Schlagwort-Archive: Sonne

Restaurationsarbeiten

Standard

Mein Ohrwurm von „Tuyo“ ist wieder da.

Y cuales deseos me vas a dar, oooh, dices tú, mi tesoro, basta con mirarlo… y tuyo será… y tuyo será…

Und der Titel des orangenen Buches ist mir eingefallen, One Day, nachdem ich seit Tagen mit der deutschen Übersetzung – Wie ein einziger Tag – im Kopf gelebt hatte. Oh Hirn. Dazu kam dann auch gleich Dexters Nachname – Mayhew? – und die Erkenntnis, dass – jetzt, wo ich so drüber nachdenke – das Buch auch permanent in Sichtweite im Regal stand. Aber seit wann macht man es sich so einfach.

Ich habe heute einiges vor mir. Das Ausmaß der containerten Schätze, die es nach einem Ausflug wie dem gestrigen zu versorgen gibt, erinnert an einen Schweizer Monatseinkauf in Konstanz (bloß dass mir am Ende niemand die Mehrwertsteuer zurückgibt). Außerdem ist die Wohnung dreckig wie sonstwas und muss dringend gesaugt werden. Eigentlich ja gestern schon, aber da habe ich mich nunmal erfolgreich durch das Vergangenheitsdurchwühlen vom gegenwärtigen Leben abgehalten.

Immerhin scheint heute wieder die Sonne.

Werbeanzeigen

Sunshine, my old friend.

Standard

Und schwupps, auf einmal ist es Sommer. Ich sitze in Top und kurzem Rock auf der Terrasse und schwelge in der Wiedervereinigung mit meiner Lebensspenderin Sonne. Schwer vorzustellen, dass vor so Kurzem die Welt noch kalt und finster war.

Die Terrasse ist präpariert für den Einzug der Pflanzen, obschon der natürlich noch einen guten Monat hin ist. Die Komposteimer sind wieder in Betrieb genommen, Kübel teilweise mit Erde befüllt, die Überlebenden des Winters ausgemacht und versorgt. Die Pfefferminze sprießt schon fröhlich; der Schnittlauch macht den Eindruck, nie weggewesen zu sein; Petersilie habe ich aus dem Kasten in ein Töpfchen und Rucola zum Topinambur in den Eimer verfrachtet. Hallelujah, ich kann wieder leben.

R ist arbeiten und wird sich nachher das Qualifying ansehen; ich könnte zum Großhandel fahren oder es bleiben lassen. Man wird sehen. Vielleicht fahre ich nachher zum neuen Spot und schaue beim Großmarkt auf dem Rückweg vorbei. Oder nicht. Zuerst einmal lasse ich es mir gut gehen, trinke mein Bier, solange es kalt ist, lese mein Buch und sauge den Sommer auf.

What to Do on a Cold but Sunny Day

Standard

Die erste positive Nachricht ist ja schonmal, dass ich überhaupt in der Position mich befinde, diese Frage zu stellen. Das liegt dann am sonnigen Teil.

Der kalte Teil bringt die Ernüchterung; mein Wille ist wach, mein Wärmebedürfnis aber auch, und so bleibe ich trotz Licht vorerst auf dem Sofa hängen.

Macht nichts. Ich habe ein paar Geschäfte über Ebay abgewickelt und komme somit demnächst hoffentlich in den Besitz wunderschöner Bettwäsche, die auch auf meine neue Matratze passt (140×200), und einer passenden Bettdecke, unter die R und ich gemeinsam völlig problemlos passen (es funktioniert zwar auch mit unserer bisherigen Decke, aber ein wenig kompliziert ist es schon, sie so auf uns zu positionieren, dass nichts drunter hervorschaut und über Nacht abfriert). Ferner habe ich Muffins gefrühstückt und schreibe gelegentlich mit Malte hin und her. Ich habe mich insoweit getäuscht, als es aussieht, als würde sich der Kontakt weiter halten, obwohl niemand von uns mehr Lust auf Barbaras Drama hat. Tatsächlich fahre ich mit R die Woche, nachdem ich aus dem Urlaub wiederkomme, nach Bielefeld, weil er uns zu seiner WG-Cocktailparty eingeladen hat. Mein Minicrush hat sich gelegt und ist einer Art distanzierter Gelassenheit gewichen. So gefällt mir das.

