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Müll – es gibt solchen und solchen

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Trotz Panik geht es mir heute besser als die letzten Tage. Sophi hat sich gerade nach vorne verschoben, sodass ich schon gleich zu ihr fahre. In der Zeit bis dahin bearbeite ich noch schnell den Mitschnitt des Vortrags von letztem Freitag, den R mit der Solid organisiert hat und den ich mit meiner Mutter besucht habe. Der Vortrag war es übrigens auch, der uns an dem Tag das Leben gerettet hat. Wir hatten uns zuvor in eins unserer berüchtigten Weltuntergangsdramen verstrickt und waren beide zu stur, um aufeinander zuzugehen, aber nach der ablenkenden Wirkung des Vortrags und des dabei konsumierten Biers fühlte ich mich so viel besser und war fähig, eine normale Interaktion anzustoßen. Wir sind dann Falafel essen gegangen und haben uns tatsächlich wieder eingekriegt, und der Rest ihres Besuchs verlief harmonisch.

Nun bin ich gerade begeistert von der Leistung meines klapperigen AGs – es hat den Vortrag ohne Nebengeräusche jeglicher Art aufgezeichnet, was wirklich nicht mehr selbstverständlich ist – ich hatte mich auf Gegenteiliges eingestellt und war schon davon ausgegangen, der Aufnahme die komplette linke Spur amputieren und die rechte zu einer Monospur zusammenstauchen müssen. Auf der linken Seite kommt immer dieses Monsterrauschen, wenn man beim Anschalten die Hand falsch positioniert. Aus irgendeinem Grund reagiert das AG hochempfindlich auf die elektrische Ladung im menschlichen Körper. Naja, ich werde auch Macken haben, wenn ich alt bin.

Neben mir steht meine neue Wohnzimmerlampe, die ich gestern inklusive Leuchtmittel vom Sperrmüll vor dem Haus aufgegabelt habe. Jemand wollte sie weggeben, bloß weil der Schirm des Fluters an einer Stelle gesprungen ist. Gut für uns – die alte Lampe fiel schon halb auseinander und leistet R jetzt im kleinen Zimmer beim Lernen gute Dienste.

Eigentlich wollten wir ja bloß unsere alte Matratze auf dem Sperrmüll deponieren. Ich habe nämlich gestern die unerquickliche Entdeckung gemacht, dass sich auf ihrer Unterseite ein gigantischer schwarzer Schimmelfleck von den Ausmaßen eines Pastatellers befand – nichtmal ich wollte daraufhin diese Matratze noch in der Wohnung behalten. Hätten wir nicht von meiner Mutter zu Weihnachten die neue Matratze bekommen (1,40 breit! So riesig!!), die wir am Wochenende ausgesucht hatten und die gestern geliefert wurde, wer weiß, wann wir uns der widerlichen Pilzkultur bewusst geworden wären. Und wie überaus praktisch, dass R, als wir schon dabei waren, die Matratze in der Tiefgarage zwischenzulagern, dann noch einfiel, dass doch gerade Sperrmüll war.

Jetzt sollte ich los.

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Where I Want To Be

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Soho! Wie mir eben auffällt, ist es Billies Geburtstag, mal wieder – furchtbar, wie alle immer älter werden. Der Gute müsste dann jetzt… 45 Jahre auf dem Buckel haben, das ist doch krank, das kann doch nicht wahr sein. Anyways, solang’s ihm gut geht – mir geht’s definitiv gut, und das ist doch auch schonmal was Feines.

Ich hatte das schönste Geburtstagsnachfeierwochenende aller Zeiten, an dem sich (welch Überraschung) Becci mal wieder als Engel, Basti als rettender DJ, R als wunderbarster Kater der Welt und der Rest der Mannschaft als grandiose restliche Truppe herausgestellt hat. Barbara bekam Henna-Haare von Becci, Becci und ich waren mit dem Auto containern, ich konnte (dementsprechend) meine Gäste mit einer übertriebenen Auswahl an Salaten sowie einer Unmenge Rührei verpflegen, jeder brachte Alkohol mit, ich habe Barbaras Freund kennengelernt und mich hervorragend mit ihm verstanden (wir waren gestern alle zusammen im Irish Pub, wo ich auch Manu wiedertraf, der mir dann sagte, Barbara würde sich Sorgen machen, weil wir uns so gut verstehen – kann ich aber nachvollziehen, ich bin ja auch eher vom unsicher -> eifersüchtigen Schlag, auch wenn ich mir alle Mühe gebe, es nicht zu sein), Wolfgang und Sarah waren da und Jana kam mit Malika zusammen. Die beiden brachten Heidelberger Melonenschnaps mit, Wolfgang hatte diese absurd riesige Pappdose Chips, Becci und Janine und Basti halfen mir, das Tuch von Becci an die Wand zu nageln (es ist ein wunderschönes, riesiges Tuch mit Goa-Elfen-Charakter und Pilzen drauf!), Sarah hatte auf die letzte Minute bei sich daheim ein Sammelsurium aus Duschgel und Body-Lotion zusammengestellt und noch einen Salmiaklolli dazugepackt, kurzum, ich wurde reich beschenkt und es war alles wunderschön.

