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Blaue Katzen

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Himmels Willen, was ist denn hier passiert? Da ist man ein paar Wöchelchen nicht da und sie ändern im Backend einfach die Farben. Hat fast was von SchülerVZ, dieses Weiß-Rosa.

Nun gut, damit kann ich leben. Noch besser lebe ich allerdings, weil ich heute zum ersten Mal dieses Jahr, zwecks Therapeutentermin, das Haus verlassen habe und mir das gutgetan hat. Rauskommen ist generell immer ganz super, nur es bis dahin zu schaffen stellt eine enorme Hürde dar, der ich mich aktuell ganz gut entziehe. Aber ich hoffe, dass es bald wieder besser wird. Kann eigentlich nur.

Irgendeinen magischen Einfluss scheinen allerdings meine Therapiesitzungen auf das Finanzamt zu haben. Als ich heute wiederkam und den Briefkasten aufmachte, befand sich darin, man höre und staune – meine Umsatzsteueridentifikationsnummer. Genau wie das Schreiben mit der Aufforderung, mich beim Elster-Portal anzumelden, letztes Jahr auch an einem Donnerstag ins Haus geflattert kam, als ich schon ganz und gar überzeugt war, mich nochmal selbst beim Finanzamt melden zu müssen.

Somit kann ich nun also, vorausgesetzt, sie behalten mich bei Scribbr, das Geld, das ich mir dort erarbeite, auch tatsächlich ausgezahlt bekommen.

Mein Kalender kam auch heute an. Dies wird mein drittes Jahr als bekennende Paperblankssüchtige. Ein Glück fliegen diese kleinen Buchkalender bei Ebay nach Weihnachten überall herum. Ich habe dieses Mal einen mit blauen Katzen abgestaubt und würde mich nun daran freuen, wären denn meine Emotionen momentan für mich erreichbar.

Ich habe die Medis zurück auf 10 mg herunterdosiert, nachdem der erhoffte Motivationsschub auch auf der höheren Dosis ausblieb und mir dafür der klägliche Rest meiner Gefühlswelt auch noch abhandenkam. Dann doch lieber wieder nichts gebacken bekommen und dabei wenigstens ein schlechtes Gewissen haben, statt einfach nur stumpf vor mich hinzuexistieren und dabei, wenn überhaupt, höchstens noch weniger zu schaffen.

Gleich wird jedenfalls erstmal mit Caro geredet. R kommt spät wegen Solid. Donnerstags sollte die Pflege sozialer Kontakte zur Außenwelt ins Pflichtprogramm gehören – wenn ich denn eines hätte.

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Anti-Sucht und Sommerpläne: wer nicht schlafen kann, nutzt die Nacht eben so.

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Ich habe soeben beschlossen, meine Zocksucht zu bekämpfen, indem ich unter der Woche kein AOE mehr spiele. Außerdem werde ich den Rest der Woche bis 18.00 keine Handyspiele mehr spielen, sodass zumindest eine realistische Chance besteht, dass ich vor dem Urlaub noch irgendetwas für meine bislang nicht existente Hausarbeit geschafft bekomme.

Diese Maßnahme ist aber auch wirklich überfällig. Was ich vom Tag nicht verschlafe momentan, das verzocke ich, und es widert mich so dermaßen an. Einen suchtanfälligeren Menschen als mich hat die Welt noch nicht erlebt – wenigstens aber habe ich die Fähigkeit der Selbstreflektion und kann intervenieren, wie damals mit meinem Radikalausstieg aus Facebookspielen eindrucksvoll bewiesen (was nicht heißt, ganz im Gegenteil, dass mich heute noch gelegentlich die Sehnsucht danach packt, wieder Treasure Isle spielen zu können).

Nun hänge ich hier also neben dem schlafenden R im Bett und bin wach. Es war nicht anders zu erwarten, nachdem ich mir am Nachmittag gleich zwei Dosen Energy hintereinander einverleibt habe. Musste aber sein, ich brauchte dringend Instant Gratification. Um nämlich ein wenig Geld von meinen nicht enden wollenden Bestell-Eskapaden wieder reinzuholen, habe ich mich endlich mal getraut, bei dieser Plattform My little Job einen Auftrag anzunehmen, und so einige Stunden meiner Zeit heute für Produktrecherche im Bereich Fahrradzubehör geopfert. Wenn alles gut geht, wird mir das am Ende 22 Euro eingebracht haben. Somit könnte ich immerhin den Kauf der in Bälde eintreffenden grünen Swarovski-Perlen vor mir selbst rechtfertigen. Oder den der blauen. Sie haben beide 20€ gekostet. Sollte das heute also funktioniert haben, lasse ich demnächst für einen weiteren Auftrag dieser Art nochmal einen Nachmittag draufgehen. Solange es nichts mit der Hausarbeit zu tun hat, lässt mich das Alien in meinem Kopf immerhin Recherchearbeit verrichten.

