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Hecklichtlos

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Als kurzer Umriss der Situation kann die Nachricht an Susmita dienen, die ich immerhin imstandewar zu schreiben:

[…] Yes, I’m back. I also have no electricity, thanks to Trudi, and am beyond stressed out about my entire living situation. Also, I’m happy to report survival of my very first almost-break up today, which was almost certainly due to my absolute lack of nerves at this point. […]

Heute geht es mir besser. Und heute ist R der Mensch, den ich brauche. Heute hat er unzählinge Dinge wieder gutgemacht, die in der Vergangenheit durch ihr simples Wegfallen mich unzählige Male zur Verzweiflung getrieben haben. Heute kann ich auch Laura beruhigen, und noch wichtiger, heute bin ich selbst wieder ein bisschen beruhigt. Es hat sich über den Tag hinweg eingependelt, nachdem R’s Arbeiten unterbrochen wurde, weil Arne sich eine Pizza holen wollte, und er die Pause dazu genutzt hat, mich unter die Lebenden zurückzubefördern. Und während wir es in anstrengender Gemeinschaftsarbeit fertigbekommen haben, mich in die Küche zu bugsieren und dort etwas Warmes zu essen zuzubereiten, und als er währenddessen seinen Notizblock mit seinen Ideen zur Lösung meiner Wohnsituation zukritzelte. Und als mich meine Muter anrief, um mir anzubieten, mir einen Job in der Schweiz zu vermitteln, und ich tatsächlich das Gefühl bekam, er wäre wirklich nicht begeistert, würde ich das Angebot annehmen. Alles noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass 24 Stunden zuvor wir bereits mitten in diesem unschönen Almost-Break-Up-Szenario steckten, das sich nur umso tiefer seinen Weg in meine Knochen gebahnt hat, weil von der schützenden Außenschicht eben schon zuvor nicht mehr sonderlich viel vorhanden war.

Ich werde mich mal mental darauf vorbereiten, aus dem Haus zu gehen. Hätte ich heute Früh kaum für möglich gehalten. Allein die Vorstellung, ugh. Nun aber habe ich R angeboten, ihm flyern zu helfen, und werde dies aber augenscheinlich doch nicht tun, weil es für mich noch Dinge zu Hause zu tun gibt, die ich in der Zeit erledigen kann. („Zu Hause“ alleine. Wunderbares Zuhause, dieses Nest voller Skorpione. R wird bei der Lektüre dieses Blogeintrages sich irgendwann daran zurückerinnern, wie ich heute resigniert zu ihm sagte, „ich will mich in dieses Skorpionsnest nicht mehr reinsetzen“, woraufhin er dann alles daransetzte, mir meine Lebensgeister wieder einzupflanzen. Das war eine Tat, mit der man sich rühmen kann.)

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Montag gibt’s wieder Brot. Wahrscheinlich. Hoffentlich.

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Ich bin gerade wirklich blockiert, einfach in der Hinsicht, dass ich weiß, dass über diesen Text noch ein Absatz muss, und aber keine Ahnung habe, womit ich den füllen soll. Es gibt ein paar Sachen, die eigentlich erwähnenswert wären; Sarahs Geburtstagsabend gestern im Shamrock zum Beispiel, welcher so unerwartet schön war, oder die Tatsache, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann, was ich jetzt tun soll, aber die Möglichkeit, einfach mal wieder in Richtung BA etwas zu unternehmen, sich vor meinem geistigen Auge nichtmal in Ansätzen auftut. Dass Waltraut sich im Garten herumgetrieben hat und ich jetzt Angst habe, dass sie mich darauf anspricht, dass ich meine Pflanzen zum Überwintern in ihr Schöpfle gestellt habe, oder dass das Unmögliche möglich geworden ist und ich tatsächlich seit unerdenklichen Zeiten wirklich mal wieder kein Brot zu Hause habe. Dass Trudi jetzt für eine gute Woche bei ihren Eltern ist und R gestern ihren zuvor über Wochen vernachlässigten Küchendienst übernommen hat, nachdem ich mal wieder nicht in der Lage war, meinem sehr auf Gerechtigkeit bedachten inneren Alien die Stirn zu bieten und ihre Aufgaben selbst zu erledigen. Dass ein Formel-1-Fahrer heute einen Unfall hatte und R’s Arbeitstag wahrscheinlich noch länger wird, als er es ohnehin schon wäre. Dass ich heute vor sechs Jahren – ebenfalls ein Samstag – in der Kopenhagener Wohnung meines Vaters auf der Couch hing und mich vor (konzertinduziertem) Muskelkater nicht bewegen konnte, es aber trotzdem schaffte, in einem der kläglichen Versuche die danebenstehende Lampe zu Boden zu schmettern und das so entstandende Splitter-Inferno eigenhändig und vollständig zu beseitigen.
Da hätten wir’s doch schon – ein Absatz voller Informationen, nicht mehr und nicht weniger unnütz als das, was darauf folgt. Gehen wir zum Rest über.

