Schlagwort-Archive: Produktivität

Year of the Finger

Standard

Ach, ich Riesendepp. Ein Glück habe ich nochmal in meinen Kalender geguckt, bevor ich rausgehen wollte. So habe ich gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass ich nicht heute um drei bei Marthe sein muss, sondern nur morgen. Dodged a bullet there.

Das heißt also, dass ich umsonst zwei Schlucke Ouzo getrunken habe (Konversationsunterricht macht man – wobei ich ausdrücklich über mich selbst spreche und das kein allgemeiner Ratschlag sein soll – am besten ganz minimal alkoholisiert, zumindest mit denjenigen Schülern, mit denen es einem schwerfällt, auf andere Art einen Gesprächs-Flow zu entwickeln) und auch meine Bemühungen, mich öffentlichkeitsfähig zu gestalten (Lippenstift, dezentes Augenmakeup) nun eben meinem Computerbildschirm zugutekommen.

Das heißt dann wohl auch, dass ich weiter fleißig sein muss. Ich habe mir vorhin wieder mal ein Kapitel der Lerntherapieunterlagen vorgeknöpft, das ich dann jetzt zu Ende lesen kann. Neunzehn Unbabel-Tasks warten auch noch auf mich (beziehungsweise ich auf sie; vorhin war sehr zum Leidwesen des disziplinierten Teils meiner Persönlichkeit nur ein einziger Auftrag verfügbar), und eventuell ruft mich Malte später noch an, der gerade wohl ein paar Schicksalsschläge mittelschweren Ausmaßes erlitten hat und ganz mitgenommen mir heute Früh mitteilte, er hätte jetzt erstmal genug von Menschen.

Insgesamt werde ich heute also unfassbar produktiv gewesen sein. Die erste Hälfte des Tages konnte sich nämlich auch schon sehen lassen, da ich um neun bei der Therapeutin war, um halb elf (diesmal wirklich) aus der Kirche ausgetreten und um kurz vor schon wieder daheim – und zwischendrin noch schnell einen weiteren Eimer Altglas weggefahren habe.

Ich bin nämlich heute von der Therapeutin darauf gebracht worden, wie ich vielleicht der Lähmung entkommen kann. Daraufhin kam ich unsagbar motiviert da raus und habe mir auf dem Nachhauseweg Gedanken darüber gemacht, ob und wie das umzusetzen ist. Die Idee ist folgende:

Gelähmt werde ich durch eine Art Zwang, der mir vorschreibt, wie die Dinge zu tun sind und in welcher Reihenfolge. Tue ich eins der Dinge nicht und der Zwang (verbildlicht durch einen erhobenen Zeigefinger, der unter Anderem auch für das schlechte Gewissen, den Perfektionsanspruch, die Selbstkritik etc. zuständig ist) stuft es als besonders wichtig ein, blockiert dies alle dahinter wartenden anderen Dinge, die auch erledigt werden wollen. Ich komme nicht an der Blockade vorbei, renne gegen Wände, tue schließlich gar nichts und fühle mich als Verliererin gegen den Zeigefinger, welcher das wiederum fröhlich aufgreift. Ich soll nun daran arbeiten, den Zeigefinger nicht unbedingt bekämpfen zu wollen. Wenn ich nicht gegen ihn arbeite, nur weil seine Methoden mir nicht gefallen, sondern ihn als Teil meiner selbst ernst nehme und auch mal kompromissbereit auf ihn zugehe, fühlt er sich vielleicht akzeptiert und hört seinerseits auf, mich so zu drangsalieren. Ich soll also begreifen, dass wir uns auch gut tun könnten gegenseitig, der Finger und ich. Wie sagte die Therapeutin so zutreffend: „Es ist überhaupt nicht schlimm. An Zwanghaftigkeit ist noch keiner gestorben.“

Und da das eine Einstellungssache ist, an der man tatsächlich ganz einfach selbst arbeiten kann, halte ich es für umsetzbar und habe das nächste Jahr probehalber zum Jahr des Zeigefingers erklärt. Wenn er mich so nervt, wird er schon seine Gründe haben. Solange er nicht wieder anfängt, mir das Laufen auf der Rolltreppe verbieten zu wollen, oder ähnlichen Humbug anstellt, kann es vielleicht gar nicht schaden, dieser Seite von mir einfach mal Beachtung zu schenken.

