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Roger

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Wow. So verkatert habe ich ungelogen noch nie bei der Therapeutin gesessen. Falls das überhaupt schon verkatert war und nicht einfach immer noch stockbesoffen. Es war trotzdem gut, dass ich da war, denn so konnte ich wertvolle Erkenntnisse über mein verkorkstes Anger-Management gewinnen.

Mein restlicher Tag bestand im Wesentlichen darin, den Rausch auszuschlafen. Damit war ich bis nachmittags beschäftigt; anschließend habe ich mit Simone telefoniert und war irgendwann in der zweiten Gesprächshälfte sogar soweit, mich aktiv daran beteiligen zu können. Wenig später rief mich Jana an und verkündete, sie würde morgen wieder vorbeikommen. (Im Angesicht ihrer vorbildlichen kontaktlosen Corona-Mentalität sah ich mich gezwungen, ihr wahrheitsgemäß von meiner gestrigen, Körperkontakt involvierenden Eskapade zu berichten. Dass mir meine mich selbst anbelangenden Prinzipien mittlerweile völlig wumpe zu sein scheinen, tut der Funktionalität meines Gewissens keinen Abbruch. Sie war, wenngleich nicht begeistert, dankbar für die Ehrlichkeit und möchte trotzdem noch zu mir kommen.) Dann ging ich mir Chili con Weißwurst machen. Dann meldete sich Andi, der anbot, mich morgen vom Bahnhof holen zu kommen (ja, bitte! Alles, was die Zwei-Stunden-Reise verkürzt, sei mir willkommen), und dann sogar meinte, ich könne auch bei ihm übernachten (whoa. Aber okay, bequem wär’s, und falls Jana morgen wieder da ist, kommt auch die Katze in dem Szenario nicht zu kurz). Dann vertilgte ich mit einer Begeisterung, die nur jemand aufbringen kann, der seit Tagen nichts Warmes mehr gegessen hat, eine Schüssel Chili. Und jetzt ist jetzt.

Nun hole ich die letzten beiden Tagesschauen nach, korrigiere noch ein Motivationsschreiben für die Freundin von Simones Bruder und hoffe einfach mal, dass ich dann irgendwann auch schon wieder schlafen kann. Und, falls das nicht zu viel verlangt ist, dass sich mein Leben in absehbarer Zeit auf eine Art einpendelt, die es mir erlaubt, mir ein gewisses Maß an Normalität wenigstens wieder irgendwie einzubilden.

Oh, to be able to just stay awake forever.

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Ich bin nicht zur Selbsthilfegruppe gegangen. Nächsten Monat vielleicht.

Dafür war heute Früh mein EKG-Termin, um zu überprüfen, ob mein Herz die abrupt erhöhte Dosis Escitalopram verträgt und, wie Becci dazu anmerkte, zumindest physisch noch funktioniert. Das ist der Fall, allerdings meinte die Ärztin mich zusammenstauchen zu müssen, weil ich ganz unbedarft zugegeben hatte, das Beruhigungsmittel tagsüber einzunehmen statt abends wie angeordnet. Einfach richtig plump: „Das darfst du nicht!“ Mich solcherart meiner verlässlich paniklindernden Substanz beraubt sehend, fing ich natürlich, wie sollte es anders sein, unkontrolliert an zu heulen und wurde daraufhin zum zweiten Mal innerhalb einer Woche gefragt, ob man mich an die Tagesklinik weiterleiten soll. Schien ihr jedenfalls lieber zu sein, als dass ich es weiter wagen könnte, Beruhigungsmittel zu Zeitpunkten zu mir zu nehmen, an denen ich tatsächlich Ruhe gebrauchen könnte.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich kam völlig aufgelöst da raus und hatte mich, zu Hause angekommen, noch immer nicht beruhigt. Glücklicherweise (für mich zumindest) war ich mit Becci zum Reden verabredet und nach einer knappen halben Stunde ihres Beistands langsam auch wieder halbwegs auf dem Boden.

