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Sustraiak han dituenak

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Sicher erscheint es ein wenig überdramatisch, ein Lied von dieser Thematik einer Situation zuzuschreiben, die einen für ein paar Wochen aus einem Wirkungskreis herauskatapultiert, der sich nicht über Landes- oder ethnische Zugehörigkeit definiert, der weder von Brauch noch von Kultur bestimmt wird, der nicht einmal auf Dauer dem eigenen Zugriff entzogen ist.

Ich tue es trotzdem. Mit einem Mal verstehe ich eine weitere Facette der immer wieder auftretenden Heimatfrage, diesmal, dass es die Sicherheit ist, die einem mit ihr genommen wird; die täglichen Routinen, die einem diese vermitteln. In meine Wohnung komme ich nach wie vor, aber wirklich sein kann ich dort nicht; sie ist auf ein Leben ohne Elektrizität nicht ausgerichtet und ebensowenig bin ich es. Noch weniger, indes, ist es mein Freund; ihm hinterher verlagert sich mein Leben temporär in seine eigene zuvor durch uns aktiv unbewohnte Wohnung, wo ich in Untätigkeit und Warten verfalle – verfalle, versinke, verkomme, weil mir mein Leben fehlt, welches sich aus unzähligen Tätigkeiten zusammensetzt, alle vollführt im Umfeld meiner Wohnung, mit Gegenständen verschiedenster Natur, in Ecken und Winkeln und auf den unterschiedlichsten Ebenen, über der Erde, unter der Erde, auf Stühlen, Tischen, Regalen. In Dosen, Rucksäcken, Plastiktüten, Papiertüten, Stofftüten, Keller, Garten, Küche. In Ruhe, in Bestimmtheit, in Bewegung. Das vor allem; ich habe mich in den letzten Jahren durch Bewegung vor dem Versumpfen gerettet und gelernt, mein Dasein zu Hause mit Aktivität zu füllen, mit Kleinigkeiten, die mir Freude bereiten, die mir auch Gewissheit geben, etwas für mich zu tun, vielleicht sogar für Andere zu tun. Das Frühlingserwachen, in Gang gesetzt durch meine Reise nach Portugal, wurde durch die Vorkommnisse im Ansatz erstickt und ins Gegenteil verkehrt. Schlafen, um das Warten nicht mitzuerleben, das Warten und die ganze Untätigkeit nicht, aus der ich mich selbst in der Lage sein sollte zu befreien, was mir bedingt gelingt, aber sehr bedingt eben auch nur.

Nachdem gestern die Zeit (neben sehr viel, zu viel Schlaf) erneut zur Reflektion und Verarbeitung der wenige Tage vorher in furchtbar kurzen Abständen stattgefundenen Dramen genutzt werden konnte, wurde ich am Abend erneut von meinen Eltern eingesammelt und verbringe somit das zweite Wochenende in Folge in ihrer Schweizer Wohnung. Aktuell mit ihrem Laptop im Bett und Laboa in den Ohren. Zwei Wochenenden in Folge, das musste ich auch erstmal schaffen.

Und es ist nicht sonderlich einfach hier; vielleicht komme ich irgendwann dazu, die skurrile Welt zu erklären, die sich meine Eltern (meine Mutter in erster Linie) hier aufgebaut haben, fürs Erste genüge aber die Feststellung, dass – auch wenn man nicht mehr darüber spricht, zumindest mit mir nicht – in unverminderter Intensität ihre post-2011-Realität sich hier weiter fortsetzt, während die Chancen auf Besserung ihren fröhlichen Tanz um die Null wie eh und je mit bewundernswerter Begeisterung vorführen.

Man müsste natürlich nicht so meckern. Genausogut könnte ich sagen: Mein eigener Tiefpunkt ist hoffentlich überwunden. Und auch hierzulande ist nicht alles katastrophal. Der Vormittag, Mittag, Nachmittag und erste Teile des Abends liefen eigentlich gut, ohne besondere Vorfälle der negativen Art. Wir waren in der Stadt und haben eine riesige Tour durch sämtliche Brocki-Häuser (die nette Schweizer Bezeichnung für Second-Hand-Läden) und noch einen Flohmarkt gemacht, wo ich dann auch gleich ein phänomenales, praktisch nagelneues Desigual-Kleid in meiner Größe abgestaubt habe. 12 Franken. Neu. Nicht übel, wirklich nicht. Plus, ich werde ja hoffentlich bald, wenn ich eine neue Wohnung habe und ein neues Zimmer, mir auch einen etwas größeren Schrank da hineinstellen können, sodass es auf die eine zusätzliche Sache darin auch nicht sonderlich ankommt. Ich habe mir ja seit Ewigkeiten keine Anziehsachen mehr zugelegt. Im Grunde habe ich ja auch wirklich alles, was ich brauche, und das zur Genüge. Aber Desigual-Kleid. Grün-blau-wunderschön gemustert. Es wäre nicht zu verantworten gewesen, das nicht zu nehmen.

