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Ausflug nach Hause

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Ach, ich freue mich auf Hamburg. Auch wenn es sich offenbar bei mir so eingebürgert hat, dass ich bloß einmal im Jahr auf eine Eintagesvisite vorbeischneie (siehe Kepas Umzug von Hamburg nach Kempten letztes Jahr, wobei das mit einem knappen halben Tag wohl ungeschlagen der kürzeste Besuch sein wird, den ich meiner alten Heimat je abgestattet habe).

Simone wird in einem relativ kleinen Café feiern; dort war ich auch schonmal und habe es geliebt, direkt an der Elbe, man sieht die riesigen Frachter vorbeifahren und es hat einfach Flair. Nebenan gibt es eine Art Empfangspunkt für Schiffe, wo ein Mensch in einer Kabine sitzt und die Nationalhymnen der ankommenden Mannschaften abspielt. Das letzte Mal war ich mit meinen Eltern und Großeltern dort, als uns diese in Oldesloe besuchten. Mein Opa ist sehr gesprächig und quatscht unheimlich gerne mit Menschen, die ihm über den Weg laufen, und so erzählte ihm der Kabinenmensch die Anekdote (welche mir, wie man merkt, bis heute im Gedächtnis blieb), dass einmal, als ein südkoreanisches Schiff vorbeifuhr, er versehentlich die nordkoreanische Hymne abgespielt habe. Die Menschen an Bord des südkoreanischen Frachters haben es wohl mit Humor genommen.

Gerade bedrückt es mich unheimlich, dass meine Großeltern nicht mehr so mobil sind. Gerade meinen Opa bedauere ich, denn er ist seinem Alter zum Trotz wirklich nicht gebrechlich und könnte gut und gerne noch durch die Weltgeschichte ziehen. Meiner Oma geht es nicht ganz so gut, sie hat Probleme mit dem Rücken und ist nicht mehr bereit, die Strapazen einer längeren Bahnfahrt auf sich zu nehmen. Mein Opa war sein Leben lang unfassbar wissbegierig, was fremde Orte anging. Er hat wenige weite Reisen unternommen, das haben seine Lebensumstände nicht erlaubt – mit Ausnahme des Besuchs bei meinen Eltern in New York und dem damit verbundenen Karibikurlaub, bevor ich geboren wurde, sind sie, glaube ich, beide nie aus Europa hinausgekommen. Aber ich schwöre dir, du kannst dir eine Deutschlandkarte nehmen und auf ein x-beliebiges Drei-Leute-Kaff blind mit dem Finger tippen, und er wird dir alles an Geschichte runterrattern, das dieses Nest je erlebt hat, und die der umliegenden Gegenden gleich dazu. Er ist wahnsinnig gebildet, obwohl er sein Leben lang ein einfacher Arbeiter war.

Aber ich schweife ab. Ich war ja gerade noch in Hamburg, und zwar bei dem Moment, in dem wir in den ZOB einfahren und ich, vor Müdigkeit wahrscheinlich komplett überdreht, mich wieder zu Hause fühlen werde an einem Ort, mit dem ich nichts mehr zu tun habe, den ich eigentlich nie auch nur angefangen habe zu durchdringen, und den ich kaum je wieder sehen werde.

Mir ist sogar eine wunderbare Lösung für das Makeup-Problem eingefallen (namely, wie schafft man es, nach achteinhalbstündiger Busfahrt und fünf Stunden Stadt für eine Hochzeit präsentabel auszusehen?), nämlich der Rossmann im Hauptbahnhof, von wo sowieso mehr als die Hälfte meiner Kosmetiksammlung stammt. (Da ich ja im normalen Leben nicht unbedingt übermäßig davon verwende, wird mir dieser Vorrat noch bis an mein Lebensende erhalten bleiben. Aber ich war früher süchtig danach, Lipgloss und Lidschatten zu kaufen, einfach wegen der Farben.) Dort kann ich dann doch problemlos bei den Testern einmal die Runde machen und tada, ich spare mir sogar noch die Mühe, mein eigenes Zeug mitzunehmen. Dann hoffe ich nur noch, dass das Wetter gut ist, weil ich wirklich nicht weiß, was ich über mein buntes Kleid für eine Jacke ziehen sollte. Oh, diese Probleme. Man könnte wirklich meinen, ich hätte keine.

