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Wählerische Volition

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Wenn jemand sehen möchte, wie a) meine Terrasse bestückt ist (weil frostgeschädigte Tomaten so einen wunderschönen Anblick abgeben, haha) und b) meine Motivation ihre Prioritäten setzt, der sehe sich dieses Pflanzenpflegedokument an, das ich in Anbetracht meiner nahenden dreiwöchigen Abwesenheit für R erstellt habe. (Ja, gelegentlich habe ich für die Pflanzen Bezeichnungen verwendet, die sich mangels Lust, sie zu bestimmen, bei mir eingebürgert haben – wenn jemand mit echten Namen aushelfen möchte, sehr gern.) Dieses Mal gibt’s keine Ausreden für tote oder fast ausgehungerte Exemplare.

Da sag nochmal einer, ich hätte keine Motivation.

Wobei ich mich nicht motiviert fühle, noch andere Dinge zu tun. Immerhin habe ich das Nötigste für den Urlaub vorbereitet (Bus zum Flughafen, Kontakt mit dem Couchsurfing-Mädel, bei Ebay neue Flipflops bestellt – jetzt müssen die nur noch bis Samstag ankommen).

Am liebsten würde ich gar nichts tun, gar nichts tun und nirgendwo hingehen; die Aussicht darauf überfordert mich – so viel tun zu müssen, die ganzen Herausforderungen des Verreisens. Seit Jahren immer das Gleiche; ich nehme mir Dinge vor und habe überhaupt keine Lust mehr darauf, wenn sie kurz davor sind einzutreten; dann nehme ich sie trotzdem in Angriff – was bleibt mir auch übrig – und dann wird es wunderbar oder zumindest eine wertvolle Erfahrung. Immer das Gleiche.

Dinge, die ich noch tun muss:

  • In anderthalb Stunden zu Marthe fahren; davor duschen.
  • Epilieren.
  • Morgen zu Malikas Geburtstagsbrunch gehen (und ihr Geschenke richten; ich denke an eine Zusammenstellung verschiedener Teemischungen und Salze).
  • Ladegerät für meine alte Point-and-shoot-Kamera finden (wenn schon das meiner gescheiten Kamera irgendwo zwischen Frankfurt und Kolkata verschollen ist).
  • R’s Kreditkarte einsacken, die er mir freundlicherweise ausleiht.
  • Packen. Reisepass nicht vergessen.

Hört sich gar nicht so schlimm an, wenn man es einmal konfrontiert. Ein Glück. Es fällt mir so schwer, Aufgaben zu konfrontieren. Und dann schwellen sie immer weiter an und werden gigantisch groß und furchteinflößend und ich muss den Kopf immer weiter verdrehen, um sie nicht ansehen zu müssen. So muss es Trudi damals mit dem (bzw. ohne den) Strom gegangen sein. Ich verachte sie trotzdem. Ich ziehe Menschen niemals zu diesem Ausmaß mit hinein in meine Verdrängungsmaschinerie.

Um nun aber Punkt eins zu konfrontieren, verlasse ich dich und widme mich meiner Körperpflege.

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Auferstanden aus Ruinen – Texte, Menschen.

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Noch gute zehn Seiten und ich bin fertig mit diesem Grottentext. Oh, wie ich Studenten mittlerweile verachte… zumindest diejenigen, deren Abschlussarbeiten ich praktisch neu schreiben darf, während sie im wahrsten Sinne die Credits dafür einheimsen. Worthülse für Worthülse fällt der unerbittlichen Zerstörungskraft meiner Delete-Taste zum Opfer. Satzruine um Satzruine baue ich um, werte ich auf, mache ich lesbar für Augen, die mindestens so empfindlich sind wie meine.

Das ist anstrengend, das ist frustrierend, das ist auch irgendwo einfach wahnsinnig ungerecht. Aber natürlich kann ich mich nicht beschweren – ich mache diese Arbeit gut, ich mache sie zumindest so gern, dass ich nicht dabei verkomme, und ich habe keine Alternative. Was ich habe, ist alle Flexibilität der Welt und – essenziell für mein Funktionieren in jeder Hinsicht – meine Selbstbestimmung. Und noch dazu, wenn das auch definitiv eine untergeordnete Rolle spielt bei dem Niveau, das diese Texte haben größtenteils, die Möglichkeit, in verschiedenste Themen Einblicke zu bekommen. Noch dazu – viel interessanter eigentlich – in die Leben und Köpfe verschiedenster Menschen.

