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Amputierte Basalganglien (und andere Vorwände, um genau jetzt nicht zu lernen)

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Bis hin zur Sehbahn habe ich alles gelernt oder zumindest halbwegs gründlich überflogen.

Dazu muss gesagt werden, dass das gründliche Überfliegen bei mir ein Überfliegen plus Abstrahieren und mehrmaliges erneutes Überfliegen sowohl des Abstrahierten als auch der Original-Lernmaterialien beinhaltet, was meistens den gewünschten Lerneffekt eigentlich schon ganz gut herbeiführt, wenngleich kurzzeitig. Ebenfalls sollte dazu gesagt werden, dass ich bis heute dank gnadenloser Lernunfähigkeit keine Motivation aufbringen konnte, für irgendetwas, sei es noch so wichtig, eine tiefergehende Lernstrategie zu entwickeln oder gar anzuwenden. Irgendwie kommt man ja doch immer durch. Furchtbar sowas. Ich frage mich gerade wieder, wie ich es geschafft habe, 1,0 in Sanskrit zu schreiben, während Andere, die sich am Kursgeschehen unterm Semester gelegentlich sogar beteiligen konnten, da sie vorbereitet zum Unterricht erschienen und sich an das zuvor Durchgenommene noch erinnern konnten, mit 1,7 am Ende rauskamen. Wobei Graziellas Mappe vermutlich um einiges ästhetisch wertvoller war als meine und ihr gut und gern die Note noch auf 1,3 hochgerissen haben könnte, wie ich sie so einschätze. Davon ist eigentlich auszugehen, wenn man überlegt, dass der unansehnliche Kladderadatsch, den ich anstelle einer akribisch mit Daten versehenen und schön angeordneten Mitschriftsammlung bei der Dozentin eingereicht habe, offenbar immer noch gereicht hat, um mir meine 1,0 aus der Klausur nicht zu versauen.

Aber statt mich in den wundersamen Erfolgen des vergangenen Semesters zu sonnen, sollte ich mich lieber an den Rest Neurolinguistik für morgen machen. Blendende Voraussetzungen, unter denen die Klausur stattfindet, oder wie sonst soll ich die Tatsache klassifizieren, dass Morphologie II um 8.15 Uhr mir direkt davor noch den Anti-Energieschub des Tages bereiten wird. Aber dafür werde ich mich morgen Früh mit Guaraná im Müsli und Koffeintabletten für die Uni versorgen, um anschließend in der Arbeit die gewohnte Überdosis Kaffee zu mir zu nehmen und mich wahrscheinlich am Ende des Tages mit monstermäßiger Panik herumzuschlagen, dann nach Hause zu kommen und R’s und meinen Abend durch ein Energieloch nie zuvor erlebter Ausmaße zu sabotieren. R kommt schon wieder hierher, weil das Miethai-Drama bei ihm inzwischen so ausgeartet ist, dass er sich über jede Minute freut, die er außerhalb seiner Wohnung verbringen kann. Ich bin, so widrig die Umstände auch sein mögen, dafür dankbar; ihn hierzuhaben ermöglicht mir, mein Leben währenddessen weiter fortzuführen, statt es komplett zu pausieren, wie es der Fall ist, wenn ich zu ihm nach München fahre. Bei ihm ist das ähnlich gelagert; während er – Arbeit sei Dank – in München kaum mal rauskommt, wartet hier ja jedes Mal sein altes Leben mit seinen zigtausend alten Bekannten und Freunden auf ihn. Zehn Jahre Kleinstadtpolitik haben dafür gesorgt, dass es ihm an Gleichgesinnten und sozialen Kontakten hier ganz bestimmt nicht mangelt. Was es nicht unbedingt angenehmer macht, sich draußen mit ihm herumzutreiben, zumindest für mich als gesichtsblinden, introvertierten Menschen, der seine Kontakte gern intensiv und auf wenige Personen beschränkt hält. Der überwältigende Großteil seiner Freunde mag mich trotzdem – irgendetwas scheine ich immerhin richtig zu machen. Aber okay, sie kennen mich nicht sonderlich gut. Daran wird’s liegen.

Frei-assoziativer Redeschwall beendet; ich schau mal, ob Simone mir noch bei Skype antwortet – die wollte gestern mit mir reden, aber ich war gerade damit beschäftigt, mit Basti und Lena in der Küche zu wirken – und falls sie das nicht tut, werde ich.. Ok, sie hat keine Zeit jetzt. Dann lerne ich gezwungenermaßen jetzt die Sehbahn und den restlichen Neuro-Kram. Boah, mich hat übel die Motivation verlassen. Als hätte man mir mit einem Schlag die Basalganglien amputiert.