Werbeanzeigen

Mehr Medis

Standard

Okay, okay, ich hab’s ja verstanden. Scribbr-Aufträge sofort annehmen, sonst verschwinden sie einfach. Auch wenn man einfach nur warten wollte, bis man wieder am Computer sitzt, um direkt damit anzufangen, nachdem man sie angenommen hat.

Oah. Das wirft meinen ganzen Tag durcheinander. Ich war nicht darauf vorbereitet, heute noch irgendetwas Anderes tun zu müssen. Natürlich will ich auch eigentlich nichts tun. Aber da ich nun keinen Scribbr-Auftrag mehr zu bearbeiten habe, fällt dafür die Legitimation weg.

Immerhin, es ist sehr sonnig heute. Ich sollte es also hinbekommen, mich im Bad fertig zu machen und zumindest kurz den Berg runter zur Apotheke zu fahren, um meinen Medi-Nachschub zu organisieren. Der mir dann nur noch zwei Monate hält, weil ich die Dosis auf anderthalb Tabletten à 10 mg am Tag erhöhe.

Ich bin ein bisschen skeptisch, was das betrifft. Einerseits fühle ich mich schon jetzt durch die Medis größtenteils zu abgekapselt von allen Emotionen, andererseits erhoffe ich mir von der höheren Dosis einen gehörigen Schub Motivation, den ich tatsächlich gut gebrauchen könnte. Ich schätze mal, wenn das Ergebnis nicht gut ausfällt, kann ich immer noch auf die ursprüngliche Dosierung zurückstufen.

Gut, dann nehme ich das mal in Angriff.

Gotta Love Sperrmüll // Being Productive

Standard

Ich bin echt gut. Jeden Tag während R’s Abwesenheit – er kommt heute Nacht wieder – , heute eingeschlossen, war ich produktiv und nützlich. Ich habe am Freitag die gesamte Liste abgearbeitet und mir lediglich ein paar Sachen in der Garage für Samstag Früh übriggelassen, mit denen ich dann auch gerade fertig war, als Papa ankam. Es stand nur noch der Blumenkübel im Weg, den ich dann auch noch schnell wegräumte, als ich von der vorherigen Kellertour zurück in die Garage kam und überrascht feststellte, dass sich Papa schon in der Parklücke befand, soweit es denn möglich war. Talk about perfect timing.

Dann haben wir zusammen den Schrank in den Keller gebracht und er trug für mich den Kübel nach oben, und als er wieder weg war, habe ich ein paar Stunden lang im Keller gewerkelt und geräumt wie nichts Gutes, um den Schrank in Gebrauch zu nehmen. Es ist wundervoll geworden.

Hier oben haben sich ebenfalls Dinge getan: den vom Sperrmüll mitgenommenen Staubsauger habe ich ausprobiert und für nicht behaltenswert befunden. Die Ipod-Box vom gleichen Sperrmüllhaufen hingegen ist über alle Maßen genial und thront nunmehr auf der von Waltraud verschmähten zweiten Etage des Kratzbaums. Das kleine Schränkchen, welches ich während der zweiten Runde (auf dem Weg zum großen Schrank und der Kommode, wegen denen wir nochmal losgefahren waren) spontan eingesammelt hatte, steht wie geplant auf dem Bett und ist bestückt mit Kaffeeutensilien. Und die Kanne der am gleichen Abend bei unserer Hauptcontainerquelle eingesammelten Maschine wartet darauf, dass die Spülmaschine voll wird, um dann zusammen mit den Kaffeefiltern, die ich R heute beauftragt habe seinen Eltern abzuluchsen, unseren Traum endgültig wahrzumachen: Kaffee im Bett. Es ist der helle Wahnsinn, wie sich mit dieser einen Monstertour in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mein Lebensstandard wieder mal gesteigert hat. Und ich freue mich wie ein Schneekönig auf den Moment, in dem ich R die Kaffeekonstruktion kredenze. Oh, wie wird das episch.

Eigentlich müsste ich, damit es perfekt wird, noch den Balken von der Wandseite des Bettes abmontieren, dann kann das Schränkchen noch 10 Zentimeter weiter nach hinten und nimmt noch weniger Platz weg. Nicht dass auf unserem Bett der Platz ein riesiges Problem darstellen würde; selbst mit unserer 1,40-Matratze liegt immer noch ein großer Teil der Bettfläche brach und ist vermutlich genau so glücklich wie ich darüber, wenn er endlich mal ordentlich genutzt wird.

