Schlagwort-Archive: Ruhe

Noch fertiger.

Standard

Gestern habe ich an den Sprachbeispielen herumgefusselt wie nichts Gutes. Hat meinen gesamten Tag in Anspruch genommen, aber dafür bin ich mit allem fertig geworden.

Den Rest der wachen Zeit habe ich mit Putzen verbracht. Und was ich alles geputzt habe. R wird sich nachher fragen, ob er im richtigen Haus gelandet ist. (Und wieso mein Schlüssel trotzdem in die Tür passte.) Und dann wird er mit meinen Omasocken vor die Tür gehen, um eine zu rauchen, und anschließend mit den gleichen Socken wieder reinkommen, und schon sieht es ein bisschen mehr so aus, wie ich es hierdrin mittlerweile wider Willen gewohnt bin. Was will man da machen, das ist der Lauf der Dinge.

Oh ja, ich bin gelassen. Mein Geisteszustand ist so blendend wie die Armatur des Wasserhahns über der Spüle. Es ist so ein wunderbares Gefühl, fertig zu sein. Mit allem. Okay, ich hab‘ mir ein paar Stunden lang den Rücken zerackert und die halbe Wohnung dabei auf den Kopf gestellt (teilweise sogar wörtlich; ich hab‘ unter den Stühlen den Dreck weggemacht, damit sie nicht jedes Mal so furchtbare Spuren hinterlassen, wenn der Boden unter ihnen mal nass ist und man sie dann bewegt). Aber jetzt habe ich ein Resultat. Ein herrliches. Und ja, ich habe in den letzten paar Monaten weit mehr für die Uni gearbeitet als in meinem gesamten Studium davor. Aber siehe da – ich bin fertig. Sofern ich es nicht geschafft habe, irgendwo unwissentlich Plagiat zu begehen, und mir ein unsanfterer Abgang aus der Uni bevorsteht, als ich ihn mir mittlerweile zu erhoffen wage.

Ich bin nicht müde genug im Verhältnis zu den Mengen an Arbeit, die ich im Laufe des letzten Tages vollbracht habe. Wenn ich doch jetzt wieder anfangen kann zu leben, wird es langsam mal wieder Zeit für einen Tag-Nacht-Rhythmus, der sich nicht zwischen zwölf und zwei abspielt.

Werbeanzeigen

No, I’m not there.

Standard

Eigentlich schon, und eigentlich sollte ich auch gefälligst, aber nein, ich antworte nichts und niemandem (außer vielleicht Laura, R (der allerdings bis heute Mittag hier war und sich in Anbetracht seiner morgigen Rückkehr – permanent, wohlgemerkt, Mietvertrag wurde am Donnerstag unterzeichnet – wohl eh heute nicht mehr meldet) oder Caro, aber das war’s dann auch schon), ich lese keine Nachrichten, ich ignoriere Anschriebe, ich bin dazu grad nicht in der Lage.

Also warte ich, bis Basti nach Hause kommt, oder vielmehr hierherkommt (was natürlich immer noch problemlos als Synonyme durchgehen könnte, aber er hat schon Recht, er ist wirklich weitaus weniger hier in letzter Zeit als am Anfang. Was ich nicht so sehr als Erlösung betrachte, wie es vermutlich der Rest der Welt an meiner Stelle täte, aber es ist auf der anderen Seite gar nicht so schlecht, weil sich dadurch ab und an ein paar Minuten für mich allein in mein zuvor so vollkommen vergesellschaftetes Leben einschleichen, so wie jetzt zum Beispiel). Wenn alles gut geht, hat er wieder Essen von der Arbeit gerettet, was wiederum meine Rettung wäre, da 1) das Essen, das er rettet, ausnahmslos immer köstlich ist, und 2) ich verschnupft des Todes bin (seit Freitag bereits) und mir gar nicht danach ist, noch was zu kochen. Eben war ich bei Elli und habe ihr zweieinhalb Stunden Nachhilfe gegeben (unsere übliche Zeit; manchmal ist es weniger, aber meistens beläuft es sich auf die zweieinhalb und damit immerhin, wenn auch gnadenlos unterbezahlt, 25 Euro). Die Gute hat es nicht so mit der Empathie und ist offenbar zum Glück auch nicht paranoid, sofort angesteckt zu werden, also war es ihr egal, dass ich die Hälfte der Zeit mein Gesicht in einem Tempo vergraben hatte. Gegen Ende wurde es besser; meine Augen haben aufgehört zu tränen und ich konnte wieder halbwegs normal mit ihr interagieren.