Janine und Basti und Becci waren natürlich eh zum Übernachten eingeplant, außerdem blieben auch Barbara und Manu, was mich besonders freute; die beiden sind halt doch eher scheue Charaktere, die sich auch wirklich verflüchtigen, wenn sie sich irgendwo nicht wohl fühlen. Barbara hatte wohl in der Nacht noch ein Kotzdrama veranstaltet, davon hatte ich aber dank meines Zustandes nichts mitbekommen – ich glaube, ich war da gerade auf dem Weg ins Bett. Aber dafür war ich am nächsten Tag so verkatert wie nie zuvor in meinem Leben. Hilfe, man wird wirklich alt.

Diese Woche habe ich eigentlich ausschließlich gegammelt. Erste Woche der Semesterferien – was soll man da auch sonst machen. Außerdem hatte R Urlaub, bzw. hat ihn immer noch, bloß ist er gestern nach Konstanz runtergefahren, um sich dort mal wieder blicken zu lassen, sodass ich mich freue, in der Zeit mit den Kommilitoninnen was unternehmen zu können. Heut Abend gehen wir essen im Hans im Gück, oh, was freue ich mich darauf – das wird nicht nur köstlich, sondern dazu in einer Geräuschkulisse stattfinden, die (unlike yesterday’s pub quiz) auch Gespräche in normalem Tonfall zulässt.

Mein Bus geht in einer halben Stunde; derweil sitze ich in meinem wunderbaren, aufgeräumten Wohnzimmer, umhüllt vom warmen Licht der marokkanischen Lampen, und trinke meinen Irish Coffee mit Beccis Zimt-Whiskey und der von ihr containerten Sprühsahne.

Oh, es ist doch alles ein Segen. Mein Leben scheint wirklich zu funktionieren.

On a side note: Ich hatte ewig nichts mehr von Laura gehört und wollte ihr vorhin auf Facebook schreiben, wie es ihr geht (und dass ich neulich geträumt hatte, wir hätten uns schon wieder verkracht), da wurde ich mir gewahr, dass sie mich offenbar gelöscht hat. WTF… Das war’s dann wohl, apparently. Aber okay, was soll’s; wir konnten eh schon ewig nichts mehr miteinander anfangen. Nach dem, was sie letztes Jahr so alles vom Stapel gelassen hat, bin ich nicht böse drum.

Und wo ich dabei bin: Nachdem ich mich – ganz nach bester Trudi-Manier – ein halbes Jahr lang nicht getraut hatte, nachzusehen, ob ich noch Geld auf meinem alten Konto habe, konnte ich mich Anfang der Woche dazu durchringen und machte dabei faszinierende Entdeckungen: 1) Ich war zu dumm, den Vodafone-Vertrag aus dem Taborweg richtig zu kündigen – sie haben weiterhin jeden Monat brav 37,90 Euro von meinem Konto abzegozen (das kam dann heraus, als R für mich dort anrief), 2) ich zahle jeden Monat einen weiteren Internetvertrag, den ich nie in Anspruch genommen habe, weil ich (ebenfalls eine Aktion oder eher unterlassene Aktion à la Trudi) zu unfähig war, mich um den Widerruf zu kümmern. Daraufhin bekam ich 1) einen Herzinfarkt und 2) die Befürchtung, vor dem finanziellen Ruin zu stehen, bis mir 3) bewusst wurde, dass sich auf meinem alten Konto doch tatsächlich noch Geld befindet – und zwar doppelt so viel wie auf meinem neuen. Das heißt, ich kann vorerst weiterhin beruhigt Taugenichts spielen und muss mich nicht händeringend um Jobs kümmern, sollte dies dennoch irgendwann wirklich mal in Erwägung ziehen. Ich mag es nicht, wie das Geld einfach immer weniger wird statt mehr. Ich bin ein Hamstermensch; ich fühle mich nicht sicher, solange es weniger wird. Im letzten Jahr ist es aber beständig weniger geworden; es ist tatsächlich genau ein Jahr her, dass ich aufgehört habe zu arbeiten. Komisch… wie die Zeit fliegt.

