Schlagwort-Archive: Smartphone

Reliving, but alive.

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Hier bin ich nun. Fast unerwartet erscheinen Erinnerungen an Fahrten von Hamburg nach Heidelberg runter, nicht bedrohlich, nicht verkrüppelnd, fast harmlos-nostalgisch, ich habe die letzte Reihe für mich allein, es ist noch vor Mitternacht und Şahin ruft mich an, wir sehen uns morgen: aber heute ist heute und wir müssen noch Ritual machen; er bietet an, allein zu singen, aber mir ist egal, ob ich im Bus bin, Ritual machen wir zusammen, also singe ich.

Heute, selbstredend, singe ich nicht; vielmehr plane ich, gleich zu schlafen und am anderen Ende der Reise frisch und vergnügt wieder aufzuwachen. Aber zwischendurch – jetzt – muss ich doch wenigstens noch mein Smartphone und das damit verbundene Internet zelebrieren (oder eher gesagt, das mit selbigem verbundene Smartphone). Das sowie die Tatsache, dass die Geister der Strecke ihr zerstörerisches Potenzial verloren haben.

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Im Sack, am Sack, um den Sack herum

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Was für ein Tag.

Kepa bietet mir an, mietfrei auf seinem Baserri zu wohnen, und verkünstelt sich anschließend dichtenderweise an der nunmehr callcenterjobgeprägten Realität des „talentierten Mr. R“. Das Gedicht mutete leicht zynisch an und hätte R vermutlich ein weniger gutes Gefühl vermittelt als mir seinerzeit das Kompostgedicht. Das zusammen mit ein-zwei-drei weiteren Bemerkungen legt die Vermutung nahe, dass seine Sympathien R gegenüber nur beschränkt vorhanden sind. Im Gegensatz zu mir würde er, ever the good sport, allerdings nicht auf die Idee kommen, das offen zu verkünden. Oben erwähnter Stichelei zum Trotz war ich von der darin enthaltenen Filmreferenz ziemlich begeistert. Tatsächlich fiel mir daraufhin auf einmal mit voller Wucht wieder ein, dass der Talented Mr. Ripley ein verdammt guter Film war, den man mal wieder gucken sollte.

Davon ab erwies sich Kepa als wunderbarer Handyvertragsvertreter im fehlgeleiteten Körper eines Juristen (gibt es da Umwandlungs-OPs, die man vollziehen könnte? Vermutlich; es dürfte sich „Umschulung“ nennen) und erleichterte so meinen Eltern die Suche nach meinem Weihnachtsgeschenk. Ich habe nämlich meine Mutter darauf angesetzt, für zuch zu Weihnachten die Recherche für diesen Smartphone-Kram zu erledigen, denn während meine Mutter sehr gut recherchieren kann, bin ich dafür einfach nur ungeeignet, gerade wenn es um etwas geht, das ich nichtmal wirklich haben will. Verdammtes 21. Jahrhundert, dessen alleiniges Anliegen es ist, mich einzuholen und zu foltern.

Dann war ich in Mannheim, habe zwar keine von R’s Kollegen, dafür aber eine seiner Mannheimer Genossinnen kennengelernt und eine schöne Zeit in einer sehr anheimelnden Bar verbracht, in der man für recht wenig Geld eine unfassbare Menge Pommes und einen veganen Burger bekam. Es war so halb geplant gewesen, dass ich mit übernachten würde (R bleibt gleich da, weil er morgen dort einen Vortrag hält), aber ich bin dann doch lieber nach Hause abgedampft. Dann wollte ich zwar eigentlich schlafen, andererseits aber auch zocken, also tat ich Letzteres und verschob Ersteres und blieb dann wie in alten Zeiten ewig vor dem Computer hängen, bis… jetzt.

Naja, und vielleicht erwähnenswert wäre noch das Gespräch mit Oma; als ich ihr nämlich erzählte, dass ich noch einen Schrank zu verrücken habe, erwiderte sie, dass ihre (offenbar mit mir verwandte) Mutter gefühlt alle drei Minuten ihre Möbel verrücken musste („Wenn ich aus der Schule kam, wusste ich nie, wo die Schränke stehen“) – und sich dabei mit einer Speckschwarte behalf, die sie unter die schweren Kaliber legte, sodass diese sich mühelos durch die Wohnung bewegen ließen. Meine Reaktion auf diesen für Oma höchst untypischen Ratschlag belief sich zwar im Grunde auf „Wie soll ich denn um Himmels Willen an ne Speckschwarte kommen?“, aber ich fürchte, sowohl R als auch ich selbst sind, von unserem Containertarier- bzw Veganertum mal ganz abgesehen, dafür dann doch nicht hart genug.