Heute habe ich, meinem gestern gefassten Entschluss gemäß, das Bad geputzt (nur die Badewanne fehlt noch, weil ich die Fugen darüber mit Schimmelentferner eingesprüht habe, der noch einwirken muss) und die Produkte auf der Ablagefläche vor dem Spiegel neu geordnet. Auf dem Rückweg von der Therapeutin am Donnerstag habe ich ein wunderbares Gestell mit verschiedenen Fächern und sogar einer kleinen Schublade eingesammelt, das sich optimal zur Aufbewahrung von Kosmetikzubehör eignet. Dieses habe ich nun ins Programm aufgenommen und mit Pinselchen, Kajal, Mascara, Abschminktüchern sowie meinen am meisten genutzten Lidschatten befüllt. Ich hoffe ja so halb, dass mich das motiviert, mir überhaupt mal wieder die Mühe zu machen, mein ganzes Schminkzeug auch zu benutzen.

Als Nächstes werde ich mich eine Stunde zum Unbabeln bewegen, um mir anschließend irgendeine CD zu bestellen, die ich wirklich gut in meiner Sammlung gebrauchen könnte. Davon gibt es viele, und da ich seit Papas Besuch auch ein neues CD-Regal habe (welches Mama vor ‚zig Monaten mal für mich vom Sperrmüll aufgesammelt hat), sind nun endlich wieder die entsprechenden Kapazitäten vorhanden, die ich für die Sammlungserweiterung dringend benötigt habe. Und für die Finanzierung des Ganzen sorgt vor jeder Bestellung eine Stunde Unbabel. Gut, oder?

Also, ich bin zufrieden. So könnte es weitergehen.

Gewissensfrei

Standard

Mir geht es wesentlich besser, seitdem ich diese Praktikumsbewerbung abgeschickt habe. Ich tue jeden Tag etwas Schönes. Gestern und vorgestern habe ich neue Ohrhänger produziert, stundenlang, und dabei in der Sonne gesessen und (im Falle der ersten Session) später dann in der Dämmerung und mich von Mosquitos attackieren lassen, während ich fluchtartig meine Perlen- und Werkzeughaufen zusammensammelte und nach drinnen verschwand.

Außerdem ermöglicht mir die Abwesenheit (fast) jedes schlechten Gewissens bezüglich anderer Dinge, die ich prokrastiniere, überhaupt erst wieder so viel mehr Tätigkeiten wirklich auszuführen. Es ist tatsächlich der Fall: Ich bin beim Prokrastinieren immerzu von meinem Gewissen geplagt. Helfen tut da nichts als die Flucht in die Gegenrichtung: Verdrängung durch Zocken oder Schlafen. Wirklich etwas Anderes zu tun kann ich mir nicht erlauben, solange noch irgendetwas Anderes ansteht, und sei es die absurdeste Kleinigkeit. Dinge, die mir guttun, dürfen natürlich nicht auch nur im Ansatz vollzogen werden, bevor die zu erledigende Aufgabe abgehakt ist. Diese wiederum zeigt sich störrisch und wird immer unerledigbarer. Ich fühle mich schlecht und muss verdrängen.

Jetzt mache ich Sachen. So gewissensfrei war ich zuletzt nach dem Bachelor, als ich wohl zum ersten Mal im Leben wirklich nichts, aber auch gar nichts zu tun gezwungen war. Nichts lag vor mir, auf das ich mich hätte vorbereiten müssen. Nichts lag hinter mir, das ich noch hätte nachbereiten müssen. Es war ein Segen. Schade nur, dass das Ganze genau zwei Wochen anhielt, bis auch schon das Trudi-induzierte Stromdesaster hereinbrach und das mehrmonatige Dauertief des Grauens mit sich brachte. Auf einmal war da gar nichts mehr zu tun außer Warten. Das ist immer das Beste. Wissen, dass du zwar so ungefähr die Welt verbockt hast, aber nichts geraderücken kannst, weil das traurige Endresultat deines Verbockens eben in vergangenen Fehleinschätzungen begründet ist und du mit den dadurch in Effekt getretenen Faktoren nichts, aber auch gar nichts zu tun hast und somit nichts, aber auch gar nichts dafür tun kannst, dass das solcherart Verbockte wieder geradegerückt wird. Also Warten. Da hatte Laura schon Recht, Warten ist furchtbar. Da griffen dann auch die altbewährten Methoden der Verdrängung. Zocken und Schlafen. Vor allem Letzteres.