Jetzt habe ich Marie hier wohnen, bis Mittwoch, und freue mich darüber. Aktuell liegt sie auf ihrem Lager und hält ein Mittagsschläfchen, während ich darauf warte, dass Keyla mich anruft, und gleichzeitig hoffe, dass sie es nicht tut. Es ist schon wieder nicht der richtige Moment, so, wie es einfach seit Jahren kaum je der richtige Moment ist. Irgendwas ist immer. Ich fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken, ein ein ganzes Jahr umfassendes Catching-Up mit meiner costarricanischen Familie zu betreiben, während Marie da liegt und die gewohnte Bahn meines Daseins um einige (wenn auch wenige) Grade vom Normalzustand abweicht.

Außerdem bin ich müde und würde am liebsten auch schlafen. Aber wenn ich das jetzt tue… Oh je.

Ich bin gespannt, ob sie sich besser mit R versteht, wenn sie eine Weile koexistieren. Marie ist dieser eine Mensch in meinem Umfeld, der R gegenüber so eine richtig ausgeprägte Abneigung verspürt; das hat fast schon die Ausmaße meines Verhältnisses zu Hannes. (Wobei ich sagen muss, dass ich mich neulich erst wieder angestrengt habe, die Aggression ihm gegenüber mal kurz zu verdrängen und zu schauen, ob man nicht doch irgendwie eine normale menschliche Ebene erreichen kann, einfach um mich nicht in meinem eigenen Haus immer so entsetzlich eingeengt und beklommen zu fühlen, wenn er da ist. Es hat sogar funktioniert. Ich bin gut, ich schaffe das.)

Jedenfalls war sie unglaublich überrascht, als ich ihr eben erzählt habe, dass sich unsere Eltern nächste Woche kennenlernen („Ich dachte, sowas macht man am Tag der Hochzeit? Das ist mir ja noch nie untergekommen… Warum tut man sich sowas an? Das wird richtig ernst mit euch, oder?“), was mich sehr belustigt hat, da es von R und mir eigentlich völlig einvernehmlich als das Natürlichste der Welt angesehen wurde, dass, wenn sie schonmal zu uns kommen, seine Eltern mit meinen selbstverständlich zusammengeführt werden und der ultimative Familien-Super-GAU eintreten kann. Ich sagte schon zu Marie, ich hoffe, das Restaurant bleibt ganz. Wir gehen zu meinem Lieblings-Inder, was mich ungemein freut, denn wenn ich schon nochmal essen gehe in diesem Leben, dann kann mir kaum etwas Besseres passieren als das Maharani. R hatte die Idee, seine Eltern in ein veganes Restaurant zu verschleppen, weil er sie wohl ohne das Beisein von Menschen, die so etwas befürworten (das wären dann meine Eltern und ich), niemals dazu bewegen könnte, sich da hineinzusetzen. Ich fand’s wunderbar – in diesem Bereich merkt man dann meine eigene immerwährende Provokationslust – aber meine Vernunft hatte einen klaren Moment und ich habe es ihm ausgeredet, einfach um meinen Eltern zu ermöglichen, die seinen in einer neutralen Stimmung kennenzulernen und nicht gleich von einem Ausraster à la R’s Vater, der gerade erfahren hat, dass er sich kein Fleisch zum Abendessen einverleiben kann, fürs Leben traumatisiert zu werden. Am meisten freue ich mich auf das Zusammentreffen unserer Mütter. Es wird zwar ein Weilchen dauern, aber wenn Mama erstmal über dieses „Wir müssen uns jetzt verstellen, das sind fremde Leute“ hinwegkommt, werden sie sich einfach nur lieben. Sie hätten sich so unendlich viel zu sagen.

Oh, und es war so wunderbar mit Kepa. R und er haben sich allerbestens verstanden, ich war glücklich, es gab Txakoli (keinen Sagardoa diesmal, aber hey, was soll man machen) und alles Mögliche an alten Geschichten wurde ausgepackt, Trudi standesgemäß mit „Na, du rosiges Rüsseltier“ begrüßt und mir mein letzter Rest aktives Euskera erfolgreich entlockt, mein Garten analysiert, das traditionelle halb unbrauchbare Gemüse im Beet vergraben (eine Tomate diesmal) und Weintrauben von Waltrauts Laube geplündert. Hach ja. Den Deppen öfter hierzuhaben wäre schon eine Bereicherung für unser aller Leben.