Lichtwissen und Nichtwissen

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So war ich also gestern vielerseits beschäftigt: Fürchterliche Mandelentzündung. Unmengen an Brot von der Tafel abgeholt, dabei Marie begegnet und mich spontan für den Abend mit ihr verabredet, Uni (ja! Ich war tatsächlich mal wieder bei Türkisch, man sollte es kaum glauben. Und ich kam sogar noch hinterher, auch wenn ich das r-Präsens bei Gelegenheit nochmal gründlich verinnerlichen sollte), spontanes Kochen und Essen mit Peruaner-Pedro und der noch spontaner dazugekommenen Sarah, dann schneite Rini rein, um sich was von dem abgeholten Essen zu holen, und dann ab zu Marie, wo ich bis kurz vor eins nicht wegkam, weil es einfach zu spannend war, mit ihr und ihrem Mitbewohner – Nik, auch ein äußerst interessanter Mensch, sozialfähig, intelligent und eloquent, so eine Mischung findest du nicht oft – über die Doku zu diskutieren, die Marie und ich soeben gesehen hatten, Am Anfang war das Licht.

Nach vier Stunden Schlaf dann vorhin ab zu Sprachkontakt, was ein Akt. (Und was ein Reim.) Ich kam zwar zu spät, aber es grenzte für mich an ein Weltwunder, dass ich überhaupt dawar – noch dazu wach und aktiv im Kursgeschehen involviert, wie immer. Dieser Kurs gibt mir so ein gutes Gefühl. Hoffentlich wird die Klausur zumindest halb so gut, das würde mir schon reichen. Hauptsache, ich blamiere mich nicht komplett, dann kann ich die Bachelorarbeit beim Kaiser gleich knicken. Oh, welch ein Druck. Nicht dass mich das dazu bewegen könnte, schonmal anzufangen zu lernen oder derartig Abstruses. Why, oh why.

Gleich zu Sanskrit. Unvorbereitet, natürlich. Wie ich das immer durchziehe, knallhart. Ich bin das konstanzerische Äquivalent zu Mamas allseits geliebtem Ex-Kommilitonen Benjamin. Schon hart. Aber immerhin studiere ich nicht Sanskrit, ich belege es nur.
Und dann Euskera. Whoopie!

Und später noch Probe bei Moritz. Ich habe keine Lust drauf und bin auch nicht überzeugt davon, dass ich Sarah heute schon wieder sehen will; momentan finde ich den Umgang mit ihr so schwierig, dass es mir fast schon lieber wäre, wir hätten noch weniger davon miteinander. Könnte an mir liegen oder auch nicht, zer dakit nik. Was weiß ich. Andererseits bin ich mit großer Wahrscheinlich nur auf emotionaler Distanz zu ihr, weil ich das Gefühl habe, sie würde mich selbst nicht mehr mögen. Nichtmal in Ansätzen. Sie weiß es vielleicht nur noch nicht. Wie tragisch, wenn Menschen sich so sehr verändern. Jedenfalls aber hieße das, hätten wir mal wieder einen Kontakt ähnlich unserem früheren, würde es vielleicht alles besser werden. Vielleicht, sag‘ ich. Zer dakit nik.

Komm, fahr die Wände um…

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Was für ein Ohrwurm to wake up to.

Und ich bin immer noch begeistert, wie geschickt sie ihre wandzerstörerischen Nachrichten in Meditationsmusik verkleiden. Genau wie von der Tatsache, dass die Europäer ihre Weihnachtslieder – Siiilent night… – offenbar von jahrtausendealten indischen Melodien gecovert haben.

Horizonterweiterung

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Jetzt kann ich schon ganze 10 Devanagari-Buchstaben. Wenn das so weitergeht, habe ich bis zum Semesteranfang schon die halbe Sanskrit-Sprache gelernt, haha.
Maybe not. Marie, mit der ich eben ein köstliches Mahl aus unseren gestern containerten Schätzen verzehrt habe, fragte mich, ob es nicht eine unkomplizierte Sprache sei, das Sanskrit. Ich habe ihr ungefähr entgegnet, dass man es so sagen könnte, wenn ihr 92 Verbformen allein fürs Präsens, ein fremdes Alphabet und Tausende Ligaturen und Spezialgeschichten in der Schrift unkompliziert erscheinen.