Guara-na-na-ná

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Die haben meine Nachtbuslinie gecancelt. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich bin aufs Fürchterlichste erschüttert. Mir fehlen die Worte. Wie kann man so grausam sein. Diese Welt ist ein schlechter Ort, und das Wegfallen der Eurolines-Nachtbuslinie zwischen Mannheim und Hamburg hat sie definitiv nicht besser gemacht.

Fuck, man. Die eine Sache, auf die man sich einfach verlä… Oh. Es wird jetzt von FlixBus abgedeckt, Touring kann mich mal. Na das war ja mal ein Schock. 19€ nach Hamburg und noch ne Stunde länger schlafen, als würde ich den für 25€ nehmen, der später losfährt und früher ankommt. Hah.

Okay, ich hab dann mal mein Busticket gebucht. Kepa braucht zum Glück nur am Sonntag dann Hilfe, er scheint sich also zumindest so weit berappelt zu haben, dass er morgen sein Zimmer alleine leergeräumt kriegt. Also kann ich Samstag Nachmittag containern gehen, was mich sehr freut, und morgen in aller Ruhe zu Hause gammeln. Yay.

Ich habe heute das unsagbare Glück gehabt, in die Uni zu kommen und festzustellen, dass der Spanischkurs ausfällt. Oh yes, ich hatte die Übersetzung schon wieder nicht gemacht. Während Englisch saß ich mit Barbara herum; wir haben uns über Tod und Katzen unterhalten, unter Anderem. Schon die zweite meiner Kommilitoninnen, die ich unglaublich mag, welche in so jungen Jahren schon mit Tod in der Familie konfrontiert wurde. Ich fühle mich mit meinen Problemchen dann immer so fehl am Platz, so unbedeutend.

Dafür habe ich ihr Guaraná-Pulver mitgebracht und nochmals versichert, dass es Wunder wirkt. Ich erfahre dies gerade erst wieder am eigenen Leib, nachdem ich das gute Zeug viel zu lange vernachlässigt auf dem Küchenregal hatte stehen lassen. Jetzt habe ich meine morgendliche Guaraná-Weizengras-Shot-Tradition wieder aufgenommen und bin hellauf begeistert, wie gut ich mich auf einmal fühle. Es hat im Bus zur Uni angefangen zu wirken und ich fühlte mich unwillkürlich grinsen und sagte mir fröhlich, oh, ich liebe Drogen.

Und es ist wirklich wahr. Ich liebe Drogen.

Das nur so als random Schlusswort.

Happy birthday.

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Vielen Dank an dieser Stelle an meine Eltern, dass ich heute nicht Geburtstag habe. Das muss bitter sein, heute Geburtstag zu haben. Ilhan hat heute Geburtstag und seine ganze Pinnwand ist voll mit sarkastischen Kommentaren à la „Ich wollte dir vorhin ja eigentlich gratulieren, aber ich wusste nicht, ob du heute Geburtstag haben wolltest.“ Ich habe auch einen beigesteuert, wie sollte es anders sein.

Abgesehen davon, dass Idiocracy drauf und dran ist, von Klamauk zur lebensgetreuen Doku zu mutieren… Es ist ziemlich dunkel da draußen. Oder besser gesagt: Es ist auch sonst ziemlich dunkel da draußen.

(Wobei ich zugeben muss, ungeachtet des Disasters, das Trumps Sieg letztendlich bedeutet, dass ich mich schon leicht hämisch darüber freue, wie diese Schreckschraube Hillary sich ihr Leben lang darüber im Klaren sein muss, dass sie gegenüber des widerlichsten Turd Sandwich aller Zeiten eine so unermesslich grottige Alternative abgegeben hat, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung nicht dazu durchringen konnte, sie zu wählen. In your face. Bitch.)