Morgen fahre ich nach der Arbeit wieder zu Mike, um mit ihm spazieren zu gehen. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, warum er sich immer so gerne mit mir trifft, aber ich sollte mich nicht beschweren; meine sozialen Kontakte in dieser Stadt sind alles Andere als üppig – warum also noch diejenigen hinterfragen, die man sich selbst ausgesucht hat zu pflegen.

Gut. Ich werde weiter meinen freien Tag durch Rumhängen zelebrieren und auf den Sommer warten.

Es wird.

Standard

Also. Der Stand der Dinge:

  • Es gibt wieder etwas Sonne. Ich tue wieder Dinge. Manchmal.
  • Ich hatte Geburtstag. Es war herrlich. Becci war hier. R hat mir unter Mitwirken unzähliger Verrückter einen riesigen Kühl- und Gefrierschrank in den Keller geschafft. Ich habe mich hardcore geliebt gefühlt.
  • Die Woche vor meinem Geburtstag war Barbara hier. Das hat einen Grund, nämlich folgenden:
  • Barbara weilt nicht mehr unter den geistig Gesunden. Sie hasst das Kind ihres Freundes, verlangt, er solle den Kleinen weggeben und zu ihr ziehen, und droht seit Wochen mit Selbstmord. Chris und sein bester Kumpel haben mich in ihrer Verzweiflung gebeten, Barbara unter einem Vorwand zu mir zu holen, damit Chris ihr verkünden könnte, dass er ihrem Wunsch nicht nachkommen wird. Gesagt, getan. Am nächsten Tag reden die beiden wie normal miteinander, verabschieden sich mit „ich hab dich lieb“ und Knutschgeräuschen. Fast forward zum gerade vergangenen Wochenende: Chris will mit Barbara Schluss machen und in psychologische Notbetreuung einweisen. Zieht es nicht durch. Wochenende umsonst zu viert mit Malte und Jacqueline plottender- und unterstützenderweise um die Ohren geschlagen. Die beiden haben nach wie vor Kontakt. Niemand hat mehr großartig Bock, sich mit dem kranken Wahnsinn weiter auseinanderzusetzen.
  • Ich habe innerhalb der paar Tage einen Mini-Crush auf Malte entwickelt, weil er der einzig Vernünftige in diesem ganzen Haufen Irrer zu sein scheint und sich während des Dramas gerne mit mir unterhalten hat, besonders nachdem Chris dann von Barbara zurückkam und ihm eins in die Tasche lügen wollte, von wegen, er hätte jetzt keinen Kontakt mehr zu ihr und das pausenlose Vibrieren seines Handys wären Whatsapp-Nachrichten aus einer Gruppe. Natürlich kenne ich den Typ nicht und hatte bis vor zwei Wochen noch nie mit ihm gesprochen. Aber er ist super. Gesprächig, megalieb, intelligent, reflektiert, hat Barbara und seinem gestörten Kumpel Chris emotional so ungefähr die Welt voraus, hasst das ganze Drama genau so sehr wie ich und telefoniert gerne. Ich werd mit ihm natürlich nur noch zu tun haben, wenn das Drama neue Wellen schlägt. Trotzdem kann ich Barbara dankbar sein, dass ihre Gestörtheit zumindest dafür gesorgt hat, dass ich mich mit Malte und Jacqueline intensiv und gut unterhalten habe.
  • Murats Klage wurde abgewiesen. Wir sind den Quälgeist los (fürs Erste).
  • R hat einen neuen Job angetreten. Diesmal einen um einiges vielversprechenderen und besser bezahlten. Es wird.
  • Becci arbeitet wieder. Ich hoffe so sehr, dass es gut klappt und sie wieder gut reinkommt. Sie war seit November krankgeschrieben, und eigentlich geht es ihr auch jetzt noch nicht sonderlich gut, aber ich glaube, dass es für sie besser ist, nicht noch länger zu Hause dahinzuvegetieren. Einen Therapieplatz hat sie immer noch nicht gefunden. Ich habe mich angeboten, ihr damit zu helfen, aber sie tut sich schwer damit, mir die Liste mit potenziellen Kandidaten zukommen zu lassen. Ich kann es ihr nicht verdenken. So ähnlich geht es mir ja selbst.
  • Der Großhandel droht als Containerspot zu versiegen. Aber ich habe mit Becci gleich Abhilfe geschaffen und einen neuen Spot aufgetan, den ich mit der Bahn zwar kaum erreiche, aber dafür hat R mich so halb gezwungen, die Nachbarn um Kollaboration zu bitten. Ich war also letztes Wochenende erstmalig mit Undine und Lukas containern und es hat tadellos funktioniert. Auch wenn mir die Geräusche, die Undines Auto so von sich gibt, sowie die pochenden Herzschläge eines undefinierten Bestandteiles im Unterbau des Fahrzeugs zugegebenermaßen schon Respekt einflößen. Aber ich habe die Regel beispielhaft befolgt, die da lautet, die Geräusche des Autos werden nicht kommentiert (wie Undine mir gleich nach dem Einsteigen einbläute).
  • Ich bin größtenteils noch nicht motiviert genug für Blogeinträge oder solche Spirenzchen (wie man gemerkt haben dürfte), aber ich vertraue auf die heilende Kraft der Sonne und harre der Wochen, die da kommen, voller Zuversicht.
  • Ich habe ein Verstärkerprogramm ausgearbeitet, das mich zum Lesen meiner Lerntherapieseminarunterlagen bewegen soll. Es involviert R’s Mithilfe. Ich glaube, es wird klappen. Es wird.