Zu Hause angekommen, habe ich erstmal unserem neuen Putzplan gemäß das Bad und den Flur gemacht (theoretisch hätte ich die vergangene Woche lang Zeit gehabt, das zu erledigen, also beschloss ich, es einfach schnell hinter mich zu bringen und Trudi nicht um Erlaubnis zu bitten, es morgen erst zu machen). Jetzt ist die gesamte Wohnung sauberer als mein Zimmer. Natürlich; R war fünf Tage lang hier, und ich weiß nicht, wie er es anstellt, aber er verwandelt diesen Raum jedes Mal in eine Chaoshöhle. Krümel jeglicher Art – Tabak, Dreck, Flusen. Klamotten überall. Alter. War ich auch mal so, und wenn ja, wie haben es meine Eltern achtzehn Jahre lang mit mir in einem Haushalt überlebt? Auf alle Fälle sollte ich langsam lernen, meine Riesenstaubsaugaktion nicht gerade auf den Tag zu legen, an dem er herkommt. Oh, warte, er hat jetzt eine Wohnung hier, in der seine Sachen demnächst landen. Er zieht zurück in die Stadt. Morgen. Wenn alles gut geht. Es sind bei ihm einige Dinge dabei, sich zum Guten zu wenden.

Jetzt killt mich mein Kopf.

Jetzt recherchiere ich Bokashi-Eimer.

Leben.

Hümmelchen, Kümmelchen

Standard

Es würde mich kaum wundern, wenn ich merkwürdiger wirke, als ich mich fühle. Zumindest, wenn ich normal gelaunt, glücklich oder betrunken bin oder einfach überhaupt nicht nachdenke. Ich kann es der Außenwelt nicht verdenken. Ich bezweifele, dass ich jemandem, der ohne Telefon in der Hand mit unsichtbaren Menschen redet, anderer Leute Einkaufszettel vom Boden aufhebt und in einem eigenen Ordner sammelt, im Bus anfängt zu singen oder der vorbeibrummenden Riesenhummel fröhlich „Hümmelchen, Kümmelchen, fliiieg!“ zuruft, wirklich entgegentreten könnte, ohne ihn merkwürdig zu finden.
Fiel mir nur eben so auf.

Ich hab‘ keine Lust auf Psycholinguistik gleich. Ich will einfach mal nicht mehr aus dem Haus heute. Ich habe eine Unmenge an Hausarbeit zu erledigen; mein Boden ist mit Anziehsachen überschüttet (das kommt davon, wenn man beim Seriengucken Näharbeiten erledigt und dann zu faul ist, die genähten Sachen wegzuräumen) und es liegen noch von letztem Donnerstag ungespülte Sachen herum. Gesaugt werden müsste auch. Essen könnte ich auch noch was. Um halb vier muss ich bei Sofie sein, das letzte Mal vor ihren Pfingstferien, und im Fahrradkeller steht ein Riesensack Pfandflaschen, die ich wegbringen will. Irgendwann.

Ich habe mich mit Saskia verabredet, für heute Abend nämlich, zum Reden. Überfällig. Ich vermisse sie, und umso mehr freue ich mich, dass sie keine Anstalten macht, mich zu vergessen. (Auch wenn das eh unwahrscheinlich ist; sie erzählt einem immerzu von irgendwelchen Leuten, mit denen sie vor Ewigkeiten mal zu tun hatte, und erinnert sich an alles Mögliche. Wirklich faszinierend bei der Menge an Leuten, die sie kennt.)

Wie schön es einfach gestern und vorgestern war hier abends; ich hab‘ mich ins Bett gehauen und Blossom geguckt und Schokolade gemampft und alles war so wunderbar ruhig. Das hätte ich gern öfter. Nicht dass ich dafür gern weniger Leben hätte. Ich hätte eher, ganz im Gegenteil, gern mehr Lebenszeit, um einfach Ruhe und Leben gleichzeitig haben zu können. Falls das Sinn macht.

