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Someone’s stuck in shit, and naturally…

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Was zum Geier ist mit mir verkehrt? Ich hab Klausuren nächste Woche; Freitag, Samstag und/oder Sonntag Termine und trotzdem nichts Besseres zu tun, als Kepa anzubieten, ihm für seinen Umzug von Hamburg nach Kempten am Freitag packen zu helfen.

Warum tut man das? Was zur Hölle? Ok, ich hätte es nicht gemacht, würde nicht die altbekannte Nachtbuslinie von Touring in neun Stunden von hier aus direkt hochfahren. Und mir ist eigentlich vollkommen klar, wieso ich das tue. Es ist die simple Tatsache, dass er sich beklagt hat. Über Faulheit. Das Phänomen, welches sich bei beiden von uns als teuflische lethargische Lähmung äußert, die über „ach nöö, kein Bock“ so endlos hinausgeht, dass ich fast so weit gehen würde, zu behaupten, diese beiden Gemütszustände entstammen nicht einmal der gleichen Art von Regung. Oder eher Unregung. Anti-Regung. Nicht-Regung. I know I would have wanted an offer like that.

Sodass also zu eben dieser simplen Tatsache, dass Kepa sich offen beklagt hat – und wenn einem Kepa anvertraut, dass etwas grad nicht so läuft, ist die Kacke am Dampfen – noch das Wissen um die widerliche Machtlosigkeit kommt, die ihn daran hindert, seinen Kram jetzt und sofort in Kisten zu packen. Falls er überhaupt schon welche hat. Wenn nicht – wundern würd’s mich kaum.

Und jetzt das Allererschreckendste: Er hat es angenommen. (Nachdem er mich zweimal aufforderte, mir gut zu überlegen, was ich da tue.) Das offenbarte mir erst das wirkliche Ausmaß seiner Verzweiflung. Er muss in einem so dermaßen bodenlosen Loch gehockt haben, der Mensch. Hm. Wäre mir das widerfahren, hätte ich jetzt vermutlich genug Tatkraft wiedererlangt, um es doch noch allein zu schaffen. Immerhin hat er sich direkt aufraffen können, sich fest für morgen vorzunehmen, einen Transporter zu buchen. In our world, that means a lot. Gedankliche Konfrontation des Krisenthemas can go a long way.

Vermutlich lag meiner Hilfsbereitschaft auch zugrunde, dass ich mich selbst gerade wieder gerafft habe. Auch wenn ich gestern nicht in der Uni war. Aber die Wohnung sieht jetzt aus wie ein anderer Planet als noch letzte Woche. Mein Rücken ist der Leidtragende meiner Produktivität; das ganze Wischen und Klettern aufs Hochbett und herunter vom Hochbett und Wuseln zwischen mittlerweile drei bewohnbaren Zimmern und Küche und Keller und Bädern war nicht sehr lieb zu ihm. Aber oh, wie es sich gelohnt hat. Allein im Schlaf- und im rosa Zimmer muss noch gewischt werden, alle anderen Räume sind blütenrein. Es sieht so schön aus hier. Ich habe Teelichter und ein Räucherstäbchen angezündet zur Feier des kleinen Wunders.

Und ich habe auf dem Hochbett umgeräumt, sodass nun das Nachtschränkchen leichter zu erreichen ist, ohne dass man ans Fußende greifen muss, und es steht mein altes Beistellregal daneben, um uns mehr Ablegemöglichkeit zu bieten. Und natürlich habe ich auf dem Bett gesaugt und es neu bezogen. (Ja, man muss tatsächlich gelegentlich darauf saugen, weil es ja aus durchgehenden Spanplatten besteht. Dafür ist untendrunter wesentlich leichter zu reinigen, oh the joys of elevated beds.)

Nun habe ich noch immer eine halbe Stunde, bis R nach Hause kommt. Seitdem er diesen Job hat, ruft er mich zuverlässig fast jeden Tag an, wenn er dort rauskommt, eine völlig unerwartete und erfreuliche Neuerung.  So weiß ich dann auch immer, wann ich mit ihm rechnen kann. Und ich bin glücklich, denn es ist schön hier und ich muss kein schlechtes Gewissen haben wie an all den Tagen, die ich zockend auf der Couch verbracht hatte, wenn er von der Arbeit wiederkam.