So, ich werde jetzt mein Leben aber auf andere Art bereichern, nämlich indem ich mich mal aus meinem Schlafzeug raus in Tagesklamotten begebe, zum Großhandel fahre und …ach Fuck, warte, nein, R hat mein Fahrrad. Okay, dann nicht. Aber Marie ist jetzt wieder wach; sie geht gleich nochmal in ihre WG und holt ein paar ihrer Sachen, dann bringt sie Spülmaschinentabs mit und das ist gut so. Mir dagegen fehlt somit wieder jegliche Motivation, überhaupt irgendetwas zu machen. Ich geh einfach mal aufs Klo und sehe dann weiter.

Hannes aufs Herz

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Hach, Foodsharing macht gute Laune. Ich habe wieder einmal Salat ohne Ende, Lauchzwiebeln und Brot vor meiner Haustür deponiert und hoffe sehr, dass bis zum Abend davon einiges wegkommt. Jetzt, wo ich bis Ende des Jahres zwei Mal die Woche zur Tafel gehe, und dann auch noch an direkt aufeinander folgenden Tagen, kann ich es unmöglich mehr alles selbst verwerten oder privat weitergeben, so wie ich es bisher immer betrieben habe. Und da unser Haupt-FairTeiler gerade abgebaut wurde, landet das Zeug eben doch mal wieder fotografisch dokumentiert in der Foodsharing-Facebook-Gruppe und in Kisten gestapelt vor meiner Tür.

Nun geht’s gleich weiter zu Elli, mit der ich heute Bio mache – ich freu mich drauf, sie nimmt Erbgänge durch und wird Stammbäume zeichnen müssen und so Zeug, das hat mir immer Spaß gemacht. Außerdem muss ich ihr den Subjuntivo nochmal vergegenwärtigen, da sich ihre Spanischlehrerin überlegt hat, am Freitag einen Test über alle Zeiten und Modi zu schreiben, die die Sprache so aufweist. Danke.

Hannes‘ hektisches Gerede in der Küche macht mich wahnsinnig. Warum nur habe ich meine Tür aufgelassen. Schlimm genug, dass sich R genauso anhört, wenn er mal wieder in politisch motivierte Rage gerät, aber von Hannes muss ich mir das wirklich nicht auch noch geben.

Oh, wie ich ihn einfach nicht aushalte.

R meinte neulich, ich würde die WG-Situation an ihm auslassen, als ich durchgedreht bin, weil er sich geweigert hatte, seinen Teil des Putzplans rechtzeitig zu erfüllen. Ich hoffe einfach mal, dass meine Erwiderung, ich würde nur seinen Teil des WG-Zustandes an ihm auslassen, der Wahrheit entsprach und die Frustration über den Rest der Bewohner da nicht noch mit reinspielte. Tat sie natürlich, wie auch nicht. Das Gefühl ging eben schon in die Richtung „Sie treiben mich alle in den Wahnsinn, musst du mir wirklich auch noch in den Rücken fallen?“

Ich muss meine Semmelknödel fertigmachen, wenn ich von Elli komme. Und mein Regal aufräumen und meinen Drucker analysieren, um endlich herauszufinden, ob er wirklich kaputt ist oder einfach mit meinem Computer nicht klarkommt oder aber es doch am Kabel liegen könnte. Was ich aber nicht annehme, weil mir R vor Urzeiten eins von sich gegeben hat und es damit auch nicht funktionierte.

Was ich heute bereits geschafft habe:

– vor 12 Uhr aufstehen
– Beine epilieren
– Oil Pulling
– frühstücken
– erstmals ein Absätzchen meiner BA schreiben – es geht los.
– Tafel

Das ist ziemlich gut eigentlich.

Es kann nur noch mehr werden. Sarah kommt heute Abend zum Proben; ich habe zwar nicht die geringste Lust gerade, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Worauf ich ganz bestimmt keine Lust mehr bekommen werde, ist das Arbeiten morgen. Ägh.

Das alles untermalt von Trudis und Hannes‘ Computer, der ihnen in der Küche eine Rede über Gender ausspuckt (Hilfe, sie beschäftigen sich jetzt auch noch mit Feminismus?!), und Hannes‘ hektischen Kommentaren dazu – „ehrlich, das ist voll rassistisch! Das ist mega-rassistisch gegenüber der Frau, sie wollen jetzt…“ und Trudis leisem, bedächtigem Einwurf: „Du, ich glaub, das nennt man ’sexistisch’“.
Und er: „Sexistisch, ja, mein ich ja, sexistisch. Das ist voll sexistisch, die wollen jetzt…“

Ach Hannes. Warum. WARUM.

Boggle my mind is what you do.

