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Muss ich mit der Hand durch den Horizont?

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..sagte ich heute Vormittag im Schlaf, während ich mich im Gemeinschaftsraum der Linguistik noch für ein paar Minuten auf dem Sofa langstreckte und Schlaf tankte, um in Syntax nicht das Bewusstsein zu verlieren.

Ich bin nämlich wieder da. Das war schön. Anstrengend und schön und das beste Rise Against-Konzert, das ich bisher das Vergnügen hatte zu erleben. Unfassbar grandiose Setlist. Meine Güte, was sie alles gespielt haben, ich komm‘ kaum darauf klar. Alive and Well. Last Chance Blueprint. Behind Closed Doors. Hero of War, Swing Life Away und das neue Akustische, People Live Here. Hintereinander.

Und es war toll, mit den Anderen dazusein. Janine, Becci und Robert, und dazu Beccis Schwester Cornelia und Roberts Kumpel Jan, der irgendwie kaum ein Wort mit uns geredet hat, was schade war, denn er wirkte eigentlich ziemlich sympathisch. Aber allein von Robert glückselig angestarrt zu werden, als Give It All kam – und ihn glückselig zurück anzustarren – war diese ganze Reise wert. Inklusive das nächtliche Herumlungern in diversen McDonald’s von Süddeutschland, wo ich, wie nicht anders zu erwarten, einige interessante Bekanntschaften machte. So geht das nämlich. Andere haben vielleicht ausgeklügeltere Methoden entwickelt, Kontakt zu neuen Menschen zu knüpfen; ich hocke mich einfach um zwei bzw. 6 Uhr morgens todesfertig zu McDonald’s und lasse den Dingen ihren natürlichen Lauf. Der da wäre, dass ich im Laufe der Nacht mit einem Besoffenen, einem schwarzen Dreadhead (Jeli – der wollte, dass ich meine Busfahrt verschiebe und den Tag über in Freiburg bleibe, um mit ihm wer weiß was zu machen – er hat es nicht weiter spezifiziert, aber ich kann es mir denken) und einem obdachlosen Juristen (Bernhard – der mich durch das Fenster hindurch so lieb angrinste, dass ich nicht anders konnte, als zurückzugrinsen, woraufhin er reinkam und sich mit den Worten „Ich hab‘ dir nen Kalender mitgebracht – und hier, noch mehr, für deine Freundinnen, damit ihr euch nicht streitet“ zu mir setzte) geredet habe – auf so eine Quote komme ich tagsüber selten. Ich passe einfach furchterregend gut in diese Szene. Bahnhofs-McDonald’s bei Nacht, da bist du umgeben von den skurrilsten und faszinierendsten, heruntergekommensten Gestalten, bei denen du dich einfach nicht verstellen musst. Das ist endlich mal eine Welt, in der ich normaler bin als der Durchschnitt und trotzdem akzeptiert werde.

Ich übrigens weiß ziemlich genau, was Donnerstag gegen halb acht Uhr passieren wird. Da kommen Leute zu mir und – oh, gute Idee; ich sollte grad mal die Rundmail schreiben, damit auch wirklich außer Lisa und Kepatto noch jemand kommt.

So, dann wäre das geschafft. Marc, Elke, Gloria und Simón sind also auch über die Euskal Afaria informiert – allerspätestens, wenn sie meine Einladungsmail aufmachen. Ich bin gespannt, ob sie sich alle blicken lassen. Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl dabei, Simón einzuladen, weil ich außerhalb von Morfología kaum je einen Satz mit ihm gewechselt habe, andererseits kann es schlecht angehen, ihn außenvorzulassen, wenn der Rest von Enaras in der Stadt anwesenden ehemaligen Original-Vacas sich hier zusammentut. Immerhin kennen sie sich ja untereinander, und wir „möchtegern-euskaldun berriak“ kennen uns. Und ein bisschen haben sich die Gruppen ja auch schon vermischt, in Form von Kepas und meiner, äh, Freundschaft und seiner und Lisas Bekanntschaft, und Rini ist ja auch sowohl Lisa als auch mir nicht gerade die fremdeste Person aller Zeiten.