Schöne Dinge: Wie es aussieht, fahre ich im Sommer mit Basti nach zum polnischen Woodstock-Festival und zuvor für einige Tage nach Luxemburg. Es scheint ihm wichtig zu sein, mir die ganzen Orte seiner Vergangenheit zu zeigen, über die er momentan eh unheimlich viel nachdenkt. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn er hat einiges davon: so viel hat dieser Mensch schon getan und erlebt, dass ihn Becci letzten Sommer fragte, ob er sich sicher sei, erst 25 und noch keine 40 Jahre lang auf der Welt zu sein.

Und mit Becci möchte ich nach England trampen. Nachdem es bisher mit unseren Tramp-Plänen nie was wurde und „bevor man da irgendwann ein Visum braucht“, wie Becci feststellte. Wir waren beide noch nie dort, und das sollte sich ändern.

Und als wäre das noch nicht genug, kommt danach der August: Ich gehe Caro besuchen und nehme mit… wen, weiß ich noch nicht so genau, aber R kommt mit, wenn es mit seinen verbleibenden Urlaubstagen hinkommt, und Basti, wenn es mit seinem verbleibenden Geld hinkommt. Wobei das weniger ein Problem sein sollte, da er bei mir sowieso so hoch verschuldet ist, dass ich es nicht einsehe, was es für einen Unterschied es machen sollte, ihm die paar hundert Euro nicht auch noch zu leihen.

Nunja, so ist das alles. Ich hätte weitaus mehr noch zu berichten, aber es ist unsagbar unbequem hier, so unbewegt auf einen Arm gestützt – meine Schulter läuft gleich Amok. Und ich sollte mal versuchen zu schlafen.

Someone’s stuck in shit, and naturally…

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Was zum Geier ist mit mir verkehrt? Ich hab Klausuren nächste Woche; Freitag, Samstag und/oder Sonntag Termine und trotzdem nichts Besseres zu tun, als Kepa anzubieten, ihm für seinen Umzug von Hamburg nach Kempten am Freitag packen zu helfen.

Warum tut man das? Was zur Hölle? Ok, ich hätte es nicht gemacht, würde nicht die altbekannte Nachtbuslinie von Touring in neun Stunden von hier aus direkt hochfahren. Und mir ist eigentlich vollkommen klar, wieso ich das tue. Es ist die simple Tatsache, dass er sich beklagt hat. Über Faulheit. Das Phänomen, welches sich bei beiden von uns als teuflische lethargische Lähmung äußert, die über „ach nöö, kein Bock“ so endlos hinausgeht, dass ich fast so weit gehen würde, zu behaupten, diese beiden Gemütszustände entstammen nicht einmal der gleichen Art von Regung. Oder eher Unregung. Anti-Regung. Nicht-Regung. I know I would have wanted an offer like that.

Sodass also zu eben dieser simplen Tatsache, dass Kepa sich offen beklagt hat – und wenn einem Kepa anvertraut, dass etwas grad nicht so läuft, ist die Kacke am Dampfen – noch das Wissen um die widerliche Machtlosigkeit kommt, die ihn daran hindert, seinen Kram jetzt und sofort in Kisten zu packen. Falls er überhaupt schon welche hat. Wenn nicht – wundern würd’s mich kaum.

Und jetzt das Allererschreckendste: Er hat es angenommen. (Nachdem er mich zweimal aufforderte, mir gut zu überlegen, was ich da tue.) Das offenbarte mir erst das wirkliche Ausmaß seiner Verzweiflung. Er muss in einem so dermaßen bodenlosen Loch gehockt haben, der Mensch. Hm. Wäre mir das widerfahren, hätte ich jetzt vermutlich genug Tatkraft wiedererlangt, um es doch noch allein zu schaffen. Immerhin hat er sich direkt aufraffen können, sich fest für morgen vorzunehmen, einen Transporter zu buchen. In our world, that means a lot. Gedankliche Konfrontation des Krisenthemas can go a long way.

