Schlagwort-Archive: Produktivität

Fooood.

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Sehr produktiv heute gewesen. Die erste Hälfte des Tages habe ich zwar wieder verschlafen (ich scheine wirklich einen Großteil meiner wachen Zeit R zu verdanken, der mich verlässlich zu respektablen Zeiten zum Aufstehen zwingt, wenn er nicht gerade arbeitet wie heute), aber um eins wurde ich dann doch munter, habe gemütlich gefrühstückt – Bananenshake und zwei Croissants, welch eine Freude – und bin danach zur Tafel gefahren, wo eine nicht zu große, aber ganz sicher auch nicht zu kleine Menge an Lebensmitteln darauf wartete, von Jana und mir geholt zu werden.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit, Dinge einzukochen. Einmal die restliche Suppe von gestern, die ich R gemacht hatte, weil er keine Lust auf Semmelknödel hatte (er hat sich heute noch was davon mit zum Arbeiten genommen und ich schätze mal, irgendwann hat man davon genug und isst es lieber wann anders), dann die zigtausend riesigen Kulturchampignons von der Tafel, mit Lauch, Zwiebeln, Knoblauch und Schmand zu einer Pilzsauce verarbeitet, und als Letztes ein paar der Kastanien, so viele, wie in die übrigen Gläser passten. Für Waschmittel ist also auch schon gesorgt.

Da ich so spät gefrühstückt hatte, habe ich seitdem nichts mehr gegessen und bin mir demzufolge dankbar, dass das Abendessen (in Form von Kartoffel-Blumenkohl-Gratin-Auflauf-Gedöns) auch schon fertig im Ofen vor sich hinbrutzelt. Heute habe ich wirklich nichts getan, außer mich mit Essen und Kastanien zu beschäftigen. Wunderbar. Ich werde jetzt einfach mal was essen; R hat sich noch nicht blicken lassen und ich habe Hunger.

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Heut‘ ist ein guter Tag! (Und gestern ebenso.)

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Es leuchten Lichter bei mir im Zimmer. Ich habe eins der herrlichsten Wochenenden ever hinter mir. Ich bin glücklich und zufrieden und fühle mich wohl.

Gestern bin ich losgezogen und habe Kastanien gesammelt, drei zentnerschwere Tüten voll, um daraus Waschmittel herzustellen. Das hatte ich mir für heute vorgenommen, aber jetzt ist der Tag schon fast um und ich freue mich über ein bisschen Untätigkeit mit Computer auf dem Bett und den wunderbaren Kerzen überall. Meine Fensterbank ist so ein wunderschöner Anblick, ich komme kaum selbst darauf klar.

Janine ist nach Gießen gezogen und berichtet von ihren Internetschwierigkeiten. Oh die Freuden des Umziehens. Ich bin trotzdem unglaublich froh, dass sie es überhaupt aus ihrem Dreigenerationenhaus heraus geschafft hat. Wenn ich irgendetwas als Wundermittel für das persönliche Wachstum empfehlen kann, dann ist es definitiv Ausziehen. So weit weg wie nur irgend möglich. Ist natürlich schade in ihrem Fall, dass ihr Freund in der anderen Richtung wohnt und sie vermutlich gar nicht erst richtig dazu kommt, sich an ihrem neuen Wohnort wirklich zu Hause zu fühlen, aber immerhin – ein Anfang.

Es war so verblüffend schön, das Wochenende allein zu verbringen. Einfach mal mein ganzes altes Leben wieder rauszukramen; das zu tun, was ich immer getan habe. Ich war so lebendig und voller Tatkraft. Das an sich hat ganz bestimmt nichts mit R’s Abwesenheit zu tun, aber diese hat ihr Übriges dazu beigetragen, dass ich meinen ganzen Tätigkeiten genau so nachgegangen bin, wie ich wollte. Kleinigkeiten. Ich bin immer so faul, wenn er da ist, und brauche so viel mehr Disziplin, um mich zu irgendwelchen Dingen durchzuringen. Und wahrscheinlich bin ich vor allem deshalb so überglücklich, weil ich eher erwartet hätte, sinn- und ziellos vor mich hinzuvegetieren, bis er wiederkommt, und mich meine grandiose Unabhängigkeit über alle Maßen begeistert.