Morgen ist nicht nur Wählengehen angesagt (was ein linker Verrückter / verrückter Linker als Freund und ein genau richtig platzierter Vortrag von Frank Tempel, zu dem ich mich Anfang der Woche glücklicherweise trotz heftiger depressiver Verstimmungen bewegen konnte hinzugehen, nicht alles anstellen können mit einem unorientierten Nichtwähler wie mir), sondern es ist auch Nicoles Geburtstag. Ich sollte sie mal anrufen, auch wenn wir ansonsten nicht mehr wirklich dazu kommen, uns zu unterhalten. Hauptsache, sie weiß, dass ich sie nicht vergesse.

Nun bin ich erst einmal froh, den Schreibunwillen noch überwunden zu haben, werde mich jetzt jedoch dennoch wieder dem schicksalshaft zufällig aus dem Regal gegriffenen „A Long Way Down“ widmen, welches ich in weiser Voraussicht hierher mitgebracht habe. Ein Gutes hat diese Sache also noch: Ich fühle mich nicht in der Lage, aus Eigeninitiative heraus mit Menschen zu interagieren, und komme zum Lesen. Lesen ist super. Wenn Schlafen nicht mehr geht, geht Lesen. Abschalten und sich überrollen lassen – nicht die Taktik, mit der man Dinge geschafft bekommt, aber zum Einfach-erstmal-Überleben definitiv geeignet und unbedingt empfehlenswert.

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The other side

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Tja. Jetzt bin ich in der Wohnung meiner Eltern und durfte schnell mal wieder feststellen, dass Dysfunktionalität leider nach wie vor deren Existenz bestimmt und somit auch meine für die Dauer meines Hierseins. Ich werde das jetzt überleben, heute Abend mit Sarah die Vernissage musikalisch untermalen und dann wieder verschwinden, genau wie geplant.

Aber es könnte schöner sein.

Eigentlich wollte ich zurück nach Hause, sobald ich hier ankam. Einzig das Wissen um R’s mannigfaltige Pläne für den heutigen Tag hat mir genügend Vernunft eingebläut, beim Vernehmen der knochendurchdringenden furchtbaren Geräusche, der reinsten Essenz von Schmerz und Verzweiflung, die unten aus dem Schlafzimmer kamen, nicht sofort meinen Vater zu zwingen, mich zurückzufahren. Das und die Tatsache, dass es nicht lange dauerte. Ich ertrage das heutzutage nicht mehr. Ich habe es früher genau so wenig ertragen, aber bevor ich den Abstand hatte, dachte ich, es müsste so sein.

Ich gehe mal schauen, ob sich von diesem Tag noch irgendetwas retten lässt. Als die Stabilere von uns sollte ich meiner Mutter den Gefallen tun und von mir aus auf sie zukommen, wenn ich irgendeine wenngleich kurzzeitige Besserung hier erzielen will. Auf auf zum fröhlichen Ins-Messer-rennen.

Zurück.

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So. Ich bin zu Hause, hundemüde, aber (oder vielleicht „und daher“) irgendwo zwischen halb- und viertelwegs guter Dinge, und stehe vor der schlichtweg nicht zu bewältigenden Aufgabe, bis morgen um ein Uhr meine Wohnung aufgeräumt und geputzt sowie mir irgendeine Methode ausgedacht zu haben, die mittlerweile auf sieben Individuen geschrumpfte Mannschaft darin zu beherbergen. Aber das wird schon.

Caro hat mir abgesagt und JO auch, aus Zeitgründen.

Heute Früh war irgendwie unschön. Nach vier Stündchen Schlaf konnte ich kaum meinen Handyweckton als solchen identifizieren und wurde von Panik attackiert, keine Minute nachdem ich es dann doch geschafft hatte, ihn auszustellen. Papa kam rein, um mich zu wecken, aber ich war unfähig aufzustehen. Da hatte es mich offenbar aus dem Hinterhalt mit voller Wucht erwischt, das Ding, das am Abend davor so verdächtig leicht zu zähmen gewesen war.

Ich ging runter, sagte Guten Morgen zu Mama und vergaß in derselben Sekunde, dass ich sie überhaupt gesehen hatte. Unten angekommen stopfte ich mir schnell etwas Müsli rein, während Papa schon im Flur auf mich wartete, um mich zum Bahnhof zu fahren. Auf einmal war Mama unten und ich sagte ihr verwirrt Guten Morgen, woraufhin sie mich darauf hinwies, dass ich dies bereits zuvor getan hatte, und geradewegs in einen depressiven Anfall überging, da sie aus meinem Erstaunen ob ihres Anblicks geschlossen hatte, ich wäre gefahren, ohne mich zu verabschieden (womit sie wohl Recht hat; hätte sie nun tatsächlich noch geschlafen, wäre ich wahrscheinlich ohne sie zu wecken abgehauen. Aber aus Rücksichtnahme, nicht weil sie mir egal wäre. Aber wem sage ich das; ich schätze, dem Rest der Welt ist das klar. Ihr nicht, also befürchtete ich schon fast ein erneutes Drama, aber es konnte ebenso nochmal abgewendet werden). Natürlich hatte sie keinen Schimmer, wie es mir gerade ging. Also könnte ihr gerade nochmal verziehen werden, wie sie meine Verplantheit schon wieder volle Kanne als Beleidigung ihrer Person auffasste. Anstrengend, ich sag’s dir.

