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Long Live Big Brother

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Die Partei, die Partei, die hat immer Recht
Ja, Genossen, es bleibt dabei
Denn wer für das Recht kämpft, hat immer Recht
Gegen Lügen und Ausbeuterei.

Wer das Leben beleidigt, ist dumm oder schlecht
Wer die Menschheit verteidigt, hat immer Recht
Denn aus Lenin’schem Geist wächst von Stalin geschweißt
Die Partei, die Partei, die Partei!

Ich habe einen Ohrwurm.

Der Ohrwurm kommt daher, dass ich seit Montag mit Sophi an ihrer Präsentation für das mündiche Abi arbeite, mit der Leitfrage „Die DDR – ein totalitärer Staat?“ Und da ich seit einiger Zeit, was SED-Propaganda betrifft, für meinen eigenen Geschmack zu gebildet bin, konnte ich Sophi zur wohl passendsten Einleitung aller Zeiten verhelfen. (Sie sollen „kreativ“ sein bei der Einleitung. Nicht: „Ich halte heute mein mündliches Abi über…“ – sondern: „Ich werde einen Ausschnitt aus dem „Lied der Partei“ nutzen, um meine Präsentation einzuleiten.“ … „Den vollständigen Text finden Sie auf meinem Handout.“ Und, unter Einblenden der Titelfolie: „Ich habe mich mit der Frage beschäftigt, ob die DDR ein totalitärer Staat ist.“ Und so weiter.)

Im Lied der Partei kann man natürlich hervorragend schon die Hälfte dessen erkennen, was danach in der Präsentation ausgeführt wird. Zu Göttern erhobene Herrschende, quasi-religiöse Zustände. Führerkult und -idealisierung. Absolute Unkritisierbarkeit des Regimes. Aufgebauschte Feindbilder. Schwarz-Weiß-Denken. Vorgegebene Meinungen. Indoktrination. Ach, ich bin glücklich, dass ich ihr das Lied zeigen konnte. Und ich bin hochzufrieden mit der Präsentation und würde sie am liebsten selbst halten. Mal wieder. Warum kann man nicht das Abi zu einem Zeitpunkt im Leben machen, an dem man auch versteht, was man da labert. An dem man schon ein bisschen gelebt hat und irgendwie Vergleichswerte da sind für das, was einem in der Schule erzählt wird.

Aber nein, lieber stecken sie einen in die Uni, wo man auf die Stufe der Planlosigkeit erneut zurückgeworfen wird und sich fragt, was die Wissenschaftler mit ihrem Pseudointellekt bitte von einem wollen. Or maybe that’s just me. I guess it is. There are people out there that actually enjoy university. I guess.

Ich habe so sehr gefailt heute wie schon lang nicht mehr, und es war alles eine Sache von einer Stunde. Eigentlich fanden Teile des Fails gestern statt, als ich mir den Wecker auf nach neun statt nach acht stellte, was dazu führte, dass ich heute um nach neun Uhr seelenruhig aufstand und mich fertigmachte und sogar noch ein paar Bissen von dem Amerikaner frühstückte, der gestern bei den geretteten Brötchen dabei war, und mich sogar noch auf der Terrasse herumtrieb und die Pflanzen begutachtete und mich wunderte, warum ich eigentlich so wach war. Bis ich auf mein Handy guckte und den entgangenen Anruf der Therapeutin sah, von kurz nach neun.

Es war 9.47 Uhr; ich sah mich gezwungen, die Therapeutin anzurufen und ihr völlig schockiert unter tausend Entschuldigungen zu erklären, dass ich, ohne es auch nur zu bemerken, mich um eine Stunde verrechnet und sie ganz bestimmt nicht mit Absicht versetzt hatte. Sie versuchte mich zu beruhigen (mit mittelmäßigem Erfolg) und sagte, sie hätte sich Sorgen gemacht, ob mir vielleicht etwas passiert sei oder es mit der letzten Stunde zu tun hätte. Nein, natürlich nicht, sagte ich voller Inbrunst, ich habe einfach nur geschlafen. Das ist mir ja noch nie passiert, sowas – zumindest habe ich es sehr gut verdrängt, falls doch.