Jetzt also, jetzt tue ich Dinge. Alles, was ich will. Ich lese über Pflanzen und schaue Filme mit R und verbringe Stunden auf der Terrasse und kenne jede Kellerassel da draußen beim Namen und bewerbe mich bei Nachhilfeorganisationen und mache mir nichtmal mehr Sorgen um meine Finanzen, weil (auch, wenn es nett gewesen wäre, am Ende noch ein bisschen von dem Angesparten übrig zu haben) ich auf jeden Fall genug habe, um über dieses nächste Jahr noch zu kommen, und dann, im Falle, ich kann mit der Ausbildung beginnen, auf jeden Fall wieder regelmäßig (und bei Weitem) genug zum Leben bekomme. Ich nutze meine Kamera (was auch darin begründet sein mag, dass mein Handy wahrscheinlich immer noch bei Basti liegt) und mache Musik und habe zum ersten Mal seit über zwei Jahren Impulse für neue Melodien, die ich verwirklichen kann. Bevor ich schlafen gehe, lese ich noch ein paar Seiten – jetzt, wo ich so selten aus dem Haus komme momentan (und wenn, dann meistens in Begleitung), habe ich ja nicht die Möglichkeit, im Bus zu lesen.

Ich habe mal wieder etwas über Facebook verschenkt – einen Bund Estragon und die dazugehörige Pflanze nämlich – und damit zwei netten Leuten eine Freude machen können. Ich habe mich dazu durchgerungen, den Karton mit faulen Eiern aus dem Keller zu entfernen (und glaub mir, es war nötig). Ich nehme kaum Alkohol zu mir, außer der halben Flasche von Beccis Bratapfellikör über die letzten Abende verteilt. Das freut mich immens, vor allem aber auch, dass ich es der generellen Abwesenheit von Bier in unserem Haushalt zu verdanken habe, seitdem sich R eines Tages entschlossen hat, sein täglich Bier durch alkoholfreies zu ersetzen.

Patrick geht demnächst an seinen alten Wohnort zurück und lässt uns somit in absehbarer Zeit wieder zu unserem eingespielten Zweieinhalb-Personen-Haushalt zusammenschrumpfen. Ich kann es kaum erwarten. Auch wenn Patrick nicht ganz so schlimm ist wie Arne letztes Jahr, werde ich ungeheuer erleichtert sein, wenn ich das rosa Zimmer wieder uneingeschränkt nutzen kann. Immerhin steht mein Kleiderschrank dadrin und noch ein paar andere lebenswichtige Dinge. Und da es mir höchst zuwider ist, in das Zimmer reinzugehen, solange jemand darin schläft, zockt oder sich sonstwie aufhält, fühle ich mich von Teilen meines Zuhauses auf fast so unangenehme Weise abgeschnitten wie damals durch Trudis Stromfail. (Kleiner Unterschied: Mehrmals am Tag verlässt Patrick das Zimmer, wenn auch nicht gerade so häufig, wie es mir lieb wäre, und ich kann schnell reinhuschen und mir Sachen holen und andere Dinge hineinbringen. So halte ich in meinen Klamotten eine ganz akzeptable Ordnung und komme immerhin irgendwann am Tag dazu, mich umzuziehen.)

The Other Side of the Towel

Standard

Es ist schon eine Arbeit, nicht lethargisch zu sein.

Mein Rücken fand das exzessive Rotieren die ersten beiden Tage nicht so lustig; heute macht er schon weitaus weniger Zicken. Es ist ja auch nicht, als würde ich mich in Grund und Boden schuften, aber ein wenig Aktivität musste er doch aushalten, der Gute, weil man es eben schon merkt, wenn man über Wochen nur die Oberflächen-, nicht dagegen die Tiefenstruktur eines Haushaltes instandgehalten hat, wenn überhaupt.

Ich habe allerdings im Zuge meiner derzeitigen AVES-Anwandlung schon beeindruckende Erfolge gefeiert. Dazu zählt:

  • Ich war bisher bei 4 von 6 Veranstaltungen in der Uni. (Dass ich es am Montag nicht gepackt habe, hinzugehen, hat mich ja überhaupt erst so frustriert, dass ich diese radikale Maßnahme daraufhin ergriffen habe. Und der Griese-Kurs gestern Abend… ganz ehrlich, Griese bringt nichts. Nichts.)
  • Ich habe mich allerhand unangenehmen Tatsachen gestellt, wie zum Beispiel dem Terminologieprojekt von Nespral. Mit wenig Erfolg bislang, aber das ist in meinem Fall wirklich zweitrangig.
  • Ich kann nunmehr meinen Schal und meine Jacke im Bus ausziehen, wenn mir zu warm ist. Ebenso gelingt es mir, mich mit der äußeren Seite des Handtuchs abzutrocknen. (Ha, Alien, du kannst mich mal.)
  • Weiterhin schaffe ich es, vor der Uni der Katze etwas zu fressen rauszustellen, damit es auftauen kann, während ich weg bin. Ich bin außerdem in der Lage, vor der Uni die Waschmaschine anzuschmeißen und andere kleine Haushaltssachen zu erledigen.
  • Ich schiebe keine Korrespondenz auf die lange Bank. Mal davon abgesehen, dass ich keine Zeit mehr habe, das Handy abzunehmen, wenn mich Basti anruft, weil ich so sehr damit beschäftigt bin, all die durch mein glorioses Nichtstun entstandenen Feuer auszuschlagen. Aber das wird wieder.

Zugegebenermaßen habe ich mir auch einen übermenschlich schönen Poncho und zwei Kleider bei Ebay Kleinanzeigen bestellt, was mich insgesamt knapp 30€ gekostet hat, obwohl mein Budget für Luxusausgaben nur aus 15 bestand. (Die hatte ich am Sonntag mit Becci auf dem Flohmarkt erwirtschaftet – eigentlich hatten wir 45€ eingenommen, davon musste ja aber die Standgebühr (15) abgezogen und der Gewinn selbstredend am Ende geteilt werden, schließlich hätte ich ohne Becci erst gar nicht die Möglichkeit gehabt, am Flohmarkt überhaupt teilzunehmen, geschweige denn irgendetwas von meinem Kram dort zu verkaufen. (Außerdem ist es wohl logisch, dass ich mehr Zeug verkaufe, wenn sie gerade mal ein Zwanzigstel der Menge an Sachen da liegen hat.)

Jedenfalls sollte mir das wohl ein schlechtes Gewissen bereiten. Leider sieht mein Gewissen das anders und tröstet mich mit dem Hinweis darauf, dass Becci nächstes Wochenende schon wiederkommt und wir den nächsten Flohmarkt unsicher machen werden. Der dann hoffentlich von mehr Kundschaft und weniger Regen geprägt sein wird.

Nun sollte ich mich allerdringendst an die Übersetzung für den 8.30-Kurs machen, den ich morgen zum ersten Mal besuchen werde. Hallelujah, wie ich mich freue. Der Text ist ein Desaster und die Uhrzeit… sowieso. Aber gut, da muss man dann wohl durch.

An meinen eigenen Haaren

Standard

Und das Aller-, allerwichtigste:

  • Ich muss meine Neurosen bekämpfen.

Ich habe es heute versucht und dabei erst gemerkt, dass und wie sehr ich mir täglich das Leben so unfassbar unnötig erschwere. Ich hinterfrage mich andauernd, trotzdem scheine ich einen riesigen blinden Fleck an der Stelle (gehabt) zu haben, an der das Alien in meinem Kopf zu Hause ist. Da werde ich ordentlich was rausholen können.

Davon ab: Meine To-Do-Liste für den Tag wird an dessen Ende zwar nicht vollständig abgearbeitet sein, aber ich habe trotzdem keine Sekunde verschwendet. Gegen Mittag (in etwa, als ich in die Uni bin) kam sogar die Sonne mal wieder heraus, fast, als wollten mir die Wolken einen Gefallen tun und hätten sich in voller Absicht verzogen.

Es funktioniert ganz prächtig. Ein paar grundlegende Regeln werde ich mir nicht umhinkommen aufzuerlegen – ich werde die Disziplin aufbringen müssen, zu Hause keine Handyspiele mehr zu zocken, sonst kann ich eh alles Andere vergessen – und der Rest erledigt sich schon irgendwie, solange ich nur nicht in die Lethargie zurückfalle. Ich habe vorhin darüber nachgedacht, während ich (was überfällig war und sogar auf meiner Liste stand) das Altglas zum nahegelegenen Container getragen habe, und kam zu dem Ergebnis, dass ich – so vong Selbsreflezion her – wohl einer der besser für die Selbsttherapie geeigneten Menschen sein dürfte. Also nichts wie angefangen. Und das habe ich heute geschafft.