Kaffeereste

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Ich verstehe bis heute nicht, warum zwischen den Strömungen „Carpe diem“ und „Memento mori“ so eine harte Abgrenzung betrieben wird. Eines funktioniert doch nicht ohne das andere, beziehungsweise verliert jeden Sinn. Meiner Meinung nach sollte man sie eher so yin-und-yang-mäßig gegenüberstellen. Aber was weiß ich schon. Mein Semester LitWiss damals an der Hamburger Uni hat mir ja allerhöchstens dazu verholfen, danach mit Bestimmtheit sagen zu können, dass ich LitWiss im Großen und Ganzen für kompletten Schwachsinn halte. Da kann man ja gleich sagen, es würde Sinn machen, im Kunstunterricht Noten zu verteilen. Auf der gleichen Ebene bewegen sich die Literaturwissenschaften.

Ich hatte damals eine ziemlich gute Klausur geschrieben. Im Kurs das ganze Semester über kein Wort von mir gegeben und mir meine Erkenntnisse über das wunderbare „Mientras por competir con tu cabello“ von Luís de Góngora lieber für die Klausur aufbewahrt, was mir auch unverzüglich ein überraschtes „TOLL!“ daneben auf dem Klausurpapier einbrachte. Natürlich, denn nichts ist einfacher als eine LitWiss-Klausur, nachdem du ein ganzes Semester Zeit hattest, um herauszufinden, wie dein Dozent das Gedicht gerne genau interpretiert lesen würde. Viel mit eigenem Denken zu tun muss das nicht haben (ich hatte Glück, dass meine Einsicht ihn und mich gleichermaßen fasziniert hat); Hauptsache, man weiß, was sie hören wollen, und liefert das dann ab.

Eigentlich hatte ich nicht über Góngora nachgedacht, sondern über meinen Vater. Mir ist gestern schon aufgefallen, dass ich ja seit einigen Jahren sehr gern Kaffee trinke; das haben wir nun also gemeinsam. Was gestern konkret meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war die Beobachtung, dass, wenn ich mir meine leere Kaffeetasse unter die Nase halte und den Geruch des letzten verbliebenen Tropfens Kaffee inhaliere, ich mich unweigerlich an meine Kindheit erinnere, als derselbe Geruch nach dem Frühstück der leeren Tasse meines Vaters entströmte. Ich mochte Kaffee damals noch nicht; weder geschmacklich noch geruchlich sagte er mir zu.

Auf jeden Fall dachte ich mir dann eben: Wenn mein Vater mal tot ist, wird mir dieser Geruch ganz fürchterlich wehtun. Und dann konnte ich Mama verstehen, die immer moniert, dass wir kaum je auf die Idee kommen, uns gegenseitig anzurufen.

Ende vom Lied: Ich sollte öfter mit meinem Vater reden.

Break these barriers down, make these walls collapse.

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So. Durch eine Reihe von Zufällen begab es sich also, dass ich den diesjährigen Silvesterabend ungeplant unverplant nach Ukumenschmanier verbringe: allein, zu Hause, und glücklich damit.

Okay, der Ukumensch und ich haben vermutlich selbst vom allein zu Hause verbrachten Silvesterabend noch unterschiedliche Vorstellungen. Soweit ich mich erinnere, holt er sich zu dieser Angelegenheit für gewöhnlich ein unverschämt teures Stück Fleisch und leckeren Wein, macht es sich gemütlich und lässt es sich gut gehen. Zumindest war es damals so, als wir uns kannten. Meine Aktivitäten momentan sehen so aus, dass ich gerade vom Spinat-Champignon-Ziegenkäse-Sahne-Sauce-Einkochen eine kleine Pause mache, während die Sahne auftaut. (Sie liegt zu diesem Zwecke bereits im Glas zusammen mit den ansonsten fertigen Zutaten im Topf bzw fließt langsam, aber sicher heraus und vermischt sich brav mit dem Rest.)

Ich habe Musik, die ich ewig nicht mehr gehört habe, auf einer Lautstärke laufen, deren Existenz (und Wirkung) ich in meinem angepassten Reihenhaussiedlungsdasein schon ganz in die letzte Ecke meiner wehmütigen Erinnerungen an andere Zeiten zurückgeschoben hatte.

Der weitere Plan sieht vor, dass ich die Sauce fertigmache, sie dann abfülle und Tomaten-Pilz-Sauce koche, um die beiden Saucen anschließend zusammen einzukochen. Dann werde ich die Küche gründlich aufräumen – überfällig, nachdem ich mich die letzten paar Wochen aus dem Küchen-Aufräum-Business dank anderer Verpflichtungen so ziemlich vollständig zurückgezogen hatte und jetzt, wo ich meinen Kopf langsam zurück ins Leben strecke, mit einigem Entsetzen den Zustand sowohl der Küche als auch meines eigenen Zimmers registriert habe.