Ja, im Großen und Ganzen will ich wirklich nicht meckern.

So nebenbei:

  • Basti ist Vater geworden; sein Sohn kam am 3. Mai auf die Welt. Alles gut soweit.
  • Ich hatte die letzte Woche über freundlichen Besuch von einer Blasenentzündung, die mittlerweile (ich hoffe!) kaum noch spürbar, aber auch noch nicht ganz verschwunden, in den allerletzten Zügen hängt.
  • Ich habe so absolut keine Lust auf diese Bolivienreise, aber ich weiß natürlich, dass sich das ändern wird, sobald ich sie antrete.
  • Ich werde zuvor zwei Tage in Konstanz verbringen, um Basti, Mats und Alina zu besuchen. Basti bringt mich von dort aus nach Frankfurt zum Flughafen.
  • Übermorgen bin ich ebenfalls in Frankfurt, ein Umstand, den ich gerne mal vergesse, weil alles, das nicht Gegenwart ist, momentan gnadenlos ausgeblendet wird. Aber es ist das Glen-Konzert in der alten Oper, zu dem ich mit Becci und Cornelia gehe, und ich sollte mich freuen. Freue dich gefälligst.
  • Nächste Woche treffe ich mich mit Caro, die auf Heimatbesuch nach Deutschland kommt, in Karlsruhe. Wir gehen im Hans im Glück essen und – tatsächlich – darauf freue ich mich. (Wahrscheinlich weil es weder genug Umstände macht noch – anders als das Glen-Konzert – nah genug bevorsteht, um Panik zu erwecken.)
  • R ist dem Programmierwahn in Gänze verfallen und stürzt sich praktisch auf den Computer, sobald er nach Hause kommt. Gleichzeitig gibt er sich allerdings alle erdenkliche Mühe, unser gemeinsames Leben dabei nicht zu vernachlässigen, und ich habe mich meinerseits daran gewöhnt. Es ist also nach und nach ein wunderbares Equilibrium entstanden, in dem sich alle Parteien wohlfühlen – zumindest empfinde ich das so.
  • Ich habe gemeinsam mit der Therapeutin beschlossen, die Medis herunterzudosieren, wenn ich aus Bolivien zurück bin. Davor habe ich Angst, aber ich bin fest überzeugt, dass es sein muss. Ich fühle mich, als hätte ich in der Therapie alles erreicht, was im Rahmen der Abschirmung durch die Medis möglich war – now let’s tackle the real issues.

Geschenkte Stunden

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Yes! Marthe hätte keinen besseren Zeitpunkt wählen können, um mir für heute abzusagen. Ich habe bis zum Abend noch über dreißig Seiten von meinem Auftrag vor mir. Es regnet – ich bin froh drum, die Pflanzen können es gut gebrauchen, aber ich wäre mit dem Fahrrad zu Marthe gefahren, um Zeit zu sparen. Und ich habe erst aufs Handy geguckt, nachdem ich geduscht und mich rausgehtauglich angezogen hatte, somit bin ich frisch und gepflegt – eine Errungenschaft, die ich mit dem Wissen, dass ich überhaupt nicht raus muss heute, niemals erreicht hätte.

R ist im Schlafzimmer am Arbeiten, ich – wie immer – auf der Couch. Knapp außerhalb meiner Reichweite liegt verlockend der vierte Band der Neapolitan Novels, die ich gerade dabei bin zu verschlingen. Aber nachdem ich den gesamten gestrigen Tag verzockt habe, muss ich heute wohl oder übel zuerst arbeiten, bevor ich mit dem Buch beginnen kann.

Nun will ich ja eigentlich arbeiten (wollen), aber stattdessen wirkt der Kaffee viel zu gut und ich brüte viel lieber Schnapsideen mit Becci aus und freue mich meines Lebens. Aber hey, ich habe ja jetzt Zeit. Vielleicht telefoniere ich noch mit Mama, die mich gerade auch anschrieb. Und dann kann man immer noch arbeiten.

Richtiger Kaffee

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Oh, diese Phrasen, die man einmal hört und dann ein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Jeden Morgen beim Kaffeemachen. „El agua tiene que estar hirviendo.“ Das war Marta aus dem CRLP, die mit den Kollegen über die Kunst des richtigen Kaffees redete, während der Chorreador seine tägliche Arbeit verrichtete.

