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Gegenverkehr und erschöpfende Einkäufe

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Seit Langem scheint dies heute mal wieder ein Tag zu sein, an dem ich denke: „Ich sollte Sachen besser machen. Ich habe alle Voraussetzungen dafür.“

Ich muss wieder mit dem Zocken aufhören. Es frisst all meine Zeit und begünstigt die zweifelhafte Coping-Strategie aus Apathie und Verdrängung, die ich perfektioniert habe.

Aber das nur so am Rande. Ich habe noch eine Stunde, bis ich den Bus zu Marthe nehme (mein Fahrradakku ist nicht ganz aufgeladen und der Regen- bzw. Hagelschauer gerade trug auch nicht unbedingt dazu bei, dass Fahrradfahren zur Verlockung wird). Bis dahin muss ich duschen, und zwar dringendst.

Ich habe bis halb zwei Uhr geschlafen – ich bin aufgewacht und konnte es kaum glauben. Wobei es Sinn macht, da wir gestern Abend beim Containern überdurchschnittlich viel gefunden haben und ich zwischendurch schon kaum noch die Augen aufhalten konnte. (Passend dazu fällt mir soeben der skurrile Traum ein, den ich hatte. In einem Abschnitt davon war ich im Auto unterwegs – nein, nicht im Auto, ich ging zu Fuß, aber war schnell wie ein Auto und lief mitten auf der Straße – der Boden war voll von Eidechsen und ich erinnere mich, dass ich eine spezielle Lauftechnik entwickelt hatte, um diese mit den Füßen beiseitezuschieben und so zu verhindern, dass ich darauf trat; es war niemand dort außer mir. Gut so, denn ich war so müde, dass ich mit geschlossenen Augen lief. Rechts von der Straße befand sich ein Abgrund. Irgendwann nahm ich in der Ferne ein entgegenkommendes Fahrzeug wahr; mir war klar, dass ich die Augen öffnen musste, um ihm auszuweichen oder vielmehr sicherzustellen, dass ich auf meiner eigenen Spur lief, aber ich war zu müde und schaffte es einfach nicht. Das Auto kam näher und näher und ich zog mit den Fingern meine Augenlider auseinander, als könnte ich mich so zum Sehen zwingen, erfolglos. Das Auto rauschte vorbei und streifte mich ganz knapp; ich war unversehrt.)

Der müde Punkt war längst überschritten, als ich um zwei Uhr nach Hause kam. R war natürlich bereits im Bett und machte keine Anstalten, dort herauszukommen, also habe ich all die Kisten und Taschen mit Essen (zwei davon für Wolfgang, eine so schwer, dass ich sie kaum hochheben konnte) möglichst geräuschlos durch die Wohnung auf die Terrasse verfrachtet und mich anschließend mit einem Glas Multivitaminsaft aufs Sofa gesetzt, um wieder zu mir zu kommen, bevor ich ins Bett ging.

Nun bin ich ausgeruht und erleichtert, dass mir in der Zwischenzeit kein Scribbr-Auftrag durch die Lappen gegangen ist. Auch das Wetter bietet allen Grund zur Erleichterung; wäre es so warm wie letzte Woche, hätte die Ausbeute von gestern den Vormittag auf der Terrasse weniger unbeschadet überstanden. So dagegen kann sie ruhig bis heute Abend dort verbleiben und darauf warten, dass R und ich unserer neu implementierten Arbeitsteilung entsprechend gemeinsam das Einräumen und Versorgen übernehmen. Nur um das Fleisch muss ich mich vorher kümmern, damit die Katze schonmal etwas zu fressen bekommt.

Nun wird aber erstmal geduscht. Und nachdem ich von Marthe zurück bin, habe ich dann durch das Nicht-Zocken Zeit für alles Weitere.

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Year of the Finger

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Ach, ich Riesendepp. Ein Glück habe ich nochmal in meinen Kalender geguckt, bevor ich rausgehen wollte. So habe ich gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass ich nicht heute um drei bei Marthe sein muss, sondern nur morgen. Dodged a bullet there.

Das heißt also, dass ich umsonst zwei Schlucke Ouzo getrunken habe (Konversationsunterricht macht man – wobei ich ausdrücklich über mich selbst spreche und das kein allgemeiner Ratschlag sein soll – am besten ganz minimal alkoholisiert, zumindest mit denjenigen Schülern, mit denen es einem schwerfällt, auf andere Art einen Gesprächs-Flow zu entwickeln) und auch meine Bemühungen, mich öffentlichkeitsfähig zu gestalten (Lippenstift, dezentes Augenmakeup) nun eben meinem Computerbildschirm zugutekommen.