Oh Shit. Ich muss schlafen.

Und meine Wohnung saubermachen.

Aber erstmal schlafen, ich bin ja schon gar nicht mehr denkfähig.

Kepa lebt gut, schreibt er. Das ist gut; das ist gut zu hören. Ich frage mich immer noch, wie sie in dem Haushalt so etwas wie eine „gute Grundstimmung“ überhaupt hinbekommen. Umso besser, wenn es trotzdem funktioniert.
Wobei ich mit meinen Eltern ja auch ab und an gute Tage erlebe. (Die ich dann wie Weltwunder feiere, aber trotzdem. Es gibt sie.)
Oder er verdrängt einfach. Was soll man eigentlich auch sonst machen in seiner Lage. Das ist es doch, was wir alle tun. So überleben wir. Deshalb ist Wegsein auch immer so viel einfacher.

Ich bin so müde, ich werde mir jetzt die Ohrhänger rausnehmen und den BH ausziehen und alles Andere einfach lassen, wie es ist. In demselben abgewrackten blauen Pulli schlafen, in dem ich schon die Zugfahrt verbracht habe. (Der absolut in jeder Hinsicht unvertretbare I DON’T FUCKING CARE ‚BOUT ANYTHING, ANYTHING AT ALL bis zum Himmel schreiende Hardcore-Gammelpulli von Cathy, den sie mir in Thousand Oaks geschenkt hat, als ich nichts Warmes dabeihatte und es in California auf einmal rekordverdächtige Temperaturtiefs gab – wie auch nicht; ich war schließlich da – und den ich noch nie zuvor im Leben an Orten anhatte, an denen er den Blicken der Öffentlichkeit ausgesetzt gewesen wäre. Aber – richtig, er schreit die Wahrheit – egaler hätte mir das heute nicht sein können.) Den ganzen Kramsch in meinem Bett liegen lassen. Mütze auflassen. Computer vielleicht gerade noch so herunterfahren.

Machen wir das doch.

Alda lan, wie fertig ich bin. Das darf man ja schon fast nicht unterbrechen, so eine kuriose Welt spielt sich in meinem Kopf gerade ab. Wie auch immer sich eine Welt in einem Kopf abspielen kann. Und irgendwie zitiert er mir Kepa und Lisa und Papa, alles Sequenzen aus den Gesprächen vom Freitag. Ich habe zu viel Gespräch geführt am Freitag. Nichtmal zu viele Gespräche, einfach zu viel Gespräch. Das zieht alles in Schwaden an mir vorbei wie wirre Träume.

Träume. Gutes Stichwort.

Ich muss darauf trotzdem noch tausendunddreimal eingehen, vorher lässt es mir ja eh keine Ruhe. Ich kenn‘ mich doch.

Fracaso total

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Alle Jahre wieder. Es scheint ohne Nervenzusammenbrüche einfach nicht zu funktionieren bei uns. Aber gut, damit wäre das jährliche Disaster nun abgehakt und den Rest des Tages überstehen wir auch irgendwie. Morgen bin ich dann schon wieder weg, und alles wird wieder gut. Ich bin ganz froh drum, weil im Zuge des Disasters ich immerhin Kepa geschrieben habe, dass ich es besser fände, wenn er hierherkommt statt ich zu ihm, immerhin bräuchte ich im Zug eine Stunde und er wahrscheinlich nur zwanzig Minuten mit dem Auto. So habe ich noch ein bisschen mehr Zeit mit meinen Eltern, die wir hoffentlich dramenlos verbringen.

Ich bin einfach geringfügig zermürbt davon, dass es keine Anstalten macht zu verschwinden. Das sind so Bilder reinsten Horrors, und sie wiederholen sich immer noch. Ich geb‘ jede Hoffnung auf; besser wird’s nicht mehr. (Naja, vielleicht wenn sie irgendwann zu Verstand kommt und sich Medikamente verschreiben lässt, aber das wird niemand von uns in diesem Leben noch erleben.)