Aber Marie ist super. Ich war ja auch gestern Abend bei ihr in der WG, zusammen mit Peruaner-Pedro und Lena, wo wir einen Spieleabend mit ihren Mitbewohnern veranstaltet haben und ich mir gleich zwei potenzielle neue Bandmitglieder an Land gezogen habe, wie ich Sarah eben schon voller Begeisterung mitgeteilt habe. Mal gucken, was sie sagt, wenn sie die Nachricht liest.

Langsam ist auch meine Erkältung wieder am Abklingen und ich hoffe, demnächst meine Stimme wiederzuerlangen, um auch mal wieder ordentlich Musik machen zu können. Ich stümpere hier ab und an frustriert mit der Gitarre herum und verfluche mich für meine Unfähigkeit, ansonsten bleibt mir momentan nicht viel.

Wie mir vorhin auffiel, werde ich die ganze nächste Woche nicht arbeiten. Was für ein herrliches Leben ist das bitte, ich habe eine ganze Woche frei!

Sarah und Peruaner-Pedro und ich gehen demnächst zum Auftritt eines unfassbar berühmten peruanischen Tenors nach Bregenz. Ich kann nicht glauben, dass ich 65 Euro für diese Unternehmung bezahlen werde, aber nichtsdestotrotz bin ich gespannt darauf und wie immer froh über eine solche Gelegenheit zur Horizonterweiterung.

Unsere Weihnachtsmarkt-Tour sind wir auch schon am Planen.

Und, was ziemlich unglaublich ist: Innerhalb sehr kurzer Zeit habe ich von drei verschiedenen Menschen positive Reaktionen auf Ken Zazpi geerntet. Continuous exposure scheint sich wirklich auszuzahlen. Und weil ich in den letzten paar Wochen gefühlt so viel Euskera vergessen wie davor in einem halben Jahr gelernt habe, gehe ich jetzt einfach mal wieder diszipliniert sein und übersetze mir Argiak weiter.

Next Stop: Namibia.

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Und noch eine Verkündung an die Welt: HABE NAMIBIA-FLUGTICKETS GEBUCHT! Es ist offiziell, I’m SO going to Namibia. Malariamücken des Etosha-Nationalparks, nehmt euch in Acht, ich komme, um euch alle abzuschlachten!

Dafür habe ich sogar meinem Ausbildungskonto Geld abgezapft, aber das bekomme ich bald zurück, wenn Trudi mir ihre Schulden wieder überweist. Ich konnte es jetzt einfach nicht mehr abwarten. Und das Wunderbare ist, ich arbeite zwei Monate und habe es alles wieder drin! WHEY, WHEY, WHEYHEYHEY, das wird was, ich sag’s dir. Oooh, ich will, dass das Semester um ist und ich gleich schon losfliege.

NAMIBIA!

Und noch kurz ein paar skurrile Nachrichten aus Vitoria: Als Saskia am Wochenende hierwar, hat sie mir erzählt, dass William (mein Ex-Mitbewohner) mit Dani (meinem Ex-Mitbewohner 2) zusammen ist. OH MY GOWE, das ist doch gar nicht möglich, seit wann ist Dani schwul? Richtig, sagte Saskia dazu, er war’s auch vorher nicht.

Jetzt war ich eben schnell in der Stadt und habe mir Brot und zwei kleine, längliche gelbe Kürbisse aus dem FairTeiler geholt und dabei beschlossen, nie, nie, nie wieder Fahrrad zu fahren, wenn ich krank bin. So eine Hölle; ich hab‘ es kaum den Berg raufgeschafft, beim Ausatmen haben sich Feuer in meiner Luftröhre entzündet und als ich oben war, schmeckte es in meinem ganzen Mund super widerlich nach Lunge. Ich kam zurück und habe erstmal kalt geduscht – nicht weil ich wollte, sondern weil wir momentan aus irgendeinem Grund kein warmes Wasser haben.

Ab jetzt wird einfach wieder schön gegammelt und weiter Sanskrit-Buchstaben gelernt; die ersten 5 kann ich schon. Aber wenn man bedenkt, dass das, was ich hier tippe, letzten Endes genauso vom Sanskrit abstammt wie die Hunderte andere indogermanische Sprachen, finde ich, es ist den Aufwand schon wert.

WUHU, NAMIBIA!