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Zäher Schleim

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Auf meinem Keyboard stapeln sich Sommersachen. Mein Schrank ist von überfüllt auf halb leer ausgeräumt worden und wartet jetzt darauf, in einem weiteren motivationserfüllten Moment von mir mit Pullis und anderen dicken Klamotten bestückt zu werden.

Nach einem erfolglosen Versuch, heute in der Uni meine BA-Unterlagen zu holen, muss ich es am Donnerstag erneut probieren und habe somit eine Schonfrist erhalten, die ich, wie ich mich kenne, dazu nutzen werde, genau das zu tun, was ich bisher auch getan habe, nämlich gar nichts. Ich weiß ja nicht, was das noch werden soll, aber etwas Gutes wird dabei kaum herauskommen.

Den Besuch von R’s Eltern haben wir alle unbeschadet verkraftet, meine eigenen Eltern inklusive. Ich habe mir vermutlich zu einem der letzten Male in meinem Leben bei meinem Lieblings-Inder den Bauch vollgeschlagen (und ich schwöre dir, ich habe seit ewigen Zeiten nicht mehr so viel zu viel gegessen – ich tue das einfach nicht mehr).

Meine Tagesabläufe waren heute und gestern recht ähnlich; entspannter Morgen und erfüllter Nachmittag in beiden Fällen. Die Tafel hatte sowohl gestern als auch heute eine Unmenge an Lebensmitteln übrig, sodass ich gestern heilfroh war über Janas Anhänger und heute über die Gegenwart der Neuen, welche zwar an der tückischen Kupplung unseres Foodsharing-Fahrradanhängers gescheitert war, sich dafür aber sofort bereiterklärt hat, es mir gleichzutun und eine unbeanhängerte Doppelfahrt einzulegen. Ich habe dann meinen Riesenrucksack aka Platzwunder, prall gefüllt mit Brot, Kohlrabi und Chinakohl, zusammen mit zwei Tüten Brot und Kohlrabi im Korb und zwei am Lenker sowie drei mit Lauchzwiebeln, Basilikum, Paprika und mehr Salat auf den Schultern und zu guter Letzt noch einen um den Hals hängenden (danke, Gowai, für diesen langen Henkel) bis zum Bersten mit Champignons vollgestopften Beutel zur Uni hochgefahren, wo ich ja eh wegen meiner Unterlagen hinmusste und bei der Gelegenheit gleich den FairTeiler füllen konnte. Es war nicht gerade die am wenigsten erschöpfende Fahrradfahrt meines Lebens, wobei die transportierten Mengen nicht wirklich das Entscheidende waren (viel weniger ist es sonst auch nicht), aber dieser Berg hat mich fertiggemacht, es ist eine einzige verdammichte Bergauffahrt von der Tafel zur Uni. Ich sag’s dir, du, ich war KO. Die zweite Fuhre habe ich einfach zu mir nach Hause gebracht; sowas tue ich mir nicht zwei Mal an einem Tag an.

Außerdem war ich gestern und heute bei Elli und habe gute Taten in Form von drei Stunden Englisch- und zwei Stunden Bio-Nachhilfe verrichtet. Sie hält diese Woche ein Fünf-Minuten-Referat zum Thema Mukoviszidose. Sie wird es ganz sicher toll machen, zumindest nachdem wir heute nochmal den Ursprung des Namens geklärt haben. Aber höre selbst.

Mukoviszidose

Hach, Elli. Gotta love that kid.

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Heftig.

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Habe mit Neuro angefangen. Habe meinem Körper zu viel Koffeein zugeführt. Bin Basti unendlich dankbar für seine Bereitschaft, mir beim Lernen zuzuhören. Werde Klausur so oder so failen, aber fühle mich jetzt schon besser, rein gewissenstechnisch.

Nachher wieder Elli um zwei Uhr. Werde um vier ihre gesamte GFS in vier Tagen geschrieben haben, inklusive Handout. Ich kann dir alles über Hermann Hesse und sein „Unterm Rad“ erzählen, das du nur wissen möchtest. Vermutlich sogar um einiges mehr.

Der Fluss hat die unglaublichste Farbe diese Woche. Diese in etwa. Unbeschreiblich. Ein ganzer Riesenfluss in dieser unfassbaren Farbe, satt und exotisch. Wenn man über die Fahrradbrücke fährt, riecht es nach Urlaub. Ich fühle mich jedes Mal aufs Neue überwältigt während der paar Sekunden.