Vermutlich lag meiner Hilfsbereitschaft auch zugrunde, dass ich mich selbst gerade wieder gerafft habe. Auch wenn ich gestern nicht in der Uni war. Aber die Wohnung sieht jetzt aus wie ein anderer Planet als noch letzte Woche. Mein Rücken ist der Leidtragende meiner Produktivität; das ganze Wischen und Klettern aufs Hochbett und herunter vom Hochbett und Wuseln zwischen mittlerweile drei bewohnbaren Zimmern und Küche und Keller und Bädern war nicht sehr lieb zu ihm. Aber oh, wie es sich gelohnt hat. Allein im Schlaf- und im rosa Zimmer muss noch gewischt werden, alle anderen Räume sind blütenrein. Es sieht so schön aus hier. Ich habe Teelichter und ein Räucherstäbchen angezündet zur Feier des kleinen Wunders.

Und ich habe auf dem Hochbett umgeräumt, sodass nun das Nachtschränkchen leichter zu erreichen ist, ohne dass man ans Fußende greifen muss, und es steht mein altes Beistellregal daneben, um uns mehr Ablegemöglichkeit zu bieten. Und natürlich habe ich auf dem Bett gesaugt und es neu bezogen. (Ja, man muss tatsächlich gelegentlich darauf saugen, weil es ja aus durchgehenden Spanplatten besteht. Dafür ist untendrunter wesentlich leichter zu reinigen, oh the joys of elevated beds.)

Nun habe ich noch immer eine halbe Stunde, bis R nach Hause kommt. Seitdem er diesen Job hat, ruft er mich zuverlässig fast jeden Tag an, wenn er dort rauskommt, eine völlig unerwartete und erfreuliche Neuerung.  So weiß ich dann auch immer, wann ich mit ihm rechnen kann. Und ich bin glücklich, denn es ist schön hier und ich muss kein schlechtes Gewissen haben wie an all den Tagen, die ich zockend auf der Couch verbracht hatte, wenn er von der Arbeit wiederkam.

Okay. Morgen erfahre ich dann, ob meine Dienste als Notfallpackerin wirklich in Anspruch genommen werden; dann kann ich mich darum kümmern, meine Wochenendtermine zu verlegen und mich wiederum mental und buchenderweise auf die Fahrt nach HH vorbereiten. Aus allen Gründen, die ich hätte, um in Hamburg aufzuschlagen, als jemand, der vierzehn Jahre seines Lebens in der Ecke verbracht hat… Ich hätte nicht gedacht, dass es gerade ein Umzug sein würde, der mich da nochmal hinführt.

Ich hab‘ einen

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Psychiatertermin, hallelujah! Ich sollte keine Angst mehr haben, bei den Praxen von Psychiatern anzurufen; ich glaube, die dort arbeitenden Sprechstundenhilfen sind schon vom Default her die freundlichsten, nettesten Menschen, denen man an den Telefonen der Welt nur begegnen kann. Ich habe also eben ganz souverän zuerst in der einen Praxis angerufen, bei dem, wo ich eigentlich hinwollte, bekam dann aber gesagt, dass das erst im neuen Jahr wieder etwas wird, und gleich dazu noch eine Empfehlung einer eventuell noch verfügbaren Kollegin inklusive Telefonnummer. Dort habe ich dann einen Termin für Montag Früh bekommen, ohne dass ich überhaupt etwas von der Dringlichkeit meines Anliegens hätte erzählen müssen. Es wird nicht unbedingt weniger beindruckend, wenn man bedenkt, dass ich noch genau für vier Tage Medis habe und somit selbst, wenn in der Apotheke meiner Wahl am Montag das Medi nicht gleich verfügbar sein sollte, lückenlos eingedeckt sein werde. Atemberaubend.

Uni habe ich auch überstanden für diese Woche. Kunststück, nachdem über die Hälfte meiner Kurse ohne mich stattfand. Aber ich bin extrem erleichtert, es mit so einem immensen Grad an Untätigkeit, Faulheit und Prokrastination dann doch mühelos bis ans Ende der Woche geschafft zu haben und überall durchgekommen zu sein. Jetzt sollte ich mich nur dann auch mal am Riemen reißen. Ich bin noch längst nicht aus dem Schneider, hänge gnadenlos mit allem hinterher und fühle mich doch schon wieder sicher. So eine Katastrophe, mein Gehirn.

Da fällt mir ein: Katzenfutter aus der Tasche holen, einfrieren. Ich habe gerade der Mitarbeiterin in der Fleischerei verkündet, es würde mir schon irgendwie doof vorkommen, wie ich einfach immer da hereinkomme und abstaube, ohne je was dazu zu kaufen. Aber was soll man machen, ich kann ja schlecht für mein Gewissen zum Fleischkäufer mutieren. (Bombing for peace, fucking for virginity… und so.)