Das heißt dann wohl auch, dass ich weiter fleißig sein muss. Ich habe mir vorhin wieder mal ein Kapitel der Lerntherapieunterlagen vorgeknöpft, das ich dann jetzt zu Ende lesen kann. Neunzehn Unbabel-Tasks warten auch noch auf mich (beziehungsweise ich auf sie; vorhin war sehr zum Leidwesen des disziplinierten Teils meiner Persönlichkeit nur ein einziger Auftrag verfügbar), und eventuell ruft mich Malte später noch an, der gerade wohl ein paar Schicksalsschläge mittelschweren Ausmaßes erlitten hat und ganz mitgenommen mir heute Früh mitteilte, er hätte jetzt erstmal genug von Menschen.

Insgesamt werde ich heute also unfassbar produktiv gewesen sein. Die erste Hälfte des Tages konnte sich nämlich auch schon sehen lassen, da ich um neun bei der Therapeutin war, um halb elf (diesmal wirklich) aus der Kirche ausgetreten und um kurz vor schon wieder daheim – und zwischendrin noch schnell einen weiteren Eimer Altglas weggefahren habe.

Ich bin nämlich heute von der Therapeutin darauf gebracht worden, wie ich vielleicht der Lähmung entkommen kann. Daraufhin kam ich unsagbar motiviert da raus und habe mir auf dem Nachhauseweg Gedanken darüber gemacht, ob und wie das umzusetzen ist. Die Idee ist folgende:

Gelähmt werde ich durch eine Art Zwang, der mir vorschreibt, wie die Dinge zu tun sind und in welcher Reihenfolge. Tue ich eins der Dinge nicht und der Zwang (verbildlicht durch einen erhobenen Zeigefinger, der unter Anderem auch für das schlechte Gewissen, den Perfektionsanspruch, die Selbstkritik etc. zuständig ist) stuft es als besonders wichtig ein, blockiert dies alle dahinter wartenden anderen Dinge, die auch erledigt werden wollen. Ich komme nicht an der Blockade vorbei, renne gegen Wände, tue schließlich gar nichts und fühle mich als Verliererin gegen den Zeigefinger, welcher das wiederum fröhlich aufgreift. Ich soll nun daran arbeiten, den Zeigefinger nicht unbedingt bekämpfen zu wollen. Wenn ich nicht gegen ihn arbeite, nur weil seine Methoden mir nicht gefallen, sondern ihn als Teil meiner selbst ernst nehme und auch mal kompromissbereit auf ihn zugehe, fühlt er sich vielleicht akzeptiert und hört seinerseits auf, mich so zu drangsalieren. Ich soll also begreifen, dass wir uns auch gut tun könnten gegenseitig, der Finger und ich. Wie sagte die Therapeutin so zutreffend: „Es ist überhaupt nicht schlimm. An Zwanghaftigkeit ist noch keiner gestorben.“

Und da das eine Einstellungssache ist, an der man tatsächlich ganz einfach selbst arbeiten kann, halte ich es für umsetzbar und habe das nächste Jahr probehalber zum Jahr des Zeigefingers erklärt. Wenn er mich so nervt, wird er schon seine Gründe haben. Solange er nicht wieder anfängt, mir das Laufen auf der Rolltreppe verbieten zu wollen, oder ähnlichen Humbug anstellt, kann es vielleicht gar nicht schaden, dieser Seite von mir einfach mal Beachtung zu schenken.

Absurder Song – Revisited

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Hast du jemals ein abgrundtief trauriges Liebeslied geschrieben?

Du weißt nicht, was du verpasst. Es ist so heilsam. Und das Beste ist, das Lied überdauert das Gefühl. Und du kannst es immer wieder spielen, und jedes Mal merkst du dabei, wie du geheilt bist, und lernst immer wieder schätzen, dass es dir gerade so gut geht.

Ich führe heute überdurchschnittlich viele Monodialoge mit imaginären Personen. Obenstehendes zum Beispiel habe ich gerade an R gerichtet, nachdem ich mir die Gitarre geschnappt und – was ich lange nicht mehr getan hatte – Open Endings und den Absurden Song durchgespielt hatte.

Es wäre ein ganz unfassbar wunderbarer Schritt in eine richtige Richtung, wenn dieses Gespräch in der Realität stattfinden würde. Aber natürlich bin ich bis heute nicht in der Lage gewesen, über irgendetwas meine Vergangenheit Betreffendes ausführlich mit R zu sprechen, in erster Linie, weil ich dafür voraussetze, dass er von sich aus danach fragt und zunächst diverse Abblockmanöver umschifft, bis ich mich darauf einlasse. Was nie geschehen ist und ziemlich wahrscheinlich auch nie geschieht. Das meine ich, wenn ich sage, ich bin in mir selbst eingesperrt. Meine Verletzlichkeit hüte ich wie ein Heiligtum, und wenn sie jemand zu Gesicht bekommen soll, muss ich zu hundert Prozent sicher sein, dass das ehrliche Interesse dafür da ist. Und daran kann ich gar nichts ändern, das entscheidet sie ganz allein. Deswegen gebe ich niemandem die Adresse meines Blögchens. Und deswegen spiele ich meine Songs nur für jemanden, der ausdrücklich darum bittet.