Jedes Mal beim Ausleeren von Flüssigkeit aus einem Behältnis. „No puedes ordeñar a un cartón de leche.“ Araceli in Málaga, die mich dabei beobachtete, wie ich noch den letzten Rest Milch aus der Packung zu schütteln versuchte – eine Angewohnheit, die ich bis dato nicht abgelegt habe.

Jedes Mal beim Blick auf die letzten Herbst containerten Zierpflanzen auf meiner Terrasse. „Kann man Stacheldra essen?“ Yannick, während wir die leicht verstümmelte Aufschrift auf den Töpfchen zu entziffern versuchten.

So vieles entzieht sich mittlerweile meiner Erinnerung, über weiten Teilen meiner Vergangenheit liegt dichter Nebel, mein Gedächtnis hat sich irgendwann zum Streik entschlossen oder lässt mich einfach nicht mehr teilhaben an allem, das es aufbewahrt. Und dazwischen diese random Schnipsel, die sich einfach eingebrannt haben.

Ich ziehe immer häufiger in Erwägung, die Medis herunterzudosieren, auch wenn ich mich davor fürchte, was unter dem Schleier liegt, und davor, wie es sich auf meine Funktionalität auswirken könnte. Aber ich kann es nicht ab, wie alles vorbeizieht, ohne wirklich zu mir durchzudringen. Ich kann nur diese Woche nicht damit anfangen, weil mein Therapietermin heute ausfiel und ich den Beistand der Therapeutin benötige.

Ich habe neulich ein Interview mit Bert McCracken gelesen, in dem unter Anderem darüber berichtet wird, wie einer seiner besten Freunde sich umbrachte, nachdem er eine Woche lang seine Medikamente nicht genommen hatte. Davor habe ich auch Angst. Aber ich halte mich für fähig genug, das zu vermeiden. Ich muss einfach dafür sorgen, dass noch Medis im Haus sind, sodass man zur Not direkt wieder damit anfangen kann. Und mit Leuten reden, um die eigene Wahrnehmung geradezurücken. Das ist das Allerwichtigste. Dazu muss man sich auch zwingen, wenn man gar keinen Sinn darin sieht. Gerade dann.

Aber genug davon. Ich muss arbeiten und Becci ruft mich irgendwann an, um unseren Urlaub zu besprechen, bzw. ob dieser stattfindet. Ich hoffe so halb, dass wir uns dagegen entscheiden, denn die Aussicht auf eine Reise überfordert mich und ich würde im Grunde gern daheim bleiben, sehen, wie sich meine Keimlinge entwickeln und ob sich demnächst eventuell doch mal sowas wie Frühlingswetter hier einstellt. Die zwei-drei warmen Tage vor einer gefühlten Ewigkeit waren trügerisch und habe nur dazu geführt, dass ich einen Teil der Pflanzen zu früh rausgestellt habe, welche im darauffolgenden Regeninferno teils von umfallenden Obelisken erschlagen und teils überwässert wurden. Oh, meine arme Paprika. Oh, meine arme Kurkuma.

Aber ich ziehe neue Zinnien, Wunderblumen, blühende Sträucher aus Martinique und Tomaten sowie ein paar Chilis heran, nicht weil ich unbedingt Chilis brauche (mein Vorrat reicht schon bis in die Unendlichkeit), sondern weil sie einfach so hübsch sind und irgendjemandem bestimmt eine Freude bereiten, wenn ich sie dann ernte. Und wer weiß – falls ich tatsächlich mal in die glückliche Lage komme, ein Gewächshaus um meine Behausung herum bauen zu können, können all diese Pflanzen dort einziehen.

Es ist tatsächlich ein Ding, Häuser im Gewächshaus. Ich habe dies R gegenüber bereits als mein neues Lebensziel deklariert und – welch angenehme Überraschung – er sagte, er würde liebend gern mit mir in ein Gewächshaus ziehen. Natürlich sagte er dies auch damals über mein Selbstversorgerprojekt, was ich ihm sogleich vorhielt, aber er entgegnete, dies sei ein realistischeres Ziel. Plus, es kommt mit so vielen Vorteilen: Heizkostenminimierung, effiziente Ausschöpfung aller Ressourcen inklusive Regenwasser und sogar Komposttoilette, wenn man es richtig macht. Solch ein Ding zu planen wäre ein Traum, darin würde ich aufgehen.

Nun rede ich erstmal mit Becci.