Lustig, wirklich: Ich habe mir unendlich Gedanken über das von mir als Amélie-Syndrom betitelte Phänomen gemacht, dass man Leute viel mehr mag, wenn man glaubt, dass sie einen auch mögen. Beziehungsweise eigentlich über den Umkehrschluss, der unweigerlich zu der Erkenntnis führt, dass man Menschen oftmals aus dem Grund nicht mag, dass man glaubt, sie würden einen nicht mögen.
Trifft bei mir uneingeschränkt zu, was dann dazu führt, dass ich in paranoiden oder anderweitig schwierigen Phasen sehr heftig dazu neige, Menschen vollkommen abzustempeln, wodurch ich noch mehr in grauenhaften Gedanken versacke, und andererseits aber, sobald mir die Person wieder Zuneigung entgegenzubringen scheint, wieder in Sekundenschnelle völlig euphorisch-ungläubig zu strahlen anfange und diesem Menschen auf der Stelle alles verzeihe, worüber ich mir vielleicht monatelang zuvor den Kopf zerbrochen hatte.
Dafür ist Trudi das beste Beispiel; der geht es nämlich auch öfter mal nicht gut, was ich aber immer noch nicht gelernt habe zu erkennen und immer aufs Neue auf mich beziehe. Egomanie lässt grüßen.
Sogar mit Hannes habe ich ähnliche Momente; ich kann ihn verabscheuen, so sehr ich will, aber sobald er zwischendurch mal den Anschein macht, mich zuindest in Ansätzen als Mensch wahrzunehmen und/oder zu respektieren (doch, das passiert. So ein Mal im Jahr ungefähr, aber es passiert), fällt mit einem Mal die ganze Bitterkeit von mir ab und ich habe nicht die leiseste Schwierigkeit, mit ihm zu interagieren.

Und während das eigentlich recht unerfreuliche Dinge sind, die ich da über die menschliche Natur im Allgemeinen und meine eigene im Besonderen erfahre, bin ich doch wirklich froh, es wenigstens zu wissen. Irgendwann wird es mir vielleicht helfen, das Verhalten von Menschen weniger selbstzentriert zu interpretieren. Kann nur helfen.

Jetzt hole ich mir ein Bierchen und schwelge weiter in der unendlichen Gemütlichkeit und Wärme meines wunderbaren, ordentlichen, heimeligen Zimmers. R rief eben an und verkündete, um halb zehn wieder dazusein. Das ist doch wunderbar.

Mauerfall

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Mein Duftlämpchen ist an. Wer sich an bisherige Erwähnungen des Duftlämpchens noch erinnert (anders gesagt, ich), kann daraus mit Leichtigkeit auf den Zustand meines Zimmers schließen – tadellos – und den meines Geistes – restlos zufrieden. Gelassen. Gut.

Ja, natürlich habe ich heute wieder nichts für die BA getan, aber das Gewissen nagt nicht genug an mir, um meine Stimmung wirklich zu trüben. Ich werde noch irgendetwas machen. Gleich.

Ich habe Şahins Geburtstag damit verbracht, mir in der Arbeit die Seele aus dem Leib zu copy-pasten, und es damit für meine Verhältnisse so ungesund übertrieben, dass der stumpfe Automatismus mir um fünf Uhr bereits den Kopf zerstört hatte, ich aus dem Büro geflüchtet bin und draußen an meinem Fahrrad erstmal eine ganze Weile ratlos vor meinem Zahlenschloss stand, weil ich mich nicht erinnern konnte, wie dieses Ding eigentlich funktioniert.

Abends waren Sarah und ich mit Chris verabredet – ehemals Cajonist, als es unsere Band noch gab – und in Anbetracht der Tatsache, dass ich Chris ungelogen seit unserem letzten Auftritt in Sebis Küche nicht mehr gesehen hatte, habe ich mich zu Hause ein bisschen aufs Bett gehauen, bis der Kopf zu brummen aufhörte, R mit dem Abendessenmachen alleingelassen und mich nach einer Stunde wieder aus dem Haus gequält, um zu unserem alten Stammpub zu fahren. Natürlich las ich erst im Bus die SMS von Sarah, die der Arbeitstag offenbar nicht weniger mitgenommen hatte als mich und welche dementsprechend ohne Motivation whatsoever zu Hause hing und uns abgesagt hatte. Ich habe mich dann mit Chris allein getroffen und schonmal ein bisschen grobes Catching-Up betrieben, bis er ins Bett wollte, und parallel Basti und R für später zu mir beordert.