Sie hat einen richtig miesen Humor, wenn sie weg ist. Weißt du, ich saß mit dem Kopf an ihren gelehnt und hab gruselige Quietschgeräusche gemacht – was man halt so für Geräusche macht, wenn man den unbändigen Drang zu heulen gerade ohne viel Erfolg zu kontrollieren versucht – und sie sagte, „Meine Sabrina kann viel besser singen.“ Sabrina, das bin ja ich, und das Problem an der Sache ist, sie erkennt mich meistens nicht mehr, wenn sie weg ist. Egal, ob ich den Anfall nun hervorgerufen habe oder nicht. Heute war ich es. Sie hat mich dann als „die Böse“ bezeichnet, die man noch schnell rausbringen müsste – „die Eiswürfel“ – bevor ihre Tochter zu Besuch kommt. „Meine Sabrina hat’s immer gern warm, ne?“ -Das zu meinem Vater, der auf ihrer anderen Seite saß und sie fest im Arm hielt. Wie es halt immer so ist. Und dann war sie irgendwann wieder da und sagte nur, „womit hab ich das denn verdient? Wenn ich doch immer nur alles scheiße mache.“ Weil sie immer meint, wir fänden sie so unglaublich scheiße. Und dabei nicht merkt, dass sie sich selbst so verhält, als fände sie uns nicht weniger scheiße. Dabei lieben wir uns alle über alles.
Das ist schon so ein bisschen schwer auszuhalten, muss ich sagen.

Ich weiß nicht, was ich Kepa gleich erzählen soll. Am Ende fang ich wieder an zu heulen. Offenbar bin ich jetzt ja wieder gut drin im Heulen. Wie absurd. Eigentlich weine ich gar nicht mehr, Medis sei (tausend) Dank. Aber hier oben schaffe ich es immer wieder.

So, jetzt ist wieder Panik dran. Whey, was für ein Leben! Bald, bald, bald bin ich zu Hause (yay! die Erste) und habe ganz, ganz viele liebe Leute um mich rum, deren Anwesenheit mich davon abhält, panisch zu sein. Yay! die Zweite. Darauf freu‘ ich mich. Und vielleicht, man weiß ja nie, schaffe ich es gleich, irgendwas über die Kepa-Gesamtsituation herauszufinden, das mir die Panik nimmt. Aber ich wage es zu bezweifeln.

Neues aus der Sintflut

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Hier bin ich. Und ich gehe jetzt nicht schlafen, obwohl ich todmüde bin, weil ich ganz genau weiß, dass ich so oder so bis zur angesetzten Weckzeit halb neun Uhr durchschlafen und mich hinterher immer noch nicht ausgeruht fühlen würde. Und das wäre doch Lebensverschwendung.

Es schüttet wie aus Kübeln, offenbar schon seit Tagen vor meiner Ankunft. Mitgebracht haben kann ich das Mistwetter auch nicht; bei uns war’s gestern ja noch strahlend sonnig und schön – seit Jahrzehnten mal wieder ein Tag mit überwiegend Sonne. Im Winter werde ich so wetterfokussiert. Die Sonne wird zum zentralen Punkt meines Denkens. Wenn sie scheint, drehe ich durch vor Euphorie, und wenn nicht, sinke ich in Löcher ohne Boden.

Die Bodenlosigkeit merke ich hier oben mal wieder besonders. Es ist bedeutend besser, als es mal war; das ohne Zweifel. Einfach ist es trotzdem nicht, mit Mama vor allem. Unser Verhältnis ist vollkommen gestört, trotz aller Liebe, die wir uns gegenseitig entegenbringen. Hätte sie die gleichen (wenngleich oberflächlichen) Fortschritte gemacht wie ich in den letzten paar Jahren, könnten wir bestimmt schon richtig gut und ansatzweise normal miteinander umgehen und würden uns nicht alle drei Minuten von neuem aus Nichtigkeiten hochdramatische Auseinandersetzungen schaffen.
Aber es wird nicht so schlimm, wie es mal war; das ganz bestimmt nicht. Das ist gut. Und sie machen ja beide inzwischen einen gefestigteren Eindruck, welchen ich mir zu bewahren gedenke, bis sich mir das Gegenteil beweist. Ich werde auch nicht fragen, wann sie das letzte Mal weg war. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich es einfach nicht mehr konfrontieren kann, weil mir sonst vermutlich jede Illusion platzt, dass sie inzwischen wieder lebensfähig ist. Und was ihre Athrose macht, will ich auch nicht wissen. Ich brauche eine Weile Pause von den Katastrophen.

Wir waren heute in Eutin, das neue Auto abholen. Ein drei Jahre alter Passat ist es geworden, mit hocheleganter, individualisierter Inneneinrichtung noch von den Vorbesitzern. Automatik. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben in einem Automatikwagen gesessen. Gefahren bin ich allerdings mit Mama im alten Auto, weil sie das neue Ding nicht im Dunkeln von Eutin zurückfahren wollte; das durfte Papa übernehmen.

Und gepackt habe ich heute schon; sie ziehen ja auch jetzt zum Januar um. Ich habe eine solche Unmenge meiner alten Bücher für die AWO aussortiert, dass es mir einfach nur in der Seele wehtat. Auch viele, an denen ich wirklich hing. Ich darf wirklich nicht dran denken, sonst stehe ich gleich wie ein Zombie auf und fange an, sie alle wieder aus den Kisten zu räumen. Die ganzen leeren Regale auf einmal hier bei mir im Zimmer.