Ich sollte irgendwie doch wirklich mal mit ihm reden. Ich weiß zwar auch nicht konkret, wie, und über was überhaupt, aber wenn ich es nicht mache, bleibt mir nur die herrliche Aussicht, zu einer Mischung aus Sarah und Trudi zu mutieren. Zwei Formen der Akzeptanz entsetzlichster Ohnmacht und Hilflosigkeit, die ich mir beim besten Willen eigentlich nicht erlauben kann. Das Problem ist, wenn ich erstmal rausfinde, was das nun eigentlich sein soll hier, habe ich nicht mehr die Ausrede, es einfach nicht zu wissen, und kann eigentlich nur vom Regen in die Traufe kommen, sprich, ich bin jetzt Sarah (die sich einfach die ganze Zeit Hoffnungen macht und wartet, dass es irgendwann doch noch was wird) und werde dann zu Trudi (die einfach wie Dreck behandelt wird, das ganz genau weiß und trotzdem nicht aufhören kann, sich dran zu klammern).

Mein Nacken. Wie weh er tut. Wie weh überhaupt meine Oberkörpermuskulatur tut. Es war wirklich ein gutes Konzert.

Ba-dmm-dssch.

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Immer so Sachen, die einem einmal kurz ins Gesicht schlagen. Oder eher, die einen abrupt einsetzenden Drumroll auf selbigem veranstalten, bis alles einfach nur noch taub ist und der Schädel eingedellt und das Hirn zu einem einzigen Brei verrührt.

Nuja. Así es la vida. Schon immer gewesen. Leben, sei gewarnt; mein von Drumrolls entstellter Schädel wird dir bis zum bitteren Ende hoch erhoben entgegenblicken. Wenn du vorhast, weiter drauf herumzukloppen, versaust du dir nur den Anblick.

Abgesehen davon. Muskelkater des Todes. So gehört sich das!

Berri Bikainak

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Oh, dieses unvergleichliche Gefühl, wenn man sich nach einem grandiosen Konzert ins Bett fallen lässt und genau weiß, man wird am nächsten Tag nur unter Schmerzen, Flüchen und gequälten Geräuschen kleinste Bewegungen vollziehen können.

Denak Ez Du Balio! Ikasten! Iraila!
Ich fühle mich richtiggehend geehrt, dass ich dasein konnte und diese Band sehen, dieses Wunder der baskischen Musikszene, deren Namen Janine gestern noch unfassbarerweise mitten in Frankfurt auf der Tür einer Klokabine des Black Inn geschmiert gesehen hat (und laut eigener Aussage ewig draufgestarrt hat, während sie sich fragte, woher ihr diese merkwürdigen Wörter bekannt vorkamen). Berri Txarrak.

Eines der letzten Konzerte der Tour, und ich war da. Mit Saskia, mit der zusammen ich pünktlich um kurz vor zehn in der Schlange vor der Venue stand, bequeme zwei Minuten von meiner Wohnung entfernt, geliebte zentralste Lage ever, mit dem Vorhaben, uns Tickets zu kaufen – von dem uns dann ein Mensch abbrachte, der auf uns zukam und fragte, ob wir schon Tickets hätten, und uns auf unser Verneinen hin zwei Karten hinhielt – er sei mit der Band gekommen und zwei Freunde von ihm würden es nicht schaffen, und wir sollten uns doch was zu trinken holen. Und auf meine Aussage hin, das würde ich jetzt nicht glauben, „pues créetelo„.

Sogar die Vorband war gut. Wann hat man so etwas schonmal. Ich habe sie auch aufgenommen. Niña Coyote eta Chico Tornado.

Denak Ez Du Balio. En vivo. Direkt vor meiner Haustür. Ich glaub‘ es nicht.
Wie gut, wie gut, wie gut, dass ich hierbin.

Nun hat sich schon die Zeit umgestellt.