Das war schön, es war so wunderschön; ich war so ewig nicht mehr im Irish Pub. Oder überhaupt irgendwie weg. Ich tue das einfach nicht mehr. Allerhöchstens lasse ich mich ein-zweimal im Monat dazu bewegen, mich ins Contrast zu hocken, und fühle mich dann fürchterlich, weil ich fünf Euro für meine zwei Hefeweizen ausgebe. Gestern war ich irgendwie so von der Arbeit geschädigt, dass ich darin gar kein Problem sah, bzw mich von meiner eigenen Ausnahmestimmung einfach habe mitreißen lassen, und mir mit dem allergrößten Vergnügen zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten ein paar Guinness genehmigt habe; dann kamen die anderen beiden und Basti hat mir noch eins ausgegeben, wider jeden Protest. Und es war so schön und wir sind den halben Weg nach Hause gelaufen und es hing einfach so eine gute Laune in der Luft, ein unausgesprochenes „Wir haben uns alle lieb“, wie ich es so liebe.

Und heute hatte ich frei und habe sehr spät erst angefangen, überhaupt irgendetwas zu machen, vorher aber schon mit R gefrühstückt und Essen zu Facebook / vor meine Haustür gestellt und mit Caro geredet, und dann war es eben vier Uhr und ich habe mich daran gemacht, meinen Garten ein Stück weiter auf den Winter vorzubereiten. R war am Flyerdesignen und somit nicht wirklich anwesend, aber immerhin habe ich ihm wertvolles Feedback gegeben. Und später da am Tisch gesessen und Brötchen zerhackt, um endlich die volle Ladung Semmelknödel einkochen zu können, und mich mit Schrecken und Verwunderung an die wirklich nicht weit zurückliegenden Zeiten erinnert, in denen ich mir während solcher Situationen hilflos vorkam und so, als hätte ich keinen Zugang zu ihm.

Ich bin halt auch irgendwie ziemlich bedeppert. Mir scheint es gerade so, als hätte sich im frühen September mit meinem ruckartigen Aufwachen aus der widerlichen Phase davor meine gesamte Wahrnehmung korrigiert, aber so krass korrigiert, wie ich es ansonsten nur erlebe, wenn ich jemand tendenziell Unfähigem den Entwurf eines Textes überarbeite. Zack, da dreht sie sich mit einem Mal um hundertundachtzig Grad, gibt eins dieser unglaublich wohltuenden einrastenden Klick-Geräusche von sich und fügt sich damit endlich, endlich in die Position hinein, die ihr von Rechts wegen zusteht.

Wie das sein kann, frag ich mich. Wie paranoid kann ein einzelner Mensch denn sein, was war denn da mit mir los, um alles in der Welt. Ich habe immer noch das Gefühl, als würde R es mir auch wirklich leichter machen. Es ist ein Traum, gar keine Frage. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich mit einem Mal so schlagartig verändert haben soll, dass es mir auf einmal möglich ist, mal meine selbstzerstörerischen Selbstschutzmaßnahmen wegzustecken.
Oh, warte, vielleicht liegt es aber auch tatsächlich daran, dass ich mal etwas von mir preisgebe. Hey, ich hab’s geschafft, mal ein Stückchen aus meinem Panzer hervorzukommen. Irgendwas muss man doch beisteuern, damit etwas zurückkommen kann. Vermutlich ist es das, was ich lernen sollte.

Kommunikation (oder: Das Unmögliche)

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Eine weitere heilsame Auseinandersetzung habe ich gestern Abend hinter mich gebracht. Obschon ich offenbar nichts Besseres zu tun habe, als jedes Mal von unerträglichen Horrorvorstellungen geplagt in Tränen auszubrechen, wenn ich mich mit R streiten muss (irgendwas ist an dieser Stelle bei mir ganz arg kaputt, aber dass ich Situationen dieser Art nicht vertrage, weiß ich ja auch nicht erst seit gestern), bin ich richtiggehend glücklich, dass er mich dazu gebracht hat, das, was mich bedrückte, überhaupt mitzuteilen. Ich wäre knallhart einfach ins Bett gegangen und hätte die Begebenheit unter Ferner liefen abgespeichert, zusammen mit all den anderen meines bisherigen Daseins, die irgendwann dafür sorgen werden, dass ich vor Verbitterung nur so überquelle.