Mein Weihnachtsbaum ist bereits abgeschmückt und mit Bastis Hilfe nach draußen verfrachtet worden. Das heißt, ich kann nachher hierdrin auch noch staubsaugen und dann die zwecks Weihnachten verlagerten Wäschetüten und Kisten mit Computerkrams wieder an ihre angestammten Plätze bringen. Danach werde ich duschen, mich hübsch anziehen und, solchermaßen den Beginn des nächsten Jahres würdigend, mich den gestern erwähnten Feinheiten meiner BA-Arbeit widmen, welche heute bisher sträflichst vernachlässigt wurde.

Ich sitze hier und höre Attack! Attack!. Ich fasse es gar nicht. Und ich habe alle drei Hinder-Alben durchgehört, die ich besitze; das letzte sogar zwei Mal, weil ich es so schlecht finde, dass ich es selbst früher kaum gehört habe, und mir dachte, ich sollte mich besser mal wieder einem ungeliebten Stimulus aussetzen, um ihm am Ende mehr Respekt entgegenbringen zu können.

Oh, wie mich dieses Album in ein völlig anderes Leben verschleppt. Ich liebe diesen Abend. Irgendwie schwanke ich kolossal zwischen übermäßig ziellos, übertrieben tatkräftig und panisch, dass mir die Zeit wegrennt, und dann ist da noch dieser überaus nervige Teil von mir, der so furchtbar nostalgisch ist und den es um jeden Preis im Schach zu halten gilt. Dafür ist diese Musik eigentlich eher suboptimal geeignet. Aber immerhin ist sie laut; sie ist laut und die Lautstärke verdrängt alles an zusätzlicher Nostalgie, die die Musik hervorruft.

Unglaublich, wie ich Basti heute eine ganze Vortragsreihe über die Redundant Nimrods gehalten habe. Mit veranschaulichenden Materialien und allem. Ich habe ihm gesagt, man sollte diese Schublade bei mir nur mit ganz viel Zeit und Geduld aufmachen. Und wir kamen wir drauf? Green Day, natürlich. Green Day steht immer am Anfang. Bei mir zumindest.

Ähh, fast vergessen, ich bin ja Studentin.

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So schreibe ich also meinen allerzweiten Eintrag in WordPress. Wie ich so gerne sage: Intereshting.

Zunächst nochmal zur Verdeutlichung: I’m not particularly happy to be here. Ich meine, ich habe nicht so viel dagegen, wie es hier aussieht und was man alles machen kann und so weiter und so bla, aber einerseits meine Gewohnheitsliebe und andererseits auch gewisse Vorzüge meiner sterbenden Altplattform blog.de lassen mich eben doch Letzterer recht bekümmert hinterhertrauern. (Ich hätte mit dem Trauern zwar ja eigentlich noch bis Dezember Zeit, aber du kennst mich ja (vielleicht). Mit Trauern wird schon angefangen, bevor es überhaupt vorbei ist. Ist so’n Nostalgikerding.) Aber gut, da müssen wir wohl durch.

Mir ist ein Monsterfail unterlaufen. Und zwar stellte ich heute, gerade in der Arbeit angekommen, mit einigem Entsetzen und ein paar Tagen Verspätung den dieswöchigen Beginn des neuen Semesters fest – super, ich hätte auch gar nicht gestern zum BA-Kolloquium gemusst oder so. Nein, stattdessen trieb ich mich in der Zeit ein paar Meter entfernt im zentralen Prüfungsamt rum und versuchte, an meine Unterlagen für eben diejenige Thesis zu kommen, für die ich unwissentlich dabeiwar das Kolloquium zu verpassen. Hm. Suboptimal.

Aber gut, das kann ich verschmerzen. Ich war ja letztes Semester eh schon bei ein paar Kolloquiumsterminen, wenn auch nicht sonderlich vielen, bevor mich die Lebenskraft wieder verließ. Ich habe dann dem Dozenten eine Mail geschrieben und kam mir unglaublich produktiv deswegen vor.