Huch. Schon wieder Urlaub.

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Ja… also… wie es aussieht, fahre ich morgen für acht Tage in die Karibik.

Langsam sickert es ein. Becci und ich haben vor drei Tagen das ultimative Angebot gefunden, sodass wir nun zusammen für diese acht Tage Martinique (Flug und Unterkunft – vermutlich selbst inklusive Ausgaben vor Ort) so viel zahlen, wie üblicherweise ein Dreiviertelflug hin und zurück alleine gekostet hätte. Ich habe trotzdem erstmal eine Weile gebraucht, um diesen Plan mit meinem Gewissen zu vereinbaren (man denke daran, dass der Dezember schon die nächste Langstreckenreise mit sich bringt), aber jetzt ist es soweit: Ich freue mich!!!

Sieben Uhr geht’s los, zuerst mit dem Bus nach Frankfurt und dann direkt (!) nach Fort-de-France. Die Rückreise geht über Barbados, aber das ist ja nicht weiter schlimm, man besitzt ja ausnahmsweise mal einen gültigen Reisepass.

Gepackt ist größtenteils auch schon. Der Rucksack ist leicht, es sind nur ein paar Kleider drin und Bikinis, anderthalb Bücher, Kaffee- und Milchpulvervorräte und Hygienezeug. Und Henna, damit Becci mir die Haare nachtönen kann. Und mein Schnorchel. Und die Kamera muss ich mitnehmen, natürlich, und das Handy und alles an Ladegeräten. Und Kopfhörer. 10 Stunden Flug, da sind Kopfhörer doch lebensnotwendig.

Und Sandwiches habe ich gemacht, drei Stück für jeden von uns, mit Chili-Camembert und Salat und Grillgemüse.

Und Fotos habe ich gemacht, von allen wichtigen Informationen – jetzt darf ich nur das Handy nicht verlieren.

Ach, wie ich mich anfange zu freuen. Das ist ja wunderbar; ich dachte schon, es passiert gar nicht mehr.

Was noch richtig schön war: Sophi hat mich besucht; sie ist drei Tage hier und findet tatsächlich die Zeit, mich zu besuchen. Ich habe mich so gefreut, sie zu sehen. Ich mag diesen Menschen so gerne. Sie hat mir einen Mate-Becher aus Argentinien mitgebracht und den dazugehörigen Tee, und er ist wunderschön, mit buntgemustertem Stoff überzogen, und ich muss unbedingt mit Wolfgang und Carina Mate trinken. Carina muss mir das beibringen; ich muss ihr gleich schreiben, wenn ich wieder da bin.

R hat Geburtstag gefeiert, von Mittwoch auf gestern, und es war ein sehr guter Abend. Ich habe ziemlich viel getrunken, es aber dennoch nicht übertrieben, und mich wunderbar unterhalten, ein paar von R’s Arbeitskollegen kennengelernt, zwischendrin noch mit Basti telefoniert (der, soweit ich das Gespräch in Erinnerung habe, mich davon überzeugen wollte, dass man H-Milch, die einmal in der Sonne gestanden hat, nicht mehr konsumieren sollte, auch wenn sie noch den Anschein macht zu funktionieren – wie auch immer wir dadrauf kamen) und mich wirklich wohl gefühlt, trotz der ganzen Menschen. Naja, dafür war ja der Alkohol auch da.

So, nun sollte ich aber mal daran denken, den Rest zusammenzusuchen und ins Bett zu gehen. R kommt zwar in einer guten halben Stunde erst wieder (zumindest war das mal der Plan), aber solange werde ich auch noch brauchen, um hier alles zu regeln.

Du hörst von mir.

Cerveza con carne

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Ich war lange nicht mehr so betrunken. Nach drei Bier, wohlgemerkt. Wow. Das ist beachtlich.

Ich habe gerade Mike angeboten, für eine Woche hier zu wohnen. Das ist auch okay, Mike ist schließlich angenehmer als Barbara. Wow, ich bin so durch.

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Das war gestern Abend, als ich nach Hause kam, und ich kann bis jetzt nicht glauben, wie unfassbar das reingehauen hat. Ich habe, wie man sieht, den Eintrag nicht mehr weitergeschrieben, sondern mich lieber einfach auf der Couch zusammengerollt und versucht, den Rausch auszuschlafen, bis R nach Hause kam. Das hat so mäßig funktioniert; ich war gerade aufgewacht, hatte einen Topf Spaghetti gemacht und meine Portion gierig verspeist, als er kam, aber ich war immer noch wie umgehauen. Ich hätte vielleicht einfach doch zwischen dem mickerigen Frühstück, bestehend aus einem Zimtmuffin und einer Quarktasche, und dem spontanen Treffen mit Mike noch was essen sollen.