Mein Basilikum ist vollständig pikiert; ich habe den Rest gestern Abend erledigt. Dann bin ich lernen gegangen. Nicht bevor ich eine Stunde lang sinnloserweise ein Webinar über neurolinguistisches Programmieren angehört hatte, sollte dazugesagt werden. Aber ich habe angefangen.

Es war wunderbar, vorgestern mit R und Basti Lasagne zu machen und diese anschließend mit seinem neuen Mitbewohner zu essen. Er ist Russe und hat uns beigebracht, wie man Vodka trinkt. (Einatmen, exen, ausatmen, an saurer Gurke riechen. Spread the word; es funktioniert.)

Kaffeeloch. Hektisch und kaputt zugleich. Aber keine Panik, immerhin.

Waking Up Elli (oder: Wieder nicht gelernt.)

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Gerade bin ich in so einer Vertrauens-Phase. Es ist so angenehm; es tut so gut, sich einen Moment lang keiner Ängste oder Zweifel bewusst zu sein.

Hunger.

Ich werde diese Klausur nicht in dreitausend Jahren bestehen; ich habe es immer noch nicht geschafft zu lernen, und ins Tutorium bin ich auch nicht gegangen, weil ich den riesigen Fehler gemacht habe, mich eine Stunde vorher zum Schlafen hinzulegen. Forget it; ich war erst gegen 18 Uhr zumindest halbwegs wieder zurück unter den Lebenden.

Ich muss ein containertarisches Kochbuch schreiben, ich seh’s doch klar und deutlich.

Tue ich das doch einfach.

Nein, warte, ich kann jetzt nicht anfangen, ein containertarisches Kochbuch zu schreiben, wenn ich Dienstag Klausur habe und noch kein Wort dafür gelernt habe, verdammt.

Ich war heute bei Elli und werde morgen und übermorgen wieder da sein. Letztendlich liebe ich es wirklich sehr, Elli Nachhilfe zu geben. Vor allem deshalb, weil sie der eine, einzige Mensch in meinem gesamten Umfeld ist, der alles, was ich sage, so hungrig aufsaugt, als wäre sie zeit ihres Lebens noch nicht mit der Art Wissen, die ich ihr vermittele, in Kontakt gekommen. Es ist vermutlich auch genau so, und während mich das einerseits zutiefst schockiert, sehe ich andererseits natürlich das enorme Ausmaß meiner Möglichkeiten und Verantwortung. Ich kann diesem Menschen zu einer völlig neuen Sicht auf die Dinge verhelfen. Wenn ich es ganz geschickt anstelle (und ich hoffe, ich bin dabei), schafft sie es irgendwann, ihren Horizont von allein zu erweitern. Ich muss nur den Stein ins Rollen bringen. Und dabei hilft mir noch Trudi, was unheimlich praktisch ist, weil sich unsere Einstellungen zu gewissen Dingen eben doch ziemlich decken und es Elli ganz sicher guttut, diese vollkommen neuen Informationen von zwei verschiedenen Quellen zu bekommen. Man entwickelt dadurch doch automatisch noch mehr Vertrauen.

Also werde ich ihr jetzt, nachdem sie mich vorhin ausdrück- und eindringlich darum gebeten hat, erstmal ein-zwei Dokus zur Massentierhaltung zukommenlassen und mich nebenbei bei R über das genaue Wie-wo-wann seiner Rede auf dem CSD erkundigen. Sie klang ernsthaft interessiert. Sie ist ein guter Mensch; sie muss einfach nur aufwachen. Ich glaube, ich schaffe das.

Ich sollte es ausnutzen, dass R sich momentan vermutlich noch auf der Solid-Sitzung befindet, und einfach lernen.

Ich tue es ja doch nicht. Es wird immer schlimmer.