Nein, ich bin wirklich, wirklich froh, dass er das getan hat. Allein schon, weil er damit meine Bitte beherzigt hat, mich nicht so leicht davonkommen zu lassen, wenn meine Unfähigkeit zu kommunizieren wieder mal dafür sorgt, dass Dinge in meinem Kopf eingesperrt bleiben. Eine verzweifelte Maßnahme von mir, um zu erklären (wiederum ohne dazu tatsächlich in der Lage zu sein): Es ist nicht, als würde ich nichts sagen wollen. Man muss mich nur zuerst von außen aufsperren. Ich bin mir nicht ganz sicher, wo der Schlüssel liegt, aber er müsste da draußen irgendwo sein.

Argh, ich bin manchmal überwältigt von der schieren Menge an Sachen, die es noch zu lernen gibt.

Lernen. Gutes Stichwort. Meine Großeltern kommen heute Abend nochmal her und R hat bis 4 gearbeitet, ich sollte also mit BA-Arbeit anfangen, um heute noch etwas geschafft zu bekommen, bevor in meinem Haus plötzlich wieder Menschen sind.

Schön. Schön, schön, schön, schön, schön. Wirklich schön.

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Hypermotivationserfüllter Tag heute. Eine Seltenheit momentan, aber ich habe es tatsächlich hinbekommen, mich um halb zwölf aus dem Bett zu schwingen und einem produktiven, glücklichen Tag einen verhältnismäßig zeitigen Anfang zu bescheren. Basti hatte hier gepennt und verschaffte mir die perfekte Motivation für ein richtig schönes, ausführliches Frühstück – etwas, wofür ich alleine niemals mehr Zeit aufwenden würde. Trudi kam und setzte sich dazu. Sie ist nicht wiederzuerkennen momentan; ich sehe schlagartig ein, dass von dem Menschen, den ich damals im Wohnheim kennengelernt hatte, zwischenzeitlich wirklich und wahrhaftig nichts mehr übrigwar und es nicht zwangsläufig an einer gestörten, verzerrten oder veränderten Wahrnehmung meinerseits gelegen haben muss, dass ich so lange das Gefühl hatte, mit einer völlig fremden Person zusammenzuleben. Nein, es gibt sie wirklich, die alte Trudi. Ich bin so glücklich über jeden Schnipsel, den ich momentan von ihrer mir so unglaublich lieben altbekannten Persönlichkeit wieder aufschnappe. Das bringt mich dann hoffentlich durch Zeiten, in denen sie sich wieder hinter etwas verschanzt, das mit meiner wunderbaren Freundin von noch vor einem Jahr so reichlich wenig gemeinsam hat. Und in denen ich das Gefühl habe, selbst zu einer eigentlich ziemlich ekligen Ausgabe meiner selbst zu mutieren, die aus dem kompletten Mangel an Verständnis resultiert, den ich der „anderen“ Trudi gegenüber an den Tag lege.

Basti hat ein Regalbrett für mich in der Küche angebracht und meine Lebensqualität damit verbessert.
Ich habe die weltbewegende, alles verändernde Entdeckung gemacht, dass das Metall-Flaschenhalterding, das ich einst vor Waltraut aus der Restmülltonne gerettet hatte, genau in die Lücke zwischen Kühlschrank und dem anderen Schrank passt und sich dort nicht nur ganz hervorragend als Halter für Geschirrtücher, sondern noch dazu als einzigartig blendend funktionierendes Anti-Geräusch-Mittel gegen die ewig nervenzermürbenden Vibrationsattacken des Kühlschranks eignet. Ich habe bestimmt fünf Minuten deriliös vor Glück „herrlich, herrlich, das Leben ist so herrlich“ vor mich hin ausgerufen.