Ich habe schon relativ früh gemerkt, dass für mich Musik eine andere Rolle spielt als für einen Großteil meiner Mitmenschen. Als sich meine Leidenschaft für Musik – in Form von Green Day – auf diese wirklich nicht unabrupte Weise auf nie zuvor dagewesene Weise irreversibel manifestierte, ereignete sich die Fusion: die Musik wurde ein Teil meines innersten Kerns. Ich konnte die beiden nicht trennen. Ihr gegenüber konnte ich mich öffnen. Sie hat mich entsperrt; sie hat alles an Emotionen an die Oberfläche gebracht, die ich der Welt nicht zeigen konnte. (Was zu unermesslichen Konflikten führte, sobald die Musik und andere Menschen aus meiner Umwelt miteinander in Berührung kamen, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.)

Früher hatte ich meine Medis noch nicht und enorme Teile meiner persönlichen Entwicklung konnte ich bis dahin überhaupt nicht vollziehen. Ich war noch um so vieles eingesperrter als heute. Ich habe es um jeden Preis vermieden, die Außenwelt meinen inneren Kern sehen zu lassen. Ich habe beim Klavierspielen immer bewusst darauf geachtet, diese mitschwingenden Bewegungen zu vermeiden, die Pianisten machen, wenn sie ihre Musik mitfühlen. Selbst beim Singen habe ich es absolut vermieden, irgendein Gefühl in der Stimme zu transportieren (was nicht gerade zur gesanglichen Qualität beitrug; ich traf zwar die Töne, aber man hätte genausogut eine Keyboardtastatur damit belegen können). Auf gar keinen Fall durfte man erahnen, dass ich so etwas wie echte Emotionen tatsächlich besaß, geschweige denn, dass das Musikmachen eine (von mir zumindest so empfundene) immens gefährliche Gratwanderung darstellte und ich unentwegt auf den Erhalt der nicht-fühlenden Fassade bedacht sein musste.

Als ich anfing, mit Şahin Musik zu machen, sah ich mich dem gleichen Problem gegenüber. Zwar habe ich es geliebt, zu singen, und war mehr als überglücklich über dieses unerwartete Geschenk, aber ich war bis dato in keiner einzigen zwischenmenschlichen Beziehung so gefordert gewesen, mich selbst als fühlende Kreatur zu akzeptieren. Das nahm auch Jahre in Anspruch und führte einerseits zu beachtlichen Erfolgen (irgendwann war ich soweit, dass ich mir erlauben konnte, in meiner Singstimme Anflüge von Emotion mitschwingen zu lassen), gestaltete sich aufgrund der Natur unserer Beziehung aber auch zusehends komplizierter. Stell dir einfach vor, du hast einen Haufen verängstigter Katzen. Alle der Katzen bis auf eine sollen lernen, dass es ganz cool sein kann, unter dem Bett hervorzukommen und die Wohnung zu erkunden und sich einfach mal zu den Nachbarn auf den Balkon zu chillen. Langsam fangen die kleinen Tierchen an, dir zu vertrauen. Nun erkläre mal dem einen Kätzchen, dass es gefälligst unterm Bett zu bleiben hat und sich nicht vom Fleck rühren soll, ohne dabei 1) die anderen Tiere zu verschrecken und 2) es nachhaltig in seiner psychischen Entwicklung zu schädigen und 3) zuzulassen, dass dieses letzte Kätzchen auf den anderen Menschen hört, der sich alle paar Minuten vors Bett setzt und es mit Samtstimme hervorlockt, weil er nicht die Spur einer Ahnung hat, um was für eine Katze es sich dabei handelt.

I hope I’m getting my point across here.

Noch später, mit Hilfe der durch die Medis ermöglichten Öffnung meiner selbst der Welt gegenüber, konnte ich die Musik endlich ohne Einschränkung als Ventil nutzen, Gefühle zu äußern, die Verletzlichkeit nach außen zu tragen – womit ich ansonsten wie gesagt bis heute größte Schwierigkeiten habe – , aber eben immer noch ausschließlich in den ganz oben genannten, von mir selbst bestimmten Kontexten. R zum Beispiel fragte mich mal, warum ich immer leiser werde, wenn ich am Musikmachen bin und er mittendrin nach Hause kommt.