Ich werde dann morgen, wenn wir in Hamburg sind, mal schauen, ob ich jemanden erwische, der gerade Zeit hat und sich mit mir treffen möchte. Es stehen Nicole, Simone und Mauritz zur Auswahl, welche ich vermutlich in genau der Reihenfolge morgen anklingeln werde. Lena ist auch hier momentan, aber die sehe ich ja theoretisch oft genug zu Hause unten. Wobei sie jetzt ja auch erstmal für ein paar Monate wieder weg ist; sie treibt sich in Norwegen herum und verbringt dort ihre herrliche freie Zeit zwischen dem Praxissemester und dem Anfang des nächsten.

Ich hoffe einfach, morgen nicht immer noch Panik zu haben, denn sie macht mich fertig. Mein ganzer Kopf macht mich fertig.

Burua su bihurtzen den gau beltzetan..

Es gibt um die dreitausend Dinge, die ich noch hätte schreiben können/sollen/wollen, um den Eintrag verständlich bzw einfach komplett zu machen, bloß bin ich mittlerweile wirklich zu müde. Und das, obwohl die Zugfahrt so anstrengend nicht einmal war. Aber die Panik, whoa. Sie macht mich fertig. Zu viel davon. Wobei doch eigentlich jedes bisschen Panik zu viel ist.

Wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen

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Fliege auf dem Bildschirm.

Auf meinem Handgelenk.

Robert hatte gestern einen unserer „Wie abartig schnell vergeht die Zeit?!“-Tage, was ihn zu Anfang unseres Gesprächs nicht zum allerfröhlichsten aller Gesprächspartner machte, aber das hat sich gelegt.

Ich konnte Ewigkeiten nicht einschlafen und habe noch an Kepa-Pedros weise Worte gedacht – „Ich kann nie schlafen, wenn ich Kaffee getrunken habe.“ Und, wenn auch zu spät, um einem sarkastischen Kommentar Richtung „Oh nein, wirklich, sag an“ zuvorzukommen, die Erweiterung: „Selbst wenn ich ihn mittags trinke.“ Das kommt mir bekannt vor.

Fliege auf meinem Finger.

Der sollte wirklich mal ein Zeichen des Euskal-Herria-berriz-verlassen-überlebthabens verlauten lassen. Vor allem nachdem ich gegen meine heilige Anti-Spam-Regel verstoßen und ihm sage und schreibe zwei Nachrichten hintereinander geschrieben habe. Der Arme, jetzt ist er wieder erstmal monatelang verkannter Expatriat.

Fliege auf meiner Bettdecke.

Morgen früh aufstehen. Bürgerbüro hatte zu. Darauf hätte ich auch vorher mal kommen können – Öffnungszeiten.

Hilfe. Was ist da gerade runtergefallen?

Fliege im Rundflug um meine Ohren.

Anderes Handgelenk.

Der Internetmensch kam nicht. Zumindest nicht, während ich zu Hause war – den ganzen Tag konnte ich ja auch schlecht hier rumhängen.

Heute fiel mir auch eine Unterhaltung von Saskia und mir wieder ein. Februar irgendwan. Ich habe ihr von meiner Challenge erzählt, jeden Tag das Haus zu verlassen. Sie sagte ziemlich verwirrt, ob es nicht eigentlich der Normalfall wäre, jeden Tag aus dem Haus zu gehen. Als hätte sie mich nicht ein halbes Jahr lang in Vitoria erlebt gehabt.

Und heute dachte ich dann darüber nach, wie unendlich lange ich schon nicht mehr einen ganzen Tag in der Wohnung war. Wie ich das überhaupt geschafft habe, mein Leben in meinem Zimmer zu verbringen. Manchmal gibt meine eigene Vergangenheit mir Rätsel auf.

„Du da mit dem Pommeskopf, du da, du da“, pflegte mein Vater mir früher in den Ferien zu singen, wenn ich es wieder einmal geschafft hatte, zehn Tage lang ungeduscht und ohne mich ein einziges Mal aus meinem Schlafzeug herauszuquälen im Haus herumzulungern. „Ist der Schlafanzug schon festgewachsen?“
Was muss ich gestunken haben. Wahrscheinlich war ich einer der einzigen Menschen weltweit, der von seinen Eltern dazu aufgefordert werden musste, sich doch mal wieder duschen zu gehen. Und ich fand das kein bisschen merkwürdig. Ich habe einfach im Zimmer gelegen und gelesen und Musik gehört, kam gelegentlich raus, wenn ich zum Essen gerufen wurde, wurde aggressiv, wenn man mich ansprach, zerstritt mich mit schöner Regelmäßigkeit bis aufs Blut mit meiner Mutter über Banalitäten und kam mir nie sonderlich unnormal, depressiv oder einsam vor.
Sie mir auch nicht.