Ich habe auch Neurolinguistik gelernt, oder zumindest konnte ich meine Mutter dazu bewegen, sich eine Stunde lang von mir die Vorlesungsmaterialien auseinandernehmen zu lassen, wodurch Mensch ja bekanntlich auch lernt. Ich besonders; mir ist es fast unmöglich, für mich alleine zu lernen. So wie es mir vom Prinzip her meistens unmöglich ist, überhaupt irgendetwas für mich alleine zu tun. Ich werde erst wirklich effizient, wenn mir jemand zur Seite steht, sei es durch bloße Anwesenheit oder sogar aktives Involvement. Ich bin bekloppt, ya lo sé. Badakit.

Nun habe ich soeben dem Ukumenschen auf eine Nachricht geantwortet, die den Tag endgültig zu etwas Besonderem gemacht hat. Das Leben verblüfft mich immer wieder; es tut einfach nie, was man erwartet. Ich liebe es, wenn sich mein selbstschutzbedingter Pessimismus in Bezug auf mir wichtige Personen als grundlegend unberechtigt herausstellt. Das ist so selten der Fall, aber es ist jedes Mal wie eine kleine Erleuchtung.

Jetzt ist Basti mit Abendessen angekommen. Er hat ein halbes Festmahl aus der Arbeit gerettet und mich vorhin extra angerufen, damit wir nur ja nicht zu Abend essen, bevor er kommt. Eine Seele von einem Menschen.

Come on, ego, you fool.

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Ja, oh ja, Donnerstag war furchtbar. Freitag war nochmal eine Klasse für sich – man könnte meinen, die frohe Kunde der Semesterferien wäre mit zweieinhalb Monaten Verspätung auch bei meinem Hirn angekommen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich nach der ganzen ewig langen, turbulenten Zeit gerade vorgestern zum ersten und hoffentlich einzigen Mal diese Ferien in den altbekannten Modus verfallen musste, der für frühere Exemplare der Gattung Vorlesungsfreie Zeit bei mir so charakteristisch wie alltäglich war. Aufwachen, Computer, schlafen. Computer, schlafen, aufwachen, schlafen, aufwachen, schlafen, schlafen, sechs Uhr abends. Aufwachen. Danke, Basti. Ohne den hätte ich den offenbar bisher wärmsten und schönsten Tag des Jahres vermutlich in Gänze verschlafen. Das war Freitag.

So gefühlstaub war ich lange nicht mehr. Ich bin zwischendurch aufgewacht, habe teilnahms- und verständnislos nach draußen in die Sonne gestarrt, mich umgedreht und weitergeschlafen. Und war erstmal einfach froh, dass die doch leicht bedenkliche Stimmung vom Tag zuvor sich in keinster Weise durch die Nacht hatte hinüberretten können. Dann verstört, weil sich mein momentaner Zustand so überaus hartnäckig weigerte, sich klassifizieren zu lassen. Taub. So richtig. Die zwei depressivsten Tage des Jahres, ausgerechnet jetzt, wo es warm und sonnig wird. Aber am Abend hat Bastis Auftauchen mir wirklich den Hals gerettet. Und dann rief mich R an (ganz im Gegensatz zu gestern/heute, wie mir soeben auffällt, aber whatever. Dann hat er offenbar nichts zu erzählen bzw. nach der Arbeit keinen Nerv mehr auf Reden gehabt) und ich habe meine Bustickets für nächste Woche gebucht und war glücklich, weil er sagte, er würde mich ziemlich hart vermissen. Das ist für Telefon-R wirklich schonmal ne Aussage. (Nicht dass ich ihm in der Hinsicht irgendetwas voraushätte, aber von mir kennt man das ja auch nicht anders. Gefühlsäußerungen, ugh. Telefonisch oder sonstwie, bis man mich soweit hat, braucht es Jahre und/oder eine grundsolide Basis in Stein gemeißelten Vertrauens. Solange es sich nicht um Heulanfälle handelt, darin bin ich natürlich Pro, das macht mir so schnell niemand nach. Während ich also die Bestätigung seiner Zuneigung mir gegenüber aus dem ziehe, das er so von sich gibt, wenn wir uns sehen, hat er als Beweis immerhin meine stets verlässliche Art, ab und an unter seinen Taktlosigkeiten zusammenzuklappen. Was will man mehr; das nenne ich mal gelungene verbale Kommunikation von Gefühlen.)