Muffins und Arbeit

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Sofies Mutter hat mich eben angerufen und mir stellvertretend für Sofie für heute abgesagt – sie bleibt heute in der Schule und beobachtet ihre Küken beim Schlüpfen; dass da keine Zeit für Klavierunterricht bleibt, ist ja verständlich. Ich hab‘ mich außerdem sehr gefreut, weil mich dies dazu befähigt hat, ein weiteres Halbstündchen sinnlos herumzugammeln und mir Videos von der RNs-Muffinaktion 2011 anzusehen. Wenn ich schon endlich wieder ohne Probleme RN-Videos ansehen kann. (Oh herrliches Leben, oh wunderbares Leben. Für das, was ich der Zeit und dem Leben dafür entgegenbringe, ist Dankbarkeit noch untertrieben.) (Naja, oder fast ohne Probleme; der Player hängt sich andauernd auf, was das Ansehen doch irgendwie schwieriger macht, als es sein könnte. Aber das liegt ja nunmal an Linux, nicht an irgendwelchen Deppen in den Videos und schon gar nicht an mir.)

Ich werde dann heute hoffentlich mit Gians Auftrag fertig; gestern habe ich es tatsächlich geschafft, mich zum Anfangen zu bewegen, und so viel ist es eigentlich gar nicht. Würde man denn einfach daran arbeiten.

Weißt du was, ich geh‘ arbeiten.

Summer Pt. 2

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Meine Demo ist fertig.

Nunja, obwohl, was heißt fertig. Nichts ist je fertig. Und vor allem dank der latent (danke, Laura, jetzt fange ich auch damit an) penetranten ukumenschlichen Stimme in meinem Kopf, die mir vor lauter Perfektionsanspruch bald den Verstand raubt, ist es anstrengend, mit irgendetwas zufrieden zu sein, das nicht so klingt, wie ich es haben will. Also müsste ich theoretisch mit allem unzufrieden sein. Das ist aber Schwachsinn, daher freue ich mich einfach mal, ein Liedchen zusammengebaut zu haben, das zumindest meinen Durchschnittswert um Längen übersteigt.

Überhaupt seit so langer Zeit mal wieder ein Liedchen zusammengebaut zu haben. Meine Güte, wann war denn Reality – das muss ewig her sein, da war ich bei Simone in Rostock und es war kalt. Jetzt ist es wieder kalt – ich habe einen ganzen Sommer lang gelebt, ohne irgendetwas zusammenzubauen. Daran war nicht nur die besagte motivationskillende Stimme Schuld, sondern in erster Linie das ganze Leben, das ich zu schaffen hatte. Wie gut, dass ich langsam zur Ruhe komme.

Und wie passend für das Lied, dass es wieder kalt wird. Wie äußerst passend.

Ich mache dann heute Abend das Textvideo – falls ich Zeit dafür habe. Aber ich werde Zeit haben; Freitag habe ich frei und kann dementsprechend schlafen gehen, wann immer ich möchte. Oder eben nicht schlafen gehen.

Und, wuhu, es war so schön gestern bei Sofie. Ich bringe ihr jetzt den Entertainer bei – die vereinfachte Version, die ich selbst zu Zeiten gespielt habe, als meine Hände noch nicht einmal groß genug waren, um eine Oktave zu greifen. Ich liebe es, wie ich meine ganzen alten Stücke durch sie wieder lerne. Und wie einfach es jetzt geht. Und dafür dann noch Geld bekommen. Oh, es ist doch alles herrlich.

Ein kurzer Arbeitstag

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So, fertig gearbeitet. Das ging heute ja anders als gedacht; ich kam zum Büro und es war niemand da, um mir aufzumachen. Fuhr also wieder nach Hause, las dann die Mail, dass erst gegen halb zwölf jemand kommen würde, und machte mich daran, von hier aus ein bisschen was zu schaffen. Geplant, getan – und jetzt mache ich Feierabend. Schönes Leben. Am Nachmittag fahre ich noch zu Sofie und beglücke sie mal wieder mit einer Klavierstunde – mal schauen, wie das so läuft, das erste Mal nach den Sommerferien. Aber wie ich sie kenne, hat sie fleißig geübt. Sie ist ein unfassbar fleißiges Ding, die Gute.

Im Gegensatz zu mir. Ich werde mir was zu essen machen und mich dann weiter um Summer kümmern. Und wie ich mich darauf freue.

Regentag, Regentag…

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…den man nur verschlafen mag.