Okay. Morgen erfahre ich dann, ob meine Dienste als Notfallpackerin wirklich in Anspruch genommen werden; dann kann ich mich darum kümmern, meine Wochenendtermine zu verlegen und mich wiederum mental und buchenderweise auf die Fahrt nach HH vorbereiten. Aus allen Gründen, die ich hätte, um in Hamburg aufzuschlagen, als jemand, der vierzehn Jahre seines Lebens in der Ecke verbracht hat… Ich hätte nicht gedacht, dass es gerade ein Umzug sein würde, der mich da nochmal hinführt.

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Gewissen bereinigt, die Wohnung noch nicht.

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Chaotisch sieht’s aus hier. Manche der Kisten sind so schwer, dass ich sie allein nicht bewegen kann, und in der Mitte des Raumes steht mein Orangentisch und blockiert noch den letzten verbleibenden Durchgang. Aber ich komme voran.

Ich hatte mir mehr vorgenommen für heute, als ich schaffen werde. Gut, dass morgen auch noch ein Tag ist, und zumindest die wichtigen Dinge erledigt sind. Ich habe mich endlich gezwungen, Keyla und Vanny zu schreiben. Nachdem ich denen nämlich verkündet hatte, sie im April besuchen zu kommen, und dann das ganze Disaster über mich hereinbrach, hatte ich mich bis vorhin nicht dazu bringen können, sie darüber in Kenntnis zu setzen. Ich habe versucht, ihnen so ehrlich wie möglich zu erklären, wieso ich mich so unfassbar asozial angestellt habe in dem Punkt.

Letztendlich beläuft es sich darauf, dass ich ein riesigs Problem damit hatte, mich selbst mit der Tatsache zu konfrontieren. (Das war mal eine Reise, die ich seit fünf Jahren geplant hatte. Ein Versprechen, das ich gedachte einzuhalten: Wenn ich fertig bin mit Studieren, komme ich wieder. Jetzt einzusehen, dass ich dank Trudi die für Familienbesuch eingeplante Zeit für Umzüge aufbringen sollte und das entsprechde Geld für hirnrissige Dinge wie Umzugswagen und einen Vodafone-Vertrag, von dem ich nichts mehr habe… Mäh.) Und darauf, dass wie so oft der letzte Strohhalm einfach der war, es durch Nichtkommunizieren den Mitbetroffenen gegenüber einfach nicht real werden zu lassen. Vielleicht der gleiche Dämon, der Trudi geritten hat, als sie mir monatelang verschwieg, dass sie den Strom nicht gezahlt hatte. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass Keylas und Vannys Licht noch angeht.

Vielleicht sollte ich doch noch etwas mehr erledigen. Ich habe aufgrund suboptimaler Wetterbedingungen (anders gesagt, widerlicher Sintflutregen) bisher davon abgesehen, das Haus zu verlassen; so liegt auch der Geburtstagsbrief für meinen Onkel noch hier herum, auf dem zwei Cent zu wenig Porto klebt, und ich habe meine geplante Riesenbackaktion (zwecks Eier-, Quark- und Frischkäsevernichtung und gleichzeitigem Füllen der leeren Einmachgläser zu gewissensfreierem Mit-Umziehen) noch nicht ausführen können, da der dafür benötigte Zucker leider Gowais in Bastis Wohnung verweilt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden – es sieht gerade verdächtig hell aus da draußen, fast, als wäre es Tag.

Wobei, Moment mal. Heute ist Schlüsselübergabe in Heidelberg. Mein Vater, der das übernimmt, kommt nachher hier vorbei, sodass es theoretisch möglich wäre, den Zuckertransport ganz sicher regenfrei im Auto zu erledigen. Wie wär’s? Oh herrliches Leben.

Außerdem habe ich es dafür heute schon geschafft, meine Flüge nach Bilbao und zurück zu buchen; da es so aussieht, als würde ich es dieses Jahr tatsächlich mal ins Barnetegi schaffen, war diese Aktion heute verpflichtend. Die ersten beiden Juliwochen, grob gesagt, werde ich mir also so viel Euskera reinprügeln, wie es mein untrainiertes Siebhirn nur zulässt. Wenn ich also jetzt noch den Heidelberger Stadtplan ausdrucke, um am Dienstag die Wohnung auch ganz sicher zu finden, wäre doch aus diesem überschwemmten Tag schon wieder das Meiste herausgeholt.

„On a new one.“

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Sieht so aus, als könnte ich wieder blogglen. Wie mich das erleichtert.