Wo ich schonmal dabeiwar, habe ich – den Wegfall des Nicht-Anfangen-Könnens ausnutzend, das zu Hause chronisch auf mir hängt – gleich noch das Vorlesungsverzeichnis nach Euskera-Kursen durchsucht, um zu merken: Oh, okay. Mittwochs. Wann? Ach so, halb zwei. Wie spät haben wir’s? Ah, 13.12 — „NEEEEEEINNNN!“

Ich bin aus der Arbeit geflüchtet und ab in die Uni wie nichts Gutes. Da ich keinen Stift dabeihatte, legte ich einen (sehr) kurzen Zwischenstopp zu Hause ein (es reichte für einen Wortwechsel zwischen R und mir, der genau aus „Ich bin nicht hier. Ich bin kein bisschen hier.“ – „Uni?“ – „JA. ALLERDINGS.“ bestand) und stopfte bei der Gelegenheit auch noch die Euskera-Mappe und das Wörterbuch in meinem Fahrradkorb. Wenn ich schon zu spät kommen würde, dann wenigstens mit Materialien.

Aber es hat sich gelohnt. Und wie es sich gelohnt hat. Es hat sich selten so gelohnt, mir die überstürzte Fahrt zur Uni in einem mörderischen Tempo anzutun – soweit der Uniberg meiner nicht gerade hochtrainierten physischen Erscheinung ein Tempo über Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Ich sage dir, it was bliss. Ich hatte keine Ahnung, wie mir Euskera gefehlt hat, keine. Mal ganz davon abgesehen, dass ich, glaube ich, meiner alten Zwischenmieterin aus dem Wohnheim im Kurs begegnet bin, die ich nie zu Gesicht bekommen hatte, weil ich in Euskadi war. Alderleherr. Zufälle gibt’s. Und die neue Dozentin ist wunderbar. Absolut wunderbar.

So. Nun sollte ich mich ans Versorgen meiner soeben containerten Schätzchen machen, duschen und hier aufräumen. Meine Kochaktion hat irgendwie die Hälfte der Küche in Anspruch genommen. (Aber auch die hat sich gelohnt; die Nudeln sind köstlich geworden. Mit Broccoli, Zwiebeln, Sellerie, Chilikernen, ganz viel Kräutersalz und Pfeffer, Raspelkäse und dem Rest Flüssigkeit, in die Trudis Krautwickel eingelegt waren. Genial. Und das Allerbeste ist, dass, wenn ich mein geliebtes „Was bliebe übrig ohne gerettete Zutaten?“-Spielchen mache, genau eine Prise Himalayasalz, ein Hauch Paprikapulver und ein Liter Wasser dabei herauskommt. Meine Dankbarkeit ist unermesslich.)

Eigentlich hatte ich gar keine Lust zu kochen. Umso glücklicher bin ich, es doch getan zu haben. Ich kann mir nicht erlauben, sobald ich alleine bin in Lethargie zu versinken. Ich habe schon völlig vergessen, was für eine Tatkraft ich irgendwann mal hatte, als ich allein gelebt habe. Ich sollte mein Allermöglichstes tun, um die wieder hervorzuholen. Das ist ein Punkt, in dem mir R’s Anwesenheit wirklich nicht guttut, so ehrlich sollte ich zu mir schon sein. Es wird alles so viel schwieriger, wenn du dein Leben mit jemandem teilst, dessen aktives Dasein sich zu überdimensional großen Teilen aus Politik, Kneipe und seinem Laptop zusammensetzt. Man sollte meinen, dass das schlichte Dasitzen eines R’s mit Laptop kein großes Hindernis darstellt, um trotzdem Dinge zu erledigen, aber sei dir gewahr, dass dem nicht so ist. Er bremst mich einfach kolossal aus. Ich bin jemand, der vom Ding her schon eher mitgerissen werden muss. In den meisten Lebenslagen komme ich ohne Mitgerissenwerden gar nicht klar. Das heißt wohl, dass ich diesen Sachverhalt wieder mal als Herausforderung sehen sollte, genau daran bei mir zu arbeiten. Mehr Antrieb aus mir selbst heraus, sollte die Devise lauten. Dinge für mich selbst schaffen, ohne dabei auf die Motivation oder Anerkennung Anderer angewiesen zu sein.

Ist ja gut. Challenge accepted.

Mehr Bilder müssen her.

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So, nun sind Sarah und Onno wieder weg.

Ich bin eben durch ein paar random Fotos durchgegangen, die ich damals in Brüssel gemacht habe. Es sind eigentlich schon ein paar gute dabei. Ich habe generell einige gute Bilder in meinem Leben gemacht.

Ich sollte wieder anfangen, im Alltag Fotos zu machen. Ich weiß gar nicht, wieso ich damit aufgehört habe. Es wird etwas mit der Kamera zu tun haben, die ich seit Granada eigentlich ausschließlich benutze; sie ist so groß und umständlich zu transportieren, sodass ich sie kaum je mit mir herumschleppe. Ich musste jeden Scheiß früher mit einem Bild festhalten. Was habe ich Tonnen an Bildern gemacht früher, jeden Tag. Bis 2015, dieses Jahr ist eine einzige gähnende Lücke. Ich habe kaum Bilder von meiner Wohnung, die ich nunmehr über ein Jahr lang bewohne, gemacht, geschweige denn von all den wunderbaren Vorgängen in meinem Garten. Da weißt du ja besser, wie meine Tomaten diesen Sommer aussahen, als es meine Kamera tut.