Also, meine Regeln lege ich noch einmal schriftlich fest wie folgt:

  1. Keine Handyspiele in der Wohnung.
  2. Kein AOE unter der Woche.
  3. Vor elf Uhr aufstehen, auch wenn ich keine Uni habe oder erst später losmuss.
  4. Keinen Alkohol mehr kaufen.
  5. Dinge prinzipiell genau so erledigen, wie es am sinnvollsten ist. Nicht auf das Alien hören.

Das wird Arbeit. Aber sie ist machbar.

Ich darf faul sein. Noch ist Winter.

Standard

Es ist so grau mal wieder da draußen, dass ich mir nicht einmal böse bin, heute bisher original nichts getan zu haben. Wenn man von dem Versuch, mich auf der Webseite der Post zu registrieren, um mir online Briefmarken erstellen zu können, einmal absieht (die Registrierung war notwendig, um das Lastschriftverfahren nutzen zu können, aber die Seite wollte mein gewähltes Passwort einfach nicht gelten lassen und behauptete stur, es würde nicht den Sicherheitsanforderungen entsprechen, obwohl es vier von vier Bedingungen erfüllte und beim Erstellen „sehr sicher“ drunterstand. Yay, wie ich so etwas liebe – wer nicht? Dementsprechend enthält dasjenige Passwort, das die Seite dann lustigerweise lieber akzeptieren wollte, eine wüste Beleidigung und nicht mehr Sonderzeichen als vorher).

Gestern dagegen, nachdem sich Basti wieder nach Hause aufgemacht hat, war ich wenigstens pseudoproduktiv. Ich hatte mir am Montag im Mannheimer Oxfam-Laden eine Kette gekauft, die ich dann gestern zur Ohrhängerproduktion auseinandergenommen und gleich weiterverarbeitet habe; ich habe so viele Ohrhänger produziert gestern, dass mir die Hänger ausgingen und nun etliche fertige Exemplare noch in der Kiste darauf warten, dass ich mir neue bestelle. Gute Idee, das könnte man gleich einmal tun. Hier sind jedenfalls die vier, die noch das Glück hatten, Hänger abzubekommen. Die neuen Perlen sind die dünnen, länglichen, schimmernden weißen und blaugrünen am ersten und dritten Paar von rechts, ein guter Fang, wirklich.

Ohrhängerchen.jpg

Einen weiteren Erfolg habe ich gestern gefeiert: Mein erster verkaufter Artikel bei Ebay Kleinanzeigen! Absurd, wie ich mich gefreut habe, dass jemand mein aufblasbares Reisekissen haben wollte, das mir Sarah und Pedro mit Hinblick auf meine, äh, Namibia-Reise vor zwei Jahren zum Geburtstag geschenkt hatten. Trotzdem, ich habe meine ersten 10€ verdient und somit einen ersten Schritt dahingehend getan, meine Bestell-Eskapaden der letzten Wochen wieder zu kompensieren. Und weitere werden folgen, da bin ich ganz zuversichtlich – bei dem ganzen wunderbaren Krempel, den ich noch dort vorhabe hochzuladen.

Was noch? R hat mich allen Ernstes gefragt, inwieweit er mir bei meiner Hausarbeit mentale Unterstützung zukommen lassen soll; ich war verblüfft und meinte zu ihm, hätte ich das auch nur ein Mal während meiner Bachelorarbeit zu hören bekommen, hätte ich die vermutlich doppelt so schnell geschrieben. Aber was wundere ich mich überhaupt; es ist ja nicht, als wäre er noch der gleiche Mensch wie in Konstanz. Ich lobpreise mein Schicksal sowieso täglich für die Wandlung, die er nach dem Umzug vollzogen hat. Und stelle im direkten Anschluss daran meistens fest, dass ich mich dafür ganz schön hängen lasse. Aber es tut so gut, weißt du, sich nicht immerzu anstrengen zu müssen. Ich habe ein bisschen Hängenlassen redlich verdient. Solange ich irgendwann – und spätestens dann, wenn es Not tut – auch wieder damit aufhöre.

Und die Sonne kommt raus!

Standard

Wenn alle Zutaten für Irish Coffee im Haus sind, man es geschafft hat, sich vor halb vier aus dem Bett zu bewegen, die To-Do-List für den Tag vor schönen Aktivitäten nur so strotzt, am Abend für geschlagene vier Tage der allerbeste Nebatxo zu Besuch kommt und das Pegglespielen erfolgreich unterbrochen wurde, obwohl das Handy noch Akku übrig gehabt hätte…

20170223_1201341.jpg

Dann wird es ein guter Tag.