Und jetzt wird geschlafen. Nicht zu lange, um den Schrank (auf welchem fleischlosen Untergrund auch immer) nachher vielleicht schon verrückt zu haben, wenn R heimkommt, und ihm zumindest den Teil der Mühen zu ersparen.

But I can’t become a politician; who’d make breakfast if I did?

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Ein paar Stunden meines Lebens sinnlos vorm Computer verschwendet, nur um nichts für die Thesis tun zu müssen. So wird das nichts, so wird das niemals was.

Ich sollte eigentlich noch ein bisschen schreiben hier, denn es gibt bestimmt irgendwas, über das einen schönen Eintrag zu schreiben jetzt eigentlich eine lohnende und dankbare Tätigkeit darstellen würde, aber ich glaube, ich lasse es einfach. Ich bin gerade aus meinem untätigen Trancezustand mit einem Haufen unangenehmer Gedanken im Kopf aufgewacht, die nicht weiter verfolgt werden sollten, denn es würde einfach nichts bringen.

Wobei ich langsam anfange, mir Gedanken zu machen, ob es eigentlich sinnvoll ist, sich und sein Seelenheil so konsequent der Verdrängung in die Hände zu legen.

Schöner Gedanke: Vorhin rief mich R an und sagte, wir würden uns bald eine Katze holen, nachdem ich verkündete, ich würde eine Katze haben wollen. Es ist zwar nicht wirklich im Bereich des Möglichen, dass wir uns in absehbarer Zeit eine Katze holen, aber der Gedanke kann immerhin dazu dienlich sein, mir Freude zu bereiten.

Auf den schönen Gedanken kommen drei bis vier kontraproduktive, was eigentlich ziemlich schrecklich ist, wenn man bedenkt, dass es vier positive Gedanken braucht, um einen negativen zu neutralisieren, also ein Verhältnis von mindestens 5:1, um eine gut gelaunte Grundstimmung zu produzieren. Da ist es also doch wieder gut, dass ich mich mit Tippen beschäftige, um ihnen allen gar nicht erst die Entfaltung zu voller Blüte zu ermöglichen.

Weg. Hah! Sehr gut.

Ich merke, wie ich unfreiwillig zu jemandem mutiere, der sich zwei Mal am Tag zweistündige Diskussionen zur Flüchtlingspolitik antut und sich dabei gewahr wird, dass sie von einem Haufen… was würde Laura sagen, faschistoider Gestalten umgeben ist, die Gedankengut in sich tragen (oder noch schlimmer, nach außen tragen), das ohne Weiteres als PEGIDA-würdig eingestuft werden kann, auch wenn sie das nicht in dreitausend Jahren zugeben würden. Danke, Politiker in meinem Leben; genau das wollte ich nie werden. Wenn ich jetzt noch den Glauben an meine Mitmenschen verliere, lande ich bald in der Klapse. Wie ich es aber rückgängig machen könnte, ist mir auch nicht bekannt.

Spätestens daran, dass ich über zwei Stunden lang in einem politischen Gespräch mit Laura einer Meinung war, ist abzusehen, dass mir das Wasser bis zum Hals steht. Wenn ich nicht aufpasse… Stimmt, darüber habe ich heute Früh noch nachgedacht. Laura sagte gestern, man würde die Smartphone-Junkies nur so lange hassen, bis man selber einer wird. Ich habe mir dann überlegt, inwieweit von mir zu Recht erwartet werden kann, dass ich mich anpasse und mir so ein Ding zulege, auch wenn sie mir noch so sehr zuwider sind und ich die Art verabscheue, wie sie jedes Leben aus einer sozialen Situation heraussaugen – darüber müsste ich mir dann immerhin ja keine Sorgen mehr machen, ich würde schließlich dazugehören. Ein Smombie unter Milliarden.

Und inwiefern aber, auf der anderen Seite, ein zu angepasstes Dasein einfach nur noch in Selbstverleugnung ausufert und irgendwo nur zeigt, dass man den einfachen Weg (all my friends are walking dead, it’ll be more fun to walk among them as one, even if that means having to kill myself first) einem selbstbestimmten, individualitätszelebrierenden Lebensstil vorzieht. Wenn ich mich infizieren lasse und zum mit Smartphone verwachsenen Linksradikalen werde, der sich seinen Laptop da hinstellt, wo andere Menschen ihr Frühstück positionieren, um auch ja in keiner Sekunde seines wachen Lebens so etwas Banalem wie einer Mahlzeit seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, fühlt sich das kaum wie eine Persönlichkeitsentwicklung an, die ich gerne durchleben würde. Allein schon, weil auf unserem Küchentisch für zwei Laptops nebeneinander plus Frühstücksutensilien kein Platz wäre. Und überhaupt – so ein Frühstück macht sich nicht von allein.

Fazit: Ich kann niemals in die Politik gehen. Irgendjemand muss doch das Frühstück machen.