Ich würde ja sagen, Dinge verfliegen nunmal. Aber ich trauere dem Fotografieren von allem und jedem schon hinterher, wenn ich es mir recht überlege. Ich sollte wirklich die kleine Kamera mal wieder in Bereitschaft halten. Einfach für mich. Nicht dass ich am Ende noch vergesse, wie diese Spinne an der Wand nochmal genau aussah.

Hell on Earth, oder What happens when your Indian friend is almost done with their Masters studies and about to move out of the country.

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I dread the moment that you leave here because it will mean losing you, in a way.

Both of us are internet people, computer people, and with most of my close friends scattered all over this country, I’m perfectly used to, and happy with, internet-based friendships. Still, you, for me, are not a Skype friend. You’re a real-life friend, a here-and-now person. I won’t be satisfied talking to you with each syllable we say traversing a 4 to 5-hour time difference, cutting the realness out of it all. Being with you, to me, means more than talking. It means persuading you to take a couple of hours off your tedious studying. It means seeing the sunlight reflected in your hair, making the mysteriously shimmering red dye visible. I want to live life with you, not just tell you about mine and hear about yours. I want to cook Indian food with you, not by myself trying to figure out some recipe you sent me. It will never be the real thing with you away, not even close.

I want to open my door to you and have you walk around in the apartment knowing it like the back of your hand. I’ve missed having you as a flatmate since the day I moved out, I miss it so bad at times already. You know, I really loved living with you. The way we would both use cutlery and dishes economically so we’d have to wash less of them. The way our schedules were so perfectly complementing each other we’d never need to use the bathroom when the other one was using it. Overfeeding you with chocolate mousse until you’d be almost desperate when confronted with another bowl. Hearing you screaming through the wall when you were skyping. (You’d get so mad with yourself about it, but couldn’t stop it either.) Never having to fear to wake you up because you always stay up way late skyping or watching movies. Watching you make your giant pancakes because you’re too lazy to make several thin ones.

You won’t be able to do make-up on me and Trudi when you’re back home, which is bad. I’ll miss that. And getting drunk together, and all that. Your life lessons that are always so believable. (I recommend them to everyone, you know, even the ones who’ll probably never get to hear one for themselves.) Your stories about people, some that I know and others I don’t. Your views on things. Your ringing-Skype paranoia. The inquiring look on your face when you ask my opinion on something. The quality of your voice, undistorted. A zillion other things that will sure as hell surface early enough, in one particular situation or the other.

I’ll make sure to get my fair share of time with you until September. I’ll try to make it worthwhile, too, to be useful to you as a friend and generally as a person so that you’ll feel as loved and appreciated around here as you have always been. And I’ll try not to be too sad when that time is up. It’s unavoidable though, because, basically, there’s this undeniable issue I have with you: You are one damn missable person, dearest friend Susmita.

Imkreisschreiben.

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Whoa. Ich komme von See gerade, wo ich mit Susmita und Trudi einen schönen Abend hatte. Ich liebe es hier. Du schnappst dir eine Flasche Sekt und eine Flasche Wein und zwei liebe Menschen und ein paar Snacks und hast alle Schönheit des Lebens direkt vor deiner Nase.

Scream and Shout läuft mal wieder in meinem Kopf.

Morgen kommt Caro her, mit ihrer Freundin aus Portugal. Wenn alles gutgeht, machen wir etwas zusammen mit Ilhan, der aus irgendeinem Grund auch hier ist, und Trudi und Susmita. Sarah ist weg, sonst hätte ich die auch noch dazubeordert.

Ich mache so viele Tippfehler gerade; ich höre jetzt einfach auf, darauf zu achten.

Das ist jetzt unheimlich; ich habe gerade Pedro erzählt, dass ich in FFM bin demnächst, und er fragte, „bei Mr. Uku?“ Nein, vielleicht nicht. Vielleicht eher bei JO, mit der ich zu Against Me! nach Luxembourg gehe. Aber gerade gestern noch habe ich überlegt, dass der Mensch an sich wirklich ein nostalgisch veranlagtes Ding ist; ich bin ja bis heute jedes Mal überzeugt, etwas ganz Grandioses in den Wind geschmissen zu haben, wenn ich das Zeug höre, das wir produziert haben. Und dann muss ich mich zu Tode bemühen, mir den ganzen Krampf drumherum im Gedächtnis wieder lebendigzumachen, das ganze Einfach-Nicht-Genugsein.