Ich habe noch nie Krautwickel gemacht, aber erachte es für zwingend notwendig, mir diese Fähigkeit anzueignen (die Köstlichkeiten von Trudis Mutter habe ich in bester Erinnerung und dementsprechend auch explizit nach rumänischen Rezepten gegooglet) – der DDR-traumatisierte R wird davon weniger begeistert sein, aber zu meinem Glück dann hoffentlich auch weniger essen.

Nachdem ich neulich die wunderwunderschönste Ohrhängersession der Welt hingelegt habe – komplett mit aufgeräumtem Wohnzimmer, marokkanischen Lampen und Kerzen überall, Räucherstäbchen und (halte dich fest) Meditationsmusik, kann das, was ich für heute angedacht habe, zwar kaum mithalten, wird mir aber trotzdem mindestens zwei neue Paar bescheren (das Konzept steht schon). Die stehen mir dann zwar nicht, bei den Perlen, die ich vorhabe zu verwenden, aber wer weiß, vielleicht läuft mein lang geplanter Verkauf ja irgendwann doch mal an. Ich lasse es dich wissen. 😀

Nun aber ran ans Werk! Der Irish Coffee ist vertilgt. Katze von meinem Schoß vertreiben und aufi.

Someone’s stuck in shit, and naturally…

Standard

Was zum Geier ist mit mir verkehrt? Ich hab Klausuren nächste Woche; Freitag, Samstag und/oder Sonntag Termine und trotzdem nichts Besseres zu tun, als Kepa anzubieten, ihm für seinen Umzug von Hamburg nach Kempten am Freitag packen zu helfen.

Warum tut man das? Was zur Hölle? Ok, ich hätte es nicht gemacht, würde nicht die altbekannte Nachtbuslinie von Touring in neun Stunden von hier aus direkt hochfahren. Und mir ist eigentlich vollkommen klar, wieso ich das tue. Es ist die simple Tatsache, dass er sich beklagt hat. Über Faulheit. Das Phänomen, welches sich bei beiden von uns als teuflische lethargische Lähmung äußert, die über „ach nöö, kein Bock“ so endlos hinausgeht, dass ich fast so weit gehen würde, zu behaupten, diese beiden Gemütszustände entstammen nicht einmal der gleichen Art von Regung. Oder eher Unregung. Anti-Regung. Nicht-Regung. I know I would have wanted an offer like that.

Sodass also zu eben dieser simplen Tatsache, dass Kepa sich offen beklagt hat – und wenn einem Kepa anvertraut, dass etwas grad nicht so läuft, ist die Kacke am Dampfen – noch das Wissen um die widerliche Machtlosigkeit kommt, die ihn daran hindert, seinen Kram jetzt und sofort in Kisten zu packen. Falls er überhaupt schon welche hat. Wenn nicht – wundern würd’s mich kaum.

Und jetzt das Allererschreckendste: Er hat es angenommen. (Nachdem er mich zweimal aufforderte, mir gut zu überlegen, was ich da tue.) Das offenbarte mir erst das wirkliche Ausmaß seiner Verzweiflung. Er muss in einem so dermaßen bodenlosen Loch gehockt haben, der Mensch. Hm. Wäre mir das widerfahren, hätte ich jetzt vermutlich genug Tatkraft wiedererlangt, um es doch noch allein zu schaffen. Immerhin hat er sich direkt aufraffen können, sich fest für morgen vorzunehmen, einen Transporter zu buchen. In our world, that means a lot. Gedankliche Konfrontation des Krisenthemas can go a long way.

Vermutlich lag meiner Hilfsbereitschaft auch zugrunde, dass ich mich selbst gerade wieder gerafft habe. Auch wenn ich gestern nicht in der Uni war. Aber die Wohnung sieht jetzt aus wie ein anderer Planet als noch letzte Woche. Mein Rücken ist der Leidtragende meiner Produktivität; das ganze Wischen und Klettern aufs Hochbett und herunter vom Hochbett und Wuseln zwischen mittlerweile drei bewohnbaren Zimmern und Küche und Keller und Bädern war nicht sehr lieb zu ihm. Aber oh, wie es sich gelohnt hat. Allein im Schlaf- und im rosa Zimmer muss noch gewischt werden, alle anderen Räume sind blütenrein. Es sieht so schön aus hier. Ich habe Teelichter und ein Räucherstäbchen angezündet zur Feier des kleinen Wunders.