Als Becci, die auf der Arbeit prinzipiell kein Auge zutut und natürlich mal wieder übermüdet aus der Nachtschicht gekommen war, sich meiner relativen Stabilität vergewissert hatte und mich meinem Schicksal überließ, um etwas von dem versäumten Schlaf nachzuholen, konnte mein Überlebensprogramm zum nächsten Teil übergehen: Serie (aktuell inhaliere ich die zweite Staffel von Narcos México), Handyspiele, Serie. Restliche Pizza essen, Serie, Telefonieren mit Mama, Serie, Fertigsandwich essen, Serie. Und demnächst tragischerweise schon wieder Schlafengehen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich große Teile des Tages dafür benötige, die Panik abflauen zu lassen, und es mir zum Abend hin stetig besser geht, ist es eine Schande, das jeden Abend durch Schlafen wieder zunichte zu machen. Die reinste Sisyphusarbeit. Ich hatte vergessen, dass es so ist. Aber mittlerweile erinnere ich mich gut.

Gestern war es besonders krass. Während ich mir noch eine Stunde, bevor ich das Haus verließ, nicht vorstellen konnte, das Containern an einem Stück zu überstehen, wirkte die Aktivität und Wolfgangs Gesellschaft stattdessen derart wohltuend, dass hinterher selbst das Zurückkehren in die dunkle Wohnung (vor dem es mir so gegraut hatte, dass ich schon mit dem Gedanken gespielt hatte, das Licht im Wohnzimmer anzulassen – aber ein letzter Rest Verstand bewahrt mich vor solchen Totalausfällen dann doch noch mehr oder minder zuverlässig, und beim Ausschalten der Wohnzimmerbeleuchtung redete er mir zu: „Der Welt muss es nicht noch schlechter gehen, nur weil es dir schlecht geht.“) sich komplett problemlos gestaltete. Ich kam rein, dachte nicht mal aktiv darüber nach, dass niemand da war, der mir mit dem Versorgen der Ausbeute helfen würde, verpflanzte die Taschen auf die Terrasse, ging duschen (erstmals seit letztem Montag. Du willst nicht wissen, in welchem Zustand ich war, aber man kann es sich vorstellen), wischte sogar vorher nochmal durch die Wanne – was ich wirklich nie tue – und war allgemein um ein Vielfaches schaffenskräftiger als die halbe Woche davor zusammen.

Es war so gut. Und dann musste ich schlafen. Ich verstehe, wie die Frau aus 50 First Dates sich vorkommen muss, die am Ende eines jeden Tages in dem Wissen die Augen schließt, dass sie sich am nächsten Morgen an keine Sekunde davon wird erinnern können. Genau so ergeht es mir.

Sogar heute, obwohl ich tatsächlich heute kein Trimipramin eingenommen habe, zum ersten Mal, seitdem es sich in meinem Besitz befindet. Auch wenn ich nicht vorhabe, mich durch die Zurechtweisung der Ärztin von der Anwendung dieses Medikaments abhalten zu lassen, wie sie für mich Sinn macht (erstmal morgen herausfinden, was die Therapeutin dazu meint), wollte ich einfach wie jeden Tag ausprobieren, ob es auch ohne geht. Und es ging. Immerhin.

Zehn Stunden Schlaf.

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Wolfgang hat sich gestern Nachmittag gemeldet. Er habe gehört, was bei uns los ist. Falls ich jemanden zum Reden bräuchte, noch sei er ja hier. So wie er für R da sei, sei er auch für mich da.

Ich bin vor Rührung und Erleichterung in Tränen ausgebrochen, als ich das gelesen habe, denn ich möchte nichts lieber tun als mit Wolfgang reden. Zum einen weil ich mir über ihn in seiner Funktion als R’s bester Freund ein Verständnis von dessen emotionaler Welt erhoffe, zu der er mir selbst den Zugang nicht bietet, und es mir mit seiner Hilfe vielleicht besser gelingen könnte, zwischen Projektion und Tatsachen zu differenzieren. Und auf der anderen Seite schätze ich Wolfgang als Mensch so sehr. Dass er in anderthalb Monaten wegzieht, ist ein weiterer herber Verlust, den ich werde wegstecken müssen.

Vielleicht war es diese unerwartete wunderbare Geste, die dazu führte, dass ich heute Früh um sieben die Panik bezwingen und nochmal einschlafen konnte – vielleicht war es auch einfach der nächtelang akkumulierte Schlafmangel in Kombination mit der täglichen Dosis Baldrian. Wie auch immer, ich habe bis nach zehn Uhr geschlafen und hätte rein vom Körpergefühl her wahrscheinlich nochmal so lange dranhängen können. Dafür war die Wand, die der Schlaf zwischen das Drama und meine Gedanken schiebt, dann aber doch zu dünn. Ist man erstmal wach, sickert alles in Sekundenschnelle durch.