Aber nicht jetzt, wo es schon so „spät“ ist (wie sich die Zeiten, im wahrsten Sinne, doch ändern) und meine Augen Terror machen und ich erstmal schlafen sollte. Ich werde noch genug Zeit haben die Tage; der Pack-und Räumungs-Horror ist so gut wie überstanden, R ist erstmal eine knappe Woche weg und Basti hat vermutlich Besseres zu tun, als (wie heute) jeden Tag hierher zu dessen Wohnung rauszulaufen, um mit mir abends rumzuhängen. Zumal er es jetzt geschafft hat, sich nach ewiger Dürreperiode eine Freundin an Land zu ziehen, mit der er verständlicherweise auch mal abends telefonieren will.

Samstag bin ich in Heidelberg. Wohnungen anschauen.

Gnom.

Darf ich dich behalten?

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Ich hab‘ dann heute einfach mal mit einem Nicken geantwortet, statt wie zuvor mit verbalen Ausflüchten à la „ich würd‘ gerne behalten werden“. Nachdem ich offenbar nach wie vor unfähig bin, eine Verbindung zwischen meiner Innenwelt und hörbar geäußerten Worten herzustellen – danke auch, zu gut funktionierende unfreiwillige Selbstschutzfunktion – gebe ich mir umso mehr Mühe, das, was ich nicht sagen kann, auf jede erdenkliche andere Art zu demonstrieren. Vielleicht haben diese Aussagen von ihm – „wie bin ich nochmal an den liebsten Mensch der Welt gekommen?“ – auch darin ihren Ursprung. Er kann reden. Wenigstens einer von uns. Wie sagt er so schön (und ich will nicht wissen, seit wie vielen Jahrzehnten zu wie vielen Menschen, aber am Ende waren es vermutlich doch weniger, als ich mir denke) – kennst du das, wenn du dein Glück berühren, aber nicht fassen kannst?

Er wäre nicht unsicher, würde er den Unterschied feststellen zwischen dem, was ich tue, und dem, was ich normalerweise inclined wäre zu tun. Er hat nicht die Spur einer Ahnung, was für eine riesige Diskrepanz besteht zwischen dem, was ich inclined bin zu tun, und dem, was mich der immense Grad an Zuneigung, die ich ihm mittlerweile entgegenbringe, letztendlich zu tun befähigt. Jeder Mensch, der mich kennt, müsste mich nur drei Minuten lang in seiner Gegenwart beobachten und könnte ihm aus vollster Überzeugung versichern, dass dieses Verhalten durch nichts erklärbar ist außer ebenjenem Zustand vollkommener geistiger Verwirrung.

Ich höre Bueltatzen auf Repeat, seit nunmehr schon fast einer Stunde.
Ich weiß, ich weiß. Aber egal, was das am Ende für Dramen mit sich bringt; wer weiß, wann sich mir das nächste Mal die Gelegenheit ergibt, jemandem Bueltatzen an den Hals zu dichten.

Das ist doch unmöglich. Jemand liebt mich, und ich glaube es auch noch. Natürlich glaube ich nicht, dass das lange so bleibt, geschweige denn ein schmerz- und zerstörungsfreies Ende nimmt, aber jemand liebt mich jetzt gerade, und ich liebe ihn zurück. Wie absurd ist das bitte. Ich hatte mit der Möglichkeit, diese Erfahrung zu machen, ehrlich gesagt in diesem Leben nicht mehr gerechnet.

Jetzt macht der Luxmensch wieder Probleme. Argh. Argh. Argh. Würde ich nicht so unbedingt wollen, dass er R’s Wohnung bekommt, wäre mir das ja alles egal, aber er MUSS es irgendwie heute hierher schaffen. Boah Mensch.. was für ein Chaos. Nebenbei erwähnt – ich habe noch nichts gepackt. Nichts. Und morgen bin ich weg. Theoretisch. Das wird ja mal lustig.

Produktiv in der Matrix

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Wie produktiv ich heute schon war. Ich habe mir endlich Irudi Biluztuak zu Ende herausgehört, die letzten und widerspenstigsten Stellen. Jetzt muss ich es nur noch spielen können. Meine allesamt um mindestens eine Hautschicht ärmeren Fingerkuppen überstehen das Gitarrieren mittlerweile schon wieder überraschend gut, aber am Anfang.. oh, diese Schmerzen. Als hätte ich noch nie so ein Ding in der Hand gehabt.