Natürlich habe ich entsetzliche Regelschmerzen und hoffe, dass das morgen besser ist, damit ich ungestört nach Mannheim fahren kann. Wenn R mich schonmal zu seinen feierischen Aktivitäten einlädt.

Aua.

Biharra ez da existen…

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eta ala ere ziur gaude gaurkoa ez dela amesten genuenaren antzekoa.

Zu lange nicht gehört gehabt, Denak ez du balio.

Außer mit Musikhören habe ich den Tag damit verbracht, der nicht enden wollenden Anti-Ordnung in meinem Haushalt irgendwie beseitigenderweise hinterherzuhecheln. Mama kam am Freitag mit einer weiteren Wagenladung meiner ehemals im elterlichen Keller gelagerten Besitztümer an, darunter eine Kiste voll mit alten Schulzetteln und Klausuren, um deren Sortierung ich mich heute vorwiegend gekümmert habe. Sehr viel davon ist nach Jahren des unnötigen Aufbewahrtwerdens nun tatsächlich endlich im Müll gelandet; einseitig freie Blätter wurden zu einem Bogglepapierstapel monströser Ausmaße zusammengeschichtet und die Klausuren sowie einige ganz bemerkenswerte Erinnerungsstücke habe ich dann doch behalten. Die Küchenablage, auf der dieser Prozess vonstattenging, ist nach wie vor in Papiere gehüllt; das endgültige Wegsortieren mancher Stapel gestaltet sich schwierig, solang die Bürosachen in Schlaf- und rosa Zimmer noch nicht richtig strukturiert sind und überhaupt das rosa Zimmer in diesem unzimmerwürdigen Zustand sich befindet.

Ich bin nicht so weit, wie ich gerne wäre. Mein Referat für den 14. dieses Monats habe ich nichtmal angefangen zu machen, mich nichtmal ins Thema eingelesen. Gleichzeitig habe ich mich heute wirklich mal angestrengt, nicht auf der faulen, lethargischen Haut zu sitzen, soweit diese Bemühungen bei zwei geschwänzten Unikursen heute überhaupt zählen. Beim Auf- und Abhängen der Wäsche ergibt sich übrigens das gleiche Problem; ich habe zwar am Freitag drei Maschinen gewaschen, kann aber mein Zeug nicht gescheit wegsortieren, solang mein Kleiderschrank nicht an seiner endgültigen Position angekommen ist. Dafür wiederum muss das rosa Zimmer zumindest an der Stelle, wo jetzt der Schrank hinsoll, von den gerümpelartig herumliegenden Gegenständen befreit werden. Dafür wäre es natürlich ideal, das Regal über dem Schreibtisch schon an der Wand zu befestigen, aber das schaffe ich nicht alleine, muss also R zum Aufhängen einspannen, was schwierig ist, weil der entweder sich abends auf Sitzungen herumtreibt oder vom Arbeiten so fertig ist, dass ich es nicht schaffe, ihn nach der Hochbettaktion um noch mehr Heimwerkerarbeitsmithilfe zu bitten.

Nebenbei: Da stand ich gestern in Frankfurt auf dem Billy-Talent-Konzert und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich die Band zum ersten Mal vor mehr als neuneinhalb Jahren gesehen hatte. Es war merkwürdig. Aber ein grandioser Abend. Mein ganzer Körper leidet noch unter den unvermeidbaren Nachwirkungen von anderthalb Stunden durchgehendem Headbangen und Springen. Ich fühlte mich in die Zeiten zurückversetzt, in denen ich ein gutes Konzert genau danach beurteilte, wie taub anschließend meine Ohren und wie kaputt meine Gliedmaßen waren, wie sehr meine Schuhe klebten, wie sehr ich nach Rauch und Bier stank. Es ist gar nicht mal so lange her, dass ich überhaupt Konzerte zu besuchen anfing, auf denen es nicht die Regel ist, zwischen halbnackten, massigen, muskulösen pogenden Männern eingequetscht zu sein. Gestern waren keine solchen Zeitgenossen um uns herum zugegen, leider. Wir waren zu weit hinten, auf der Höhe der Soundinsel, und mein hyperaktives Konzertverhalten war bei weitem das bewegteste in meinem direkten Umfeld, was unter Anderem zur Folge hatte, dass ich mir an der Schulter eines dieser menschlichen Felsen vor mir halb den Kiefer gebrochen habe und andauernd paranoid war, jemandem auf die Füße zu springen. Aber ganz ehrlich, WTF, wie könnt ihr ruhig da herumstehen bei einer Band von Billy Talents Genialität, die euch vielleicht wie mich seit länger als einem Jahrzehnt das Leben mit hochwertigen musikalischen Momenten füllt und live so gut ist, dass man nicht anders können sollte als vollkommen durchdrehen. Selbst wenn sie mittlerweile nicht mehr die hochkarätigen Setlists aufstellen können wie am Anfang ihrer Karriere (welchen ich ja streng genommen auch nicht ganz mitbekommen habe, dafür aber verlässlich ab dem zweiten Album habe mitverfolgen können), weil einfach nur noch Zeit für die ganz großen Hitsingles bleibt. Wie das nunmal so ist, bedauernswerterweise – ich bezweifele fast, dass ich Juwelen wie The Navy Song, Nothing to Lose, Pins & Needles, The Ex, The Dead Can’t Testify oder Worker Bees noch einmal live zu hören bekomme. Aber das sind alles vergangene, leuchtende Momente, deren Erinnerung umso wertvoller ist im Angesicht ihrer heutigen Rarität.

