschwingenden Bewegungen zu vermeiden, die Pianisten machen, wenn sie ihre Musik mitfühlen. Selbst beim Singen habe ich es absolut vermieden, irgendein Gefühl in der Stimme zu transportieren (was nicht gerade zur gesanglichen Qualität beitrug; ich traf zwar die Töne, aber man hätte genausogut eine Keyboardtastatur damit belegen können). Auf gar keinen Fall durfte man erahnen, dass ich so etwas wie echte Emotionen tatsächlich besaß, geschweige denn, dass das Musikmachen eine (von mir zumindest so empfundene) immens gefährliche Gratwanderung darstellte und ich unentwegt auf den Erhalt der nicht-fühlenden Fassade bedacht sein musste.

Als ich anfing, mit Şahin Musik zu machen, sah ich mich dem gleichen Problem gegenüber. Zwar habe ich es geliebt, zu singen, und war mehr als überglücklich über dieses unerwartete Geschenk, aber ich war bis dato in keiner einzigen zwischenmenschlichen Beziehung so gefordert gewesen, mich selbst als fühlende Kreatur zu akzeptieren. Das nahm auch Jahre in Anspruch und führte einerseits zu beachtlichen Erfolgen (irgendwann war ich soweit, dass ich mir erlauben konnte, in meiner Singstimme Anflüge von Emotion mitschwingen zu lassen), gestaltete sich aufgrund der Natur unserer Beziehung aber auch zusehends komplizierter. Stell dir einfach vor, du hast einen Haufen verängstigter Katzen. Alle der Katzen bis auf eine sollen lernen, dass es ganz cool sein kann, unter dem Bett hervorzukommen und die Wohnung zu erkunden und sich einfach mal zu den Nachbarn auf den Balkon zu chillen. Langsam fangen die kleinen Tierchen an, dir zu vertrauen. Nun erkläre mal dem einen Kätzchen, dass es gefälligst unterm Bett zu bleiben hat und sich nicht vom Fleck rühren soll, ohne dabei 1) die anderen Tiere zu verschrecken und 2) es nachhaltig in seiner psychischen Entwicklung zu schädigen und 3) zuzulassen, dass dieses letzte Kätzchen auf den anderen Menschen hört, der sich alle paar Minuten vors Bett setzt und es mit Samtstimme hervorlockt, weil er nicht die Spur einer Ahnung hat, um was für eine Katze es sich dabei handelt.

I hope I’m getting my point across here.

Noch später, mit Hilfe der durch die Medis ermöglichten Öffnung meiner selbst der Welt gegenüber, konnte ich die Musik endlich ohne Einschränkung als Ventil nutzen, Gefühle zu äußern, die Verletzlichkeit nach außen zu tragen – womit ich ansonsten wie gesagt bis heute größte Schwierigkeiten habe – , aber eben immer noch ausschließlich in den ganz oben genannten, von mir selbst bestimmten Kontexten. R zum Beispiel fragte mich mal, warum ich immer leiser werde, wenn ich am Musikmachen bin und er mittendrin nach Hause kommt.

Fazit dieses wirren Textes:

  • Ich würde mich gern mitteilen, immerzu, unglaublich gern. Ich kann es aber nicht, bis ich gefragt und somit entsperrt werde.
  • Musik ist keine Wissenschaft, kein Zeitvertreib, keine Nebensache, kein Hintergrund, nicht rational und nicht zum Abdancen. Mein Humor hat bei der Musik deshalb selbst heute noch so unentspannte Grenzen, weil sie mir den Umgang mit und die Kommunikation von Gefühlen ermöglicht, die anders auszudrücken mir nicht gegeben ist. Musik kann und sollte den innersten Klang einer Seele zum Ausdruck bringen und als solches Werkzeug ist sie zu behandeln, jede andere Behandlung wird ihr nicht gerecht.
  • Für andere Menschen ist das anders, deshalb sollte ich musikalischen Verbindungen mit Menschen tunlichst aus dem Weg gehen, selbst wenn das bedeutet, meine Innenwelt auf ewig unter Verschluss halten zu müssen.
  • So ist das wohl.

