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Substanzlose Weihnachten

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Na, sowas hab‘ ich ja schon immer ganz besonders geliebt. Aus was für Löchern sie alle gekrochen kommen, ich will’s gar nicht wissen. Heute Früh hatte ich tatsächlich eine Whatsapp-Nachricht mit „Frohe Weihnachten :)“ von Barbaras Freund. Jap, von demselben Menschen, dem ich nicht übel Lust hätte die Augen auszukratzen, sollte ich ihm mal persönlich begegnen, so wie er sich angestellt hat im kurzen Verlauf unserer Bekanntschaft (und nach allem, was ich über Dritte erfahren habe).

Kann es sein, dass es sich um einen dieser komischen Menschen handelt, die zu solchen Gelegenheiten eine Nachricht mit dem gleichen Inhalt an all ihre Kontakte schicken (was traurig wäre angesichts dessen, was sich in den Kontaktlisten bei den meisten Leuten alles tummelt)? Oder was denkt sich jemand sonst dabei? Hey, es ist Weihnachten. Wir reden zwar nicht miteinander, aber an Weihnachten muss man sich gratulieren, kontaktieren oder, noch schlimmer, aussöhnen, vertragen, benehmen. Natürlich hat niemand die Absicht, sich auszusöhnen, sich zu vertragen, irgendetwas Substanzielles an dem eigentlich porösen Kontakt oder sogar Nichtkontakt wieder aufzubauen. Und das ist das eigentlich Schlimme an diesen Nachrichten, sie geschehen pro forma, weil jemand sich denkt, man macht das eben so. Ein Glück hält Robert nichts von Weihnachten, sonst würde der mir am Ende auch noch schreiben.

Ich fand’s selbst von Caro schon grenzwertig, die ebenfalls mit einem Anderthalbzeiler von sich hören ließ, allerdings seit Beccis und meinem Besuch im Sommer weder die Zeit gefunden hat, mal zu telefonieren, noch auf meine sporadischen Nachfragen sonderlich enthusiastisch (wenn überhaupt) eingegangen ist. Komm schon. Von solchen Feiertagsnachrichten fühlt man sich mir nichts, dir nichts zum Gelegengeitsbekannten degradiert, dem man aus Pflichtgefühl ein inhaltsloses Häppchen wirft.

Allerdings scheine ich mit dieser Ansicht alleine dazustehen. Selbst mein Onkel meldete sich dieses Jahr per Whatsapp. Er ist so wortkarg in seiner schriftlichen Kommunikation, dass die Meldung „Frohes Fest usw. Bin leider krank.“ schon fast überdimensional lang wirkte. Aber ich hätte auch darauf verzichten können.

Davon ab könnte ich mich nicht unweihnachtlicher fühlen. Ich habe einen Computer und eine Katze auf mir liegen, was praktisch den Durchschnitt meines Gesamtzustandes im Jahr ganz gut widerspiegelt, muss noch sieben Seiten meines aktuellen Scribbr-Auftrags bearbeiten und dann irgendwie die Wohnung präsentabel machen, bis meine Eltern sie heute Abend betreten, sowie am besten noch meine Erkältung loswerden, um diesbezüglich Kommentare von meiner Mutter zu vermeiden. Draußen stapelt sich die Ausbeute unseres vorgestrigen Containerzugs und die meiner gestrigen Abholung beim Vietnamesen. Mein Kühlschrank ist nur zur Hälfte vorhanden, die andere Hälfte steckt in der Spülmaschine, um von widerlichem Dreck gesäubert zu werden, der sich in einem eindeutig zu langen Zeitraum darauf angesammelt hat und den mit der Hand zu beseitigen ich beim besten Willen nicht über mich bringe. Allerdings ist die Spülmaschine relativ leer und ich weiß nicht, wie ich sie noch gefüllt bekommen soll, um sie rechtzeitig vor der Ankunft meiner Eltern zum Laufen zu bringen, damit ich den Kühlschrank wieder einräumen kann. Im Trockner ist noch eine Ladung Wäsche. Sehr realistisch, das alles noch geradebiegen zu wollen bis sechs Uhr abends. Aber man wird sehen, wie weit ich komme… Ezina ekinez egina.