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Es hört gar nicht mehr auf, ich kann es nicht glauben. Wunderbare Dinge geschehen immerzu und ich komme kaum hinterher.

Trudi ist wie ausgewechselt und es macht auf einen Schlag wieder so unheimlich Spaß, mit ihr zusammenzuwohnen.

Ich habe Hannes seit Tagen nicht gesehen, auch wenn er wohl heute kurz hier war, was für eine Wohltat.

Meine Großeltern, meine Eltern und ich haben bestimmt anderthalb Stunden zusammen verbracht und uns dabei einfach nicht in die Haare gekriegt, niemand von uns.

Das Unglaublichste aber: R steckt offenbar momentan in einer „Aspi, du siehst glücklich aus, deine Kulleraugen quellen gleich heraus. Ich bin noch viel toller, als du deeeenkst“-Phase, und WHOA, sie haut rein, lass es dir gesagt sein. Es ist, als hätte er sämtliche ihn zu einer etwas schwierigen Persönlichkeit machenden Züge auf dem Abstellgleis geparkt. Zurück bleibt ein Mensch, dem ich auf Anhieb mein uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringe, der mir ermöglicht, ihn wahrzunehmen, ohne sich aufzudrängen – der mit mir interagiert, so richtig im Sinne des Erfinders, mit Zuhören und Antworten und allem, was dazugehört. Ich habe, genau, wie es mit Trudi der Fall ist, den Eindruck, aus mir selbst allein durch diesen Faktor des Gesehenwerdens – allein durch das Gefühl, anders gesehen zu werden, denn, wer weiß, am Ende entspringt all dies wieder nur meiner verqueren Wahrnehmung; vielleicht war es schon immer so und ich konnte es einfach selbst nicht sehen – eine um Längen bessere Persönlichkeit herausholen zu können, die das, was ihr da entgegengebracht wird, noch um ein Vielfaches mehr verdient. Die sich auch ihrerseits wieder mehr einbringen und interessieren kann, die selbst wieder die Möglichkeit hat, mehr von sich zu geben (und, ja, tatsächlich auch von sich zu geben. Es ist so leicht auf einmal, einfach zu reden.) Und während es immer schon überwältigend war, mit ihm zusammenzusein (weil er einfach bei aller Egomanie ein absolut einzigartiger, goldiger, umwerfender, faszinierender, verdammt liebevoller und, wenn er will, sogar aufmerksamer Mensch ist, schon immer gewesen), so musste ich jetzt feststellen, dass ihn der Zustand, in dem er sich gerade befindet, in unvergleichliche Sphären erhebt. Das ist die fehlende Dimension, die ich gebraucht habe. More than wonderful, better than amazing: This is mind-boggling.

Ich würde schon zu gern wissen, wie viel von dem jetzt eigentlich echt ist und was – vor allem welcher Teil der Probleme, die ich hier nicht müde wurde zu diskutieren – einfach daher rührt, dass mein verdammtes Hirn so unglaublich paranoid und negativ-lastig ist. Mir ist durchaus klar, dass ich mir Zuneigung, Achtung, Akzeptanz und dergleichen erst dann überhaupt wahrzunehmen erlaube, wenn sie mich praktisch mit dem Hammer überfallen. Oh well.. I guess I’ll never know.

Abgesehen davon: Regelschmerzen des Todes. Ich habe heute Früh nach einer Ibu gesucht, dann etwas gefunden, das ich für Ibus hielt, und mir kurzerhand eingeworfen, nur um mir in derselben Sekunde bewusst zu werden, dass ich soeben eine Penicillintablette geschluckt hatte. Ich wollte mich noch eine halbe Stunde danach einfach nur schlagen. Dem Antibiotikum folgte noch eine Paracetamol, die sich irgendwann nach vier Stunden Höllenqualen dann auch mal entschloss, doch noch zu wirken, und meine Motivation und Tatkraft konnte wieder ungehindert in wunderbare Projekte fließen.

Und: Ich bin morgen Abend und Samstag bei meinen Eltern, um Mama auf dem Flohmarkt zu helfen. Und weil es vorhin alles so wunderbar geklappt hat, kann ich ruhigen Gewissens verkünden: Ich freue mich drauf. Unglaublich, ich weiß.

Basti ist seit Ewigkeiten da und würde es vermutlich begrüßen, wenn ich endlich mal fertig werde hier. Tue ich ihm doch den Gefallen.