Ich frage mich, ob es noch furchtbarer wird, wenn die Beziehung endgültig hinüber ist. Oder ob es wieder von vorne anfängt, der Schock, der Schmerz. Ob alles, was ich an Heilungsarbeit jetzt vollziehe, nicht in diesem Moment wieder zerstört wird. Oder ob es eine Befreiung wird, die mir erlaubt, nach vorne zu blicken un mich neu zu erfinden. Vielleicht bin ich bis dahin so weise, dass es so kommt. Unwahrscheinlich, aber möglich.

The Power Of Denial

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Es ist komisch. Heute ging’s mir ganz gut, ziemlich sogar, aber gestern dachte ich schon, ich würde den Verstand verlieren. Ich war ganz kurz davor. Und Freitag habe ich kurzzeitig überlegt, mich einweisen zu lassen. Ich war so sinnentleert.

Ich bin es immer noch, aber meine Verdrängkünste haben sich wieder an die Arbeit gemacht. Und ich weiß oder vermute zu wissen, woran ich eigentlich arbeiten sollte. Aber jetzt warte ich erstmal darauf, dass R mit Duschen fertig ist, um ihm noch ein paar Minuten was vorzulesen und dann zu schlafen. Schlafen geht ja zum Glück immer.

Sahne auf Käsekuchen

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Und schon wieder Nacht. Ich habe mir eins meiner Käsekuchengläser aufgemacht und verspeise aktuell dessen Inhalt zusammen mit Apfelmus und Sprühsahne. Zuverlässig erinnert mich dies an den dicken Drachen, Desipio, der einst von mir wissen wollte, ob ich die Kombination von Käsekuchen und Schlagsahne für geschmacklos halte. Und an Metronomy-Bernd, dessen Sohn vielleicht, vielleicht aber auch nicht irgendwann mal mit Käsekuchen nach meinem weltbesten Rezept verköstigt wurde.

Das waren schon komische Charaktere, die beiden. Jeder von ihnen hat meinen Blog über eine kurze Zeit hinweg heimgesucht, sogar intensivst (im Falle des Drachens), und sich im Anschluss wieder vom Acker gemacht, genau so plötzlich, wie sie hereingeschneit waren. Schon merkwürdig, wie die Leute manchmal so aus dem Nichts auftauchen, einmal kurz ein Stichflämmchen entfachen und dann in dasselbe dunkle Nichts hinein auf Nimmerwiedersehen wieder verschwinden. Aber dafür ist das Internet schließlich prädestiniert.

Ich sollte ins Bett. Seit Tagen stelle ich mir den Wecker auf 9.56 Uhr und schlafe jedes Mal am Ende doch bis zwölf. Das kann so nicht weitergehen.

Grießpudding und Salat

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Obwohl ich dringend ins Bett muss, wenn das nachher nicht wieder so enden soll wie gestern (aufgewacht um 2.35pm und mich gewundert, dass ich mich so ausgeschlafen fühle, bis ich die Uhrzeit erblickte und es einfach nicht glauben konnte – ich dachte, die Zeiten wären fürs Erste vorbei?!): Mir geht’s blendend.

Warum?

  1. Ich habe einen Container-Spot. Nach einem halben Jahr Entzug endlich wieder einen Spot. Das habe ich Becci zu verdanken und meiner endlich zurückgekehrten Motivation.
  2. Ich habe die sensationellsten Freunde ever.
  3. Possibly sogar den sensationellsten Freund ever.
  4. Den sensationellsten besten Kumpel, um nicht zu sagen: nebatxo, ever.
  5. Eine ganze Familie, mit der ich Weihnachten feiern werde.
  6. Unendliche weitere Privilegien.
  7. Zusammenzufassen ist das alles vermutlich mit „verdammt viel Glück“.

Ade, ich gehe schlafen.

Miau.

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Leider wurde das Nesselfieber, das mich seit Samstag Abend heimsucht, heute so schlimm, dass ich fast nicht wusste, wie ich in die Uni kommen sollte. Zum Glück war es besser, als ich erstmal dort war. Ich habe das 8.15-Seminar geschwänzt – wunderbar gemacht, letzte Stunde vor der Klausur schwänzen hat doch eh immer was, erst recht, wenn’s dasjenige Seminar ist, das der Prof leitet, bei dem du BA schreiben willst und den die Klausur dementsprechend nicht allzusehr entsetzen sollte.