Fazit dieses wirren Textes:

  • Ich würde mich gern mitteilen, immerzu, unglaublich gern. Ich kann es aber nicht, bis ich gefragt und somit entsperrt werde.
  • Musik ist keine Wissenschaft, kein Zeitvertreib, keine Nebensache, kein Hintergrund, nicht rational und nicht zum Abdancen. Mein Humor hat bei der Musik deshalb selbst heute noch so unentspannte Grenzen, weil sie mir den Umgang mit und die Kommunikation von Gefühlen ermöglicht, die anders auszudrücken mir nicht gegeben ist. Musik kann und sollte den innersten Klang einer Seele zum Ausdruck bringen und als solches Werkzeug ist sie zu behandeln, jede andere Behandlung wird ihr nicht gerecht.
  • Für andere Menschen ist das anders, deshalb sollte ich musikalischen Verbindungen mit Menschen tunlichst aus dem Weg gehen, selbst wenn das bedeutet, meine Innenwelt auf ewig unter Verschluss halten zu müssen.
  • So ist das wohl.

Talk to the hand

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Ohne mich noch großartig zu nötigen, wirklich etwas Inhaltsvolles von mir zu geben, möchte ich trotzdem schnell meine To-Dos für morgen manifestieren:

  • Nähzeug zurück in die Schränke befördern
  • Rausfinden, was mit meiner Nähmaschine los ist
  • Briefmarken runterladen und ausdrucken
  • Ebay-Sendung und Handytasche auf den Weg bringen (letztere gesetzt den Fall, dass der Mensch, der sie in Auftrag gegeben hat, bis dahin das Geld hat rüberwachsen lassen)
  • mindestens 50 Sachen aufräumen
  • Unbabel-Stunden ausrechnen und Camila schreiben
  • saubere Wäsche verstauen
  • staubsaugen
  • Bild vom Chrysler Building reparieren
  • Restliche Containerreste aus der Garage räumen (außer natürlich den Schrank)
  • Keyboard spielen
  • Keller für den Schrank präparieren
  • Chillen und Scrubs gucken

…und wenn ich das alles schaffe, kann ich stolz auf mich sein.

Und wenn ich nichts davon schaffe und nur gelähmt rumhänge, dann.. meine Güte, dann ist das halt so.

Ich wurde heute Früh von der Therapeutin dazu aufgefordert, die Lähmung zu konkretisieren. Beziehungsweise den Druck, den ich mir mache, der zu der Lähmung führt. Das Gewissen, das kaum einen Augenblick Ruhe gibt und gefühlt immer schlimmer wird, das mir nicht erlaubt, ein Leben in einem Zustand innerer Ruhe zu leben, bis ich es nicht „auf die Reihe bekomme“, bis ich keine „Arbeit“ habe und keinen „Beruf“.

Ich halte vom Konkretisieren wenig und vom Verbildlichen überhaupt nichts und habe dies auch die Therapeutin wissen lassen. Diese war heute allerdings sehr gefangen in ihrer Therapeutenwelt und wollte nicht davon ablassen, ich solle dem Ding einen Namen geben und mit ihm kommunizieren. Ich nannte es dann „die Hand“, einfach weil es sich wie ein Klammergriff um meinen Brustkorb schnürt oder mich von oben erdrückt oder wahlweise beides, you get the picture. Ich habe irgendwann stumpfsinnigerweise dazu noch einen Eiskaltes-Händchen-Witz gemacht, der daher stumpfsinnig war, weil die Therapeutin ganz offensichtlich in ihrem Leben keine Folge Addams Family gesehen hat.

Jedenfalls wollte sie dann, dass ich mit der Hand kommuniziere, und fragte mich, angetrieben von ihrem Symbolisierungs- und Konkretisierungsschub, ob ich eigentlich gerne male. Ich habe sie bei der Gelegenheit wissen lassen, dass ich seit sieben Jahren schon mal einen Quetzal malen wollte. Sie wusste nicht, was das ist. Ich bin dafür, dass jedem Menschen irgendwann beigebracht werden sollte, was ein Quetzal ist. Mission für die Therapeutin erfüllt.

Ich kann jedenfalls nicht mit der Hand reden. Ich wüsste nicht wie. Aber vielleicht erfahre ich es ja nächste Woche, wenn ich eine Hand und einen Vogel gemalt habe.

The Other Side of the Towel

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Es ist schon eine Arbeit, nicht lethargisch zu sein.

Mein Rücken fand das exzessive Rotieren die ersten beiden Tage nicht so lustig; heute macht er schon weitaus weniger Zicken. Es ist ja auch nicht, als würde ich mich in Grund und Boden schuften, aber ein wenig Aktivität musste er doch aushalten, der Gute, weil man es eben schon merkt, wenn man über Wochen nur die Oberflächen-, nicht dagegen die Tiefenstruktur eines Haushaltes instandgehalten hat, wenn überhaupt.