Viertelstunde noch, dann muss ich zurück in die Uni. Dieser Abends-Kurs mittwochs ist die letzte Mobbingstrategie des Schicksals. (Zusammen mit diversen orangenen Teiggesichtern und einem ganzen Land, das zu dumm ist, sich Bernie Sanders als Präsidenten hinzusetzen.) Ich habe diesen Nachmittag gezockt, übersetzt, mich über diverse Aussagen bei Facebook ereifert, mit Caro geschrieben und noch ein bisschen übersetzt. Es ist ein Text, den ich bis morgen fertig haben muss, theoretisch. Ich bin zwar noch nichtmal zur Hälfte damit durch, aber einerseits werde ich gleich den Computer mit in die Uni nehmen und im Kurs munter weiterübersetzen und andererseits schaffen wir es morgen eh niemals bis zum Ende.

Oooh, nee, in die Eiseskälte schon wieder raus. Möh.

Dafür war es sehr gut, dass ich mich gestern gezwungen habe, mit zur Tekom-Messe zu fahren. Es war ein unglaublich lustiger Tag; wir haben insgesamt mehr Zeit in Verkehrsmitteln als auf der Messe verbracht, aber es war auch schön, mit den Mädels, mit denen ich da war, unterwegs zu sein. Ich habe so viel gelacht, dass heute, wie ich vorhin Caro schon sagte, kaum noch Serotonin übrig ist und ich eine Grottenlaune habe. Aber das macht nichts. Es füllt sich schon wieder auf; die Medis lenken es ja zum Glück in die richtige Richtung.

Ohne Hirn Pt.2

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Zitiere mich selbst – aus einem Macrocarp-Eintrag vom 21.12.11:

Hat irgendjemand von euch mal einen Mann mit einem HIRN getroffen, in dem neben perversem, wissenschaftlichem, politischem und eventuell noch kreativem Kramsch auch noch Kapazität für die Gefühle anderer Menschen vorhanden ist? o.O

Warum musste ich an diesem furchtbaren Tag etwas so schonungslos Wahres in Worte fassen?

Dönerwetter.

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Okay, ich bin tatsächlich ziemlich erleichtert, dass Laura meine Paranoia, sie könnte sich mit R derart gut verstehen, dass eine Art Caro-Aspi-Sackratten-Drama daraus hätte entstehen können, endgültig und überzeugend zerschlagen hat. Wenn man von dieser Seite draufschaut, ist die Aussicht nämlich tatsächlich nicht sonderlich verlockend. Aber das ist sie im Grunde ja definitiv von keiner Seite.

Abgesehen davon: Meine Festplatte hat nach einer selbstverschuldeten unsanften Landung auf dem Parkettboden meiner Eltern den Geist aufgegeben, ich habe somit alles an darauf befindlichen Daten verloren und mich juckt’s noch kaum, muss der Schock sein und die Tatsache, dass ich genug Anderes um die Ohren habe (die gute Trudi lässt nichts mehr von sich hören, hat somit meine letzte versuchte Rettungsaktion in Form einer vorgefertigten Kündigung plus dem Vorschlag, ihr ihre Möbel gegen den Erlass aller Schulden bei mir abzunehmen nicht in Anspruch genommen und wird zeitnah – not unlike the previously mentioned landing of my late hard drive – unsanft aus ihrer ehemaligen Wohnung fliegen, alles, weil sie zu feige ist, sich den Konsequenzen ihres ekelhaften Verhaltens zu stellen, und sich dabei nochmal um einiges ekelhafter verhält, als ich es je für möglich gehalten hätte).

Da war es eine ziemlich glückliche Fügung, dass meine Eltern sich ob meines erfolgreich abgeschlossenen Studiums fast unverhältnismäßig großzügig gezeigt und mir eine solche Unsumme an Zahlungsmittel haben zukommen lassen, dass ich nicht nur meinen kompletten Urlaub wieder drinhabe, sondern dazu noch das verbleibende Geld für eine neue Festplatte ausgeben kann. Glück muss man haben. Fast schon schade, dass meine (Ex-)Mitbewohnerin sich als über alle Maßen erbärmliche Ausgeburt exorbitanter Feigheit erwiesen hat, sonst hätte man sich beinahe überlegen können, ihr mit diesem unerwarteten Geschenk ein bisschen unter die Arme zu greifen.