Versenkung und der Weg hinaus

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Sie machen immer noch Urlaub von ihrem anstrengenden Quälgeisterdasein und schreiben höchstens zwischendrin mal eine Postkarte mit „We’re still alive and we’ll be back“. R ist zu sich gefahren, um Sachen gebacken zu kriegen; ich habe mir einen Tagesplan aufgestellt und widme mich jetzt der hoffentlich nicht mehr allzu unstrukturierten Arbeit an meiner Thesis-Vorbereitung, bevor ich zur Tafel gehe (entweder mit Marie, Marie und einer Neuen, nur der Neuen oder allein – ich habe noch keine Ahnung). Am Nachmittag werde ich zu Marie gehen (ob sie jetzt zur Tafel kommt oder nicht) und ihr etwas Essen abnehmen, das sie mir gestern schon andrehen wollte, nur dass ich es gestern in Anbetracht des widerlichen Regens nicht mehr für eine so gute Idee gehalten hatte, das Haus zu verlassen. Danach werde ich hierdrin nochmal ein bisschen Ordnung schaffen und saugen, meine Fensterbank saubermachen und gegen sechs Uhr vermutlich WG-Sarah und ihren Sandwichmaker hereinlassen, die um 17.30 am Bahnhof ankommen.

(Band-)Sarah und ich haben uns gestern weiter um Down to Bogotá gekümmert und es im Zuge dieser zweiten Session ganz durchbekommen. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass ich dieses Lied nochmal ausgrabe, vor allem in der bandlosen Konstellation, mit der wir uns gerade versuchen zurechtzufinden. Da muss ich ihr wirklich dankbar sein; nicht nur hat sie mich dazu gebracht, das Lied aus der Versenkung zu holen, sondern ihm noch dazu eine wunderbare Klavierbegleitung und Zweitstimme verpasst, in die ich dann noch meine diversen Feinheiten und Sonderwünsche reingebuttert habe, und zack, fertig – ich bin hochgradig glücklich über diese Entwicklung (und ich habe gerade erst festgestellt, wie episch sich das Ding eigentlich mit der Kombination aus Klavier und Gitarre anhört). Trotz aller persönlichen Differenzen ist sie immer noch eine wunderbare Kollaborationspartnerin.

Wirklich mal. Wozu so ein kolumbianischer Kuh-Arzt alles gut sein kann.

Aber nun an die Arbeit.

Ach verdammt, jetzt habe ich zum allerersten Mal richtig Lust, die Aufnahmen rauszukramen und an einer Zweitstimme für Sarahs „Hello Life“ zu arbeiten. Warum jetzt? Was soll der Scheiß?

Argh.

Schnecke an der Treppe

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Ein Stück ist geschafft. Danke, Portwein. Diesem ist zu verdanken, dass ich gestern mal wieder kurzzeitig durchdrehte und R ein wenig unsachlicher und unkontrollierter, als es mir lieb gewesen wäre, mit der ungefähren Hauptaussage der letzten ‚zig Einträge konfrontierte. Womit ich mir meinerseits eine wohlverdiente und in gewisser Weise wohltuende Abreibung einhandelte, die sich im Wesentlichen auf das belief, was ich ebenfalls hier in letzter Zeit häufiger mal erwähnt hatte: Wenn du willst, dass man auf deine Probleme eingeht, wäre es nützlich, zu diesem Zwecke darüber zu reden.

Point taken. Und wie bezeichnend eigentlich, dass ich all das, was er gestern noch sagte, in praktisch derselben Form zuvor Tausende Male in meinen eigenen Überlegungen durchgekaut hatte. „Wenn ich schon mit dir zusammen bin, dann mit allen Ecken und Kanten.“ Erinnerst du dich? Das war exakt das, was in meiner Wahrnehmung nicht gegeben war. Wieder einmal bestätigt sich, dass ich in dieser Richtung mir selbst nicht trauen sollte. Wenn ich jetzt noch lerne, mich ungefragt mitzuteilen, bin ich auf einem guten Weg. Was für eine Arbeit. Was für ein Lernprozess. Ich stelle mich der Herausforderung.

Abgesehen davon: Ich bin morgen auf übermorgen bei meinen Eltern zu Besuch. Und wenn ich da bin, werde ich mal (je nach Stimmungslage und Gesamtsituation) vorsichtig anfragen, was sie eigentlich davon halten würden, wenn ich Weihnachten entgegen jeder Tradition mal zu Hause verbringe. Das ist lang geplant: Ein Selbsthilfe-Weihnachten mit allen, die bei ihrer Familie mit Stress und Drama rechnen müssen oder aus anderen Gründen von ihrer Verwandtschaft an diesen Tagen lieber auf Abstand gehen würden – und es trotzdem nie tun, mangels verlockender Alternativen. Ich möchte diese Alternative sein und uns ein fröhliches, friedliches, liebevolles Weihnachten ermöglichen. Keine Heuchelei, keine Nervenzusammenbrüche, keine Psycho-Dramen. Keine Geschenke. Ich würde mich so sehr darauf freuen. Und alles an guten Assoziationen, die ich mit Weihnachten habe – und das sind einige; wir waren ja als Familie auch nicht immer so offen kaputt, wie es in den letzten Jahren der Fall war – mit einbringen, und jeden ermutigen, mit den eigenen geliebten Traditionen genauso zu verfahren.