(Möglichst ohne zu träumen, jemand wolle einen vergewaltigen. An sich ist es ja ganz erfreulich, dass mein Unbewusstes mir inzwischen offenbar ausreichend physische Attraktivität zuschreibt, um überhaupt als Vergewaltigungsopfer in Frage zu kommen, aber an sich war der Traum mehr verstörend als alles Andere.)

Gedacht, getan – der Bus zur Uni hat heute früh auf Grund von Überfüllung niemanden mehr hereingelassen und wäre wahrscheinlich vor den Augen der Wartenden gnadenlos durchgerauscht, hätten nicht ein paar Menschen dort das Ziel ihrer Reise erreicht und so die Überfüllung zumindest ein klein wenig erträglicher gemacht, wenn auch noch nicht erträglich genug, um Frischfleisch hereinzulassen.

Meine Motivation, überhaupt hinzugehen, ließ sich davon bereitwillig in den Keller scheuchen, sodass ich um halb zehn schon wieder im Bett war und meinen Tag somit gerade zum zweiten Mal beginne.

Und es erwarten mich erfreuliche Dinge. Zuerst werde ich seit Langem mal wieder Klavier unterrichten; Sofie hat sich neulich völlig aus dem Nichts gemeldet – ich dachte schon, ich würde in diesem Leben nichts mehr von ihr hören. So aber gehe ich um halb sechs zu ihr. Relativ direkt im Anschluss ist Bandprobe. Wenn man die weniger freudige Erwartung von Sebis Unfähigkeiten mal beiseitelässt, ist das nach wie vor ein sehr freudiges Ereignis.

Morgen ist schon Abreisetag meiner Großeltern. Das ging schnell. Es war auch wirklich schön mit ihnen, sobald ich einmal akzeptiert hatte, dass sie ständig und immerzu alles für mich bezahlen. Letztendlich bringt es ja nichts, jedes Mal Energie aufs Protestieren zu verschwenden. Wenn’s sie glücklich macht.. Gestern haben Susmita, Trudi und ich noch Chicken Tikka Masala gekocht (plus eine vegetarische Version, natürlich) und uns mit Oma & Opa zusammen darüber hergemacht. Lustig war’s, das Essen war köstlich (wie nicht) und die Sprachbarriere war gar nicht so dramatisch wichtig, hatte ich den Eindruck. Sie war halt nur ein bisschen ruhig. Aber ich drehe jedes Mal durch, wenn ich sie ein paar Brocken Deutsch reden höre, weil es sich so niedlich anhört und ich stolz auf sie bin, warum auch immer, ist ja nicht so, als wäre sie hier seit über einem Jahr und würde immer noch standhaft am Englisch festhalten.

Kantua izan nahi dut.

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Ich fühle mich gerüstet für eine weitere Woche in schöner Gesellschaft. Und ich freue mich auf Arbeit, viel Arbeit, viel Musik; immerhin kommt Sarah endlich, und wir können vielleicht (endlich) mal anfangen, unsere Songs zumindest halbwegs passabel aufzunehmen. Und der Ukumensch hat ebenfalls verlauten lassen, mal wieder an Demos arbeiten zu können. Und mir hat die Arbeit mit ihm schon gefehlt in letzter Zeit; es ist schon wieder alles so lange her. Schlimm genug, dass ich, vom Unwillen, die Gitarre jedes Mal aus Camerons Zimmer zu kidnappen, motiviert, mir eine von dessen zahlreichen Ukulelen unter den Nagel gerissen habe, welche ich nun bei mir im Zimmer bunkere und, Bruchstücke verschiedener ukumenschlicher Kompositionen vor mich hinstümpernd, als Gitarrenkompensation missbrauche (Janine sagte dazu vorhin, jetzt sei ich ja selbst ein Ukumensch geworden).

Und noch mehr Arbeit erwartet mich nächste Woche. Ich habe heute meine zweite Gruppe Englischschüler, bestehend aus momentan zwei Leuten, kennengelernt und das zweifelhafte Vergnügen gehabt, diese anderthalb Stunden lang zu unterrichten und dabei mit mäßigem Erfolg zu versuchen, die Geheimsprache, die die meisten spanischsprachigen Menschen anstelle des eigentlich als Unterrichtssprache angestrebten Englisch zum Zwecke der gegenseitigen Verständigung benutzen (sowie, leider, im Umgang mit ihrer dieser nicht mächtigen Lehrerin), zu entschlüsseln. Am Ende komme ich nach Hause und spreche einwandfreies Spanisch-Englisch-Pidgin, während diese hoffnungslosen Fälle nicht den Funken einer Erkenntnis aus meinem Unterricht gezogen haben und reihenweise durch ihr Cambridge First Exam fallen, ich seh’s kommen.