Naja. Aber dafür habe ich bis um die 12 geschlafen und kam mir endlich mal nicht mehr so sehr wie ein Zombie vor. Sanskrit wieder unvorbereitet überlebt, in Euskera kurz aufgeblüht und dann ab nach Hause, wo ich mich todesfertig daran machte, mein lang geplantes Semmelknödel-im-Glas-Projekt in die Tat umzusetzen und nebenher etwas zu essen. Wurde Zeit; der Mensch ist halt nicht dazu gemacht, auf der Basis eines mickerigen, aus einer Banane und einem Löffelchen Schokoeis, Wasser und Milchpulver bestehenden Shakes über den ganzen Tag zu kommen.

Gestern hat sich ja noch alles Mögliche Schöne ereignet. Ich habe nach einem wenig fruchtbaren Gespräch mit Mama über meine Lage (wer hätte es gedacht; was hätte da auch Anderes als eine totale Katastrophe rauskommen sollen) mich dann schnellstens auf zu Moritz gemacht, bei dem ich dann immerhin noch eine knappe Dreiviertelstunde Zeit hatte rumzuhängen. Und das war wirklich schön. Chrissi, sein Mitbewohner, war auch da, und während wir auch nicht dazu kamen, die Thematik anzuschneiden, war ich einfach nur total glücklich, dasein und mich so unkompliziert und erfüllend mit diesen beiden lustigen, lieben Zeitgenossen unterhalten zu können.

Natürlich war ich ein kleines bisschen zu spät zurück – Peruaner-Pedro rief mich vom Parkplatz vor meiner Haustür aus an, da war ich noch nichtmal beim Bahnübergang unten vor dem Berg. Die von der Tafel sagten mir, als ich sie eine Minute danach anrief, dass sie absolut nichts dahatten, das ich hätte abholen müssen, und mit dieser Nachricht begrüßte ich Pedro, der mir daraufhin vorschlug, doch einfach ein bisschen zusammen um den Bodensee zu fahren. Gesagt, getan. Er hatte auch ein paar Sachen auf dem Herzen, aber den Großteil der Zeit verbrachten wir natürlich mal wieder mit meinem Kram. Und natürlich schaffte ich es nicht zu Türkisch um viertel nach drei, vielmehr fand ich mich irgendwann in Pedros Zimmer vor einem gigantischen einfarbigen Spiralenpuzzle wieder, an dem wir in ungefähr einer Stunde ungefähr fünf Stücke weiterkamen (und uns darüber nen Keks freuten). Dann wollte Pedro containern gehen – es geschehen noch Zeichen und Wunder. Natürlich ließ ich mir das nicht zweimal sagen – Containern mit dem Auto, gibt es etwas Luxuriöseres?
Der richtige SuperGAU kam dann aber, als wir nach an sich schon recht erfolgreichem Beutezug noch zu Sarah fuhren und mit ihr zusammen unsere letzte Station anpeilten. Ich glaube, ich habe selten in meinem Leben so einen Fang gemacht wie gestern. Das war nichts Anderes als völlig absurd. Also, mein Kühlschrank, Gefrierfach und begehbarer Kühlschrank aka Bereich vor unserer Gartentür sind jedenfalls gut gefüllt.

Irgendwann war dann endlich alles fertig und ich habe

…war ich dabei zu schreiben, dann tauchte ein unfassbar niedlicher bekiffter R eine Stunde früher als erwartet bei mir auf und ich sah mich gezwungen, die Veröffentlichung dieses Eintrags auf später zu verschieben, genauer gesagt, auf jetzt.

Er hat Trudi und Hannes kennengelernt und gleich mit ihnen gebondet, nachdem er feststellen durfte, dass die beiden auch zur Gattung der Graskonsumenten zählen, und Trudi ihm natürlich gleich anbot, mit ihnen noch einen durchzuziehen. Ich hatte inzwischen schon die tiefgreifende Erkenntnis gehabt, dass stoned R in etwa das Goldigste ist, das mir je unter die Augen gekommen ist, und war glücklich, dass er die Gelegenheit hatte, noch mehr von dem Zeug zu inhalieren. Wirklich, ich kam mir fast selbst vor wie auf Drogen, solche Lachflashs hatte ich gestern. Was für wunderbaren Schwachsinn er einfach redet. „Leg dich andersrum, bitte, mich überfordert dein Gesicht aus dieser Perspektive. Wirklich jetzt, du solltest dich umlegen. Also, ich will dich nicht umlegen, und du sollst dich auch nicht umlegen, aber bitte leg dich um!“