Außerdem habe ich heute Früh zum ersten Mal eine potenzielle Schlafgelegenheit in Namibia angeschrieben. Langsam aber sicher würde ich schon gern damit anfangen, mir zumindest soweit es irgendwie planbar ist ein bisschen Struktur in meine Woche in Windhoek zu bringen. Ich hasse es, alleine zu reisen; ich hasse es wie die Pest. Und ich kenne mich – wenn ich da am Flughafen stehe und noch gar keinen Plan habe, wohin ich gehen soll, fühle ich mich hundertprozentig überfordert. Spontan bin ich dann gern wieder ab dem 25., wenn Kepa kommt und ich nicht mehr allein da herumlungere. Aber dafür suche ich mir ja auch Couchsurfing-Übernachtungsmöglichkeiten. Die, die ich angeschrieben habe, klingt jedenfalls schonmal supernett.

Nachdem wir gefrühstückt hatten, habe ich schonmal ein bisschen was für Zuhause gepackt (morgen bin ich ja vermutlich nachmittags weg und habe vormittags Panik, also besser heute so viel wie möglich erledigen) und Papa geholfen, alles Mögliche an Gegenständen übers ganze Haus verteilt auszumessen, bzw. er hat gemessen, ich habe notiert. Wie praktisch, dass er zu Weihnachten ein Laser-Messgerät bekommen hat – wer sowas hat, braucht nie wieder Zollstock oder Katzenspielzeug.
Was man sich aus einem Umzug alles für Arbeit machen kann. Aber natürlich hat das Organisiertsein auch so seine Vorteile, ich sag‘ am besten mal gar nichts, ich furchtbarer Chaos-Mensch.

Damit wurden wir eben jedenfalls fertig. Da meine Eltern beide noch keinen Hunger haben und ich dank der anhaltenden Panik todmüde bin, habe ich mich ins Bett verzogen und lasse sie unten erstmal eine Weile alleine weiterprotscheln. In der Zeit höre ich hier den Regen beharrlich auf mein Dachfenster tropfen, versuche meinen Verstand zu sammeln und hoffe, dass jemand zu Skype kommt – beides bislang erfolglos.

Lass dir gesagt sein, wir leben alle in einer Matrix. In einer kollektiven Riesenmatrix, in der jeder nochmal in seine eigene kleine Mikro-Matrix gehüllt vor sich hinexistiert. Und um Wahrheit zu lernen, müssen wir erst beide durchschauen. Lass es dir einfach gesagt sein.

One day’s gotta be the last.

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Saskia ist auch echt so ein Phänomen für sich. Zu so vielen Teilen wie ich, zu so vielen anderen das komplette Gegenteil, und dann sind noch überall Facetten verstreut, die mit mir weder aus dem einen noch aus dem anderen Blickwinkel in Verbindung zu bringen sind.
Muss ja auch nicht sein. Es ist, als wären wir Magneten. Würde jeder von uns genau seine andere Seite, ich sage mal, raushängen lassen, könnten wir wahrscheinlich auf Teufel komm raus nichts miteinander anfangen. So dagegen wurde sie einfach mal meine beste (und, zugegebenermaßen, im Grunde einzige) Freundin hier in Vitoria.

Wenn sie hier nicht gewesen wäre. Meine Güte, ich wäre ja wieder vereinsamt. Aber es ist erstaunlich, wie es mir reicht, und vollkommen reicht, sie (bis Weihnachten noch zusammen mit ein paar anderen Erasmus-Menschen) hier als sozialen Kontakt zu haben. Da sieht man schon wieder den krassen Unterschied; sie hat tausendundeinen Bekannten in jeder Ecke (und macht alle zwei Minuten neue Bekanntschaften – der wohl extrovertierteste Mensch auf Gowais weiter Erde) – und trotzdem scheint sie mir, auch so, irgendwie doch nochmal einen anderen Wert zuzuschreiben. Einmal mehr bin ich dem Medi dankbar; seiner grandiosen Wirkung ist zu verdanken, dass lebensqualitätsverringernden Sinnlosgedanken in Richtung „ooh, sie hat viel mehr Freunde als du, sie kennt viel mehr Leute, sie kann dich ganz einfach ersetzen“ von Seiten meines Verstandes wirksame Grenzen gesetzt werden. Diese Idiotie hat mir genug Jahre meines Lebens versaut; langsam muss es damit auch mal gut sein.