Ich sollte mich um mein Referat kümmern.

Voll die Pracht – es ist vollbracht

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Das Projekt, welches in den letzten Wochen mein häusliches Leben bestimmt hat – das Hochbett. Es steht. Ich bin ein wenig ratlos, was mit dem ganzen gigantischen Platz nun alles anzufangen ist, aber ich bin mir mehr als sicher, dass mich dieses Luxusproblem nicht lange quälen wird.

Meine recht harsche Meinung gegenüber unserem Helfer habe ich bei der heutigen Session auch wieder verworfen; der Mensch ist in Ordnung. Eigen, aber in Ordnung, genau wie R sofort sagte. Dass ich nun gerade das bin, was abgestumpfte, hartgesottene „Kerle“ wie er vermutlich ein zartes Pflänzchen nennen und als überempfindlich abstempeln (genau wie ich meinerseits gerade den Brandt als abgestumpft und hartgesotten abstempele), dafür kann er letztendlich ja auch nichts. Und seien wir ehrlich, ohne seine Hilfe wäre dieses Ungetüm niemals in meinem Schlafzimmer zu neuem Leben erwacht.

Jetzt habe ich mir mein wohlverdientes Abendessen, bestehend aus süßen Semmelknödeln und Schokokuchen mit Apfel-Birnen-Kompott (alles noch Überbleibsel aus meinem zu Konstanzer Zeiten schier endlos scheinenden, inzwischen aber dramatisch geschrumpften Vorrat) nach unspektakulärem Aus-Gläsern-auf-Teller-transferieren und anschließendem Erwärmen in der Mikrowelle einverleibt und möchte eigentlich gleich wieder zur Tat schreiten: Das Schlafzimmer befindet sich nach wie vor nicht in einem Zustand, den ich meiner morgen Nachmittag hier eintreffenden Mutter präsentieren möchte. Gerade hat auch noch mein Handy mir bescheidgegeben, dass jemand mir geschrieben hat (war vermutlich R), und ich unterdrücke meinen Impuls, sofort hinzurennen. Furchtbar ist das. Immer gleich hinrennen wollen. Ich versuche mir das aktiv abzutrainieren, vor allem da meistens Stunden vergehen, bevor R eine meiner SMS mal liest oder sogar darauf reagiert. Da ist es doch nicht gut für die Würde, immer sofort zu antworten.

Außerdem sind meine Füße schmerzhaft überdehnt, was daran liegen könnte, dass ich etliche Zeit in unnatürlichen Positionen auf meinem Hochbett verbracht habe, um die Untergrund-Platten zu verschrauben. Selbiges gilt für meine Knie. Dieses Bett hat mir bisher nicht gerade Komfort geboten. Aber das kommt ja ab jetzt. Mein Plan ist es, mir von meiner gesammelten Familie (sprich: Eltern, Mamas Eltern, Onkel) zu Weihnachten eine enorme Matratze schenken zu lassen, die das Bett so weit wie möglich ausfüllt, und den Rest mit Kissen zu stopfen bzw mit Nachtschränkchen zu versehen. Wie gut, dass meine Eltern morgen zusammen mit dem Auto kommen und gleich zwei Nachtschränkchen dabeihaben, die ich in meinen letzten Jahren in Oldesloe als Regal für meine Pflanzen im Zimmer stehen hatte. (Links ein Schränkchen, rechts ein Schränkchen, obendrauf ein Regalbrett.)