Buchbinderleim

Standard

Eine neue Ära beginnt. Und damit meine ich weit mehr als eine Zahl hinter der 201 – genau wie jemand an Silvester auf dem Berg feststellte, wird es auch mir mit zunehmendem Alter einfach immer egaler, wenn das eine Jahr dem nächsten weicht. Silvesterdepression ist ein Ding der Vergangenheit und ich vermisse sie nicht; es bleibt mir noch immer genug Depression für etliche Menschenleben auch im Rest des Jahres.

Nein, die neue Ära ist die der gebundenen Blöcke. Ich hatte schon so lange den Wunsch, mit den Unmengen an Schmierpapier sinnvolle Dinge anzustellen – so viel kann nämlich kein Mensch verbogglen, wie da immerzu nachkommt. Also mache ich mir jetzt To-Do-Listen-Blöcke. Richtig hübsch mit Klebebindung. I know, es ist ziemlich überflüssig, dafür Ressourcen in Form von Planatol zu benutzen, wenn man die ganze Zeit bisher auch gut mit losen Papierschnipseln gelebt hat. Aber es wird so gut! Und ich kann Blöcke auf Ewigkeit verschenken. To-Do-Blöcke, Einkaufslistenblöcke, Notizblöcke, Einfach-so-Blöcke, und alles aus Altpapier. So liebe ich es. Also bestelle ich mir Buchbinderleim.

Gesagt, getan. Danke, Ebay. Und nun zum Wetter.

Wirklich jetzt, es ist sonnig. Ich bin halb durchgedreht gestern. Und ich habe vier Tage lang Sachen geschafft, selbst bevor es gestern dann zu diesem unfassbaren Sonnendurchbruch kam. Ich habe so viel geschafft. Die Wohnung sieht gut aus! Keine Wäscheberge mehr im Schlafzimmer! Bett neu bezogen, Tomaten und Melonen und Kürbis zum Vorziehen gesät, Knoblauch und Ingwer gepflanzt, aufgeräumt, alles.

Morgen kommt Basti und bleibt bis Freitag. Eigentlich wollte er heute kommen, aber er muss seine Arschloch-Chefs kleinkriegen und liest dafür Gesetzesbücher. Ich bin enttäuscht, weil er schon wieder nicht bescheidgesagt hat – hätte ich ihn nicht angerufen, wüsste ich morgen noch nicht, was los ist. Aber okay.