Hm. Hoffentlich habe ich Strom, bis mich Becci am 13. besuchen kommt. Das wäre ungünstig sonst. Aber es muss sich jetzt ja eigentlich innerhalb von ein paar Tagen klären, anders überleben wir das auch alle nicht mehr. Allein vom Nervenkostüm her nicht. Mir ist inzwischen ein Magengeschwür gewachsen, ich bin mir ziemlich sicher.

Oh well. Erstmal warten, bis R mit seiner TeKo fertig ist, und dann mit dem bereits kaltgestellten Sektchen ein wenig die schönen Nachrichten der bald vergangenen Woche feiern. Ich bin ein fertig studierter Mensch, das muss man auch erstmal schaffen.

When unbelievabilities accumulate…

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Ach, das ist doch alles weird. Mein Leben war so ruhig in der letzten Zeit. Jetzt kommt zwischen dem Trudi-Drama (sie weigert sich beharrlich, mich anzurufen, und zahlt den Strom vermutlich am Sanktnimmerleinstag, sodass der Verwalter und ich sie jetzt augenscheinlich in Gemeinschaftsarbeit mit rechtlichen Maßnahmen aus der Wohnung befördern müssen) noch eine Turbulenz dazu, allerdings in die andere Richtung: Eine positive Nachricht.

Eine sehr positive, wenn man bedenkt, dass es das Letzte ist, mit dem ich gerechnet hätte. Da gehe ich vorhin nichtsahnend und grottig gestimmt in mein Unimailkonto, um Trudi die vom Verwalter geforderte Vorlage für ihre Kündigung zu schicken, als mir auf einmal eine Mail vom Plank ins Auge sticht – er hat mir die Bewertung und das Ergebnis meiner Bachelorarbeit geschickt. 1,3. Eins drei, ich habe meine Bachelorarbeit mit eins drei bestanden. Und wie ich gelobt wurde. Der Mann ist eine Koryphäe, der ich selbst dann noch Respekt entgegengebracht hätte, hätte er meine Thesis wie eigentlich erwartet in der Luft zerrissen. Stattdessen schreibt er mir „Weiter so“ – er, der Meister der Ein-Wort-E-Mails. Das bedeutet mir unendlich viel mehr, als hätte ich diese Anerkennung von einem anspruchslosen bzw. weniger rigoros bewertenden Dozenten erhalten.

Heute Abend gehe ich zu meinen Eltern; R hat zwar ob der Nachricht meines bestandenen BAs sogar angeboten, seine Contrast-Schicht zu canceln, um mit mir zu feiern, aber das holen wir dann morgen nach. Oh, du hast ja keine Ahnung, wie mir dieser Mensch gerade hilft. So hatte ich mir das vorgestellt, damals, als ich noch kaum Vertrauen hatte. Als das Nervenbündel, das ich gerade nunmal bin, habe ich ihm mitten in der Nacht gestern noch ein Drama geliefert, was dann in der Offenbarung meiner letzten verbleibenden großen Angst endete, er würde mich irgendwann der Politik opfern. (You know something’s wrong when the first verse of Frank Turner’s „Substitute“ is an exact projection of what you suspect to know will happen at one point or another.) Irgendwie habe ich das Gefühl, er wird immer lieber zu mir, je mehr ich ihm mich zu verstehen gebe. Oh, welch eine Lebensaufgabe. Aber auch da habe ich gestern wieder ein riesiges Stück geschafft. Ich glaube, es ist inzwischen nicht einmal mehr sehr viel übrig.

Und Kepa, wohl meine wertvollste Connection in (unter vielen anderen) dieser Hinsicht, begutachtet momentan meinen Mietvertrag. Und der Verwalter ist so ein guter Mensch. Ich liebe meine Menschen.

Dafuq

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…has happened?

Seriously, das überfordert mich. My boyfriend came back home a changed man. Er kam rein und er war… da. Er war einfach bei mir. Physisch anwesend, psychisch anwesend; der ganze wunderbare Mensch, der er nunmal ist, wurde mir als geballte Ladung zuteil. Und dann sagte er eben, wir könnten uns ja noch über „intime Details austauschen“. Oh Mein Gowai, ist das rührend. Auch wenn es ungefähr genau so einfach ist, sich aus dem Stand mitteilenswerte Details ins Bewusstsein zu rufen, wie einen nicht weiter spezifizierten (Erzähl-mal-einen-)Schwank der Sorte Laura-und-Aspi-Gespräch zu produzieren.