Ich habe allerdings im Zuge meiner derzeitigen AVES-Anwandlung schon beeindruckende Erfolge gefeiert. Dazu zählt:

  • Ich war bisher bei 4 von 6 Veranstaltungen in der Uni. (Dass ich es am Montag nicht gepackt habe, hinzugehen, hat mich ja überhaupt erst so frustriert, dass ich diese radikale Maßnahme daraufhin ergriffen habe. Und der Griese-Kurs gestern Abend… ganz ehrlich, Griese bringt nichts. Nichts.)
  • Ich habe mich allerhand unangenehmen Tatsachen gestellt, wie zum Beispiel dem Terminologieprojekt von Nespral. Mit wenig Erfolg bislang, aber das ist in meinem Fall wirklich zweitrangig.
  • Ich kann nunmehr meinen Schal und meine Jacke im Bus ausziehen, wenn mir zu warm ist. Ebenso gelingt es mir, mich mit der äußeren Seite des Handtuchs abzutrocknen. (Ha, Alien, du kannst mich mal.)
  • Weiterhin schaffe ich es, vor der Uni der Katze etwas zu fressen rauszustellen, damit es auftauen kann, während ich weg bin. Ich bin außerdem in der Lage, vor der Uni die Waschmaschine anzuschmeißen und andere kleine Haushaltssachen zu erledigen.
  • Ich schiebe keine Korrespondenz auf die lange Bank. Mal davon abgesehen, dass ich keine Zeit mehr habe, das Handy abzunehmen, wenn mich Basti anruft, weil ich so sehr damit beschäftigt bin, all die durch mein glorioses Nichtstun entstandenen Feuer auszuschlagen. Aber das wird wieder.

Zugegebenermaßen habe ich mir auch einen übermenschlich schönen Poncho und zwei Kleider bei Ebay Kleinanzeigen bestellt, was mich insgesamt knapp 30€ gekostet hat, obwohl mein Budget für Luxusausgaben nur aus 15 bestand. (Die hatte ich am Sonntag mit Becci auf dem Flohmarkt erwirtschaftet – eigentlich hatten wir 45€ eingenommen, davon musste ja aber die Standgebühr (15) abgezogen und der Gewinn selbstredend am Ende geteilt werden, schließlich hätte ich ohne Becci erst gar nicht die Möglichkeit gehabt, am Flohmarkt überhaupt teilzunehmen, geschweige denn irgendetwas von meinem Kram dort zu verkaufen. (Außerdem ist es wohl logisch, dass ich mehr Zeug verkaufe, wenn sie gerade mal ein Zwanzigstel der Menge an Sachen da liegen hat.)

Jedenfalls sollte mir das wohl ein schlechtes Gewissen bereiten. Leider sieht mein Gewissen das anders und tröstet mich mit dem Hinweis darauf, dass Becci nächstes Wochenende schon wiederkommt und wir den nächsten Flohmarkt unsicher machen werden. Der dann hoffentlich von mehr Kundschaft und weniger Regen geprägt sein wird.

Nun sollte ich mich allerdringendst an die Übersetzung für den 8.30-Kurs machen, den ich morgen zum ersten Mal besuchen werde. Hallelujah, wie ich mich freue. Der Text ist ein Desaster und die Uhrzeit… sowieso. Aber gut, da muss man dann wohl durch.

An meinen eigenen Haaren

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Und das Aller-, allerwichtigste:

  • Ich muss meine Neurosen bekämpfen.

Ich habe es heute versucht und dabei erst gemerkt, dass und wie sehr ich mir täglich das Leben so unfassbar unnötig erschwere. Ich hinterfrage mich andauernd, trotzdem scheine ich einen riesigen blinden Fleck an der Stelle (gehabt) zu haben, an der das Alien in meinem Kopf zu Hause ist. Da werde ich ordentlich was rausholen können.

Davon ab: Meine To-Do-Liste für den Tag wird an dessen Ende zwar nicht vollständig abgearbeitet sein, aber ich habe trotzdem keine Sekunde verschwendet. Gegen Mittag (in etwa, als ich in die Uni bin) kam sogar die Sonne mal wieder heraus, fast, als wollten mir die Wolken einen Gefallen tun und hätten sich in voller Absicht verzogen.

Es funktioniert ganz prächtig. Ein paar grundlegende Regeln werde ich mir nicht umhinkommen aufzuerlegen – ich werde die Disziplin aufbringen müssen, zu Hause keine Handyspiele mehr zu zocken, sonst kann ich eh alles Andere vergessen – und der Rest erledigt sich schon irgendwie, solange ich nur nicht in die Lethargie zurückfalle. Ich habe vorhin darüber nachgedacht, während ich (was überfällig war und sogar auf meiner Liste stand) das Altglas zum nahegelegenen Container getragen habe, und kam zu dem Ergebnis, dass ich – so vong Selbsreflezion her – wohl einer der besser für die Selbsttherapie geeigneten Menschen sein dürfte. Also nichts wie angefangen. Und das habe ich heute geschafft.