My Chem und Pfannkuchen

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Oh, was für ein Leben. Ich sitze zwischen Computerboxen mit grandiosem Sound und höre das erste My-Chem-Album. Malte hat Pfannkuchen und Kaffee gebracht – wenn man erstmal lernt, mit seiner sehr ausgeprägten Gastfreundschaft umzugehen, kann man das wirklich genießen.

Mir geht es gut hier. Ich fühle mich weniger leer, und das Gewissen, welches mich zu Hause jede Sekunde in Bezug auf meine Arbeitssituation (oder den Mangel dieser) malträtiert, schiebt eine etwas ruhigere Kugel. After all, wie will ich mich mit Arbeit und Zukunft auseinandersetzen, während mir jemand Pfannkuchen ans Bett bringt.

Gestern Abend hat die Hausgemeinschaft hier ihre neue Bierzeltgarnitur eingeweiht und ich durfte feststellen, dass wirklich eine außergewöhnlich hohe Quote vernünftiger Menschen in diesem Haus angesiedelt ist, mit denen ich wunderbar klarkam. Je später der Abend, desto besser wurde es, und ich bin ein wenig traurig, dass Malte demnächst hier auszieht und ich vermutlich keine Gelegenheit haben werde, dieses Zusammentreffen zu wiederholen. Ich habe, glaube ich, am wenigsten von allen getrunken und war bis zum Ende völlig zurechnungsfähig, worüber ich sehr zufrieden bin. Und zwischendurch waren wir beim nahegelegenen Supermarkt containern, haben Eier und Zwiebeln und Paprika erbeutet und Malte somit für seine verbleibende Zeit hier zumindest noch mit einem Spot versorgt.

Jetzt muss ich Bananenpfannkuchen essen.

Memories

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Irgendwie war mein Leben ergreifender, als ich mich noch mehr mit Dingen konfrontiert habe. Ich sollte damit wieder anfangen. Selbiges erzählte ich gestern Abend auch R und kam aus heiterem Himmel darauf, mir mal Holzrosensamen zuzulegen. Die sollten doch helfen. Ich komme mit dieser Konfrontationsunwilligkeit und dem damit verbunden sinnlosen Vormichhinexistieren nicht mehr klar. So ändert sich ja nie was bei mir.

Es schüttet aus Kübeln draußen, den Großteil des Tages schon, mit einer Stunde Pause gegen fünf. Außerdem schüttet es in Kübel; ich war eben nochmal draußen, um die Eimer umzuverteilen, während ich mit R telefonierte, der mich fragte, ob es klüger sei, das Fahrrad in der Arbeit stehen zu lassen und den Bus zu nehmen. Bei ihnen unten würde es nur ein bisschen tröpfeln, aber er würde ja den Horizont in unserer Richtung sehen. Gut, dass er anrief; ich wäre nichtmal darauf gekommen, ihm bescheidzusagen, weil ich dadurch, dass ich kein Semesterticket mehr besitze, diese Möglichkeit des Trockenbleibens immer ganz vergesse.

Aber was bin ich froh über diese Sintflut. Eine meiner Azorenpflanzen ist seit gestern am Blühen, die zweite kurz davor, und es sieht so wunderbar aus, wie das tropisch herabprasselnde Wasser von ihren Blättern abperlt. Sie fühlen sich hoffentlich richtig zu Hause.

Ich habe heute, wie schon ganz lange nicht mehr, damit verbracht, einen Teil meiner hier dokumentierten Vergangenheit durchzulesen. Es war gut, dass ich das getan habe; auf diese Art konnte ich feststellen, dass ich zwischen 2010 und heute in der Tat ein paar elementare Entwicklungsschritte vollziehen konnte.