Ich meine, Scheiße, ich habe etwas ganz Grandioses in den Wind geschmissen, ich musste mir halt nur überlegen, ob mir nicht mein gesunder Geistezustand vielleicht wichtiger ist. Falls ich den jemals erreiche. Jedenfalls bin ich so auf einem wesentlich erfolgversprechenderen Weg, als wenn ich mich mit dem ganzen Einfach-Nicht-Genugsein herumplage. Herrlich, dass.. keine Ahnung, was ich schreiben wollte. Ich mutte nur kurz klären, dass Pedro sich von Türkisch, aber nicht von Russisch gequält fühlt, und habe indessen vergessen, was ich wollte hier. Mein Zustand ist selig-betrunken. Ich kam nach Hause mit einem Glitzerstreifen in den Haaren, über den Trudi und Susmita lang und breit diskutiert hatten, ob er jetzt Pisse enthält oder nicht. Natürlich tat er es nicht. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher.

Ach, ach, ach, ich schreib‘ so gern mit Kepatto. Jetzt hat er sich beschwert, dass er nichts versteht, wenn ich ihm auf Türkisch schreibe, obwohl alles, was ich ihm geschrieben habe, war, dass ich nichts verstehe, wenn er mir auf Latein schreibt.

Inzwischen lasse ich mich als Blaue Waffel bezeichnen und habe endlich den Text von letztem Mai gefunden, den ich in dem entsetzlichen Ort geschrieben habe, wo Vegetarier wie Menschen fünfter Klasse verköstigt werden. Hm. Gut zu sehen, dass ich inzwischen doch noch ein bisschen was gelernt habe.

Wie’s aussieht, sehe ich morgen Ilhan wieder. Das war lange her. Ich bin unglaublich gespannt. Caro kommt ja.. Ich hab gerade keinen Plan, ob ich das nicht eingangs schonmal erwähnt hatte.

Vielleicht sollte ich dann jetzt mal aufhören, wenn ich schon – eventuell – im Kreis schreibe, ohne es auch nur zu merken.

GNOM.

(Niemand sollte jemals erfahren, wie viele Anläufe ich gebraucht habe, um das zu tippen. OH JE.)

Google niemals Blaue Waffel.

One day’s gotta be the last.

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Saskia ist auch echt so ein Phänomen für sich. Zu so vielen Teilen wie ich, zu so vielen anderen das komplette Gegenteil, und dann sind noch überall Facetten verstreut, die mit mir weder aus dem einen noch aus dem anderen Blickwinkel in Verbindung zu bringen sind.
Muss ja auch nicht sein. Es ist, als wären wir Magneten. Würde jeder von uns genau seine andere Seite, ich sage mal, raushängen lassen, könnten wir wahrscheinlich auf Teufel komm raus nichts miteinander anfangen. So dagegen wurde sie einfach mal meine beste (und, zugegebenermaßen, im Grunde einzige) Freundin hier in Vitoria.

Wenn sie hier nicht gewesen wäre. Meine Güte, ich wäre ja wieder vereinsamt. Aber es ist erstaunlich, wie es mir reicht, und vollkommen reicht, sie (bis Weihnachten noch zusammen mit ein paar anderen Erasmus-Menschen) hier als sozialen Kontakt zu haben. Da sieht man schon wieder den krassen Unterschied; sie hat tausendundeinen Bekannten in jeder Ecke (und macht alle zwei Minuten neue Bekanntschaften – der wohl extrovertierteste Mensch auf Gowais weiter Erde) – und trotzdem scheint sie mir, auch so, irgendwie doch nochmal einen anderen Wert zuzuschreiben. Einmal mehr bin ich dem Medi dankbar; seiner grandiosen Wirkung ist zu verdanken, dass lebensqualitätsverringernden Sinnlosgedanken in Richtung „ooh, sie hat viel mehr Freunde als du, sie kennt viel mehr Leute, sie kann dich ganz einfach ersetzen“ von Seiten meines Verstandes wirksame Grenzen gesetzt werden. Diese Idiotie hat mir genug Jahre meines Lebens versaut; langsam muss es damit auch mal gut sein.