Also, meine Regeln lege ich noch einmal schriftlich fest wie folgt:

  1. Keine Handyspiele in der Wohnung.
  2. Kein AOE unter der Woche.
  3. Vor elf Uhr aufstehen, auch wenn ich keine Uni habe oder erst später losmuss.
  4. Keinen Alkohol mehr kaufen.
  5. Dinge prinzipiell genau so erledigen, wie es am sinnvollsten ist. Nicht auf das Alien hören.

Das wird Arbeit. Aber sie ist machbar.

Situationsverbesserungsmaßnahmen

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Ich stelle fest: So kann das nicht weitergehen. Was muss am dringendsten geändert werden?

  • Ich muss früher aufstehen.
  • Ich muss in die Uni gehen. Zu jedem verdammten Kurs.
  • Es muss mehr Geld reinkommen, als rausgeht.
  • Ich muss aufhören zu zocken.
  • Ich muss aufhören zu prokrastinieren.
    • Ich muss für die Uni arbeiten. Jeden Tag.
    • Ich muss mich um anfallende Haushaltsarbeiten kümmern. Immer.
    • Ich darf meine Hausarbeiten nicht wieder bis zur letzten Sekunde verdrängen.
  • Ich muss weniger Alkohol und mehr Wasser trinken.
  • Ich muss mich allen unangenehmen Aufgaben widmen. Sofort.
  • Ich muss Ordnung halten. Immer.
  • Ich muss Lösungen für die Organisation meines Krempels finden.
  • Ich darf nicht eher ruhen, als bis all dies geschafft ist. Ich muss meine Disziplin wiedererlangen und bewahren.

Auch, wenn’s grau ist draußen.

Dann komme ich wieder auf den richtigen Weg. Wenn ich die Willenskraft aufbringe. Und ehrlich, ich muss sie aufbringen – wenn ich das nicht schaffe, gehöre ich tatsächlich schleunigst in Therapie.

Voll die Pracht – es ist vollbracht

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Das Projekt, welches in den letzten Wochen mein häusliches Leben bestimmt hat – das Hochbett. Es steht. Ich bin ein wenig ratlos, was mit dem ganzen gigantischen Platz nun alles anzufangen ist, aber ich bin mir mehr als sicher, dass mich dieses Luxusproblem nicht lange quälen wird.

Meine recht harsche Meinung gegenüber unserem Helfer habe ich bei der heutigen Session auch wieder verworfen; der Mensch ist in Ordnung. Eigen, aber in Ordnung, genau wie R sofort sagte. Dass ich nun gerade das bin, was abgestumpfte, hartgesottene „Kerle“ wie er vermutlich ein zartes Pflänzchen nennen und als überempfindlich abstempeln (genau wie ich meinerseits gerade den Brandt als abgestumpft und hartgesotten abstempele), dafür kann er letztendlich ja auch nichts. Und seien wir ehrlich, ohne seine Hilfe wäre dieses Ungetüm niemals in meinem Schlafzimmer zu neuem Leben erwacht.

Jetzt habe ich mir mein wohlverdientes Abendessen, bestehend aus süßen Semmelknödeln und Schokokuchen mit Apfel-Birnen-Kompott (alles noch Überbleibsel aus meinem zu Konstanzer Zeiten schier endlos scheinenden, inzwischen aber dramatisch geschrumpften Vorrat) nach unspektakulärem Aus-Gläsern-auf-Teller-transferieren und anschließendem Erwärmen in der Mikrowelle einverleibt und möchte eigentlich gleich wieder zur Tat schreiten: Das Schlafzimmer befindet sich nach wie vor nicht in einem Zustand, den ich meiner morgen Nachmittag hier eintreffenden Mutter präsentieren möchte. Gerade hat auch noch mein Handy mir bescheidgegeben, dass jemand mir geschrieben hat (war vermutlich R), und ich unterdrücke meinen Impuls, sofort hinzurennen. Furchtbar ist das. Immer gleich hinrennen wollen. Ich versuche mir das aktiv abzutrainieren, vor allem da meistens Stunden vergehen, bevor R eine meiner SMS mal liest oder sogar darauf reagiert. Da ist es doch nicht gut für die Würde, immer sofort zu antworten.