Weiterhin habe ich, dem Vorhaben eines 2012er Eintrags gemäß, mich motiviert gefühlt, tatsächlich mal „Eberybody“s Changing“ von Keane auf der Gitarre durchzuspielen. Nun kann ich das also auch mal. Und ich habe mich an den Moment erinnert, in dem ich in Costa Rica vor dem Computer saß und „You Be Tails, I’ll Be Sonic“ zum ersten Mal gehört habe. Und an ganz viele andere Momente auch.

Nun erfordert aber das nahende Ende des Tages meine Rückkehr in die Gegenwart. Ich habe mir vorgenommen, die Putenkeule zuzubereiten, die ich letzte Woche mit Yannick containert habe. Ich habe so etwas noch nie getan und hoffe nur, dass es nicht so lange dauert, wie ich es gerade befürchte. Nachher fahre ich nämlich schon wieder los, weil Yannick danach über eine Woche im Urlaub ist (schon wieder – oh, gesegnetes Informatikerdasein; irgendwann wird es R auch mal so ergehen) und er mich für heute Abend nochmal auf eine Schatzsuche eingeladen hat.

Von demher: bis bald.

Y tuyo será.

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Unglaublich – der Himmel ist bedeckt; der Sonnenschirm, der seit Tagen unentwegt geöffnet auf der Terrasse steht, wirkt zum ersten Mal seit Langem überflüssig.

Ich denke in der Hitze dieses Monats ständig an Costa Rica, als würde ich nicht eh schon oft genug daran denken – und ich denke mir immer wieder, ich würde dieses Klima mehr schätzen, wenn nicht gleichzeitig der Gedanke an Regionen so hartnäckig nagen würde, die durch das, was für mich einen Segen bedeuten würde (hätte ich denn, wie es in Costa Rica der Fall war, einen Standventilator in meinem Schlafzimmer), gerade unendliches Leid erfahren. Wie immer; wir jammern und ächzen und stöhnen, aber wirklich ausbaden müssen es die Anderen.

Ich habe so viel zu sagen und schaffe es doch nicht. Ich arbeite vormittags meine Unbabel-Schicht für das Projekt, das noch bis zum 12. August läuft; danach fällt der Standby-Bonus von 6 respektive 3 Dollar die Stunde dann halt wieder weg und ich muss mir was Anderes suchen, denn auf Dauer habe ich nicht die Frustrationsgrenze, die es bräuchte, um mich für diesen Hungerlohn täglich mit diesen seelentötenden, monotonen Texten abzuplagen. Ich danke mir selbst und Gowai im Howai dafür, dass ich mich gegen ein Dasein als Übersetzerin entschieden habe, bevor es zu spät war.

Ich halte mich, um den Verstand zu behalten, von allem ab, das Nachdenken erfordert oder Emotionen hervorruft. Gelingt mir das nicht, wird alles ganz komisch. Meine ganze Wahrnehmung verändert sich, und jedes Ding, auf das mein Blick fällt, und es fällt mir gerade wirklich unheimlich schwer zu beschreiben, enthüllt seine wahre Bedeutung, und ich sehe die Welt so, wie sie wirklich ist, so, als säße man im 3-D-Film und es würde einem mitten im Film von irgendwoher die passende Brille aufs Gesicht gesetzt. Aber das passt nicht wirklich; ich sehe ja alles immer klar, nur eben zweidimensional, und es ist vielleicht eher wie Trudi sagte, als sie auf LSD zu mir ins Zimmer kam und sagte, sie hätte im Wald die Bäume leuchten sehen, die gesunden Blätter hätten alle geleuchtet, die verdorrten dagegen nicht.