Ich bin fertig, das glaubst du gar nicht. Wie soll ich hier jemals wieder aufstehen. Aber es muss bald passieren. Das Schlafzimmer muss von Sägestaub und -spänen befreit werden, alle beiden Etagen. Dann kann ich die Draußen-Kissen von den Terrassenmöbeln provisorisch auf dem Bett ausbreiten und beziehen, sodass wir tatsächlich heute Nacht schon darauf schlafen können. Vielleicht schaffe ich es sogar schon, das ein oder andere Büromöbel wie geplant unter dem Bett zu positionieren, falls ich durch das Chaos im rosa Zimmer damit irgendwie durchkomme.

Also *ächz*, auf in den Kampf! Der wichtigste Sieg ist ja schon einmal errungen.

Kurz vor knapp

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Na, das war ja nochmal abenteuerlich. Wie hätte es auch anders sein sollen; natürlich hat mir doch noch eine der Unterlagen gefehlt und ich musste von der Uni nochmal zu R ins Büro, um sie dort auszudrucken und auszufüllen. Da ich noch nie allein zu diesem Ort gegangen war und mein Orientierungssinn dem einer Demenzkranken entspricht, musste mich R auf halbem Weg von der Bushaltestelle abholen (nachdem er mir zuvor telefonisch die Richtung durchgegeben hatte, was mich nicht davon abhielt, einen halben Kilometer planlos in die entgegengesetzte zu laufen).

Er hatte gute Laune und es war schön, ihn unerwartet vor seinem Wochenendtermin in Stuttgart nochmal zu sehen. Arne war auch da, natürlich, und wollte mich heldenhaft davor erretten, mir eins der (vom süßigkeitenfanatischen Kollegen Markus) überall im Büro verteilten Weingummis einzuverleiben. Seinem Ausruf „Halt, nicht! Das ist…“ setzte ich nur ein halb lachendes, halb resigniertes „Ich weiß, danke… falls du mich darauf hinweisen wolltest, dass das…“ entgegen, woraufhin er die Warnung mit dem Wort „…Schwein“ verdutzt zuendebrachte. Er hätte mich nicht für so inkonsequent gehalten, gab sich aber damit zufrieden, ich sei ja durch mein Containern immer noch mehr Vegetarier als er. Nunja, das Containern sollte ich langsam dann jetzt auch mal wieder in Gang bringen; es fehlt mir wie mein eigener Kopf und meine Lebensqualität leidet darunter erheblich.

Zurück in der Uni schaffte ich es gerade noch so vor Schließung des Studi-Servicezentrums mit dem nunmehr hoffentlich vollständig beladenen Umschlag hinein, um mich dessen endlich zu entledigen. Ein sehr schönes Gefühl, den Eingangsstempel mit Datum – 14.10.16 – darauf zu erblicken.

Überhaupt tat es gut, mal wieder rauszukommen. Die ganze Welt da draußen gehört einfach irgendwie dazu. Es war alles voll mit Menschen; die Busse, die Straßen. Auf dem Weg zur Uni lagen Teile einer Taube verteilt wie eine makabere Schnitzeljagd. Ein Paar Flügel, an den Enden noch befiedert, aber nur durch wenige, von allem Fleisch befreite Knochen und Sehnen noch verbunden. Eine Straße weiter ein blutverklebtes Bündel Federn. Dann ein beringter Fuß zwischen den Pflastersteinen. Es wächst eine riesenhafte, uralte Buche vor dem Hauptgebäude der Uni; ich habe mich hingesetzt und Bucheckern aufgesammelt, zweihundert Stück an der Zahl.

Ich fühlte mich wohl da draußen. Trotz pochender Regelschmerzen und dem Gefühl, meine Menstruationstasse bald wieder leeren zu müssen. Es wird schon ganz gut sein, dass mein Dasein ab nächster Woche wieder mal von ein paar mehr Zwängen geregelt wird. Man tendiert doch sehr dazu, in der Wohnung zu versacken.

Ein Segen.

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Drei Telefonate, eins davon unnötig, eines hilfreich, das andere lebensrettend, und schon bin ich im Besitz meiner ureigenen Exmatrikulationsbescheinigung als PDF. Bereits an R zum Ausdrucken ins Büro geschickt; nachdem der Drucker, den ich seinerzeit direkt nach dem Einzug vom Sperrmüll angeschleppt hatte, sich beileibe nicht davon abbringen lässt, sich einzubilden, dass in seinem Inneren ein Papierstau stattfindet (was ein Humbug. Natürlich gerate ich an einen Hypochonderdrucker. Es könnte alles so einfach sein), haben all die Unterlagen für meine Einschreibung einen Umweg über R’s Büro gemacht, um dort in Papierform entweder dupliziert oder überhaupt erst materalisiert zu werden.