Außerdem sind meine Füße schmerzhaft überdehnt, was daran liegen könnte, dass ich etliche Zeit in unnatürlichen Positionen auf meinem Hochbett verbracht habe, um die Untergrund-Platten zu verschrauben. Selbiges gilt für meine Knie. Dieses Bett hat mir bisher nicht gerade Komfort geboten. Aber das kommt ja ab jetzt. Mein Plan ist es, mir von meiner gesammelten Familie (sprich: Eltern, Mamas Eltern, Onkel) zu Weihnachten eine enorme Matratze schenken zu lassen, die das Bett so weit wie möglich ausfüllt, und den Rest mit Kissen zu stopfen bzw mit Nachtschränkchen zu versehen. Wie gut, dass meine Eltern morgen zusammen mit dem Auto kommen und gleich zwei Nachtschränkchen dabeihaben, die ich in meinen letzten Jahren in Oldesloe als Regal für meine Pflanzen im Zimmer stehen hatte. (Links ein Schränkchen, rechts ein Schränkchen, obendrauf ein Regalbrett.)

Ich bin fertig, das glaubst du gar nicht. Wie soll ich hier jemals wieder aufstehen. Aber es muss bald passieren. Das Schlafzimmer muss von Sägestaub und -spänen befreit werden, alle beiden Etagen. Dann kann ich die Draußen-Kissen von den Terrassenmöbeln provisorisch auf dem Bett ausbreiten und beziehen, sodass wir tatsächlich heute Nacht schon darauf schlafen können. Vielleicht schaffe ich es sogar schon, das ein oder andere Büromöbel wie geplant unter dem Bett zu positionieren, falls ich durch das Chaos im rosa Zimmer damit irgendwie durchkomme.

Also *ächz*, auf in den Kampf! Der wichtigste Sieg ist ja schon einmal errungen.

Löcher und Käse

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Gerade schrieb ich einen Eintrag, den ich nicht veröffentlichen werde, weil er zu denjenigen zählt, mit denen ich selbst im Moment der Veröffentlichung schon nicht mehr einverstanden bin. Er liegt nun da herum und wird vielleicht irgendwann mal rausgekramt, dann aber in einem anderen Leben.

Nunja, was soll ich sagen. Es hat in meiner an sich schon in äußerst raren Momenten wirklich sorgenfreien Beziehung recht gewaltig geknistert (und kein Knistern von der guten Sorte, either), sodass ich mich langsam als Expertin der Almost-Break-Up-Momente begreife und einfach mal hochgespannt auf das Geschehen der kommenden Monate blicke. R’s nie endender Zynismus und die Eiseskälte, mit der er aus Selbstschutzzwecken an so etwas herangeht, scheinen ansteckend zu wirken: Während mir eigentlich der Kopf schwirrt und ich (meiner Art gemäß, vom Moment umgehend aufs Ganze zu schließen) aus dem Denken, Zweifeln, Hadern kaum hinauskomme, schleicht sich zwischen die kopflos wuselnden Emotionen immer mal wieder ein gelassenes Stimmchen, dessen körperloser Besitzer sich mit Bier und Popcorn in eine Ecke gehockt hat und nun ins Treiben hinein verkündet, „Mal schauen, wie, wo, wann ihr den Karren in den Dreck fahrt. Und was noch alles passieren muss bis dahin.“

Von unerhört vielen anderen Seiten aus betrachtet, du wirst lachen, verfügt diese Beziehung über eine Stabilität, die es fast schon wieder lächerlich macht, Momente wie die vergangenen Tage überhaupt durchleben zu müssen. Ich muss spontan an Simones Mutter und die von ihr metaphorisierten Löcher im Käse denken. Ich sag dir, was wir brauchen, R und ich: Willenskraft, an uns selbst zu arbeiten, er an seiner Art der Kommunikation und ich an meinen Erwartungen.

Ein Stück mehr Phönix

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Ich habe schon wieder etwas geschafft. Naja – so, wie ich halt immer Dinge schaffe, wenn es Drama gibt. Oder eher andersherum, wie ich, um etwas zu schaffen, dafür zwangsläufig ein Drama brauche.

Wie meistens handelte es sich bei meiner Errungenschaft um Kommunikation. Es ist ganz lustig eigentlich, weil genau das, was ich geschafft habe zu kommunizieren (oder ein Teil dessen), ist, dass ich es meistens nicht schaffe, zu kommunizieren.

Es war so, dass ich mich wider besseres Wissen beim Bogglen mit R in eine Art politische Debatte verstrickt hatte. Verwunderlich wird es kaum sein, wenn ich verkünde, dass es wenig Spaß macht, Debatten jeglicher Art mit R zu führen. Du musst es dir so vorstellen, dass, wenn du normalerweise schon den Eindruck hast, du könntest den letzten Scheiß von dir geben und es würde ihn nicht mehr und nicht weniger interessieren, sich dieser Eindruck in Diskussionen noch um das Zehnfache verstärkt. Er braucht einfach jemanden, den er plattwalzen kann. Erwartet aber gleichzeitig (wie ich inzwischen herausgefunden habe), dass die Maßnahmen, die man dagegen ergreift, ihn in keinster Art und Weise verletzen.