Aber noch ist das Risiko niemandem bewusst und mein Boss meinte vorhin zu mir, ich würde eventuell nächste Woche noch eine Gruppe dazubekommen. Das wird ja ein recht ausladendes Projekt, wie ich das so sehe. Ich arbeite ja jetzt schon vier Tage die Woche.

Da das Berri Txarrak-Konzert näherrückt, höre ich „pflichtbewusst“ (in diesem, aber leider Gowais nur diesem Fall gleichzusetzen mit „hochenthusiastisch“) alles an Musik dieser atemberaubenden Band, das Youtube mir ausspuckt, und zwischendurch immer mal wieder das, was ich eh schon kenne von ihnen. So wie Bueltatzen, das Lied, das mich immer umhaut, immer. Ich weiß, ich erwähnte. Ich höre auf.

Pablo ama a Ana… Auf ein Neues.

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Uff. Ich habe also gerade dreiundzwanzig Minuten mit einem weiteren potenziellen baldigen Mitbewohner telefoniert – diesmal nach Senegal. (Aber trotzdem auf ein spanisches Handy, sodass ich meins zu diesem Zweck zuvor nochmal mit dreißig Euro Guthaben ausgestattet habe.)

Ein Telefon-Interview! Er hat am Ende gesagt, dass er auf jeden Fall dafür wäre, dass ich einziehe – und dass er das seinen WG-Kollegen auch mitteilen wird, sodass er mir letztendlich am Samstag spätestens bescheidsagen kann, ob sie mich denn akzeptieren würden oder nicht. Argh, Warten! Ich bin so ungeduldig… Aber immerhin habe ich bei ihm schonmal einen guten Eindruck gemacht, was mich ja an sich schonmal freut. Alles Andere wäre aber auch bitter gewesen; ich habe mich für dieses Gespräch eigens mit Decke umwickelt auf die Terrasse gesetzt (des nicht vorhandenen Empfangs in meinem Zimmer wegen) und die zwangsläufig dort herausragenden Körperteile von gnadenlos bösartigen Mosquitos aussaugen lassen, dreiundzwanzig Minuten lang.

Hoffen wir, dass es diesmal klappt.

Was ist mir sonst noch so Tolles passiert heute? Also…

Sofie konnte ihr Solfeggio so unglaublich gut, dass es mich mal wieder halb umgehauen hat. Sie hat jeden Tag geübt und das hat man gehört. Ich bin so froh, dass sie immer noch so diszipliniert bei der Sache ist. Ich unterrichte sie ja nun auch schon eine ganze Weile und es ist ja durchaus nicht selbstverständlich, dass die Lust und der Spaß an der Sache nicht irgendwann nachlassen. Und als wäre das nicht Kompliment genug (ich behaupte einfach mal, mit mir hat es auch etwas zu tun – immerhin scheine ich ihr das Klavierspielen nicht total zu vermiesen), hat mir ihre Mutter auch noch gesagt, sie hätte einer Bekannten von ihr, die auch für ihre Tochter eine Klavierlehrerin braucht, meine Nummer gegeben. (Dass ich demnächst wegbin und eine neue Schülerin eher nicht annehmen kann gerade, war da wirklich eher zweitrangig.)

Kann man sich das vorstellen? Ich werde weiterempfohlen! Ich war so glücklich darüber, das glaubst du gar nicht.

Meine potenziellen Mitbewohner haben übrigens auch musikalische Tendenzen. Ich habe mich bei Daniel, mit dem ich eben telefoniert habe, auch schon erkundigt, ob ich, gesetzt den Fall, sie lassen mich bei sich einziehen, denn meine eigene Gitarre mitbringen müsste oder wie es da aussieht. Er meinte, nein, sie hätten dort welche!

Ich würde also mit ihm – einem spanischen Export-Schlagmichtot-Unternehmens-Mitarbeiter -, Cameron, einem ebenfalls spanischen Didgeridoo-, Ukulele-, Gitarre- und Mandolinenspieler, und William, einem fünfzigjährigen schwulen amerikanischen Englischlehrer, zusammenwohnen. Klingt doch nach einem lustigen halben Jahr, das da auf mich zukäme. Ich habe gar keine Angst mehr.