Also war ich genau pünktlich, um zu Sophi zu fahren. Dort war es schön, wie immer, und danach kam ich nach Hause und machte Spanisch mit Malte. (Er schafft es mittlerweile meistens, die Adjektive ihren Substantiven anzugleichen und die Artikel ebenso, und er hat seit Neuestem eine Technik entwickelt, eine Art gerolltes R hinzubekommen. Ein richtiges [r] ist es jetzt noch nicht, aber es könnte mal eins werden.) Wir haben das aufgenommen, nachdem er sich entschieden hat, demnächst auf Teneriffa Urlaub zu machen. Du kennst mich ja. Wenn ich jemandem Sprachen beibringen kann, ist die Welt in Ordnung. Malte fehlt zwar die natürliche Begabung, aber das kompensiert er durch Begeisterung und Motivation. Also arbeiten wir momentan fast täglich an seiner Teneriffatauglichkeit.

Manchmal kommt R nach Hause und gibt seinen Senf dazu. Er weigert sich zwar, mich sein Spanisch auffrischen zu lassen (immerhin war er mal für Spanisch Lehramt eingeschrieben – aber andererseits, wofür war R nicht irgendwann mal eingeschrieben), trotzdem – unter Beweis stellen, dass seines immer noch besser als das von Malte ist, muss er dann doch und ruft „tengo ojos verdes“ dazwischen, während ich noch dabei bin, Malte zu erinnern, dass „ocho“ und „ojo“ unterschiedliche Wörter mit unterschiedlichen Bedeutungen und unterschiedlicher Aussprache sind. Das freut mich aber mehr, als es mich nervt, denn würde ich R direkt damit konfrontieren, würde ich nur Widerwillen ernten.

Jetzt aber zurück zu Unbabel; vielleicht sind ja wieder Aufgaben verfügbar. Wenn nicht, nenne ich es einen Tag und gehe Richtung Bett. Dort könnte ich Huckleberry Finn zu Ende lesen; ich müsste bald damit durch sein. Ein schöner Plan. Gute Nacht.

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Wirbel im Haushalt – merkwürdige neue Gewohnheiten

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Keine Arbeit mehr bis nächste Woche! Ich verstehe zum ersten Mal im Leben das Gefühl, nicht zu wissen, was man mit der ganzen freien Zeit anfangen soll. Darüber hatte Simone mal geredet, am Anfang ihres Medizinstudiums. Jetzt kann ich zumindest nachvollziehen, was sie gemeint haben muss, als sie auf einmal ein paar Wochen Ferien hatte. Nicht dass ich schon soweit wäre. Langweilig wird mir ganz bestimmt nicht. Ich bin gerade auf Antiprokrastinationskurs; seitdem ein bisschen freie Zeit wieder in mein Leben Einzug gehalten hat, bin ich permanent am Putzen und Aufräumen. Wer hätte gedacht, dass ich mich in diesem Leben nochmal zu jemandem entwickele, der freiwillig einen Wischlappen in die Hand nimmt.

Mein Zimmer sieht tadellos aus. Ich habe heute auch noch die letzten Überreste des Chaos, namely eine kleine Fläche Regal und die Fensterbank, von selbigem befreit und bin nunmehr so ziemlich zum ersten Mal überhaupt stolze Bewohnerin eines wirklich, wirklich ordentlichen Raumes. Das schon über mehrere Tage hinweg, wenn man von besagten Überresten einmal absieht. Das ist mir fast schon unheimlich. Meine Duftlampe ist an, ich fühle mich wohl und bin verwirrt, was wohl auf einmal in mich gefahren ist. Wie viel Energie dabei draufgeht. Aber dafür sieht alles so schön und sauber aus. Und – auch wohl zum ersten Mal überhaupt – alles hat einen eigenen Platz. Respekt, wirklich. Der Umzug hat Wunder gewirkt.