Is it just me, oder verbringe ich unfassbar viel Zeit damit, mich darüber zu freuen, welche Fortschritte in Richtung eines normal lebenden Menschen ich im Laufe der Zeit so vollbracht habe? Ich könnte stundenlang so weitermachen.

Fliege auf dem Bildschirm.

Still Too Electro-fied for Finding Title

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Ich habe gestern herausgefunden, was bei uns in der Familie schon seitdem ich denken kann schief läuft. Es ist so offensichtlich. Ich hab‘ es auch schon tausendmal gedacht, aber irgendwie nie das Ausmaß begriffen. Weil ich aber dank meinem schrecklich zurückgeschraubten Schlafrhythmus jetzt todmüde bin und außerdem Kopfschmerzen habe und mich bis eben gerade noch auf der einen Seite mit Laura unterhalten und in den Pausen auf der anderen durch den Diskussionsteil von Sebis BA-Thesis gearbeitet habe und gestern Mittag ein paar Stunden zu viel in einem Möbelhaus der Sorte „Einrichtung für Leute auf Drogen, die – wie auch immer – trotzdem zu viel Geld haben“ verbracht habe, in dem ich mich – als Mensch mit dem generellen Einrichtungsgeschmack von Menschen auf Drogen, aber leider Gowais ohne viel Zugang zu Drogen (bisher! Ich warte sehnsüchtig auf die Zeit nach der nächsten Woche, wenn ich nach Hause komme und meine letztens bestellten Sämchen und Trudis Pilzabies aufziehen kann) – aufgrund der pausenlos dröhnenden Elektromusik nicht nur geringfügig fehl am Platz vorkam, sondern vor allem gegen Ende auch körperlich kaum mehr in der Lage war zu leben, kann ich es jetzt ganz bestimmt nicht mehr näher erläutern, sondern werde schlafen gehen. Schnell. Was auch immer die arme gefangene Kreatur nun genau ist, die mir von innen heraus gegen die Schädeldecke hämmert, sie gibt vorher nämlich offenbar keine Ruhe.

Das ist Wahnsinn…

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Lebe noch, lebe noch. Bin Oldesloe, wie ich gerade schon zu Kepa sagte, durch meinen Besuch bei Simone zuerst in Schenefeld bei ihrer wunderbaren Familie und nun hier in ihrer und Timos Rostocker Wohnung erstmal bis zum Ende der Woche entflohen – in einem Stück, wohlgemerkt. Eigentlich, glaube ich fast, in weniger als einem Stück. Irgendwas von mir geht immer verloren, wenn meine Eltern und ich zusammensind. Aber ich merke auch gerade dann, wie gut es mir eigentlich sonst geht. Daran allein schon, wie ungewohnt und falsch und fremd sich das Heulen anfühlt. Ich schaffe es nie ohne Heulen.

Ich war nach dem einen Tag da drüben so unterkühlt, dass ich von Simone, als wir nach einem windigen und auch nicht gerade kuschelig warmen Tag in Hamburg endlich bei ihren Eltern zur Tür reinkamen, erstmal eine Wärmflasche gemacht bekam. Die Kälte hatte sich mir schon wieder bis in die Knochen gefressen, Resultat des gestörten Temperaturempfindens sowie den mehr als latent ausgeprägten klaustrophobischen Tendenzen meiner Mutter, die in diesem Eisschrank von einem Haus (zugegebenermaßen nach den gerade abgeschlossenen halbjährigen, halb-vermögenverschlingenden, von ihr geleiteten Renovierungsarbeiten einem unglaublich zum Positiven veränderten, umwerfenden, Bewunderung hervorrufenden Haus) barfuß herumläuft – auf den Fliesen, im Keller, überall, wo unsereins sich Polarschuhe wünscht – und der daraus hervorgehend permanent offenen Fenster, nicht mehr vorhandenen Zimmertüren und generellem Mangel an warmen, geschlossenen Orten. Wir sind genau gegensätzlich in der Hinsicht, meine Mutter und ich. Ich zeig dir bei Gelegenheit mal Notizen aus Barcelona 2012, als ich ein bisschen am Durchdrehen war. Aus diversen Gründen, allen voran das Fast-drei-Wochen-am-Stück-mit-meinen-Eltern-verbracht-haben und fehlende innere Stabilität.

Aber jetzt ist ja erstmal alles gut. Ich bin stabil und noch dazu weg von diesem Wahnsinn.

Hello madness, my old friend.

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Was machen eigentlich die Leute, die Blogs wie diesen ohne halbwegs fähigen Ad-Blocker lesen? Meiner hat gerade den Geist aufgegeben und ich bin halb umgekippt vor Schock, als dieses merkwürdige Video angefangen hat zu spielen. Schnell die Filter wieder richtig einstellen.