Zu Sophi in etwas weniger als zwei Stunden. Davor noch ein Regalbrett aufhängen. Die Winkel sind schon dran, die Löcher in der Wand markiert – ich hatte nur vorgestern vergessen, den Bohrer rechtzeitig zu laden. Die 90-Grad-Wäsche müsste noch aus dem Keller geholt werden. Ich sollte duschen.

Ich mach mich auf.

Essen, Pflanzen, Sonne – glücklich.

Standard

Unglaublich. Ich habe mir soeben den besten Brotaufstrich aller Zeiten zusammengemischt, und zwar allein aus dem Grund, dass es zunächst so aussah, als hätte ich nichts, was ich auf mein Laugenbrötchen hätte drauftun können. Aber oh, das Leben ist so schön, wenn man nur kreativ (und Containertarier) ist, und so hatte ich im Handumdrehen eine Packung Nordseekrabben mit einer klein geschnittenen halben Petersilienwurzel, fünf zerstückelten Champignons und Knoblauchpaste in dem altbewährten Öl- und Kräutergemisch brutzeln, in dem einst die riesigen Mengen Antipasti vom Konstanzer Großmarkt eingelegt waren. Dazu noch frische Petersilie und Dill, welche ich letzte Woche zusammen mit den Krabben beim hiesigen Großmarkt ergattert hatte, Salz und Pfeffer und Paprika und einmal drüber mit dem Pürierstab. Was für ein Traum.

Das Wetter ist auch ein Traum. Gestern habe ich mir noch in der unfassbarsten Sintflut die Haare unter dem Regenrohr der Über-Nachbarn gewaschen und ein ganzes riesiges Arsenal an Plastikeimern darunter aufgestellt, damit es uns nicht den Balkon flutet. (Unsere Neben-Nachbarn haben keine Eimer unter dem Balkon über ihnen; denen läuft auch schonmal das Wasser in die Wohnung rein.)

Und meine Pflänzchen. Langsam, aber sicher sprießt und grünt es in meinen zahlreichen Kübeln und Töpfchen und Kästen; mir ist mittlerweile die Erde ausgegangen und ich konnte längst nicht all meine Behältnisse bepflanzen, geschweige denn die riesige Terrasse mit so viel Grünzeug füllen, wie ich gerne hätte. Aber es ist ein Anfang. Ein guter. Ich habe fast alles aus Samen gezogen, sodass es ewig gedauert hat, bis sich da mal etwas blicken ließ, und der Prozess des Sich-blicken-lassens ist auch noch lange nicht abgeschlossen, aber ich habe das vollste Vertrauen in meine Bepflanzung. Bisher zeigen sich Schnittlauch, Kichererbsen, Rucola, Babyleaf-Salat, Tomätelchen, Kohl, Sonnenblumen, Kerbel (oder Petersilie – ich kann es noch nicht erahnen und habe vergessen, auf welche Seite des Kastens ich was gesät hatte), Ringelblumen, Dahlien, Jungfer im Grünen und ein paar Nachkommen des letztes Jahr aus Norditalien mitgebrachten Indischen Springkrauts.

Außerdem habe ich ein paar Kräutertöpfchen gerettet: Salbei, Estragon und Waldmeister sowie zwei Sorten Minze erfreuen sich nun endlich eines halbwegs pflanzengerechten Daseins. Noch hinzu kommen diverse Keimlinge von Getreide und Hülsenfrüchten, die ich als Sprossen letzte Woche containert und kurzerhand unter die Erde gebracht habe.

Noch auf sich warten lassen Rittersporn, Löwenmäulchen, Petersilie (oder Kerbel, s. o.), Erbsen, Morning Glory, Kapuzinerkresse, Traubenkopf-Leimkraut und die gelb blühende Pflanze, deren Samen ich bei Waltraud im Garten gesammelt und die ich bis heute nicht identifiziert habe. (Nicht dass ich mir große Mühe gegeben hätte. Vielleicht wird es ja dieses Jahr was, vorausgesetzt, sie kommt noch zum Vorschein.) Aber selbst wenn das jetzt alles ist, das sich dieses Jahr einen Weg ans Licht gesucht hat – ich bin hochzufrieden und freue mich unendlich darauf, wenn es soweit ist und alles anfängt zu blühen. Bzw. so groß ist, dass man es essen kann. Herrliches Leben!