Was ist noch passiert, abgesehen davon, dass ich augenscheinlich anfange, mich in meinen Freund zu verlieben, und das auf Basis von Gras? Hm. Vorhin rief mich Peruaner-Pedro an, um zu fragen, wann er bei mir vorbeikommen soll, und ich war todesverwirrt, weil wir überhaupt nichts ausgemacht hatten und er mir aber einreden wollte, wir hätten etwas ausgemacht, und da mein Verstand noch nicht wirklich dawar, habe ich sogar wirklich gezweifelt. Jedenfalls muss ich noch Maialens Probeklausur machen und herausfinden, was ich heute Abend tue, um R bescheidsagen zu können, ob ich nach der Uni zu ihm komme. Daran sollte ich mich jetzt wirklich mal machen, bevor Pedro hier aufkreuzt.

Das Nesselfieber ist immer noch da. Und es tut weh. Trudi hat mit ihrer Mutter geredet und mir etliche Ratschläge von ihr übermittelt, mir Medikamente aus Harz und Heilpflanzen zur Verfügung gestellt und mir Shea-Butter zum Einreiben gegeben, was wirklich lieb von ihr war.

Und ich muss jetzt ganz dringend aufstehen und mein Kokosöl ausspucken, und das eigentlich schon seit mindestens zehn Minuten.

Unblocking stuff

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Ich hab‘ auf einmal das Gefühl, dass es alles..

Schrieb’s und hatte keine Ahnung mehr. Gut wird? Unkomplizierter ist, als ich denke? Mich überfordert? (Das eh.) Sich irgendwie entwirren wird? (Vermutlich auch das.) Abstrus ist? (Ein wenig.)

Da ich in den vergangenen Tagen ein bisschen zu viel darüber nachgedacht habe, dass ich mich irgendwie fürchte, aber dank großartigster Verdrängungsleistungen mal wieder nicht wirklich einen Plan habe, wovor, gehe ich jetzt alles, das als Grund in Frage kommt, auf einem Blatt Papier sammeln. Ich versuche selten genug, mir irgendwas Verdrängtes bewusst zu machen; das wird reinhauen. Und helfen.

Wahnsinn. Wenn ich gleich schlafen gehe, kann ich um kurz nach acht aufwachen und Sachen machen. Vielleicht schaffe ich es ja wirklich schon um 10 in die Arbeit.

Regentag, Regentag…

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…den man nur verschlafen mag.

(Möglichst ohne zu träumen, jemand wolle einen vergewaltigen. An sich ist es ja ganz erfreulich, dass mein Unbewusstes mir inzwischen offenbar ausreichend physische Attraktivität zuschreibt, um überhaupt als Vergewaltigungsopfer in Frage zu kommen, aber an sich war der Traum mehr verstörend als alles Andere.)

Gedacht, getan – der Bus zur Uni hat heute früh auf Grund von Überfüllung niemanden mehr hereingelassen und wäre wahrscheinlich vor den Augen der Wartenden gnadenlos durchgerauscht, hätten nicht ein paar Menschen dort das Ziel ihrer Reise erreicht und so die Überfüllung zumindest ein klein wenig erträglicher gemacht, wenn auch noch nicht erträglich genug, um Frischfleisch hereinzulassen.

Meine Motivation, überhaupt hinzugehen, ließ sich davon bereitwillig in den Keller scheuchen, sodass ich um halb zehn schon wieder im Bett war und meinen Tag somit gerade zum zweiten Mal beginne.

Und es erwarten mich erfreuliche Dinge. Zuerst werde ich seit Langem mal wieder Klavier unterrichten; Sofie hat sich neulich völlig aus dem Nichts gemeldet – ich dachte schon, ich würde in diesem Leben nichts mehr von ihr hören. So aber gehe ich um halb sechs zu ihr. Relativ direkt im Anschluss ist Bandprobe. Wenn man die weniger freudige Erwartung von Sebis Unfähigkeiten mal beiseitelässt, ist das nach wie vor ein sehr freudiges Ereignis.