Lisa hat mich besucht. Sie ist schon wieder zurück aus Litauen; dort hat es ihr nicht im Geringsten gefallen und sie ist nach ein paar Wochen zurückgekommen, was ihr nicht leicht fiel, weil ihre Eltern wohl Druck gemacht haben – wenn sie das Auslandssemester abbrechen würde, könnte sie auch gleich ihr Studium abbrechen. Das hilft – besonders, wenn man wie sie eh überhaupt nicht glücklich ist mit seinem Studium. Jedenfalls habe ich mich gefreut, sie so unerwartet schnell zurückzuhaben, und sie mit Tee, Méringues und misslungenem Kuchen abgefüllt. (HILFE – mir ist in ebendiesem Moment aufgegangen, warum er so eine entsetzliche Konsistenz hat. Man sollte einfach nicht backen, während man sich unterhält. Ich bin doch wahnsinnig. Ich habe das Mehlgedöns brutal mit dem Mixer untergerührt, statt es vorsichtig, wie ich doch immer noch so gerne betone, vorsichtig unterzuheben, und habe es nichtmal gemerkt. Bis jetzt. Oh je, oh je, wo soll das nur hinführen.)

Jetzt ist Lauras Computer endgültig abgekackt und ich muss warten, bis sie wieder anruft, um ihr weiter Sachen auf Spanisch zu sagen, die sie dann begeistert wiederholt und die im Anschluss fürs Erste wieder in der Versenkung verschwinden, bis sie ihren Spanischkurs an der Uni belegt (oh, hoffentlich tut sie das. Solche Motivationsschübe müssen ausgenutzt werden) – eine gute Gelegenheit, um mir kurz was zu trinken zu holen und hier fertigzumachen. Gabon.

Pechphoenix

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Glück muss man haben.. mir wurde irgendwann zwischen vorvorgestern und gestern Abend mein Leihfahrrad vor der Haustür weggeklaut. Somit bin ich jetzt geld-, busticket- und fahrradlos. Hoffentlich nicht für lange; Serj hat mir geschrieben, dass ich meins am Wochenende bei seiner alten Wohnung abholen kann. Na wollen wir’s hoffen.

Was ist das für ein entsetzlicher Font hier auf einmal, es ist alles so.. anders. Ih. Ich mag es nicht, wenn sich Sachen so ändern. Und dann noch grundlos.

Es gibt zu viele Sachen, die ich tun muss. Meine Bankkarte ist zwar gesperrt, aber ich habe die Bank noch nicht informiert. Meinen Perso und die Versichertenkarte muss ich als verloren melden und jeweils neue beantragen. Einen neuen Studenten-, Foodsharing- und sogar einen verfickten neuen Organspendeausweis brauche ich. Bei der Gelegenheit könnte man dann gleich auch mal seinen 2011 abgelaufenen Reisepass erneuern – schaden kann’s ja nie, denke ich mir einfach mal so. Einen Psychiatertermin muss ich machen. Und ich war seit Jahren nicht mehr beim Zahnarzt; ich sollte Mama bitten, mir das Bonusheftchen runterzuschicken, und mir endlich mal hier einen suchen. Langsam kann ich nicht mal mehr vor mir selbst mein Nichthingehen mit einem vorgeschobenen Mangel an Belastbarkeit rechtfertigen.

Vorhin habe ich mit meiner costarricanischen Familie geredet; es war sehr, sehr lange her und es war Zeit.. und schön war es, so schön, und vor allem kann ich ganz anders mit ihnen reden seit diesem letzten Jahr. Da ist es mir fast schon egal, ob ich mal einen Fehler mache. Und überhaupt, was ich sage. Nicht wie damals, als ich dawar. Bis hin zum Schluss habe ich es einfach nicht gelernt, das angstlose Reden, und mehr noch, das angstlose Sein. Ein umso größeres Wunder ist es daher für mich, dass sie mich immer noch genauso lieben wie ich sie. Sich an alles erinnern und mir mit jedem Wort das Gefühl geben, nach wie vor Teil der Familie zu sein. Selbst wenn ich mich nur im Halbjahrestakt dazu überwinden kann, mit ihnen zu reden. Wieso auch immer. Ich bin merkwürdig und habe ein paar ganz dämliche Probleme, ich weiß schon.