Laulenzen – Faulenzen

Standard

Ich werde jetzt (aller Voraussicht nach) etwas tun, das ich seit ewigen Zeiten nicht mehr getan habe. Und zwar sitze ich am hellichten Tag im Bett, mit dem Computer auf den Schenkeln, und werde einen Film gucken. Und wie ich mich darauf freue! Ich habe mir eine halbe Box Eis aus dem Gefrierfach geklaut, von dem ich keine Ahnung habe, wem sie gehört, aber das wird sich bestimmt herausstellen. Wenn ich demnächst mein Geld wiederhabe, kann ich derjenigen dann eins nachkaufen. Wenn schon keine Chips dasind.. Am liebsten hätte ich Chips.

Was ist das herrlich. Ich mach‘ mir eine Gammelwoche, habe ich gerade beschlossen. Mein Fahrrad zu reparieren hätte mich über 100€ gekostet, das habe ich gleich zum Verschrotten dagelassen. Bei Gelegenheit ist das Reichenauer dran, vielleicht habe ich damit ja mehr Glück. Bis dahin aber bin ich anhängertransport- und somit abholunfähig und übertrage meine Termine lieber anderen Foodsharern.

Wunderbare Bärlauch-Kräuterbutter habe ich heute übrigens gemacht. Und das Salz ist fertig und sieht unglaublich edel aus und ich habe es nochmal gesiebt, sodass ich ein paar Behälter mit feiner und ein paar mit gröberer Körnung gewonnen habe.

Jetzt aber ran ans Werk, namely „The Science of Sleep“.

Eine Frohnatur.

Standard

Meine Challenge.. sie funktioniert! Ich muss mir nur, genau wie beim Kampf gegen die anderen nervigen Angewohnheiten, immer bewusst bleiben, was ich mir vorgenommen habe – wenn ich einfach abschalte und die üblichen Verhaltensweisen machen lasse, wie sie wollen, kann es natürlich nie was werden. Und es macht ja nichts, wenn ich es kurz vergesse. „Du wolltest die Leute nicht mehr so anstrahlen. Strahlen kannst du genug, wenn du es auch wirklich meinst. Guck dir ihren Gesuchtsausdruck an; kopiere den. Das muss reichen. Sie mögen dich auch, wenn du nicht ununterbrochen aussiehst wie ein Honigkuchenpferd.“

Georg aus Euskera beschloss schon damals beim Kuchenverkauf vor der Exkursion, dass ich eine Frohnatur bin. Er hatte die Vision, einen Verlag aufzumachen, mit mir als fest angestellte Lektorin, und ihn den Frohnaturenverlag zu nennen, mit meinem Gesicht als Logo. Das Lustige ist, mein Zustand damals entsprach in etwa dem einer Feldmaus, die nach stundenlangem Strampeln, Kämpfen, Fast-Aufgeben und Weiterstrampeln endlich geschafft hat, sich aus einem Eimer Wasser zu befreien. Die Maus hing also halbtot und ziemlich KO am Rande besagten Eimers und fing gerade an, sich ein bisschen nach links und rechts umzusehen, um herauszufinden, wie sie nun vom Eimerrand zurück auf soliden Erdboden kommen sollte, um sich dort zu verkriechen und erstmal schön lange zu schlafen, und ihre Kommilitonen hatten nichts Besseres zu tun, als sie eine Frohnatur zu nennen.