Nuja. Die Nostalgie ist am Einkicken, die letzte Nacht angebrochen (morgen Nacht zähle ich schon nicht mehr dazu – da wird nur noch bis 4.20 aufs Taxi gewartet und dann geht’s ab), der Koffer immer noch nicht zu, natürlich – ehrlich gesagt bezweifele ich noch ein bisschen, dass ich an seinem offenen Zustand alleine etwas zu ändern vermag, und versuche es gar nicht erst.

Meine Mandeln machen Terror.

Ein Tag noch. Genau ein Tag.

Luftstarrungen

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Ich bin so betrunken, dass mir mein letztens bis auf zwei Zeilen fertiggestellter Song wie ein Wunderwerk vorkommt. Ich konnte mich zwar gerade nicht wirklich dran erinnern, aber dass er gut ist, wusste ich noch – ein Blick auf das entsprechende Blatt Papier hat meiner Vergesslichkeit auch wieder materiell festgehaltene Tatsachen entgegengestellt, gesegnet sei die Erfingund von Papier und Stift.

Wie das sein kann, frag ich mich. Ich fühle mich betrogen; zuerst haben die Medis meine Trinkfestigkeit ein halbes Jahr lang erst gefestigt und dann langsam und unbemerkt komplett zugrundegerichtet. Ich kann mich erinnern, wie ich Ende August irgendwann von zwei Dosen Bier schon Drehungen im Kopf wahrgenommen habe.
Diesmal war es aber Wein, welcher eh immer reinhaut.
Aber ich bin immer noch besser als Saskia, die sich eben schon unter Alkoholeinfluss gewähnt hat, als sie nur annahm, dass Wein in ihrer Cola war, während ich in Wirklichkeit die Flasche nichtmal aufgemacht hatte.

Irgendwas war am 3.11., aber ich weiß beim besten Willen nicht mehr, was. Oder welches Jahr. Oder überhaupt. Ist vielleicht auch nicht so tragisch. Es kann doch ruhig mal ein Datum einfach so vorbeiziehen. Vielleicht wird es ab jetzt der Tag unseres epischen Einzuges in Biarritz. Auf jeden Fall haben wir eine Mitfahrgelegenheit (uff, schweres Wort) und eine Couch und sind somit fürs Gröbste gewappnet. Gleich müssen wir schon los – 6.30 aus dem Haus, was für eine unangenehme Uhrzeit.

So, for tonight, I’ve been one of those lucky people to walk the streets of this town in the dark, coming back from somewhere, going home. It is appreciated.

Es gibt ein paar Sachen, die ich noch packen sollte.

Irgendwie fühle ich mich gerade merkwürdig, als würde ich nicht hier hingehören; irgendwoanders hin, aber nicht in dieses Zimmer.

Und wenn ich nach Hause komme, ich bin gespannt, ob mein Zimmer zu Hause immer noch so riecht wie damals, als ich nach den Ferien zurückkam und das Fast-Totsein praktisch aus allen Fugen kam. Ich war so froh, zurückzusein. Ironisch, dass es danach gerochen hat, wie ich mich gefühlt habe die ganze Zeit in den ersten Semestern. Das arme Zimmer. Gleichzeitig Zuflucht und Zeuge des ganzen Elends.

Wo aber kommt das Elend jetzt her. Man muss es ja nicht unnötig heraufbeschwören. Wobei es mich immer wieder überrascht, wie sehr ich es brauche, über genau das zu reflektieren. Über genau das zu reden; selbst während es mir blendend geht, könnte ich stundenlange Vorträge halten über alles an dem Zustand, nur informierend, nicht jammernd, nur redend. Ich glaub fast, sowas hinterlässt irgendwo Eindrücke, die nicht zufrieden sind, wenn man sie wegpackt und mit Cipralex ummantelt.

Whey, welch sinnvolle Erkenntnisse wir da wieder haben heute. Zu spät ist es; du rettest die Nacht nicht mehr und die acht Stunden Schlaf schonmal gar nicht. Wenn alles gut geht, bin ich nachher in einem neuen Land. Ich habe mich ewig nicht auf eine Reise so gefreut. Gehen wir doch packen.

Auf auf!

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-Zu neuen Ufern. Gleich wird erstmal ein bisschen geschlafen (gut, dass ich meine Vokabeln habe; nichts macht mich so verlässlich müde wie ein paar ‚zig baskische Wörter am frühen Morgen) und später geht’s mal wieder ans Packen. Morgen um diese Zeit bin ich schon fast auf dem schönen Weg hinunter nach FFM.