Nuja. Die Nostalgie ist am Einkicken, die letzte Nacht angebrochen (morgen Nacht zähle ich schon nicht mehr dazu – da wird nur noch bis 4.20 aufs Taxi gewartet und dann geht’s ab), der Koffer immer noch nicht zu, natürlich – ehrlich gesagt bezweifele ich noch ein bisschen, dass ich an seinem offenen Zustand alleine etwas zu ändern vermag, und versuche es gar nicht erst.

Meine Mandeln machen Terror.

Ein Tag noch. Genau ein Tag.

Und um.

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Es wurde mir eigentlich erst gegen Ende des Euskera-Kurses richtig bewusst, als wir alle, Inés‘ mitbegrachtes Brot mit Käse und Membrillo essend, in der Mitte des Raumes um die vollgekrümelten zusammengeschobenen Tische herumstanden und sich auf einmal ganz rapide eine irgendwo zwischen ausgelassen und nostalgisch schwankende Abschiedsstimmung unter uns ausbreitete – es ist tatsächlich vorbei.
Auf dem Weg von Euskera zum letzten Mal Traducción Alemán-Español schlug die Erkenntnis bei mir wie eine (hämisch klingelnde) Bombe ein und ich konnte mich kaum auf Saskias gewohntes Geblubber neben mir konzentrieren. Sachen zum letzten Mal tun liegt mir nicht. Deswegen bin ich immer wieder erleichtert, wenn letzte Male unbemerkt an mir vorbeigehen. Egal wie sehr ich mir vorher auch gewünscht haben mag, es würde aufhören – ich war sogar in meiner letzten Mathestunde nostalgisch, das dürfte eigentlich schon alles sagen. Einfach das Wissen, dass es nie wiederkommt. Ich kann manchmal kaum damit leben.

Was mache ich nur erstmal, wenn ich alt bin. Ich habe diese entsetzlich nostalgische Ader seit dem ungefähren Alter von neun Jahren (mit dem Ende der Grundschule und somit dem Einsetzen einer einschneidenden Veränderung konnte sie sich erstmals richtig breitmachen; ich kann schon froh sein, dass ich den Umzug aus Berlin, als ich vier war, nur so am Rande mitbekommen habe, sonst wären mir wahrscheinlich weitere vier Jahre des irrationalen Zurückwollens nicht erspart geblieben) und jetzt schon manchmal den Eindruck, vom fortwährenden Verrinnen der Zeit schier zerquetscht zu werden. Jedes Fitzelchen Veränderung.. und das Tollste ist, wenn ich mir jetzt mein eigenes, wunderbares, in einem raren Moment inneren Friedens erarbeitetes Lied anhöre, welches an sich beruhigendes Potenzial hätte, ende ich wahrscheinlich.. ich will nicht wirklich wissen, wo. Genau das meinte ich ja, ich hab Angst vor den Songs, sie werden zu Zeitkapseln.

Dabei hab‘ ich doch sogar noch heute früh mit Caro über den Song geredet. Was wieder in einer Analyse der Gesamtsituation endete, natürlich – und einer interessanten noch dazu; im Gegensatz zu Gesprächen mit anderen, unendlich geschätzten Leuten tendiere ich dazu, mich beim Reden mit ihr bis heute nicht vollständig blankzulegen. Das Verstellen inmitten der ganzen Wahrheit, wie deutlich ich es im Nachhinein raushöre.

Caro 19.12.13

Caro mit ihrer hypertaktvollen, Nagel-brutal-auf-den-Kopf-treffenden Art. „Also das heißt, du musch in Zukunft.. nur mit Fraue zammearbeite oder was… Alles Andere wird schwierig. Außer es verliebt sich mal einer zurück.“
Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Jetzt hat gerade Dani bei mir geklopft und gefragt, ob ich einen Dolmetschjob gebrauchen kann – morgen in San Sebastián, 9am-2pm, 200-300€ Bezahlung. Warum nicht, sagte ich ihm und cancele jetzt im Geiste meine ambitionierten Pintxo-Pote-Pläne mit den anderen Erasmusleuten für heute Nacht auf ein-zwei Weinchen und ein paar Stunden weniger herunter.

Reliving NoFX

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Was mir da nach zweieinhalb Jahren über den Weg läuft – was wäre ich ohne Youtube? Und viel wichtiger, was ohne NoFX?

Ich habe ewig kein NoFX mehr gehört, und dabei sind sie so sehr Bestandteil meines Lebens. Wenn ich mir überlege, dass heute schon der ..ach herrje, rechnen.. siebte, ungelogen, der siebte Jahrestag des RHCP-Konzertes ist (Erinnerungen, hört auf zu schwappen, zu viel!) und ich nach Hause kam und Idiots are taking over auf meinem Krüppel-iPod gehört habe und Lena meine Begeisterung nicht teilen wollte, an sich verständlich, weil wir nunmal gerade vom RHCP-Konzert kamen und normalerweise die Stunden nach einem Konzert nicht der idealste Zeitpunkt sind, jemanden mit Musik aus anderer Quelle vertraut zu machen.