Wieder einmal ein Konzert in der Nacht der Zeitumstellung. Vor zwei Jahren war es A Day to Remember in Oberhausen. Vielleicht erinnert man sich. Vermutlich nicht. Wie lang zwei Jahre doch sind. Und wie kurz eine Nacht doch ist, und so viel kürzer noch, wenn einen Meter von einem weg jemand liegt und schläft, den man beobachten muss, mit weit offenen Augen, weil es die letzte Nacht ist. Wann hat man so etwas schonmal. Ich war dankbar für die zusätzliche Stunde.

Und nun schon wieder eine Zeitumstellung. Wie kurz zwei Jahre doch eigentlich sind. Lang. Kurz. Lang, kurz, lang. Irgendwie ist Zeit ein bisschen wie ein Morsecode.

Das Chaos beseitigen.

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Okay. Ich habe bis jetzt noch nichts Gegenteiliges gehört, also nehme ich mal an, sie zieht es durch und kommt heute Abend. Das heißt, ich habe bis dahin verdammt viele Aufräum-, Putz-, und anderweitige Maßnahmen zur Akzeptabilisierung meines Wohnraumes zu tätigen. Zum Glück habe ich kaum Muskelkater – anders als befürchtet; ich habe mich ja mit Susmita zum Fechten an der Uni angemeldet und gestern war das erste Mal Training. Und da ich, seitdem ich damals mit dem Fechten aufgehört habe, keinen Sport irgendwelcher Art mehr betrieben hatte, ging das gestern doch ganz schön auf die Oberschenkel. Und die Hüfte. Und überhaupt. Aber schön war es. Ich konnte mich sogar ein bisschen noch an die Bewegungsabläufe erinnern.

Das Kochen vorher bei May war auch schön. Ich kam mir ein bisschen unnütz vor, weil ich gestern einen nicht sehr feinmotorischen Tag hatte – einen von der Sorte, wo alles, was du anfasst, in einer Katastrophe endet. In dem Wissen habe ich die meiste Zeit nur mit Joi und Lena auf dem Sofa gesessen; die beiden verstehen sich prächtig, es kann eigentlich gar nicht mehr lange dauern, bis sie zusammenkommen. Lustig, weil ich diejenige war, die dafür gesorgt hat, dass sie sich kennenlernen. Das wäre das erste Mal, dass ich irgendwie in größerem Ausmaße daran beteiligt wäre, dass Freunde von mir eine Beziehung anfangen. Ich bin dem gegenüber ja eigentlich skeptisch eingestellt, weil Joi einfach die Arroganz in Person sein kann und Lena ein sensibler Mensch ist, der eigentlich nicht schon wieder einen Freund verdient hat, der sie in Diskussionen am Ende zum Heulen bringt. Aber dafür haben sie ihre Begeisterung für Sport und eine überdurchschnittliche Intelligenz gemeinsam. Ich bin nur ein bisschen verwirrt, weil ich mich eigentlich noch gar nicht entschieden hatte, ob ich ihn nicht vielleicht selbst doch auch ganz gerne mag. Ich brauche ja bekanntlich immer ein bisschen länger für sowas. Aber umso besser, so wird die Entscheidung mir abgenommen und ich ende nicht wieder als nervliches Wrack irgendwo in der Ecke.

So, gerade hat mich mein Vater bei ooVoo angeschrieben – ich werde mir mal was zu essen machen und mir dann ein bisschen Zeit nehmen, mit ihm zu reden. So toll kann er sich ja auch nicht fühlen da ganz alleine im Haus. Mama ist in Kopenhagen mit ihrer besten Freundin; das ist ein ziemliches Glück für sie, so muss sie nicht in dem katerlosen Haus ohne viel Ablenkung vor sich hinvegetieren und hat gleich jemanden, der sie aufmuntert. Hoffentlich bringt ihr das ein bisschen Energie für die Zeit nach ihrer Rückkehr morgen.

Und dann mache ich mich an die Arbeit; ich habe ein recht verkommenes Bad und ein noch verkommeneres Zimmer in bewohnbares Gebiet zu verwandeln.