Aber trotzdem. Sollte ich auch manchmal merkwürdig sein, vergiss einfach nicht, du redest mit einer Einjährigen. Dafür mache ich mich doch eigentlich schon ganz ordentlich.

Sag ich’s doch.

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Zufälle gibt’s. Ich meine, so oft finde ich keine Lieder, die mit mir reden.
Und das einen Tag nach diesem letzten hochdramatischen Eintrag.

„Tú tienes miedo a vivir“ – wie gut, dass das geklärt wäre.

Ganz abgesehen davon bestätigt das Lied nur wieder einmal meine bisher unumstößliche Theorie, dass das Wort „corazón“ (ersetzbar durch einige wenige andere, aber meistens in eben dieser Reinform) mindestens einmal in jedem spanischsprachigen Lied vorzukommen hat. Corazón – das, was Tanzen für Bollywood ist, ist corazón für die spanischsprachigen Songwriter. Irgendwann kann ich gut genug Spanisch, um meinen eigenen spanischen Text zu schreiben, den nenne ich dann „boykot al corazón“ und kreiere somit einen herrlichen Widerspruch für den Text in sich. Oh, vielleicht sollte ich das demnächst mal in Angriff nehmen. Jetzt aber muss ich los zu Simultánea, oh herrlicher Kampf mit dieser herrlichen Sprache, auf dass er von Neuem beginne.

Zweifelnd

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Okay, ich hab Angst. Davor nämlich, was passiert, wenn ich zurückkome. Was kann schon groß passieren in dem halben Jahr, hab ich mir gedacht, als ich wegging. Kam hierher und..

Seitdem ich in Málaga war vor, lass mich denken, fünfeinhalb Jahren, denke ich bei jeder Packung Milch, die ich leertropfen lasse mit meiner typischen Schüttelbewegung, den gleichen Satz. „No puedes ordeñar a un cartón de leche.“

Jedes Mal.

Wenn Araceli wüsste, dass sich ihre Stimme durch mein ganzes Leben ziehen wird. Einer der ersten spanischen Sätze, die ich so glasklar in Erinnerung habe.

„Como si me hubieran cortado la lengua“, sagte sie, eine andere Schülerin zitierend, die bei ihr gewohnt hatte und verzweifelt war ob der plötzlichen, mit Wucht in ihre Existenz einschlagenden Sprachbarriere. Ich habe damals bezweifelt, und tue es heute noch, ob besagte Schülerin tatsächlich das Imperfecto del Subjuntivo richtig angewendet hat oder ob Araceli nicht irgendwo in dem Zitat ein „[nicht ganz sic]“ hätte unterbringen müssen. Meine liebste Zeit, mein liebster Modus von allen, das Imperfecto del Subjuntivo.

Wo war ich. Kam hierher und habe erfahren, dass ich nicht wie bislang angenommen immun gegen Heimweh bin. Ich hatte nie Heimweh. Nirgends. Stellt sich raus, für Heimweh braucht man zuerst ein Zuhause.

Wenn ich nach Hause komme und es wird nicht wie vorher. Wenn es mich nicht wieder aufnimmt. Thing is, things change. Mainly because some people tend to care more or less about certain things than others. Priorities differ. What if mine aren’t compatible with theirs. What if I’m like Ted (which I am anyways. Boy, do I love Ted. Too bad he’s not real.) – clinging on to a 10 year-old smelly dust-farting red beanbag with hardly any beans left in it.

Es gibt so viel, worauf ich mich freue, wenn ich erst einmal wieder dabin. So viele Komponenten, die sich einfach nicht mit neuen Bekanntschaften und Baskischlernen und Übersetzungen und Chocolate con Churros ersetzen lassen. Was habe ich zum AG gesagt heute Nachmittag, wenn ich zurückbin, kann endlich meine Zukunft anfangen, was freue ich mich auf meine Zukunft. Obwohl ich ja eigentlich jetzt erstmal hier die Gegenwart schätzen und nutzen wollte. Aber wenn dann die Zukunft nicht so funktioniert, wie ich das gerne hätte. Davor fürchte ich mich gerade.