Ich bin, gelinde gesagt, erleichtert. Ohne die Exmatrikulationsbescheinigung wäre ich aufgeschmissen gewesen, das hat auch der Anruf an der hiesigen Uni nochmal bestätigt. Wie schön es sein muss, Dinge einfach telefonisch zu erledigen – für all die glücklichen Individuen ohne Anrufpanik. Erstaunlicherweise hielt sich die vorhin bei mir in Grenzen. Aber klar; es musste sein, deshalb wartet man mit sowas ja bis zur allerletzten Minute. Die Dringlichkeit übertüncht die Panik.

Ich habe es sogar eben geschafft, einen Blick ins LSF zu werfen – erstmals. Die Einführungsveranstaltung in die Translatologie ruft einen Kotzreiz schlimmsten Grades hervor und lässt mich fast bereuen, die Einschreibefrist nun tatsächlich noch einhalten zu können. Die Kursbeschreibung lässt auf einen Dozenten der übelsten Sorte schließen (tatsächlich wurde mir davon speiübel), welcher sich nichts Besseres vorstellen kann, als mit seiner ach so geilen Wissenschaftlichkeit noch dem letzten Studierenden klarzumachen, wer hier der Boss ist. Einer der Sorte „Anmerkung: Hiate sind adjazente heterosyllabische Vokale“, nur dreitausendmal schlimmer. Und nachdem dann im spanischen Teil des Erstsemestermoduls die Veranstaltungen gar nicht einzeln aufrufbar waren, verließ mich die ohnehin unerwartete Motivation. Nunja. Irgendwann diese Woche muss es sein.

Heute müssen eigentlich auch noch eine ganze Menge Dinge sein, wenn ich mich in der Wohnung mal so umschaue. Ekelhafte Regelschmerzen und meine generelle Arbeitsunwilligkeit halten eine bislang überzeugende Gegenrede. Ein Glück kommt die Mikrowellenfrau nachher vorbei, das zwingt mich zumindest zum Staubsaugen.

Ein Esel zwischen den Solarplatten

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Yo, ich bin umgezogen. Ein bisschen zumindest; gerade hänge ich in R’s alter Küche und versuche mehr oder minder erfolglos, die mich seit Tagen plagenden, von herausbrechenden Weisheitszähnen verursachten Schmerzen im Mund zu ignorieren. Sämtliche Arzneimittel in der neuen Wohnung zu lagern war, gelinde gesagt, ein Fehltritt. Unter Anderem auch, weil meine lebenswichtigen Anti-Depri-Medis, inklusive der zum Hierbleiben gedachten Schachtel, ebenfalls darunter sind. Ein Glück holte mir R gestern neue, so blieb ich keinen Tag ohne meinen Suchtstoff und musste mir wenigstens darum keine Sorgen machen, während ich versuchte, die Höllenschmerzen in Kopf, Nacken, Mandeln und Mundraum so gut es ging zu verschlafen. Boah, war das furchtbar. Aber es bessert sich schon wieder.

Zwischen Anfang der Woche und dem jetztigen Zeitpunkt lagen einige, um nicht zu sagen etliche Ereignisse. Vom körperlich nicht gerade unanstrengenden, aber durchweg erfolgreichen Umzug über zertrümmerte Zeigefinger, nervenzermürbende Auseinandersetzungen und den erwähnten von R auf der Rückfahrt nach Fast-noch-Zuhause gesichteten Esel bis hin zu einem nun bereits tagelang andauernden, fast unwirklich anmutenden Zustand stressfreien, demonstrativen Geliebtwerdens.

Gerade Letzteres sticht heraus und versetzt mich in eine beinah unvorsichtige Hochstimmung ungeahnter Ausmaße. R nahm sich ab Umzugstag eine Auszeit vom Firmenaufbau und ist seither auf eine völlig ungewohnte Art in etwas präsent, das die Bezeichnung eines gemeinsamen Lebens ohne Wenn und Aber verdient, fast erstmalig in dieser langen Zeit. Liebevoll, partizipativ, aktiv involviert, gutwillig, hilfsbereit, anerkennend, positiv, aufmerksam. Präsent. Es zerreißt mir bald das Herz, mir vorzustellen, dass das wieder aufhört. Ich kann mich nicht erinnern, mich von dieser Person je so lange an einem Stück geliebt gefühlt zu haben. Irgendwo doch ein wunderbares Zeichen für diesen Umzug.