Wie auch immer, ich versuchte, ihm begreiflich zu machen, dass es Zwischenschritte braucht, um Menschen von radikalen Ideen zu überzeugen, und er konterte mit der Aussage, an mir würde ihn nerven, dass ich einfach containern ginge und mein Veränderungswunsch an dieser Stelle aufhöre. Von dem Punkt an konnte man mich vergessen; mein Hirn hatte sich hinter den rapide heraufgeschnellten Wall aus Dramatik verzogen und ließ mich unbewaffnet zurück. Die drei Minuten, die ich zum Zähneputzen brauchte, reichten aus, um mich auf die „Wir sind nicht im Geringsten kompatibel, was tue ich mir hier an“-Stufe hinaufzukatapultieren, die in weniger stabilen Zeiten immer wieder ein beliebtes und leicht zu erreichendes Landeziel darstellt; in dementsprechender Grabesstimmung legte ich mich ins Bett, erstarrte wie für Attacken dieser Art üblich zu einem unbewegten Standbild unaussprechlichen Dramas und versuchte, mich wieder einzukriegen. Wie ebenfalls üblich failte ich grandios, als R hereinkam und mir mit simplen Wörtern wieder in Erinnerung rief, dass man, wenn schon im Rest des Lebens eher weniger, während eines Heulanfalls doch mit ziemlicher Sicherheit damit rechnen kann, dass er seine Aufmerksamkeit auf die emotionale Befindlichkeit seiner Partnerin richtet. Und wie üblich bekam ich letztendlich aufgrund der so raren wie wohltuenden Aufmerksamkeit wieder ein Stückchen Wahrheit verbalisiert, diesmal die tatsächlich nicht ganz unbedeutende Information meiner Verzweiflung über sein schlichtweg nicht vorhandenes Interesse an meiner Innenwelt. Dir muss ich das nicht sagen; meine Schwierigkeiten, mich jemandem ohne dessen ausdrücklich geäußerten Wunsch mitzuteilen, waren immer auch einer der Gründe, damit fortwährend das Internet zuzumüllen. Für R dagegen war offenbar nicht ersichtlich gewesen, dass mich sein brutales Urteil über meinen Veränderungswunsch vor allem deshalb so hart getroffen hatte, weil diese hirnrissige Äußerung durch jemanden erfolgte, der sich beileibe nicht damit rühmen kann, meiner Gedankenwelt je intensiv ehrliche Beachtung geschenkt zu haben, geschweige denn sie so in- und auswendig zu kennen, wie ich es mir für ein Verhältnis dieses Vertraut- und Verbundenheitsgrades nicht sehnlicher wünschen könnte.

Da R, wie ich nicht müde werde hervorzuheben, ein außerordentlich lernfähiger Mensch ist, war es am Tag danach recht putzig zu beobachten, wie er versuchte, das Erfahrene in veränderten Output umzuwandeln. Mir stach besonders diese Begebenheit ins Auge, als Basti und ich in meinem Zitat-Ringbüchlein etwas nachgucken wollten und ich es R unter die Nase hielt (es ging darum, dass er seine legendäre Aussage, er könnte sich mit mir Selbstversorger vorstellen, natürlich längst in die weiten Gefilde seines Desinteresses zurück verdrängt hatte und wir ihm beweisen wollten, dass er sie dennoch getätigt hatte – zum Glück schreibe ich sowas auf), woraufhin er sich veranlasst sah, mich zu fragen, ob man sich darin umschauen dürfte, und anfing, sich ein paar der aufgeschriebenen Kleinigkeiten zu Gemüte zu führen. Was hätte ich das gefeiert (seien wir ehrlich, ich wäre im Dreieck gesprungen), wäre es nun ehrliches Interesse gewesen und nicht das offenkundig aus ihm sprechende Bedürfnis, mir zu demonstrieren, dass ich gehört wurde. (Deshalb weise ich Menschen so ungern auf so etwas hin; wenn sie sich dann tatsächlich ändern, muss man immer annehmen, dass es nicht ihrem echten Wesen entspricht.) Aber ich bin einfach schonmal unsagbar froh, dass ich gehört wurde. Und dass ich in der Lage war, überhaupt mal zu reden.

Und ich bin froh, dass es nicht mehr zu regnen scheint. Zur Tafel zu fahren vorhin war nicht die angenehmste Unternehmung, die man sich vorstellen kann. Wenn ich gleich wieder foodsharingmäßig unterwegs bin, bleibe ich wenigstens von einer zweiten Sintflut dieser Art verschont.