Ja, das würde ich gerne tun.

Schwerer Kopf

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Ich bin so KO, das glaubst du mir nicht in dreihundert Jahren.

Eigentlich bin ich nicht wirklich KO, außer du zählst den Effekt, den eine übergroße Portion Spätzle mit Käsesauce und Gemüse halt kurzzeitig so auf den menschlichen Körper hat; in dem Fall bin ich es allerdings. Sogar sehr. In erster Linie bin ich allerdings eher mental fertig, was darauf zurückzuführen ist, dass.. wo fange ich an.

Also, im Grunde sind es verschiedene Dinge, die letztendlich alle auf R zurückzuführen sind (alle Wege führen nach Rom). R die Erste: Er bewirbt sich in Berlin. Die Arbeitsbeschreibung klingt einwandfrei wie für ihn gemacht, und auch wenn sie jemanden mit abgeschlossenem Studium suchen, wird es daran ganz sicher nicht scheitern (er hat schon angerufen). Da ihm die Stelle wie auf den Leib geschrieben ist, sehe ich ein, dass er sich unbedingt darauf bewerben sollte. Aber nuja, isch halt net so ganz ideal, so rein geographisch betrachtet. Und nachdem er mich heute Früh noch fragte, ob es mir etwas ausmachen würde, am Bodensee alt zu werden, für den Fall, dass mein Projekt nichts wird, war der Schock dann schon ein bisschen viel für meine armen Nerven. Ich habe noch nie jemand so Wankelmütiges wie diesen Menschen erlebt.

R die Zweite: Seine Schwester kündigte sich vor ein paar Stunden spontan an; sie hat ein Vorstellungsgespräch hier in der Gegend und will daher bei ihm nächtigen. Er sah nun irgendwie nicht das Problem darin, ihr zu verkünden, sie könne bei uns unterkommen (bei uns = bei mir), in meinem Beisein, jedoch ohne zuvor irgendeine Kommunikation jeglicher Art mit mir abzuhalten. Und fand es dann offenbar ziemlich absurd, als ich anmerkte, dass eine Absprache schon ganz nett gewesen wäre. Reicht schon, dass er ab und an Leute hierher einlädt, ohne mich zu konsultieren, aber das jetzt war mir absolut zu viel. Selbstverständlich mag ich seine Schwester – sie ist mir allein aus seinen Erzählungen sympathisch, und die paar Tage, die ich sie im März erlebt habe, haben das Bild nicht unbedingt zum Negativen verändert. Und selbstredend habe ich nichts dagegen, sie bis Sonntag hier zu beherbergen. Die Arme kann ja vor allem nicht ahnen, was sich R für Dreistigkeiten herausnimmt; sie hat ja keine Möglichkeit zu wissen, dass er sie bei mir unterbringen will. („Ja, was hätte ich denn machen sollen? Sie bei mir schlafen lassen?!“) Aber, aber, aber.. einfach so, ohne wenigstens pro forma zu fragen? Ich find’s dreist. Das ist reines Ausnutzen. Ich fühle mich übergangen. Es ist nicht so, als hätte ich ihm je nicht erlaubt, Leute mit herzubringen oder einzuladen, aber egal, wer es ist, mich um die Erlaubnis gar nicht erst zu bitten ist übel, übel respektlos.

Und R die Dritte: Ich kann mir nicht vorstellen, wie ihn ein Selbstversorgerdasein jemals erfüllen können sollte. Eventuell würde er es durchziehen und mitmachen, um mir den Gefallen zu tun, aber ich bezweifle stark, dass er seine Denkweise in diesem Leben noch so sehr verformen kann, dass er wirklich darin aufgeht. Er hat ein unglaublich starres Denken, was ihm sein Leben bestimmt um ein Dreifaches schwieriger macht, als es sein müsste. Oh würde er sich nur selbst auf Escitalopram setzen, was für Wunder könnte er noch erleben. Seine Denkmuster sind so starr, ich frage mich manchmal, ob er davon nicht eigentlich Migräne bekommen müsste.

Jedenfalls habe ich ihm bereits angekündigt, dass er mir beim Aufräumen hilft, bevor seine Schwester kommt. Ein bisschen Würde braucht der Mensch doch noch irgendwo.

Alles irgendwie organisieren. Genau mein Spezialgebiet.