Und ich habe auf dem Hochbett umgeräumt, sodass nun das Nachtschränkchen leichter zu erreichen ist, ohne dass man ans Fußende greifen muss, und es steht mein altes Beistellregal daneben, um uns mehr Ablegemöglichkeit zu bieten. Und natürlich habe ich auf dem Bett gesaugt und es neu bezogen. (Ja, man muss tatsächlich gelegentlich darauf saugen, weil es ja aus durchgehenden Spanplatten besteht. Dafür ist untendrunter wesentlich leichter zu reinigen, oh the joys of elevated beds.)

Nun habe ich noch immer eine halbe Stunde, bis R nach Hause kommt. Seitdem er diesen Job hat, ruft er mich zuverlässig fast jeden Tag an, wenn er dort rauskommt, eine völlig unerwartete und erfreuliche Neuerung.  So weiß ich dann auch immer, wann ich mit ihm rechnen kann. Und ich bin glücklich, denn es ist schön hier und ich muss kein schlechtes Gewissen haben wie an all den Tagen, die ich zockend auf der Couch verbracht hatte, wenn er von der Arbeit wiederkam.

Okay. Morgen erfahre ich dann, ob meine Dienste als Notfallpackerin wirklich in Anspruch genommen werden; dann kann ich mich darum kümmern, meine Wochenendtermine zu verlegen und mich wiederum mental und buchenderweise auf die Fahrt nach HH vorbereiten. Aus allen Gründen, die ich hätte, um in Hamburg aufzuschlagen, als jemand, der vierzehn Jahre seines Lebens in der Ecke verbracht hat… Ich hätte nicht gedacht, dass es gerade ein Umzug sein würde, der mich da nochmal hinführt.

You’re the villain, but you play the victim…

Standard

…Oh, ich liebe sie.

Ich habe mir mal wieder Zeit genommen, zumindet die wichtigsten Menschen per Computer zu kontaktieren, und sitze hochzufrieden in der Küche mit einem Gefühl der Produktivität, das wohl vor allem da herrührt, dass ich unerwarterweise nach R’s Weckerklingeln um halb neun Uhr hellwach war und durch direktes Aufstehen eine unheimliche Menge an Zeit zur Verfügung hatte. R war von meinem Wachheitsgrad aufs Übelste irritiert; er ist es gewohnt, mich vor elf nicht im wachen Zustand zu erleben und dann mühsam aus dem Schlaf holen zu müssen. Heute trieb ich ihn aus dem Bett, machte ihm Kaffee und Frühstück und provozierte durch die ganze Aktivität seine Aussage, das würde also dabei herauskommen, wenn seine Freundin früh morgens herumspränge wie ein Reh auf Ecstasy. Ich wiederum ließ mich von dem Segen des Aufstehenkönnens in luftige Stimmungshöhen hinaufkatapultieren, machte mich fertig, während R anfing zu arbeiten, brachte eine Tüte Pfand zum Edeka am anderen Ende der Straße, setzte mich (das warme Wetter mit einem luftigen Sommerkleid zelebrierend) an den Fährhafen und genoss das Leben, bevor es mir dann doch zu frisch wurde und ich mich wieder in die Wohnung verzog. Dort angekommen, war ich einen Moment lang ratlos, was nun zu tun war. So viel Zeit…!

Auf diese Weise landete ich schließlich am hellichten Tag vor dem Computer und brachte mich endlich wieder dazu, ein paar Facebooknachrichten zu schreiben sowie Beccis E-Mails zu lesen und enthusiastisch zu beantworten. Die wunderbare Becci. Sie hat sich zur Vollblutcontaineraktivistin entwickelt und schickt mir nun regelmäßig Fotos von ihrer Ausbeute. Ich kann mich daran gar nicht sattsehen. (Sie sich aber sehr wohl daran sattessen, solche wunderbaren Mengen sind es.)

Zwei Gläser Paprika sind außerdem eingelegt; eigentlich wollte ich danach Kekse backen (nach einem Rezept, das mir Becci geschickt hat; sie hatte die köstlichsten veganen Nougatkekse mit, als sie neulich hier war), bloß fehlt mir dafür das Kakaopulver, und ich wollte mich doch ausnahmsweise mal genau ans Rezept halten.

Also sitze ich stattdessen schreibend hier, höre nebenbei weiter Billy Talent (inzwischen das erste Album) und lasse es alles ganz ruhig angehen, bis R irgendwann mit Arbeiten fertig ist und wir uns um die von Basti und mir gestern zu drei Vierteln gestrichenen Wände meiner Noch-Wohnung kümmern können.