An meinen eigenen Haaren

Standard

Und das Aller-, allerwichtigste:

  • Ich muss meine Neurosen bekämpfen.

Ich habe es heute versucht und dabei erst gemerkt, dass und wie sehr ich mir täglich das Leben so unfassbar unnötig erschwere. Ich hinterfrage mich andauernd, trotzdem scheine ich einen riesigen blinden Fleck an der Stelle (gehabt) zu haben, an der das Alien in meinem Kopf zu Hause ist. Da werde ich ordentlich was rausholen können.

Davon ab: Meine To-Do-Liste für den Tag wird an dessen Ende zwar nicht vollständig abgearbeitet sein, aber ich habe trotzdem keine Sekunde verschwendet. Gegen Mittag (in etwa, als ich in die Uni bin) kam sogar die Sonne mal wieder heraus, fast, als wollten mir die Wolken einen Gefallen tun und hätten sich in voller Absicht verzogen.

Es funktioniert ganz prächtig. Ein paar grundlegende Regeln werde ich mir nicht umhinkommen aufzuerlegen – ich werde die Disziplin aufbringen müssen, zu Hause keine Handyspiele mehr zu zocken, sonst kann ich eh alles Andere vergessen – und der Rest erledigt sich schon irgendwie, solange ich nur nicht in die Lethargie zurückfalle. Ich habe vorhin darüber nachgedacht, während ich (was überfällig war und sogar auf meiner Liste stand) das Altglas zum nahegelegenen Container getragen habe, und kam zu dem Ergebnis, dass ich – so vong Selbsreflezion her – wohl einer der besser für die Selbsttherapie geeigneten Menschen sein dürfte. Also nichts wie angefangen. Und das habe ich heute geschafft.

Also, meine Regeln lege ich noch einmal schriftlich fest wie folgt:

  1. Keine Handyspiele in der Wohnung.
  2. Kein AOE unter der Woche.
  3. Vor elf Uhr aufstehen, auch wenn ich keine Uni habe oder erst später losmuss.
  4. Keinen Alkohol mehr kaufen.
  5. Dinge prinzipiell genau so erledigen, wie es am sinnvollsten ist. Nicht auf das Alien hören.

Das wird Arbeit. Aber sie ist machbar.

Und die Sonne kommt raus!

Standard

Wenn alle Zutaten für Irish Coffee im Haus sind, man es geschafft hat, sich vor halb vier aus dem Bett zu bewegen, die To-Do-List für den Tag vor schönen Aktivitäten nur so strotzt, am Abend für geschlagene vier Tage der allerbeste Nebatxo zu Besuch kommt und das Pegglespielen erfolgreich unterbrochen wurde, obwohl das Handy noch Akku übrig gehabt hätte…

20170223_1201341.jpg

Dann wird es ein guter Tag.

Ich habe noch nie Krautwickel gemacht, aber erachte es für zwingend notwendig, mir diese Fähigkeit anzueignen (die Köstlichkeiten von Trudis Mutter habe ich in bester Erinnerung und dementsprechend auch explizit nach rumänischen Rezepten gegooglet) – der DDR-traumatisierte R wird davon weniger begeistert sein, aber zu meinem Glück dann hoffentlich auch weniger essen.

Nachdem ich neulich die wunderwunderschönste Ohrhängersession der Welt hingelegt habe – komplett mit aufgeräumtem Wohnzimmer, marokkanischen Lampen und Kerzen überall, Räucherstäbchen und (halte dich fest) Meditationsmusik, kann das, was ich für heute angedacht habe, zwar kaum mithalten, wird mir aber trotzdem mindestens zwei neue Paar bescheren (das Konzept steht schon). Die stehen mir dann zwar nicht, bei den Perlen, die ich vorhabe zu verwenden, aber wer weiß, vielleicht läuft mein lang geplanter Verkauf ja irgendwann doch mal an. Ich lasse es dich wissen. 😀

Nun aber ran ans Werk! Der Irish Coffee ist vertilgt. Katze von meinem Schoß vertreiben und aufi.