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Ich fühle mich ein bisschen hilflos gerade, weil ich eigentlich die Präsentation für Morphologie machen sollte (mittlerweile habe ich sogar Materialien), aber bis ein Uhr geschlafen habe und bis jetzt nicht weitergekommen bin. Außerdem ist CSD und R hat sich um neun Uhr aus dem Staub gemacht, um sich zum Ort des Geschehens zu begeben. Ich soll auch hin, um 15.30 genauer gesagt, und habe aber bis jetzt noch nichtmal gefrühstückt. Trudis Familie ist da. Sie reden auf Rumänisch miteinander und ich komme mir vor wie ein Fremdkörper in meinem eigenen Haushalt. Und ich komme nicht aus meinem Zimmer heraus, sofern ich ihnen nicht über den Weg laufen möchte. Ich muss mir erst einen ganz genauen Plan machen, was ich in der Küche tun werde, bevor ich mich hier rausbewege.

Da ich in dieser Minute soeben Susmita abgesagt habe und somit offiziell diesen Sommer nicht nach Turku fahre, können die Alternativpläne in Kraft treten. Ich habe mich bei Couchsurfing um einen Schlafplatz in Amsterdam für Basti und mich bemüht; hoffentlich kann der Mensch uns hosten, er hört sich toll an.
Außerdem habe ich einem Menschen für Montag auf Dienstag zugesagt, obwohl ich keine Zeit habe (danke, Morphologie), und einen anderen Menschen auf Basti umgeleitet, der heute irgendwann ankommt, wie’s aussieht. Ich hatte wirklich keinen Nerv, jemanden für eine Woche zu beherbergen, während R ab dem 20. eventuell wieder arbeitet und gerade so ungefähr die letzte freie Zeit seines Lebens verbringt (und das größtenteils hier, was mir nur recht ist und ich nicht die Absicht habe durch Couchsurfer zu sabotieren).

Langsam bekomme ich Kopfschmerzen. Ich sollte was essen gehen und mich dann auf den Weg machen. Präsentation mache ich dann eben morgen und Montag. Argh. Schlechtes Gefühl, sehr schlechtes Gefühl.

Des Morgens Klausurenglück, des Nachmittags La-Va-Langeweile.

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Soll ich das nun glauben? Die letzte Klausur meines Pre-BA-Lebens ist vorbei, und während mir das Szenario nur allzu bekannt vorkam, das sich da heute wieder einmal direkt vor meinen ungläubigen Augen abspielte, so fühlt es sich doch jedes Mal erneut verwirrend an: Die paar zusammengehefteten Blätter, von denen ich mir so sicher war, sie würden mir heute den absoluten Untergang auf den Hals hetzen, waren wie von Zauberhand nach einer Dreiviertelstunde beantwortet, vollständig ausgefüllt, und kaum eine Stiftbewegung mit Zweifel ausgeführt.

Den Rest der Zeit saß ich da und wartete. Unter Einfluss von zu viel Kaffee, gemischt mit ein bisschen Adrenalin (ja, ich habe ein paar Klausuren in meinem Leben schon hinter mir, aber diesen Umstand lasse ich mich nicht davon abhalten, immer wieder berauscht zu sein, wenn ich sie so unerwartet und unverdient gut bearbeiten konnte), ein schwieriges Unterfangen, aber ich konnte ja schlecht auf den Fake-Migräneanfall aus der Midtermklausur einen weiteren folgen lassen.

Irgendwann war es soweit, die untätige Dreiviertelstunde vorbei und ich wieder zu Hause – R war schon weg, sodass ich nur schnell (aus dem Eintopf, den er gestern Abend gekocht hat, während ich noch dabeiwar, mir auf den allerletzten Drücker den Rest Neurolinguistik auf Lernzettel zusammenzutragen) mein Mittagessen abfüllte, einen Blumenkohl für Sarah in eine Tüte packte und mich auf in die Arbeit machte. Ich kam pünktlich und habe in einer irre kurzen Zeit irre viele Touren übersetzt, sodass ich mir jetzt eine Auszeit von dieser unfassbar öden Tätigkeit nehme und diesen Eintrag verfasse. Zwei Stunden noch, dann geht es ab nach Hause. Ich weiß gar nicht, wie ich das überleben soll – morgen komme ich wieder her, übermorgen und Freitag genauso. Nachdem ich letzte Woche zuerst wegen Krankheit, dann wegen der heutigen Klausur komplett ausgefallen bin, muss ich das ja aber irgendwie kompensieren. Um des Traumes willen. Und weil ich in zwei Wochen Susmita in Finnland besuchen werde.

Wie gut, dass ich wenigstens viermal bei Elli war letzte Woche. Ich bin zufrieden mit ihrer GFS; am liebsten würde ich sie am Donnerstag selbst halten.