Keinen sehr weisen Tag scheine ich zu haben heute. Muss auch mal wieder sein. Manchmal bin ich mir selbst unheimlich mit der ganzen inneren Ruhe, die sich in vielen anderen Momenten den aufkommenden Zweifeln einfach in den Weg stellt. Manchmal sagen Leute zu mir, es wäre schrecklich, wie ich immer alles relativieren müsste. Laura vorgestern – „du kannst nicht einfach mal zustimmen, dass etwas scheiße ist.“
Doch, schon, aber ungern.

Jalapeño.

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Sogar dafür bin ich zu müde, schnell zu googlen, wie das Phänomen nochmal heißt, wenn man sich unfreiwillig steuern lässt, indem man bewusst einem Befehl zuwiderhandelt. Negative obedience? Positive disobedience? Dingensbums counteraction? Chinga su madre güey?

Ich habe vorgestern einen Engländer kennengelernt, der gestern nicht zu Traducción Inglés-Español kam, weil er vergessen hatte, seine Handyuhr eine Stunde zurückzustellen. Wohlgemerkt nach einer knappen Woche hier. Das muss man auch erstmal schaffen – talk about more verplant que yo.

Mein Kopf ist voll mit spanischen Wörtern.

Und Fetzen von Songs. Hey Jude macht gerade Pause, danke auch, ein paar Stunden ununterbrochene Judylosigkeit nach den knapp drei Wochen tut auch ganz gut. Ruhig ist es trotzdem nicht gerade. Irgendwie fliegt alles durcheinander. Help me help you. Das Gepfeife der Txistus vorhin in der Innenstadt, der unbenannte Spontaneinfall von vor einer Woche, Patti Smiths Cover von.. ich hab schon wieder vergessen, was. Jetzt auch das, welches momentan noch Chop the Tree heißt, obwohl (eher weil) ich daran nicht denken wollte.

Sehr bekloppt eigentlich, wie ich den ganzen Tag lang rumlaufe und tiefsinnige Beobachtungen anstelle und alles, und a la hora de redactar den – eh schon verspäteten – täglichen Eintrag schiebt sich original nichts mehr davon in den Vordergrund.

Was dagegen sehr wohl heraussticht, ist mein Bedürfnis, nun zu schlafen. Ondoloin.

Simultanisierungskräfte, vereinigt euch.

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Da habe ich ja mal wieder was angestellt.
Aus irgendeinem Grund bin ich heute statt in Teoría y Modalidades in.. ratataplan… Interpretación simultánea – Inglés-Español gelandet. Was natürlich herrlich ist, in Anbetracht der Tatsache, dass ich nichtmal auf Deutsch wirklich fürs Simultandolmetschen geschaffen bin, siehe meine beeindruckenden Antitaskingskills. Klar, dass ich absolut begeistert bin von der Aussicht, diese nun vom Englischen ins Spanische demonstrieren zu dürfen. Denn natürlich habe ich, wenn ich schonmal dawar, beschlossen zu bleiben.

Ich hatte mir eh zwischenzeitlich überlegt, diesen Kurs zu machen. Er steht sogar in meinem Learning Agreement – mit Unterschrift aus Konstanz und allem. Das war die Phase, wo ich gerade mal wieder meinte, mir Herausforderungen suchen zu müssen. Jetzt dagegen ist die Phase, in der ich am liebsten nur Sachen belegen würde, die ich eh im Schlaf kann. Und dazu noch Euskera.

Nachdem uns Erasmusstudenten gestern schon im Spanisch-Englisch-Übersetzungskurs gesagt wurde, dass es kaum eine Möglichkeit für unser Bestehen gibt – sehr ermutigend, sehr – war die Simultánea-Dozentin heute aber überraschend positiv gestimmt und meinte, wir (es gab an Erasmus-Menschen außer mir noch eine Französin im Kurs) sollten einfach ein paarmal kommen und schauen, wie es uns so passt.