Der Tab war jetzt auch schon wieder ein paar Tage in meinem Browser offen, einfach weil ich mich nie durchringen konnte, es abzuspielen. Extreme Playgrounds, Pinneberg, 2011. Der 28. August; der Tag, an dem ich fast gestorben wäre, aber das nur so am Rande (ich erwähnte damals grob die failbelasteten Umstände).

Mir war gar nicht bewusst, wie viele Leute da noch hinter uns waren.
Wir hatten unsere Curry-Nudeln gegessen und waren von hungrigen Besoffenen um ein paar Bissen angebettelt und von sehr, sehr vielen anderen Umstehenden neidisch beäugt worden. Dass auch sonst niemand darauf gekommen war, sich was zu essen mitzubringen.
Es hatte zu regnen aufgehört. Wir waren nicht ganz vorne, bewegten uns aber relativ zügig nach dem Auftauchen der Band weiter in Richtung der Bühne, einfach weil zu der Zeit das Gefüge der Menge noch sehr locker und ein Annähern problemlos möglich war. Ich war hin und weg. Legenden, diese Menschen, für mich schon seit Jahren. Elusive Band, nicht sehr tourbegeistert, nicht mehr. Festivals in Europa, ja, ab und an. Wie in diesem Fall, wo sie mit Rise Against Extreme Playgrounds gespielt haben, mit Rise Against, als wäre es allein für mich konzipiert worden.

Wer hätte gedacht, dass ich nach weit über zwei Jahren doch tatsächlich in dieser etwas anderen Form nochmal weiter reviewe. Die eigentliche Review liegt seit fast genausolanger Zeit, nach ein paar einleitenden Absätzen unberührt, auf diesem Computer brach und hat wenig Chancen, je vollendet zu werden. Ich würde mir zwar manchmal wünschen, mein Gedächtnis würde nicht alles mir in irgendeiner Weise Wichtige so übergründich aufsaugen und in den unpassendsten Momenten wieder ausspucken, aber dankenswerterweise verliert sich im Laufe der Zeit doch das ein oder andere Detail. Und was wäre schon eine meiner legendären Reviewchen ohne Details.

Was für eine Setlist. Ich muss der glücklichste Mensch auf diesem Platz gewesen sein. Das AG hochhaltend – und ich habe Caro und Şahin angerufen, als sie Radio Radio Radio gespielt haben. Weil die beiden doch Rancid so lieben. (Ich tue mal kurz so, als hätte ich noch irgendeine Ahnung von ihrer beider Musikgeschmäcker; man sehe es als eine Art historisches Präsens.)

Und Respekt habe ich vor ihnen, meine Güte. Sie machen sich so permanent und überzeugend selbst zum Affen, dass man fast übersehen könnte, wie großartig sie in Wirklichkeit sind. Ich befürchte, dass die Mehrheit der Menschheit es übersehen würde, selbst wenn sie der Mehrheit der Menschheit bekannt wären. Fat Mike, einer der bewundernswertesten Massenproduzenten hypergenialer Texte überhaupt, dem es im Traum nicht einfallen würde, sich mal für eine halbe Sekunde selbst ernstzunehmen, was ihn nur noch genialer macht. Rest der Band, ditto.

Mir war schon ganz entfallen, wie heilend NoFX fürs Gemüt ist. Wenn man beim Sich-aus-dem-Sumpf-Ziehen doch mal ‚was Hilfe braucht, sollte man sich NoFX anmachen. Sogar mir Dramamenschen fällt es schwer, ihrer unfassbar undramatischen Herangehensweise an die dramatischsten Themen so viel Drama entgegenzusetzen, dass es ihre Undramatik aufwiegen könnte, unglaublich.

Wie ich mir gerade übermenschliche Überzeugungskraft wünsche, damit sich irgendjemand dazu motiviert fühlt, sich ein komplettes einstündiges Konzert einer ihm höchstwahrscheinlich unbekannten Band anzuhören. Natürlich habe ich die nicht, und abgesehen davon kann es mir im Grunde vollkommen schnurzpiepe sein, ob ich in diesem Leben noch jemanden auf NoFX aufmerksam mache. Die ganzen Hintergründe könnte man eh niemandem einpflanzen.