I am officially impressed. Not to mention happy. Vor meinen zwei Wochen Urlaub hätte mir nichts Besseres passieren können.

Irre Wirren, wirre Irren.

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Fuck. Fuckfuckfuck, was für ein widerwärtiges Gefühl.

Also erstmal, ich hab Hunger. So weit, so gut; das lässt sich mit ein bisschen Aufwand beheben. Stunde hab‘ ich noch, dann fahre ich los zur Wegwarte und anschließend, nach getaner Rettungsarbeit, zum Contrast, wo heute der erste Referent von R’s langorganisierter Vortragsreihe den Anfang macht. Es ist auch (nach seiner Definition) heute unser „Einjähriges“, sodass ich nicht nur hingehe, weil mich das Thema interessiert, sondern auch ein bisschen, weil ich mir denke, dass er sich dann vielleicht freut. Dann gibt’s noch Glühwein, welchen ich aus dem Keller holen und dorthin mitschleppen muss. Erstaunlich genug, dass dieser Glühwein es in diesem Haushalt tatsächlich geschafft hat, bis zur Erfüllung seines angedachten Daseinszweckes zu überleben.

Ich fühle mich aber auch gerade ziemlich entsetzlich, allein aus dem Grund, dass mir Kepa eben TMI über sein Datingleben hat zukommen lassen und mir das nicht so gut bekommen ist, wie es hätte sein können. Sollen. Müssen. Whatever. Ich bin bestürzt. Seit unserem Disaster damals ist über ein Jahr vergangen und auch wenn mir durchaus bewusst ist, ihm sowohl bereits weit davor als auch kurz danach gefühlstechnisch noch ein bisschen.. ziemlich doll zugeneigt gewesen zu sein, hätte ich mir so viel Zivilisiertheit doch eigentlich unterstellt, diesen Bericht um Einiges besser zu verkraften. Vor allem weil es mir direkt post-Disaster so unheimlich gut gelungen ist.

Ich hab‘ neulich noch drüber nachgedacht, wie er sagte, „ich dachte, ich änder‘ mich von allein.“ Vermutlich ist das jetzt auch gekränkter Stolz, weil er offenbar wieder mal zumindest in Erwägung zieht, ne Beziehung mit jemandem einzugehen, mich aber unter Vorschieben seiner Beziehungsunfähigkeit abgesägt hat. Was soll denn das, du durchblickst mich doch sonst so ausgezeichnet. Ich war halt doch einfach nicht gut genug. Solche Geschichten. Das wird’s sein.

Nicht dass ich mich nicht eh rückblickend zur Schnecke machen würde, weil mich damals der Schock gelähmt hat und ich über die ganze Disasterzeit hinweg kaum auch nur dazu kam, die veränderte Realität als solche zu begreifen. Weil ich in meiner Schockstarre gefangen war und einfach nicht in der Lage zu akzeptieren, dass etwas, das ich mir kaum auf bewusster Ebene zu erträumen gewagt hatte, tatsächlich im Begriff war zu geschehen. Und damit umzugehen. Es war dieses ungläubige Kopfschüttelstadium, das bei mir eben (vor allem in Anbetracht meiner Şahin- und Ukumensch-Erfahrungen zuvor vielleicht gar nicht so völlig unverständlicherweise) einfach extrem ausgeprägt war und sich in besagtem Schockzustand äußerte.

Wie auch immer. „Hat nich solln sein“, sagt man dazu wohl, und ehrlich gesagt ist die Wirkung des Gespräches von vorhin auch schon wieder abgeklungen und hat nur ein leichtes unzufriedenes Brummen in meinem Bauch hinterlassen. Das geht auch noch weg, wenn ich aufstehe.

Vor allem, wie unkontrolliert von mir. Ich begab mich einen Monat nach diesem nichtssagenden Disaster in eine bis jetzt andauernde, größtenteils erfüllende Beziehung, was mir äußerst guttat und Kepa nicht egaler hätte sein können. Ja meine Güte, er stichelt ab und an mal was über R, aber ehrlich, wer auf dieser Welt würde nicht ab und an mal über R sticheln. Wohingegen er alle Nase lang mal rumvögelt, wie das so seine Art ist, und sich grad mal wieder im Dating übt (soll ja nicht schaden, sich rostfrei zu halten), woraufhin ich nichts Besseres zu tun habe, als gleich mal 550 Wörter dazu rauszuhauen. Danke auch, gestörte Gefühlswelt.