Nun mache ich mich wohl oder übel aber wieder an die Arbeit. Ich betreibe heute fröhliches Island-Hopping zwischen Fuerteventura und Lanzarote und komme mir mittlerweile so vor, als würde ich jeden Stein der Kanaren in- und auswendig kennen. Es sind um die 100 Touren von diesem Anbieter insgesamt, Hälfte Balearen, Hälfte Kanaren. Ich sitze jetzt an den letzten sechs, und während ich sie bei Weitem nicht alle allein übersetzt habe, fühlt es sich trotzdem so an, als hätte ich seit Jahren nichts Anderes mehr gesehen.

Immerhin ist es bei diesen Touren ausnahmsweise meine bevorzugte Übersetzungsrichtung, in der ich arbeiten kann, von Deutsch nach Englisch. Natürlich wäre es mir auch lieber, in die andere Richtung zu arbeiten, wäre denn gewährleistet, dass die Originaltexte ein Minimum an stilistischer Schön- oder zumindest Korrektheit aufweisen; da aber bei den englischen Originaltexten mehr noch als in den deutschen keiner der beiden Faktoren gegeben ist, freue ich mich jedes Mal, wenn ich zumindest ausgehend von einem nur halbwegs grottigen deutschen Original eine englische Übersetzung verfassen kann, die die Bezeichnung „Text“ wenigstens in Ansätzen verdient.

So long; sieht so aus, als könne ich noch mehr Zeit beim besten Willen nicht mehr totschlagen. Dann gibt’s halt heute eine kaffeeinduzierte Überproduktion von meiner Seite; das wird außer mir selbst zwar niemand wertschätzen, aber im Grunde sollte mir meine eigene Wertschätzung ja auch genügen.

Waking Up Elli (oder: Wieder nicht gelernt.)

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Gerade bin ich in so einer Vertrauens-Phase. Es ist so angenehm; es tut so gut, sich einen Moment lang keiner Ängste oder Zweifel bewusst zu sein.

Hunger.

Ich werde diese Klausur nicht in dreitausend Jahren bestehen; ich habe es immer noch nicht geschafft zu lernen, und ins Tutorium bin ich auch nicht gegangen, weil ich den riesigen Fehler gemacht habe, mich eine Stunde vorher zum Schlafen hinzulegen. Forget it; ich war erst gegen 18 Uhr zumindest halbwegs wieder zurück unter den Lebenden.

Ich muss ein containertarisches Kochbuch schreiben, ich seh’s doch klar und deutlich.

Tue ich das doch einfach.

Nein, warte, ich kann jetzt nicht anfangen, ein containertarisches Kochbuch zu schreiben, wenn ich Dienstag Klausur habe und noch kein Wort dafür gelernt habe, verdammt.

Ich war heute bei Elli und werde morgen und übermorgen wieder da sein. Letztendlich liebe ich es wirklich sehr, Elli Nachhilfe zu geben. Vor allem deshalb, weil sie der eine, einzige Mensch in meinem gesamten Umfeld ist, der alles, was ich sage, so hungrig aufsaugt, als wäre sie zeit ihres Lebens noch nicht mit der Art Wissen, die ich ihr vermittele, in Kontakt gekommen. Es ist vermutlich auch genau so, und während mich das einerseits zutiefst schockiert, sehe ich andererseits natürlich das enorme Ausmaß meiner Möglichkeiten und Verantwortung. Ich kann diesem Menschen zu einer völlig neuen Sicht auf die Dinge verhelfen. Wenn ich es ganz geschickt anstelle (und ich hoffe, ich bin dabei), schafft sie es irgendwann, ihren Horizont von allein zu erweitern. Ich muss nur den Stein ins Rollen bringen. Und dabei hilft mir noch Trudi, was unheimlich praktisch ist, weil sich unsere Einstellungen zu gewissen Dingen eben doch ziemlich decken und es Elli ganz sicher guttut, diese vollkommen neuen Informationen von zwei verschiedenen Quellen zu bekommen. Man entwickelt dadurch doch automatisch noch mehr Vertrauen.

Also werde ich ihr jetzt, nachdem sie mich vorhin ausdrück- und eindringlich darum gebeten hat, erstmal ein-zwei Dokus zur Massentierhaltung zukommenlassen und mich nebenbei bei R über das genaue Wie-wo-wann seiner Rede auf dem CSD erkundigen. Sie klang ernsthaft interessiert. Sie ist ein guter Mensch; sie muss einfach nur aufwachen. Ich glaube, ich schaffe das.

Ich sollte es ausnutzen, dass R sich momentan vermutlich noch auf der Solid-Sitzung befindet, und einfach lernen.

Ich tue es ja doch nicht. Es wird immer schlimmer.