Und nun noch die News des Jahrhunderts: Wenn es gut läuft, schafft es R morgen, eins meiner allerliebsten Computerspiele vergangener, aber ganz sicher nicht vergessener Zeiten mithilfe seines DOS-Emulators wiederzubeleben: Swing. Da R, wie eben geschildert, momentan ganz wunderbar lieb ist, hat er heute schon damit angefangen und sich der Tatsache zum Trotz, dass er eigentlich schon loswollte, redlich bemüht, die Probleme, die ich damit hatte, aus dem Weg zu räumen. Sogar noch, nachdem ich ihm sagte, es hätte ja noch Zeit bis morgen, um ihm nicht das Gefühl zu geben, ihn am Weggehen zu hindern. Oh, was war es brutal: Das Spiel ließ sich bereits öffnen und das altbekannte, so viel versprechende und an so Vieles erinnernde Hauptmenü erschien; du konntest auch alles Mögliche einstellen, nur ein neues Spiel starten lassen wollte es dich nicht. „You can’t start a new game – you opened game as a network client.“ Oder so. Hilfe, ich kann bald nicht mehr; die so vertrauten Soundeffekte und der Anblick der wunderbaren Extras waren schon genug, um mich hyperventilieren zu lassen. Wenn das morgen funktioniert, werde ich mich nie mehr darüber beschweren müssen, alleine zu Hause zu sein und nichts zu tun zu haben. Nie fucking mehr.

Kampf mit dem Krampf

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Gut, es hat zu schneien aufgehört. Ein Faktor weniger, der mir die Fahrt zur Tafel (und vor allem von dort zurück) zur äußerst nervigen Angelegenheit machen könnte. Blieben noch die mit vollem Karacho einsetzenden Regelschmerzen, der halbplatte Anhänger und die Tatsache, dass beide Kolleginnen heute verhindert sind. Garniert vom auszugsbedingten Wegfall meines Vorgarten-FairTeilers.

Dafür war das Wochenende ziemlich schön. Abgesehen davon, dass ich noch nicht vollständig damit fertig bin, R’s Verkündung zu verdauen, aber das wird schon noch. Ich habe mich entschlossen, statt Konfrontation wieder direkt die Verdrängung zu wählen; kommunizieren kann ich, wenn der nächst Anlass kommt, und seine auf völligem Unverständnis basierende Reaktion, hätte ich ihn nun nochmal drauf angesprochen, hätte ich mir ohnehin ausmalen können. Das hätte nur wieder fatal im Heuldrama geendet.

Also nutzte ich Bastis Auftauchen am Samstagvormittag, um meine Laune zielstrebig in Richtung Obergeschoss zu scheuchen, und brachte R dazu, am späten Nachmittag mit uns durch den strömenden Regen zu Bastis Wohnung zu fahren und dort Schränke ab- und aufzubauen. (Basti überlässt mir nämlich seinen größeren gegen meinen kleineren Kleiderschrank, was unserem jeweiligen Platzbedürfnis mehr als entgegenkommt.) R, der vorhatte, am darauffolgenden Tag einer Landesvorstandssitzung beizuwohnen, wurde abends benachrichtigt, dass seine Anwesenheit dort nicht vonnöten war. Das verschaffte uns einen Sonntag von unvergleichlicher Gemütlichkeit und sorgte vor allem dafür, dass ich ihn ein ganzes Wochenende am Stück im echten Leben bei mir hatte. R so lange außerhalb seines Tunnels zu erleben ist eine Seltenheit.

So. Ich schlürfe meinen soeben von R gebrachten Himbeerblättertee und hoffe auf eine baldige Linderung der Regelschmerzen. (Tippte es und stellte fest: Sie setzt ein. Das Zeug wirkt Wunder.) Somit wäre der nächste Schritt getan, um den Ausflug zur Tafel gleich noch erträglicher zu gestalten.

Edit: R präsentierte mir inzwischen seinen Mitbewohner Leo, der mir montags schon immer die Foodo-Fahrt mit dem Auto luxuriös erleichtert, als rettenden Engel, der heute beide Fahrten mit mir übernimmt. Jetzt bin ich also nicht nur froh, dass R an mich gedacht und Leo gefragt hat, sondern habe zudem auch noch das riesige Transportproblem gelöst. Dafür aber wieder furchtbare Schmerzen. Der Rückgang war von kurzer Dauer. Ich glaub, ich pfeif‘ mir einfach ne Tablette rein.