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Neulich am See… (Because why the hell not.)

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Wenn man bedenkt, dass ich in Heulkrämpfe ausbreche, sobald jemand in meiner Gegenwart das Wort „Poly“ auch nur in den Mund nimmt (wobei „Polyester“ noch halbwegs zu verkraften ist, „Monopoly“ dagegen schon immer unangenehme Konnotationen weckt und ich jedes Mal zu Gowai bete, dass niemand das Wort an sich aufschreibt, wenn die vier Buchstaben in entsprechender Kombination bei Boggle auftauchen)… mag es vielleicht absurd anmuten, dass ich vor etwa zwei Tagen meinen Freund bat, mich zu verkuppeln.

Dazu sollte allerdings gesagt sein, dass ich nicht davon ausgehe, tatsächlich verkuppelt zu werden. Ich bin nicht gerade leicht zu verkuppeln; nicht dass es oft Menschen versucht hätten (und das eine Mal, dass es doch versucht wurde, war es zugegebenermaßen nicht das Abwegigste, das man hätte tun können – an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an Susmita für den Versuch), aber man kennt ja sich und seine… wie heißt das… Schrullen. Genau. Das war’s.

Die Idee kam eigentlich sehr spontan und hatte vor allem den Hintergrund, dass ich gerne wissen würde, was für Kandidaten mir R zu Verkupplungszwecken so vorführen würde. Es würde schlichtweg an ein Wunder grenzen, wenn er es tatsächlich schafft. Andererseits sehe ich seinen Bemühungen (die, so, wie er sich darüber gefreut hat, ganz sicher irgendwann mal anlaufen werden) in dem Wissen, dass für mich dabei zunächst nichts auf dem Spiel steht, mit Neugierde entgegen. Ich bin monoamor; ich habe es schon dreißigtausendmal erwähnt, aber es muss ein weiteres Mal sein: Selbst meine Celebrity-Crushes verliefen in all ihrer übertriebenen Heftigkeit auf dem Zeitstrahl linear. Ich bin so gebaut. Mein Hirn ist nicht auf Abwechslung gepolt, nicht im Geringsten; mein Bedürfnis ist nicht das nach der Ausfüllung möglichst vieler Andockstellen, sondern die vollkommene, hundertprozentig sichere Verbindung mit einer. Ich bin mir demnach bewusst, dass eine erfolgreiche Verkupplung ohne Wenn und Aber dafür sorgen würde, dass meine Zuneigung zu (oder sagen wir, emotionale Abhängigkeit von) R ein schlagartiges Ende fände. Muss ja. Allein aus Selbstschutzgründen, da er sogleich verlauten ließ, dass aus einem Verkuppeltwerden meiner letztendlich die Öffnung der Beziehung zu beiden Seiten zu folgen habe. Und da, aller hypothetischen Bereitschaft zum Trotz, ich einen Punkt in meiner Entwicklung, an welchem ich eine solche Situation nervlich toleriere, in diesem Leben nicht mehr erreiche, werde ich die Gefahrenquelle fallenlassen wie eine heiße Kartoffel.

Aber wie erwähnt – ich bin nicht der Meinung, dass es geschehen wird. Kann nicht. Passt in meine Matrix nicht. Auch wenn ich mir sicher bin, dass, was hier den Eindruck einer Abwehrhaltung hervorrufen könnte, mich nicht davon abhalten sollte, etwaigen Ereignissen diesbezüglich offen in die Augen zu blicken.

Let’s play a game of Monopoly. (Oder: Details.)

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Also, Moment mal.

Nun ist also der Zeitpunkt gekommen, an dem mir vorgehalten wird, was für ein Opfer die Aufgabe der Polyamorie für ihn darstellt. Hab‘ ich’s nicht gewusst, hab‘ ich’s nicht gesagt, es kommt so weit. Wie gut, dass ich mich in einer Gesamtsumme von definitiv zu vielen ‚zig Stunden Kopfmalträtierung darauf vorbereiten konnte, voll und ganz hinter meiner Überzeugung zu stehen, dass ich jedes Recht habe, mir so ein widerwärtiges Druckmittel nicht unter die Nase reiben zu lassen.