Ja. Nicht gerade der eleganteste Weg, das neue Jahr in einem Eintrag zu begrüßen, aber was will man machen. Ich hatte ein wider allen Erwartungen wunderbares Silvester und sogar einen fast vollständig guten ersten Tag im Jahr. Das Leben ist für Eleganz einfach zu kurz.
Wenn ich Eleganz schon höre. Ich habe gerade wieder so einen unbändigen Hass auf alles Oberflächliche und Gekünstelte und zusätzlich auf alles an Gutem, das ich nicht an mir habe (wie jede Form von Eleganz, ausgenommen vielleicht sprachlicher – wenn ich gerade will), was unter Anderem daran liegen könnte, dass ich eine dreistündige Diskussion mit meiner Mutter hinter mir habe, in deren Verlauf sie nicht nur einmal mehr geschafft hat, mich aufgrund ihrer Weigerung gegenüber gewissen meiner innigen Wünsche und Vorschläge zu ihrer gesundheitlichen Besserung in Verzweiflung zu stürzen (hallo Verzweiflung, Liebes, dich hatten wir aber schon vermisst; wie gut, dass ich gerade mal drei Tage ohne dich aushalten musste und jetzt wieder Hals über Kopf.. egal), sondern auch durch ihre sehr deutlich zum Ausdruck gebrachten Zweifel, mir könnte je jemand mehr Gefühle als freundschaftliche Zuneigung entgegenbringen (anders gesagt, etwas wie Liebe), solange ich 1) ehrlich bin, 2) mich immer mit ihnen anfreunde, obwohl ich sie mag, bzw mag-mag, und 3) Dreads habe, dafür aber 4) kein Selbstbewusstsein. Yay, gute Aussichten. An mir sind genug Sachen verkehrt, da freut man sich ganz besonders, wenn Dinge an einem kritisiert werden, die man – würde sie es nicht permanent an einem bemängeln – eigentlich eher für Qualitäten halten würde. Und last time I checked, wurde Selbstbewusstsein nicht dadurch größer, in einer Tour aufgezählt zu bekommen, was man alles verkehrt macht.

„Es sieht ja nicht schlecht aus, das hab ich nie gesagt. Es sieht… interessant aus. Du siehst damit niedlich aus. Und sogar die Form ist auch schön. Du limitierst deinen Wirkungskreis trotzdem auf ein Prozent der Männer. Ich sage ja nicht, dass es niemandem gefällt. Aber 99% der Männer wollen etwas Anderes.. anfassen. Du hattest die schönsten Haare…“

Ich würde mir wünschen, behaupten zu können, dass ich mir nichtmal die Mühe mache, zurückzureden. Was bei anderen Menschen eigentlich immer meine Taktik ist; wenn ich merke, da ist Hopfen und Malz verloren, lasse ich sie herumargumentieren und Monologe führen ohne Ende und verschwende nicht meine Energie mit Zurückreden. Nur bei ihr kann ich es nicht, es geht nicht; ich denke immer wieder, es kann doch nicht sein, dass so etwas aus ihrem Mund überhaupt rauskommt. Ist da kein Filter für entsetzliche Abscheulichkeiten? Und an welchem Punkt ist ihr Denken so schrecklich verdreht, dass am Ende so etwas dabei herauskommt? Ich verstehe nicht, wie man so sehr sein eigenes Leben failen kann und dann denken, für Andere wertvolle Ratschläge zu haben. (Wobei ich genau das, glaube ich, auch gerne mal tue. Aber ich faile nicht so sehr, ich lebe immerhin noch. Mein Leben ist immerhin mehr Leben als bloßes Dahinsiechen in Selbstbetrug. Oder? Wissen kann man es ja nie so genau selbst.)

Also rede ich zurück. Ich bin mir nicht zu hundert Prozent sicher, wer von uns beiden das delusionalere Denken hat – sie mit ihrer Annahme, ich wäre auch ohne diverse Äußerlichkeiten schon merkwürdig genug und würde nicht genug an mich selbst glauben, um Anderen begreiflich zu machen, dass ich toll bin (tatsächlich war ein Stück Überwindung nötig, das zu tippen, aber das ist es für viele Sachen hier im Eintrag), oder ich mit meiner unumstößlichen Überzeugung, dass es verdammt nochmal nichts ausmachen sollte. Ja, dass es nicht anders geht, als sein Gegenüber zu warnen, was es erwartet, und ihm die Chance zu geben, wegzulaufen, solange es noch kann. Wenn 99% der Männer keine Dreads mögen, kann mir das herrlich egal sein; umso besser, dass sie durch mein abstoßendes Äußeres gleich davon abgehalten werden, mit mir Bekanntschaft zu schließen, schließlich sind meine (endlich mal!) geliebten Haare ja so etwas wie eine Warnung davor, was darunter steckt. Dann würden sie noch früh genug weglaufen, wenn sie feststellen, dass meine Haare, obgleich lang und wellig und seidig, nicht gerade ein langes, welliges, seidiges, unkompliziertes, mit allem und jedem konformes Inneres widerspiegeln.