Morgen ist schon Abreisetag meiner Großeltern. Das ging schnell. Es war auch wirklich schön mit ihnen, sobald ich einmal akzeptiert hatte, dass sie ständig und immerzu alles für mich bezahlen. Letztendlich bringt es ja nichts, jedes Mal Energie aufs Protestieren zu verschwenden. Wenn’s sie glücklich macht.. Gestern haben Susmita, Trudi und ich noch Chicken Tikka Masala gekocht (plus eine vegetarische Version, natürlich) und uns mit Oma & Opa zusammen darüber hergemacht. Lustig war’s, das Essen war köstlich (wie nicht) und die Sprachbarriere war gar nicht so dramatisch wichtig, hatte ich den Eindruck. Sie war halt nur ein bisschen ruhig. Aber ich drehe jedes Mal durch, wenn ich sie ein paar Brocken Deutsch reden höre, weil es sich so niedlich anhört und ich stolz auf sie bin, warum auch immer, ist ja nicht so, als wäre sie hier seit über einem Jahr und würde immer noch standhaft am Englisch festhalten.

Oh erhab’ne Morgenstund.

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Hah. Wie immer, wenn ich es ausnahmsweise mal vor zwölf Uhr aus dem Haus schaffe, fühle ich mich phänomenal. Es ist ironisch eigentlich. Einerseits habe ich mir im Laufe der letzten Jahre eine ausgesprochene Unfähigkeit angeeignet, früh aufzustehen (fast als hätte ich sie von Şahin übernommen, dessen (bei mir) berühmter Ausspruch, wenn er schlafe, sei er „… nicht Şahin“ – man konnte praktisch anstellen, was man wollte, er wurde und wurde nicht wach. Bis zu dem Moment, als ich darauf kam, ihm Disturbed in voller Lautstärke ausschüttende Kopfhörer aufzusetzen – das wirkte. Blendend. Und noch dazu wachte er auf diese Art mit wunderbarer Laune auf.) – aber immer, wenn ich es doch schaffe, denke ich mir, dass es eine einzige Verschwendung ist, nicht jeden Tag vor acht Uhr aufzuwachen. Besonders wenn die Sonne scheint, wie heute.

Ich war also vorhin beim Arzt und habe ganz locker-flockig verkündet, dass ich meine Medis gern absetzen würde. Er war damit einverstanden – jetzt nehme ich für acht Wochen noch die halbe Dosis, dann kann ich probeweise ganz aufhören und einmal feststellen, ob ich eigentlich selbständig lebensfähig bin.

Ein wenig skeptisch war er, unerwarteterweise, muss ich sagen. Dafür, dass ich das Zeug schon so übertrieben lange nehme, hätte ich eigentlich vollste Zustimmung erwartet; eigentlich dachte ich, er würde überzeugter sein als ich von dem Vorhaben. Stattdessen hat er mich nochmal gefragt, wie ich mich noch gleich vor Oktober 2011 gefühlt habe, woraufhin ich natürlich dann zugeben musste, dass es davor auch nicht unbedingt so herrlich lief, die ganzen 19 Jahre – und habe ihm wie schon so oft gesagt, dass ich erst mit den Medis eigentlich das Gefühl hatte, ich selbst zu sein. Ich selbst zu sein und zu leben. Ich bin ja noch im Aufbau. Das dauert auch noch eine ganze Weile, ich weiß ja, aber einfach versuchshalber würde ich es eben nun mal auf mich allein gestellt probieren.

Die Ratten schlafen. Bei Alnatura gab’s heute wieder nichts abzuholen; das dritte Mal schon, dass ich dort angerufen habe. Die Tafel scheint nicht wählerisch zu sein diese Woche.

Ich bin auch nicht wählerisch. Rajas Hirse-Möhren-Mus schmeckt eigentlich nicht so dolle, aber ich packe es nichtsdestotrotz auf mein Brot. Es kann ja nicht sein, dass sie sich die Mühe umsonst gemacht hat. Und überhaupt, die gute Hirse. Ich mache auf dem Brot eine Grundlage aus Mus, lege dann Salat drauf und darauf noch ein-zwei Streifen eingelegte Paprika oder Pilze. Gestern erst habe ich wieder ein Riesenglas Pilze und Zucchini eingelegt. Was gibt es Köstlicheres… Und den Ratten gebe ich die Reste; Hälfte Ratten, Hälfte Kompost, und in die Erde aus dem Kompost pflanze ich meine Morning Glory-Keimlinge. Mittlerweile kann man ja schon fast Pflänzchen dazu sagen. Vierzehn Stück habe ich; das wird aussehen bei mir im Sommer, oh je, ich sag’s dir. Wie gut, dass ich gerade noch zwei kleine Plastiktöpfchen gefunden habe (zusammen mit einer alten Klappmatratze, die konnte ich wirklich sehr gut gebrauchen).. jede zusätzliche Kapazität ist mir willkommen.