Gut so. Mein Hiersein ist meinem Dasein nicht zuträglich, und da gerade Letzteres ja – wie Laura und ich eben vor ein paar Stündchen erst nochmal festgestellt haben – allein bedeutungsmäßig doch recht existenziell ist… versetzt mich die Aussicht aufs Weg- und Woandershinkommen in eine gehobene Stimmung.

Wann genau ist es taghell geworden? Wann genau ist es Tag geworden? Graduell sollte ich den Vorgang eigentlich mitbekommen haben, aber mir kommt es vor, als wäre es keine zwei Stunden her, als statt der gleißenden Sonne ein trüber Dreiviertelmond an meinem Fenster vorüberzog. Beziehungsweise mein Fenster an ihnen. Ich habe jetzt bereits mehrmals in schlaflosigkeitsinduziertem naiven Unglauben direkt in die Sonne hineingestarrt – meine Netzhaut ist übersät mit grün-lilanen Flecken.

Man sollte schlafengehen. Es ist zwar fast unmöglich – so hell! – aber das kann es doch nicht sein; ich sollte froh sein, überhaupt schlafen zu können. Nicht wie in anderen Zeiten. Vor anderthalb Jahren war der Schlaf ein launischer Geselle, fugativ, unberechenbar, mit wenig Toleranz für das Verlangen nach nächtlicher Ruhe. Oder vielleicht waren es eher die Gedankenwürmer, die sich zusammen mit meinem Hirn auch den Schlaf einverleibt hatten. Wie auch immer, der Sonne zum Trotz – ich wünsche eine(n) schöne(n) GNOM.

Fast…

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fertig mit Packen. Beziehungsweise fertig gepackt und fast fertig geputzt. Jetzt wird noch gestaubsaugt (besorgniserregend, dass das Wort gerade wirklich einfach genau so rauskam), mein Fenster und das Bad geputzt, und in einer Stunde und 47 Minuten kommt mein Bus.

Meine Güte, war das ein Krampf. Hätte mir Susmita nicht stundenlang noch geholfen, ich hätte ja keine Chance gehabt, damit je rechtzeitig fertigzuwerden.

Mein Gepäck wiegt bestimmt ein paar Tonnen.

Das wird lustig.

Es ist ein irrer Sternenhimmel draußen. Ich hab vorhin noch das Altpapier rausgebracht und mich kurz im Hinterhof auf den Boden gehauen, um den Anblick genauer zu betrachten. War lohnenswert. Auch wenn meinem schmerzgeplagten Körper das Aufstehen nachher schwerfiel.

Mein Zwischenmieter, Atanas, zieht morgen schon ein. Er wird dieses Zimmer in einem Zustand vollkommener Reinheit vorfinden, den es seit meinem Einzugstag nicht mehr erleben durfte. (Davor wahrscheinlich auch nicht, wenn ich mich mal so daran zurückerinnere, wie hier alles geklebt hat, als ich reinkam.)

Wenn alles gutgeht, bin ich gegen fünf Uhr bei meinen Eltern.

Eigentlich wollte ich ja meine Hausarbeit während der Fahrt schreiben. Da meine Putz- und Packaktivitäten sich jetzt ja aber doch wieder ein wenig nach hinten verschoben haben, werde ich die Zeit wohl doch eher zum Schlafen nutzen.

In dem Sinne, GNOM.

Leaving

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Nachmittag packend verbracht – langsam wird’s Zeit.
Und dabei ein umwerfendes Lied gehört – zum Glück war es kein Traum. Auch wenn es sich sogar im voll-wachen Zustand fast so anhört.
Und etwas namens Inner Summer auf mich einströmen lassen, Stunden über Stunden – und warum nochmal ist mein Keyboard jetzt gerade seit drei Tagen bei Sarah, und was hat es da zu suchen? Ich brauche es doch.
Wenigstens meine Stimme bleibt mir noch.

Und einen Zwischenmieter habe ich, seit einer Stunde etwa. Er arbeitet in einem türkischen Restaurant, kann praktisch kein Deutsch und die Verwaltung darf niemals erfahren, dass er ab Donnerstag hier wohnt. So beginne ich also meine Karriere als zwielichtige Vermieterin. Aber wenn sie es herausfinden und mich rausschmeißen, macht das auch nichts – ich hatte eh überlegt, mir wenn ich zurückbin etwas anderes zum Wohnen zu suchen.