…und hier und da gibt’s sogar nette Leute.

Standard

Ach verdammt. Jetzt hatte ich mich seit Wochen mal wieder gerafft, um Leben in diese Blogwüste zu bringen (wobei das Fehlen neuer Einträge der unheimlichen Aktivität der bloglikenden Bots keinen Abbruch tut; I’m not amused, but really couldn’t care less at the same time, wobei dieser letzte Nebensatz wirklich hinter so ziemlich alles gehängt werden kann, was ich in letzter Zeit so fühle, wenn man von der Dankbarkeit, von R geliebt und von meinen Freunden unterstützt zu werden, mal absieht), da muss ich in 40 Minuten schon wieder los und werde dann auch noch durch einen Anruf von R und diverse Facebookgeschichten davon abgehalten.

Jetzt aber zum Glück nicht mehr. Ich hätte zwar mit der Kommilitonin Barbara, welche heute migränegeplagt zu Hause hängt und demzufolge gleich auch nicht mit auf den Weihnachtsmarkt kommt, wohl noch eine Weile weiter schreiben können – ich mag Barbara -, aber da ich ja eh schon wusste, dass um 19 nach mein Bus fährt und ich noch den Eintrag zustandebringen wollte, habe ich die Unterhaltung entgegen meiner Art frühzeitig beendet. „Du, ich bin mal weg.“ Ein Satz, den man von mir nicht oft hört; ich bin kaum je in der Lage, eine menschliche Interaktion von meiner Seite aus zu beenden. Meistens habe ich nicht das Bedürfnis dazu, in einigen wenigen Spezialsituationen fehlt mir einfach das Durchsetzungsvermögen (ich denke an den unvergesslichen Moment am Ende des Wochenendes, an dem Saskia mir die Dreads gemacht hat, Ende 2013 in Vitoria – dieser unfassbar viel redende Mensch stand nach 18 Stunden Schwerstarbeit (endlich – endlich – endlich im Begriff zu gehen) in meiner Wohnungstür und schaffte es, eine geschlagene halbe Stunde dort zu verweilen und von Hölzchen auf Stöckchen auf Hunde auf Katzen auf Mäuse etc. (you get the picture) zu kommen, während ich mir nichts sehnlicher wünschte, als endlich ins Bett zu kommen und mit Janine und Robert zu skypen, welche gewiss seit Stunden sehnsüchtig auf mich warteten).

Wie dem auch sei. Heute ist ein guter Tag. Das mache ich daran fest, dass ich heute die Sonne zu sehen bekam, und dieser Tatsache wiederum ist ein abruptes Abflauen der Lethargie geschuldet, in der ich momentan beheimatet bin. Wirklich, ich bin sehr charakterschwach momentan. Ich kann mich zu nichts, aber auch gar nichts bewegen und verzocke mein Leben auf dem Sofa. Das genaue Gegenteil von R, der sich so richtig am Riemen reißt gerade, einen Job im Call-Center angenommen hat (und von den Kollegen dort schon jetzt als der liebenswerte, nerdige Crack erkannt wurde, der er ist), vorhat, sein Studium zu Ende zu machen, wenn das Geld dafür erstmal da ist, und nicht mehr der Illusion erliegt, Arne, dieser hoffnungslose Fall, würde es jemals gebacken bekommen, diese Firma aufzubauen, in die er das letzte Jahr seines Lebens investiert hat.