Gestern dann ein enormer Aufschwung. Ich konnte mich nach Wochen endlich dazu bringen, hierdrin aufzuräumen, habe dabei das No Use-Album gehört, das ich mir in Hamburg gekauft hatte – Keep Them Confused – und befand es für großartig. Welche Überraschung. Und ich konnte Sinn aus der Experience-Project-Gruppe I Miss Someone I Have Never Met machen, ein Mal mehr. Wirklich, Tony, warum musstest du sterben. Warum sind es immer die Guten, die sterben.

Und mit dem heutigen Tage ist schon der letzte vor dem neuen Semester angebrochen. Ich werde ins Bett gehen, um ein bisschen was davon zu haben und zu Ende in meinem Zimmer klar Schiff machen zu können. Produktiv und diszipliniert, so gehört sich das. Sogar meine Sanskrit-Mappe habe ich vorhin noch fertiggemacht. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Basti hat mir ein gerettetes Fischbrötchen aus der Arbeit mitgebracht und ich habe beschlossen, ab jetzt noch konsequenter containertarisch zu leben als vorher. Oh herrliches Leben.

Gedanken zu Apparition übrigens: Promise me you’ll still be there when the planet lets me down, when this world lets me down. All you’d have to do is be around, for as long as you don’t let me down, I’ll never feel like the whole world has.

Hegoak ebaki banizkio…

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Das war ein schwieriger Tag. Ich wünsche mir, dass der heutige mir wieder mehr Frohsinn und weniger Nesselfieber bringt.
Nicht falsch verstehen, mein Donnerstag hatte die wunderschönsten Mo- und Elemente. Die Sonne zum Beispiel. Und dass es mir gar nicht mehr zu kalt war, als ich in meinem Sonnenzelebrierungsoutfit (aka Sandalen, Sommerkleid und Stoffjacke) aus der Arbeit wieder heimfuhr, ganz im Gegensatz zum Hinweg. Dass ich Pfand weggebracht und dabei mit dem Bierkasten auf dem Kopf wieder mal im Bus für Unterhaltung gesorgt habe. Dass ich dann Spüli und Spülmaschinensalz von dem Pfandflaschenerlös gekauft habe und von einem netten Menschen an der Kasse vorgelassen wurde. Dass ich schon den zweiten Tag in Folge ein paar Minuten lang genug Muße hatte, mich mit einem Kissen auf die Treppe vor meiner Haustür zu setzen und zu lesen, gestern mit dem letzten Bier aus dem Osterkasten statt wie vorgestern mit am Foodsharing-FairTeiler abgestaubter Pulver-Chai-Latte. Dass ich Altglas weggebracht und mich bei all dem wunderbar produktiv gefühlt habe. Dass ich in der Arbeit Sarah dazu bringen konnte, dass sie wahrscheinlich die abartige Tigerzoo-Tour in Thailand aus dem Programm nimmt. Dass ich einen Rest Mehlknödel mit Käsesauce in der Arbeit dabeihatte. Dass ich mein Pensum so früh fertighatte, dass ich danach noch zwei Touren übersetzt und die Originaltexte meines gesamten Tagewerks noch korrekturgelesen habe, um dann immer noch zu früh, aber für mein Seelenheil trotzdem in der allerletzten Minute mich auf den Nachhauseweg zu machen. Das ist schließlich alles passiert gestern. Da sollten Geschichten wie das Nesselfieber automatisch viel weniger Gewicht zugestanden bekommen. Das ständige Heulenwollen in der Arbeit, der verdreckte Küchenboden, der ewige Zweifel an mir selbst, meinem Sinn und meiner Wertigkeit, R, R, R, der Mangel an Lösungsansätzen und der Überschuss an Zäunen um mein Denken und Mauern um mein Fühlen und Angst um meinen Verstand, die mangelnde Fähigkeit, mich auszudrücken, die lückenhafte Kommunikation, der unerfüllbare Wunsch, mich einfach kein Stück mehr verstellen zu müssen und mir zu erlauben, ihm mitzuteilen, dass es mir nicht gut geht, und ihn dazuhaben, wenn es mir schlecht geht, und ihm zu verstehen zu geben, dass jeder Mensch eine Welt ist und man im Leben nicht damit fertigwerden kann, auch nur eine einzige geliebte Welt komplett zu erschließen, und ich es für unmöglich erachte, mit einem einzelnen kleinen Geist zeitgleich in mehreren davon herumzustromern ohne Verluste, ohne Rücksicht auf Verluste.