R müsste doch eigentlich euphorisch sein, wenn er davon Wind bekommt, und sich sofort irgendwelche Anzeichen hineindichten, mich doch noch zum Poly-Menschen umfunktionieren zu können. Sorry, nee. Das hier ist eine Sache des Prinzips; mit Amorie jeglicher Sorte hat das nichts zu tun. Zum Glück. Wobei ich wahrscheinlich noch diejenige bin, bei meinen Talenten, die es am ehesten hinbekommt, als Mono-Mensch in einer hervorragenden Beziehung unglücklich verliebt in jemanden zu sein, der davon keinen Teil bildet.

Majority rule don’t work in mental institutions.

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Es ist so irritierend, nicht mehr jede Minute lang an diese Thesis zu denken. Mich überfordert dieses abrupte Verschwinden einer allgegenwärtig gewordenen Pflicht aus meinem Leben; sie war immer da – entweder, weil ich daran gearbeitet habe, oder (weitaus länger, weitaus häufiger) weil mein Gewissen mich dafür gefoltert hat, es in dem jeweiligen Moment gerade nicht zu tun.

Meine PMS haben mich recht fest im Griff. Ich habe mich in den letzten paar Tagen so sehr von Dingen mitnehmen lassen wie zuvor in meinem halben Dasein nicht. Ich habe mich sogar dazu hinreißen lassen, unter einen widerlichen, gegen Flüchtlinge hetzenden Artikel der Huffington Post (nein, ich verlinke den nicht; den Herzinfarkt will ich dir ersparen – bitte lies nie wieder diese Website) einen ausschweifenden Kommentar zu schreiben, um meinem Entsetzen Ausdruck zu verleihen. Jetzt ernte ich die Früchte: Haufenweise von Dummheit zeugende Kommentare von genau solchen Menschen, wie sie für das Entstehen solcher Artikel verantwortlich sind. Scheiße, ich bin in R’s Leben gelandet.

Ich habe vor sehr Kurzem erst gelernt, wie naiv ich eigentlich aufgewachsen bin. Wie unglaublich weltfremd in dieser Hinsicht. Ich war bis vor ganz Kurzem noch der Meinung, in einem Land zu leben, das seine Vergangenheit überwunden hat. In dem es zwischen Osten und Westen nicht den geringsten Unterschied mehr gibt (du musst dir das vorstellen; ich habe das wirklich geglaubt). Meine Güte, ich war davon überzeugt, in einer Welt zu leben, in der man Rassismus keine Plattform mehr gibt, in der das Wort „rechts“ allein schon mit übelster Beleidigung gleichzusetzen ist, in der man gelernt hat, Menschen unabhängig von weiteren Faktoren als das Individuum zu sehen, das sie sind. In der das Wort „Ausländer“ unfallfrei zu gebrauchen ist, weil es einfach keine Wertung mehr enthält. Für niemanden. Ich hielt es für selbstverständlich, dass zwischen Männern und Frauen kein Unterschied gemacht wird, und dass hierzulande heutzutage jedes Kind Werte eingepflanzt bekommt, die es ihm ermöglichen, eine Person nach ihrem Verhalten zu beurteilen. Zwischen Einzelpersonen und Kollektiv zu differenzieren. Ich dachte, wie wären schon längst so weit.

Mittlerweile bin ich geheilt, tue Beispiele der im Grunde omnipräsenten Bosheit und Ignoranz nicht mehr als Ausnahmefall ab; so viel habe ich gelernt inzwischen. Auch, dass das Mindset, welches ich aus meinem Elternhaus mitbekommen habe, um ein Vielfaches kostbarer ist, als ich je ahnen konnte. Und dass die wunden Punkte, die ich bei meinen Eltern in politischer und ideologischer Hinsicht nie müde wurde zu kritisieren, im Angesicht dessen, was auf diesem Planeten sonst so rumkriecht und sich Mensch schimpft, wahre Luxusprobleme sind.

Aaaaaaahh

Edit: Du solltest dir das zweimal anhören; ein Mal ist zu wenig, um sowohl den Text als auch das Video zu prozessieren. Und beides verdient prozessiert zu werden.