Oh well, jetzt war es halt so. Dafür bin ich dann heute um kurz vor zwölf aufgestanden und war bis jetzt produktiv, größtenteils durch Unbabeln und dem Korrekturlesen der ersten Seite von Timos Doktorarbeit, welche in einem entsetzlichen Kauderwelsch aus Denglisch und Fachlatein geschrieben ist und bisher sowohl Simone als auch Timos Vater zur Verzweiflung gebracht hat. Aber nicht mich, oh nein. Ich werde mich dieser Herausforderung stellen und muss nur noch ausloten, was für einen Stundenlohn ich dem Guten dafür jetzt abnehme. Wenn ich bedenke, dass mich Seite 1 bereits eine Stunde Lebenszeit gekostet hat, kann ich davon ausgehen, dass selbst bei Niedrigstlohn mir diese Arbeit ein halbes Vermögen einbringt.

Für den Rest des Abends habe ich geplant, mit Malte zu skypen und dabei Chili con Carne für R’s und mein Abendessen zuzubereiten. Es liegen nämlich Geflügelwürstchen von einem meiner und Beccis letzten gemeinsamen Beutezüge in unserem Kühlschrank, Kidneybohnen warten seit Urzeiten in ihrer verdellten Dose auf ihren epischen Einsatz, Zwiebeln und Knoblauch sind zur Genüge vorhanden und die obligatorischen zwei Dosen Mais habe ich in weisester Voraussicht schon letzte Woche beim Pfandwegbringen besorgt. Oh, das wird gut.

Fange ich doch gleich damit an.

Silberne Linierung!

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So – heute Abend geht es auf zu einer weiteren Woche bei Becci. Gestrichen ist ja bereits; nun wird umgezogen. Und nachdem wir hoffentlich ein-zwei Tage Zeit haben, in der neuen Wohnung auf dem Sofa zu kollabieren, sind wir Samstag im Hambacher Forst und tun Sinnvolles. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich Becci dazu motivieren konnte, diese Aktivität mit mir zu unternehmen; hätte sie nicht eingewilligt, wäre ich selbst auch nicht gefahren, und mir liegt diese Sache wirklich am Herzen.

Bevor ich losfahre, gibt es hier noch eine überwältigende Menge Dinge, die ich erledigen könnte. Dazu zählt:

  • Pfand wegbringen und Spülmaschinenpulver besorgen
  • Küche aufräumen
  • staubsaugen
  • Wohnung aufräumen
  • Wäsche waschen
  • duschen und mich selbst in einen ansehnlicheren Zustand versetzen
  • packen und dafür sorgen, dass alles, was sich für Becci hier angesammelt hat, auch dabei ist
  • Wintersachen aus dem Schrank holen (es ist Zeit)
  • Rest des Samstag Abend mit Wolfgang containerten Zeugs aus der Garage holen
  • Keller in Ordnung bringen

…wenn ich die Hälfte davon noch schaffe, bin ich gut und habe wirklich schonmal einiges gebacken bekommen.

Zu erwähnen wäre noch kurz:

  • Murat hat seinen elenden Prozess gegen R endgültig verloren. Zwei Jahre Warten und Ungewissheit haben ein Ende.
  • Mein Unbabel-Projekt ist nun ausgelaufen, also muss ich nicht mehr um 7 Uhr aufstehen. YES.
  • Ich habe im vergangenen Monat zum ersten Mal über 1000 Dollar verdient.
  • Eventuell gehe ich, wenn ich von Becci wiederkomme, Wohngeld beantragen, was um die 237 zusätzliche Euro pro Monat bedeuten würde. Ich lasse nur Malte vorher bei seinem Vater nachfragen, der beim Finanzamt arbeitet und wissen dürfte, wie das in meiner spezifischen Situation aussieht und ob es ratsam ist.
  • Ich habe mich bei einer dritten Plattform beworben, diesmal für Lektorat. Den ersten Teil des Bewerbungsprozesses habe ich schon erfolgreich abgeschlossen, nun muss ich warten, dass sie mir Testaufgaben zukommen lassen.
  • All meine nicht winterharten Pflanzen stehen mittlerweile drinnen. Es kann losgehen. Die Physalis blüht. (Ich sollte sie gleich noch bestäuben.)
  • Nachdem Murat nun nicht mehr dafür sorgt, dass R täglich befürchten muss, ihm würden seine Besitztümer zwecks Begleichung horrender Gerichtskosten gepfändet, können wir demnächst endlich das Klavier von R’s Eltern bekommen. Ich habe schon eine ganze Weile wieder regelmäßig auf dem Keyboard gespielt und diverse Stücke wieder gelernt, sodass die Ohren der Nachbarn in genau diesem Fall nicht allzusehr strapaziert werden.
  • Ereignis des Jahrhunderts: R schlug gestern von sich aus vor, nach draußen zu gehen. Wir sind dann ein kleines Stück den Berg rauf gewandert und haben uns dort auf einer Bank niedergelassen und es war wunderschön. Herbstsonne und eine urtümliche Idylle da oben, das glaubt man gar nicht.
  • Der Grundzustand ist also allgemein wirklich mal ziemlich positiv.

Damit aber jetzt von der oben aufgeführten Liste an Erledigungen noch zumindest ein paar auch tatsächlich erledigt werden, fange ich am besten jetzt an, daran zu arbeiten.

Winterzeit

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Der Übergang zum Winter gestaltet sich dieses Jahr (zumindest in meinem Kopf) überraschend fließend. Vielleicht einerseits, weil ich den Sommer über bereits wie eh und je von dem Wissen um diesen Moment begleitet wurde und es häufig genug vorkam, dass ich mir in der brütendsten Hitze Gedanken um das Kahlwerden meiner Terrasse, das Überwintern der Pflanzen und das Hervorkramen meiner Sonnenlichtlampe gemacht habe. Ich wäre nicht ich selbst, wäre das nicht so gewesen.

Dafür geht es mir gerade erstaunlich gut damit. Ich kann mich an andere Jahre erinnern, in denen es mir weniger leicht fiel, zu akzeptieren, dass man jetzt schon wieder halb erfriert, wenn man sich Kräuter fürs Frühstück holen geht oder die Katze wieder die Tür sperrangelweit aufschiebt, wenn sie, von einem ihrer sich rapide verkürzenden Balkonausflüge wiederkehrend, wieder ins Warme flüchtet. (À propos, ich sollte gerade mal aufstehen. Die Katze steht vor der durch mich in weiser Voraussicht geschlossenen Tür und verlangt Einlass.)

Soeben habe ich außerdem eine weitere Pflanze hereingeholt. Nach den vier azorischen Winden (von denen ich wirklich gern wüsste, was sie genau sind, aber solange sie nichts tun als immer die gleichen Blätter ausbilden und, naja, sich zu winden, wird das mit der Bestimmung schwierig), die ich neulich schon mit einer rabiaten Kürzungsaktion von ihrem Standort entfernt habe (sag mir nochmal einer, aus welcher bodenlosen Intelligenz heraus ich sie durch den Gitterzaun habe klettern lassen), steht nun auch eins der Annonenbäumchen (welches über den Sommer zu einem stattlichen Exemplar herangewachsen ist, mehrere Seitentriebe sowie riesige Blätter ausgebildet hat und mir mit dem Haupttrieb bis über die Hüfte reicht) wieder im Wohnzimmer. Letztes Jahr habe ich meine Bäumchen – dichtgedrängt auf den Fensterbänken des warmen Wohnzimmers – größtenteils über den Winter bekommen, ohne dass sie ihr prächtiges Laub abwerfen mussten. Das klappt hoffentlich dieses Mal wieder.

So. Damit habe ich meine Stunde Pause dann auch schon erfolgreich hinter mich gebracht. Gefrühstückt, Kaffee getrunken, Annone versorgt, Blögchen belebt. Das stumpfe Postediten anderer Leute Geschäftsmails kann weitergehen.

Arbeiten, tätig sein… heute tue ich beides

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So schnell kann’s gehen. In der Zeit von sieben bis neun Uhr habe ich vielleicht zwei Unbabel-Aufträge erledigt – den Rest der Zeit herrschte dort gähnende Leere – und war dafür außerhalb des „Arbeitens“ produktiv.