Caro schreibt mir, aber ich geh‘ jetzt ins Bett. Alda lan, bin isch kaputt, du Opfer.

Edit:

Hegoak ebaki banizkio
Neria izango zen.
Ez zuen alde egingo.

Bainan honela
Ez zen gehiago txoria izango

Eta nik txoria nuen maite.

If I had cut his/her wings, s/he would have been mine, s/he would not have gone away.
But then, s/he wouldn’t have been a bird anymore.
And it was the bird that I loved.

Der Wille muss seiner sein; ich werde ihm nicht die Flügel abschneiden, ich kann ihm nicht die Flügel abschneiden; wenn das tatsächlich seine Flügel sind, soll er fliegen.
„Ich flög‘ auch zu dir“. Das zu meinem spontanen „Wenn ich ein Vöglein wär'“ auf dem Klavier seiner Eltern. Er labert so viel, wenn der Tag lang ist.

Drei Matratzen auf einem Stapel.

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Manchmal macht es mir Angst, wie schön die baskische Sprache ist. (Spätestens jetzt verdreht jeder, der mich kennt, nur noch genervt die Augen und macht sich vermutlich nicht mehr die Mühe, den Rest des Eintrags zu lesen. Ich kann es ihnen nicht verdenken, auch wenn ich ja selbst noch nicht weiß, was noch alles in dem Eintrag stehen wird und wie interessant es nicht doch noch werden könnte.)

Es macht mir wirklich Angst, weil ich das Gefühl habe, über mich selbst die Kontrolle zu verlieren. Daniel hat heute ein paar Zeilen aus einem Gedicht rezitiert, von denen ich allerhöchstens ein paar Brocken verstanden habe, aber oh mein Gowai, wie schön es einfach nur war. So ging es mir ja auch damals mit Ilargia.

Es macht mir Angst, weil ich das Gefühl habe, man könnte mich hypnotisieren, einfach indem man mir ein paar Wörter singt.

Ich höre mal wieder Haizea, wen wundert’s. Das ist dann immer wieder der Moment, in dem ich auf die Schönheit und Tragik des Lebens nicht mehr klarkomme.

Heute war ich weiterhin vorbildlich und habe mein Zimmer so dermaßen gründlich aufgeräumt, dass es auf einmal doppelt so groß wirkt. Oh, ein bisschen umgestellt habe ich auch, sodass ich tatsächlich mehr Raum zur Verfügung habe. Mein Keyboard steht nicht mehr so platzeinnehmend in der Mitte des Raumes. Und Basti hat ja, als er hierwar (wann sonst.. manchmal denk‘ ich echt, mir haben sie irgendwann das Hirn amputiert), meine Gitarrenhalter in der Wand montiert; seitdem hängen meine Beiden einträchtig nebeneinander und ich habe noch mehr Platz hierdrin. Ist auch gar nicht so verkehrt, wenn ich ihn dann ja bald für eine Weile hier wohnen habe.

Wir haben gerade noch recht lange geskypet. Ich bin froh über seine Kommunikationsfähigkeiten, die machen einiges einfacher. Weißt du, am liebsten würde ich mit ihm eine Selbsthilfegruppe aufmachen, in der wir uns nach Herzenslust darüber auslassen können, wie furchtbar es doch ist, wenn die gegenseitige Zuneigung zwischen zwei Menschen ungerecht verteilt ist. Aber das wäre ja auch wieder mies ihm gegenüber. Auch wenn er vorhin meinte, ich solle bloß kein schlechtes Gewissen haben. Dann hat er sich Bier auf die Hose geschüttet und wir sagten synchron „das arme Bier!“ und ich verfluchte mich ein Mal mehr dafür, dass ich ihn nicht einfach gescheit zurückmögen kann. Er ist wirklich ein lieber Mensch. Ein guter Mensch, wenn auch vollkommen kaputt. Wahrscheinlich sogar für mein Beuteschema zu kaputt.