Mich beeindruckt diese Disziplin, das Simultandolmetschen, ja ungemein – vielleicht gerade weil es so eine enorme Herausforderung darstellt, eine praktisch chancenlose noch dazu. Aber was kann es schon schaden – zu Hause habe ich gar nicht erst die Chance, es zu versuchen, weil es schlicht und ergreifend keine Dolmetschkurse gibt, nichtmal Konsekutivdolmetschen.

Und was noch unglaublich ist – ganz eventuell habe ich schon eine Arbeit. An einer Sprachschule nämlich, als Deutschlehrerin; die Frau, der mich Enara da vermittelt hat, hat mir sogar schon zurückgeschrieben. Es war zwar keiner da, als ich versucht habe anzurufen, aber nacher probier ich’s nochmal. Wie epic wäre das denn!

Schwachsinn in Mengen

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Kaum eine Woche hier und schon fang ich an, auf Spanisch zu träumen.

Nicht dass meine Träume nicht auf jeder Sprache gleich skurril wären. Und durch die ständigen Ermahnungen der Therapeutin damals habe ich mir ja auch antrainiert, mich an jede bescheuerte Kleinigkeit zu erinnern. Ich mache mir schon gar nicht mehr die Mühe, es alles zu dokumentieren – mich überwältigt die schiere Menge. Ich fürchte aber auch, nichtmal die Therapeutin wäre interessiert zu erfahren, dass ich letzte Nacht mit einem aufblasbaren Haus auf dem Kopf im Bodensee herumgeschwommen bin, während ich versucht habe, für eine undefinierte Person neben mir auf dem Steg meine Kamera auf die richtigen Settings einzustellen, ohne dass diese ins Wasser fällt. Oder dass ich vorletzte Nacht in Oldesloe am Bahnhof beim Containern erwischt wurde, weil ich mit laut raschelndem Plastik in der Hand direkt am Eigentümer des Mülls vorbeigegangen bin. (Das fällt wohl mal wieder unter die Kategorie des eigenverschuldeten Fails.) Oder dass ich mit der Band im Wohnzimmer meiner Eltern war und Sebi sich geweigert hat einkaufen zu gehen. (Mir war ja klar, dass er sich weigern würde, bloß die anderen wollten nicht auf mich hören.)

Meine Feststellungen aus der wachen Welt belaufen sich im Wesentlichen darauf, dass ich mit meiner spanischsprachigen Persönlichkeit nicht zufrieden bin und sie wie eh und je für ihr übertriebenes Introvertiertsein verfluche. Gowai, wie ich sie verfluche. Sie ist immer noch fast auf dem Stand, von dem aus ich die deutsche und englische Persönlichkeit mittlerweile unter enormsten Anstrengungen ein paar Schritte weit in Richtung Interaktionsfähigkeit bugsiert habe. Würde sie doch nur einfach mal hinterherkommen.

Stundenplan, Stundenplan, bald fängt alles wieder an!

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Mein Stundenplan für das nächste Semester ist fertig!  Zumindest der vorläufige Entwurf; vielleicht ändere ich ja noch etwas daran. (Eh nicht, wie ich mich kenne.)

Er ist sehr leer, zumindest was die Anzahl der Veranstaltungen angeht – zwei freie Tage bis jetzt, falls ich das mit Türkisch III nicht mehr hinbekomme – wie es ja ganz aussieht, denn seit wann schaffe ich es, mich für irgendetwas einzusetzen oder zu engagieren? – und nie mehr als zwei Veranstaltungen am Tag; trotzdem glaube ich schon, dass das, was ich mir da vorgenommen habe, es in sich haben könnte.