Zum Einen habe ich mich erneut um die leidige Vodafone-Geschichte gekümmert (ich scheine Trudis Surfstick mittlerweile bereits das dritte Jahr lang zu finanzieren, that sorry excuse of a human being, und habe sogar nochmal bei deren Callcenter angerufen, bevor ich mich entschieden habe, doch einfach ein Schreiben aufzusetzen und mich nicht ein zweites Mal diesem endlosen Marathon aus Hin- und herverbundenwerden und ergebnisfreien Gesprächen auszusetzen).

Und zum Zweiten habe ich Tobi geantwortet, der sich gestern allen Ernstes bei mir bedankt hat, dass ich ein Zitat aus dem Buch als Coverfoto benutzt habe. Da ich ihn sowieso kontaktieren wollte, habe ich ihm daraufhin mein Feedback geschrieben und herausgefunden, dass er zwar dieses Jahr keine Zeit mehr hat, herzukommen, aber 2019 mal einen Vortrag hier veranstalten könnte, wenn ich das organisiert bekomme. Challenge accepted, ich frage R gleich heute Abend mal, ob die Solid daran Interesse hätte.

Und nun bin ich fertig mit Arbeiten. Das ging heute schnell. Zugegeben, ich habe auch mehr Pause gemacht als sonstwas, aber weißt du was? Ich habe ein bisschen Geld verdient und fühle mich damit gar nicht so schlecht.

Memories

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Irgendwie war mein Leben ergreifender, als ich mich noch mehr mit Dingen konfrontiert habe. Ich sollte damit wieder anfangen. Selbiges erzählte ich gestern Abend auch R und kam aus heiterem Himmel darauf, mir mal Holzrosensamen zuzulegen. Die sollten doch helfen. Ich komme mit dieser Konfrontationsunwilligkeit und dem damit verbunden sinnlosen Vormichhinexistieren nicht mehr klar. So ändert sich ja nie was bei mir.

Es schüttet aus Kübeln draußen, den Großteil des Tages schon, mit einer Stunde Pause gegen fünf. Außerdem schüttet es in Kübel; ich war eben nochmal draußen, um die Eimer umzuverteilen, während ich mit R telefonierte, der mich fragte, ob es klüger sei, das Fahrrad in der Arbeit stehen zu lassen und den Bus zu nehmen. Bei ihnen unten würde es nur ein bisschen tröpfeln, aber er würde ja den Horizont in unserer Richtung sehen. Gut, dass er anrief; ich wäre nichtmal darauf gekommen, ihm bescheidzusagen, weil ich dadurch, dass ich kein Semesterticket mehr besitze, diese Möglichkeit des Trockenbleibens immer ganz vergesse.

Aber was bin ich froh über diese Sintflut. Eine meiner Azorenpflanzen ist seit gestern am Blühen, die zweite kurz davor, und es sieht so wunderbar aus, wie das tropisch herabprasselnde Wasser von ihren Blättern abperlt. Sie fühlen sich hoffentlich richtig zu Hause.

Ich habe heute, wie schon ganz lange nicht mehr, damit verbracht, einen Teil meiner hier dokumentierten Vergangenheit durchzulesen. Es war gut, dass ich das getan habe; auf diese Art konnte ich feststellen, dass ich zwischen 2010 und heute in der Tat ein paar elementare Entwicklungsschritte vollziehen konnte.

Weiterhin habe ich, dem Vorhaben eines 2012er Eintrags gemäß, mich motiviert gefühlt, tatsächlich mal „Eberybody“s Changing“ von Keane auf der Gitarre durchzuspielen. Nun kann ich das also auch mal. Und ich habe mich an den Moment erinnert, in dem ich in Costa Rica vor dem Computer saß und „You Be Tails, I’ll Be Sonic“ zum ersten Mal gehört habe. Und an ganz viele andere Momente auch.

Nun erfordert aber das nahende Ende des Tages meine Rückkehr in die Gegenwart. Ich habe mir vorgenommen, die Putenkeule zuzubereiten, die ich letzte Woche mit Yannick containert habe. Ich habe so etwas noch nie getan und hoffe nur, dass es nicht so lange dauert, wie ich es gerade befürchte. Nachher fahre ich nämlich schon wieder los, weil Yannick danach über eine Woche im Urlaub ist (schon wieder – oh, gesegnetes Informatikerdasein; irgendwann wird es R auch mal so ergehen) und er mich für heute Abend nochmal auf eine Schatzsuche eingeladen hat.

Von demher: bis bald.