Ein paar Sonnenstrahlen aber war heute alles, was benötigt wurde, um mir einen Funken Tatkraft einzuhauchen. Ich habe nicht sonderlich viel getan dann, aber allein dieses Gefühl, es theoretisch zu können, war erhebend. Ich hätte sogar bei dem Psychiater angerufen, wie ich es eigentlich schon letzte Woche Montag vorhatte, aber ich kam erst um drei Uhr aus Uni und Baumarkt zurück (ich habe Holzleisten von 2,40 Metern Länge im Bus hierher transportiert, ein Glück war der Busfahrer so tolerant und hat mich mitfahren lassen – auch wenn er meinte, ich bräuchte einen Lastwagen, nicht den Bus) und dachte mir dann, dass die Sprechzeiten des Psychiaters bestimmt nicht so lang sind. Sollte ich morgen tatkräftig und motiviert sein, werde ich anrufen. Es wird knapp; mein Medi-Vorrat ist praktisch aufgebraucht und ich bezweifele, sofort einen Termin zu bekommen. Und um Himmels Willen, ich brauche meine Medis. So oberflächlich gleichgültig sie mich auch machen. Außerdem trage ich, solange ich nicht endlich dort anrufe, bestimmt weiterhin den Fanny-van-Dannen-Ohrwurm mit mir herum: Ich brauche einen – neuen Psychiater.

So. Jetzt soll erstmal die Katze was fressen, bevor ich mich auf und davon mache.Vielleicht habe ich Glück und wir bleiben länger als eine Stunde auf dem Marktplatz, dann kann ich im Anschluss beim Gemüseladen vorbeifahren und schauen, ob die nette Besitzerin mal wieder was Essbares vor die Tür gestellt hat.

Mir fehlen die Worte…

Standard

Ich bin praktisch mit vier Fünfteln des Inhalts meiner BA-Thesis fertig und komme bisher auf 4806 Wörter, was besorgniserregend ist, da ich eigentlich 10 – 15000 brauche. Das heißt, die Hälfte meiner Thesis wird am Ende aus Füllmaterial bestehen. Ugh, ich will gar nicht drüber nachdenken.

Ich muss aber darüber nachdenken, weil es sich ja nun leider so verhält, dass das Ding am 8. Januar in Sack und Tüten sein muss – ugh, ich will gar nicht drüber nachdenken.

Auch darüber muss ich aber nachdenken, weil es doch ziemlich ärgerlich wäre, so weit gekommen zu sein und dann am Ende einfach nicht genug Wörter zusammenzuhaben.

Was treibe ich mich überhaupt schon wieder hier herum. Schreiben sollst du, schreiben.

Naja, ich schreibe doch. Hier fallen mir wenigstens Wörter ein. Wörter wie Sonne, deren Licht sich heute durch den wolkenlosen Himmel ausbreitet und ohne jeglichen Widerstand bis auf die Wand unseres Gartenschopfes prallt, fünf Meter von mir entfernt – mir, die ich in meinem Zimmer sitze und ab und an fasziniert nach draußen schaue, bevor ich mich wieder dem Computer vor meiner Nase zuwende. Eigentlich muss ich noch raus heute, bevor es sich am Ende wieder zuzieht und ich diese einmalige Chance auf Licht und Vitamin D bachelorarbeitsbegründet ungenutzt verstreichen lasse. Ja, weißt du was, ich ziehe mich an und gehe raus. Eine kleine Fahrt zum Großhandel wird mir nur guttun. Ich kann ja danach weitermachen.

Oh Fuck. Ich muss der einzige Mensch weltweit sein, der sich zum Rausgehen mit Containern motiviert und dieses dann extra frisch geduscht und angezogen zelebriert, während er eigentlich nur an die Sonne will. Aber meine Güte, besser is‘ – oder wäre es etwa von Vorteil, wenn ich gar nichts hätte, mit dem ich mich motivieren könnte, und es wieder den ganzen Tag nicht aus dem Bett schaffen würde? Na siehst du.

Am besten war R neulich: „Du bist doch nicht lethargisch. Du bist das blühende Leben!“ Selten so gelacht. Wie schade, einerseits, dass er nicht merkt, dass mein Tatendrang seit Wochen gegen null geht. Wie beruhigend, andererseits, dass ich den Anschein erwecke, als stünde mein Leben in voller Blüte. Und ich hab‘ ja auch wieder bessere Laune. Zum Glück. Und bald kommt meine Sonnenlichtlampe, dann wird alles noch viel besser.