Gut – zwei Mal in einer Woche den Mund aufmachen ist demnach zu viel. Registriert.

Das kann er grad echt nicht gebrauchen. Er hat ja Stress. Er muss schließlich sein Leben auf die Reihe kriegen. Das Problem: Der Moment, in dem er nicht gestresst ist und/oder sein Leben auf die Reihe bekommen hat, kommt am gleichen Tag wie der, in dem es Trudi super geht, sie ihr Leben auf die Reihe bekommen hat und ich ein Mal im Leben ohne schlechtes Gewissen sie darauf hinweisen könnte, dass sie gefälligst irgendeiner Haushaltspflicht nachkommen soll, die sie seit Wochen vernachlässigt. Richtig, das nennt man Sankt-Nimmerleins-Tag. Und so lange warte ich nicht.

Nun denn. Ich bin nicht polyamor, ich verabscheue das Prinzip aus so beispiellos tiefster Seele, dass man sich fragen muss, ob meine Seele so etwas wie einen Boden überhaupt besitzt; ich finde es feige und rücksichtslos und charakterlich mehr als bedenklich und werde den Teufel tun, von dieser Ansicht auch nur ein Milimeterchen zurückzutreten, und damn it, ich beleidige the hell out of dieser Idelogie, an die der bloße Gedanke mir die Eingeweide zerfetzt, aus reinstem Selbstschutz, and I’ll keep on doing that until I feel I don’t need to anymore,  and that’s going to be the day I feel safe with him, which is going to be the day I’m able to feel I’m enough for him, and that’s going to be the day hell freezes over. Cause he won’t let it go.

Das sind dann die Momente, in denen ich denke, nope, das wird nichts. Nicht in dreihundert Jahren. Ich verschwende jeden verfickten Moment meiner Zeit mit jemandem, der nie die Absicht gehegt hat, mir genug zu sein. Du bist glücklicher, wenn man sich noch jemanden dazuholt, dann geh und such dir jemanden, der mitspielt. Sorry, not sorry. Wer das braucht, hat nicht mein Verständnis von Liebe, von Liebe und dedication, von Liebe und dedication und commitment. Ich packe in meinen Wertekoffer. Ha, du bildest dir ein, besser zu sein als Andere. Du meinst, du bist der üble Committer. Du denkst, du hast die ultimative Einsicht in die Polyamorie. Leuten, die sie anders verstehen als du, sprichst du jegliches Recht ab, sich in die Schublade auch nur einzuordnen. Du beschwerst dich über Bindungsprobleme in der Poly-Szene, du Möchtegernheiliger, du Heuchler, du, der du genau so wenig willens bist, die volle Verantwortung zu übernehmen, wie jeder andere verdammte Poly-Mensch auf dieser Welt. Du Wichser, du verdammter Feigling hast doch nur Angst, dass dich jemand auf Dauer nicht erträgt. Damit eines Tages, wenn mir dein Oh-ich-bin-eigentlich-poly-was-habe-ich-nicht-alles-geopfert-für-dich-Gehabe, mit dem du jetzt ankommst, zu dumm wird, du mir sagen kannst, du hättest mich ja von jeher ermutigt, mir nebenher noch jemanden zuzulegen, der mich in meinen schwierigen Zeiten besser handlen kann. Damit entziehst du dich jeder Verantwortung; du willst einfach nicht selbst dran arbeiten, du willst einfach nicht die Gewissheit haben, dass ein einzelner (aber ganzer) Mensch sich in deine Hände legt, du willst Stücke von hier und Stücke von da, und unangenehme Situationen kommen gar nicht auf, denn man hat ja noch jemanden, der einen auch nur zur Hälfte kennt und natürlich auch nur zur Hälfte ertragen muss, das ist es doch und nichts Anderes. Kaum vorstellbar, dass ich diese Art zu leben befürwortet habe, bevor ich tatsächlich damit konfrontiert wurde. Und wenig verwunderlich, meines Erachtens, dass es mir wenig Freude bereitet, zu wissen, dass es das ist, was du eigentlich gern hättest. Das schnürt mir die Luft ab, das schnürt mir die Lebenskraft ab und die ganze riesige Selbstsicherheit, die du mir an anderer Stelle geschenkt hast.