Und das ist mir zu viel; ich bin heute aufgewacht und hatte den Titelsong von Narcos in Kopf und das allein war irgendwie schon zu heftig, aber mir kam dann die Szene in den Sinn, die mich von all den Entsetzlichkeiten in dieser Serie am meisten mitgenommen hat, nämlich [Spoiler Alert, bitte nur lesen, wenn du nie beabsichtigst, Narcos zu gucken, oder dies bereits getan hast!] als er diesen unfassbar lieben, naiven Jungen beauftragt, in dem Flugzeug ein Gespräch aufzunehmen, und er und seine Frau so dankbar sind für diese Möglichkeit und die reichhaltige Bezahlung, und er ihr sagt, schau, Liebling, vamos a seguir adelante, und sich so sehr freut und sich in das Flugzeug setzt hinter die beiden Männer, und natürlich ist der Knopf, auf den er drückt, nicht dazu da, ein Gespräch aufzunehmen, sondern dazu, das Flugzeug zu sprengen.

Das fand ich mit Abstand die schrecklichste Szene, und als wäre das nicht genug, hatte ich plötzlich das merkwürdigste Szenario im Kopf, und zwar war es so, ich hatte nämlich mit dem Gedanken gespielt, mich aus dem Bett herüber zum Regal zu lehnen und das Baskisch-Wörterbuch herauszuholen, um das Wort ardi nachzuschlagen, das mir Kepa vor Tagen in einer Nachricht geschrieben hatte und ich seitdem in den Winkeln meines verschrumpelten Euskera-Gedächtnisses versucht hatte aufzutreiben, und ich habe mir auf einmal gedacht, dass, würde ich bei der Aktion vom Bett fallen und mir auf dem Weg den Kopf aufschlagen und sterben, R am Abend, wenn er mich fände, keine Möglichkeit haben würde zu wissen, dass ich gerade den Narcos-Titelsong im Kopf hatte, und das wiederum brachte mich auf die endlos entsetzlich traurige Szene in… diesem orangenen Buch mit den zwei Silhouetten von Gesichtern vorne drauf, das mich so fertiggemacht hat, dass ich sogar seinen Namen verdrängt habe, wo [Spoiler Alert; bitte nur weiterlesen, wenn du nicht vorhast, das ominöse orangene Buch mit den zwei Gesichtern vorne drauf je zu lesen, oder dies bereits getan hast!] die Protagonistin am Ende von einem Auto angefahren wird und stirbt, und der Satz, mit dem das Ganze beschrieben wird, war einfach (zumindest ist er so bei mir im Kopf hängengeblieben; keine Garantie): Then Emma [ich hab den Nachnamen des dazugehörigen Menschen vergessen und kam erst nach intensivem Nachdenken überhaupt auf ihren eigenen] died, and everything she had ever said or known was gone forever.

Und das war dann wirklich zu viel, und ich musste mich krampfhaft davon abhalten, weiter mein Hirn nach ihrem Nachnamen oder dem Vornamen ihres Co-Protagonisten zu durchforsten; leider ist mir dieser gerade eben beim Schreiben zumindest wieder eingefallen, Dexter nämlich, und ich suche weiter nach seinem Nachnamen, obwohl ich ihn eigentlich gar nicht wissen möchte.

Dann konnte ich nicht mehr schlafen, obwohl ich noch todmüde gewesen war, als der Wecker geklingelt hatte.

Jetzt bin ich am Arbeiten, aber da es heute mit den Aufgaben schleppend läuft, kann ich der Welt und allen Bots zwischendrin mitteilen, dass mein Hirn merkwürdig ist. Das wusstet ihr alle bestimmt noch gar nicht.

Mayo

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Ich bin wirklich betrunken, aber die Musik ist ein Faden, der mich festhält. Ich bekomme nur so halb mit, was drüben passiert, da, wo sie alle rauchen und ich mich aus Prinzip und Überlebensinstinkt nicht aufhalte, aber in meiner Ecke der Couch kommt sie geradewegs aus den Boxen auf mich zu und verrichtet ihre stabilisierende Arbeit.

Zwei Stunden später, ähnlicher Zustand, etwas fokussierter. Aber müde.