Ich habe ein Seminar über sprachliche Minderheiten in Spanien entdeckt, das Enara anbietet, meine Baskischdozentin. (Die mich eh lieben wird, sobald sie erfährt, dass ich in Vitoria angenommen wurde. Was sie tun wird, sobald sie meine Mail liest. Welche ich ihr vorgestern auf Energy Drink geschrieben habe und ein wenig überenthusiastisch aussehen könnte, aber auch egal.) Und dann noch extra zwei Kerngebiete dieses Mal belegt, Syntax I und Semantik des Spanischen, um auch ja sicherzugehen, dass ich die Orientierungsprüfung diesmal wirklich bestehe. Wofür mir ja ein Kerngebiet noch fehlt. Wenn ich jetzt also Syntax nicht bestehe, dann hoffentlich Semantik. Eigentlich wollte ich ja Semantik so gut es geht umgehen, aber dieses Semester wird in Pragmatik nichts angeboten und in Morphologie nur ein Proseminar. Das ich allein schon nicht belegen würde, weil es Proseminar heißt; ich habe gegen dieses Wort etwas. Und im Übrigen auch gegen das, was dahinter steckt. (Womit wir zurück im Bereich der Semantik wären.)

Und ansonsten kein Spanischkurs. Dafür Englisch-Sprachpraxiskurse: Pronunciation (wobei ich nochmal nachrechnen muss, ob das wirklich sein muss – nicht dass ich am Ende doch schon genug Sprachpraxis-Credits habe und mich umsonst ein Semester lang in Pronunciation hocke) und Developing Fluency through Storytelling – bei meiner lieben ehemaligen Translation- und Grammar in Context-Dozentin, die mich schon kennt und wahrscheinlich die Augen verdrehen wird, wenn ich schon wieder in einem ihrer Anfängerkurse aufkreuze. (Nein, wird sie nicht, das ist nicht ihre Art. Vielleicht kommt sie wieder zu mir und sagt mir, dass sie mich auf die Warteliste gepackt hat. Nur, weil sie meint, Andere würden den Platz im Kurs eher brauchen.) -Aber was soll ich machen, ich brauche doch nunmal die Credits. Achtundvierzig Stück insgesamt durch Sprachpraxis, wovon ein paar auch durch Nachbarwissenschaften abgedeckt werden können – da war aber dieses Mal schon wieder nichts dabei, zumindest soweit ich gerade feststellen konnte.

Auswe-g.

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Vor geraumer Zeit mal ist mir etwas aufgefallen, das viele Menschen – die meisten Deutschen, würde ich mal behaupten – nie wissen werden. Ist jetzt nichts sonderlich schwer zu Verstehendes, aber man kommt einfach nicht unbedingt drauf ohne das nötige Hintergrundwissen. (Oder natürlich, ich habe einfach nur mal wieder den Großteil meines Lebens gefailt, so wie bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir klarwurde, warum „Hamburger“ Hamburger heißt. Oh glorreicher Moment.)

Und zwar gibt es ja die Band SKA-P. Spanier, politisch sehr opinioniert, wenn ich das Wort mal schnell erfinden darf, Aktivisten. Aufrührer. Nennen ihre Band SKA-P. Warum genau tun sie das, habe ich mir irgendwann überlegt – hatte mich nie sonderlich mit ihnen beschäftigt, kannte bis vor ein paar Monaten nichtmal wirklich Musik von ihnen. Hatte mir im August 2011 zwar ihre gesammelten Werke von Şahins Computer gezogen, zusammen mit allem möglichen anderen Zeug, das er sich irgendwann mal interessenshalber geladen, aber wahrscheinlich kaum öfter als ich je gehört hatte. Dankenswerterweise, so konnte ich den ganzen Kram nachher dazu nutzen, mir einen neuen musikalischen Horizont aufzubauen.

Warum also heißt SKA-P SKA-P? Nunja, sie machen Ska-Punk, deswegen also? Vielleicht – aber pass auf. Tadaaaa. Im Spanischen ist doch [s] + Konsonant überhaupt kein möglicher Silbenonset. Was machen die Guten also – hängen ein [ɛ] davor. Wenn man das Ganze dann ausspricht, kommt, tadaa, ESKA-P heraus. Was sich, vor allem wenn man es ein bisschen orthographisch angleicht, verdächtig nach esca-pe anhört. Fluch-t. Auswe-g. Faszinierend; ich bin mir wirklich sicher, dass viele, unter Anderem der werte Mensch, durch den ich erst drauf gekommen bin, zu dieser simplen Erkenntnis nie gelangen werden.