„Wir müssen dringend an deinem Selbstbewusstsein arbeiten… und es wird mir ein Vergnügen sein.“

Hörte ich dich im Januar sagen und wundere mich im Dezember noch immer, wie du es fertigbekommst, mich des erstaunlichen Produkts unserer Arbeit immer wieder in Sekundenschnelle zu berauben, indem du mich wissen lässt, dass ich eigentlich ganz verkehrt bin, und meine Ansichten mit dem ekelhaften, intoleranten Drogenbild deiner Eltern vergleichst. Gowai, ich will das nicht mehr. Ich will raus hier.

Natürlich will ich nicht raus hier. Ich will alles, nur nicht raus hier. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Ich will geliebt werden, umsorgt werden, beschützt werden, gekannt werden, erkannt werden, durchleuchtet werden bis in die allerletzte Ecke, wenn ich es doch schonmal geschafft habe, Mauern ab- und Vertrauen aufzubauen. So ein unmögliches Stück Arbeit. Ich will alles von mir herausholen können, teilen mit jemandem, der mich sehen will, in meiner Gesamtheit, um meine Wertigkeit zu erhalten, an die ich anders nicht gelangen kann. Das will ich eigentlich, und davon könnte „raus hier“ entfernter nicht sein. Verdammt, ich würd‘ nur so gerne haben, dass diese Eigenschaft „Monoamorie“, für die mich so unermesslich viele Menschen so lieben würden, bewundern würden, schätzen würden, von dem einen (aber ganzen), dem ich sie angedeihen lasse, zumindest nicht als dieser furchtbare Mangel angesehen wird, nach dem sich zu richten ein ungemein schweres Opfer darstellt.

Wie eine Wand vor dem Abgrund.

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„Wenn ich eins gelernt habe“, sagte R vorhin, „dann, dass ich ohne mein Aspi nirgendwo hingehe.“

Und: „Weißt du, dass du eine unglaubliche Ausstrahlung hast?“

Und: „Ich kann nur aus meiner Sichtweise sprechen, aber die Typen, die dich sitzen lassen haben.. die haben zum Glück einen riesigen Fehler gemacht.“

Ich bin immer wieder am Verzweifeln, weil ich mich nicht fallen lassen kann. Unentwegt eigentlich. Bis auf so ein ganz paar traumhafte Momente, in denen ich das Gefühl habe, es doch zu können. Aber Scheiße, man, sie sind so spärlich.

Das vorhin war jedenfalls keiner von ihnen. Ich schaute ihn an, vermutlich mit dem für solche Situationen typischen Gesichtsausdruck irgendwo zwischen totaler Rührung und schlichter Artikulationsunfähigkeit und dem Wunsch, mich selbst zu zerhackstückeln allein dafür, dass ich nicht umhinkonnte zu denken, „das denkst du jetzt“, wie immer.

Vorgestern Nacht hat sich eine Neuheit ereignet. Ich habe Şahin ignoriert, der die ganze Zeit mit mir reden wollte. Der Traum war irre lang und ich bin recht ungläubig aufgewacht: ich kenne das nur andersherum. Oder wir ignorieren uns gegenseitig. Aber so weit ich mich zurückerinnere, habe ich ihn nie ignoriert, wenn er reden wollte. Es waren auch Laura und JO dabei, mit denen wir in irgendeinem fremden Raum waren, wo wir alle übernachtet hatten. JO hat ihren halben Kram vergessen einzupacken, und ich war am Ende als Letzte noch beim Packen, weil ich mich um ihr ganzes Zeug auch noch gekümmert habe. Aber entscheidend ist immer noch, dass ich Şahin ignoriert habe. Natürlich wollte ich nicht, nicht in Ansätzen. Andererseits war ich fest entschlossen, ihn erst durchkommen zu lassen, wenn von seiner Seite eine Einstellung ersichtlich gewesen wäre, die dies für mich lohnend und sinnvoll hätte erscheinen lassen. Darauf konnte ich aber lange warten; er hatte sich kein Stück verändert. Was das Ignorieren einerseits erst so enorm schwierig machte, andererseits aber davon zeugte, dass ich auf dem richtigen Weg war. Und ich habe es bis zum Ende durchgehalten. Einmal Schulterklopfen.