Venice und Drama

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Lieber Mensch, du. Ich habe mich über deine Nachricht sehr gefreut, kann dir meine Antwort allerdings aufgrund deiner offenbar randvollen Inbox momentan nicht zukommen lassen. Einen Blog hast du nicht, auf den man kommentieren könnte. Daher also nun als offene Antwort und in der Hoffnung, dass du nochmal vorbeischaust:

Hi Venice,

meinen Blog vollständig zu lesen dürfte eine echte Herausforderung darstellen, wenn man annimmt, dass der mittlerweile um die 6 Jahre alt ist und du nebenbei vermutlich noch leben und/oder arbeiten und/oder studieren und/oder sonstigen Tätigkeiten nachgehen musst. Das sei dir also ohne jeden Zweifel verziehen 😀

Aber ja, das Wichtige hast du schon richtig herausgelesen. Containern jetzt und Selbstversorger später sind zwei große Träume von mir, wobei zum Glück zumindest der erste schon Realität ist^^

..Du etwa auch?

Gruß
Aspi

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Abgesehen von dieser lustigen Korrespondenz um drei Ecken ist zu berichten, dass es mir besser geht, ich den ganzen Tag im Garten und später mit Aufräumen verbracht habe und jetzt gemütlich und alleine im Bett hänge und einfach mal wieder Zeit habe, mich allein zu betrinken und eventuell irgendwann noch über Skype irgendwelche sozialen Kontakte zu pflegen, falls sich denn die Möglichkeit dazu auftut.

Ich bin immer noch verblüfft, wie meine Toleranz gegenüber R’s ..nennen wir es „Eigenheiten“ so abrupt dahinschwinden und mich schutzlos wie sonstwas zurücklassen konnte. Damit muss ich jetzt erstmal klarkommen. Ich habe ja nicht vor, auf einmal zur nörgeligsten Person aller Zeiten zu mutieren, und möchte aber auch andererseits nicht täglich mit einer monstermäßig katastrophalen Stimmung wie zwischen gestern Nachmittag und heute Mittag zu kämpfen haben, worauf es hinauslaufen würde, würde ich ihm nicht mitteilen, dass seine Rücksichtslosigkeit mir neuerdings Probleme bereitet.

Es ist halt so, dass er sich jetzt wieder vollkommen in politischer Arbeit verliert und mir allgemein, aber vor allem auch im Zusammensein weniger Aufmerksamkeit und Zuneigung zukommenlässt; ich merke es an Kleinigkeiten und ich bin natürlich auch nicht diejenige, die für subtile Veränderungen unempfänglich ist, was die Beobachtung für mich leichter anzustellen und schwerer zu ertragen macht. Ich habe nur drauf gewartet; es ist auch unvermeidlich, wenn man bedenkt, dass das halbe Jahr jetzt auch vorbei ist und es bei den Menschen nunmal so funktioniert, dass sie nicht unentwegt für etwas die gleiche Begeisterung oder Wertschätzung aufbringen könen. Ich nehme mich da nicht aus; ich habe selbst oft genug bemerkt, wie ich Menschen als selbstverständlich ansah – ich war selbst oft genug entsetzt von mir. Am Schlimmsten trifft dieses Schicksal wohl Basti, was aber wiederum gar nicht so tragisch ist, da es sich andersherum genauso verhält – wir haben uns aneinander gewöhnt und sehen uns jetzt gegenseitig als Geschwister. So kam ich also auch in den Genuss, zu erfahren, wie es ist, einen Bruder zu haben. Und siehe da, es ist wunderbar. Und natürlich nerven wir uns manchmal. Aber das macht gar nichts aus, denn wir haben dafür die Basis.

Auf der anderen Seite wüsste ich beileibe nicht, auf was für einer Basis es gerechtfertigt wäre, wenn ich von R als selbstverständliche Konstante betrachtet werde, in deren Haus man kommt und geht, wie es einem beliebt, und der man in den schönsten Wörtern verpackt grundehrlich, aber so furchtbar flüchtig bekundet, wie wichtig sie einem ist, wenn man gut gelaunt ist.

Ich tue ihm Unrecht. Siehst du, es ist schon wieder das Gleiche. Mir fehlt die Perspektive. Um genau zu sein, fehlt mir seine. Er macht das nicht mit Absicht, was mir eigentlich schon genügen sollte, um mich wieder einzukriegen.

Jetzt rede ich mit Laura.