Eine kleine Ecke habe ich mir zum Staubsaugen noch für nachher verwahrt; dann habe ich immerhin direkt eine Motivation, aufzustehen, dachte ich mir so. Wann der Kepatto hier agertut (bzw. aufkreuzt, um niemandem hier zuzumuten, meinen Euskera-Deutsch-Pidgin analysieren zu müssen – der kommt irgendwie automatisch im Zusammenhang mit Kepa), ist ihm offenbar unmöglich vorauszusagen (er sagte tatsächlich „unmöglich“), also rechne ich nachmittags mit ihm. Dementsprechend habe ich vormittags viel Zeit, um 1) zu schlafen und 2) weiter vorbildlich zu sein. Vielleicht habe ich ja bald im Haushalt alles aufgeholt, was mir an Vorbildlichkeiten in letzter Zeit so zu erledigen entgangen war, und kann mich der Uni zuwenden. Es könnte in Anbetracht der baldigen Azterketak (aka Klausuren) nicht schaden.

Vorbildlich.

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Ein Motivationsschub überrollte mich ganz unerwartet am Abend nach der Arbeit. Ich war gerade Wäsche waschen und dachte mir auf einmal, ich muss vorbildlich sein.

Was für ein merkwürdiger Gedanke. Aber den restlichen Abend habe ich mit Haushaltsarbeiten verbracht und war dabei so produktiv wie ewig nicht mehr. Ein vorbildlicher Mensch würde jetzt…, fingen meine Gedanken an mich herumzukommandieren. Das haben sie gut gemacht. Ich war wirklich vorbildlich.

Und weil die Motivation immer noch da ist, gehe ich jetzt vorbildlich früh schlafen, obwohl ich nachher um halb ein Uhr erst in der Uni sein muss.

Ich habe vorgestern Abend (also was sich anfühlt wie gestern Abend, aber tatsächlich vorgestern Abend ist – Zeit, jetzt renn doch nicht so furchtbar schnell, ich komm‘ nicht hinterher) zum ersten Mal Musik von Glen und Markéta außerhalb des Once-Soundtracks gehört. Mir war auf einmal danach. Also hörte ich Strict Joy und fand darauf ein Lied. Mehr dazu aber wann anders, das würde hier jetzt nur untergehen.

Schaffenskraft

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Heute war ich wirklich gut. Ich meine gut; die Art gut, die einem wirklich das Gefühl gesteigerter Lebensqualität verschafft.

Oder anders gesagt: Ich habe Dinge getan. Meine To-Do List war eine Seite lang und unmöglich zu schaffen – so viele Stunden konnte der Tag gar nicht haben. Umso stolzer bin ich, nun verkünden zu dürfen, dass ich neben Uni und der Klavierstunde mit Sofie im Ganzen 11 der 17 Punkte abgearbeitet habe und mit dem Rest ebenso verfahren wäre, wäre nicht der Tag langsam vorbei und ich ein wenig schlapp (man bedenke, ich bin eigentlich todkrank und auf Antibiotika, was meinen Kopf nicht gerade strukturierter macht).

Moment. Ich glaube, der Igel macht sich wieder an unserem Gelben Sack zu schaffen. Es raschelt so unheilverkündend da draußen. Sollte der nicht langsam mal schlafengehen? Dena den, ich geh mal nachschauen.

Okay, kein Igel. Wird der Wind gewesen sein. Besser für ihn; diese Temperaturen sind doch nichts für kleine Trikuak. (Das nennt man Lernen in der Praxis. Wäre Kepa an dem Abend nicht hiergewesen, wüsste bis heute keiner von uns das Wort für Igel.)

Ich bin unheimlich froh, so produktiv gewesen zu sein und meinen guten Tag heute so wunderbar durchgezogen zu haben. Die Lethargie der letzten Wochen hat mich beunruhigt und verängstigt; ich denke ja gleich jedes Mal, die Medis würden aufhören zu wirken, und gerate beim leisesten Anflug jeglicher Anzeichen unweigerlich in Panik.

Vielleicht hält das bis morgen an und ich kann diese Motivation und Schaffenskraft und das generelle Fehlen von Lethargie mit in die Arbeit nehmen. Würde auch mal wieder Zeit werden.