Genugsein. Eine Utopie.

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Nachdem ich heute festgestellt habe, dass ich zu benebelt für die Welt war.. nimm dir als Erklärung dazu lieber das hier. Eine gegen Ende wirklich beeindruckende Dokumentation einer zu wenig dokumentierten Welt, der zwischen Wachsein und Schlafen nämlich, ich habe noch genau eine ähnliche Aufnahme aus Vitoria, aber diese hier ist eigentlich, was das angeht, unparalleled.

Am Einschlafen 20.6.15

Ich konnte mich im Übrigen auch erst wieder daran erinnern, die Aufnahme überhaupt angefertigt zu haben, als ich das AG heute Früh bei mir im Bett liegen sah. Es hingen noch vier Stunden Schlaf dran, welche ich dir hier erspare.

Mir ging’s noch nicht wieder richtig gut, als ich aufwachte heute Morgen. Um ein Haar hätte ich meine Laune als Ausrede benutzt, mich einfach ganz wieder hinzuhauen heute an meinem komplett freien Tag. Zum Glück habe ich mir selbst entgegengewirkt und war lieber im Garten produktiv, bevor mich dann doch die Lethargie wieder packte und ich mich zurück ins Bett begab. Zu viel Vortex gezockt heute, eindeutig zu viel. Ich fühle mich unerfüllt.

R kommt Montag Früh schon. Meine Begeisterung darüber wird in erster Linie von dem Wissen getrübt, dass er Montag und Dienstag vier WG-Besichtigungen vor sich hat und sich das frühere Aufschlagen vor allem darin begründet, sowie von seiner grenzenlosen Egozentriertheit, mit der er es tatsächlich schafft, nicht zu begreifen, dass man betrunkenes Aspi bitte nicht mit Poly-Bemerkungen behelligt. Beziehungsweise von dem entsetzlichen Gefühl, das das schon wieder ausgelöst hat. (Es ist immer noch da, wenn auch nicht mehr so schrecklich doll.) Wie um alles in der Welt soll ich denn meine Mauerabbauarbeit leisten, wenn er alle paar Sekunden von vorne mit Bemerkungen in diese Richtung aufwartet. Ich dachte, ich könnte die Arbeit weitestgehend unbemerkt und ohne viel Theater vonstattengehen lassen, aber wie’s aussieht, sollte ich ihm doch nochmal explizit mitteilen.. ach, was soll’s. Mitteilen hin oder her, das wird doch nichts. Wieso geb‘ ich’s nicht gleich komplett auf. Ich könnte auch einfach weiter auf der erfolglosen Suche nach jemandem vor mich hinvegetieren, dem ich schlicht und ergreifend und ganz ohne Aufopferung fragwürdiger Prinzipien genug bin.

Wer will einen Kuchen backen…

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Drei Sachen.

1) Ich habe das Bedürfnis, Şahin zu schreiben. Eigentlich nur, weil ich ihm Check for a Pulse von No Use for a Name zeigen will; ich habe den Verdacht, dass er das Solo so lieben würde, wie ich es tue. Mir fällt auf einmal überhaupt kein Grund ein, es nicht zu tun. Außer natürlich dem, dass ich zu Basti will, und das schon seit einer Stunde, und R schon um Mitternacht wiederkommt und ich dann zu Hause sein sollte. Außerdem sollte ich Caro konsultieren vor einer derartigen Aktion. Vielleicht wird dem an sich recht simplen Akt an anderer Stelle mehr Bedeutung beigemessen, als ich das in meinem No-Use-Delirium gerade tue.

2) R. Er liebt mich wirklich. Es ist absurd.

3) Ich liebe R. Ich muss an meinen Mauern arbeiten. Mongolen, wo seid ihr, wenn man euch braucht?