Mehr tolle Sachen: Morgen ist meine letzte Klausur. Und dann sind Ferien. FERIEN! ICH HAB’S FAST GESCHAFFT! Heute habe ich mich ja nochmal mit Rini zum Semantiklernen zusammengesetzt und auch wenn wir nicht sehr viel geschafft haben, habe ich ein halbwegs gutes Gefühl, dass es für uns beide morgen zum Bestehen schon reichen wird. Vorausgesetzt, ich hocke mich jetzt nochmal hin und prügele die Cuantificadores in mich rein. Beziehungsweise die Computación von Äußerungen, die welche enthalten. Und die Computación der normalen Aussagen kann ich immer noch nicht wirklich im Schlaf.

Machen wir doch einmal eine Livedemonstration.

Pablo ama a Ana en un mundo arbitrario.

[[ama]]w = {: x AMAR y en w}
[[(a) Ana]]w = a
[[[ama (a) Ana]SV]]w = {x: € [[ama] en w}
= {x: x € AMAR y en w}
= {x:x ama y en w}
[[Pablo]]w = p
[[[[Pablo]N [ama (a) Ana]SV]O]]w = 1 sii [[Pablo]]w € [[[ama (a) Ana]SV]]w
= 1 sii p € {x:x AMAR a en w}
= 1 sii p ama a en w

Mittwoch

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Und ich schwebe mal wieder durch die Tage, als wären es Träume. Und genauso flüchtig kommen sie mir vor.

Inzwischen kann ich wieder halbwegs reden, habe dafür einen ziemlich nervigen Schnupfen und Husten – aber das wird schon wieder.

Sehr viel von dem, was für heute geplant war, konnte ich erledigen – einiges davon auf der Terrasse im angenhem warmen Schatten, ausgerüstet mit Tee, Taschentüchern und allem, was man zum Syntaxlernen und Korrekturlesen von Bachelorarbeiten so braucht. Bei diesem Wetter fängt meine Seele erst richtig an zu leben. Ich liebe dieses Wetter. Ich liebe diesen Sommer. Ich liebe mein Zuhause und meine Art, darin zu leben. Ich liebe überhaupt mein Leben diesen Sommer. (Bis zu den Klausuren, ich seh’s kommen.)

Sarah hat mir vorhin Hirse und Gewürze vorbeigebracht, die wir geschenkt bekommen haben.

Sofie konnte heute unglaublicherweise Wenn ich ein Vöglein wär spielen. Und Swanee River, was wir letztes Mal angefangen hatten und was da rhythmisch noch ein einziges Disaster war – sie konnte es perfekt. Ich habe sie gefragt, wie sie das angestellt hat, und sie meinte, sie hätte viel mit Metronom geübt. Hach ja. Ich sag’s ja immer. Mit Metronom hilft halt schon sehr.

Die Zwischenmieterkandidatin wird mir bis zum Ende der Woche bescheidgeben, ob sie das Zimmer nöchte oder nicht. So lange sollte ich weitersuchen und mich vor allem weiter um eine Wohnung in Vitoria bemühen. Aber ach, es ist so demotivierend, wenn da nie jemand antwortet.

Jetzt habe ich mich schon wieder an diesem gowaiverdammten Erdbeertiramisù überfressen und es ist immer noch was da. (Probleme muss man haben, ich weiß.)

Langsam frage ich mich wirklich, was mit Lauras Internet kaputt ist. Jetzt habe ich die ganze Woche, in der JO zu Besuch war, und danach nochmal praktisch eine Woche nicht mit ihr reden können, das ist merkwürdig und sollte geändert werden. Aber gut, was will man machen. Wenn sie kann, wird sie sich schon zu Wort melden.
Robert ist so einsilbig wie immer – vielleicht noch ein bisschen mehr als sonst – und es macht nicht wirklich Spaß, mit ihm zu schreiben.

Ich werde mich mal an meine Vokabeln machen und hoffen, dass die Hälfte meines Kopfes, die nicht mit Schleim verstopft ist, dafür genug Denkenergie aufbringen kann.