Zeitgleich war Lisa gerade von Liebeskummer geplagt, da sie ein paar Monate mit Marc, ebenfalls aus Euskera, zusammengewesen war, der das Ganze wenige Wochen zuvor beendet hatte. Dass sie beide zusammen an der gleichen Exkursion teilnahmen, war nicht gerade der günstigste Zug des Schicksals; sie verbrachte die meiste Zeit mit Heulen und teilweise damit, zusammenzuklappen. Verständlicherweise war ein Goßteil der Mitmenschen davon weniger begeistert. Auch verständlicherweise habe ich die meiste Zeit damit verbracht, die mir damals fast unbekannte Person zu therapieren und als Zuhörer und Schwamm zum Vollreden zu dienen. Georg war auch manchmal mit von der Partie; er übernahm dann, wenn ich gerade mal eine Pause brauchte. Sie erzählte uns beiden gern und ausführlich von ihrer labilen psychischen Verfassung. Hat auch schon nicht unbedingt wenig durchgemacht, die Gute, was wahrscheinlich einer der Gründe war, wegen derer ich sie auf Anhieb so mochte. Sie hat genau meine Art Unsicherheit und Nervosität, wenn sie redet, nur dass man sie bei ihr viel krasser rausmerkt.
Naja. Jedenfalls war es bei ihr dann Depression hier, Klinik mal hier, mal da. Aufmerksamkeitsmagnet für unser Helfersyndrom.

Und ich war die Frohnatur. Die Immer-Positive. Ich, von allen Leuten. Im Grunde genau wie ich eigentlich sein wollte; Fake it ‚til you make it, meine ewige Devise. Ich lief nebenher und hab‘ sie reden hören und dachte mir, joa, kommt hin – kann ich bestätigen. Aber darum geht’s ja grad nicht, wozu laut drüber sprechen.

Das ist halt das Problem, wenn du Leuten nicht freiwillig deine ganze Innenwelt vor die Füße schüttest. Sie wollen einfach gar nichts davon wissen.

So war das damals. Wie kam ich darauf, wie um alles in der Welt? Oh, natürlich, die Challenge. Aber ich werde auch mal langsam ins Bett gehen. Habe zwar heute den ganzen Tag – den ganzen luxuriösen Tag lang – nichts vor, diesmal mit einer Chance, dass das auch den Tag über so bleibt und sich nicht Millionen schöner Dinge zwischen mich und die Untätigkeit schieben, weil Sarah heute und morgen weg ist und somit kaum noch Möglichkeiten bestehen, dass jemand spontan etwas unternehmen möchte, aber ich freue mich eigentlich über meinen schön nach vorne hin normalisierten Schlafrhythmus.

Erdian

Standard

Yay, yay, yay yay yay.
I wouldn’t exactly call this „high state“ – wie ich normalerweise solche Anwandlungen von guter Laune betitele, bei denen man ganz genau weiß, dass sie nicht aus einem selbst heraus kommen, sondern sozusagen von der Außenwelt „imposed“ sind – because, to be honest, I’m pretty dang tired, I’m calm, I’m feeling incredibly stable, I’m not even hyperventilating at all. Das hier fühlt sich eher so an wie damals die ersten verwirrenden Episoden innerer Ruhe, als das glorreiche Zeitalter meiner Medis anfing.

Keine Ahnung, was los ist. Vielleicht ist es auch einfach nur die Schlaflosigkeit. Çiğdem, die Droge. Es fühlt sich nur überhaupt nicht an wie die Droge.

Saskia und Charlie waren hier, um Pizza zu essen (bzw, sie zu produzieren und dann zu essen, weshalb uns Saskia und ich schon ein paar Stündchen vorher getroffen und bei der Gelegenheit nicht nur den Teig vorbereitet, sondern gleich auch meine Haare entunstaltet haben, die ich am Wochenende in einer nicht ganz optimal beleuchteten Situation mit übriggebliebener roter Farbe versehen hatte, nachdem ich ihr ihre eigenen nachgefärbt hatte – jetzt jedenfalls ist alles wieder in bester Ordnung) und bis halb eins Simpsons zu gucken. Wir werden heute Nachmittag/Abend nochmal etwas zusammen machen; Charlie fliegt morgen. Nach England, nach Hause, wie merkwürdig.

Und ich fliege auch demnächst. In wenig mehr als zwei Wochen. Nach Hause, nach Hause.
Und dabei kann ich in diesem Zustand gerade dem Hiersein überhaupt gar nichts Schlechtes zuschreiben; wenn das anhält, werden die letzten beiden Wochen ein einziges Phänomen.
In diesem Zustand ist aber generell erstmal alles ein einziges Phänomen. So zentriert war ich ja ewig nicht mehr.

Wir werden sehen. Granada ist festgemacht – wie ich mich freue.

Vielleicht waren wirklich Drogen in dem Pizzateig.