Ferner sagte sie, es wäre so selten, dass sich Intelligenz und ein von Grund auf liebes Wesen – das man mir allen Ecken und Kanten zum Trotz nicht absprechen könne – in einem Mensch zusammentun, und, in etwa, welch Schande es wäre, dass ich das Ganze an meine Freunde verschwende und nicht in der Lage bin, mir eine Beziehung aufzubauen. Oder so.

Das Bittere daran, in meinem Alter es nicht ein Mal gebacken bekommen zu haben, von jemandem geliebt zu werden, ist nichtmal so sehr die Tatsache selbst (natürlich, es wäre ganz schön so zur Abwechslung, es muss wunderbar sein, aber man kommt ganz okay durchs Leben so). Aber um alles in der Welt, wo rede ich mich denn hier herein. Gehen wir lieber weg. Ich habe Jane Eyre im anderen Zimmer liegenlassen. Das ist unpraktisch, aber vielleicht hilft mir dieser Umstand, heute früh ins Bett zu gehen.

Wärme in Koffern. Kälte im Raum. Leben im Nebel.

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Wir haben es doch wieder hingekriegt. Unfassbar ist das, wie machen wir das?
Ein weiterer Heiligabend mit einer dramatisch-versöhnlichen Bescherung. Das Gefühl, dass es solide sein könnte, ist natürlich seit Jahren nicht mehr da, aber geschafft ist es trotzdem. Wieder.

Wie? Und warum überhaupt die Mühe, uns immer aufs Neue zusammenzuklauben? Wir funktionieren doch alle nicht. Warum nicht es endlich einsehen und allen Schein fallenlassen. Uns ergeben, uns aufgeben. Die absolute Hoffnungslosigkeit dieses letzten Tages sollte doch besser anhalten, um es nicht alles immer wieder noch schmerzhafter zu machen. Das Allesverlorenhaben, das Wahrscheinlichniewirklichetwasgehabthaben. Das Fehlen von Wärme, von echter Wärme, nicht gesprochener Wärme, nicht materialisierter Wärme. Von gefühlter, gelebter Wärme. Wärme ohne Worte, ohne Demonstrativität. „Wie kannst du wagen, zu sagen, ich wäre nicht warm. Schau doch, wie warm ich bin. Ich tue dies und jenes, das es beweist.“ Aber gefühlt ist es kalt, nicht sicher. Warm ist sicher.

Ein Koffer voller Wärme. Sie sagte, sie hätte einen ganzen Koffer voller Wärme mitgebracht. Gestern Mittag, nachdem selbst mein versuchter Ansatz eines klärenden Gespräches genug war, um sie wegzubefördern. Dann sagte sie, sie müsse doch zu mir fahren. Mein Vater daneben. „Und dafür musst du erstmal zurückkommen. Schätzchen, komm zurück“. Ich in der Ecke ihres Bettes, die zusammengesunkene Gestalt beobachtend, die wirres Zeug von sich gibt, sie hätte mir doch einen ganzen Koffer voller Wärme mitgebracht. Eine Unterhaltung mit meinem Vater, der sagt, ich wäre zu hundert Prozent egozentrisch, als ich ihm zu erklären versuche, dass ich das nicht mehr lange aushalte. Dass sie sich helfen lassen muss und ich sie so nicht in meinem Leben haben kann. Weil ich nicht kann. Wäre ich selbst stabil, müsste ich können; ich dachte früher, ich müsste können, vor allem als ich noch da gewohnt habe, aber eigentlich kann ich doch überhaupt nicht. Das versteht er natürlich nicht, weil er keine Ahnung hat, wie es bei mir drinnen aussieht. Dazu müsste ich es erstmal zeigen können, nicht nur verbalisieren. Ich verbalisiere ruhig, distanziert und gelassen, dass ich irre am Rad drehe innerlich. Es wird mir nicht abgenommen, solange ich es artikuliere, ohne dabei in Trancezustände zu verfallen. Ich müsste erst zusammenklappen; das lenkt erfahrungsgemäß seine Aufmerksamkeit ganz gut auf einen. Wäre ich einfach einen Tick schwächer und würde immer zusammenklappen, wenn ich das Bedürfnis dazu habe, so wie sie es tut. Wie viel einfacher wäre alles; warum kann ich denn das nicht. Oh, wahrscheinlich weil nichtmal dann ich verstanden werden würde. Dann ist es wahrscheinlich Aufmerksamkeitsuchen, Melodramatik, fast schon Nebensache; das Zusammenklappen ist zu sehr Teil der Familientradition. Es ist ja auch alles nicht mein Problem, wie ich zwischendurch immer mal zu hören bekomme. Wenn meine Familie ein lebender Albtraum ist und ich nicht weiß, wie ich drei Tage in diesem Umfeld je geistig unbeschadet überleben soll, natürlich ist das nicht mein Problem, wieso sollte es. Mein „Ich kann nicht mehr“ wird nicht gehört; ich kann aber nicht mehr, ich kann nicht mehr so funktionieren.

Du hast keine Ahnung, keine.