4) No Use for a Name liebe ich ebenfalls. Ich bin jedes Mal aufs Neue deprimiert, weil Tony tot ist.

5) Ich vermisse Robert. Und mein altes Leben, in dem ich abends immer so unendlich viel Zeit hatte, um mit den Anderen bei Skype zu hängen.

6) Ich muss los.

7) Doch, mir ist schon bewusst, dass es doch mehr als drei Punkte geworden sind, aber was soll man da schon machen.

Thymian und der Ausblick aus dem Mikrokosmosfenster

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Mir kam vorhin der Gedanke, mich mit einem Ast frischen Thymians zu vergleichen. (Es wird niemanden überraschen, dass ich gerade dabeiwar, die Aprikosenmarinade für mein soeben gerettetes tiefgefrorenes Zanderfilet mit Kräutern zu versehen. Und ja – durch meine mittlerweile bis auf wenigste Ausnahmen durchweg konsequent auf Gerettetes umgestellte Ernährungsweise bin ich kurzerhand wieder zum Allesfresser geworden, wobei es mir immer noch nicht wirklich behagt, Fleisch zu essen. Allein der Gesundheit wegen. Aber so ein gerettetes Wiener Würstchen als Teil eines geretteten Hot Dogs oder ein Fischbrötchen, das Basti aus der Arbeit rettet, oder ein Zandernfilet vom Großhandel meines Vertrauens, meine Güte, das passiert halt mal.)

Jedenfalls verhält es sich mit mir wie mit dem frischen Thymian auch. Ich bin grundsätzlich mindestens so leicht von etwas zu überzeugen, wie sich die Blättchen vom Stiel entfernen lassen, wenn du oben ansetzt und gegen den Strich ziehst. Natürlich sträube ich mich ein bisschen, wenn es um die Feinheiten geht – die kleinen Seitenäste fallen mit ab und müssen im Nachhinein einzeln entlaubt werden – aber wenn du es richtig anstellst, bin ich für jeden Schwachsinn, der mir nicht völlig wider die Natur geht, Feuer und Flamme. Du kannst es allerdings auch auf die falsche Weise versuchen – das thymianische Äquivalent hierzu wäre dann, den Stiel am unteren Ende anzupacken und nach oben hin zu ziehen. Keine Chance. Das ist meine Mutter, die mich an meinen Schwächen packt statt an meinen Fähigkeiten. Und das ist R, der trotz aller Kompromissbereitschaft nicht aufhören kann, mir meine bislang sehr ausgeprägt monoamore Orientierung als etwas Rückständiges verkaufen zu wollen, das ich ablegen soll.

Ich bin in vielen Dingen kein sehr reflektierter Mensch, und würde ich das nicht offen zugeben, könnte ich mir keine Sekunde lang mehr selbst in die Augen sehen. Mir ist mein Mikrokosmos wichtig, den ich mit Hingabe hege und pflege – so gründlich, dass mir manchmal zu wenig Zeit bleibt, um nebenbei aus dem Fenster zu schauen. Ich tue gleichzeitig allerdings mein Bestes, um meine natürliche Unreflektiertheit dadurch auszugleichen, mich in Konfliktsituationen nicht unbedacht auf einer Seite zu schlagen, sodass, wenn ich dann doch mal wieder mit neuem Gedankengut oder unbekannten Sachverhalten konfrontiert werde, mir halb der Kopf platzt vor Bemühungen, alle Perspektiven gleichzeitig zu sehen. Das macht es dann doch wieder so leicht, mich zu beeinflussen. Das macht andererseits mich selbst so empfindlich gegen Angriffe. Meine Gedanken stehen auf so wackeligen Füßen, dass ein Windhauch ausreicht, damit ich zur nächsten Mauer hechte, die Schutz bietet. Das muss keine schöne Mauer sein. Meistens ist es schon zu spät, sie genauer zu begutachten, wenn ich auf der Flucht bin. Und am Ende werfe ich mich volle Kanne gegen etwas, aus dem Nägel herausragen oder Glasscherben.

But, then, everything’s better than falling.